Ethik: Warum Toleranz eine bequeme Lüge ist

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Re: Ethik: Warum Toleranz eine bequeme Lüge ist

Beitragvon Billie Holiday » Di 19. Apr 2016, 20:58

Provokateur hat geschrieben:(19 Apr 2016, 21:38)

Es geht um Verhalten, nicht um Gedanken. Was am Ende dabei rauskommt und sich konkret als Handlung manifestiert.

Wie bereits gesagt, der Baum wird nach seinen Früchten beurteilt und nicht nach seinen Wurzeln. Was du dir dabei denkst, wenn du handelst, spielt für die Handlung keine Rolle.


Aber mein Verhalten Menschen oder Dingen gegenüber, die ich voll und ganz akzeptiere, ist doch anders als denen gegenüber, die ich bloß toleriere.
Mit den einen will ich gern was zu tun haben, mit den anderen nicht und beschränke den Kontakt auf das nötigste.
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Re: Ethik: Warum Toleranz eine bequeme Lüge ist

Beitragvon Charles » Di 19. Apr 2016, 21:00

Provokateur hat geschrieben:(19 Apr 2016, 21:38)
Es geht um Verhalten, nicht um Gedanken. Was am Ende dabei rauskommt und sich konkret als Handlung manifestiert.


Dann ist es schwierig die genannten Begriffe zu diskutieren, denn "Toleranz" und vorallem "Akzeptanz" beschreiben jeweils eine innere Haltung.
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Re: Ethik: Warum Toleranz eine bequeme Lüge ist

Beitragvon BingoBurner » Di 19. Apr 2016, 21:06

Provokateur hat geschrieben:(19 Apr 2016, 21:36)

Richtig. Man munkelt, er diene als Rückzugsraum zur Wiederbesiedelung durch nützliche Darmbakterien, sollten andersartige Mikroorganismen zur schwallartigen Selbstausräumung des gesamten Darmtraktes führen. Die Evolution begünstigt keinen sinnlosen Ballast, er wird langsam, aber sicher verschwinden.



Nein, denn was mir wirklich egal ist, nehme ich entweder wahr und akzeptiere es oder ich nehme es nicht bewusst wahr und kann keine Entscheidung treffen.


Dir ist bekannt wie fehlbar die Evolution ist ? 90 Prozent der Arten sterben aus, damit Platz ist für Neues.
"the fittest ?" Schon mal von Dinos gehört ?
Neandertaler von Morgen ?
Aber ich habe eine Atombombe entwickelt......zählt dabei nicht.

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Evolutionärer Algorithmus : https://de.wikipedia.org/wiki/Evolution ... lgorithmus
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Re: Ethik: Warum Toleranz eine bequeme Lüge ist

Beitragvon Provokateur » Di 19. Apr 2016, 21:10

Billie Holiday hat geschrieben:(19 Apr 2016, 21:58)

Aber mein Verhalten Menschen oder Dingen gegenüber, die ich voll und ganz akzeptiere, ist doch anders als denen gegenüber, die ich bloß toleriere.
Mit den einen will ich gern was zu tun haben, mit den anderen nicht und beschränke den Kontakt auf das nötigste.


Genau, du akzeptierst nicht und vermeidest deswegen den Kontakt. Es ist dir unwohl in der Gegenwart dieser Personen, aber du bist dir sicher, dass du sie nicht ändern kannst.

Genau das habe ich beschrieben.

Charles hat geschrieben:
Dann ist es schwierig die genannten Begriffe zu diskutieren, denn "Toleranz" und vorallem "Akzeptanz" beschreiben jeweils eine innere Haltung.


Haltungen werden zu Worten, Worte werden zu Taten. Das macht das ganze so offensichtlich, also für mich jedenfalls. Deswegen bemühe ich mich so sehr, hier Überzeugungsarbeit zu leisten (und auf der Metaebene ist das eine gute Übung in Dialektik).

BingoBurner hat geschrieben:Dir ist bekannt wie fehlbar die Evolution ist ? 90 Prozent der Arten sterben aus, damit Platz ist für Neues.


