Zwang zu illegalen Jobs

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Dr. Nötigenfalls

Zwang zu illegalen Jobs

Beitragvon Dr. Nötigenfalls » Sa 27. Sep 2014, 21:26

Die Bundesagentur vermittelt weiterhin Arbeitslose in gesetzeswidrige Telefonwerbung. Die Call Center bekommen sogar Lohn-Zuschüsse.

Trotz heftiger Kritik von Politikern und Verbraucherschützern will die Bundesagentur für Arbeit weiter an der Vermittlung illegaler Tätigkeiten im Bereich Telefonwerbung festhalten. Man könne die Firmen, die entsprechende Stellenangebote in der Jobbörse der Behörde veröffentlicht haben, nicht präventiv bestrafen, sagte ein Sprecher zur taz. "Ein illegales Verhalten muss nachgewiesen werden." Als Bundesbehörde habe man keine rechtlichen Möglichkeiten gegen die Inserate von Unternehmen verzugehen, die "möglicherweise gesetzeswidrig" handeln.

In der Jobbörse der Nürnberger Bundesagentur finden sich dutzende Stellenangebote von Firmen, die sich entweder auf Lottowerbeanrufe oder telefonische Kaltakquise spezialisiert haben. Beides ist illegal: Der seit Januar 2008 gültige Glücksspielstaatsvertrag sieht in Paragraph 5 ein generelles Verbot von Lottowerbung am Telefon vor; Kaltakquise, also Anrufe ohne Zustimmung oder vorherige Geschäftsbeziehung, ist durch Paragaph 7 des Gesetzes gegen unlauteren Wettbewerb untersagt.

Bei einer Überprüfung der Inserate sei man am Freitag auf rund 25 Angebote aus dem Bereich Lottowerbung und Kaltaquise gestoßen. Man sehe aber keine Möglichkeit, diese zu beseitigen, sagte ein Sprecher. Es müsse zunächst geprüft werden, ob tatsächlich "ein Rechtsverstoß vorliegt". Dafür allerdings benötige man Einblick in die Unterlagen der Firmen, was ohne rechtliche Befugnis nicht möglich sei.

Die Haltung der Behörde könnte speziell für Empfänger von Arbeitslosengeld II böse Konsequenzen haben. Diese werden von der Bundesagentur vermittelt, und zwar in Stellen, die vorrangig aus der Jobbörse stammen. "Unsere Jobbörse ist dafür ein zentrales Instrument", bestätigte eine Sprecherin der Behörde der taz. Lehnen Arbeitssuchende mehrmals ein Angebot ab, droht ihnen die Kürzung oder der komplette Entzug der staatlichen Unterstützung. Mit Blick auf Jobs bei Lotto-Call-Centern könnten sich Hartz-IV-Empfänger so in einer Notsituation befinden: Entweder arbeitet man für eine illegale Firma oder muss auf Geld verzichten.

Diese Zwickmühle ist auch deshalb nicht unwahrscheinlich, weil Hartz-IV-Empfänger insbesondere für Call-Center-Firmen oftmals attraktiv sind. Grund sind die Vermittlungsgutscheine der Bundesagentur, durch die die Behörde bis zu 50 Prozent des Stundenlohns für bis zu 12 Monate übernimmt. Wieviele Lottobewerber und illegale Call-Center auf diese Weise bereits indirekt von der Bundesagentur subventioniert wurden, konnten die Sprecher nicht einschätzen.

