Lässt sich eine politische Haltung wissenschaftlich begründen?

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Lässt sich eine politische Haltung wissenschaftlich begründen?

Beitragvon Maltrino » Di 19. Dez 2017, 19:42

Sorry, diesmal bin ich wirklich nicht schuld. Also, in folgendem Thema schreibt der Fragesteller, dass er es ganz toll findet, dass rechte Politiker ihre Haltung durch ganz viele Studien und Statistiken begründen: viewtopic.php?f=20&t=65059 Leider antwortet da keiner mehr. Deshalb jetzt hier der Versuch: Ist es wirklich so, dass Studie und Statistiken eure politische Haltung ändern können? Wenn Herr Sarazin also mit ganz vielen Studien ankommt die besagen, dass islamische Einwanderer weniger oft Abitur machen, dann begründet das also eine politische Haltung zum Thema, dass ich für oder gegen diese Einwanderer sein muss? Und was heißt das dann? Ist das bei allen Themen so oder nur wenn es gegen Einwanderer geht? Wenn zum Beispiel jemand mit Studien und Statistiken darlegt, dass Kinder von chinesischen Einwanderern intelligenter, fleißiger und weniger oft dem Sozialstaat auf der Tasche legen, was ist dann die Schlussfolgerung? Dass man alle Deutschen durch Chinesen austauscht weil Studien und Statistiken dies nahelegen? Wenn Studien aussagen, dass die Wirtschaft wächst wenn nur noch 30 jährige Frauen in Führungspostitionen sind, wäre es dann gerechtfertigt eine verbindliche Quote für 30 jährige Frauen zu fordern? Wenn Studien belegen, dass Kinder aus "gemischten Ehen" gesünder sind als "biodeutsche", müssen wir dann solche Ehen staatlich fördern? Wenn also zumindest die Anhänger rechter Parteien sich durch Studien und Statistiken überzeugen lassen, lasst ihr euch dann in allen Bereichen durch Studien und Statistiken überzeugen? Oder nur wenn es gegen Einwanderer geht?
Zuletzt geändert von Maltrino am Di 19. Dez 2017, 20:05, insgesamt 2-mal geändert.
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Re: Lässt sich eine politische Haltung wissenschaftlich begründen?

Beitragvon Watchful_Eye » Di 19. Dez 2017, 19:58

Witzig, dass du das ansprichst, denn ich habe gerade im Genderforum etwas angesprochen, was in diese Richtung geht.

Meines Erachtens hat unsere Gesellschaft hierzulande in der Tat zu viel Angst vor biologisch-naturwissenschaftlichen Erkenntnissen. Das dürfte in unserer Geschichte begründet liegen, wo die Nazis scheinbar naturwissenschaftliche "Erkenntnisse" für ihre Zwecke missbraucht haben.

Blöderweise schlagen heutzutage die Sozial- und Genderwissenschaften häufig ins Gegenteil um und wollen daher beispielsweise jede Art von Ungleichheit auf Macro-Ebene gesellschaftlich erklären. Selbstverständlich spielt das auch eine große Rolle. Allerdings habe ich den Eindruck, dass die Politik mittlerweile für naturwissenschaftliche Argumente teilweise kaum noch empfänglich ist. Der Mensch wird als häufig ein komplett sozial formbares Etwas betrachtet und nicht mehr als ein Tier, welches aus der Evolution entstanden ist.

Wenn beispielsweise geschlechtliche Unterschiede zwischen Mann und Frau festgestellt werden, die auf tendenziell verschiedene Präferenzen bei der Berufswahl schließen lassen, bedeutet zwar das einerseits, dass ein Frauen- oder Männeranteil von über oder unter 50% nicht zwangsweise eine Diskriminierung bedeutet - es darf aber auch nicht zu Pauschalurteilen wie "Frauen können kein Physik" oder "Männer können nicht mit Kindern umgehen" verleiten. Auf Macroebene gibt es eben bestimmte Tendenzen, aber es wäre falsch und obendrein völlig unwissenschaftlich, deshalb nicht jeden Menschen als Individuum zu betrachten.
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Re: Lässt sich eine politische Haltung wissenschaftlich begründen?