Das würde bedeuten, dass die Evolution ein Ziel hat. Hat sie nicht, sie passiert.


BingoBurner hat geschrieben:"the fittest ?" Schon mal von Dinos gehört ?


Die waren ja, wie sich nachweisen lässt, plötzlich mit einer veränderten Umwelt konfrontiert, an die sie ganz und gar nicht angepasst waren. Allerdings haben ihre Cousins, die Vögel, überlebt.


BingoBurner hat geschrieben:Neandertaler von Morgen ?
Aber ich habe eine Atombombe entwickelt......zählt dabei nicht.

Insekten überleben diese !

Evolutionärer Algorithmus : https://de.wikipedia.org/wiki/Evolution ... lgorithmus


Äh...wat? Insekten haben durch ihre hohe Reproduktionsrate ein niedrigeres Risiko, eine weniger gravierende Ausfallrate durch Mutationen. Die Evolution geht natürlich weiter.
Harry riss sich die Augen aus dem Kopf und warf sie tief in den Wald. Voldemort schaute überrascht zu Harry, der nun nichts mehr sehen konnte.
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Re: Ethik: Warum Toleranz eine bequeme Lüge ist

Beitragvon BingoBurner » Di 19. Apr 2016, 21:29

Provokateur hat geschrieben:(19 Apr 2016, 22:10)





Äh...wat? Insekten haben durch ihre hohe Reproduktionsrate ein niedrigeres Risiko, eine weniger gravierende Ausfallrate durch Mutationen. Die Evolution geht natürlich weiter.



Evolution bedeutet aber nun mal Vielfalt. Bunt.
Lachen.....
Klingt banal. Ist es aber nicht.
Und so wie es aussieht macht genau dies, Humor, uns Menschen zu etwas besonderen...

Oder anders. Ich finde es schade da Werder gerade raus geflogen ist.
Du kannst sicher darüber lachen.
Und ich versteh das weil dir Fussball nichts bedeutet.
Ist das nicht Toleranz ?
Gegenseitig ?
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Re: Ethik: Warum Toleranz eine bequeme Lüge ist

Beitragvon Provokateur » Di 19. Apr 2016, 21:38

BingoBurner hat geschrieben:(19 Apr 2016, 22:29)

Evolution bedeutet aber nun mal Vielfalt. Bunt.


Natürlich, weil es viele Nischen zu besiedeln gibt. Darwinfinken machen es vor. Sie akzeptieren einfach anderes Futter als die einen Vögel, schwupps, ändert sich die Schnabelform in den Folgegenerationen.

BingoBurner hat geschrieben:(19 Apr 2016, 22:29)
Lachen.....
Klingt banal. Ist es aber nicht.
Und so wie es aussieht macht genau dies, Humor, uns Menschen zu etwas besonderen...


Humor ist Teil von etwas, was Terry Pratchett unter dem Begriff "Pans Narrans" statt "Homo Sapiens" zusammengefasst hat.
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Re: Ethik: Warum Toleranz eine bequeme Lüge ist

Beitragvon BingoBurner » Di 19. Apr 2016, 21:45

Provokateur hat geschrieben:(19 Apr 2016, 22:38)

Natürlich, weil es viele Nischen zu besiedeln gibt. Darwinfinken machen es vor. Sie akzeptieren einfach anderes Futter als die einen Vögel, schwupps, ändert sich die Schnabelform in den Folgegenerationen.



Humor ist Teil von etwas, was Terry Pratchett unter dem Begriff "Pans Narrans" statt "Homo Sapiens" zusammengefasst hat.


Aber es ist nicht binär-----
Man kann Arschloch und trotzdem freundlich sein.
Es ist eine Lüge auch wenn ich jetzt die Wahrheit sage.

Wir reden doch hier über Toleranz ?
Nicht über die absolute Wahrheit ?
Den da muss ich passen.....
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Re: Ethik: Warum Toleranz eine bequeme Lüge ist

Beitragvon Senilienz » Di 19. Apr 2016, 22:32

Provokateur hat geschrieben:(19 Apr 2016, 20:04)

Was bedeutet Toleranz?