Auch wieviele Stellenangebote entsprechender Firmen sich tatsächlich im Bestand der Bundesagentur befinden, lässt sich nicht exakt quantifizeiren. Denn die Behörde kooperiert nach eigener Aussage mit mehr als 50 privaten Jobbörsen und Zeitarbeitsunternehmen. Darunter finden sich große Portale wie Jobmonitor, Rekruter und Deutschland-Stellenmarkt. Eine einzige Suchanfrage beim Dienst Rekruter zeigte: Auch dort finden sich etliche Cold-Call-Anzeigen. Eine "persönliche, meist telefonische Kontaktaufnahme (Kaltakquise)" sei "erforderlich", heißt es in einem der ersten Treffer. Und dann: "Das Stellenangebot wird durch die Bundesagentur für Arbeit betreut."

http://www.taz.de/!21636/

Mir ist vor kurzem auch ein Vermittlungsvorschlag bekannt gemacht worden,der offensichtlich gegen die Arbeitszeitvorschriften,..wie auch gegen die Lenk und Ruhezeiten verstösst.
Und zwar schon aus dem Eröffnungsangebot ersichtlich.
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Tantris
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Re: Zwang zu illegalen Jobs

Beitragvon Tantris » Sa 27. Sep 2014, 23:32

Realist2014 » Sa 27. Sep 2014, 22:47 hat geschrieben:


so ein Job im Call-Center senkt beim ALG II Bezieher die Stromkosten und Heizkosten zu Hause... :cool:


Das tut auch ein besuch in der stadtbibliothek.

Der call-center job führt halt dazu, dass du acht nervige anrufe pro tag kriegst. Oft mit sächsischen akzent.
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Re: Zwang zu illegalen Jobs

Beitragvon Boracay » So 28. Sep 2014, 07:25

Dr. Nötigenfalls » Sa 27. Sep 2014, 21:26 hat geschrieben:Trotz heftiger Kritik von Politikern und Verbraucherschützern will die Bundesagentur für Arbeit weiter an der Vermittlung illegaler Tätigkeiten im Bereich Telefonwerbung festhalten. Man könne die Firmen, die entsprechende Stellenangebote in der Jobbörse der Behörde veröffentlicht haben, nicht präventiv bestrafen, sagte ein Sprecher zur taz. "Ein illegales Verhalten muss nachgewiesen werden."


Ein Prinzip unseres Rechtsstaates. Aber für unsere lieben linken Weltverbeserer gelten ja schon immer andere Maßstäbe.

Lehnen Arbeitssuchende mehrmals ein Angebot ab, droht ihnen die Kürzung oder der komplette Entzug der staatlichen Unterstützung.


Komm nur in der Realität quasi nie vor, da man sich eine krank melden kann wenn man keine Bock auf einen Job hat. Die Sanktionen betreffen meist Dauekiffer die einfach keinen Bock haben bei Vorstellungsgespräch aufzukreuzen.
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Fadamo
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Re: Zwang zu illegalen Jobs

Beitragvon Fadamo » So 28. Sep 2014, 07:46

Dr. Nötigenfalls » Sa 27. Sep 2014, 21:26 hat geschrieben:Call Center



Das ist ein abzockverein.
Wollen einen was aufschwatzen,was man gar nicht braucht. :mad2:
Ich habe als gegenmaßnahme gegen solche anrufe mein festnetz abgemeldet und besitze nur noch ein handy. :thumbup:
Und dann noch diese hotline ,die die telefonrechnung hochschnellen lässt. :mad2: :mad2:
Das arbeitsamt,die dürfen doch nur die arbeitslosen bestrafen.An die mächtigen dürfen sie nicht ran.
Politik ist wie eine Hure,die kann man nehmen wie man will
pudding

Re: Zwang zu illegalen Jobs

Beitragvon pudding » Mo 29. Sep 2014, 10:43

Kaltaquise gehört viel härter bestraft, Gefängnis und Zwangsarbeit sollte da die Regel sein.
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Re: Zwang zu illegalen Jobs

Beitragvon Realist2014 » Mo 29. Sep 2014, 12:50

pudding » Mo 29. Sep 2014, 10:43 hat geschrieben:Kaltaquise gehört viel härter bestraft, Gefängnis und Zwangsarbeit sollte da die Regel sein.



