Ein Wirtschaftswissenschaftler äußert sich zu aktuellen Themen

In diesem Forum werden Themen rund um die sozialen Sicherungsysteme diskutiert.
Krankenversicherung, Arbeitslosenversicherung, Arbeitslosengeld 2 (HartzIV), Rentenversicherung, Sozialgesetzbuch.

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schokoschendrezki
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Re: Ein Wirtschaftswissenschaftler äußert sich zu aktuellen Themen

Beitragvon schokoschendrezki » Di 21. Feb 2017, 09:31

jorikke hat geschrieben:(21 Feb 2017, 09:04)

Wer meint monatlich von knapp 109 € leben zu können, ohne auf etwas zu verzichten, hat sich von der Normalität verabschiedet.
..." ohne zu verhungern" wäre angemessen gewesen.


Wenn ich es richtig verstanden habe, war von "für Lebensmittel ausgeben" und nicht von "davon leben" die Rede. Also nur für Brot, Butter und co. ...

Aber mal davon abgesehen: Hat jemand gestern abend die Dokumentation im Ersten "Die große Geldflut - Wie Reiche immer reicher werden" gesehen?" Der Titel suggeriert ein wenig, dass es rein um soziale Themen geht. Es ging aber eher um ökonomische, systemische Dinge. Um die fatalen Folgen einer Politik des billigen Geldes der Notenbanken. Auch dort äußerten sich einzelne kritische Wissenschaftler kritisch zu diesem Mainstream-Trott sowohl in Politik als auch in den Wissenschatten. Insbesondere, dass in der "offiziellen" Ökonomie Geld quasi keine Rolle spielt. Außer der als neutrale Vermittlungsinstanz. Die Leugnung der Tatsache, dass "Finanzwirtschaft" nicht nur irgendein neutraler Dienstleister sondern die mit Abstand wichtigste Wirtschaftsbranche weltweit überhaupt ist. Eine Metropole wie London lebt fast nur noch von "Finanzwirtschaft". In der gesamten nominellen weltweiten Geldmenge ist die Menge an Geld, die etwas mit realer Produktion, mit klassischer Wirtschaft zu tun hat, von ameisengroßer Winzigkeit. So gut wie alles Geld in der Welt hat mit virtuellen Finanztransaktionen und nicht mit realer Produktion zu tun. Ich kann mich nicht genug darüber wundern, dass jemand der sich RealistSowieso nennt, mehr Angst davor hat, dass ihm nicht existierende Kommunisten und Linke sein Vermögen wegnehmen, als davor, dass das, was real ja stattfindet, die inflationäre Produktion von virtuellem Geld ohne Gegenwert nämlich, in die Katastrophe führt.
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Re: Ein Wirtschaftswissenschaftler äußert sich zu aktuellen Themen

Beitragvon Wähler » Di 21. Feb 2017, 09:57

schokoschendrezki hat geschrieben:(21 Feb 2017, 09:31)
Aber mal davon abgesehen: Hat jemand gestern abend die Dokumentation im Ersten "Die große Geldflut - Wie Reiche immer reicher werden" gesehen?" Der Titel suggeriert ein wenig, dass es rein um soziale Themen geht. Es ging aber eher um ökonomische, systemische Dinge. Um die fatalen Folgen einer Politik des billigen Geldes der Notenbanken. Auch dort äußerten sich einzelne kritische Wissenschaftler kritisch zu diesem Mainstream-Trott sowohl in Politik als auch in den Wissenschatten. Insbesondere, dass in der "offiziellen" Ökonomie Geld quasi keine Rolle spielt. Außer der als neutrale Vermittlungsinstanz. Die Leugnung der Tatsache, dass "Finanzwirtschaft" nicht nur irgendein neutraler Dienstleister sondern die mit Abstand wichtigste Wirtschaftsbranche weltweit überhaupt ist. Eine Metropole wie London lebt fast nur noch von "Finanzwirtschaft". In der gesamten nominellen weltweiten Geldmenge ist die Menge an Geld, die etwas mit realer Produktion, mit klassischer Wirtschaft zu tun hat, von ameisengroßer Winzigkeit. So gut wie alles Geld in der Welt hat mit virtuellen Finanztransaktionen und nicht mit realer Produktion zu tun. Ich kann mich nicht genug darüber wundern, dass jemand der sich RealistSowieso nennt, mehr Angst davor hat, dass ihm nicht existierende Kommunisten und Linke sein Vermögen wegnehmen, als davor, dass das, was real ja stattfindet, die inflationäre Produktion von virtuellem Geld ohne Gegenwert nämlich, in die Katastrophe führt.

