Hat der Mensch eine Meinung?

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Max73
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Hat der Mensch eine Meinung?

Beitragvon Max73 » Di 16. Apr 2013, 18:14

In den allermeisten Fällen: Nein.

Meinung ist nur höchst selten Folge ausreichender Anstrengungen des Geistes und der Seele.

Es wird nur nach- gedacht, was andere längst vor-gedacht und dem Meinungskonsumenten mundgerecht serviert haben. Der Meinung fehlt dann das "Mein".

Die Rezeptoren des Einzelnen sind unterschiedlich ausgeprägt. Der eine reagiert auf diesen Außenreflex so, der andere auf jenen anders.

Meinungsbildung ist im Regelfall nur Folge pawlowscher Reflexe.

Gerade jene, die das bei sich selbst am meisten, offensten und vehementesten ausschließen, sind dem Mechanismus am deutlichsten verfallen, weil ihnen die Fähigkeit zur bewussten und annähernd objektiven Selbstreflexion fehlt.

Ist diese Fähigkeit vorhanden und dauerhaft geübt worden, dann neigt man eher dazu, diese Muster bei sich selbst zu erkennen, statt primär beim anderen, auf den nur projiziert wird.

Selbstbewusstsein macht demütig.

Dass der Neugeist die Begriffe "Selbstbewusstsein" und "Selbstsicherheit" wie Synonyme gebraucht ist kein Zufall.
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Helmut III.
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Re: Hat der Mensch eine Meinung?

Beitragvon Helmut III. » Di 16. Apr 2013, 21:49

Max73 » Di 16. Apr 2013, 18:14 hat geschrieben:In den allermeisten Fällen: Nein.

Meinung ist nur höchst selten Folge ausreichender Anstrengungen des Geistes und der Seele.

Es wird nur nach- gedacht, was andere längst vor-gedacht und dem Meinungskonsumenten mundgerecht serviert haben. Der Meinung fehlt dann das "Mein".

Die Rezeptoren des Einzelnen sind unterschiedlich ausgeprägt. Der eine reagiert auf diesen Außenreflex so, der andere auf jenen anders.

Meinungsbildung ist im Regelfall nur Folge pawlowscher Reflexe.

Gerade jene, die das bei sich selbst am meisten, offensten und vehementesten ausschließen, sind dem Mechanismus am deutlichsten verfallen, weil ihnen die Fähigkeit zur bewussten und annähernd objektiven Selbstreflexion fehlt.

Ist diese Fähigkeit vorhanden und dauerhaft geübt worden, dann neigt man eher dazu, diese Muster bei sich selbst zu erkennen, statt primär beim anderen, auf den nur projiziert wird.

Selbstbewusstsein macht demütig.

Dass der Neugeist die Begriffe "Selbstbewusstsein" und "Selbstsicherheit" wie Synonyme gebraucht ist kein Zufall.



Der Mensch kann gar nicht ständig sich eine Meinung bilden, indem der intensiv nachdenkt und alles reflektiert. Der Mensch um seinen Alltag gestalten, dafür bleibt keine Zeit. Außerdem würde dies unser Hirn total überfordern.
Jedoch sind schon viele Menschen anfällig von Meinungsmachern, ohne das sie darüber nachdenken, ob dies so alles richtig ist, was dieser sagt. Sie können nicht trennen, wenn es sich lohnt sich intensiv eine Meinung bilden und wann nicht.
Selbstbewusstsein macht in Verbindung mit Selbstsicherheit überlegen. Ohne Selbstsicherheit macht es Arrogant und jeder hat ein Recht auf meiner Meinung.
Zuletzt geändert von Helmut III. am Di 16. Apr 2013, 21:50, insgesamt 1-mal geändert.
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Re: Hat der Mensch eine Meinung?

Beitragvon pittbull » Di 16. Apr 2013, 22:10

Max73 » Di 16. Apr 2013, 19:14 hat geschrieben:In den allermeisten Fällen: Nein.

Meinung ist nur höchst selten Folge ausreichender Anstrengungen des Geistes und der Seele.

Es wird nur nach- gedacht, was andere längst vor-gedacht und dem Meinungskonsumenten mundgerecht serviert haben.

Trotzdem mixen sich viele aus dem Wust vorkonfektionierter Meinungen ihren eigenen Cocktail zusammen. Aber sicherlich gibt es auch welche, die irgendeine fixe Ideologie unreflektiert übernehmen.

