Ethik: Warum Toleranz eine bequeme Lüge ist

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Re: Ethik: Warum Toleranz eine bequeme Lüge ist

Beitragvon Bielefeld09 » Sa 23. Apr 2016, 16:06

Also das Gegenteil von Toleranz und Akzeptanz.
Die Zielhandlung des Betroffenen ist hier eben nicht wichtig.
Auch wenn es mal falsch rüberkommt, es ist nie persönlich gemeint. Sorry :( :(
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Re: Ethik: Warum Toleranz eine bequeme Lüge ist

Beitragvon Provokateur » Sa 23. Apr 2016, 16:13

NUR das Gegenteil von Akzeptanz.

Es gibt nur diese zwei Zustände. Andere erlauben einem, zu handeln, oder sie verbieten es.
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Re: Ethik: Warum Toleranz eine bequeme Lüge ist

Beitragvon Bielefeld09 » Sa 23. Apr 2016, 16:26

Ach was, man kann jederzeit handeln.
Toleranz macht den Menschen doch nicht handlungsunfähig.
Deswegen ist sie eben nicht bequem und einfach.
Auch wenn es mal falsch rüberkommt, es ist nie persönlich gemeint. Sorry :( :(
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Re: Ethik: Warum Toleranz eine bequeme Lüge ist

Beitragvon frems » Sa 23. Apr 2016, 16:33

Quatschki hat geschrieben:(19 Apr 2016, 20:23)

Toleranz ist die Abweichung von der Norm, die man noch akzeptieren kann.
Was nicht innerhalb der Toleranzgrenzen liegt, ist Ausschuß oder muß nachbearbeitet werden.

Man kann auch die Norm tolerieren -- und sei es nur durch Gleichgültigkeit.
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Re: Ethik: Warum Toleranz eine bequeme Lüge ist

Beitragvon Senilienz » Sa 23. Apr 2016, 16:53

frems hat geschrieben:(23 Apr 2016, 17:33)

Man kann auch die Norm tolerieren -- und sei es nur durch Gleichgültigkeit.


Ist Gleichgültigkeit die kleine unanständige Verwandte der Gelassenheit?
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Re: Ethik: Warum Toleranz eine bequeme Lüge ist

Beitragvon Milady de Winter » Sa 23. Apr 2016, 17:34

Senilienz hat geschrieben:(23 Apr 2016, 17:53)

Ist Gleichgültigkeit die kleine unanständige Verwandte der Gelassenheit?

Nein, das ist die Hinterfotzigkeit.
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Re: Ethik: Warum Toleranz eine bequeme Lüge ist

Beitragvon Brainiac » Sa 23. Apr 2016, 17:35

Provokateur hat geschrieben:(19 Apr 2016, 20:04)
Im Spannungsfeld zwischen Akzeptanz und Antiakzeptanz ist für Toleranz schlicht kein Platz.

(a) Ich akzeptiere die AfD
(b) Ich toleriere die AfD
(c) Ich akzeptiere die AfD nicht

Für dich sind (a) und (b) identisch, wenn ich dich richtig verstehe. Denn in beiden Fällen unternimmt man nichts gegen die AfD.
Der Unterschied ist aber: Im Fall (a) wähle ich die AfD vielleicht. Im Fall (b) wohl nicht.

D.h. Zwischen Toleranz und Akzeptanz gibt es keinen Unterschied hinsichtlich von Aktivitäten zur Vermeidung oder Bekämpfung - diese finden in beiden Fällen nicht statt. Es gibt aber einen Unterschied hinsichtlich der denkbaren aktiven positiven Unterstützung. Diesen Unterschied halte ich schon für wesentlich.
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Re: Ethik: Warum Toleranz eine bequeme Lüge ist

Beitragvon Provokateur » Sa 23. Apr 2016, 17:57

Brainiac hat geschrieben:(23 Apr 2016, 18:35)

(a) Ich akzeptiere die AfD
(b) Ich toleriere die AfD
(c) Ich akzeptiere die AfD nicht

Für dich sind (a) und (b) identisch, wenn ich dich richtig verstehe. Denn in beiden Fällen unternimmt man nichts gegen die AfD.
Der Unterschied ist aber: Im Fall (a) wähle ich die AfD vielleicht. Im Fall (b) wohl nicht.