Beitragvon Maltrino » Di 19. Dez 2017, 20:21

Watchful_Eye hat geschrieben:(19 Dec 2017, 19:58)

Witzig, dass du das ansprichst, denn ich habe gerade im Genderforum etwas angesprochen, was in diese Richtung geht.

Meines Erachtens hat unsere Gesellschaft hierzulande in der Tat zu viel Angst vor biologisch-naturwissenschaftlichen Erkenntnissen. ...


Ja hm, da stimm ich dir ja durchaus zu, aber die Frage die ich mir dann halt stelle: Tun diejenigen die auf "die Wissenschaft" hören dies nur bei Themen die ihnen wichtig sind und wenn das Ergebnis in ihre Weltanschaung passt? Oder nicht?

Es ist ja zum Beispiel so, dass Studien eindeutig belegt haben, dass genügend Schlaf und Pausen die Leistungsfähigkeit steigert. Schüler die später und damit ausgeschlafener zur Schule müssen haben bessere Noten. Trotzdem kommt dann vor allem aus dem konservativen Lager Ablehnung wenn man sowas anspricht. Da ist dann plötzlich was von "deutschen Tugenden" die Rede oder sonstige emotionale Begründungen.
Wenn du also biologisch naturwissenschaftliche Begründungen berücksichtigen willst, tust du das dann bei allen Themen? Und was ist wenn "die Wissenschaft" etwas herausfindet, das deiner jetzigen Haltung total widerspricht, bist du dann bereit deine Haltung aufgrund dieser Erkenntnisse zu ändern? Und was ist wenn "die Wissenschaft" herausfindet, dass die Evolution über Jahrtausende durch Mord und Todschlag, Gewalt, List, Raub und Hass unser heutiges Sein geprägt hat? Sollen wir dann dies alles erlauben, wenn "die Wissenschaft" die nahe legt?
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Re: Lässt sich eine politische Haltung wissenschaftlich begründen?

Beitragvon Watchful_Eye » Di 19. Dez 2017, 20:34

Maltrino hat geschrieben:(19 Dec 2017, 20:21)

Ja hm, da stimm ich dir ja durchaus zu, aber die Frage die ich mir dann halt stelle: Tun diejenigen die auf "die Wissenschaft" hören dies nur bei Themen die ihnen wichtig sind und wenn das Ergebnis in ihre Weltanschaung passt? Oder nicht?[...]

Naja, das gibt es natürlich leider. Aber irgendworauf muss man seine Handlungen ja stützen, nicht wahr? Wir alle sind Opfer eines "Bias", egal, wie wir unsere Erkenntnis im Detail herleiten.

Ich sehe mich zwar nicht im "rechten" Lager - mal so, mal so - aber wenn es also Statistiken gibt, die naheliegen, dass ein späterer Schulstart zu besseren Leistungen führt: Klar, warum nicht? :) Man muss aber natürlich auch solch ein Beispiel dann aus verschiedenen Blickwinkeln betrachten. Beispielsweise wäre dann noch eine Frage, welche Uhrzeit am besten mit der Berufstätigkeit der Eltern vereinbar wäre. Ich diskutiere gerne gewagte, wissenschaftsbasierte Thesen, aber die politische Umsetzung darf natürlich dann kein Schnellschuss sein und muss ganz verschiedene Aspekte berücksichtigen.
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Re: Lässt sich eine politische Haltung wissenschaftlich begründen?

Beitragvon Sextus Ironicus » Di 19. Dez 2017, 20:37

Wissenschaftliche Studien werden sicher keine "politische Haltung" begründen, sondern sie könnten bestimmte Aussagen, die sich aus der politischen Haltung ergeben, untermauern.

