Zusammengehörigkeit, Identität, Nationalgefühl

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Selina
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Re: Zusammengehörigkeit, Identität, Nationalgefühl

Beitragvon Selina » Sa 6. Mai 2017, 10:17

think twice hat geschrieben:(06 May 2017, 10:20)

Genau so ist es.
Und als unmittelbar Beteiligte, die mehr als 200 Flüchtlinge seit 20 Monaten begleitet, kann ich sagen, es funktioniert auch, wenn alle Seiten bereit dazu sind und sich mit gegenseitigem Respekt begegnen.
Ich staune jeden Tag wieder, wie sich diese völlig hilflosen und orientierungslosen Menschen entwickelt haben, die ich vor 20 Monaten in Empfang genommen habe.
Sie sprechen deutsch, jeden Morgen muss ich Dutzende Hände schütteln (muss ihnen irgendwer gesagt haben, dass man das in D. so macht *grins), sie gehen zur Schule, in Kurse, zur Arbeit (für 80 Cent die Stunde), sie kleiden sich modern und tun alles, um nicht unangenehm aufzufallen. Denn eins haben sie leider auch schon erkannt: Sie werden nicht von allen willkommen geheißen.
Sie haben in 20 Monaten Höchstleistungen gebracht, um sich in einer, ihnen völlig unbekannten Welt, zurechtzufinden und zu integrieren.
Ich bin sehr dankbar dafür, dass ich diese tapferen und mutigen Menschen kennenlernen durfte. Und nicht nur sie. Mein Dank gilt allen Ehrenamtlichen, Dolmetschern, Sicherheitskräften, Lehrern, die sich auch teilweise in ihrer Freizeit noch engagieren.

Sie alle demonstrieren: Nein, wir sind nicht Burka, aber wir sind auch nicht Pegida und AfD!


:thumbup: Sehr gut gesagt. Das passt aber offenbar nicht ins Bild einiger leitbildorientierten Deutschen. Da bricht das Kartenhaus aus Fremdenfeindlichkeit, Ignoranz und übersteigertem Nationalstolz ganz schnell in sich zusammen.
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Re: Zusammengehörigkeit, Identität, Nationalgefühl

Beitragvon think twice » Sa 6. Mai 2017, 10:25

Selina hat geschrieben:(06 May 2017, 11:17)

:thumbup: Sehr gut gesagt. Das passt aber offenbar nicht ins Bild einiger leitbildorientierten Deutschen. Da bricht das Kartenhaus aus Fremdenfeindlichkeit, Ignoranz und übersteigertem Nationalstolz ganz schnell in sich zusammen.

Denen kannst du eh erzählen, was du willst. Die haben ihre Vorurteile und pflegen sie auch gewissenhaft.
Ich wünsche dir einen schönen Samstag, meine Liebe. :)
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Re: Zusammengehörigkeit, Identität, Nationalgefühl

Beitragvon Selina » Sa 6. Mai 2017, 10:26

think twice hat geschrieben:(06 May 2017, 11:02)

Hast du die 10 Thesen zur Leitkultur gelesen? Die klingen tatsächluch verdammt ähnlich! :D :D :D


Sag ich ja :D :D :D
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Re: Zusammengehörigkeit, Identität, Nationalgefühl

Beitragvon think twice » Sa 6. Mai 2017, 10:28

Billie Holiday hat geschrieben:(06 May 2017, 11:16)

Daraus jetzt ein voll Nazi zu machen, halte ich für reichlich übertrieben und lächerlich.

