Wo beginnt das materielle Ich und wo endet es?

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Boraiel
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Wo beginnt das materielle Ich und wo endet es?

Beitragvon Boraiel » Do 9. Mär 2017, 22:44

Um diese Frage soll es hier gehen, Anlass dafür ist ein Qualitätsbeitrag ;) aus der Weinstube:
Ich wollte man den Blick auf die eigene materielle Existenz in der Welt lenken. Was ist Teil von deinem materiellen Ich und was nicht?
Kann man die Wand zum Rest der Welt zählen? Und muss nicht die Luft, die man atmet, Teil von einem sein? Wie sinnvoll ist es zu sagen, dass der Sauerstoff in deinem Raum nicht du bist? Er ist für dich wichtiger als deine Haare, als dein Bein und deine Arme, aber die sind doch auf jeden Fall Teil von dir, oder?
Wenn ich ohne Sonnenschein nicht leben kann, wie gerechtfertigt ist es dann zu sagen, dass ich die Sonne bin?
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Re: Wo beginnt das materielle Ich und wo endet es?

Beitragvon Unité 1 » Do 9. Mär 2017, 23:14

Tja, gute Frage. Bist du der Haufen, den du gesetzt hast?
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Jekyll
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Re: Wo beginnt das materielle Ich und wo endet es?

Beitragvon Jekyll » Do 9. Mär 2017, 23:23

Ich finde die Fragestellung schon mal sehr suggestiv. Materielles Ich?
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Zunder
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Re: Wo beginnt das materielle Ich und wo endet es?

Beitragvon Zunder » Fr 10. Mär 2017, 00:51

Bei manchen ist das Brett vorm Kopf zweifellos Teil der materiellen Identität.
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Re: Wo beginnt das materielle Ich und wo endet es?

Beitragvon JFK » Fr 10. Mär 2017, 00:58

Zunder hat geschrieben:(10 Mar 2017, 00:51)

Bei manchen ist das Brett vorm Kopf zweifellos Teil der materiellen Identität.


Dieser Brett ist aber imaginär, kann deshalb schon kein Material sein.
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Re: Wo beginnt das materielle Ich und wo endet es?

Beitragvon Liegestuhl » Fr 10. Mär 2017, 06:45

Zunächst müsste die Frage gestellt werden, ob es überhaupt ein materielles Ich gibt.
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Re: Wo beginnt das materielle Ich und wo endet es?

Beitragvon Provokateur » Fr 10. Mär 2017, 09:55

Der Raum zwischen den Atomen, aus denen unsere Körper bestehen, besteht aus nichts. Die Atome machen nur 0,1% des gesamnten Raumes voll. So gesehen bestehen wir alle zu 99,9% aus nichts.
Alles was hier verfasst wird, stellt meine persönliche Meinung dar. Ich bin kein Sprecher von irgendwem, speziell nicht meines Arbeitgebers.

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Re: Wo beginnt das materielle Ich und wo endet es?

Beitragvon Dampflok94 » Fr 10. Mär 2017, 11:22

Provokateur hat geschrieben:(10 Mar 2017, 09:55)

Der Raum zwischen den Atomen, aus denen unsere Körper bestehen, besteht aus nichts. Die Atome machen nur 0,1% des gesamnten Raumes voll. So gesehen bestehen wir alle zu 99,9% aus nichts.

Wenn ich also jemandem sage, er sei ein Nichts, dann ist das keine Beleidigung sondern eine Feststellung von Tatsachen. :cool:
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Re: Wo beginnt das materielle Ich und wo endet es?

Beitragvon Provokateur » Fr 10. Mär 2017, 12:20

Dampflok94 hat geschrieben:(10 Mar 2017, 11:22)

Wenn ich also jemandem sage, er sei ein Nichts, dann ist das keine Beleidigung sondern eine Feststellung von Tatsachen. :cool:


Ein fast Nichts.
Alles was hier verfasst wird, stellt meine persönliche Meinung dar. Ich bin kein Sprecher von irgendwem, speziell nicht meines Arbeitgebers.

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Re: Wo beginnt das materielle Ich und wo endet es?

Beitragvon schokoschendrezki » Fr 10. Mär 2017, 12:31

98 Prozent der Atome des menschlichen Körpers werden pro Jahr ersetzt. Das materielle Ich ist also nix weiter als die flüchtige Realisierung einer dauerhaften Struktur und nur diese abstrakte, virtuelle Struktur verdient diese Bezeichnung Ich oder Subjekt.
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Re: Wo beginnt das materielle Ich und wo endet es?