Allerdings fängt es dann schon an: Was gerade aus den Sozialwissenschaften (und Gender und Wissenschaft ist sowieso ein verheirateter Junggeselle) als Studien kommt, erfüllt oft genug keinerlei wissenschaftliche Ansprüche. In der Psychologie sieht es ähnlich mau aus. Und Sozialwissenschaften neigen auch dazu, Naturwissenschaften auszublenden und ihren Sozialkonstruktivismus als "erste Wissenschaft" zu deklarieren, obwohl der natürlich nur auf Meinungen und nicht auf empirischen Tatsachen beruht.

Kurzum: jeder wird sich seine Studie suchen - denn im Gewirr dessen, was alles sich Studie nennt, behält keiner mehr den Überblick. Und dass Aggression Bestandteil des menschlichen Lebens ist, muss man nicht mehr herausfinden, das weiß man. Aber Wissenschaft kann einem helfen zu verstehen, dass Aggression eine wichtige Fähigkeit ist, wenn es darum geht, zum Beispiel einer Frau zu helfen, die jemand versucht zu vergewaltigen, indem man den Täter niederschlägt, wozu ein Aggressionsschub notwendig ist.

Die Ablehnung von Wissenschaft ist an keine bestimmte Weltanschauung gebunden, sondern an alle Ideologie. Weil hier konservative Positionen genannt wurden: Gender (links) und Naturrecht (links und rechts) sind unvereinbar, und beide sind auch mit Naturwissenschaft unvereinbar.
… habe ich mich sorgsam bemüht, menschliche Tätigkeiten nicht zu verlachen, nicht zu beklagen und auch nicht zu verdammen, sondern zu begreifen. (Spinoza)
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Re: Lässt sich eine politische Haltung wissenschaftlich begründen?

Beitragvon Brainiac » Di 19. Dez 2017, 20:42

Ich kann dazu sagen, um mal bei dem einen Reizthema zu bleiben, dass die Auseinandersetzung mit Sarrazins Quellen - so viel ich auch sonst an seinem Buch zu kritisieren hatte - bei mir zu einem gewissen Problembewusstsein in Bezug auf Zuwanderung, insb aus dem Nahen Osten und Afrika, geführt bzw. diese verstärkt hat. Wie man die Zahlen auch dreht und wendet, Migranten aus diesen Gegenden sind typischerweise (nur im Durchschnitt, wohlgemerkt) NICHT die Säulen unserer Gesellschaft, sondern profitieren mehr, als sie geben. In der Konsequenz.bin ich für eine klarere Trennung von Asyl/Flucht einerseits und Einwanderung andererseits und für letztere befürworte ich durchaus nüchterne Nutzenkriterien (der Einwanderung für Deutschland). Das habe ich früher etwas anders gesehen.

Daa ist natürlich nicht das einzige Beispiel gewesen. Die Auseinandersetzung mit Sachbüchern zum Umweltthema, bei mir war das vor allem Hoimar v. Dithfurth, führte zu einer höheren Gewichtung dieses Aspekts für mich, ua. was Wahlentscheidungen anging. Ein Buch, das auch einiges ausgelöst hatte, was "Atlas shrugged" (indirekt auch ein Sachbuch).

Also mich können gut fundierte Sachbücher durchaus in gewissem Grade politisch beeinflussen. Ich kann mir auch nicht vorstellen, dass ich da der einzige bin, ich denke eher, viele geben diese Beeinflussung nicht zu oder wollen sie nicht wahrhaben.
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Re: Lässt sich eine politische Haltung wissenschaftlich begründen?

