BGE - bedingungsloses Grundeinkommen

In diesem Forum werden Themen rund um die sozialen Sicherungsysteme diskutiert.
Krankenversicherung, Arbeitslosenversicherung, Arbeitslosengeld 2 (HartzIV), Rentenversicherung, Sozialgesetzbuch.

Moderator: Moderatoren Forum 1

Benutzeravatar
Dampflok94
Beiträge: 11367
Registriert: Mo 2. Jun 2008, 16:59
Benutzertitel: Betriebsrat
Wohnort: Berlin

Re: BGE - bedingungsloses Grundeinkommen

Beitragvon Dampflok94 » Mi 18. Okt 2017, 14:14

unity in diversity hat geschrieben:(18 Oct 2017, 03:45)Die Grundsicherung oder ein BGE müßte man natürlich auch regelmäßig nach unten anpassen.
Zuerst vielleicht jährlich und später monatlich.

:?:
Wieso sollte man das tun? Im Gegenteil, ein BGE sollte eher im unteren Bereich anfangen und dann steigen. Und zwar oberhalb der Inflation. :)
Leute kauft mehr Dampflokomotiven!!!
Positiv Denkender
Beiträge: 2518
Registriert: Sa 16. Apr 2016, 16:51

Re: BGE - bedingungsloses Grundeinkommen

Beitragvon Positiv Denkender » Mi 18. Okt 2017, 16:04

Bielefeld09 hat geschrieben:(17 Oct 2017, 18:37)

Ein BGE ist nicht das Thema für Hängemattennutzer,
die haben doch Hartz 4.
Ein BGE ist das Thema für motivierte und zukunftsorientierte Menschen.
Nur muss man das auch erkennen wollen.
Und dazu bedarf es eines Pilotprojektes.
Was wäre daran verwerflich?

Motivierte zukunftsorientierte Menschen haben einen guten Job mit besten Verdienstmöglichkeiten .
Einzige Nutznießer wären Langzeitarbeitslose und diejenigen die sich ganz sicher mit dem BGE bestens zufrieden geben .
Man muss da nichts erkennen denn was dann kommt ist klar .4 köpfige Familie Grundeinkommen 4000 ,-€ davon lässt sich auch ohne
Arbeit leben . Die Frage bleibt nur wer soll das Grundeinkommen noch finanzieren ? Wir haben bereits ein Grundeinkommen das nennt sich nur anders,
"Grundsicherung ".-Damit muss es gut sein. Pilotprojekte dieser Art sind für eine Leistungsgesellschaft kontraproduktiv ,ja sinnlos.
Benutzeravatar
franktoast
Beiträge: 2767
Registriert: So 29. Jun 2014, 09:24

Re: BGE - bedingungsloses Grundeinkommen

Beitragvon franktoast » Mi 18. Okt 2017, 16:15

Positiv Denkender hat geschrieben:(18 Oct 2017, 17:04)

Motivierte zukunftsorientierte Menschen haben einen guten Job mit besten Verdienstmöglichkeiten .
Einzige Nutznießer wären Langzeitarbeitslose und diejenigen die sich ganz sicher mit dem BGE bestens zufrieden geben .
Man muss da nichts erkennen denn was dann kommt ist klar .4 köpfige Familie Grundeinkommen 4000 ,-€ davon lässt sich auch ohne
Arbeit leben . Die Frage bleibt nur wer soll das Grundeinkommen noch finanzieren ? Wir haben bereits ein Grundeinkommen das nennt sich nur anders,
"Grundsicherung ".-Damit muss es gut sein. Pilotprojekte dieser Art sind für eine Leistungsgesellschaft kontraproduktiv ,ja sinnlos.