Ich lass mich nicht gängeln. Wem ich die Hand gebe, entscheide ich. Was hat das mit Nazi zu tun? Komm mal klar. :rolleyes:
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Re: Zusammengehörigkeit, Identität, Nationalgefühl

Beitragvon Selina » Sa 6. Mai 2017, 10:32

think twice hat geschrieben:(06 May 2017, 11:25)

Denen kannst du eh erzählen, was du willst. Die haben ihre Vorurteile und pflegen sie auch gewissenhaft.
Ich wünsche dir einen schönen Samstag, meine Liebe. :)


Das wünsche ich dir auch :) :) :) Und nicht vergessen: In zwei Tagen ist der Tag der Befreiung :D :D :D
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Re: Zusammengehörigkeit, Identität, Nationalgefühl

Beitragvon Billie Holiday » Sa 6. Mai 2017, 10:32

think twice hat geschrieben:(06 May 2017, 11:28)

Ich lass mich nicht gängeln. Wem ich die Hand gebe, entscheide ich. Was hat das mit Nazi zu tun? Komm mal klar. :rolleyes:


Verwehrt dir auch keiner. :cool:
Was das mit Nazi zu tun hat? Du und einige user tun eigentlich nichts anderes als gegensätzloche Meinungen und Ansichten und den Thomas zu Nazis zu deklarieren. :D Das amüsiert und ist ein nettes Bonbon in der Diskussion, ich bin ja auch ein wenig zu meiner Bespaßung im Forum. :)
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Re: Zusammengehörigkeit, Identität, Nationalgefühl

Beitragvon Selina » Sa 6. Mai 2017, 10:38

Ach, na jaaaa, zum Nazi würde ich ihn nun nicht gleich deklarieren. Aber zu leicht verspießert und treudeutsch bieder schon.
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Re: Zusammengehörigkeit, Identität, Nationalgefühl

Beitragvon Quatschki » Sa 6. Mai 2017, 10:40

Wenn man ein paar handverlesene Leute an die Hand nimmt und eine Betreuung wie an der Hogwarts-Akademie zukommen lässt, wo die Betreuer Lehrer, Erzieher, Mentor und Familienersatz in einem geben, dann kann man natürlich so eine Art Vorzeigemigranten erschaffen, die man dann überall herumzeigen kann.
Aber das ist nur in einer sehr begrenzten Größenordnung leist- und bezahlbar, weil man solchen ökonomischen und gesellschaftlichen Aufwand normalerweise nur für Eliteschüler treibt, die das der Gesellschaft später auch zurückgeben können,
und nicht um irgendwelche Paschtunen zu befähigen, später mal ein unauffälliges Leben als Regaleinräumer zu führen, ohne anzuecken.
Was menschlicher Wahn erschuf, kann durch menschliche Einsicht überwunden werden.
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Re: Zusammengehörigkeit, Identität, Nationalgefühl

Beitragvon think twice » Sa 6. Mai 2017, 10:56

Billie Holiday hat geschrieben:(06 May 2017, 11:32)

Du und einige user tun eigentlich nichts anderes als gegensätzloche Meinungen und Ansichten und den Thomas zu Nazis zu deklarieren. :D Das amüsiert und ist ein nettes Bonbon in der Diskussion, ich bin ja auch ein wenig zu meiner Bespaßung im Forum. :)

Ich finde dich auch spaßig. Ich finde auch den Thomas spaßig mit seinen Kindergartenregeln. Und hau dich ruhig selbst mit der Nazikeule, wenns dich amüsiert. Du brauchst mich doch dazu garnicht. ;)
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Re: Zusammengehörigkeit, Identität, Nationalgefühl

Beitragvon Selina » Sa 6. Mai 2017, 11:02

Quatschki hat geschrieben:(06 May 2017, 11:40)

Wenn man ein paar handverlesene Leute an die Hand nimmt und eine Betreuung wie an der Hogwarts-Akademie zukommen lässt, wo die Betreuer Lehrer, Erzieher, Mentor und Familienersatz in einem geben, dann kann man natürlich so eine Art Vorzeigemigranten erschaffen, die man dann überall herumzeigen kann.
Aber das ist nur in einer sehr begrenzten Größenordnung leist- und bezahlbar, weil man solchen ökonomischen und gesellschaftlichen Aufwand normalerweise nur für Eliteschüler treibt, die das der Gesellschaft später auch zurückgeben können,
und nicht um irgendwelche Paschtunen zu befähigen, später mal ein unauffälliges Leben als Regaleinräumer zu führen, ohne anzuecken.