Beitragvon Watchful_Eye » Di 19. Dez 2017, 20:53

Brainiac hat geschrieben:(19 Dec 2017, 20:42)
Ich kann dazu sagen, um mal bei dem einen Reizthema zu bleiben, dass die Auseinandersetzung mit Sarrazins Quellen - so viel ich auch sonst an seinem Buch zu kritisieren hatte - bei mir zu einem gewissen Problembewusstsein in Bezug auf Zuwanderung, insb aus dem Nahen Osten und Afrika, geführt bzw. diese verstärkt hat. Wie man die Zahlen auch dreht und wendet, Migranten aus diesen Gegenden sind typischerweise (nur im Durchschnitt, wohlgemerkt) NICHT die Säulen unserer Gesellschaft, sondern profitieren mehr, als sie geben. In der Konsequenz.bin ich für eine klarere Trennung von Asyl/Flucht einerseits und Einwanderung andererseits und für letztere befürworte ich durchaus nüchterne Nutzenkriterien (der Einwanderung für Deutschland). Das habe ich früher etwas anders gesehen.


Interessant. Ich hatte auch schon überlegt, mal das Buch zu lesen, allerdings hörte ich, dass Sarrazin auch auf wissenschaftlicher Ebene unsauber gearbeitet haben soll. Der Titel "Deutschland schafft sich ab" klingt ja auch schon ziemlich populistisch. Wie hast du das empfunden?
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Re: Lässt sich eine politische Haltung wissenschaftlich begründen?

Beitragvon Brainiac » Di 19. Dez 2017, 21:04

Watchful_Eye hat geschrieben:(19 Dec 2017, 20:53)

Interessant. Ich hatte auch schon überlegt, mal das Buch zu lesen, allerdings hörte ich, dass Sarrazin auch auf wissenschaftlicher Ebene unsauber gearbeitet haben soll. Der Titel "Deutschland schafft sich ab" klingt ja auch schon ziemlich populistisch. Wie hast du das empfunden?

Ich habe einige Beispiele gefunden, wo er, und das mE bewusst, um seine Thesen zu stützen, unsauber gearbeitet hat. Das habe ich damals hart kritisiert und kritisiere es noch. Er hat zB in einigen Aspekten die Problemlage anderer Migrantengruppen ausgeblendet, denn sein Angriffsobjekt waren ja die Muslime.

Insgesamt aber stimmt seine Gesamttendenz schon, und der Mann kann definitiv seriös mit Zahlen und Statistiken umgehen (ich weiß nicht, wie hoch du da die Messlatte legst - ich selbst bin auf dem Gebiet jedenfalls nicht völlig ahnungslos). Er ist promovierter Volkswirt.

Seine Erhebungen kritisiere ich in Summe nicht. Ich kritisiere die daraus hergeleitete Gesamtaussage des Buchs (nicht in der Form ausgesprochen, aber zwischen den Zeilen ganz klar), dass muslimische Migranten das größte Problem Deutschlands seien. Das ist mE de facto hetzerisch, und ich halte es für unwahr.
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Re: Lässt sich eine politische Haltung wissenschaftlich begründen?

Beitragvon Maltrino » Mi 20. Dez 2017, 00:12

Watchful_Eye hat geschrieben:(19 Dec 2017, 20:34)

... aber wenn es also Statistiken gibt, die naheliegen, dass ein späterer Schulstart zu besseren Leistungen führt: Klar, warum nicht? :) Man muss aber natürlich auch solch ein Beispiel dann aus verschiedenen Blickwinkeln betrachten. Beispielsweise wäre dann noch eine Frage, welche Uhrzeit am besten mit der Berufstätigkeit der Eltern vereinbar wäre. Ich diskutiere gerne gewagte, wissenschaftsbasierte Thesen, aber die politische Umsetzung darf natürlich dann kein Schnellschuss sein und muss ganz verschiedene Aspekte berücksichtigen.


Nur der Vollständigkeit halber: Da das Problem vor allem Heranwachsende ab ca. 12 Jahren betrifft, die glaube ich ganz gut alleine zur Schule gehen können, ist das Thema Berufstätigkeit der Eltern glaube ich nicht wirklich relevant. Ja, aber du hast natürlich recht, nicht alles was Studien nahelegen macht gesamtpolitisch Sinn. Wenn eine Studie herausfindet, dass die Luftverschmutzung auf der Erde weg geht wenn alle Menschen auf den Mond auswandern...
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Re: Lässt sich eine politische Haltung wissenschaftlich begründen?