na so was


aber Zwangsarbeit für die ALG II Arbeitsverweigerer, also die Sozialschmarotzer, lehnst du ab...

wie passt das zusammen?
Laut Aussage der linken Ideologen sind alle ökonomisch erfolgreichen dumm, und die wahre Intelligenz tritt sich in der untersten ökonomischen Etage auf die Füße.....daher muss diese Etage ausgebaut werden
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Re: Zwang zu illegalen Jobs

Beitragvon Teeernte » Mo 29. Sep 2014, 13:11

Realist2014 » Mo 29. Sep 2014, 13:50 hat geschrieben:
na so was


aber Zwangsarbeit für die ALG II Arbeitsverweigerer, also die Sozialschmarotzer, lehnst du ab...

wie passt das zusammen?


Vielleicht sollte das Amt selbst einen ordentlichen Telefondienst für Arbeitgeber einrichten......

Einfach mal probieren.....wie lange musst Du anrufen//wie oft um einen Job zu melden ?? - mir ist es noch NIE gelungen (ohne das Amt besuchen zu müssen)...

Natürlich auch nicht ohne TERMIN...
Zuletzt geändert von Teeernte am Mo 29. Sep 2014, 13:13, insgesamt 1-mal geändert.
Obs zu kalt, zu warm, zu trocken oder zu nass ist:.... Es immer der >>menschgemachte<< Klimawandel. :D
HugoBettauer

Re: Zwang zu illegalen Jobs

Beitragvon HugoBettauer » Mo 29. Sep 2014, 17:07

Realist2014 » Mo 29. Sep 2014, 12:50 hat geschrieben:

na so was


aber Zwangsarbeit für die ALG II Arbeitsverweigerer, also die Sozialschmarotzer, lehnst du ab...

wie passt das zusammen?

Wer in seinem Kallzenter mit verdeckter Telefonnummer Aishe Schmidt und Erszebet Wagner auf Kaltaquise schickt, gehört zum Uli.
Piedro

Re: Zwang zu illegalen Jobs

Beitragvon Piedro » Mo 29. Sep 2014, 18:05

Realist2014 » Sa 27. Sep 2014, 21:47 hat geschrieben:


so ein Job im Call-Center senkt beim ALG II Bezieher die Stromkosten und Heizkosten zu Hause... :cool:


Manchmal hast du wirklich komische Qualitäten. :D

Könnte noch lustiger werden, wenn du dir den Artikel auch mal durchliest. :thumbup:


Tantris » Sa 27. Sep 2014, 23:32 hat geschrieben:
Das tut auch ein besuch in der stadtbibliothek.

Der call-center job führt halt dazu, dass du acht nervige anrufe pro tag kriegst. Oft mit sächsischen akzent.


DER war gut. :D
Zuletzt geändert von Piedro am Mo 29. Sep 2014, 18:06, insgesamt 1-mal geändert.
Piedro

Re: Zwang zu illegalen Jobs

Beitragvon Piedro » Mo 29. Sep 2014, 18:27

pudding » Mo 29. Sep 2014, 10:43 hat geschrieben:Kaltaquise gehört viel härter bestraft, Gefängnis und Zwangsarbeit sollte da die Regel sein.



Die Rechtswidrigkeit, von der hier die Rede ist, bezieht sich ja nicht nur darauf, das Kaltakquise verboten ist. Die Projekte an sich sind oft ebenfalls illegal. Bei Lotto24 spielt sich zB genug ab, daß es im I-Net Material bis zum Abwinken gibt. Es wird getäuscht und betrogen. Und die Angestellten werden mit allen Mitteln unter Druck gesetzt, zum Minimallohn, natürlich.

Welches Strafmaß da nun anzulegen sei mag eine Diskussion wert sein, aber diese Unternehmen werden auch noch von den JC mit Personal bestückt, selbst dann, wenn eine entsprechende Rückmeldung ergeht.

