Anhänger der Philosophie Epikurs

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Progressiver
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Re: Anhänger der Philosophie Epikurs

Beitragvon Progressiver » So 31. Dez 2017, 13:54

Mia2706 hat geschrieben:(30 Dec 2017, 23:15)

Obwohl ich noch sehr jung bin, muss ich zugeben, dass ich große angst vor dem Tod und vor dem Sterben habe.
Ich wollte, ich könnte an Gott glauben. Da ginge es mir vielleicht besser. Aber ich kann es nicht.


Nicht vor dem Tod sollte man Angst haben, sondern davor, nie wirklich gelebt zu haben!

Ich bin jetzt zweiundvierzig Jahre alt. In meinen frühen zwanziger Jahren, wenn nicht noch früher, bin ich psychisch erkrankt. Entdeckt wurde das aber erst spät. Ich habe lange Jahre gebraucht, um wieder richtig fit zu werden. Obwohl ich sagen muss, dass ich schneller wieder "auf die Beine" kam als die meisten anderen in meiner Situation. Selbstverständlich nehmen sich auch manche das Leben. Aber mit denen vergleiche ich mich nicht! Sehr viele wirft die Erkrankung nicht einfach nur um, sondern sie bleiben gebrochen am Boden liegen. Was für eine Horrorvorstellung! Für die ist das Leben gelaufen.

Die Angst, die ich immer hatte, war, dass ich nie anfangen könnte, richtig zu leben, weil ich zu sehr in das Angstkorsett meiner Erkrankung gefangen sein könnte. Da würde mir dann einiges entgehen. Weltreisen will ich gar nicht mehr machen. Ich muss nicht um die Welt reisen, um mich zu Hause zu fühlen. Millionär werde ich wohl auch nicht. Auch darauf kann ich gerne verzichten, da ich sowieso kein Geld in den Tod und darüber hinaus retten kann.

Aber ich habe zum Beispiel krankheitsbedingt noch gar keine Beziehung mit einer Frau gehabt. Ich denke, dass ich da einiges verpassen würde, wenn ich jetzt nicht aus mir heraus gehe. Freunde muss ich mir jetzt auch neue suchen können. Ich denke, dass ohne so etwas das Leben doch sehr eintönig bleibt!

Was die Lebensphilosophie betrifft, so kann ich mich gut mit Epikur identifizieren, indem ich versuche, dass Leben gut zu genießen. Aber oft klappt das auch nicht. Da beobachte ich mich, wie ich mich nur ablenke, indem ich beispielsweise noch ein schlaues Buch kaufe und lesen will, obwohl ich schon so viele besitze. Das nur mal so als Beispiel.

Mit einem Menschen, der noch nie dem Tod ins Auge geblickt hat, weil bei ihm alles rund lief, möchte ich dennoch nicht tauschen. Bei solchen läuft das Leben meiner Beobachtung nach so ab: Im Privatleben beginnt schon in frühen Jahren das Liebesleben. Irgendwann kriegt man dann Kinder. Und noch später wird man Großvater. Im Berufsleben klappt bei den meisten auch alles irgendwie. Oder kurz gesagt: Viele funktionieren einfach nur. Aufgrund fehlender Schicksalsschläge führen sie ein 08/15-Leben, ohne alles in Frage zu stellen. Und hoffen dann, dass das Leben "mit 66" anfängt, wie Udo Jürgens es mal besungen hat. Da ist es aber für viele schon zu spät. Und die Kunst, bewußt zu leben, beherrschen auch nicht alle.

Was ich damit sagen will, ist: Eine Krankheit oder ein Schicksalsschlag können einen dermaßen umhauen, dass man zu gelähmt ist, um richtig zu leben. Das Gleiche gilt aber auch für den ganz normalen Alltag, wenn einem das Berufsleben und ein normales Beziehungsleben mit Kindern einem keinen Raum mehr für sich selbst lassen. Oft wird das Ganze dann kompensiert, indem man sich teure Autos oder Reisen leistet. Oder man stürzt sich in irgendwelche Hobbys, um sich selbst und die innere Leere nicht spüren zu müssen. Manche stürzen sich auch in die Religion. Dies ist aber nur eine Scheinbefriedigung.

Das wirklich wichtige bleibt aber auf der Strecke, weil man oftmals nicht weiß, was man wirklich gerne wollte, da man im Alltag nur die innere Leere betäuben will.