Das Thema wird hier im Forum schon seit Jahren diskutiert. Neue Erkenntnisse sind eher selten:
Wähler hat geschrieben:Re: Die "neue" EU? Chance in der Krise?(07 Feb 2017, 06:21)
https://www.nzz.ch/finanzen/mario-dragh ... -ld.142461
NZZ 29. Januar 2017 Teurer Abschied vom Euro
Bei diesen Salden handelt es sich um Zentralbankgeld. Target 2 spiegelt wider, wie die sogenannte Geldmenge 0 der EZB über die Banken der Euro-Zone verteilt ist. Wichtiger ist aber der ESM, weil er für den Ausfall von ESM-Staatsanleihen der einzelnen Euro-Länder bürgt. Scheidet ein Land, zum Beispiel Frankreich, aus, müssen die anderen Länder den Bürgschaftsanteil des ausgeschiedenen Landes übernehmen, vor allem auch gegenüber den Gläubigern außerhalb des Euro. Dabei handelt es sich um Geldwerte aus dem Giralgeldkreislauf zwischen Banken und Nichtbanken. Während Zentralbanken bei genügend Devisenreserven auch mit negativem Eigenkapital operieren können, könnte es bei den ESM-Staatsanleihen womöglich zu einem Schuldenschnitt, zum Beispiel bei Griechenland, kommen. Deutschland muss theoreitsch in den ESM bis zu einer Höhe von 190 Milliarden Euro Eigenkapital nachschießen. Der ESM darf nicht mit negativem Eigenkapital operieren.
siehe auch:
https://www.godmode-trader.de/artikel/k ... en,4691836
siehe auch:
http://www.dw.com/de/esm-eine-tarnfirma ... a-37173290
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Re: Ein Wirtschaftswissenschaftler äußert sich zu aktuellen Themen

Beitragvon schokoschendrezki » Di 21. Feb 2017, 10:07

Wähler hat geschrieben:(21 Feb 2017, 09:57)

Das Thema wird hier im Forum schon seit Jahren diskutiert. Neue Erkenntnisse sind eher selten:


Ja, aber zumindest nach meinem Eindruck wird das meist rein finanztechnisch diskutiert. So als gäbe es noch mal eine separierte Finanzwelt, die mit der realen Welt eigentlich kaum etwas zu tun hat und die man interessiert aber unbeteiligt betrachten kann. In dem TV-Beitrag gestern wurde das eher so dargestellt, dass eine solche Sicht eine Illusion ist. Eine galoppierende Produktion von virtuellem Geld gibts ja eigentlich auch erst seit Anfang der 70er und so richtig in Fahrt gekommen ist dieses Phänomen erst ab Mitte der 90er.
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Re: Ein Wirtschaftswissenschaftler äußert sich zu aktuellen Themen

Beitragvon Wähler » Di 21. Feb 2017, 10:15

Wähler hat geschrieben:(21 Feb 2017, 09:57)
Das Thema wird hier im Forum schon seit Jahren diskutiert. Neue Erkenntnisse sind eher selten:

schokoschendrezki hat geschrieben:(21 Feb 2017, 10:07)
Ja, aber zumindest nach meinem Eindruck wird das meist rein finanztechnisch diskutiert. So als gäbe es noch mal eine separierte Finanzwelt, die mit der realen Welt eigentlich kaum etwas zu tun hat und die man interessiert aber unbeteiligt betrachten kann. In dem TV-Beitrag gestern wurde das eher so dargestellt, dass eine solche Sicht eine Illusion ist. Eine galoppierende Produktion von virtuellem Geld gibts ja eigentlich auch erst seit Anfang der 70er und so richtig in Fahrt gekommen ist dieses Phänomen erst ab Mitte der 90er.