D.h. Zwischen Toleranz und Akzeptanz gibt es keinen Unterschied hinsichtlich von Aktivitäten zur Vermeidung oder Bekämpfung - diese finden in beiden Fällen nicht statt. Es gibt aber einen Unterschied hinsichtlich der denkbaren aktiven positiven Unterstützung. Diesen Unterschied halte ich schon für wesentlich.


Erinnere dich an die drei Optionen der Nichtakzeptanz:
- Vermeiden
- Verändern
- Vernichten

Vernichten kannst du die AfD nicht, Verändern auch kaum. Du kannst aber durch deine Stimmabgabe für eine andere Partei vermeiden, dass ihr Erfolg steigt. Du zeigst also Antiakzeptanz bei der Wahl.
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Re: Ethik: Warum Toleranz eine bequeme Lüge ist

Beitragvon Adam Smith » Sa 23. Apr 2016, 17:59

Provokateur hat geschrieben:(23 Apr 2016, 18:57)

Erinnere dich an die drei Optionen der Nichtakzeptanz:
- Vermeiden
- Verändern
- Vernichten

Vernichten kannst du die AfD nicht, Verändern auch kaum. Du kannst aber durch deine Stimmabgabe für eine andere Partei vermeiden, dass ihr Erfolg steigt. Du zeigst also Antiakzeptanz bei der Wahl.

Wobei der Bürger auch noch mehr machen kann. Er kann aktiv politisch tätig werden.
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Re: Ethik: Warum Toleranz eine bequeme Lüge ist

Beitragvon Brainiac » Sa 23. Apr 2016, 18:36

Provokateur hat geschrieben:(23 Apr 2016, 18:57)

Erinnere dich an die drei Optionen der Nichtakzeptanz:
- Vermeiden
- Verändern
- Vernichten

Vernichten kannst du die AfD nicht, Verändern auch kaum. Du kannst aber durch deine Stimmabgabe für eine andere Partei vermeiden, dass ihr Erfolg steigt. Du zeigst also Antiakzeptanz bei der Wahl.

Mein Einwand geht in eine ähnliche Richtung wie der von Adam Smith.

Wenn ich die AfD toleriere, aber nicht "nichtakzeptiere", dann wähle ich sie halt nicht. Evtl. wähle ich auch keine andere Partei, sondern gar nicht. Das ist keine Nichtakzeptanz der AfD, ich toleriere sie, unterstütze sie aber nicht. Anders wäre es, wenn ich sie aktiv bekämpfen würde (z.B. dadurch, dass ich hier gegen diese Partei anschreibe oder gar Petitionen zu ihrem Verbot initiiere), oder sie vermeiden würde (z.B. in dem ich Deutschland verlassen würde) oder sie versuchen würde zu verändern (durch Parteieintritt und Unterwanderung).
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Re: Ethik: Warum Toleranz eine bequeme Lüge ist

Beitragvon Provokateur » Sa 23. Apr 2016, 18:50

Brainiac hat geschrieben:(23 Apr 2016, 19:36)

Mein Einwand geht in eine ähnliche Richtung wie der von Adam Smith.

Wenn ich die AfD toleriere, aber nicht "nichtakzeptiere", dann wähle ich sie halt nicht. Evtl. wähle ich auch keine andere Partei, sondern gar nicht. Das ist keine Nichtakzeptanz der AfD, ich toleriere sie, unterstütze sie aber nicht. Anders wäre es, wenn ich sie aktiv bekämpfen würde (z.B. dadurch, dass ich hier gegen diese Partei anschreibe oder gar Petitionen zu ihrem Verbot initiiere), oder sie vermeiden würde (z.B. in dem ich Deutschland verlassen würde) oder sie versuchen würde zu verändern (durch Parteieintritt und Unterwanderung).


