Pflege- und Gesundheitsreform

In diesem Forum werden Themen rund um die sozialen Sicherungsysteme diskutiert.
Krankenversicherung, Arbeitslosenversicherung, Arbeitslosengeld 2 (HartzIV), Rentenversicherung, Sozialgesetzbuch.

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Re: Pflege- und Gesundheitsreform

Beitragvon Cobra9 » Di 28. Mär 2017, 13:47

yogi61 hat geschrieben:(26 Mar 2017, 12:16)

Sehr interesseant, dass Du MSRA erwähnst, aber leider interessiert dieses Thema die Allgemeinheit auch nicht. Die Hygienestandards in den Kliniken sind derart katastrophal,dass man jedem Hobby-Fußballer mit einer klaffenden Wunde aus medizinischer Sicht eigentlich dazu raten müsste, sich die Sache lieber selber zu tackern, als eine Klinik aufzusuchen.
400.000 bis 600.000 Patienten im Jahr in Deutschland reichen natürlich nicht aus und zur Ehrenrettung der Medizin darf man natürlich betonen, dass die Zahl der Todesfälle durch schnelle Amputationen noch einigermassen im Rahmen gehalten wird und dennoch geht die britische Regierung davon aus, dass die Zahl der Todesfälle bis 2050 von 23.000 auf 400.000 Tote steigen wird. Der Verweis, dass dieser Statistik natürlich auch zu grunde liegt, dass die Gesellschaft stark altert, also vermehrt geschwächte Patienten die Kliniken aufsuchen werden, tröstet hier nicht wirklich. Wenn über Gesundheit gesprochen wird, dann werden immer nur die Kosten gesehen und deswegen ist es um so unverständlicher, dass sich in der Politik auf diesem Feld nichts tut.
Wenn Hermann Gröhe 2015 auf dem G7 Gipfel vor einem "Rückfall in das Vor-Penicillin-Zeitalter" gewarnt hat, dann darf man HerrnGröhe ruhig mal fragen, warum seit 2015 auf diesem Gebiet eigentlich nichts passiert ist. Wie gesagt, interessiert die sogenannten Wähler nicht, interessiert sie erst, wenn ihnen oder ihren Lieben das Bein abgenommen werden muss,die Tochter ihr Frühchen verliert oder Mutter oder Vater elendig im Krankenhaus verreckt und man zwei Wochen dabei zuschauen darf.


Es denkt kein Mensch gerne über sowas nach und seien Wir ehrlich, es ist im Alltag einfach zu nebensächlich bis es einen trifft. Aber auch bei den Kliniken selber sind Grundlagen teilweise nicht eingehalten. Simpel zu merken, aber selten gemacht. Schutzkleidung (Schutzkittel, Handschuhe) werden pro Patient nur genutzt, dann neu. Wird oft nicht gemacht.Übertragung von MRSA findet hauptsächlich während direktem pflegerischem Kontakt oder während der Versorgung des Patienten statt, wie beispielsweise beim Waschen, beim Bett bereiten, bei der Wundversorgung und Ähnlichem. Darum ist es wichtig, dass diese Handlungen in einem Einzelzimmer stattfinden, weswegen ein Bewohner mit MRSA in einem Einzelzimmer gepflegt werden muss. Ich hab selber gesehen das die Patienten im gleichen Mehrbett-Zimmer blieben.

Kostengründe denke ich
Anton Tschechow

Keine Literatur kann in puncto Zynismus das wirkliche Leben übertreffen.
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Re: Pflege- und Gesundheitsreform

Beitragvon yogi61 » Di 28. Mär 2017, 16:58

Cobra9 hat geschrieben:(28 Mar 2017, 14:47)

Es denkt kein Mensch gerne über sowas nach und seien Wir ehrlich, es ist im Alltag einfach zu nebensächlich bis es einen trifft. Aber auch bei den Kliniken selber sind Grundlagen teilweise nicht eingehalten. Simpel zu merken, aber selten gemacht. Schutzkleidung (Schutzkittel, Handschuhe) werden pro Patient nur genutzt, dann neu. Wird oft nicht gemacht.Übertragung von MRSA findet hauptsächlich während direktem pflegerischem Kontakt oder während der Versorgung des Patienten statt, wie beispielsweise beim Waschen, beim Bett bereiten, bei der Wundversorgung und Ähnlichem. Darum ist es wichtig, dass diese Handlungen in einem Einzelzimmer stattfinden, weswegen ein Bewohner mit MRSA in einem Einzelzimmer gepflegt werden muss. Ich hab selber gesehen das die Patienten im gleichen Mehrbett-Zimmer blieben.