Das Thema ist eher abstrakt und ohne präzise Fachbegriffe nicht anschaulich darstellbar. Wenn Du eine Überweisung tätigst, findet eben im Hintegrund etwas im Zentralbankgeldkreislauf zwischen den Banken statt. Das sind reale Vorgänge, die geldpolitisch von der EZB gesteuert werden.
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Re: Ein Wirtschaftswissenschaftler äußert sich zu aktuellen Themen

Beitragvon schokoschendrezki » Di 21. Feb 2017, 10:42

Wähler hat geschrieben:(21 Feb 2017, 10:15)

Das Thema ist eher abstrakt und ohne präzise Fachbegriffe nicht anschaulich darstellbar. Wenn Du eine Überweisung tätigst, findet eben im Hintegrund etwas im Zentralbankgeldkreislauf zwischen den Banken statt. Das sind reale Vorgänge, die geldpolitisch von der EZB gesteuert werden.

In dieser Richtung ist das völlig richtig. In der anderen Richtung jedoch: Menschen werden auch psychologisch auf nicht ganz so determinierte Art beeinflusst. Auch politisch. Zum Beispiel in ihrem Wahlverhalten. Das Wissen über das Zahlenverhältnis zwischen der Geldmenge, die mit realer Produktion verknüpft ist und der Menge an virtuellem Geld gehört einfach zu meinem Weltbild und beeinflusst mich natürlich auch ohne dass irgendwelche Überweisungen getätigt werden. Und natürlich auch die besorgte und kritische Darstellung einzelner Wissenschaftler, an deren Ernsthaftigkeit und Seriösität ich zunächst einmal keinen Grund habe zu zweifeln.
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Re: Ein Wirtschaftswissenschaftler äußert sich zu aktuellen Themen

Beitragvon Wähler » Di 21. Feb 2017, 11:57

schokoschendrezki hat geschrieben:(21 Feb 2017, 10:42)
In dieser Richtung ist das völlig richtig. In der anderen Richtung jedoch: Menschen werden auch psychologisch auf nicht ganz so determinierte Art beeinflusst. Auch politisch. Zum Beispiel in ihrem Wahlverhalten. Das Wissen über das Zahlenverhältnis zwischen der Geldmenge, die mit realer Produktion verknüpft ist und der Menge an virtuellem Geld gehört einfach zu meinem Weltbild und beeinflusst mich natürlich auch ohne dass irgendwelche Überweisungen getätigt werden. Und natürlich auch die besorgte und kritische Darstellung einzelner Wissenschaftler, an deren Ernsthaftigkeit und Seriösität ich zunächst einmal keinen Grund habe zu zweifeln.

Es gibt sicherlich das Phänomen der Vermögenspreisinflation, die allerdings Geldwertpapiere stärker betreffen dürfte als Sachvermögen. Eine Kreditklemme wäre problematischer für die Realwirtschaft. Wenn allerdings der Kapitalstock einer Volkswirtschaft kontinuierlich sinkt, hilft auch eine Flutung mit Zentralbankgeld durch die EZB nicht weiter. Hier besteht eine reale Gefahr in der Euro-Zone.
Wähler hat geschrieben:Re: Neuwahlen in Griechenland - kommt die Eurokrise zurück?(03 Mar 2015, 17:30)
http://www.faz.net/aktuell/wirtschaft/w ... 15310.html
(Bitte auch auf Grafik "Bankaktiva und Geldmenge in Relation zum Bruttoinlandsprodukt" klicken, um diese zu entfalten)
Zitat: FAZ vom 4. Mai 2011 Geldpolitik und Finanzkrisen. Die zwei Epochen des Finanzkapitalismus.
"Der Kredit wuchs aber nicht nur schneller als das Geld, er wuchs auch mit einer sehr viel höheren Wachstumsrate als die Wirtschaft."
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Re: Ein Wirtschaftswissenschaftler äußert sich zu aktuellen Themen

Beitragvon BlueMonday » Di 21. Feb 2017, 14:45

schokoschendrezki hat geschrieben:(21 Feb 2017, 09:31)

In der gesamten nominellen weltweiten Geldmenge ist die Menge an Geld, die etwas mit realer Produktion, mit klassischer Wirtschaft zu tun hat, von ameisengroßer Winzigkeit. So gut wie alles Geld in der Welt hat mit virtuellen Finanztransaktionen und nicht mit realer Produktion zu tun.