Deswegen auch meine Angst, dass ich das wahre Leben bzw. die wirklich wichtigen Dinge und Erfahrungen verpassen könnte. Ebenso auch, dass ich nicht die richtigen Leute finden könnte, die sich bewusst mit dem Leben auseinandersetzen, sondern einfach nur funktionieren oder eben nicht.

Das, was ich hier schildere, nennt sich meines Erachtens aber Lebenshunger. Ich habe Angst, das Wesentliche im Leben zu verpassen. Hätte ich dagegen Angst vor dem Tode, dann wären das vor allem Verlustängste. Und diese lähmen einen wiederum.
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Re: Anhänger der Philosophie Epikurs

Beitragvon Dark Angel » So 31. Dez 2017, 15:58

Selina hat geschrieben:(31 Dec 2017, 12:43)

Da ist schon was dran. Wobei das meines Erachtens eine Art Wohlstandsblick auf Tod und Sterben und Verlustängste ist. Denn in der anderen Globus-Hälfte hat man wenig und manchmal auch nichts, um dessen Verlust man sich zum Lebensende sorgen müsste. Dennoch haben auch diese Menschen ganz sicher Angst vor dem Tod und vor dem Sterben. Schaut man aber auf diese Menschheitshälfte, wäre doch ein naheliegender Gedanke, ihnen erst einmal die Angst vor dem Leben zu nehmen, einem Leben in Armut, einem Leben voller krankmachender Existenzkämpfe um das Nötigste. Das ist ja eine greifbare, reale Angst, die man ihnen nur mit anderen politischen und wirtschaftlichen Verhältnissen nehmen könnte. Das aber nur am Rande. Ich wollte damit nur darauf aufmerksam machen, diesen Teil der Menschheit nicht zu vergessen, wenn es um solche existenziellen philosophischen Fragen geht.

Verlustängste haben wenig bis nichts mit "Wohlstandsblick auf Tod und sterben" zu tun. Nachdenken über den Tod/das Sterben ist immer mit Verlustängsten verbunden, weil diese sich nicht nur auf materiellen Verlust beziehen - ganz im Gegenteil.

Meinst du etwa, die Mutter, die verzweifelt darüber nachdenkt, was sie ihrem Kind zu essen gibt, hätte keine Verlustängste?
Meinst du sie hätte selbst nicht Angst vor dem Tod, weil sie ihr Kind allein und hilflos zurück lassen muss?

NEIN - nichtmal diese Menschen haben Angst vor dem Leben, weil auch ihnen das "Streben nach Glück" immanent, weil zutiefst menschlich ist.
Wer Angst vor dem Leben hat, setzt diesem ein Ende.
Glück ist eine Frage der Definition, genauso wie Armut eine Frage der Definition ist.
Für sehr viele Menschen bedeutet, sich einmal am Tag satt essen können und ein Dach über dem Kopf haben, bereits Glück.
Und was wir als bitterste Armut bezeichnen, bedeutet woanders bereits bescheidenen Wohlstand - nämlich dann wenn der Lebensunterhalt gesichert werden kann und die Kinder wenigstens lesen und schreiben lernen, auch wenn sie frühzeitig zum Erwerb des Lebenunterhalts beitragen müssen.

Epikurs Philosophie ist auch keine "existenzielle Philosophie", sondern ein Ideal und Ideale sind bekanntlich nicht erreichbar.
Gegen die menschliche Dummheit sind selbst die Götter machtlos.

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Re: Anhänger der Philosophie Epikurs

Beitragvon Alpha Centauri » So 31. Dez 2017, 17:12

Dark Angel hat geschrieben:(31 Dec 2017, 15:58)

Verlustängste haben wenig bis nichts mit "Wohlstandsblick auf Tod und sterben" zu tun. Nachdenken über den Tod/das Sterben ist immer mit Verlustängsten verbunden, weil diese sich nicht nur auf materiellen Verlust beziehen - ganz im Gegenteil.

Meinst du etwa, die Mutter, die verzweifelt darüber nachdenkt, was sie ihrem Kind zu essen gibt, hätte keine Verlustängste?
Meinst du sie hätte selbst nicht Angst vor dem Tod, weil sie ihr Kind allein und hilflos zurück lassen muss?