Edit: besonders krass finde ich die hundertprozentige Übernahme politischer Haltungen, die besonders verquer und inkonsistent sind. Beispiel: Antideutsche. http://de.wikipedia.org/wiki/Antideutsche
Zuletzt geändert von pittbull am Di 16. Apr 2013, 22:16, insgesamt 1-mal geändert.
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Re: Hat der Mensch eine Meinung?

Beitragvon Quatschki » Di 16. Apr 2013, 22:31

Relevant sind doch nur jene Meinungen oder Ansichten, die als Grundlage für konkrete persönliche Entscheidungen dienen müssen und dann auch Konsequenzen zur Folge haben.
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Re: Hat der Mensch eine Meinung?

Beitragvon Sri Aurobindo » Mi 17. Apr 2013, 13:00

Max73 » Di 16. Apr 2013, 18:14 hat geschrieben:In den allermeisten Fällen: Nein.

Meinung ist nur höchst selten Folge ausreichender Anstrengungen des Geistes und der Seele.

Es wird nur nach- gedacht, was andere längst vor-gedacht und dem Meinungskonsumenten mundgerecht serviert haben. Der Meinung fehlt dann das "Mein".

Die Rezeptoren des Einzelnen sind unterschiedlich ausgeprägt. Der eine reagiert auf diesen Außenreflex so, der andere auf jenen anders.

Meinungsbildung ist im Regelfall nur Folge pawlowscher Reflexe.

Gerade jene, die das bei sich selbst am meisten, offensten und vehementesten ausschließen, sind dem Mechanismus am deutlichsten verfallen, weil ihnen die Fähigkeit zur bewussten und annähernd objektiven Selbstreflexion fehlt.

Ist diese Fähigkeit vorhanden und dauerhaft geübt worden, dann neigt man eher dazu, diese Muster bei sich selbst zu erkennen, statt primär beim anderen, auf den nur projiziert wird.

Selbstbewusstsein macht demütig.

Dass der Neugeist die Begriffe "Selbstbewusstsein" und "Selbstsicherheit" wie Synonyme gebraucht ist kein Zufall.


Ich würde behaupten, ich habe eine sehr ausgeprägte eigene Meinung.
http://www.amazon.de/Das-Nat%C3%BCrlich ... B00BLMD120
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Re: Hat der Mensch eine Meinung?

Beitragvon Platon » Mi 17. Apr 2013, 18:07

Max73 » Di 16. Apr 2013, 19:14 hat geschrieben:In den allermeisten Fällen: Nein.

Meinung ist nur höchst selten Folge ausreichender Anstrengungen des Geistes und der Seele.

Es wird nur nach- gedacht, was andere längst vor-gedacht und dem Meinungskonsumenten mundgerecht serviert haben. Der Meinung fehlt dann das "Mein".

Die Rezeptoren des Einzelnen sind unterschiedlich ausgeprägt. Der eine reagiert auf diesen Außenreflex so, der andere auf jenen anders.

Meinungsbildung ist im Regelfall nur Folge pawlowscher Reflexe.

Gerade jene, die das bei sich selbst am meisten, offensten und vehementesten ausschließen, sind dem Mechanismus am deutlichsten verfallen, weil ihnen die Fähigkeit zur bewussten und annähernd objektiven Selbstreflexion fehlt.

Ist diese Fähigkeit vorhanden und dauerhaft geübt worden, dann neigt man eher dazu, diese Muster bei sich selbst zu erkennen, statt primär beim anderen, auf den nur projiziert wird.

Selbstbewusstsein macht demütig.

Dass der Neugeist die Begriffe "Selbstbewusstsein" und "Selbstsicherheit" wie Synonyme gebraucht ist kein Zufall.