Nur profitieren Langzeitarbeitslose davon? Finanziell zumindest nicht, denn das BGE dürfte kaum höher als Hartz4 zu sein. Reiche Studenten und Hausfrauen haben dann statt 0 dann eben 1000€ im Monat. Und ein weltreisenden Paar kann sich nach 12 Monaten über 24 000€ auf dem Konto freuen. Yuppie.
Ein freier Mensch muß es ertragen können, daß seine Mitmenschen anders handeln und anders leben, als er es für richtig hält, und muß sich abgewöhnen, sobald ihm etwas nicht gefällt, nach der Polizei zu rufen.
Positiv Denkender
Beiträge: 2518
Registriert: Sa 16. Apr 2016, 16:51

Re: BGE - bedingungsloses Grundeinkommen

Beitragvon Positiv Denkender » Mi 18. Okt 2017, 16:32

franktoast hat geschrieben:(18 Oct 2017, 17:15)

Nur profitieren Langzeitarbeitslose davon? Finanziell zumindest nicht, denn das BGE dürfte kaum höher als Hartz4 zu sein. Reiche Studenten und Hausfrauen haben dann statt 0 dann eben 1000€ im Monat. Und ein weltreisenden Paar kann sich nach 12 Monaten über 24 000€ auf dem Konto freuen. Yuppie.

Reiche Hausfrauen werden sicher auf das Einkommen ihres Gatten zurückgreifen können und reiche Studenten studieren ja deshalb um später
durch gute Berufschancen eben nicht auf staatliche Almosen angewiesen zu sein . Die Gefahr besteht darin dass man erst gar nicht anfängt zu studieren
weil der Anreiz fehlt . BGE bedeutet Rückschritt bremst Leistungsbereitschaft aus , forciert Gleichgültigkeit .
Occham
Beiträge: 1521
Registriert: Do 21. Mai 2015, 15:38
Benutzertitel: Ritt über die Rasierklinge

Re: BGE - bedingungsloses Grundeinkommen

Beitragvon Occham » Mi 18. Okt 2017, 16:59

Positiv Denkender hat geschrieben:(18 Oct 2017, 17:32)

BGE bedeutet Rückschritt bremst Leistungsbereitschaft aus , forciert Gleichgültigkeit .

Ich würde es auch nicht bedingungslos hergeben das Grundeinkommen, ich würde diese Leistung an den Bildungsstand knüpfen, so eine Art Schule, wo man für seinen Bildungsstand belohnt wird. Je nach dem wie gebildet man ist. Viel gebildet bedeutet viel Grundeinkommen, wenig gebildet bedeutet wenig Grundeinkommen. So produziert man sich Fachkräfte am laufenden Band, die Leistungsgesellschaft bleibt erhalten, wegen andauernden anreiz sich weiterzubilden.
Große Dinge haben kleine Ursachen.
Positiv Denkender
Beiträge: 2518
Registriert: Sa 16. Apr 2016, 16:51

Re: BGE - bedingungsloses Grundeinkommen

Beitragvon Positiv Denkender » Mi 18. Okt 2017, 19:29

Occham hat geschrieben:(18 Oct 2017, 17:59)

Ich würde es auch nicht bedingungslos hergeben das Grundeinkommen, ich würde diese Leistung an den Bildungsstand knüpfen, so eine Art Schule, wo man für seinen Bildungsstand belohnt wird. Je nach dem wie gebildet man ist. Viel gebildet bedeutet viel Grundeinkommen, wenig gebildet bedeutet wenig Grundeinkommen. So produziert man sich Fachkräfte am laufenden Band, die Leistungsgesellschaft bleibt erhalten, wegen andauernden anreiz sich weiterzubilden.

Deshalb muss man nicht den Umweg über den Bildungsstand gehen .Das regelt sich durch die Gehaltsstrukturen von alleine .
Benutzeravatar
unity in diversity
Beiträge: 4692
Registriert: So 21. Dez 2014, 09:18
Benutzertitel: Nachtfalter
Wohnort: Falena

Re: BGE - bedingungsloses Grundeinkommen

Beitragvon unity in diversity » Mi 18. Okt 2017, 23:44

Dampflok94 hat geschrieben:(18 Oct 2017, 15:14)

:?:
Wieso sollte man das tun? Im Gegenteil, ein BGE sollte eher im unteren Bereich anfangen und dann steigen. Und zwar oberhalb der Inflation. :)