Kostengründe denke ich


Ja Kostengründe, weil man Kliniken als Wirtschaftsunternehmen führen will. Bitter für die Leute, die deshalb elendig verrecken müssen.
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Re: Pflege- und Gesundheitsreform

Beitragvon jorikke » Di 28. Mär 2017, 17:46

yogi61 hat geschrieben:(28 Mar 2017, 17:58)

Ja Kostengründe, weil man Kliniken als Wirtschaftsunternehmen führen will. Bitter für die Leute, die deshalb elendig verrecken müssen.


Mensch Yogi, natürlich kann man alles auf dieser Welt mit massivem Kapitaleinsatz verbessern.
Das Geld fehlt dann anders wo.
Nun komm mal wieder runter.
"elendig verrecken" und ähnliche Formulierungen scheinen für dich die Grundlage einer "vernünftigen" Diskussion zu sein.
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Re: Pflege- und Gesundheitsreform

Beitragvon yogi61 » Di 28. Mär 2017, 17:48

jorikke hat geschrieben:(28 Mar 2017, 18:46)

Mensch Yogi, natürlich kann man alles auf dieser Welt mit massivem Kapitaleinsatz verbessern.
Das Geld fehlt dann anders wo.
Nun komm mal wieder runter.
"elendig verrecken" und ähnliche Formulierungen scheinen für dich die Grundlage einer "vernünftigen" Diskussion zu sein.


Man kann einen sinnlosen Tod natürlich auch eleganter umschreiben, das Ergebnis ist aber gleich.
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Re: Pflege- und Gesundheitsreform

Beitragvon jorikke » Di 28. Mär 2017, 17:51

yogi61 hat geschrieben:(28 Mar 2017, 18:48)

Man kann einen sinnlosen Tod natürlich auch eleganter umschreiben, das Ergebnis ist aber gleich.


Kannst du mal kurz einen sinnvollen Tod erklären?
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Re: Pflege- und Gesundheitsreform

Beitragvon yogi61 » Di 28. Mär 2017, 18:00

jorikke hat geschrieben:(28 Mar 2017, 18:51)

Kannst du mal kurz einen sinnvollen Tod erklären?


Könnte ich natürlich, ist doch keine Frage. Lieber erkläre ich aber einen sinnlosen Tod, den nämlich, wenn sich auf Grund mangelnder Zeit Ärzte oder Pflegepersonal die Hände nicht richtig desinfiziert habenv und da muss mir auch keiner mit Sparzwängen kommen.
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Re: Pflege- und Gesundheitsreform

Beitragvon 3x schwarzer Kater » Di 28. Mär 2017, 18:03

yogi61 hat geschrieben:(28 Mar 2017, 17:58)

Ja Kostengründe, weil man Kliniken als Wirtschaftsunternehmen führen will. Bitter für die Leute, die deshalb elendig verrecken müssen.


Natürlich muss eine Klinik mit dem auskommen, was sie an Einnahmen hat. Leider sind wir in Deutschland ja immer noch der Meinung dass eine gute Gesundheitsversorgung kostenlos zu sein hat. Wenn sie kostenlos ist, dann ist sie auch nichts wert. Das ist auch eine alte Weisheit. Dabei wird vergessen, dass die Gesundheitsversorgung in Deutschland zu den Besten der Welt gehört. Natürlich kann man sie noch verbessern. Dann muss man halt die Einnahmen verbessern. Also Erhöhung der Krankenversicherung oder eben der Zuzahlung.
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Re: Pflege- und Gesundheitsreform

Beitragvon yogi61 » Di 28. Mär 2017, 18:08

3x schwarzer Kater hat geschrieben:(28 Mar 2017, 19:03)

Natürlich muss eine Klinik mit dem auskommen, was sie an Einnahmen hat. Leider sind wir in Deutschland ja immer noch der Meinung dass eine gute Gesundheitsversorgung kostenlos zu sein hat. Wenn sie kostenlos ist, dann ist sie auch nichts wert. Das ist auch eine alte Weisheit. Dabei wird vergessen, dass die Gesundheitsversorgung in Deutschland zu den Besten der Welt gehört. Natürlich kann man sie noch verbessern. Dann muss man halt die Einnahmen verbessern. Also Erhöhung der Krankenversicherung oder eben der Zuzahlung.


Es muss das Ziel des Staates sein, die Gesundheit für die Bevölkerung zu optimieren. Amputierte oder andere Opfer können sich für die Floskeln der tollen Gesundheisleistungen eben nichts kaufen und wenn das Bein abgeschnitten ist oder ein Angehöriger verstorben ist, dann tröstet das sicher nicht. Man kann die Einnahmen durch Bundeszuschüsse erhöhen und man kann ein wenig darauf eingehen, was ich bisher beschrieben haben, nämlich auch gleichzeit die Kosten senken.
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Re: Pflege- und Gesundheitsreform

Beitragvon jorikke » Di 28. Mär 2017, 18:27

yogi61 hat geschrieben:(28 Mar 2017, 19:00)

Könnte ich natürlich, ist doch keine Frage. Lieber erkläre ich aber einen sinnlosen Tod, den nämlich, wenn sich auf Grund mangelnder Zeit Ärzte oder Pflegepersonal die Hände nicht richtig desinfiziert habenv und da muss mir auch keiner mit Sparzwängen kommen.