Da muss man zw. Geldmenge und Transaktionsvolumen unterscheiden. Wenn man einen einzigen Euro nimmt und dieser schnell zwischen zwei Akteuren hin und her fließt, dann hat man ein großes Transaktionsvolumen, aber eine kleine Menge an Geld, die daran beteiligt ist. Im Grunde ist "Geldmenge" wenig aussagekräftig.

Was ist nun an Finanztransaktionen "virtuell"? All diese Transaktionen beziehen sich ja letztlich auf etwas Reales bzw. Unsicherheiten.
Dieser Umstand ist leider vielen immer noch fremd geblieben, dass Wirtschaften auch etwas mit Unsicherheit zu tun hat. Und sicherlich nimmt diese einen großen Raum weltweit gesehen ein. Man bewirtschaft Unsicherheit. Du kaufst mir am Tag X etwas Bestimmtes zu einem vereinbarten Preis ab, egal was sonst passiert ist auf der Welt. Oder: wenn der Fall Y eintritt bis zu einem Termin, zahl ich dir einen bestimmten Betrag, tritt X nicht ein bekommst du nichts...

Aus dieser Doku:
"Professor Helge Peukert, Finanzexperte von der Uni-Siegen: „Geld kommt in die Welt, indem jemand zur Bank geht und einen Kredit beantragt. Der ursprüngliche Impuls der Geldschöpfung geht also von den Privatbanken aus.“"

Schon komisch. Der Impuls geht offenbar von dem aus, der einen Kredit haben will. Sagt der Herr Professor ja selbst und nur einen Satz später erzählt er etwas dazu Widersprüchliches. Die "Privatbanken" (auch so eine Verkürzung, weil auch Landesbanken und andere staatliche Institutionen wie die KfW kräftig mitspielen) wiederum stehen nicht an irgendeinem Ende oder Anfang, sondern mittendrin. Ohne Zentralbanken können sie in dem bestehenden Zentralbankensystem gar nicht existieren, weil ihnen dann die nötige Geldbasis der ZB fehlt.
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Re: Ein Wirtschaftswissenschaftler äußert sich zu aktuellen Themen

Beitragvon Positiv Denkender » Di 21. Feb 2017, 16:48

jorikke hat geschrieben:(21 Feb 2017, 09:04)

Wer meint monatlich von knapp 109 € leben zu können, ohne auf etwas zu verzichten, hat sich von der Normalität verabschiedet.
..." ohne zu verhungern" wäre angemessen gewesen.


Mag ja sein dass du wesentlich mehr verfrisst als 110,-€ im Monat .Nur man muss nicht hungern um damit auszukommen .
Immerhin waren LM nie so preiswert wie heute . Bis Ende des vorigen Jahrhunderts gaben die Menschen ca 23 -25 % ihres Einkommens für LM aus .
Heute gerade einmal die Hälfte . Von den Kosten für Gebrauchsgüter ganz zu schweigen .Für einen Kühlschrank ende der 6oer Jahre musste der Durchschnittsverdiener ca ein halbes Monatseinkommen hinblättern .Heute ca 1 zehntel . Man kann das fortsetzen über Kleidung
bis hin zu Telefongebühren .Niemals seit Ende des Krieges hatten die Menschen mehr Geld zur Verfügung abzüglich der Kosten für die Grundversorgung .
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Re: Ein Wirtschaftswissenschaftler äußert sich zu aktuellen Themen

Beitragvon jorikke » Di 21. Feb 2017, 17:22

Positiv Denkender hat geschrieben:(21 Feb 2017, 16:48)

Mag ja sein dass du wesentlich mehr verfrisst als 110,-€ im Monat .Nur man muss nicht hungern um damit auszukommen .
Immerhin waren LM nie so preiswert wie heute . Bis Ende des vorigen Jahrhunderts gaben die Menschen ca 23 -25 % ihres Einkommens für LM aus .
Heute gerade einmal die Hälfte . Von den Kosten für Gebrauchsgüter ganz zu schweigen .Für einen Kühlschrank ende der 6oer Jahre musste der Durchschnittsverdiener ca ein halbes Monatseinkommen hinblättern .Heute ca 1 zehntel . Man kann das fortsetzen über Kleidung
bis hin zu Telefongebühren .Niemals seit Ende des Krieges hatten die Menschen mehr Geld zur Verfügung abzüglich der Kosten für die Grundversorgung .