Man braucht eine Bemessungsgrundlage für eine steuerfinanzierte Leistung, wie das BGE eine ist.
Die Steuereinnahmen sind in einer Industriegesellschaft höher, als in einer Dienstleistungsgesellschaft.
Das hängt mit den Möglichkeiten zusammen, Produktivitätsfortschritte zu erreichen. Eine Friseuse kann ihre Produktivität kaum steigern, sie kann nur den Grad ihrer Selbstausbeutung beeinflussen, was wiederum die Produktqualität (Frisur) beeinträchtigen kann.
Wenn man sich auf den entsprechenden Umbau der Gesellschaft einläßt, ändert das die Finanzierungsgrundlagen ständig. Man muß darauf reagieren, wenn man keine Inflation will.
Die umlagefinanzierten Sicherungssysteme sollen durch das BGE ersetzt werden. Jeder muß sich aus seinem BGE privat versichern und dabei den Anteil übernehmen, den der AG bislang getragen hat. Das senkt die Lohnnebenkosten.
Das wird nebenbei ein Festmahl für die Finanzwirtschaft.
Wenn irgendwas bislang die Kostenexplosion im Versicherungswesen gebremst hat, waren das die Arbeitgeber.
Übertreibt es nicht, sonst stellen wir die Standortfrage. Dieser Einspruch fällt künftig weg.
Zusätzlich stellt sich die Frage der Steuergerechtigkeit.
Jeder Besserverdiener fragt sich, warum er 3000 € an Steuern bezahlen soll, um einen Gegenwert von 1000 € BGE zu erhalten.
Diese Diskussion endet mit der Einführung einer Flattax, die von den Armen als ungerecht empfunden wird.
Das BGE geht für die Versicherungen drauf und das schmale Arbeitseinkommen wird nahezu wegbesteuert.
Das muß man alles abwägen, bevor man mit dem BGE in der Hand über „leicht verdientes Geld“ in Jubel ausbricht.
"Für jedes Problem gibt es 2 Lösungsansätze.
Den Falschen und den Unsrigen."
(Aus den USA)
Benutzeravatar
franktoast
Beiträge: 2767
Registriert: So 29. Jun 2014, 09:24

Re: BGE - bedingungsloses Grundeinkommen

Beitragvon franktoast » Do 19. Okt 2017, 07:54

Positiv Denkender hat geschrieben:(18 Oct 2017, 17:32)

Reiche Hausfrauen werden sicher auf das Einkommen ihres Gatten zurückgreifen können und reiche Studenten studieren ja deshalb um später
durch gute Berufschancen eben nicht auf staatliche Almosen angewiesen zu sein . Die Gefahr besteht darin dass man erst gar nicht anfängt zu studieren
weil der Anreiz fehlt . BGE bedeutet Rückschritt bremst Leistungsbereitschaft aus , forciert Gleichgültigkeit .

Das ist schwer zu sagen. Womöglich studieren sogar mehr junge Leute, was aber keinesfalls unbedingt etwas Gutes ist. Man stelle sich vor, jedes Jahr fangen 100 000 Studenten zusätzlich an zu studieren, die aber alle abrrechen. Das wären ja erstmal hohe Bildungskosten ohne Nutzen.

Der Anreiz einer Erwerbsarbeit nachzugehen sinkt aber natürlich. Der Regelfall wird aber wohl nicht sein, dass jemand ganz aufhört, sondern eher, dass man weniger arbeitet als vorher bzw. längere Pausen(zB. Weltreise) einlegt. Und die Hausfrau bzw. Student wird dann weniger Anreiz haben, zB. einem Minijob nachzugehen...
Ein freier Mensch muß es ertragen können, daß seine Mitmenschen anders handeln und anders leben, als er es für richtig hält, und muß sich abgewöhnen, sobald ihm etwas nicht gefällt, nach der Polizei zu rufen.
Benutzeravatar
franktoast
Beiträge: 2767
Registriert: So 29. Jun 2014, 09:24

Re: BGE - bedingungsloses Grundeinkommen

Beitragvon franktoast » Do 19. Okt 2017, 08:05

unity in diversity hat geschrieben:(19 Oct 2017, 00:44)

Man braucht eine Bemessungsgrundlage für eine steuerfinanzierte Leistung, wie das BGE eine ist.
Die Steuereinnahmen sind in einer Industriegesellschaft höher, als in einer Dienstleistungsgesellschaft.
Das hängt mit den Möglichkeiten zusammen, Produktivitätsfortschritte zu erreichen. Eine Friseuse kann ihre Produktivität kaum steigern, sie kann nur den Grad ihrer Selbstausbeutung beeinflussen, was wiederum die Produktqualität (Frisur) beeinträchtigen kann.