Da bist du mir voraus. Einen sinnvollen Tod zu erklären würde mich überfordern.
Das Elend dieser Welt mit dem Nichthändewaschen von Ärzten zu erklären erscheint mir - Verzeihung - als Macke.
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Re: Pflege- und Gesundheitsreform

Beitragvon BlueMonday » Mi 29. Mär 2017, 12:42

jorikke hat geschrieben:(28 Mar 2017, 19:27)

Da bist du mir voraus. Einen sinnvollen Tod zu erklären würde mich überfordern.
Das Elend dieser Welt mit dem Nichthändewaschen von Ärzten zu erklären erscheint mir - Verzeihung - als Macke.



Probier mal dieses Werk dazu:

Ein Zwiegespräch zwischen (Acker)Mann, der den Tod seiner Frau beklagt und Gevatter Tod:

„Hätten wir seit des ersten lehmgebatzten Mannes Zeit die Vermehrung und Ausbreitung des Menschen auf der Erde, der Tiere und des Kriechzeugs in der Wüste und im Unterholz, der Schuppentieren und schlüpfrigen Fische im Wasser nicht ausgemerzt, vor kleinen Mücken könnte sich jetzt niemand retten, vor Wölfen wagte sich niemand hinaus. Auffressen würde ein Menschenkind das andere, ein Tier das andere, ein jeder belebte Körper den anderen, denn an Nahrung würde es ihnen gebrechen, die Erde würde ihnen zu eng.“

https://de.wikipedia.org/wiki/Der_Ackermann_aus_Böhmen

Tod schafft Raum für neues Leben.
But who would build the roads?
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Re: Pflege- und Gesundheitsreform

Beitragvon jorikke » Mi 29. Mär 2017, 19:35

BlueMonday hat geschrieben:(29 Mar 2017, 13:42)

Probier mal dieses Werk dazu:

Ein Zwiegespräch zwischen (Acker)Mann, der den Tod seiner Frau beklagt und Gevatter Tod:

„Hätten wir seit des ersten lehmgebatzten Mannes Zeit die Vermehrung und Ausbreitung des Menschen auf der Erde, der Tiere und des Kriechzeugs in der Wüste und im Unterholz, der Schuppentieren und schlüpfrigen Fische im Wasser nicht ausgemerzt, vor kleinen Mücken könnte sich jetzt niemand retten, vor Wölfen wagte sich niemand hinaus. Auffressen würde ein Menschenkind das andere, ein Tier das andere, ein jeder belebte Körper den anderen, denn an Nahrung würde es ihnen gebrechen, die Erde würde ihnen zu eng.“

https://de.wikipedia.org/wiki/Der_Ackermann_aus_Böhmen

Tod schafft Raum für neues Leben.


Das ist sicher nicht falsch.
Die Logik beginnt aber mit dem Satz: "Hätten wir.."
Haben wir aber nicht.
Der eigene Tod wird nicht sinnvoll weil etwas nachkommt.
Ich soll Platz machen damit irgend ein Trottel ein Spielfeld bekommt?
Wäre ja fast tragisch.
Spaß bei Seite, es ist unsinnig eine Detailfrage mit dem großen Hammer zu beantworten.
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Re: Pflege- und Gesundheitsreform

Beitragvon Zinnamon » Fr 31. Mär 2017, 20:23

jorikke hat geschrieben:(28 Mar 2017, 18:51)

Kannst du mal kurz einen sinnvollen Tod erklären?


Vllt nicht so kurz wie es dir angemessen erscheinen würde.. .

Nehmen wir mal als erstes Beispiel den Flieger, der absichtlich in Frankreich in einen Berg gerammt wurde, Opferzahl um die 150. Angehörige trauern über jeden Verstorbenen, egal welche Ursache keine Frage. Dennoch bin ich mir ziehmlich sicher,dass zB im Falle eines rein technischen Versagens und davon ausgegangen, dass alle notwendigen Kontrollen durchgeführt worden wären, der Tod dieser Opfer etwas weniger sinnlos gewesen wäre. Shit happens. Noch weniger sinnlos wäre es natürlich gewesen, wenn sie irgendwann an Altersschwäche verstorben wären. Aber selbst eine auf natürlichem Wege entstandene Krankheit als Todesursache erscheint mir sinnvoller. Dazu zählt MRSA, die Infizierung von Patienten durch medizinisches Personal und seine Arbeitsweise nicht.