Das Wort entlehnt sich aus dem lateinischen "tolerare", was "erdulden" oder "ertragen" heißt. Später wurde der Begriff ausgeweitet, auf das Hinnehmen einer anderslautenden Meinung. Und damit wurde seine ursprüngliche Bedeutung verfälscht.

Denn grundsätzlich teilt sich alles, was wahrnehmbar ist, in drei Kategorien:

1) Es gibt Dinge, die kann die von ihnen betroffene Person akzeptieren. Das bedeutet, er erkennt sie in ihrer Wesenheit an und betreibt keinerlei Aufwand, um sie zu ändern.

2) Es gibt Dinge, die werden von der betroffenen Person nicht akzeptiert. Hier finden verschiedene Versuche statt, diese Dinge zu ändern, weil sie einerseits ein Problem in der Weltwahrnehmung des Rezipienten darstellen ("kognitive Dissonanz") oder andererseits eine Bedrohung für Leib, Leben, Besitz und/oder geistige Gesundheit darstellen.

3) Hintergrundrauschen, Nichtwahrnehmbares, Ausgeblendetes (zum Beispiel die Tatsache, dass jeder jederzeit ein Stück seiner Nase sieht, das Gehirn aber beschließt, diese Information aufgrund von Irrelevanz auszublenden - wenn ihr euch konzentriert, könnt ihr das sehen. Und habt es im nächsten Moment vergessen. Aber herzlichen Glückwunsch, jetzt konzentriert ihr euch auf eure Atmung. Und atmet bewusst Habt ihr vorher auch nicht gemacht, oder?) - Dinge, die schlicht keine oder noch keine Bedeutung haben.

Wo findet sich jetzt die Toleranz? Von dem, was wir gelernt haben, würden wir das der Nummer 1 zuordnen. Aber halt - hier ist die Akzeptanz. Ich kann auch Meinungen akzeptieren, wenn sie von meiner abweichen. Das bedeutet aber nicht, dass ich sie ertrage wie ein schmerzendes Knie - welches jeder übrigens durch Entlastung oder andere Haltung zu einem nicht mehr schmerzenden Knie verwandeln versucht, weil hier auch keine Toleranz vorliegt, sondern Schmerz. Und den genießen (--> akzeptieren) nur wenige Menschen. Selbst bei unvermeidbaren Schmerzen, zum Beispiel bei hartem Training oder danach, erinnert sich jeder daran zurück, wie es ohne Schmerzen war und freut sich darauf, wie es sein wird, wenn er wieder schmerzfrei ist.

Im Spannungsfeld zwischen Akzeptanz und Antiakzeptanz ist für Toleranz schlicht kein Platz.

Entweder die betroffene Person akzeptiert, dass eine andere Meinung existiert. Dann schütteln beide Meinungsträger die Hand, sagen "Ich habe meine Meinung, du deine, aber es gibt bestimmt andere Bereiche, in denen wir ähnlicher Meinung sind" und jeder geht seiner Wege.
Oder sie akzeptiert es nicht. Dann werden bestimmte Eskalationsstufen, beginnend mit demonstrativem Ignorieren über Gegenrede bis hin zu - auch tödlicher - Gewalt durchgespielt, bis die Situation bereinigt ist. Das bedeutet, bis nur noch eine Meinung geäußert wird.

Und da sind wir nur im Bereich der Meinungen. Richtig abstrus wird es, wenn es um Hautfarbe oder Sexualität geht, also nicht Meinungen, sondern Eigenheiten der Personen.

"Ich bin tolerant! Ich habe schwarze Freunde!"

Aha, du erträgst es, dass deine Freunde eine andere Hautfarbe haben? Brennt das ein wenig in den Augen, aber gerade nicht so schlimm, dass du sie in einem Gespräch noch lange genug anblicken kannst, um nicht unhöflich zu wirken?