Beitragvon Watchful_Eye » Mi 20. Dez 2017, 00:16

Ja, das meine ich. Aber trotzdem muss man sich sowas eben anschauen. Das mit der Berufstätigkeit war jetzt nur ein Beispiel, was mir spontan dazu eingefallen ist.
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Re: Lässt sich eine politische Haltung wissenschaftlich begründen?

Beitragvon Woppadaq » Mi 20. Dez 2017, 01:27

Maltrino hat geschrieben:(19 Dec 2017, 19:42)

Sorry, diesmal bin ich wirklich nicht schuld. Also, in folgendem Thema schreibt der Fragesteller, dass er es ganz toll findet, dass rechte Politiker ihre Haltung durch ganz viele Studien und Statistiken begründen: viewtopic.php?f=20&t=65059 Leider antwortet da keiner mehr. Deshalb jetzt hier der Versuch: Ist es wirklich so, dass Studie und Statistiken eure politische Haltung ändern können? Wenn Herr Sarazin also mit ganz vielen Studien ankommt die besagen, dass islamische Einwanderer weniger oft Abitur machen, dann begründet das also eine politische Haltung zum Thema, dass ich für oder gegen diese Einwanderer sein muss?


Parteien und politische Richtungen bestimmen die Vorgehensweise bei der Lösung von Problemen, inklusive der Feststellung, ob es sich überhaupt um ein Problem handelt. Bei letzterem können Studien und Statistiken helfen. Die Frage ist aber immer noch, was für jemanden überhaupt problematisch ist. Wen man keine Ausländer mag, sucht man natürlich nach jeder einzelnen Statistik gegen Ausländer und ignoriert oder zerredet diejenigen, die Argumente pro Ausländer liefern. Umgekehrt gibt es nicht wenige, die meinen, dass die von Sarrazin beschrieben Probleme nicht wirklich welche sind, und Sarrazins nicht immer ganz ehrlicher Umgang mit der Materie bestärkt sie noch in dieser Auffassung.

Die wenstliche Frage, nämlich ob ich bei der Problemlösung einen kollektivistischen oder eher einen egoistischen Ansatz wähle, den kann keine Statistik dieser Welt für mich beantworten. Das ist meine persönliche Sicht. Aber nicht jeder hat diese Prinzipienfestigkeit, und manche lassen sich schon von Statistiken beeinflussen.
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Re: Lässt sich eine politische Haltung wissenschaftlich begründen?

Beitragvon ThorsHamar » Mi 20. Dez 2017, 09:55

Sextus Ironicus hat geschrieben:(19 Dec 2017, 20:37)

Wissenschaftliche Studien werden sicher keine "politische Haltung" begründen, ....


Schon mal was von wissenschaftlichem Sozialismus gehört? ....oder, noch drolliger, Religionswissenschaften, Theologie?

Und grundsätzlich kann man konstatieren, dass die erschreckende, aber wissenschaftliche Erkenntnis, dass Menschen biologisch Tiere sind, von verschiedenen menschlichen Gesellschaften erfordert, ebenso wissenschaftlich belegen zu müssen, dass das grundsätzliche Wissen über Tiere beim Menschen doch nicht gilt, bzw. gelten darf ... :cool:
Diese Diskrepanz zwischen Natur und Ethik erfordert, dass JEDE politische Haltung eine grundlegende wissenschaftliche Grundlegende haben muss ....
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Re: Lässt sich eine politische Haltung wissenschaftlich begründen?

Beitragvon Teeernte » Mi 20. Dez 2017, 11:41

Maltrino hat geschrieben:(19 Dec 2017, 20:21)

Es ist ja zum Beispiel so, dass Studien eindeutig belegt haben, dass genügend Schlaf und Pausen die Leistungsfähigkeit steigert. Schüler die später und damit ausgeschlafener zur Schule müssen haben bessere Noten. Trotzdem kommt dann vor allem aus dem konservativen Lager Ablehnung wenn man sowas anspricht. Da ist dann plötzlich was von "deutschen Tugenden" die Rede oder sonstige emotionale Begründungen.