Anderes, ebenso nicht fiktives Fallbeispiel: Patient vor Bypass-Op in einem Zustand, in dem er noch Holz für sich und andere Hacken kann. Natürlich wird es im Vorfeld auch um die Risiken dieser Op gegangen sein, möglicherweise sogar mit Hinweisen auf den prozentualen Anteil gewisser Komplikationen. Dass darüber hinaus darüber aufgeklärt wurde, dass bei gewissen Konstellationen (Alter, Vorgeschichte usw) die Risiken beträchtlich exorbitang steigen und weit über dem Durchschnitt liegen, wage ich allerdings zu bezweifeln. Denn wie eine noch relativ junge AOK-Studie belegt, werden die meisten Patienten nicht einmal so aufgeklärt, dass sie -rechtlich betrachtet- de fakto dazu in der Lage wären, ihre belastbare Einwilligung zu geben.
Patient erleidet ausgelöst durch die Op mehrere Schlaganfälle, beide Gehirnhälften sind betroffen. Zusätzlich besteht eine Infektion mit MRSA. Von nun an -ausgehend von einem Zustand in dem noch Holz für sich und andere gehackt werden konnte ohne Ausfallserscheinungen - ein Leben von Kopf ab gelähmt, abgesehen von einem funktionierenden Arm. Bettlägerig, in der höchsten Pflegestufe und Isoliert gehalten, wegen MRSA; Angehörige sieht er nur noch in OP Kittel, mit Handschuhen und Mundschutz am Bett. Einmal pro Quartal ein wochenlange Sterbephase, von der sich wieder "erholt" wird, mit "Hilfe" zahlreicher Intensivstationen, denn er hatte vor der Op ein Testament auf dem Schreibtisch bei sich zu Hause hinterlassen, aber keine Patientenverfügung. Nach zwei Jahren endlich der endgültige Tod.
Das war sinnloses Leiden und ein sinnloser, qualvoller Tod. Sinnvoller wäre es gewesen, sich dieser OP nicht zu unterziehen und im nächsten oder übernächsten Jahr eines munteren, erfüllenden Lebens einfach beim Holzhacken umzukippen und nicht gerettet zu werden, auch wenn das die Lebenszeit verkürzt hätte. Über das von Yogi61 erwähnte elendige Verrecken binnen zweier Wochen hätte er sicherlich silberhell gelacht, wenn er gewusst hätte was ihm bevorsteht. Mir sind mehrere Menschen bekannt, die über Jahre hinweg "elendig verreckt" sind. Und mir sind viel Ärzte auf Intensivstationen begegnet, die stolz darauf sind, solche Leben zu retten. Wobei man fairerweise bedenken muss, dass das Personal auf Intensivstationen bei seiner Belastung eine mindestens ähnliche Einstellung haben muss, um arbeitsfähig zu bleiben.
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Re: Pflege- und Gesundheitsreform

Beitragvon jorikke » Fr 31. Mär 2017, 21:02

Zinnamon hat geschrieben:(31 Mar 2017, 21:23)

Vllt nicht so kurz wie es dir angemessen erscheinen würde.. .

Nehmen wir mal als erstes Beispiel den Flieger, der absichtlich in Frankreich in einen Berg gerammt wurde, Opferzahl um die 150. Angehörige trauern über jeden Verstorbenen, egal welche Ursache keine Frage. Dennoch bin ich mir ziehmlich sicher,dass zB im Falle eines rein technischen Versagens und davon ausgegangen, dass alle notwendigen Kontrollen durchgeführt worden wären, der Tod dieser Opfer etwas weniger sinnlos gewesen wäre. Shit happens. Noch weniger sinnlos wäre es natürlich gewesen, wenn sie irgendwann an Altersschwäche verstorben wären. Aber selbst eine auf natürlichem Wege entstandene Krankheit als Todesursache erscheint mir sinnvoller. Dazu zählt MRSA, die Infizierung von Patienten durch medizinisches Personal und seine Arbeitsweise nicht.