Meinung ist ja nur eine Form des Wissens. Des für wahr und richtig halten. Was aber gesagt werden und als wahr behauptet werden kann bestimmt der Diskurs bzw. die darin wirksamen Machtstrukturen.
Diskursanalyse in Anlehnung an Foucault

Dominique Maingueneau, Vertreter einer linguistischen Diskursanalyse in Frankreich beschreibt vier Charakteristika einer an Foucault angelehnten Diskursanalyse:

- Ort: historischer, sozialer, kultureller Ausgangspunkt einer Serie ähnlicher Aussagen, der "Ort des legitimen Sprechens" (Institutionalisierung eines Sachverhaltes z. B. Wahnsinn im Rahmen der Psychiatrie). Der Ort ist eng mit Macht verbunden, da es sich dabei zumeist auch um einen Platz handelt, "den ein Subjekt einnehmen muss, wenn es im Rahmen eines Diskurses etwas sagen will, das als Wahrheit gelten soll".
- Einschreibung: Äußerungen werden erst zu Aussagen durch die Wiederholung ähnlicher Äußerungen, denn durch Wiederholung generieren die miteinander verbundenen Aussagen ein Ordnungsschema bzw. eine diskursive Regelmäßigkeit.
- Grenzen und Interdiskurse: Ein Diskurs zeichnet sich immer auch durch seine Beschränkungen aus, d.h. durch Verbote, Ausgrenzungen (des Sagbaren, Sichtbaren), zugleich zeigen sich auch immer Verbindungen zu anderen Diskursen z. B. durch Kollektivsymbole (=diskursive Elemente, die zu einer bestimmten Zeit in vielen Diskursen vorkommen, sie dienen als Quelle von Evidenz und Deutbarkeit).
- Archiv: Die drei vorangegangenen Elemente konstruieren das Archiv. "Auf Basis dieses Archivs erst kann man dann inhaltliche Aussagen darüber machen, wie Diskurse die soziale Welt des Bezeichneten in ihrer historischen Spezifität hervorbringen."

http://de.wikipedia.org/wiki/Diskursana ... n_Foucault
http://de.wikipedia.org/wiki/Michel_Fou ... _Foucaults
http://de.wikipedia.org/wiki/Die_Ordnung_des_Diskurses

Die Annahme oder Erkenntnis, dass Wissen und damit auch das eigene Wissen durch äußerliche soziale Strukturen geprägt ist, befreit einen allerdings nicht davon fortwährend eigene Aussagen zu treffen sondern gibt ein Instrument zur kritischen Reflexion und zur Analyse von Diskursen. (vor allem historische, religiöse und politische Debatten sind so sehr gut zu entschlüsseln)
pittbull

Re: Hat der Mensch eine Meinung?

Beitragvon pittbull » Mi 17. Apr 2013, 18:36

Platon » Mi 17. Apr 2013, 19:07 hat geschrieben:Meinung ist ja nur eine Form des Wissens. Des für wahr und richtig halten. Was aber gesagt werden und als wahr behauptet werden kann bestimmt der Diskurs bzw. die darin wirksamen Machtstrukturen.

Das gilt aber nicht generell. In diktatorischen Systemen vielleicht, in denen es lebensgefährlich sein kann, gewisse Wahrheiten auszusprechen. Hierzulande ist die Nennung jeder (verifizierbaren) Wahrheit völlig unproblematisch.
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Platon
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Re: Hat der Mensch eine Meinung?

Beitragvon Platon » Mi 17. Apr 2013, 19:27

pittbull » Mi 17. Apr 2013, 19:36 hat geschrieben:Das gilt aber nicht generell. In diktatorischen Systemen vielleicht, in denen es lebensgefährlich sein kann, gewisse Wahrheiten auszusprechen. Hierzulande ist die Nennung jeder (verifizierbaren) Wahrheit völlig unproblematisch.

Es geht nicht allein um Diktatur oder nicht, überall gibt es Vorgaben was als wahr behauptet wird. Allein dein Zusatz "verifizierbar" zieht bereits eine Grenze dessen was als wahr gelten kann.

Kann ich heutzutage in diesem Forum behaupten, dass der Anschlag in Boston eine Strafe Gottes war und wird dies dann als möglicherweise wahre Aussage anerkannt? - Nein.

Kann ich heutzutage in radikal-religiösen Kreisen diese Aussage machen und wird dies dann als Wahrheit anerkannt? - Möglicherweise.

Im zitierten Text steht: "Ein Diskurs zeichnet sich immer auch durch seine Beschränkungen aus, d.h. durch Verbote, Ausgrenzungen (des Sagbaren, Sichtbaren)" - das ist genau das. Es kann natürlich entsprechende Machtstrukturen geben, welche offenbar politisch sind. So kann ich in der Islamischen Republik Iran nicht öffentlich laut und deutlich behaupten, dass Israel total super ist ohne sofort bestraft zu werden.