Warum das denn? Eine Dienstleistungsgesellschaft entsteht ja erst dadurch, dass man in der Industrie diese Produktionsfortschritte hat. Und ja, wenn du dein Geld nun vom Automaten holst oder per Karte bezahlst, dann wurde da ja auch ein deutlicher Produktivitätsgewinn erzielt - eine Dienstleistung.

Wenn man sich auf den entsprechenden Umbau der Gesellschaft einläßt, ändert das die Finanzierungsgrundlagen ständig. Man muß darauf reagieren, wenn man keine Inflation will.
Die umlagefinanzierten Sicherungssysteme sollen durch das BGE ersetzt werden. Jeder muß sich aus seinem BGE privat versichern und dabei den Anteil übernehmen, den der AG bislang getragen hat. Das senkt die Lohnnebenkosten.
Das wird nebenbei ein Festmahl für die Finanzwirtschaft.
Wenn irgendwas bislang die Kostenexplosion im Versicherungswesen gebremst hat, waren das die Arbeitgeber.
Übertreibt es nicht, sonst stellen wir die Standortfrage. Dieser Einspruch fällt künftig weg.

Was würde deiner Ansicht nach passieren, wenn der Arbeitnehmer gar keine Versicherungsbeiträge mehr bezahlt und alle komplett der Arbeitgeber? Also 100€ KV hat vorher der Arbeitnehmer bezahlt und nund er Arbeiggeber. Letzterer bezahlt aber nachwievor das gleiche Entgelt für den Arbeitnehmer?
Wenn es um die Standortattraktivität geht und dabei um die Kosten, geht es um die Arbeitskosten, nicht etwa, wie sich die Arbeitskosten aufbauen.

Zusätzlich stellt sich die Frage der Steuergerechtigkeit.
Jeder Besserverdiener fragt sich, warum er 3000 € an Steuern bezahlen soll, um einen Gegenwert von 1000 € BGE zu erhalten.
Diese Diskussion endet mit der Einführung einer Flattax,...[/quote]
Hä? So jemand würde ja etwa 6000€ brutto im Monat verdienen. Mit dem BGE würde er de facto 2000€ Steuern bezahlen, also etwa 33% Steuern bezahlen. In etwa so wie heute. Wobei das nicht das Gleiche wie heute wäre, denn heute hat er durch den Job 3000€ mehr als ohne Job(kein Hartz4 Anspruch). Durch das BGE hat er durch den Job 2000€ mehr als ohne Job.

Bei Anreiz, etwas zu tun geht es ja darum, was man zusätzlich bekommt, nicht um das, was man bekommt.
Ein freier Mensch muß es ertragen können, daß seine Mitmenschen anders handeln und anders leben, als er es für richtig hält, und muß sich abgewöhnen, sobald ihm etwas nicht gefällt, nach der Polizei zu rufen.
Occham
Beiträge: 1521
Registriert: Do 21. Mai 2015, 15:38
Benutzertitel: Ritt über die Rasierklinge

Re: BGE - bedingungsloses Grundeinkommen

Beitragvon Occham » Do 19. Okt 2017, 10:25

Positiv Denkender hat geschrieben:(18 Oct 2017, 20:29)

Deshalb muss man nicht den Umweg über den Bildungsstand gehen .Das regelt sich durch die Gehaltsstrukturen von alleine .

Hier geht es doch um BGE, wie es funktionieren könnte und wie es nicht funktioniert... und wie es funktionieren könnte, darüber hab ich meine Vorstellung schon geschrieben. Für mich jedenfalls ist Bildung kein überflüssiger Umweg.
Große Dinge haben kleine Ursachen.
Positiv Denkender
Beiträge: 2518
Registriert: Sa 16. Apr 2016, 16:51

Re: BGE - bedingungsloses Grundeinkommen

Beitragvon Positiv Denkender » Do 19. Okt 2017, 11:03

Occham hat geschrieben:(19 Oct 2017, 11:25)

Hier geht es doch um BGE, wie es funktionieren könnte und wie es nicht funktioniert... und wie es funktionieren könnte, darüber hab ich meine Vorstellung schon geschrieben. Für mich jedenfalls ist Bildung kein überflüssiger Umweg.