Anderes, ebenso nicht fiktives Fallbeispiel: Patient vor Bypass-Op in einem Zustand, in dem er noch Holz für sich und andere Hacken kann. Natürlich wird es im Vorfeld auch um die Risiken dieser Op gegangen sein, möglicherweise sogar mit Hinweisen auf den prozentualen Anteil gewisser Komplikationen. Dass darüber hinaus darüber aufgeklärt wurde, dass bei gewissen Konstellationen (Alter, Vorgeschichte usw) die Risiken beträchtlich exorbitang steigen und weit über dem Durchschnitt liegen, wage ich allerdings zu bezweifeln. Denn wie eine noch relativ junge AOK-Studie belegt, werden die meisten Patienten nicht einmal so aufgeklärt, dass sie -rechtlich betrachtet- de fakto dazu in der Lage wären, ihre belastbare Einwilligung zu geben.
Patient erleidet ausgelöst durch die Op mehrere Schlaganfälle, beide Gehirnhälften sind betroffen. Zusätzlich besteht eine Infektion mit MRSA. Von nun an -ausgehend von einem Zustand in dem noch Holz für sich und andere gehackt werden konnte ohne Ausfallserscheinungen - ein Leben von Kopf ab gelähmt, abgesehen von einem funktionierenden Arm. Bettlägerig, in der höchsten Pflegestufe und Isoliert gehalten, wegen MRSA; Angehörige sieht er nur noch in OP Kittel, mit Handschuhen und Mundschutz am Bett. Einmal pro Quartal ein wochenlange Sterbephase, von der sich wieder "erholt" wird, mit "Hilfe" zahlreicher Intensivstationen, denn er hatte vor der Op ein Testament auf dem Schreibtisch bei sich zu Hause hinterlassen, aber keine Patientenverfügung. Nach zwei Jahren endlich der endgültige Tod.
Das war sinnloses Leiden und ein sinnloser, qualvoller Tod. Sinnvoller wäre es gewesen, sich dieser OP nicht zu unterziehen und im nächsten oder übernächsten Jahr eines munteren, erfüllenden Lebens einfach beim Holzhacken umzukippen und nicht gerettet zu werden, auch wenn das die Lebenszeit verkürzt hätte. Über das von Yogi61 erwähnte elendige Verrecken binnen zweier Wochen hätte er sicherlich silberhell gelacht, wenn er gewusst hätte was ihm bevorsteht. Mir sind mehrere Menschen bekannt, die über Jahre hinweg "elendig verreckt" sind. Und mir sind viel Ärzte auf Intensivstationen begegnet, die stolz darauf sind, solche Leben zu retten. Wobei man fairerweise bedenken muss, dass das Personal auf Intensivstationen bei seiner Belastung eine mindestens ähnliche Einstellung haben muss, um arbeitsfähig zu bleiben.


Zunächst einmal, herzlichen Dank für den Versuch einer ausführlichen Antwort auf einen nur kurzen Einwurf.
Der kurze Einwurf meinerseits war die Frage nach einem sinnvollen Tod. Ironisch gemeint, es gibt ihn nicht. Jedenfalls nicht im "normalen" Sterbebetrieb. Vom Opfertod im Kriegsfall, um Volk, Land und Angehörige zu schützen, mal abgesehen. Manch einer mag darin einen sinnvollen "Opfertod" sehen. (Anderes Thema)
Dein erstes Beispiel beschreibt einen sinnlosen Massentod. An welcher Stelle berührt es die aufgeworfene Frage nach einem sinnvollen Tod? An keiner, es gibt ihn nicht!
Dein zweites Beispiel berührt die med. Maximalversorgung um den Todesfall möglichst hinaus zu schieben.
Eine zurecht kritische Frage, nur, der Tod eines Einzelnen wird nicht sinnvoller wenn er am Ende aller Bemühungen eintritt.
Die Schilderung deiner fiktiven Herzklappen/Beipassoperation macht mich einigermaßen ratlos. Natürlich gibt es immer Risiken aber gerade diese Operationen sind im hohen Maße lebensverlängernd und das Todesrisiko liegt bei ca. 3%.
Diese 3% sind dermaßen vor geschädigt und gesundheitlich beeinträchtigt, sie wären ohne OP wahrscheinlich innerhalb der nächsten vier Wochen gestorben.
Was wolltest du aussagen?
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Re: Pflege- und Gesundheitsreform

Beitragvon Teeernte » Fr 31. Mär 2017, 21:08

jorikke hat geschrieben:(31 Mar 2017, 22:02)

Zunächst einmal, herzlichen Dank für den Versuch einer ausführlichen Antwort auf einen nur kurzen Einwurf.
Der kurze Einwurf meinerseits war die Frage nach einem sinnvollen Tod. Ironisch gemeint, es gibt ihn nicht. Jedenfalls nicht im "normalen" Sterbebetrieb. Vom Opfertod im Kriegsfall, um Volk, Land und Angehörige zu schützen, mal abgesehen. Manch einer mag darin einen sinnvollen "Opfertod" sehen. (Anderes Thema)
Dein erstes Beispiel beschreibt einen sinnlosen Massentod. An welcher Stelle berührt es die aufgeworfene Frage nach einem sinnvollen Tod? An keiner, es gibt ihn nicht!
Dein zweites Beispiel berührt die med. Maximalversorgung um den Todesfall möglichst hinaus zu schieben.
Eine zurecht kritische Frage, nur, der Tod eines Einzelnen wird nicht sinnvoller wenn er am Ende aller Bemühungen eintritt.
Die Schilderung deiner fiktiven Herzklappen/Beipassoperation macht mich einigermaßen ratlos. Natürlich gibt es immer Risiken aber gerade diese Operationen sind im hohen Maße lebensverlängernd und das Todesrisiko liegt bei ca. 3%.
Diese 3% sind dermaßen vor geschädigt und gesundheitlich beeinträchtigt, sie wären ohne OP wahrscheinlich innerhalb der nächsten vier Wochen gestorben.
Was wolltest du aussagen?


Tod....>> Sinnvoll ?