NEIN - nichtmal diese Menschen haben Angst vor dem Leben, weil auch ihnen das "Streben nach Glück" immanent, weil zutiefst menschlich ist.
Wer Angst vor dem Leben hat, setzt diesem ein Ende.
Glück ist eine Frage der Definition, genauso wie Armut eine Frage der Definition ist.
Für sehr viele Menschen bedeutet, sich einmal am Tag satt essen können und ein Dach über dem Kopf haben, bereits Glück.
Und was wir als bitterste Armut bezeichnen, bedeutet woanders bereits bescheidenen Wohlstand - nämlich dann wenn der Lebensunterhalt gesichert werden kann und die Kinder wenigstens lesen und schreiben lernen, auch wenn sie frühzeitig zum Erwerb des Lebenunterhalts beitragen müssen.

Epikurs Philosophie ist auch keine "existenzielle Philosophie", sondern ein Ideal und Ideale sind bekanntlich nicht erreichbar.



In der Tat das epikureische Glücksideal ist eine ziemliche psychologische Überforderung, und ein Leben im stets rechten Maße so erstrebenswert es auch sein mag ist für die meisten auf dauer sicherlich wenig reizvoll.

Die Menschen meinen verwechseln die Angst vor dem Tod zudem mit der Angst vor dem Sterben. Tod und Sterben so untrennbar verwoben sie auch miteinander sind , sind dennoch nicht nur begrifflich zwei Unterschiedliche Dinge.


Die Sache mit Reichtum und Armut hat in der Tat auch eine subjektive Seite, je nachdem was man mit den Begriffen " Reichtum und "Armut" genau meint, man ist eben immer auch Jenseits von Wohlstands- und Armutsstatistiken, jeweils so arm oder eben reich wie man sich fühlt.

Ein ALG2 Empfänger wäre in Harare in reicher Krösus auch wenn er sich hierzulande (nicht nur ökonomisch und finanziell) als Mensch zweiter Klasse empfindet.

Aber auch beim Thema Wohlstand und Glück gilt für Epikur im Zweifel ist weniger vom Ersten gleich mehr vom Zweiten.
Zuletzt geändert von Alpha Centauri am So 31. Dez 2017, 17:25, insgesamt 1-mal geändert.
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Re: Anhänger der Philosophie Epikurs

Beitragvon Alpha Centauri » So 31. Dez 2017, 17:23

Progressiver hat geschrieben:(31 Dec 2017, 13:54)

Nicht vor dem Tod sollte man Angst haben, sondern davor, nie wirklich gelebt zu haben!

Ich bin jetzt zweiundvierzig Jahre alt. In meinen frühen zwanziger Jahren, wenn nicht noch früher, bin ich psychisch erkrankt. Entdeckt wurde das aber erst spät. Ich habe lange Jahre gebraucht, um wieder richtig fit zu werden. Obwohl ich sagen muss, dass ich schneller wieder "auf die Beine" kam als die meisten anderen in meiner Situation. Selbstverständlich nehmen sich auch manche das Leben. Aber mit denen vergleiche ich mich nicht! Sehr viele wirft die Erkrankung nicht einfach nur um, sondern sie bleiben gebrochen am Boden liegen. Was für eine Horrorvorstellung! Für die ist das Leben gelaufen.

Die Angst, die ich immer hatte, war, dass ich nie anfangen könnte, richtig zu leben, weil ich zu sehr in das Angstkorsett meiner Erkrankung gefangen sein könnte. Da würde mir dann einiges entgehen. Weltreisen will ich gar nicht mehr machen. Ich muss nicht um die Welt reisen, um mich zu Hause zu fühlen. Millionär werde ich wohl auch nicht. Auch darauf kann ich gerne verzichten, da ich sowieso kein Geld in den Tod und darüber hinaus retten kann.

Aber ich habe zum Beispiel krankheitsbedingt noch gar keine Beziehung mit einer Frau gehabt. Ich denke, dass ich da einiges verpassen würde, wenn ich jetzt nicht aus mir heraus gehe. Freunde muss ich mir jetzt auch neue suchen können. Ich denke, dass ohne so etwas das Leben doch sehr eintönig bleibt!

Was die Lebensphilosophie betrifft, so kann ich mich gut mit Epikur identifizieren, indem ich versuche, dass Leben gut zu genießen. Aber oft klappt das auch nicht. Da beobachte ich mich, wie ich mich nur ablenke, indem ich beispielsweise noch ein schlaues Buch kaufe und lesen will, obwohl ich schon so viele besitze. Das nur mal so als Beispiel.