Das ist Rassismus und Chauvinismus in Reinkultur. Gekoppelt an die Überhöhung der eigenen Herkunft.
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Re: Zusammengehörigkeit, Identität, Nationalgefühl

Beitragvon think twice » Sa 6. Mai 2017, 11:02

Quatschki hat geschrieben:(06 May 2017, 11:40)

Wenn man ein paar handverlesene Leute an die Hand nimmt und eine Betreuung wie an der Hogwarts-Akademie zukommen lässt, wo die Betreuer Lehrer, Erzieher, Mentor und Familienersatz in einem geben, dann kann man natürlich so eine Art Vorzeigemigranten erschaffen, die man dann überall herumzeigen kann.

Meine 200 Flüchtlinge wurden nach dem Königsteiner Schlüssel zugewiesen und waren ganz und garnicht handverlesen.
Aber schön, dass auch du immerhin erkennst, dass man mit Emphatie und Hilfsbereitschaft viel Positives bewirken kann. :thumbup:
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Re: Zusammengehörigkeit, Identität, Nationalgefühl

Beitragvon Quatschki » Sa 6. Mai 2017, 11:50

Selina hat geschrieben:(06 May 2017, 12:02)

Das ist Rassismus und Chauvinismus in Reinkultur. Gekoppelt an die Überhöhung der eigenen Herkunft.

Wenn ich ins Ausland gehen will, muß ich auch Sprache lernen, Vorbereitungslehrgänge absolvieren, Visum beantragen, alle Papiere einreichen, eventuell Haarprobe wegen Drogentest abliefern
und wenn einwas davon nicht paßt, lassen die mich nicht rein.
Oder ich bringe genügend eigenes Geld mit, um es dort auszugeben.
Nirgendwo auf der Welt wird mir was geschenkt.
Wenn Du die ganze Welt außer Wolkenkuckucksdeutschland für rassistisch und chauvinistisch hältst, dann stimmt vielleicht mit Dir was nicht??
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Re: Zusammengehörigkeit, Identität, Nationalgefühl

Beitragvon Zunder » Sa 6. Mai 2017, 15:36

Unité 1 hat geschrieben:(06 May 2017, 09:43)

Und wie möchtest du die Chauvimilieus angehen und aufbrechen? Die Formulierung einer "Leitkultur" wird wohl kaum zum Empowerment beitragen, was interessiert es den seine Frau einsperrenden Arsch, dass wir in Deutschland sowas nicht machen? Da ist es doch zielführender, über bestehende Rechte zu informieren, dass die Frau oder Bekannte, die der Frau helfen möchten, Anzeige erstatten und sie aus der Situation rausholen.

Glaubst du im Ernst, daß die Rechte der Frau unbekannt sind?
Die Annahme, in repressiven Milieus könnten so ohne weiteres rechtsstaatliche Initiativen ergriffen werden, wenn man einfach mal die Gesetzeslage erklärt, ist eher zynisch als naiv.
Unité 1 hat geschrieben:(06 May 2017, 09:43)
Mit einer Leitkulturdeklaration kannste dir in den Fällen maximal den Hintern abwischen, wenn das Papier weich genug ist.

Richtig.
Deswegen wird es ohne Zwang auch nicht gehen. Allein mit wohlmeinendem Geschwätz lassen sich repressive Verhältnisse nicht aufbrechen.

Unité 1 hat geschrieben:(06 May 2017, 09:43)
Ansonsten hängt es vom Integrationswillen ab. Die Alltagskultur existiert, sie ist ja faktisch eine "Leitkultur", und die Akzeptanz dieser bedeutet Akzeptanz durch die Gesellschaft. Das ist natürlich blauäugig, da können Mohammed und Daria noch so vorbildliche, leistungsbereite, aufgeklärte, gleichberechtigte Humanisten sein, wie sie wollen. Für manche werden sie ewig die falsche Herkunft haben und diesen "Makel"können sie nicht loswerden.

Rassisten spielen für die Alltagskultur als "Leitkultur" die gleiche Rolle wie Islamisten: keine, solange sie marginalisiert bleiben.