Er hatte einen SCHÖNEN TOD....er (80) ist in den Armen einer Irischen Hure gestorben.... so besser ??
Obs zu kalt, zu warm, zu trocken oder zu nass ist:.... Es immer der >>menschgemachte<< Klimawandel. :D
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Re: Pflege- und Gesundheitsreform

Beitragvon jorikke » Fr 31. Mär 2017, 21:17

Teeernte hat geschrieben:(31 Mar 2017, 22:08)

Tod....>> Sinnvoll ?

Er hatte einen SCHÖNEN TOD....er (80) ist in den Armen einer Irischen Hure gestorben.... so besser ??


Danke für den Beitrag. Ich hoffe er hat dich intellektuell nicht erschöpft.
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Re: Pflege- und Gesundheitsreform

Beitragvon Teeernte » Fr 31. Mär 2017, 21:20

jorikke hat geschrieben:(31 Mar 2017, 22:17)

Danke für den Beitrag. Ich hoffe er hat dich intellektuell nicht erschöpft.


war ein Zitat...

Verflucht, verdammt und Halleluja
Frankreich | Italien, 1972

Originaltitel: E poi lo chiamarono il magnifico
Alternativtitel:
...E Agora Me Chamam 'O Magnífico' (BRA)
Y después le llamaron el magnífico (ESP)
Et maintenant, on l'appelle El Magnifico (FRA)
A Man from the East
Ein Gentleman im wilden Westen
Deutsche Erstaufführung: 28. September 1972
Regisseur: Enzo Barboni
Kamera: Aldo Giordani
Musik: Guido De Angelis, Maurizio de Angelis
Drehbuch: Enzo Barboni
Obs zu kalt, zu warm, zu trocken oder zu nass ist:.... Es immer der >>menschgemachte<< Klimawandel. :D
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Re: Pflege- und Gesundheitsreform

Beitragvon Zinnamon » Fr 31. Mär 2017, 21:25

Realist2014 hat geschrieben:(26 Mar 2017, 12:57)


(..)nur- wie schauen denn die Lösungsvorschläge konkret aus?

Und WEN soll man diesbezüglich dann von den wählbaren Parteien ( also weder AfD noch Linkspartei) "wählen"


Ich bin politisch durchaus interessiert, habe aber bisher in x Jahren niemand anderen als Schulz von der zu verbessernden Situation Pflegender sprechen höhren. Ob er damit nur das Personal in Altenheimen meint, wird sich erst noch herausstellen müssen. Das Thema wird nicht zufällig wegen der zu erwartenden brachialen Kostenexplosion gemieden. Aber immerhin haben professionelle Altenpfleger im Vergleich zu pflegenden Angehörigen ja noch luxeriösen Tand wie Wochenenden, Feiertage und sogar nach acht Stunden zuzüglich Pause frei. Da bedarf es nur an allererster Stelle mehr Planstellen und auf Platz zwei und drei einer Gehaltserhöhung und mehr Anerkennung.

In Bezug auf pflegende Angehörige sollte der Mensch und Wähler zunächst mal wissen, dass ein beträchtlicher Teil der Arbeitszeit ohnehin im Ehrenamt erledigt wird jetzt und in Zukunft. Der zeitliche Aufwand, für den es Pflegegeld gibt, bezog sich bis dieses Jahr nur auf satt und sauber, bei höheren Pflegestunfen (jetzt -graden) fällt darüber hinaus ein beträchtlicher Mehraufwand an Bereitschaftszeiten im Sinne einer Aufsichtspflicht, und eben für all das, was über satt und sauber hinaus geht an.
Auch mit der geringfügigen Erhöhung des Pflegegeldes im Rahmen der aktuellen Pflegereform wurde kaum Besserung erzielt, denn ein beträchtlicher Teil der dieser Erhöhung wird dem zu Pflegenden vom Entlastungsbudget abgezogen, dass beispielsweise für diverse Zuzahlungen, aber auch für Angebote wie Tagespflege oder stundenweise Betreuung durch einen Pflegedienst eingesetzt werden kann, damit der Pflegende dazu kommt, zu erledigen, wozu er durch die Pflege nicht kommt.. . Dennoch wird diese Reform dazu genutzt werden, den Pflegenden, die ihr Leid klagen, klar zu setzten, dass ja erst gerade soviel mehr für sie getan wurde.
Nehmen wir als Beispiel mal den heutigen Pflegegrad 4, vormals Pflegestufe 2, im Falle einer Demenz mit eingeschränkter Alltagskompetenz und erheblichem Mehraufwand verbunden. Dafür gibt es nach der Reform immer noch einen geschätzten Fuffziger weniger als bei Hartz 4, vorher waren es noch um die 150€ weniger. Für eine sieben Tage Woche, keine Feiertage und bei Inanspruchnahme des Urlaubsanspruchs der Streichung der Hälfte des Pflegegeldes für diesen Zeitraum.. .