Grundsätzlich gilt aber: Wer nicht handelt, der akzeptiert. Der akzeptiert, dass ohne seine Beteiligung Dinge geschehen.

Wer allerdings handelt, der akzeptiert alles nicht, was auf der Handlungsdimension, auf der er sich bewegt, nicht kongruent mit seinen Zielen ist. Er arbeitet auf etwas zu, er verändert. Man muss, wenn man verändert, nicht unbedingt das Gegenüber verändern; es reicht auch, die Umwelt so zu verändern, dass das Gegenüber nicht mehr so kann, wie es will.
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Re: Ethik: Warum Toleranz eine bequeme Lüge ist

Beitragvon Senilienz » Sa 23. Apr 2016, 19:07

Provokateur hat geschrieben:(23 Apr 2016, 19:50)

Grundsätzlich gilt aber: Wer nicht handelt, der akzeptiert. Der akzeptiert, dass ohne seine Beteiligung Dinge geschehen.

Wer allerdings handelt, der akzeptiert alles nicht, was auf der Handlungsdimension, auf der er sich bewegt, nicht kongruent mit seinen Zielen ist. Er arbeitet auf etwas zu, er verändert. Man muss, wenn man verändert, nicht unbedingt das Gegenüber verändern; es reicht auch, die Umwelt so zu verändern, dass das Gegenüber nicht mehr so kann, wie es will.


Wer nicht handelt, der toleriert (weil er aktiv ignoriert).
Man muss weder sein Gegenüber, noch die Umwelt verändern - man kann auch sich selbst verändern.
Schwarz/weiß-Malerei nach dem Motto:
"wer nicht dagegen ist - der ist dafür" , ist nichts anderes als: "wer nicht mit mir ist - der ist gegen mich" und bedeutet letztlich:
"willst du nicht mein Bruder sein, dann schlag ich dir den Schädel ein".
Das - genau das - wermeidet die Toleranz und ist deshalb ganz und gar keine Lüge.
Lüge ist da schon eher die bewusste Diffamierung der Toleranz.
Imho.
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Re: Ethik: Warum Toleranz eine bequeme Lüge ist

Beitragvon Brainiac » Sa 23. Apr 2016, 19:18

Provokateur hat geschrieben:(23 Apr 2016, 19:50)

Grundsätzlich gilt aber: Wer nicht handelt, der akzeptiert. Der akzeptiert, dass ohne seine Beteiligung Dinge geschehen.

Nein, ich würde das eher als "Toleranz" bezeichnen. Man unterstützt eben auch nicht. Im Gegensatz zur Akzeptanz.

Jetzt müssten wir uns über die Bedeutung der Begriffe "Akzeptanz" und "Toleranz" verständigen. Dem allgemeinen Sprachgebrauch nach, so wie ich ihn gewohnt bin und so wie die Begriffe auch im Duden stehen, hat "Akzeptanz" eine deutlich zustimmendere, positivere Konnotation als "Toleranz". Jemand, der etwas akzeptiert, wird es vielleicht unterstützen. Jemand, der etwas nur toleriert, eher nicht. Natürlich ist das unscharf, aber bitte, die deutsche Sprache umfasst Unmassen solcher "Bedeutungsgrauzonen". Für mich ist das ein hinreichender Grund, die beiden Begriffe zu unterscheiden.

Wer allerdings handelt, der akzeptiert alles nicht, was auf der Handlungsdimension, auf der er sich bewegt, nicht kongruent mit seinen Zielen ist. Er arbeitet auf etwas zu, er verändert. Man muss, wenn man verändert, nicht unbedingt das Gegenüber verändern; es reicht auch, die Umwelt so zu verändern, dass das Gegenüber nicht mehr so kann, wie es will.