Doch wer ausreichend gebildet ist oder einen Beruf erlernt hat benötigt kein BGE .Das nützt nur Laumännern ,die nicht bereit sind
ihren Wohlstand durch Arbeit zu sichern . Es kann nicht funktionieren wenn man Ehrgeiz, Leistungsbereitschaft durch
hohe staatliche Zuwendungen minimiert . Wer nicht arbeiten will muss halt mit dem was die Solidargemeinschaft zukommen lässt .
Mehr geht nicht und mehr darf es nicht geben .Grundsicherung ist ein BGE .
Occham
Beiträge: 1521
Registriert: Do 21. Mai 2015, 15:38
Benutzertitel: Ritt über die Rasierklinge

Re: BGE - bedingungsloses Grundeinkommen

Beitragvon Occham » Do 19. Okt 2017, 13:03

Positiv Denkender hat geschrieben:(19 Oct 2017, 12:03)

Doch wer ausreichend gebildet ist oder einen Beruf erlernt hat benötigt kein BGE .Das nützt nur Laumännern ,die nicht bereit sind
ihren Wohlstand durch Arbeit zu sichern . Es kann nicht funktionieren wenn man Ehrgeiz, Leistungsbereitschaft durch
hohe staatliche Zuwendungen minimiert . Wer nicht arbeiten will muss halt mit dem was die Solidargemeinschaft zukommen lässt .
Mehr geht nicht und mehr darf es nicht geben .Grundsicherung ist ein BGE .

Richtig, wer gebildet ist, benötigt kein BGE und bedingungslos hab ich doch gesagt, würde ich ein Grundeinkommen gar nicht hergeben. Die Bedingung wäre meines Erachtens eine Art Schule, wo man die Leute hinschickt und prüft und danach entlohnt, wie gebildet man ist. Aus dieser Schule kann sich dann auch ein Unternehmer die besten rauspicken.
Große Dinge haben kleine Ursachen.
Positiv Denkender
Beiträge: 2518
Registriert: Sa 16. Apr 2016, 16:51

Re: BGE - bedingungsloses Grundeinkommen

Beitragvon Positiv Denkender » Do 19. Okt 2017, 15:34

Occham hat geschrieben:(19 Oct 2017, 14:03)

Richtig, wer gebildet ist, benötigt kein BGE und bedingungslos hab ich doch gesagt, würde ich ein Grundeinkommen gar nicht hergeben. Die Bedingung wäre meines Erachtens eine Art Schule, wo man die Leute hinschickt und prüft und danach entlohnt, wie gebildet man ist. Aus dieser Schule kann sich dann auch ein Unternehmer die besten rauspicken.

Unternehmer picken sich ihre Mitarbeiter auch ohne diesen Umstand für ihr Unternehmen heraus.
Benutzeravatar
Dampflok94
Beiträge: 11367
Registriert: Mo 2. Jun 2008, 16:59
Benutzertitel: Betriebsrat
Wohnort: Berlin

Re: BGE - bedingungsloses Grundeinkommen

Beitragvon Dampflok94 » Do 19. Okt 2017, 16:06

unity in diversity hat geschrieben:(19 Oct 2017, 00:44)