Mir ist wohl bewusst, dass du nur ein paar kurze Stichpunkte wolltest, ich will aber hier für Laien plakativ darstellen, wie präkär die Situtuation dieser wahren Leistungsträger im Dienste der Gesellschaft tatsächlich ist und wie ihnen dafür gedankt wird. Die meisten Lösungsvorschläge ergeben sich zwangsläufig aus dem geschilderten status quo. Hier ein paar Stichpunkte, die freilich nur die unwürdigsten Aspekte abmildern würden:

Rentenanspruch ab Pflegestufe 1

Keine massive Kürzung des Pflegegeldes bei Inanspruchnahme des Urlaubsanspruches bei Menschen, denen die Pflege zusätzlich höchstens einen Minijob erlaubt. Es sollte auch mehr als ein Betrag unter Hartz4 Niveau drin sein.

Keine Wartezeiten von bis zu einem Jahr für einen Platz in der Kurzzeitpflege in Heimen, ohne den Urlaub nicht genommen werden kann. Das muss auch kurzfristiger gehen, wenn der Burnout an die Türe klopft.

Kompetentes speziell geschultes Personal für die Pflichtberatungstermine durch die Pflegedienste. Was hier bisher selbst von sog. Fachpersonal geleistet wird, stellt unterm Strich eher eine zusätzliche Belastung dar.
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Re: Pflege- und Gesundheitsreform

Beitragvon Teeernte » Fr 31. Mär 2017, 21:31

Zinnamon hat geschrieben:(31 Mar 2017, 22:25)

Ich bin politisch durchaus interessiert, habe aber bisher in x Jahren niemand anderen als Schulz von der zu verbessernden Situation Pflegender sprechen höhren. Ob er damit nur das Personal in Altenheimen meint, wird sich erst noch herausstellen müssen. Das Thema wird nicht zufällig wegen der zu erwartenden brachialen Kostenexplosion gemieden. Aber immerhin haben professionelle Altenpfleger im Vergleich zu pflegenden Angehörigen ja noch luxeriösen Tand wie Wochenenden, Feiertage und sogar nach acht Stunden zuzüglich Pause frei. Da bedarf es nur an allererster Stelle mehr Planstellen und auf Platz zwei und drei einer Gehaltserhöhung und mehr Anerkennung.

In Bezug auf pflegende Angehörige sollte der Mensch und Wähler zunächst mal wissen, dass ein beträchtlicher Teil der Arbeitszeit ohnehin im Ehrenamt erledigt wird jetzt und in Zukunft. Der zeitliche Aufwand, für den es Pflegegeld gibt, bezog sich bis dieses Jahr nur auf satt und sauber, bei höheren Pflegestunfen (jetzt -graden) fällt darüber hinaus ein beträchtlicher Mehraufwand an Bereitschaftszeiten im Sinne einer Aufsichtspflicht, und eben für all das, was über satt und sauber hinaus geht an.
Auch mit der geringfügigen Erhöhung des Pflegegeldes im Rahmen der aktuellen Pflegereform wurde kaum Besserung erzielt, denn ein beträchtlicher Teil der dieser Erhöhung wird dem zu Pflegenden vom Entlastungsbudget abgezogen, dass beispielsweise für diverse Zuzahlungen, aber auch für Angebote wie Tagespflege oder stundenweise Betreuung durch einen Pflegedienst eingesetzt werden kann, damit der Pflegende dazu kommt, zu erledigen, wozu er durch die Pflege nicht kommt.. . Dennoch wird diese Reform dazu genutzt werden, den Pflegenden, die ihr Leid klagen, klar zu setzten, dass ja erst gerade soviel mehr für sie getan wurde.
Nehmen wir als Beispiel mal den heutigen Pflegegrad 4, vormals Pflegestufe 2, im Falle einer Demenz mit eingeschränkter Alltagskompetenz und erheblichem Mehraufwand verbunden. Dafür gibt es nach der Reform immer noch einen geschätzten Fuffziger weniger als bei Hartz 4, vorher waren es noch um die 150€ weniger. Für eine sieben Tage Woche, keine Feiertage und bei Inanspruchnahme des Urlaubsanspruchs der Streichung der Hälfte des Pflegegeldes für diesen Zeitraum.. .

Mir ist wohl bewusst, dass du nur ein paar kurze Stichpunkte wolltest, ich will aber hier für Laien plakativ darstellen, wie präkär die Situtuation dieser wahren Leistungsträger im Dienste der Gesellschaft tatsächlich ist und wie ihnen dafür gedankt wird. Die meisten Lösungsvorschläge ergeben sich zwangsläufig aus dem geschilderten status quo. Hier ein paar Stichpunkte, die freilich nur die unwürdigsten Aspekte abmildern würden:

Rentenanspruch ab Pflegestufe 1

Keine massive Kürzung des Pflegegeldes bei Inanspruchnahme des Urlaubsanspruches bei Menschen, denen die Pflege zusätzlich höchstens einen Minijob erlaubt. Es sollte auch mehr als ein Betrag unter Hartz4 Niveau drin sein.