Für dich ist "Handeln" in diesem Kontext offensichtlich nur negativ belegt in dem Sinne, dass man das Objekt, das man nichtakzeptiert, vermeidet, verändert oder bekämpft.

Es gibt aber auch positives, unterstützendes Handeln. Spiegelbildlich zu deinem "Vermeiden/Verändern/Bekämpfen" wäre das z.B. "Nähe Suchen/Erhalten/Verteidigen".
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Re: Ethik: Warum Toleranz eine bequeme Lüge ist

Beitragvon Provokateur » Sa 23. Apr 2016, 19:41

Brainiac hat geschrieben:Es gibt aber auch positives, unterstützendes Handeln. Spiegelbildlich zu deinem "Vermeiden/Verändern/Bekämpfen" wäre das z.B. "Nähe Suchen/Erhalten/Verteidigen".


Wer nie Nähe zu der einen Sache sucht, vermeidet die andere; wer das eine erhält, lässt anderswo Veränderung zu; wer das eine verteidigt, vernichtet das Angreifende.

Die Begriffe, die du als diametral entgegengesetzt anzeigst, bedeuten ganz genau dasselbe!
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Re: Ethik: Warum Toleranz eine bequeme Lüge ist

Beitragvon Brainiac » Sa 23. Apr 2016, 19:52

Provokateur hat geschrieben:(23 Apr 2016, 20:41)

Wer nie Nähe zu der einen Sache sucht, vermeidet die andere

Wenn ich einen Menschen liebe, vermeide ich deshalb nicht den Kontakt zu anderen Menschen.

wer das eine erhält, lässt anderswo Veränderung zu

Wenn ich die Ordnung in meiner Wohnung erhalte, heißt das nicht, dass ich woanders für Unordnung sorge.

wer das eine verteidigt, vernichtet das Angreifende

Wenn ich mein Haus gegen Einbruch sichere, vernichte ich dadurch nicht die Einbrecher.
Zuletzt geändert von Brainiac am Sa 23. Apr 2016, 19:52, insgesamt 1-mal geändert.
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Re: Ethik: Warum Toleranz eine bequeme Lüge ist

Beitragvon Senilienz » Sa 23. Apr 2016, 19:52

Provokateur hat geschrieben:(23 Apr 2016, 20:41)

Wer nie Nähe zu der einen Sache sucht, vermeidet die andere; wer das eine erhält, lässt anderswo Veränderung zu; wer das eine verteidigt, vernichtet das Angreifende.

Die Begriffe, die du als diametral entgegengesetzt anzeigst, bedeuten ganz genau dasselbe!


Wer die Nähe zu einer Sache sucht, der verhält sich indifferent zu allen anderen; wer das eine erhält, lässt hier und anderswo Veränderung zu; wer das eine verteidigt, behindert das Angreifende.
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Re: Ethik: Warum Toleranz eine bequeme Lüge ist

Beitragvon Provokateur » Sa 23. Apr 2016, 20:17

Brainiac hat geschrieben:(23 Apr 2016, 20:52)

Wenn ich einen Menschen liebe, vermeide ich deshalb nicht den Kontakt zu anderen Menschen.


Jetzt wanderst du vom allgemeinen zum speziellen.

Wenn du bei einem Menschen bist, kannst du nicht zugleich bei einem anderen sein - wenn du bei einer Gruppe bist, bist du bei allen anderen Gruppen nicht.

Brainiac hat geschrieben:(23 Apr 2016, 20:52)
Wenn ich die Ordnung in meiner Wohnung erhalte, heißt das nicht, dass ich woanders für Unordnung sorge.


Nein, aber du kannst nicht zugleich deine Wohnung und die deines Nachbarn aufräumen.