Man braucht eine Bemessungsgrundlage für eine steuerfinanzierte Leistung, wie das BGE eine ist.
Die Steuereinnahmen sind in einer Industriegesellschaft höher, als in einer Dienstleistungsgesellschaft.
Das hängt mit den Möglichkeiten zusammen, Produktivitätsfortschritte zu erreichen. Eine Friseuse kann ihre Produktivität kaum steigern, sie kann nur den Grad ihrer Selbstausbeutung beeinflussen, was wiederum die Produktqualität (Frisur) beeinträchtigen kann.
Wenn man sich auf den entsprechenden Umbau der Gesellschaft einläßt, ändert das die Finanzierungsgrundlagen ständig. Man muß darauf reagieren, wenn man keine Inflation will.
Die umlagefinanzierten Sicherungssysteme sollen durch das BGE ersetzt werden. Jeder muß sich aus seinem BGE privat versichern und dabei den Anteil übernehmen, den der AG bislang getragen hat. Das senkt die Lohnnebenkosten.
Das wird nebenbei ein Festmahl für die Finanzwirtschaft.
Wenn irgendwas bislang die Kostenexplosion im Versicherungswesen gebremst hat, waren das die Arbeitgeber.
Übertreibt es nicht, sonst stellen wir die Standortfrage. Dieser Einspruch fällt künftig weg.
Zusätzlich stellt sich die Frage der Steuergerechtigkeit.
Jeder Besserverdiener fragt sich, warum er 3000 € an Steuern bezahlen soll, um einen Gegenwert von 1000 € BGE zu erhalten.
Diese Diskussion endet mit der Einführung einer Flattax, die von den Armen als ungerecht empfunden wird.
Das BGE geht für die Versicherungen drauf und das schmale Arbeitseinkommen wird nahezu wegbesteuert.
Das muß man alles abwägen, bevor man mit dem BGE in der Hand über „leicht verdientes Geld“ in Jubel ausbricht.

Deutschland ist stark industriell geprägt und wird es bleiben.

Und was die Versicherungen angeht: Ob das BGE die GKV ersetzt, würde ich erstmal in Frage stellen. Sinn einer Krankenversicherung ist es nicht vorrangig den Lebensunterhalt sicher zu stellen. Anders als die Arbeitslosen- und die Rentenversicherung. Letztere werden als Sozialversicherung obsolet. Ob sich jemand noch zusätzlich privat absichern will, ist ihm vorbehalten. Die GKV kann weiterbestehen. Hier kann jedoch das Krankengeld entfallen.
Leute kauft mehr Dampflokomotiven!!!
Benutzeravatar
syna
Beiträge: 319
Registriert: Fr 30. Okt 2015, 08:04

Re: BGE - bedingungsloses Grundeinkommen

Beitragvon syna » Do 19. Okt 2017, 16:57

Occham hat geschrieben:(18 Oct 2017, 17:59)

... ich würde diese Leistung an den Bildungsstand knüpfen, so eine Art Schule, wo man für seinen Bildungsstand belohnt wird. Je nach dem wie gebildet man ist. Viel gebildet bedeutet viel Grundeinkommen, wenig gebildet bedeutet wenig Grundeinkommen. So produziert man sich Fachkräfte am laufenden Band, die Leistungsgesellschaft bleibt erhalten, wegen andauernden anreiz sich weiterzubilden.


Haha, das ist ja eine schöne Variante!

Die ist mir bisher nicht in den Sinn gekommen ... mhh. Diese Variante hätte den
Vorteil, dass die Leute nochmehr nach (formalen) Bildungsabschlüssen streben
würden. Die Schulen und Weiterbildungseinrichtungen hätten großen Zulauf -
und vielleicht würden die Menschen ja dadurch nicht nur gebildeter, sondern -
weil sie ja auch zum Nachdenken angeregt werden - intelligenter.

Die Frage ist nur: Ist diese Variante mit einem egalitär humanistischen
Weltbild vereinbar?
:?:
--~~/§&%"$!\~~--
lili 1
Beiträge: 736
Registriert: Fr 2. Sep 2016, 15:05

Re: BGE - bedingungsloses Grundeinkommen

Beitragvon lili 1 » Do 19. Okt 2017, 21:09

franktoast hat geschrieben:(17 Oct 2017, 12:39)

Ich denke nicht, dass in den Parteien im Bundestag da heftig drüber diskutiert wird. In wohl jeder Partei gibt es eine kleine Minderheit, die für die Idee wäre, aber das wars dann auch. Bei aktueller Topbeschäftigung gibt es auch wenig Grund, etwas zu ändern. Das BGE missfällt ja auch ein wenig der Grundidee des Sozialstaates. Die Starken geben etwas ab, und den Bedürftigen wird geholfen. So viel wie nötig. Der Ansatz des Sozialstaates wäre dann ein ganz anderer.