Was soll der ganze Sermon?
Ist alles allgemein bekannt und wird von niemand bestritten.
Es ging lediglich darum, dass ein Gutverdiener schrieb, er verbrauche lediglich 110,-€ für Lebensmittel im Monat.
Wenn du meinst das sei ein angemessener Lebensstil, den man auf die Allgemeinheit übertragen kann, na gut.
Ich bin ja ganz deiner Meinung, niemals hatten die Menschen mehr Geld zur Verfügung.
Aus welchem Grund sollen sie sich dann von 110,- ernähren?
Für mich geht das als Macke durch.
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Re: Ein Wirtschaftswissenschaftler äußert sich zu aktuellen Themen

Beitragvon Positiv Denkender » Di 21. Feb 2017, 18:05

jorikke hat geschrieben:(21 Feb 2017, 17:22)

Was soll der ganze Sermon?
Ist alles allgemein bekannt und wird von niemand bestritten.
Es ging lediglich darum, dass ein Gutverdiener schrieb, er verbrauche lediglich 110,-€ für Lebensmittel im Monat.
Wenn du meinst das sei ein angemessener Lebensstil, den man auf die Allgemeinheit übertragen kann, na gut.
Ich bin ja ganz deiner Meinung, niemals hatten die Menschen mehr Geld zur Verfügung.
Aus welchem Grund sollen sie sich dann von 110,- ernähren?
Für mich geht das als Macke durch.

Er darf ja mehr verbrauchen .11o € war lediglich die Berechnungsgrundlage .Er darf auch mehr für Nahrung ausgeben .
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Re: Ein Wirtschaftswissenschaftler äußert sich zu aktuellen Themen

Beitragvon Dampflok94 » Di 21. Feb 2017, 19:39

Positiv Denkender hat geschrieben:(21 Feb 2017, 18:05)

Er darf ja mehr verbrauchen .11o € war lediglich die Berechnungsgrundlage .Er darf auch mehr für Nahrung ausgeben .

Er tut aber so,als sei es was völlig normales mit so wenig Geld auszukommen. Und das ist es eben nicht. Für mich reichen die 110 Euronen nicht mal für die Woche. Ich behaupte aber nicht, dies sei der Normalfall.
Leute kauft mehr Dampflokomotiven!!!
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Re: Ein Wirtschaftswissenschaftler äußert sich zu aktuellen Themen

Beitragvon Boracay » Mi 22. Feb 2017, 00:05

jorikke hat geschrieben:(21 Feb 2017, 09:04)

Wer meint monatlich von knapp 109 € leben zu können, ohne auf etwas zu verzichten, hat sich von der Normalität verabschiedet.
..." ohne zu verhungern" wäre angemessen gewesen.


Falsch - ich gebe nicht 109€ aus, sondern 326 (da sind sogar noch Putzmittel aus dem Discounter mit dabei) zu dritt. Und das ohne groß nach Plan einzukaufen oder irgendwie den Cent 3x umzudrehen. Es ist ein erheblicher Unterschied ob man alleine 109€ ausgibt (ist aber auch problemlos möglich) oder zu dritt 326€.

Würde ich alleine leben wäre ich vielleicht bei 200-210€€ im Monat bei gleichem Konsumverhalten.
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Re: Ein Wirtschaftswissenschaftler äußert sich zu aktuellen Themen

Beitragvon Boracay » Mi 22. Feb 2017, 00:10

jorikke hat geschrieben:(21 Feb 2017, 17:22)
Aus welchem Grund sollen sie sich dann von 110,- ernähren?
Für mich geht das als Macke durch.


Weil man

1. Nie genug Geld haben kann
2. Sich diesem ganzen abgepackten Dreck nicht unbedingt rein ziehen muss
3. Man auch durchaus mal Saisonale Ware kaufen darf
4. Einkäufe auf dem Markt, bei Edeka oder dieser ganze Bioschwachsinn einfach nur nutzlos sind
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Re: Ein Wirtschaftswissenschaftler äußert sich zu aktuellen Themen

Beitragvon schokoschendrezki » Mi 22. Feb 2017, 08:00

BlueMonday hat geschrieben:(21 Feb 2017, 14:45)

Da muss man zw. Geldmenge und Transaktionsvolumen unterscheiden. Wenn man einen einzigen Euro nimmt und dieser schnell zwischen zwei Akteuren hin und her fließt, dann hat man ein großes Transaktionsvolumen, aber eine kleine Menge an Geld, die daran beteiligt ist. Im Grunde ist "Geldmenge" wenig aussagekräftig.