Brainiac hat geschrieben:Wenn ich mein Haus gegen Einbruch sichere, vernichte ich dadurch nicht die Einbrecher.


Du vernichtest die Möglichkeit des Einbruchs.

Senilienz hat geschrieben:
Wer die Nähe zu einer Sache sucht, der verhält sich indifferent zu allen anderen; wer das eine erhält, lässt hier und anderswo Veränderung zu; wer das eine verteidigt, behindert das Angreifende.


Gilt hier genau so.
Cynic, n.: A blackguard whose faulty vision sees things as they are, not as they ought to be.

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Re: Ethik: Warum Toleranz eine bequeme Lüge ist

Beitragvon Brainiac » Sa 23. Apr 2016, 20:36

Provokateur hat geschrieben:(23 Apr 2016, 21:17)

Jetzt wanderst du vom allgemeinen zum speziellen.

Nun, Beispiele können der Diskussion ja nicht schaden, oder? Vor allem nicht, wenn es sich um Gegenbeispiele zu einer als allgemeingültig behaupteten Aussage handelt (wie ich finde, jedenfalls).

Wenn du bei einem Menschen bist, kannst du nicht zugleich bei einem anderen sein - wenn du bei einer Gruppe bist, bist du bei allen anderen Gruppen nicht.

Nicht gleichzeitig, das ist richtig. Ich bin aber in diesem Moment nicht deshalb nicht bei den anderen, weil ich sie nicht akzeptiere. Eine Stunde später kann ich Freunde besuchen. Wir können natürlich nicht allem, das wir akzeptieren und gut finden, gleichzeitig gleich nahe sein, da wir physikalischen Gesetzen unterworfen sind.

Nein, aber du kannst nicht zugleich deine Wohnung und die deines Nachbarn aufräumen.

Nein. Aber du meintest doch, dass ich wenn ich das eine erhalte, das andere verändere (oder ich verstehe den Sinn deiner Aussage, dass die Handlungen in Wirklichkeit dasselbe seien, in diesem Kontext nicht). Das tue ich aber nicht, wenn ich die Ordnung in meiner Wohnung erhalte. Weder sorge ich woanders für Ordnung, noch sorge ich woanders für Unordnung.

Du vernichtest die Möglichkeit des Einbruchs.

Ja, aber du schriebst, "vernichtet das Angreifende". Der Einbrecher kann gerne weiter leben und woanders einbrechen (das meine ich natürlich nicht so, aber du verstehst, worauf ich hinaus will).
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Re: Ethik: Warum Toleranz eine bequeme Lüge ist

Beitragvon Provokateur » Mo 25. Apr 2016, 07:22

Brainiac hat geschrieben:(23 Apr 2016, 21:36)
Nicht gleichzeitig, das ist richtig. Ich bin aber in diesem Moment nicht deshalb nicht bei den anderen, weil ich sie nicht akzeptiere. Eine Stunde später kann ich Freunde besuchen. Wir können natürlich nicht allem, das wir akzeptieren und gut finden, gleichzeitig gleich nahe sein, da wir physikalischen Gesetzen unterworfen sind.


Und diese Gesetze zwingen uns dazu, Entscheidungen zu treffen. Jede Entscheidung für etwas ist eine Entscheidung gegen alles andere. Wir nehmen uns aus der Kontingenz (=der Summe aller möglichen Entscheidungen) einen Pfad und verfolgen ihn. Das bedeutet nicht, dass du andere Menschen nicht akzeptierst, aber du akzeptierst für diesen Moment nur die Gesellschaft der Person(en), die du dir für diesen Augenblick ausgewählt hast.

Brainiac hat geschrieben:(23 Apr 2016, 21:36)
Nein. Aber du meintest doch, dass ich wenn ich das eine erhalte, das andere verändere (oder ich verstehe den Sinn deiner Aussage, dass die Handlungen in Wirklichkeit dasselbe seien, in diesem Kontext nicht). Das tue ich aber nicht, wenn ich die Ordnung in meiner Wohnung erhalte. Weder sorge ich woanders für Ordnung, noch sorge ich woanders für Unordnung.