"Ich toleriere Schwule!"

Nun, es wird dir nix anderes übrig bleiben, denn die existieren, ob du das nun gut findest oder nicht. Aber warum erdulden? Erstens ist es ziemlich schwul, sich darum zu kümmern, was andere Männer so mit ihrem Schwanz anstellen, zweitens, wenn du nicht schwul bist, hast du durch die Existenz der Schwulen wohl eher einen Vorteil als einen Nachteil - denn wenn zwei Männer einander lieben, kommen bei einer ausgewogenen Bevölkerungspyramide gleich zwei Frauen in deinen (hypothetischen) Paarungsverfügbarkeitspool.
Komischerweise sind Lesben deutlich weniger häufig derartigen Anfeindungen ausgesetzt. Obwohl die dieses Verhältnis eventuell wieder ausleveln, denn mit jedem Lesbenpaar verschwinden wieder zwei Frauen aus deinem (hypothetischen) Paarungsverfügbarkeitspool. Denn nein, in der Regel (no pun intended) lassen die nicht nicht als Live-Action-Dildo bei einer heißen Orgie mitmachen, auch wenn der Gedanke aufkommen mag.


Hier sind die Akzeptanzprobleme in der Regel deutlich geringer. Aber das ist ein Thema für einen anderen Strang.

Was also bleibt von der Toleranz?

Nicht viel, wie ich finde. Das bedeutet aber, dass "Intolerant" nicht mehr zwingend ein Schimpfwort ist, auch, wenn wir das gerne so verwenden, weil es eben bequem ist. Wir sind es gewohnt. Es ist wohlig, warm, bekannt und ein Schwert, dessen wir uns gerne bedienen.

Aber bei genauer Betrachtung ist es stumpf. Denn niemand toleriert. So etwas zu behaupten wäre - eine Lüge.


Na das ist aber jetzt mal ´ne Fleißarbeit.
Und wozu?
Was wollen wir diskutieren?
1.
Die Ansichten eines Menschen - die Äußerungen eines Menschen - die Taten eines Menschen haben nichts miteinander zu tun.
Was erfahren wir also, wenn sich hier jemand äußert?
2.
Wahrnehmung ist immer individuell, also wie könnte ich wissen ob ich jemandes Meinung wirklich ändern konnte?
3.
In den Reigen der Ignoranz und Toleranz und Akzeptanz gehört aber unbedingt noch der Respekt.
Und das ist dann doch irgendwie eine klare Hierarchie:
Ich ignoriere etwas, oder jemanden, das/die/der mir unwichtig erscheint, mich aber nicht wirklich beschwert;
Ich toleriere etwas, oder jemanden, das/die/der mir unwichtig erscheint, mich aber schon eher beschwert;
Ich akzeptiere etwas, oder jemanden, das/die/der mir NICHT unwichtig erscheint, mich aber beschwert;
Ich respektiere etwas, oder jemanden, das/die/der mir WICHTIG erscheint und ich die Beschwernis DESHALB ertrage.
Und nun gibt es - zu jedem dieser Punkte - das bei uns so angesagte "stao-Verhalten" (stao = so tun als ob)
Und erst daraus wird die Lüge.
Nämlich:
wenn ich nur so tue als ob ich etwas toleriere, in Wahrheit aber nur zu feige bin, es abzustellen obwohl es mich tatsächlich mehr stört als dass ich es ignorieren könnte.
Das geht aber mit allen (nicht nur) diesen Punkten so.
Es ist also nicht die Toleranz selbst die Lüge, sondern die stao-Toleranz wird zur Lüge.
Imho.
facts are facts, but perception is the reality.
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Re: Ethik: Warum Toleranz eine bequeme Lüge ist

Beitragvon Provokateur » Mi 20. Apr 2016, 05:49

BingoBurner hat geschrieben:(19 Apr 2016, 22:45)

Aber es ist nicht binär-----
Man kann Arschloch und trotzdem freundlich sein.
Es ist eine Lüge auch wenn ich jetzt die Wahrheit sage.