Beitragvon immernoch_ratlos » Fr 10. Mär 2017, 13:23

Das "Ich" ist lediglich ein Konzept - eine Selbstwahrnehmung die ausschließlich "immateriell" ist. Das es aus einen mehr oder weniger "ordentlichen Zellhaufen" entsteht, ist ganz genauso bindend wie alle anderen menschlichen Vorstellungen und Konzepte. Wie User schokoschendrezki es beschreibt - lediglich "abstrakte, virtuelle Struktur".

Wer die räumliche - materielle Existenz betrachtet, kommt ohne den Begriff "Energie" wohl kaum aus. Materie und Energie als Einheit nachweisbar - auch andere Lebewesen - sog. Tiere sind so "real und damit existent".

Diese durchaus reale Struktur kann solange jedes gewünschte virtuelle Konzept auf sich und andere anwenden, bis der physische "Zusammenstoß" mit anderen realen Strukturen erfolgt. Einzig (soweit mein Ich das beurteilen kann) der Mensch, kann andere Lebewesen durch seine virtuellen Vorstellungen und Konzepte beeinflussen - bis hin zu deren physischen Vernichtung.

Doch da "Vernichtung" lediglich die Auflösung einer zeitweiligen "Ordnung" darstellt, muss die Definition "Nichts" wohl mindestens unzureichend sein. Selbst "Energie" verschwindet nicht vollkommen - wird lediglich "Entropie"...

Da wohl für "sehr lange" eher selten auch nur ein beliebiges Atom den "Dunstkreis Erde" verlässt, kann jeder davon ausgehen, sein physisches Ich enthält gewisse auch Anteile anderer beliebige "aufgelöster, einst und nur zeitweise geordneter Strukturen".

Mein Fußnagel enthielt bis zu seiner gestrigen Beschneidung, einige mir höchst unerfreuliche Anteile vom GRÖFAZ :? - was mich nun gerade nicht sehr begeisterte - es ist nicht nur virtuell annehmbar, das alle auch alle anderen Lebewesen mit Atomen höchst unangenehmer Zeitgenossen kontaminiert sind, was durchaus sehr reale Allergien auslösen kann - so meine rein immaterielle Hypothese.

Trost spendet mir dabei die Vorstellung, das nach dem gleichen Zusammenhang ganz gewiss auch sehr erfreuliche ehemalige Zellhaufen ihre Ableger in mir hinterlassen haben müssen. Wir sind was wir sind - völlig gleichgültig welchem Konzept wir virtuell anhängen mögen... :thumbup:
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Re: Wo beginnt das materielle Ich und wo endet es?

Beitragvon Unité 1 » Fr 10. Mär 2017, 13:51

Wie schreibt ihr immateriellen eigentlich eure Beiträge?

Es ergibt doch gar keinen Sinn, sich von seiner physischen Existenz losgelöst zu betrachten. Die eigene Vorstellung vom Ich ist schwer zu halten, wenn sie nicht durch Reaktionen anderer bestätigt wird, also durch die materielle Manifestation des Körpers. Das Ich gelangt von der Abstraktion zur Existenz durch den Körperausdruck. Schlimmer sogar; der Körperausdruck kann meinem Ich-Bild widersprechen, die Reaktion meiner Umwelt ein anderes Ich vermitteln. Die abstrakt-virtuelle Struktur ist ein mehr-als-Ich: Es ist die reine Potenz, die Fähigkeit zur Ich-Werdung. Mehrseitig gedacht, mein Ich wird, es entwickelt sich dahin, und mein Ich wird mehr, es entwickelt sich von dort fort. Ändert aber alles nichts an der Begrenzung durch die Leiblichkeit.
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Re: Wo beginnt das materielle Ich und wo endet es?

Beitragvon Liegestuhl » Fr 10. Mär 2017, 13:54

Unité 1 hat geschrieben:(10 Mar 2017, 13:51)

Wie schreibt ihr immateriellen eigentlich eure Beiträge?


Mit der Tastatur
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Re: Wo beginnt das materielle Ich und wo endet es?

Beitragvon Unité 1 » Fr 10. Mär 2017, 13:55

Liegestuhl hat geschrieben:(10 Mar 2017, 13:54)

Mit der Tastatur

Wie, nicht womit.

(Klugscheißen will gelernt sein. :p)
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Re: Wo beginnt das materielle Ich und wo endet es?