Diese Unternehmen haben die uneingeschränkte Möglichkeit Stelleninserate zu schalten, die dann von den Vermittlern als Vermittlungsvorschlag vorgelegt werden. Die Sanktionspraxis verlangt eine Bewerbung, sie verlangt die Arbeitsaufnahme. Wie sich zeigt selbst dann, wenn den Vermittlern die illegale Tätigkeit bekannt gemacht wird. Das Arbeitsverhältnis soll fortgesetzt werden, dazu werden Sanktionen angedroht.

Dabei sieht die Wirklichkeit noch ein wenig anders aus: die Zumutbarkeit einer Stelle endet tatsächlich da, wo die Grenzen des Gesetzes überschritten werden. Eigentlich hätte keiner ein Sanktionsszenario zu fürchten, der sich ein wenig auskennt und, wenn es denn sein soll, einen Anwalt an die Seite stellt. Wer sich nicht auskennt und obendrein hinreichen eingeschüchtert ist um überhaupt alles tun zu müssen, was ihm angeschafft wird, der kommt gar nicht erst auf die Idee diese Machenschaft zu beenden.

Strafmaße ändern daran gar nix, so lange es nicht auch ein Strafmaß für die Vermittlung in illegale Arbeitsverhältnisse in Tateinheit mit Nötigung, also der Androhung eines empfindlichen Übel, zur Diskussion steht.
Piedro

Re: Zwang zu illegalen Jobs

Beitragvon Piedro » Mo 29. Sep 2014, 18:30

Teeernte » Mo 29. Sep 2014, 13:11 hat geschrieben:
Vielleicht sollte das Amt selbst einen ordentlichen Telefondienst für Arbeitgeber einrichten......

Einfach mal probieren.....wie lange musst Du anrufen//wie oft um einen Job zu melden ?? - mir ist es noch NIE gelungen (ohne das Amt besuchen zu müssen)...

Natürlich auch nicht ohne TERMIN...


LACH! Der war richtig gut!

Den "Kunden" gelingt es manchmal über Wochen nicht, ihren Sachbearbeiter telefonisch zu erreichen. Dies war Anlaß eines Urteils des BSG, das Leistungsberechtigten die Kommunikation mit Zuständigen ermöglicht werden MUSS.

Und ohne Termin geht gar nix. § Alpha. :D
Dr. Nötigenfalls

Re: Zwang zu illegalen Jobs

Beitragvon Dr. Nötigenfalls » Di 30. Sep 2014, 10:15

Piedro » Mo 29. Sep 2014, 18:27 hat geschrieben:
Strafmaße ändern daran gar nix, so lange es nicht auch ein Strafmaß für die Vermittlung in illegale Arbeitsverhältnisse in Tateinheit mit Nötigung, also der Androhung eines empfindlichen Übel, zur Diskussion steht.


Exact so ist es ! :thumbup:

Die Vermittlung in illegale Beschäftigungsverhältnisse gehört unter Strafe gestellt !
Zuletzt geändert von Dr. Nötigenfalls am Di 30. Sep 2014, 10:16, insgesamt 1-mal geändert.
Piedro

Re: Zwang zu illegalen Jobs

Beitragvon Piedro » Di 30. Sep 2014, 11:52

Der Artikel ist von 2008. Das Netzportal "Jobbörse" ist dauerhaft in der Kritik. Es hat sich nichts daran geändert, daß praktisch jeder dort "Stellenangebote" schalten kann, und es sind Fälle nachweisbar, in denen das nur geschah um an "Kunden"daten zu kommen. Die BA als Betreiber dieser Seite ergötzt ihre Klientel auch dadurch, daß sie alles, was Sicherheit und Zuverlässigkeit bedeuten könnte, von sich weist. Andererseits werden die "Kunden" oft per EGV verpflichtet, dieses Portal zu nutzen, obwohl ein Account dort keinesfalls zu den Mitwirkungspflichten gehört. Es ist schon ratsam, diese Verpflichtung auf jeden Fall abzulehnen, weil es immer mal sein kann, daß man gar keinen I-Net-Zugang hat, aus welchen Gründen auch immer, und wenn man sich dann nicht regelmäßig einlogt wird man schon sanktionierbar.