Unité 1 hat geschrieben:(06 May 2017, 09:43)
Einer "Leitkultur" - einem angemessenen und gleichberechtigten Zusammenleben ist am besten gedient, wenn die Integrationsbereitschaft (auf beiden Seiten) gefördert wird. Sie ist Ergebnis, nicht Bedingung des Ankommens. Mit Zwang lässt sich das offensichtlich nicht lösen.

Die Mehrheitsgesellschaft muß sich nicht integrieren. Wer in bestehende Verhältnisse einwandert, hat diese Verhältnisse zu akzeptieren. In den meisten Fällen klappt das auch zumindest in Ansätzen, die eine Integration ermöglichen.
Wo diese Ansätze fehlen, muß selbstverständlich Zwang angewandt werden. Alles andere ist naiv.

Übrigens ging es darum:
Selina hat geschrieben:(05 May 2017, 21:14)
Ok, dann begründe mal, warum das Grundgesetz in deinen Augen nicht reichen soll fürs Zusammenleben.


Das Grundgesetz hat nur Bestand, wenn es von der Gesellschaft akzeptiert wird, weil es sich nicht aus sich selbst heraus legitimieren kann. Die gesellschaftliche Anerkennung der freiheitlich-demokratisch-säkularen Grundordnung verhilft der Verfassung erst zur Geltung. Wenn diese Anerkennung fehlt, braucht man sich auch nicht mehr aufs Grundgesetz zu berufen.

Klartext: Die Weimarer Verfassung wurde von den Nazis nie formal außer Kraft gesetzt. Sie war trotzdem nur noch Papier.
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Re: Zusammengehörigkeit, Identität, Nationalgefühl

Beitragvon Unité 1 » Di 9. Mai 2017, 11:02

Zunder hat geschrieben:(06 May 2017, 16:36)

Glaubst du im Ernst, daß die Rechte der Frau unbekannt sind?
Die Annahme, in repressiven Milieus könnten so ohne weiteres rechtsstaatliche Initiativen ergriffen werden, wenn man einfach mal die Gesetzeslage erklärt, ist eher zynisch als naiv.
Ich hätte präzisieren sollen, durchsetzungsfähige Rechte. Und der Rechtsstaat wird üblicherweise nur dann durchgesetzt, wenn man ihn ruft. Gesetzesverstöße werden bei Unwissen nicht geahndet. Wie bereits gefragt, wie möchtest die Chauvimilieus aufbrechen? Ich sehe nur den Weg über Empowerment. Dass es hier mit einer einfachen Rechtsbelehrung getan wäre, wäre in der Tat eine zynische Sichtweise. Aber es trägt dazu bei. Und das eben mehr als eine Leitkulturdeklaration.

Richtig.
Deswegen wird es ohne Zwang auch nicht gehen. Allein mit wohlmeinendem Geschwätz lassen sich repressive Verhältnisse nicht aufbrechen.
Ist halt fraglich, wie gut sich das von außen erreichen lässt. Rechtsstaalicher Zwang bzw. dessen glaubhafte Drohung spielt eine Rolle, ja. Als Unterstützung. Repressive Verhältnisse sind nicht immer offen und sichtbar für jedermann - steckt im Wort Unterdrückung bereits drin. Für Zwangshandlungen müssen die erstmal sichtbar werden sowie eine vernehmbare Stimme sich erheben, die den Zwang einfordert.

Rassisten spielen für die Alltagskultur als "Leitkultur" die gleiche Rolle wie Islamisten: keine, solange sie marginalisiert bleiben.
Beide stehen für Partikularismus und Separation, beide gehörten ihres öffentliches Einflusses beraubt (und Rassismus/Islamismus auf dem Scheiterhaufen der Geschichte verbrannt) - stimmt. Das geht aber am Thema vorbei. Islamismus spielt in dem Zusammenhang nur eine unwesentliche Rolle, "traditionelle" paternalistische Weltbilder und Rassismus/Chauvinismus nicht. Beiden lässt sich mit einer "kodifizierten" Leitkultur nicht begegnen. Eine "gelebte" Leitkultur ist sicher auch nicht das scharfe Schwert, was die Borniertheit auftrennen kann. Aber sie wirkt durch ihre Selbstverständlichkeit. Wobei das hauptsächlich nur die diejenigen betrifft, die ein Interesse daran haben, anzukommen.