Nur vordergründig, nur wenn es zu deinem eigenen Vorteil ist. Das Arschloch kommt immer wieder durch, andernfalls wärst du ja keins.

BingoBurner hat geschrieben:Wir reden doch hier über Toleranz ?
Nicht über die absolute Wahrheit ?
Den da muss ich passen.....


Wir reden darüber, dass Toleranz im Grunde nicht existiert. Es ist ein Wort, um einen Umstand zu beschreiben, der nicht vorliegt, weder im technischen Bereich noch im menschlichen Verhalten. Entweder es passt, dann ist es akzeptiert. Oder es passt nicht.

Senilienz hat geschrieben:
Na das ist aber jetzt mal ´ne Fleißarbeit.
Und wozu?
Was wollen wir diskutieren?


Den Fehlbegriff der Toleranz natürlich.

Senilienz hat geschrieben:1.
Die Ansichten eines Menschen - die Äußerungen eines Menschen - die Taten eines Menschen haben nichts miteinander zu tun.
Was erfahren wir also, wenn sich hier jemand äußert?


Ich widerspreche. Denn jede Aussage verfolgt ein Ziel. Und, nach Watzlawick: Man kann nicht nicht kommunizieren. Eine Handlung an sich ist auch Kommunikation, sofern sie im sozialen Umfeld stattfindet. Und natürlich werden diese von Ansichten beeinflusst. Niemand kann dauerhaft gegen die eigene Überzeugung handeln und dabei gesund bleiben.


Senilienz hat geschrieben:2.
Wahrnehmung ist immer individuell, also wie könnte ich wissen ob ich jemandes Meinung wirklich ändern konnte?


Muss ich nicht. Ich kann nur annehmen, ich sei erfolgreich, gemessen am Verhalten des Gegenüber.


Senilienz hat geschrieben:3.
In den Reigen der Ignoranz und Toleranz und Akzeptanz gehört aber unbedingt noch der Respekt.
Und das ist dann doch irgendwie eine klare Hierarchie:
Ich ignoriere etwas, oder jemanden, das/die/der mir unwichtig erscheint, mich aber nicht wirklich beschwert;
Ich toleriere etwas, oder jemanden, das/die/der mir unwichtig erscheint, mich aber schon eher beschwert;
Ich akzeptiere etwas, oder jemanden, das/die/der mir NICHT unwichtig erscheint, mich aber beschwert;
Ich respektiere etwas, oder jemanden, das/die/der mir WICHTIG erscheint und ich die Beschwernis DESHALB ertrage.
Und nun gibt es - zu jedem dieser Punkte - das bei uns so angesagte "stao-Verhalten" (stao = so tun als ob)
Und erst daraus wird die Lüge.
Nämlich:
wenn ich nur so tue als ob ich etwas toleriere, in Wahrheit aber nur zu feige bin, es abzustellen obwohl es mich tatsächlich mehr stört als dass ich es ignorieren könnte.
Das geht aber mit allen (nicht nur) diesen Punkten so.
Es ist also nicht die Toleranz selbst die Lüge, sondern die stao-Toleranz wird zur Lüge.
Imho.


Oh, so-tun-Als-ob. Ein schöner Exkurs.
Weißt du, ein Tipp, den man Leuten geben kann, die zum Beispiel eine Rede vor einem großen Publikum halten sollen und Besorgnis äußern, dass sie Lampenfieber haben könnten:
"Tu so, als wärst du selbstbewusst! Schauspielere, dass du das jeden Tag machst!"
Und das verblüffende? Es funktioniert. Die Leute gehen in ihrer selbstgewählten Rolle auf, sie werden zu dem, den sie darstellen.
Das "so-tun-als-ob" wird zum "sein", je länger man "in der Rolle" ist. Der Prozess ist schleichend, erst kann man Rolle und Selbst nicht mehr auseinanderhalten, und dann wird die Rolle zum Teil von einem selbst; die Lüge wird wahr.