Diese Seite ist sehr schlecht gepflegt, ob es nun am Stellenangebote geht, die längst besetzt sind, oder um Angebote, die zumindest zwielichtig sind. Trotzdem greifen die Vermittler gern auf diesen Stellenpool zurück, weil sie kaum über qualifizierte Angebote verfügen. Durch einen Vermittlungsvorschlag wird die Bewerbung verpflichtend, und jeder Vorbehalt gegen die Praktiken des AG kann der SB als Vereitelung auslegen, was auch dann geschicht, wenn die Anstellung nachweislich unzumutbar ist, wie in diesem Beispiel. Dann braucht es wieder das Sozialgericht, um die Aufschiebende Wirkung des Widerspruchs zu bestätigen (NUR im Rechtgebiet des SGB entfaltet ein Widerspruch keine Aufschiebende Wirkung - auch eine Folge der Agenda 2010, vorher wäre ein derartiger Eingriff in das Verwaltungsrecht gar nicht denkbar gewesen), und es braucht ein Verfahren, in dem irgendwann mal festgestellt wird, daß rechtswidriges Handeln nicht zu den Mitwirkungspflichten eines Erwerbslosen gehört. Die Kosten des Verfahrens trägt die Staatskasse.

Die anstehenden "Rechtsvereinfachungen" bereiten unter anderem auch Verfahrensweisen vor, die Erwerbslosen zukünftig die Erstattungsansprüche bei rechtswidrig verweigerter Leistung beschneiden soll.
Piedro

Re: Zwang zu illegalen Jobs

Beitragvon Piedro » Di 30. Sep 2014, 11:57

Dr. Nötigenfalls » Di 30. Sep 2014, 10:15 hat geschrieben:
Exact so ist es ! :thumbup:

Die Vermittlung in illegale Beschäftigungsverhältnisse gehört unter Strafe gestellt !



Nicht so undifferenziert.

Es ist nicht zwangsläufig dem Vermittler anzulasten, daß die Tätigkeiten eines Unternehmens illegal sind. Es wäre ihm aber anzulasten, wenn er die Verrichtung illegaler Tätigkeiten mittels Minderung oder Entzugs des Existenzminimums durchsetzt.

Vielmehr müßte die Behörde dann verpflichtet sein, entsprechende Ermittlungen anzustellen, dieses Unternehmen nicht weiter mit Bewerbern beliefern, bis alle Zweifel an der Rechtmäßigkeit der vermittelten Tätigkeit ausgeräumt sind, und andernfalls staatsanwaltschaftliche Ermittlungen einzuleiten.

Diesbezüglich hat es auch schon Ermittlungen und Verurteilungen gegen SB gegeben, das betraf allerdings die fetternwirtschaftliche Vermittlung von Erwerbslosen in Arbeitsgelegenheiten, die in den Wettbewerb eingegriffen haben und als solche rechtswidrig waren.
Dr. Nötigenfalls

Re: Zwang zu illegalen Jobs

Beitragvon Dr. Nötigenfalls » Di 30. Sep 2014, 22:38

Piedro » Di 30. Sep 2014, 11:52 hat geschrieben:
Die anstehenden "Rechtsvereinfachungen" bereiten unter anderem auch Verfahrensweisen vor, die Erwerbslosen zukünftig die Erstattungsansprüche bei rechtswidrig verweigerter Leistung beschneiden soll.


Kannst du das bitte näher beleuchten ?
Piedro

Re: Zwang zu illegalen Jobs

Beitragvon Piedro » Mi 1. Okt 2014, 17:21

Dr. Nötigenfalls » Di 30. Sep 2014, 22:38 hat geschrieben:
Kannst du das bitte näher beleuchten ?