Beitragvon immernoch_ratlos » Mo 13. Mär 2017, 15:42

Nun ja - ich wage mal einen Vergleich :

materiell - jemand stolpert und fällt zu Boden - Grund für das Fallen ist die Schwerkraft :cool:

virtuell - der selbe Vorgang (nun vollkommen abhängig wer sich dazu äußert) - Grund : die Götter, Gott ist böse mit mir usw. bis zur "wissenschaftlichen Erklärung = Schwerkraft" :eek:

Gleichgültig was "wir" uns dazu "denken" - überall wo etwas "fällt", ist die Schwerkraft der Grund dafür

virtuell - "Codex Hammurapi" - Menschen sind in drei Kategorien unterteilt "Bürger" - "Knechte" - "Sklaven" - Recht "Talionsprinzip"

virtuell - "allgemeine Menschenrechte"
- „Alle Menschen sind vor dem Gesetz gleich.“ (3) „Niemand darf wegen seines Geschlechtes, seiner Abstammung, seiner Rasse, seiner Sprache, seiner Heimat und Herkunft, seines Glaubens, seiner religiösen oder politischen Anschauungen benachteiligt oder bevorzugt werden."

jede dieser "Vereinbarungen" die keinerlei materiellen Regeln folgen sind nur dann gültig, wenn alle diese anerkennen. Andere Vorstellungen = virtuell, können beliebig angewendet werden, weil dabei nirgendwo ein materielle, naturgesetzliche Bindung existiert.

Nahezu alles was "wir" mehr oder weniger wichtig finden, ist entspringt lediglich einer Vorstellung, die durch nichts materiell festgelegt ist und damit keinerlei "Gesetzmäßigkeit im wissenschaftlichen Sinn" unterliegt. Nur ein paar Beispiele "Demokratie", "Geld", "Kapitalismus", Kommunismus usw. usf.

Viele dieser rein virtuellen Eigenschaften, werden dem Menschen je nach Herkunft, Ort und Zeitpunkt, meist von Geburt an, als ein quasi "Naturgesetz" vermittelt oder später mit den Methoden der "Gehirnwäsche" aufoktroyiert.

Das Wegfallen - bzw. Weglassen solcher rein virtuellen Vorstellungen bewirkt für sich gesehen absolut keine Veränderung. Nichts davon existiert "real". "Scheinwirkungen" entstehen für das Individuum lediglich durch die Anwendungen dieser virtuellen Regeln :

Codex Hammurapi : „Rechtssätze der Gerechtigkeit, die Ḫammurapi, der fähige König, festgesetzt hat und (durch die er) das Land hat rechte Ordnung und gute Führung ergreifen lassen.“

"„Wenn ein Bürger vor Gericht zu falschem Zeugnis auftritt und seine Aussage nicht beweist, so wird, wenn dieses Gericht ein Halsgericht ist, dieser Bürger getötet. Wenn er zu einem Zeugnis über Getreide oder Geld auftritt, muss er die jeweilige Strafe dieses Prozesses tragen.“

Oder StGB § 161 : "Fahrlässiger Falscheid, fahrlässige falsche Versicherung an Eides Statt
(1) Wenn eine der in den §§ 154 bis 156 bezeichneten Handlungen aus Fahrlässigkeit begangen worden ist, so tritt Freiheitsstrafe bis zu einem Jahr oder Geldstrafe ein.
(2) Straflosigkeit tritt ein, wenn der Täter die falsche Angabe rechtzeitig berichtigt. Die Vorschriften des § 158 Abs. 2 und 3 gelten entsprechend."

Größer könnte der Unterschied wohl kaum sein - keine der beiden "Rechtsvorstellungen" hat auch nur die geringste materielle Bindung.

"Wir" (virtuelle Eigenbezeichnung "Homo sapiens") unterscheiden uns durch unser zweifelhaftes Vermögen, ganze virtuelle Welten die ausschließlich in unseren Gehirnen existieren und "materiell" beliebig und folgenlos veränderbar sind, von allen anderen bekannten Lebewesen. Selbst deren Einteilung ist immateriell. :?

Alle unsere virtuellen Bindungen an die Natur sind für deren Funktionieren völlig bedeutungslos. Der Eindruck dies sein anders, ist nichts als eine erlernte Illusion. Kaum unterscheidbar von tatsächlich realer Umwelt, die ja ebenfalls erst im Gehirn "Form" annimmt.

So "gesehen" wird ein solcher Beitrag absolut nichts verändern - alles - inklusive die "Schwerkraft" funktioniert weiter wie gehabt.... :D
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Re: Wo beginnt das materielle Ich und wo endet es?

Beitragvon Marlies » Do 13. Jul 2017, 09:21

Wie kann ich mir mein Ich materiell vorstellen?
Aus welchen chemischen Verbindungen besteht mein Ich?

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