Ein weiteres Beispiel was mir auf Anhieb einfällt wäre der Fall Sven Kalisch. Dieser war der erste offiziell akademisch anerkannte islamische Theologe und Professor zur Ausbildung für islamische Religionslehrer. Er hatte die grandiose Idee in seinen Forschungsergebnissen die Existenz von Mohammed zu bezweifeln und andere radikalkritische Thesen aufzustellen, was dann seiner Karriere als Ausbilder von islamischen Religionslehrern ein recht schnelles Ende setzte. Hier wird sozusagen von der anderen Seite eine Grenze gezogen, dass jemand durch Aussagen außerhalb des anerkannten Rahmens aus den entsprechenden Diskursen ausgeschlossen und 'nicht mehr ernst genommen wird'.

Es sind genau diese Machtstrukturen, diese Ausgrenzungsmechanismen welche Foucault beschreibt.

Ein sehr anschauliches Beispiel wie sich Wissen historisch entwickelt liefert er mit dem Beispiel der Vorstellung des Wahnsinns:
Foucault beschreibt, wie der Wahnsinnige sich von einem akzeptierten, integrierten Teil der gesellschaftlichen Ordnung zu einer Person entwickelte, die eingeschlossen und ausgeschlossen werde: „Deshalb kann man sagen, daß Wahnsinn vom Mittelalter bis zur Renaissance innerhalb des gesellschaftlichen Horizonts als ästhetische oder weltliche Tatsache vorhanden war; im siebzehnten Jahrhundert dann folgte eine Phase des Schweigens und des Ausschlusses, die mit der Einsperrung der Wahnsinnigen begann. […] Das zwanzigste Jahrhundert schließlich zügelt den Wahnsinn, reduziert ihn auf eine Naturerscheinung, die zur Wahrheit der Welt in Verbindung steht. Von dieser positivistischen Einstellung leiten sich sowohl die irregeleitete Philanthropie ab, mit der sich die gesamte Psychiatrie dem Geisteskranken nähert, als auch der lyrische Protest dagegen[.]“

http://de.wikipedia.org/wiki/Michel_Fou ... sellschaft
Zuletzt geändert von Platon am Mi 17. Apr 2013, 19:31, insgesamt 3-mal geändert.
Cetnik

Re: Hat der Mensch eine Meinung?

Beitragvon Cetnik » Mi 17. Apr 2013, 19:37

wenige Menschen haben den Mut dazu sich eine ehrliche meinung zu recht zu legen damit meine ich vorallem die "Gutmenschen" und "Moralapostel" die es auch hier im forum mehr als genug gibt.
Ihre meinung passt sich der jeweiigen zeit an in der wir leben hätten diese menschen vor 70 jahren gelebt wären es auch die größten getreuen eines göbbels und hitler
da sie zur heutigen zeit leben sind sie halt die liberal eingestelten gutmenschen das sind leute die einfach nicht den mut dazu haben sich eine EIGENE meinung zu formen
Beispiesweiße würde ich sagen der beste weg sich einen staat aufzubauen ist der Nationalsozialissmus, das ist ein zusammen gehörigkeits gefühl, etwas was man jeden tag lebt. meiner meinung nach war das Dritte Reich der absolut vollkommene staat, wenn man die verbrechen bzw den krieg weglässt.
Was für deutsche schwer zu verstehen ist, ist folgendes: Die regierungsform hat nichts mit den verbrechen des regimes zu tuhen Stalin z.b. war komunist und hat millionen von menschen umgebracht die USA sind eine demokratie und töten heute jährlich zehn-hunderttausende
was ich damit sagen will: nur wei das einzige NS regime das es in deutschland gab verbrechen begangen hat muss es nicht sein das sowas unter Nationasoziaismus immer geschieht die verbrechen eines staates haben nicht mit der regierungsform zu tuhen und nationalstoz hat nichts mit irgendwelchen verbrechen zu tuhen nur weil zufälig das einzige verbrecher regime in deutschland ein NS regime war könnt ihr deutschen es nicht verstehen dass Nationasoziaismus nicht gleich Mord beudeuten muss
Officer Barbrady
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Re: Hat der Mensch eine Meinung?

Beitragvon Officer Barbrady » Mi 17. Apr 2013, 19:58

Max73 » Di 16. Apr 2013, 18:14 hat geschrieben:In den allermeisten Fällen: Nein.