Das größte Problem beim BGE ist, dass es entweder nicht finanzierbar wäre oder keine Mehrheit findet.
1. Man setzt das BGE so hoch, dass jeder, der heute Sozialhilfe bekommt, auch mehr hat. Zwar bekäme der reiche Student dann statt 0€ eben 1000€, aber auch der Hartz4-Empfänger bekäme statt 900 dann 1000€. Die Höhe des BGEs führt aber dazu, dass der Arbeitsanreiz sinkt und Steuer höher sein müssten (wodurch wieder der Arbeitsanreiz sinkt und nochmal Steuern höher sein müssten usw.)
2. Setzt dann man das BGE so an, dass es finanzierbar wäre, wäre es an vielen Stellen so, dass heutige Empfänger von Geldern oft weniger hätten und eben reiche Studenten, Hausfrauen, Weltreisende etc. entsprechend mehr.

Ich gehe schwer davon aus, dass die Idealisten rund ums BGE sich darüber in der Regel keine Gedanken machen.

Vielleicht weißt du ne Antwort. 1000€ BGE. Die alleinerziehende Mutter ohne Job und Vermögen bekommt dann statt 1300€ dann 1500€. Die alleinerziehende Mutter, die von ihrem Mann eine Villa und 500 000€ geerbt hat, bekommt dann statt 0€ auch 1500€.
-> Ist das gerecht?


Die müssen schon für Alternativen sorgen. Wir werden viele Veränderungen haben und da muss die Politik mitspielen.
Benutzeravatar
Bielefeld09
Beiträge: 5567
Registriert: Mo 19. Jan 2015, 19:48

Re: BGE - bedingungsloses Grundeinkommen

Beitragvon Bielefeld09 » Fr 20. Okt 2017, 22:52

Positiv Denkender hat geschrieben:(18 Oct 2017, 17:04)

Motivierte zukunftsorientierte Menschen haben einen guten Job mit besten Verdienstmöglichkeiten .
Einzige Nutznießer wären Langzeitarbeitslose und diejenigen die sich ganz sicher mit dem BGE bestens zufrieden geben .

Sorry, aber ich meinte das mit dem Pilotprojekt deshalb so ernst,
gerade weil es soviele motivierte und Zukunftsorientierte Menschen gibt,
die heute durch Praktika`s und befristeten Verträgen mit ihren Existensängsten nur noch geknebelt werden.
Aber holla, die Mutter von 5 Kindern in der Villa,
die knebelt heute bitte wer in ihrer Existenz?
Was soll das.
Und nebenbei, ich bin ein Gegner des BGE`s.
Aber ich bin Befürworter eines Pilotprojektes.
Aus nur einem Grunde.
Wir könnten uns auf der Grundlage von Erkenntnissen streiten.
Und nicht wegen Befürchtungen, Ängsten oder Neid.
Aber bitte!
Auch wenn es mal falsch rüberkommt, es ist nie persönlich gemeint. Sorry :( :(
Benutzeravatar
Misterfritz
Beiträge: 2177
Registriert: So 4. Sep 2016, 14:14
Wohnort: badisch sibirien

Re: BGE - bedingungsloses Grundeinkommen

Beitragvon Misterfritz » Sa 21. Okt 2017, 10:13

Bielefeld09 hat geschrieben:(20 Oct 2017, 23:52)
Aber ich bin Befürworter eines Pilotprojektes.
Aus nur einem Grunde.
Wir könnten uns auf der Grundlage von Erkenntnissen streiten.
Und nicht wegen Befürchtungen, Ängsten oder Neid.
Aber bitte!
Aber was soll ein Pilotprojekt bringen?
Im Grunde müsste man, um tatsächliche Auswirkungen beobachten zu können, erstmal einem Querschnitt der Bevölkerung das zukommen lassen. Man müsste eine Gemeinde* finden, in dem so ein Querschnitt lebt, die dann auch nicht zu gross sein darf - wegen der Kosten.
Und dann dürfte man in dem Pilotprojekt das BGE nicht zeitlich begrenzen. Denn wenn ich das zeitlich begrenze und die Leute wissen, dass sie danach wieder arbeiten müssen, werden sie ihren Job kaum aufgeben - damit würde das Ergebnis völlig verfälscht.