Wenn du an dem einen arbeitest, lässt du bei dem anderen unkontrollierte Änderung oder Stasis zu. Das bedeutet Akzeptanz nämlich auch - Kontrolle. Ganz wertneutral, was du akzeptierst, beobachtest du und steuerst du dadurch auch unbewusst. Dinge und Wertauffassungen, die du nicht akzeptierst, vermeidest du (keine Beobachtung - keine Kontrolle), versuchst du zu verändern (akzeptabel/steuerbar zu machen) oder versuchst du zu vernichten (keine Kontrolle mehr möglich und nötig).

Brainiac hat geschrieben:(23 Apr 2016, 21:36)
Ja, aber du schriebst, "vernichtet das Angreifende". Der Einbrecher kann gerne weiter leben und woanders einbrechen (das meine ich natürlich nicht so, aber du verstehst, worauf ich hinaus will).


Der Einbrecher ist ja nur Träger der inakzeptablen Handlung des Einbruchs, und zwar auch nur für die Dauer der Handlung (und der Folgen). Niemand würde verlangen, einen Einbrecher bereits im Kindesalter einzusperren, wenn dieser noch keinen Einbruch begangen hat. Das ist auch schlecht möglich.
Er wird erst zum Träger der inakzeptablen Handlung, wenn er beschließt, in deine Wohnung oder dein Haus einzubrechen. Bis zu dem Entschluss, dies zu tun, handelt er (i.d.R.) im akzeptablen Rahmen.

Das "Vernichten" kann, muss aber nicht global gesehen werden. Ein NPD-Verbot käme zum Beispiel einer Vernichtung gleich, obwohl die entsprechenden Personen, Ideen, Gebäude und Schriften noch vorhanden sind.
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Re: Ethik: Warum Toleranz eine bequeme Lüge ist

Beitragvon Brainiac » Mo 25. Apr 2016, 13:02

Vielleicht nochmal zur Klärung, worüber und warum wir gerade diskutieren.

- Du sagst, Toleranz und Akzeptanz unterscheiden sich nicht in den resultierenden Handlungspfaden.
- Ich sage: Doch, Toleranz und Akzeptanz unterscheiden sich – nicht im Sinne des Vermeidens / Bekämpfens / Verändern von etwas (das findet in beiden Fällen nicht statt), sondern im Sinne des Aufsuchens / Verteidigens / Erhaltens (das findet bei Akzeptanz eher statt als bei Toleranz).
- Daraufhin sagst du, das ist dasselbe, denn wenn ich etwas aufsuche / verteidige / erhalte, dann vermeide / bekämpfe / verändere ich damit etwas anderes.

Soweit richtig wiedergegeben?

Dann sage ich aber, nein, das ist nicht dasselbe, und bringe drei Gegenbeispiele (meiner Meinung nach).

Zum ersten Beispiel:
Provokateur hat geschrieben:(25 Apr 2016, 08:22)

Und diese Gesetze zwingen uns dazu, Entscheidungen zu treffen. Jede Entscheidung für etwas ist eine Entscheidung gegen alles andere. Wir nehmen uns aus der Kontingenz (=der Summe aller möglichen Entscheidungen) einen Pfad und verfolgen ihn. Das bedeutet nicht, dass du andere Menschen nicht akzeptierst, aber du akzeptierst für diesen Moment nur die Gesellschaft der Person(en), die du dir für diesen Augenblick ausgewählt hast.