Selbstverständlich könnte ich, ich kann sogar.

Das Thema ist es allerdings wert, es akribisch darzustellen und wäre damit ein eigenes.

Hier hast du eine sehr wertvolle Quelle zum Thema, Herr Thomé ist Anwalt und seit Jahren zum Thema SGB engagiert. Über weiter führende Links ist hier so gut wie jede Quelle zum Thema zu finden.

http://tacheles-sozialhilfe.de/startsei ... /d/n/1417/


Hier ein wenig Material von Die Linke - Bundestagsfraktion.

http://www.linksfraktion.de/nachrichten ... itsgruppe/

Daraus:

2.4 Beispiele für skandalöse Vorschläge

Skandalöse Vorschläge finden sich großer Menge in dem Katalog der diskutierten Rechtsvereinfachungen. Sie laufen alle auf Sozialabbau und Abbau von Grundrechten derjenigen hinaus, die Hartz IV beziehen. Auch wenn diese Vorschläge (bislang noch) nicht zu den konsensualen Änderungsvorschlägen gehören oder bisher mehrheitlich abgelehnt worden sind, ist äußerste Vorsicht geboten. Der eine oder andere Wunsch könnte auch in Form einer "Überraschungsgesetzgebung" am Ende doch noch realisiert werden.

Vier Beispiele:

Vorschlag der Bundesagentur für Arbeit:
Der Mehrbedarf für Alleinerziehende soll nur noch denjenigen zugestanden werden, die einer Erwerbstätigkeit nachgehen oder an einer Maßnahme zur beruflichen Eingliederung teilnehmen.
Hintergrund ist die Einschätzung, dass die lange Verweildauer von Alleinerziehenden im Leistungsbezug durch die Möglichkeit des Mehrbedarfs verursacht ist. Die lange Verweildauer hat aber andere Gründe: prinzipiell nicht ausreichende Anzahl von Arbeitsplätzen für alle, die eine Erwerbsarbeit suchen, erst recht nicht für Alleinerziehende, die auf dem Arbeitsmarkt benachteiligt sind, fehlende Zugänge zu Kindertagesstätten, keine Unterstützung bei der Betreuung und Erziehung durch Partner/-innen(einkommen) usw. usf.


Es gibt einen Schriftwechsel Herrn Thomés mit dem Arbeitsministerium, in dem sehr anschaulich erklärt wird, warum die Einzelheiten, die in der Arbeitsgruppe besprochen werden, nicht öffentlich macht. Vor allem, weil diese Arbeitsgruppe dann nicht mehr sachlich arbeiten könnte. :D

Aber der Keks ist so gut wie gegessen, man darf damit rechnen, daß der Schwachfug zum Gesetz wird, das Verfassungsgericht zu dem Schluß kommt, das eine oder andere zu rügen und der Regierung die Gelegenheit gibt, die Fristen des Höchstgerichtes (demnächst irgendwann - Jahre später) einzuhalten.

Angedachte Beeinträchtigungen sind zB die Beschneidung des Erstattungsanspruchs (da kann der Richter ruhig feststellen, daß dem Kunden rechtswidrig Leistung vorenthalten wurde, eine Rückerstattung über die ergaunerte Summe gibt es nicht mehr vollumfänglich. Auch sollen Sanktionen nicht mehr gestaffelt, sondern pauschal verhängt werden, also kein prozentualer Abzug vom Regelsatz, sondern eine fixe Summe, die irgendwer festgelegt hat. Es interessiert dabei nicht, daß 50 Euro vom vollen Regelsatz ein geringerer Anteil ist als 50 von einem Aufstock-Satz. Bei Aufstockern wird oft "nur" ein Anteil der Unterkunftkosten gezahlt, der eigentlich nicht sanktioniert werden darf.