Man will ja nur erreichen , dass der Trash von der Strasse ist (unter Aufsicht) - fordert Ganztagsschulen und macht Nachts die Stadtbeleuchtung an.
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Re: Lässt sich eine politische Haltung wissenschaftlich begründen?

Beitragvon Teeernte » Mi 20. Dez 2017, 11:53

ThorsHamar hat geschrieben:(20 Dec 2017, 09:55)

Schon mal was von wissenschaftlichem Sozialismus gehört? ....oder, noch drolliger, Religionswissenschaften, Theologie?

Und grundsätzlich kann man konstatieren, dass die erschreckende, aber wissenschaftliche Erkenntnis, dass Menschen biologisch Tiere sind, von verschiedenen menschlichen Gesellschaften erfordert, ebenso wissenschaftlich belegen zu müssen, dass das grundsätzliche Wissen über Tiere beim Menschen doch nicht gilt, bzw. gelten darf ... :cool:
Diese Diskrepanz zwischen Natur und Ethik erfordert, dass JEDE politische Haltung eine grundlegende wissenschaftliche Grundlegende haben muss ....


Sozialismus und Kommunismus sind sehr gute Theorien - die theoretisch funktionieren .....mit Statistik untermauert werden können... Nur eben mit dem vorhandenen Menschenmaterial leider nicht machbar sind.

Die Theorien mit der "Angleichung" der Systeme geht da vom selben Ausgangspunkt aus - und versucht - hier in D - durch zwangsfinanzierte Propaganda und "PC" die "Erziehung" der zum Teil unbrauchbaren Masse zu erreichen.

90% der Menschen sind nicht kriminell - davon kann man aber keine Abschaffung der Polizei - oder gar eine politische Richtung ableiten.
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Re: Lässt sich eine politische Haltung wissenschaftlich begründen?

Beitragvon ThorsHamar » Mi 20. Dez 2017, 12:26

Teeernte hat geschrieben:(20 Dec 2017, 11:53)

Sozialismus und Kommunismus sind sehr gute Theorien - die theoretisch funktionieren ....


:p Was ist denn an einer Theorie "sehr gut", wenn sie eben nicht funktioniert?
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Re: Lässt sich eine politische Haltung wissenschaftlich begründen?

Beitragvon Teeernte » Mi 20. Dez 2017, 13:22

ThorsHamar hat geschrieben:(20 Dec 2017, 12:26)

:p Was ist denn an einer Theorie "sehr gut", wenn sie eben nicht funktioniert?


Die Theorie.
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Re: Lässt sich eine politische Haltung wissenschaftlich begründen?

Beitragvon ThorsHamar » Mi 20. Dez 2017, 14:42

Teeernte hat geschrieben:(20 Dec 2017, 13:22)

Die Theorie.


Aber eine Theorie "funktioniert" doch nicht .... Funktionieren ist ein Terminus der Praxis!
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Re: Lässt sich eine politische Haltung wissenschaftlich begründen?

Beitragvon Teeernte » Mi 20. Dez 2017, 15:53

ThorsHamar hat geschrieben:(20 Dec 2017, 14:42)

Aber eine Theorie "funktioniert" doch nicht .... Funktionieren ist ein Terminus der Praxis!


Deshalb auch Theorie genannt.
Obs zu kalt, zu warm, zu trocken oder zu nass ist:.... Es immer der >>menschgemachte<< Klimawandel. :D
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Re: Lässt sich eine politische Haltung wissenschaftlich begründen?

Beitragvon Maltrino » Do 21. Dez 2017, 02:31

Teeernte hat geschrieben:(20 Dec 2017, 11:53)

Sozialismus und Kommunismus sind sehr gute Theorien - die theoretisch funktionieren .....mit Statistik untermauert werden können... Nur eben mit dem vorhandenen Menschenmaterial leider nicht machbar sind.....[/b]


ThorsHamar hat geschrieben:(20 Dec 2017, 12:26)

:p Was ist denn an einer Theorie "sehr gut", wenn sie eben nicht funktioniert?