Im Grunde bestätigst du mich. Denn wenn ich nicht handle (messbares Verhalten), dann akzeptiere ich. Der Grund dahinter ist wurstegal!

Respekt ist für mich ein Bestandteil der Akzeptanz. Viele Antiakzeptante lassen in ihrer Argumentation den nötigen Respekt vermissen, wenn doch nicht Initial, dann im Zuge der Eskalation. Antiakzeptanz ist im Grunde sogar eine partielle Antithese zum Respekt, denn "Ich gestehe dir nicht zu, zu denken, wie du denkst" lässt für Respekt (von Latein re spektare: wieder anschauen, zurückschauen, Rücksicht nehmen) keinen Raum; es widerspricht dem vielmehr elementar, denn der Antiakzeptante bemüht sich, in eine Meinungssphäre einzudringen und (nach seiner Ansicht) "die Möbel gerade zu rücken".
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Re: Ethik: Warum Toleranz eine bequeme Lüge ist

Beitragvon Adam Smith » Mi 20. Apr 2016, 06:16

Charles hat geschrieben:(19 Apr 2016, 22:00)

Dann ist es schwierig die genannten Begriffe zu diskutieren, denn "Toleranz" und vorallem "Akzeptanz" beschreiben jeweils eine innere Haltung.

Bei der Akzeptanz hat man eingesehen, dass eine Sache in Ordnung ist. Bei der Toleranz ist man mit einer Sache nicht einverstanden, unternimmt aber nichts gegen die Sache.
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Re: Ethik: Warum Toleranz eine bequeme Lüge ist

Beitragvon Billie Holiday » Mi 20. Apr 2016, 06:24

...und dann befällt einen das sehr laue Gefühlsgemisch aus Ekel, Verachtung und Mitleid, bekannt als Toleranz.“


(Harald Schmidt, Tränen im Aquarium).
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Re: Ethik: Warum Toleranz eine bequeme Lüge ist

Beitragvon Senilienz » Mi 20. Apr 2016, 07:41

Billie Holiday hat geschrieben:(20 Apr 2016, 07:24)

...und dann befällt einen das sehr laue Gefühlsgemisch aus Ekel, Verachtung und Mitleid, bekannt als Toleranz.“


(Harald Schmidt, Tränen im Aquarium).


Gutes kann so einfach sein - danke dir dafür ;)
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Re: Ethik: Warum Toleranz eine bequeme Lüge ist

Beitragvon Tom Bombadil » Mi 20. Apr 2016, 08:04

Und bald ist Toleranz Staatsräson, die EU hat dahingehend ja etwas in der Mache: http://www.rolandtichy.de/gastbeitrag/e ... anzgesetz/
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Re: Ethik: Warum Toleranz eine bequeme Lüge ist

Beitragvon Provokateur » Mi 20. Apr 2016, 08:07

Geht ja nicht. Man kann niemanden zu etwas verpflichten, was nicht existiert.
Harry riss sich die Augen aus dem Kopf und warf sie tief in den Wald. Voldemort schaute überrascht zu Harry, der nun nichts mehr sehen konnte.
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Re: Ethik: Warum Toleranz eine bequeme Lüge ist

Beitragvon Tom Bombadil » Mi 20. Apr 2016, 08:19

Provokateur hat geschrieben:(20 Apr 2016, 09:07)

Geht ja nicht. Man kann niemanden zu etwas verpflichten, was nicht existiert.

Die EU kann alles!
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Re: Ethik: Warum Toleranz eine bequeme Lüge ist

Beitragvon BingoBurner » Mi 20. Apr 2016, 11:32

Provokateur hat geschrieben:(20 Apr 2016, 06:49)




Wir reden darüber, dass Toleranz im Grunde nicht existiert. Es ist ein Wort, um einen Umstand zu beschreiben, der nicht vorliegt, weder im technischen Bereich noch im menschlichen Verhalten. Entweder es passt, dann ist es akzeptiert. Oder es passt nicht.