Keine Wartezeiten von bis zu einem Jahr für einen Platz in der Kurzzeitpflege in Heimen, ohne den Urlaub nicht genommen werden kann. Das muss auch kurzfristiger gehen, wenn der Burnout an die Türe klopft.

Kompetentes speziell geschultes Personal für die Pflichtberatungstermine durch die Pflegedienste. Was hier bisher selbst von sog. Fachpersonal geleistet wird, stellt unterm Strich eher eine zusätzliche Belastung dar.


„Das Recht auf Suizid gehört zur Menschenwürde“

Sterbehilfe ab Pflegestufe 1 auf Wunsch des Patienten... !
Obs zu kalt, zu warm, zu trocken oder zu nass ist:.... Es immer der >>menschgemachte<< Klimawandel. :D
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Re: Pflege- und Gesundheitsreform

Beitragvon Zinnamon » Fr 31. Mär 2017, 21:39

jorikke hat geschrieben:(31 Mar 2017, 22:02)

Zunächst einmal, herzlichen Dank für den Versuch einer ausführlichen Antwort auf einen nur kurzen Einwurf.
Der kurze Einwurf meinerseits war die Frage nach einem sinnvollen Tod. Ironisch gemeint, es gibt ihn nicht. Jedenfalls nicht im "normalen" Sterbebetrieb. Vom Opfertod im Kriegsfall, um Volk, Land und Angehörige zu schützen, mal abgesehen. Manch einer mag darin einen sinnvollen "Opfertod" sehen. (Anderes Thema)
Dein erstes Beispiel beschreibt einen sinnlosen Massentod. An welcher Stelle berührt es die aufgeworfene Frage nach einem sinnvollen Tod? An keiner, es gibt ihn nicht!
Dein zweites Beispiel berührt die med. Maximalversorgung um den Todesfall möglichst hinaus zu schieben.
Eine zurecht kritische Frage, nur, der Tod eines Einzelnen wird nicht sinnvoller wenn er am Ende aller Bemühungen eintritt.
Die Schilderung deiner fiktiven Herzklappen/Beipassoperation macht mich einigermaßen ratlos. Natürlich gibt es immer Risiken aber gerade diese Operationen sind im hohen Maße lebensverlängernd und das Todesrisiko liegt bei ca. 3%.
Diese 3% sind dermaßen vor geschädigt und gesundheitlich beeinträchtigt, sie wären ohne OP wahrscheinlich innerhalb der nächsten vier Wochen gestorben.
Was wolltest du aussagen?


Die Bewertung dessen, worüber wir hier schreiben dürfte massgeblich von der individuellen Definition von sinnlos abhängen, wobei das Gegenteil von sinnlos noch lange nicht sinnvoll heissen muss. Eigentlich gibt es nichts zu diskutieren. Wir haben hier nur die Gelegenheit einen Blick in einen anderen Kopf zu werfen. ;)

Für mich persönlich macht ein Tod Sinn -wenn man denn so will- der aus natürlichen Gegebenheiten heraus geschieht, und sei es denn, diese Gegebenheit bestünde aus einer lebensbedrohlichen Krankheit, gegen die kein Kraut gewachsen ist. Diese Variante von Tragik kann unvermeidbar sein. Aber so ist die Natur. Und die Natur macht immer Sinn. Es ist nicht umsonst so, dass beispielsweise im Falle einer hochgradigen Zerstörungs des Gehirns der natürliche Tod eintritt. Wer da hineinpfuscht, kann es mE nur schlimmer machen ..ohne jeden Sinn, das moralinsaure Geschwafel von der Wertigkeit jedes Lebenszustandes, dass Katholizismus aber auch Lobbyverbände sich auf die Sinnfahne schreiben, mal ausgenommen.

Qualvolles Leiden aufgrund menschlichen oder systemischen Totalversagens ist vermeidbar und eine Zumutung für alle Betroffenen. Das trifft auf beide Fälle, die ich beschrieb zu und insbesondere auch auf den MRSA Skandal. An diesen Keimen sterben übrigens Europaweit mehr Menschen als an allen natürlichen Infektionskrankheiten zusammen.
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Re: Pflege- und Gesundheitsreform

Beitragvon Zinnamon » Fr 31. Mär 2017, 21:40

Teeernte hat geschrieben:(31 Mar 2017, 22:31)

„Das Recht auf Suizid gehört zur Menschenwürde“

Sterbehilfe ab Pflegestufe 1 auf Wunsch des Patienten... !


Mannmannmann ...bei Pflegestufe 1 biste noch so fit, da brauchste keinen , der dir hilft, da kannste noch andere ins Jenseits befördern, wennde weisst wie.. .

:D

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