*Gemeinde deshalb, weil die Leute sehen, was die anderen mit dem BGE machen, wie sie sich verhalten/verändern. Und die Menschen in meiner Nachbarschaft kann ich 1. besser beobachten und 2. eine Veränderung besser beurteilen.
Positiv Denkender
Beiträge: 2518
Registriert: Sa 16. Apr 2016, 16:51

Re: BGE - bedingungsloses Grundeinkommen

Beitragvon Positiv Denkender » Sa 21. Okt 2017, 10:47

Bielefeld09 hat geschrieben:(20 Oct 2017, 23:52)

Sorry, aber ich meinte das mit dem Pilotprojekt deshalb so ernst,
gerade weil es soviele motivierte und Zukunftsorientierte Menschen gibt,
die heute durch Praktika`s und befristeten Verträgen mit ihren Existensängsten nur noch geknebelt werden.
Aber holla, die Mutter von 5 Kindern in der Villa,
die knebelt heute bitte wer in ihrer Existenz?
Was soll das.
Und nebenbei, ich bin ein Gegner des BGE`s.
Aber ich bin Befürworter eines Pilotprojektes.
Aus nur einem Grunde.
Wir könnten uns auf der Grundlage von Erkenntnissen streiten.
Und nicht wegen Befürchtungen, Ängsten oder Neid.
Aber bitte!

Ok aber muss man sich über solche Projekte streiten .Pilotprojekt ? Innerhalb der EU undenkbar . Nicht auszudenken der Zuzug
aus allen Teilen der EU in ein Land das solch ein Pilotprojekt startet . Es ist doch ganz normal dass AN am Anfang ihrer Berufslaufbahn
niedrigere Einkommen haben als wenn sie sich im Beruf etabliert haben . Das war vorher auch nie anders .Nach Beendigung der Lehre
waren die Einstiegsgehälter auch niedriger als die von Kollegen ,die schon lange im Beruf standen .Da muss niemand Existenzängste haben .
Es wird ja ständig so getan als ob Einstiegsgehälter ein Arbeitsleben lang gleich bleiben .BGE würden Anreize sich hochzuarbeiten torpedieren
Der Altgeselle verdient halt mehr als der Geselle der gerade seinen Gesellenbrief erhalten hat .Das war nie anders .
In diesem Land müssen sich Leistungsbereite Menschen nicht ängstigen .Im Gegenteil die werden von der Tür abgeholt .
Wichtig allein ist eine reale Selbsteinschätzung was man im Beruf erreichen kann . Da jedem, bevor er einen Beruf erlernt , bekannt ist was
in dem Beruf an Verdienstmöglichkeiten möglich ist, muss er dann nur noch sein Lebensunterhalt danach einrichten .Ängstigen brauch sich
niemand der als Berufseinsteiger noch nicht das Einkommen eines langjährigen Kollegen erreicht hat . Gehälter steigen im Laufe der Berufsjahre.
Bei dem Einen mehr bei anderen mehr.
Zuletzt geändert von Positiv Denkender am Sa 21. Okt 2017, 13:01, insgesamt 5-mal geändert.
Benutzeravatar
Realist2014
Beiträge: 34915
Registriert: Mo 26. Mai 2014, 14:12
Benutzertitel: Sozialer Marktwirtschaftler
Wohnort: München , Stadt des FC Bayern

Re: BGE - bedingungsloses Grundeinkommen

Beitragvon Realist2014 » Sa 21. Okt 2017, 12:25

Bielefeld09 hat geschrieben:(20 Oct 2017, 23:52)


die heute durch Praktika`s und befristeten Verträgen mit ihren Existensängsten nur noch geknebelt werden.
!


inwiefern hilft ein BGE von 750 Euro bei den "Existenzängsten" eines Arbeitnehmers mit einem befristeten Vertrag und einem Gehalt von 3000 Euro?

Der im Falle der Nichtverlängerung ein wesentlich höheres ALG I bekommen würde?
Laut Aussage der linken Ideologen sind alle ökonomisch erfolgreichen dumm, und die wahre Intelligenz tritt sich in der untersten ökonomischen Etage auf die Füße.....daher muss diese Etage ausgebaut werden

Zurück zu „10. Sozialpolitik“

Wer ist online?

Mitglieder in diesem Forum: 0 Mitglieder und 1 Gast