Die Mehrheitsgesellschaft muß sich nicht integrieren. Wer in bestehende Verhältnisse einwandert, hat diese Verhältnisse zu akzeptieren. In den meisten Fällen klappt das auch zumindest in Ansätzen, die eine Integration ermöglichen.
Die Mehrheitsgesellschaft muss Integration zulassen - dass Integrationsbereitschaft das bedeutet, ist doch offensichtlich.
Wo diese Ansätze fehlen, muß selbstverständlich Zwang angewandt werden. Alles andere ist naiv.
Was meinst du hier mit Zwang, wie lässt sich eine Akzeptanz grundlegender Werte erzwingen?

Übrigens ging es darum:


Das Grundgesetz hat nur Bestand, wenn es von der Gesellschaft akzeptiert wird, weil es sich nicht aus sich selbst heraus legitimieren kann. Die gesellschaftliche Anerkennung der freiheitlich-demokratisch-säkularen Grundordnung verhilft der Verfassung erst zur Geltung. Wenn diese Anerkennung fehlt, braucht man sich auch nicht mehr aufs Grundgesetz zu berufen.

Klartext: Die Weimarer Verfassung wurde von den Nazis nie formal außer Kraft gesetzt. Sie war trotzdem nur noch Papier.
Richtig. Und für wie schwach müssen Leitkulturverfechter also jene Anerkennung halten, wenn sie die explizieren wollen. Und wie auf diese Weise eine Anerkennung produziert werden soll, wird auch deren Geheimnis bleiben. Gehorsam erzeugt keine Liebe.
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Re: Zusammengehörigkeit, Identität, Nationalgefühl

Beitragvon Provokateur » Di 9. Mai 2017, 11:15

Unité 1 hat geschrieben:(09 May 2017, 12:02)
Gehorsam erzeugt keine Liebe.


Aber Liebe Gehorsam.

Um Menschen zu sammeln und zu einen, muss man ihnen ein gemeinsames Ziel geben. Das ist der Fehler, den viele Nationalisten begehen - sie betrachten ihre Nation als Zustand und nicht als zielgerichteten Prozess.
Alles was hier verfasst wird, stellt meine persönliche Meinung dar. Ich bin kein Sprecher von irgendwem, speziell nicht meines Arbeitgebers.

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Re: Zusammengehörigkeit, Identität, Nationalgefühl

Beitragvon Unité 1 » Di 9. Mai 2017, 11:23

Provokateur hat geschrieben:(09 May 2017, 12:15)

Aber Liebe Gehorsam.
Mein Reden: Wenn ich von der Strahlkraft von Werten überzeugt bin, dann lasse ich sie von sich aus wirken. Der Wert soll überzeugen. Habe ich Zweifel, versuche ich, die Beachtung von Werten zu erzwingen. Das Schwert soll überzeugen.

Um Menschen zu sammeln und zu einen, muss man ihnen ein gemeinsames Ziel geben.
Ist eine Bedingung zur Möglichkeit, aber bei weitem nicht ausreichend. Frag Sozialisten.
Das ist der Fehler, den viele Nationalisten begehen - sie betrachten ihre Nation als Zustand und nicht als zielgerichteten Prozess.

Welches Ziel hat denn die Nation?
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Re: Zusammengehörigkeit, Identität, Nationalgefühl

Beitragvon Provokateur » Di 9. Mai 2017, 11:32

Unité 1 hat geschrieben:(09 May 2017, 12:23)
Welches Ziel hat denn die Nation?


Denen, die auf die Staatsziele (ich meine jetzt nicht nur die im GG explizit als Staatsziele festgehaltenen Ziele) hinarbeiten, ein gutes, auskömmliches Leben zu verschaffen. Wem die Staatsziele in seinem Herkunftsland nicht gefallen, der muss sich einen neuen Staat suchen, in dem er auf die Staatsziele hinarbeiten kann.