Meinung ist nur höchst selten Folge ausreichender Anstrengungen des Geistes und der Seele.

Es wird nur nach- gedacht, was andere längst vor-gedacht und dem Meinungskonsumenten mundgerecht serviert haben. Der Meinung fehlt dann das "Mein".

Die Rezeptoren des Einzelnen sind unterschiedlich ausgeprägt. Der eine reagiert auf diesen Außenreflex so, der andere auf jenen anders.

Meinungsbildung ist im Regelfall nur Folge pawlowscher Reflexe.

Gerade jene, die das bei sich selbst am meisten, offensten und vehementesten ausschließen, sind dem Mechanismus am deutlichsten verfallen, weil ihnen die Fähigkeit zur bewussten und annähernd objektiven Selbstreflexion fehlt.

Ist diese Fähigkeit vorhanden und dauerhaft geübt worden, dann neigt man eher dazu, diese Muster bei sich selbst zu erkennen, statt primär beim anderen, auf den nur projiziert wird.

Selbstbewusstsein macht demütig.

Dass der Neugeist die Begriffe "Selbstbewusstsein" und "Selbstsicherheit" wie Synonyme gebraucht ist kein Zufall.


Das ist mir zu simpel. Das schöne an einer Meinung ist doch, dass sie an keinerlei Konditionen geknüpft ist. Sie setzt keine Erkenntnis voraus, ist rein subjektiv, womit wir die eigentliche Frage ob es so etwas wie "gesicherte Erkenntnis" überhaupt gibt elegant umgehen können...
Zuletzt geändert von Officer Barbrady am Mi 17. Apr 2013, 20:01, insgesamt 2-mal geändert.
Leute, hört auf das, was der kleine grüne Mann euch sagt!

http://m.youtube.com/watch?v=BQ4yd2W50No
HugoBettauer

Re: Hat der Mensch eine Meinung?

Beitragvon HugoBettauer » Fr 26. Apr 2013, 06:13

Einen vorgeschlagenen Gedanken kann man sich aneignen oder zurückweisen, wie man auch eigene Ideen weiterverfolgen oder verwerfen kann. Diese autonome Geistesleistung ist die Grundlage von Meinungen. Es gibt Meinungen.
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Cerberus
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Re: Hat der Mensch eine Meinung?

Beitragvon Cerberus » Sa 27. Apr 2013, 12:45

Es ist längst mit etlichen Studien erwiesen, das etwa 9 von 10 Menschen mehr oder weniger blind der Herde, bzw. einem Leader folgen. Bei Tieren, beim Affen z.B., ist es gegenteilig. Bei denen ist es dann etwa jeder 10te, der neues Verhalten eines anderen kopiert, womit deren Entwicklung entsprechend langsamer verläuft.

Das (die Nachahmung, besser: das schnelle Nachäffen von neuem) ist der Erfolgsgarant des Menschen gewesen. So war und ist es immer möglich, dass einer etwas vorteilhaftes ersinnt, oder macht, was die anderen gerne übernehmen. Auf diese Weise wird schnell und viel Wissen konserviert und weitergegeben, auf welches dann erneut von einem einzelnen etwas aufgebaut werden kann, was dann die Massen wieder übernehmen usw.

Bsp. Ein Affe folgt freilich, instinktiv, seiner Gruppe und sucht Zusammenhalt, aber wenn er sich vor ein Problem gestellt sieht, dann sucht dieser (mehrheitlich) immer selbst nach seiner eigenen Logik eine Lösung. Neben ihm könnte einer sein, der vor dem gleichen Problem steht, der dies löst und doch würden die meisten Affen das nicht übernehmen, sondern es weiter nach eigenen Gedanken zu lösen suchen - eben, bei denen übernimmt nur etwa jeder zehnte dann doch das, was ein anderer vorgemacht hat. Erst wenn man es der Masse der Affen immer und immer wieder zeigt, wie ein Problem am schnellsten zu lösen ist, übernimmt es nach und nach die Mehrheit.

Würden Menschen aber vor einem Problem stehen und einen anderen sehen, wie der dieses löst, dann werden sofort 9 von 10 Menschen diese Lösung übernehmen und nur einer wird selbstständig weiter nach einer eigenen Lösung suchen.