Diese Aussage ist aber widersprüchlich. Du stellst lediglich die Motivation für Toleranz in Frage.
Die Motivation spielt aber erstmal keine Rolle für das Resultat. Ergo, Toleranz ist keine Lüge. Sie ist da.
Ob man das nun Toleranz oder Akzeptanz nennt bzw. wo soll den da die Grenze sein ?

Und nochmal, wo ordnest du den "ist mir doch egal" ein ?
(Heute Abend kommt übrigens der nächste Kick. BVB gegen Hertha.)
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Re: Ethik: Warum Toleranz eine bequeme Lüge ist

Beitragvon Provokateur » Mi 20. Apr 2016, 11:58

BingoBurner hat geschrieben:(20 Apr 2016, 12:32)

Diese Aussage ist aber widersprüchlich. Du stellst lediglich die Motivation für Toleranz in Frage.
Die Motivation spielt aber erstmal keine Rolle für das Resultat. Ergo, Toleranz ist keine Lüge. Sie ist da.
Ob man das nun Toleranz oder Akzeptanz nennt bzw. wo soll den da die Grenze sein ?


Es geht um das "erdulden" an sich. Keiner erduldet irgendwas. Man akzeptiert die Belastung oder versucht, sie loszuwerden.

BingoBurner hat geschrieben:Und nochmal, wo ordnest du den "ist mir doch egal" ein ?


Unter Eingangstext, Nummer 3. Hintergrundrauschen wie die Tatsache, dass man die ganze Zeit seine eigene Nase sieht.
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Re: Ethik: Warum Toleranz eine bequeme Lüge ist

Beitragvon BingoBurner » Mi 20. Apr 2016, 12:17

Provokateur hat geschrieben:(20 Apr 2016, 12:58)

Es geht um das "erdulden" an sich. Keiner erduldet irgendwas. Man akzeptiert die Belastung oder versucht, sie loszuwerden.



Unter Eingangstext, Nummer 3. Hintergrundrauschen wie die Tatsache, dass man die ganze Zeit seine eigene Nase sieht.


Mhmm, nein. Ich möchte nicht ständig klingen als würde ich nur Widerspruch geben.
Beispiel :

Lange, liebevolle Beziehung geht in die Brüche.
Ich fühle Trost, bei dem Gedanken das sich der verlorene Partner bei jemanden Neuen, besser fühlt.

Was soll den das sein ?
Eine Belastung die man ständig "nur" ertragen hat ?
Wohl kaum.
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Re: Ethik: Warum Toleranz eine bequeme Lüge ist

Beitragvon Provokateur » Mi 20. Apr 2016, 12:31

BingoBurner hat geschrieben:(20 Apr 2016, 13:17)

Mhmm, nein. Ich möchte nicht ständig klingen als würde ich nur Widerspruch geben.
Beispiel :

Lange, liebevolle Beziehung geht in die Brüche.
Ich fühle Trost, bei dem Gedanken das sich der verlorene Partner bei jemanden Neuen, besser fühlt.

Was soll den das sein ?
Eine Belastung die man ständig "nur" ertragen hat ?
Wohl kaum.
to simple..... wenn du mich fragst


Das ist doch Akzeptanz in Reinform. Wenn keiner der beiden Energie investieren will, um die Beziehung zu retten, haben sich beide vollumfänglich damit abgefunden. Da käme ich nicht einmal auf den Gedanken, das Wort Toleranz zu verwenden.
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Re: Ethik: Warum Toleranz eine bequeme Lüge ist

Beitragvon Billie Holiday » Mi 20. Apr 2016, 13:01

Es gibt Dinge/ Menschen, die finde ich zum Kotzen, lebe aber damit und ertrage es. Bekämpfen tue ich es nicht, ertrage es aber, zumal es eine rein subjektive Empfindung ist, mit der ich leben MUSS.
Das ist Toleranz, meiner Meinung nach. Ich toleriere es als für mich unangenehmen Bestandteil des Lebens, da ich kein Anrecht darauf habe, dass alles nach meiner Nase läuft.
Wer mich beleidigt, bestimme ich.
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