Hier in Deutschland sind das vor allem wirtschaftliche Leistungsfähigkeit (der Gradmesser unseres Erfolges) und die in der Präambel des GG genannten Ziele: "Im Bewußtsein seiner Verantwortung vor Gott und den Menschen,
von dem Willen beseelt, als gleichberechtigtes Glied in einem vereinten Europa dem Frieden der Welt zu dienen..." - also eine verantwortliche Existenz (vor allem vor den Menschen), die Gleichberechtigung in Europa und eine Friedensmacht zu sein.
Alles was hier verfasst wird, stellt meine persönliche Meinung dar. Ich bin kein Sprecher von irgendwem, speziell nicht meines Arbeitgebers.

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Re: Zusammengehörigkeit, Identität, Nationalgefühl

Beitragvon Unité 1 » Di 9. Mai 2017, 11:52

Provokateur hat geschrieben:(09 May 2017, 12:32)

Denen, die auf die Staatsziele (ich meine jetzt nicht nur die im GG explizit als Staatsziele festgehaltenen Ziele) hinarbeiten, ein gutes, auskömmliches Leben zu verschaffen.
Diese Ziele sind eher Zustände, an denen sich der Staat messen lassen muss. Sie sind in dem Sinne unerreichbar, da sie einen bereits bestehenden Zustand beschreiben. Das Zielhafte ergibt sich aus dem Versprechen, das Staatsverhalten auf die Erhaltung auszurichten. Wobei die Erhaltung selbst auch dynamisch ist - Bedeutungen ändern sich.
Die Staatsziele sind übrigens die des Staates, nicht die der Nation.
Wem die Staatsziele in seinem Herkunftsland nicht gefallen, der muss sich einen neuen Staat suchen, in dem er auf die Staatsziele hinarbeiten kann.
Wenn die Staatsziele zu überzeugen wissen, musst du dir darum ja keine Gedanken machen. Du weißt ja, Liebe erzeugt Gehorsam. Wobei Gehorsam das falsche Wort ist, Respekt ist treffender.

Hier in Deutschland sind das vor allem wirtschaftliche Leistungsfähigkeit (der Gradmesser unseres Erfolges)

Das gilt für jedes Land der Erde. Ohne Moos nix los.
und die in der Präambel des GG genannten Ziele: "Im Bewußtsein seiner Verantwortung vor Gott und den Menschen,
von dem Willen beseelt, als gleichberechtigtes Glied in einem vereinten Europa dem Frieden der Welt zu dienen..." - also eine verantwortliche Existenz (vor allem vor den Menschen), die Gleichberechtigung in Europa und eine Friedensmacht zu sein.

Wie schon gesagt, wäre es schlimm, wenn diese Staatsziele erst erreicht werden müssten.
Woraus schließt du eigentlich, dass die Verantwortlichkeit vor Menschen ein höheres Gewicht hat als die vor Gott? Aus der Aufzählung ergibt sich eine andere Reihenfolge.
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Re: Zusammengehörigkeit, Identität, Nationalgefühl

Beitragvon Provokateur » Di 9. Mai 2017, 11:59

Unité 1 hat geschrieben:(09 May 2017, 12:52)
Diese Ziele sind eher Zustände, an denen sich der Staat messen lassen muss. Sie sind in dem Sinne unerreichbar, da sie einen bereits bestehenden Zustand beschreiben.


Ich sehe den Weg zur totalen Erreichung eher als einen Prozess; einen taz von Erfolg und Misserfolg. Solange die Ziele begeistern, besteht die Nation.

Unité 1 hat geschrieben:Die Staatsziele sind übrigens die des Staates, nicht die der Nation.


Nation und Staat sind für mich synonym - sie bestehen aus Volk, Grund und legitimer/anerkannter Herrschaft.

Unité 1 hat geschrieben: Wenn die Staatsziele zu überzeugen wissen, musst du dir darum ja keine Gedanken machen. Du weißt ja, Liebe erzeugt Gehorsam. Wobei Gehorsam das falsche Wort ist, Respekt ist treffender.