Mit einem Menschen, der noch nie dem Tod ins Auge geblickt hat, weil bei ihm alles rund lief, möchte ich dennoch nicht tauschen. Bei solchen läuft das Leben meiner Beobachtung nach so ab: Im Privatleben beginnt schon in frühen Jahren das Liebesleben. Irgendwann kriegt man dann Kinder. Und noch später wird man Großvater. Im Berufsleben klappt bei den meisten auch alles irgendwie. Oder kurz gesagt: Viele funktionieren einfach nur. Aufgrund fehlender Schicksalsschläge führen sie ein 08/15-Leben, ohne alles in Frage zu stellen. Und hoffen dann, dass das Leben "mit 66" anfängt, wie Udo Jürgens es mal besungen hat. Da ist es aber für viele schon zu spät. Und die Kunst, bewußt zu leben, beherrschen auch nicht alle.

Was ich damit sagen will, ist: Eine Krankheit oder ein Schicksalsschlag können einen dermaßen umhauen, dass man zu gelähmt ist, um richtig zu leben. Das Gleiche gilt aber auch für den ganz normalen Alltag, wenn einem das Berufsleben und ein normales Beziehungsleben mit Kindern einem keinen Raum mehr für sich selbst lassen. Oft wird das Ganze dann kompensiert, indem man sich teure Autos oder Reisen leistet. Oder man stürzt sich in irgendwelche Hobbys, um sich selbst und die innere Leere nicht spüren zu müssen. Manche stürzen sich auch in die Religion. Dies ist aber nur eine Scheinbefriedigung.

Das wirklich wichtige bleibt aber auf der Strecke, weil man oftmals nicht weiß, was man wirklich gerne wollte, da man im Alltag nur die innere Leere betäuben will.

Deswegen auch meine Angst, dass ich das wahre Leben bzw. die wirklich wichtigen Dinge und Erfahrungen verpassen könnte. Ebenso auch, dass ich nicht die richtigen Leute finden könnte, die sich bewusst mit dem Leben auseinandersetzen, sondern einfach nur funktionieren oder eben nicht.

Das, was ich hier schildere, nennt sich meines Erachtens aber Lebenshunger. Ich habe Angst, das Wesentliche im Leben zu verpassen. Hätte ich dagegen Angst vor dem Tode, dann wären das vor allem Verlustängste. Und diese lähmen einen wiederum.


Das was du hier mir unter beschreibst halte ich für ein mentales Grunproblrme unserer hypermodernen High Tech Gesellschaft , wo alles und jeder dem Diktat des Ökonomischen folgt ( auch im Privaten alles durchökonomisiert und dem Profit vs.Verlust Denken untergeordnet ist) mit teils verheerenden gesellschaftspolitischen und individuell psychologischen Folgen. Man funktioniert nur noch und hat vergessen zu Leben, auch jenseits der bisweilen antihumanen Ge- und Verbote ökonomisch steriler Denkmuster die unsere Gesellschaft unreflektiert als die absolut unfehlbaren Wahrheiten schlechthin dogmatisch propagiert.
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Re: Anhänger der Philosophie Epikurs

Beitragvon Dark Angel » So 31. Dez 2017, 20:21

Alpha Centauri hat geschrieben:(31 Dec 2017, 17:12)

In der Tat das epikureische Glücksideal ist eine ziemliche psychologische Überforderung, und ein Leben im stets rechten Maße so erstrebenswert es auch sein mag ist für die meisten auf dauer sicherlich wenig reizvoll.

Nun - aus diesem Grund wurden die Lehren Epikurs von den Stoikern auch so heftig angegriffen.
Auch bei den Stoikern geht es um das Streben nach Glück, allerdings stellen sie nicht die Lust, sondern "Tugend und Pflicht und den Dienst an der Gemeinschaft" in den Mittelpunkt dieses Strebens.

"Es ist also nichts für die Gesundheit besser und macht den Menschen brauchbarer im Alltag als die Gewohnheit einfacher und anspruchsloser Lebensweise. Wenn es solchen Menschen einmal besser geht, so finden sie sich mit Anstand in die glänzendste Lage, ebenso wie sie gegen jedes Unglück gefeit sind."

Die Stoiker lehnen diese Selbstgenügsamkeit ab, die sowohl jede zwischenmenschliche Beziehung - mit Ausnahme der Freundschaft - als auch politische Betätigung ("Dienst an der Gemeinschaft") als Quelle von Unlust und Übel ablehnt.
Bei genauerer Betrachtung führen Epikurs Lehren zur gesellschaftlichen Stagnation.
Daran ändert im Grunde auch nichts, wenn er sich dafür ausspricht "sein Potential zu entfalten" indem Mensch auf schnellen Lustgewinn verzichten und Mühen auf sich nehmen soll, um damit später höheren Lustgewinn zu erzielen.
Genauso wie den Prozess des Sterbens und das Nachdenken darüber, blendet Epikur auch Gewissenskonflikte bei seinen Lehren aus. Sie sind für ihn nicht existent.
Gegen die menschliche Dummheit sind selbst die Götter machtlos.