Was ist nun an Finanztransaktionen "virtuell"? All diese Transaktionen beziehen sich ja letztlich auf etwas Reales bzw. Unsicherheiten.
Dieser Umstand ist leider vielen immer noch fremd geblieben, dass Wirtschaften auch etwas mit Unsicherheit zu tun hat. Und sicherlich nimmt diese einen großen Raum weltweit gesehen ein. Man bewirtschaft Unsicherheit. Du kaufst mir am Tag X etwas Bestimmtes zu einem vereinbarten Preis ab, egal was sonst passiert ist auf der Welt. Oder: wenn der Fall Y eintritt bis zu einem Termin, zahl ich dir einen bestimmten Betrag, tritt X nicht ein bekommst du nichts...

Aus dieser Doku:
"Professor Helge Peukert, Finanzexperte von der Uni-Siegen: „Geld kommt in die Welt, indem jemand zur Bank geht und einen Kredit beantragt. Der ursprüngliche Impuls der Geldschöpfung geht also von den Privatbanken aus.“"

Schon komisch. Der Impuls geht offenbar von dem aus, der einen Kredit haben will. Sagt der Herr Professor ja selbst und nur einen Satz später erzählt er etwas dazu Widersprüchliches. Die "Privatbanken" (auch so eine Verkürzung, weil auch Landesbanken und andere staatliche Institutionen wie die KfW kräftig mitspielen) wiederum stehen nicht an irgendeinem Ende oder Anfang, sondern mittendrin. Ohne Zentralbanken können sie in dem bestehenden Zentralbankensystem gar nicht existieren, weil ihnen dann die nötige Geldbasis der ZB fehlt.

Gut. Danke für die Erklärung. Du hast die TV-Doku offensichtlich im Ganzen gesehen. Fragen bleiben dennoch (um es vorsichtig zu formulieren). Man ist Tag für Tag konfrontiert mit der ganzen Bandbreite: Von alarmistischen Tagesmeldungen wegen einer gigantischen weltweiten Verschuldung und wegen des Tickens einer "Schuldenuhr" (sicher nicht unbeabsichtigt die metaphorische Nähe zum Ticken eines Bombenzeitzünders) über grundsätzliche systemische Einwände bezüglich der Produktion von Geld (oder eben Transaktionsvolumina) oder auch Meldungen über bevorstehende Rettungen von Pleitebanken durch Steuergelder in astronomischen Höhen bis hin eben zu Beruhigungen der Art: Geld sei doch nur Äquivalenz von dem und dem. Eigentlich müsste man fragen: Ja, was denn nun?
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Re: Ein Wirtschaftswissenschaftler äußert sich zu aktuellen Themen

Beitragvon jorikke » Mi 22. Feb 2017, 08:22

Boracay hat geschrieben:(22 Feb 2017, 00:10)

Weil man

1. Nie genug Geld haben kann
2. Sich diesem ganzen abgepackten Dreck nicht unbedingt rein ziehen muss
3. Man auch durchaus mal Saisonale Ware kaufen darf
4. Einkäufe auf dem Markt, bei Edeka oder dieser ganze Bioschwachsinn einfach nur nutzlos sind


Die vier Punkte machen klar, die freundliche Unterstellung "Macke" war offensichtlich stark untertrieben.
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Re: Ein Wirtschaftswissenschaftler äußert sich zu aktuellen Themen

Beitragvon schokoschendrezki » Mi 22. Feb 2017, 08:29

jorikke hat geschrieben:(22 Feb 2017, 08:22)

Die vier Punkte machen klar, die freundliche Unterstellung "Macke" war offensichtlich stark untertrieben.


Wieso "Macke"? Natürlich kann man, wenn man denn unbedingt will. Warum denn nicht?
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Re: Ein Wirtschaftswissenschaftler äußert sich zu aktuellen Themen

Beitragvon jorikke » Mi 22. Feb 2017, 08:32

schokoschendrezki hat geschrieben:(22 Feb 2017, 08:29)

Wieso "Macke"? Natürlich kann man, wenn man denn unbedingt will. Warum denn nicht?