Mein Beispiel mit der Liebe war vielleicht etwas unglücklich, weil das so was Exklusives hat.
Nehmen wir den Fall, A trifft sich mit B, weil er ihn (als Freund) akzeptiert. B schlägt vor, C mitzubringen, der der Bruder von B ist.
Zwar hat A selbst keine Initiative ergriffen, C zu treffen, aber er hat kein Problem damit, dass C dabei ist, da er nicht C „nichtakzeptiert“, sondern toleriert. Die Entscheidung von A für B (ihn zu treffen) ist keine Entscheidung für oder gegen C.

Um auf dein Bild mit den Handlungspfaden zurückzukommen: Es gibt grundsätzlich drei (und nicht zwei) Möglichkeiten. Ich kann etwas akzeptieren und somit aufsuchen/verteidigen/erhalten, ich kann etwas nichtakzeptieren und somit vermeiden/bekämpfen/verändern, und ich kann etwas neutral gegenüberstehen. Das bedeutet, in der Auswahl meiner Handlungspfade berücksichtige ich das weder positiv noch negativ, sondern überlasse es dem Zufall. Das ist ein wesentlicher Unterschied, da wir ja nur einen Teil von dem, was uns passiert, aktiv beeinflussen können, so dass wir unsere Energie und Ressourcen konzentrieren müssen.

Ich akzeptiere C: Ich treffe mich mit ihm.
Ich nichtakzeptiere C: ich treffe mich nicht mit ihm.
Ich toleriere C: Nichts von beidem, aber wenn B vorschlägt, dass C dazukommt, habe ich nichts dagegen. Wenn B es nicht vorschlägt, ist es genauso ok.

Wie sagte John Lennon so schön: "Life is what happens to you while you are busy making other plans"

Zum zweiten Beispiel:
Wenn du an dem einen arbeitest, lässt du bei dem anderen unkontrollierte Änderung oder Stasis zu. Das bedeutet Akzeptanz nämlich auch - Kontrolle. Ganz wertneutral, was du akzeptierst, beobachtest du und steuerst du dadurch auch unbewusst. Dinge und Wertauffassungen, die du nicht akzeptierst, vermeidest du (keine Beobachtung - keine Kontrolle), versuchst du zu verändern (akzeptabel/steuerbar zu machen) oder versuchst du zu vernichten (keine Kontrolle mehr möglich und nötig).

„Stasis“? :?:
Jedenfalls, wenn ich meine Wohnung aufräume, sorge ich damit nicht für Unordnung in einer anderen Wohnung – weil ich sie toleriere. Ich „nichtakzeptiere“ sie nicht (die andere Wohnung), also verändere ich sie auch nicht. Dass ich sie nicht kontrolliere, ist doch nicht dasselbe, wie, sie aktiv zu verändern.

Zum dritten Beispiel:
Der Einbrecher ist ja nur Träger der inakzeptablen Handlung des Einbruchs, und zwar auch nur für die Dauer der Handlung (und der Folgen). Niemand würde verlangen, einen Einbrecher bereits im Kindesalter einzusperren, wenn dieser noch keinen Einbruch begangen hat. Das ist auch schlecht möglich.
Er wird erst zum Träger der inakzeptablen Handlung, wenn er beschließt, in deine Wohnung oder dein Haus einzubrechen. Bis zu dem Entschluss, dies zu tun, handelt er (i.d.R.) im akzeptablen Rahmen.

Das "Vernichten" kann, muss aber nicht global gesehen werden. Ein NPD-Verbot käme zum Beispiel einer Vernichtung gleich, obwohl die entsprechenden Personen, Ideen, Gebäude und Schriften noch vorhanden sind.

Dem kann ich so folgen. Du schriebst aber „wer etwas verteidigt, vernichtet das Angreifende“. Ich bleibe dabei, wenn ich etwas verteidige, weil ich es akzeptiere (mein Haus, in diesem Fall), bekämpfe ich dadurch noch nicht aktiv jemand anders. Ich versuche, ein denkbares Ereignis zu verhindern (den Einbruch). Ansonsten toleriere ich den Einbrecher als Menschen, der möglicherweise ein prima Typ ist.
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