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Re: Anhänger der Philosophie Epikurs

Beitragvon Selina » Mo 1. Jan 2018, 01:57

Dark Angel hat geschrieben:(31 Dec 2017, 15:58)

Verlustängste haben wenig bis nichts mit "Wohlstandsblick auf Tod und sterben" zu tun. Nachdenken über den Tod/das Sterben ist immer mit Verlustängsten verbunden, weil diese sich nicht nur auf materiellen Verlust beziehen - ganz im Gegenteil.

Meinst du etwa, die Mutter, die verzweifelt darüber nachdenkt, was sie ihrem Kind zu essen gibt, hätte keine Verlustängste?
Meinst du sie hätte selbst nicht Angst vor dem Tod, weil sie ihr Kind allein und hilflos zurück lassen muss?

NEIN - nichtmal diese Menschen haben Angst vor dem Leben, weil auch ihnen das "Streben nach Glück" immanent, weil zutiefst menschlich ist.
Wer Angst vor dem Leben hat, setzt diesem ein Ende.
Glück ist eine Frage der Definition, genauso wie Armut eine Frage der Definition ist.
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Und was wir als bitterste Armut bezeichnen, bedeutet woanders bereits bescheidenen Wohlstand - nämlich dann wenn der Lebensunterhalt gesichert werden kann und die Kinder wenigstens lesen und schreiben lernen, auch wenn sie frühzeitig zum Erwerb des Lebenunterhalts beitragen müssen.

Epikurs Philosophie ist auch keine "existenzielle Philosophie", sondern ein Ideal und Ideale sind bekanntlich nicht erreichbar.


Der "Wohlstandsblick" war eine Reaktion auf ein Post über meinem Beitrag. Da schrieb ich ja als Antwort im Grunde dasselbe wie du jetzt - nur halt mit meinen Worten. Und die Angst vor dem Leben ist durchaus real und hat viel mit dem Wohlstandsgefälle und den ganz unterschiedlichen Existenzkämpfen überall auf der Welt zu tun und damit, dass die eine Hälfte der Menschheit auf Kosten der anderen lebt. Sehr viele Menschen leben ständig mit genau dieser Angst vorm Leben, ohne sich umzubringen. Sie haben zum Beispiel eine Familie vorm Verhungern zu bewahren. Und ja, selbstverständlich, ein Dach überm Kopf kann manchmal schon großes Glück bedeuten. Im Vergleich dazu sind unsere hier diskutierten Probleme schon manchmal Luxus-Probleme. Gesundes neues Jahr!
Drüben im Walde kängt ein Guruh - Warte nur balde kängurst auch du. Joachim Ringelnatz
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Re: Anhänger der Philosophie Epikurs

Beitragvon Negator » So 10. Jun 2018, 19:31

Ich bin ein großer Freund der Philosophenschulen der Antike. Sie sind für mich gebildetes/aufgeklärtes Heidentum. In der Spätantike existierten sie eine Zeit lang mit dem Christentum zudammen. Dann wurden sie aufgelöst. Wahrscheinlich ein Fehler.
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Re: Anhänger der Philosophie Epikurs

Beitragvon Negator » So 10. Jun 2018, 19:32

Da ich gerade krank bin, können wir gerne über das Thema diskutieren.
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Re: Anhänger der Philosophie Epikurs

Beitragvon Alpha Centauri » Fr 13. Jul 2018, 21:49

Na dann los von mir aus gerne Negator.
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Re: Anhänger der Philosophie Epikurs

Beitragvon Negator » Do 18. Okt 2018, 19:32

Von Epikurs Schriften sind leider nur wenige erhalten.

Viel wird da rekonstruiert von Lukrez und Horaz.
Oder von Nicht-Epikureern wie Cicero oder Plinius Minor.
Über sein Leben wissen wir von Diogenes Laertios.
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Re: Anhänger der Philosophie Epikurs

Beitragvon Negator » Do 18. Okt 2018, 19:40

Mir persönlich gefällt an der Naturphilosophie der Atomismus
und an der Ethik das moderate Luststreben.

Ich würde aber wie bei der Stoa mehr politische Aktivität befürworten.
Maat & Mate :thumbup:

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