Ich trage das Gedöhne die Tage mal zusammen...
Piedro

Re: Zwang zu illegalen Jobs

Beitragvon Piedro » Mi 1. Okt 2014, 17:26

Dies ist der Abschlußbericht der Arbeitsgruppe:

http://www.harald-thome.de/media/files/ ... 9.2014.pdf



Und der ist der Anlaß dafür, daß sich Frau Nahles unlängst mit seltsamen Ankündigungen mediale Aufmerksamkeit sichern durfte.
Dr. Nötigenfalls

Re: Zwang zu illegalen Jobs

Beitragvon Dr. Nötigenfalls » Do 2. Okt 2014, 15:23

Piedro » Mi 1. Okt 2014, 17:26 hat geschrieben:Dies ist der Abschlußbericht der Arbeitsgruppe:

http://www.harald-thome.de/media/files/ ... 9.2014.pdf
Und der ist der Anlaß dafür, daß sich Frau Nahles unlängst mit seltsamen Ankündigungen mediale Aufmerksamkeit sichern durfte.
*************************

künftig ist für jede Pflichtverletzung ein
einheitlicher Minderungsbetrag vorgesehen, unabhängig
von erstmaliger oder
wiederholter Pflichtverletzung.



Da fällt mir ein Kuriosum ein,das mir einmal passierte.
Nämlich bekam ich vom Jobcenter einmal eine 33% Sanktion,weil ich die Lenk und Ruhezeiten überschritten hatte (Kein Parkplatz gefunden),und deswegen (nach Polizeikontrolle und Bußgeld) fristlos gekündigt wurde.

Ich hab mir natürlich sofort n Anwalt genommen.
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Marmorkater
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Re: Zwang zu illegalen Jobs

Beitragvon Marmorkater » Fr 3. Okt 2014, 18:50

Piedro » Di 30. Sep 2014, 11:52 hat geschrieben:Der Artikel ist von 2008. Das Netzportal "Jobbörse" ist dauerhaft in der Kritik. Es hat sich nichts daran geändert, daß praktisch jeder dort "Stellenangebote" schalten kann, und es sind Fälle nachweisbar, in denen das nur geschah um an "Kunden"daten zu kommen. Die BA als Betreiber dieser Seite ergötzt ihre Klientel auch dadurch, daß sie alles, was Sicherheit und Zuverlässigkeit bedeuten könnte, von sich weist. Andererseits werden die "Kunden" oft per EGV verpflichtet, dieses Portal zu nutzen, obwohl ein Account dort keinesfalls zu den Mitwirkungspflichten gehört. Es ist schon ratsam, diese Verpflichtung auf jeden Fall abzulehnen, weil es immer mal sein kann, daß man gar keinen I-Net-Zugang hat, aus welchen Gründen auch immer, und wenn man sich dann nicht regelmäßig einlogt wird man schon sanktionierbar.

Diese Seite ist sehr schlecht gepflegt, ob es nun am Stellenangebote geht, die längst besetzt sind, oder um Angebote, die zumindest zwielichtig sind. Trotzdem greifen die Vermittler gern auf diesen Stellenpool zurück, weil sie kaum über qualifizierte Angebote verfügen. Durch einen Vermittlungsvorschlag wird die Bewerbung verpflichtend, und jeder Vorbehalt gegen die Praktiken des AG kann der SB als Vereitelung auslegen, was auch dann geschicht, wenn die Anstellung nachweislich unzumutbar ist, wie in diesem Beispiel. Dann braucht es wieder das Sozialgericht, um die Aufschiebende Wirkung des Widerspruchs zu bestätigen (NUR im Rechtgebiet des SGB entfaltet ein Widerspruch keine Aufschiebende Wirkung - auch eine Folge der Agenda 2010, vorher wäre ein derartiger Eingriff in das Verwaltungsrecht gar nicht denkbar gewesen), und es braucht ein Verfahren, in dem irgendwann mal festgestellt wird, daß rechtswidriges Handeln nicht zu den Mitwirkungspflichten eines Erwerbslosen gehört. Die Kosten des Verfahrens trägt die Staatskasse.