Puh, schon wieder so ein Problem in der Kommunikation, Worte reichen halt nicht aus um das zu erklären was man sagen will...

Mir fällt ein, es gibt inzwischen sogar medizinische Leitlinien wo sowas drin steht wie: >> Methode XY hat zwar theoretisch Vorteile, aber es besteht keine hinreichende Evidenz die ihre Vorteilhaftigkeit belegt << Gemeint ist damit: Studien haben ihre Wirksamkeit nicht belegt.

Die Frage ist nun ob Kommunismus durch Studien belegt wurde und nur in der Praxis nicht funktioniert, oder ob Kommunismus eine Theorie ist, die durch Studien (die Realität) widerlegt wurde....

Aber ich glaube das ganze können wir so auflösen: Studien haben eindeutig (!!!) belegt, dass reines ätherisches Kamillenöl 100% aller Bakterien tötet. Auch Lösungen mit 2% Kamillenöl töten noch fast alle Bakterien. Nun wäre es naheliegend zu sagen: Patienten sollen Kamillenöl trinken um alle Bakterien im Körper zu beseitigen. Die Theorie, dass das Trinken von Kamillenöl also gesund ist und alle Bakterien abtötet ist insofern eine "gute" Theorie, da sie auf der wissenschaftlichen Erkenntnis beruht, dass Kamillenöl Bakterien abtötet. Diese "gute" Theorie wird aber natürlich trotzdem in der Praxis meistens versagen. Warum? Weil die Realität, weil der menschliche Körper viel komplexer ist als die Theorie es berücksichtigt.

Und so ähnlich ist es vielleicht mit dem Kommunismus und anderen politischen Ideologien. Einzelne Annahmen sind vielleicht für sich richtig, zum Beispiel dass Ressourcen eingespart werden wenn es nur einen, staatlich beaufsichtigten, Produzenten von Schuhen gibt und nicht mehrere private, die viel Geld und Arbeit in jeweils eigene Maschinen, eigene Werbung usw. stecken müssen. Theoretisch, wenn man nur diesen einzelnen Aspekt betrachtet, hat die Planwirtschaft, mit den Monopolen der Staatsbetriebe, also seinen Vorteil. In der Realität wird dieser Vorteil aber durch viele andere Aspekte, die die Theorie nicht berücksichtigt, zu Nichte gemacht.

Aber gut, wieso mach ich mir überhaupt die Mühe das zu schreiben wenn ich von Bert und Pamela Anderson sowieso zu hören bekomme "Du blöd! Du Arsch! Du Trottel!" :s
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Re: Lässt sich eine politische Haltung wissenschaftlich begründen?

Beitragvon ThorsHamar » Do 21. Dez 2017, 10:46

Maltrino hat geschrieben:(21 Dec 2017, 02:31)

Puh, schon wieder so ein Problem in der Kommunikation, Worte reichen halt nicht aus um das zu erklären was man sagen will...


Das fängt ja mal gut an ... :cool:
Ja, geschriebene Worte reichen halt nicht aus, wenn man nicht richtig liest und/oder das Gelesene nicht verstehen kann oder will.
Ich habe nicht beanstandet, dass der Kommunismus eine Theorie ist, sondern ich habe die Formulierung, Zitat: " Sozialismus und Kommunismus sind sehr gute Theorien .."
Ich habe dann gefragt, was an Theorien denn "sehr gut" sei, wenn sie in der Praxis nicht funktionieren. Und diese Frage stelle ich mir immer noch ... Ich meine, eine sehr gute Theorie wäre dann auch ein Roman, in welchem Menschen fliegen können und so, auch bildlich, alle irdischen Grenzen überwinden könnten ....
Angesichts der Realitäten bleibt Kommunismus eine Quasi-Religion, keine sehr gute Theorie.
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