Das ist richtig.
Eine Macke ist nicht unbedingt Voraussetzung für grenzwertiges Verhalten.
...aber es erleichtert die Sache ungemein.
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Re: Ein Wirtschaftswissenschaftler äußert sich zu aktuellen Themen

Beitragvon BlueMonday » Mi 22. Feb 2017, 12:57

schokoschendrezki hat geschrieben:(22 Feb 2017, 08:00)

Ja, was denn nun?



https://de.wikipedia.org/wiki/Sapere_aude

:)
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Re: Ein Wirtschaftswissenschaftler äußert sich zu aktuellen Themen

Beitragvon immernoch_ratlos » Mi 22. Feb 2017, 14:32

@schokoschendrezki & andere

Ich weiß, ich weiß alles ist falsch, :? es sei denn es kommt "von mir (hier steht dann selbstverständlich der jeweilige Username)"

Nun mir kommt die folgende Erklärung schon recht "stimmig" vor. Aber den hiesige Stammtisch wird das wohl eher nicht anfechten...

Aufstieg der Roboter - Wie unsere Arbeitswelt gerade auf den Kopf gestellt wird und wie wir darauf reagieren müssen (German Edition) by Martin Ford hat geschrieben:Wenn eine Zentralbank wie die amerikanische Federal Reserve „Geld druckt“, kauft sie normalerweise Staatsanleihen. Beim Abschluss des Geschäfts zahlt sie Geld auf das Bankkonto der Stelle, von der sie die Anleihen gekauft hat. Das ist neu geschaffenes Geld, es entsteht aus dem Nichts. Ist dieses neue Geld im Bankensystem, sollen die Banken es dann verleihen.

Dieses Prinzip nennt sich Mindestreservesystem: Die Banken müssen einen kleinen Teil des Gelds zurückbehalten, aber den Großteil dürfen sie als Kredit ausgeben.

Gedacht ist, dass die Banken das Geld an Firmen verleihen, die dann expandieren und mehr Menschen einstellen können. Oder die Kreditinstitute verleihen es an Verbraucher, die das Geld ausgeben und auf diese Weise Nachfrage schaffen.
So oder so sollten Arbeitsplätze entstehen und Geld (Kaufkraft) fließt in Richtung der Verbraucher. Irgendwann wird das Geld wieder in einer Bank eingezahlt und der Großteil kann dann wieder als Darlehen vergeben werden. So beginnt der Kreislauf von vorne. Auf diesem Weg strömt das neu geschaffene Geld durch die Wirtschaft, vermehrt sich und ist im Großen und Ganzen ertragreich.

Wenn es die Automatisierungstechnologie den Unternehmen aber erlaubt, zu expandieren oder neue zu bedienen, ohne dafür großflächig neu einstellen zu müssen, oder wenn die Nachfrage so schwach ist, dass die Firmen gar kein Interesse an Krediten haben, wird nur wenig von dem neuen Geld seinen Weg zum Verbraucher finden.

Es wird also nicht ausgegeben und es wird sich nicht auf die beabsichtigte Art und Weise mehren, sondern sich einfach nur im Bankensystem hin- und herbewegen. Genau das passierte im Grunde während der Finanzkrise von 2008. Schuld war allerdings nicht die Automatisierung von Arbeitsplätzen, vielmehr konnten die Banken keine kreditwürdigen Schuldner finden und/oder niemand wollte Kredite aufnehmen.

Alle blieben quasi auf ihrem Geld sitzen. Ökonomen sprechen in einem derartigen Fall von einer „Liquiditätsfalle“.
"Wenn der Wind der Veränderung weht, bauen die einen Mauern und die anderen Windmühlen." (aus China)
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Re: Ein Wirtschaftswissenschaftler äußert sich zu aktuellen Themen

Beitragvon Skull » Mi 22. Feb 2017, 15:26

immernoch_ratlos hat geschrieben:(22 Feb 2017, 14:32)

Aber den hiesige Stammtisch wird das wohl eher nicht anfechten...

Der hiesige "Stammtisch" kennt sich seit Jahrzehnten damit aus.
Und fechtet auch nichts an.

Auch wenn mancher anderer ... immer noch ratlos ... bleibt.

mfg
Man dient für Lohn und liebt sich für Geschenke

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