Die anstehenden "Rechtsvereinfachungen" bereiten unter anderem auch Verfahrensweisen vor, die Erwerbslosen zukünftig die Erstattungsansprüche bei rechtswidrig verweigerter Leistung beschneiden soll.

Sehr schön resümiert, ein praktisches Beispiel von meiner Seite:
Nach Betriebsauflösung und Wegfall der letzten 8,5 jahrelang aufgesuchten Arbeitsstelle mit mehrmonatiger Freistellung erfolgte sogleich der Zwang, sich bei der "Bundesagentur für Arbeit" suchend zu registrieren.

Der Zugang zur Online Jobbörse fand zunächst meinen Zuspruch und war mit der Hoffnung verbunden, in angemessener Zeit eine neue Tätigkeit (qualifizierter technischer Beruf) aufzunehmen.

Fazit nach kurzer Zeit:
97% der Stellen-Annoncen nur Leih- bzw. Zeitarbeit auf diesem Sektor, die restlichen 3% sind nicht unbedingt seriös zu nennen.

Nach gegebenen Anlass, in diesem Fall wieder mal die Aufforderung der BfA, mich unbedingt auf dieses tolle Stellenangebot zu bewerben, fand ich schnell heraus, dass 7 (!) weitere Leihbuden insgesamt 16 Stellenangebote für genau eine spezielle Firma inseriert hatten, deren Adresse und Sitz ich mit etwas Recherche direkt ermitteln konnte.
Interessanterweise erhielt ich sofort ein Zusage zu einem Bewerbungsgespräch, allerdings mit dem Ergebnis, dass man nur mal so schauen wollte - und eigentlich niemand direkt suche.
Das stimmte sogar, 5 Monate danach stand das Stellenangebot immer noch Online, und weitere Zeitarbeitsfirmen inserierten genau diese Tätigkeit als große Chance, in einem "spezialisierten Betätigungsfeld neue berufliche Perspektiven zu ergreifen".

Klartext, die Stelle gab es nie, und das war kein Einzelfall. Der Sachbearbeiter der BfA wusste davon und winkte nur müde ab ... ich wäre weiterhin verpflichtet, mich auf solcherlei unseriösen Angebote (über Leihfirmen) zu bewerben, um auf meine Quote zu kommen.

Die inflationär auftretenden Zeitarbeitsfirmen bekunden einfach Interesse an jedem in der Jobbörse registrieren Arbeitssuchenden, damit sie an weitere Daten kommen.
Immerhin ist die Gesamtheit der im Lebenslauf enthaltenen Daten recht umfangreich und für ein übergeordnetes Profiling verwendbar.

Jobsuche im Internet ist sowieso eine Hype, wenn man CarerrXroads Glauben schenken mag, finden nur 18% aller Vermittlungen auf Online-Börsen statt, und auf der Jobbörse der BfA sind die Erfolgsaussichten noch geringer.

Ich hatte am Ende das Problem so gelöst, dass meine "Bewerbungsbemühungen" frei erfunden waren, prüft sowieso keiner nach, wenn es geschickt inszeniert wird.
Käme ich noch einmal in so eine Situation, so würde ich auf eine erneute Registrierung auf der Jobbörse der BfA verzichten - und nötigenfalls dagegen klagen.
Es ist nicht sinnvoll, jemanden etwas zu erklären, wenn sein Selbstbild davon abhängig ist, es eben nicht zu verstehen.
Praia61
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Re: Zwang zu illegalen Jobs

Beitragvon Praia61 » Fr 3. Okt 2014, 19:19

Wir brauchen Fachkräfte aus dem Ausland.
Wen wollen die verarschen :?: :mad2:

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