Dinge, die funktionieren, ohne dass man sich um sie Gedanken macht, funktionieren aber irgendwann nicht mehr. Und das erzeugt Hilflosigkeit.

Unité 1 hat geschrieben:Das gilt für jedes Land der Erde. Ohne Moos nix los.


Nein, in Bhutan zum Beispiel hat jeder Bürger das Recht auf Glück. Nicht nur auf das Streben nach demselben wie in Amerika. Das steht in Bhutan in der Verfassung. Aber vielleicht braucht so ein Bergvölkchen ja auch einfach weniger, um glücklich zu sein...?

Unité 1 hat geschrieben:Wie schon gesagt, wäre es schlimm, wenn diese Staatsziele erst erreicht werden müssten.


Nein, denn das Ringen um ebenjene definiert die Nation; die Diskussion um den rechten Weg zu ihnen prägt die Gesellschaft.

Unité 1 hat geschrieben:Woraus schließt du eigentlich, dass die Verantwortlichkeit vor Menschen ein höheres Gewicht hat als die vor Gott? Aus der Aufzählung ergibt sich eine andere Reihenfolge.


Weil wir mit Menschen reden können, mit unsichtbaren Superfreunden nicht so ohne weiteres.
Alles was hier verfasst wird, stellt meine persönliche Meinung dar. Ich bin kein Sprecher von irgendwem, speziell nicht meines Arbeitgebers.

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Re: Zusammengehörigkeit, Identität, Nationalgefühl

Beitragvon Unité 1 » Di 9. Mai 2017, 12:16

Provokateur hat geschrieben:(09 May 2017, 12:59)

Ich sehe den Weg zur totalen Erreichung eher als einen Prozess; einen taz von Erfolg und Misserfolg. Solange die Ziele begeistern, besteht die Nation.
Es gibt keine "totale" Erreichung. Z.B. besteht Gleichberechtigung oder eben nicht. Wie genau sie aussieht, ist dabei nicht endgültig definiert. Denke an die fünfziger Jahre.




Nation und Staat sind für mich synonym - sie bestehen aus Volk, Grund und legitimer/anerkannter Herrschaft.
Ein Staat besitzt Strukturen, die zur Erhaltung der Staatsziele taugen. Eine Nation nicht.



Dinge, die funktionieren, ohne dass man sich um sie Gedanken macht, funktionieren aber irgendwann nicht mehr. Und das erzeugt Hilflosigkeit.
Ja. Und?



Nein, in Bhutan zum Beispiel hat jeder Bürger das Recht auf Glück. Nicht nur auf das Streben nach demselben wie in Amerika. Das steht in Bhutan in der Verfassung. Aber vielleicht braucht so ein Bergvölkchen ja auch einfach weniger, um glücklich zu sein...?
Auch in Bhutan muss gegessen sowie der Staat, der das Glück sichern soll, finanziert werden.



Nein, denn das Ringen um ebenjene definiert die Nation; die Diskussion um den rechten Weg zu ihnen prägt die Gesellschaft.
Ist mir neu, dass die Staatsziele zur Diskussion stehen, dass um sie gerungen werden muss. Das Zielhafte ergibt sich aus dem Ausrichten staatlichen Handelns, das Staatsziel soll leiten. Ein Stern, der den Weg weist, kein X auf einer Karte.



Weil wir mit Menschen reden können, mit unsichtbaren Superfreunden nicht so ohne weiteres.
Mein Punkt war, dass du willkürlich etwas festlegst. Zudem die Präambel keine Ziele nennt, sondern Gründe. Daraus lassen sich dann Ziele ableiten, aber, und deswegen der Hinweis auf die Willkürlichkeit deiner Festlegung, die sind nicht festgeschrieben für alle Zeit, ihre Bedeutung ist wandelbar. Und wandelt sich.
Die Definition einer Nation als zielgerichteter Prozes kann somit deiner eigenen Logik nach nicht überzeugen, da ein gemeinsames Ziel bestehen müsse, um Menschen zu sammeln und zu einen. Das Ziel steht eben nicht fest. Der Zusammenhalt muss demnach von woanders her kommen.
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