Wenn man so will:

A: Der normale Mensch, hat keine eigene Meinung - er ahmt sie nur nach

B: Der Mensch, der eher noch wie ein Affe tickt - er hat eine eigene Meinung

Der A-Mensch, ist der moderne Mensch, der unser Wissen speichert
Der B-Mensch ist der Ur-Mensch, der trotz vorhandenem Wissen von anderen, weiter nach eigenem Wissen sucht - wobei, dann und wann, eben immer wieder auch neue Lösungen vorkommen, die besser sind, als die bisherigen, die nun abermals von den B-Menschen übernommen und "gespeichert" werden können.

Ein A-Mensch kommt gut in der Gemeinschaft zurecht und kann als Arbeitskraft überall eingesetzt werden: er hat keine eigene Meinung.

Ein B-Mensch kann kaum Freunde haben. Allenfalls Gegner und Folgende. Er taugt nur zum Führer, oder Tagedieb; Manager oder Penner, sind seine Optionen: er hat nur seine eigene Meinung.

Aus Sicht der guten Natur ist das genial. Die A-Menschen können immer und überall eingesetzt werden, jeder nach seiner Leistungsstärke. Die B-Menschen, von denen entweder unnützes kommt (wenn sie schwach sind), oder geniales, was der Gesellschaft von Nutzen wäre, werden streng aussortiert - eben dadurch, dass die (die in der Logik der Gesellschaft unnütz sind) in der Gosse landen und die, (die in den Augen der Gesellschaft nützlich sind) zu Königen erhoben werden.

Das Problem, aus "menschlicher" Sicht:

Die B-Menschen, die wirklich zur Führung erkoren werden, sind die stärksten von allen, haben aber das Wesen von Tieren. Sie haben keine Freunde - sie denken nicht an die Gemeinschaft (wie z.B. A-Menschen) und unterwerfen sich rigoros alles ihrem Willen, was nur zu unterwerfen ist. Direkt unter sich scharen diese sich nun aber nicht andere B-Menschen, sondern A-Menschen, die ihnen wie die Schafe folgen - welche wie ein Schutzschirm wirken, sodass dem Führer kein anderer B-Mensch zu nahe kommen kann.

Aber das ist jetzt nur meine Meinung. :)
Dirk Müller zum Thema Ukraine/Krim: https://www.youtube.com/watch?v=K_YWdaQhRU4
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Re: Hat der Mensch eine Meinung?

Beitragvon Officer Barbrady » Sa 27. Apr 2013, 13:33

SoleSurvivor » Fr 26. Apr 2013, 06:13 hat geschrieben:Einen vorgeschlagenen Gedanken kann man sich aneignen oder zurückweisen, wie man auch eigene Ideen weiterverfolgen oder verwerfen kann. Diese autonome Geistesleistung ist die Grundlage von Meinungen. Es gibt Meinungen.


Sehr richtig. Möchte noch hinzufügen, der Mensch hat gar nicht die Möglichkeit sich mit allen Themen die in betreffen könnten intensiv auseinanderzusetzen, dazu reicht schlicht die Lebenszeit nicht aus, wenn wir daneben noch schlafen und arbeiten müssen.

Also kommt dem Journalismus eine entscheidende Rolle bei der Filterung und Zusammenfassung von Informationen zu. Der Leser schließt sich dem dann entweder an, sofern es ihm schlüssig erscheint und/oder mit seiner eigenen Lebenserfahrung übereinstimmt, oder lehnt die aufgeworfene These ab. Diese Freiheit haben wir dann immer noch.

Natürlich besteht da immer die Gefahr der Manipulation, aber die lässt sich eben nicht vollständig ausschließen, da wir nicht jede These, jede Behauptung auf ihre Validität hin überprüfen können bzw. es überhaupt an der Validierbarkeit fehlen kann.

Qualitätsjournalismus zeichnet sich eben dadurch aus, dass deren Berichterstattung eine gewisse Fundierung hat, dass Artikel gründlich recherchiert sind und der betreffende Journalist Ahnung von dem hat, was er schreibt.

Wenn das der Fall ist, dann ist es keine Schande sich der Meinung eines Journalisten anzuschließen...das hat nichts mit Herdenverhalten oder so zu tun, wie unser Kulturpessimist hier zu glauben scheint...
Zuletzt geändert von Officer Barbrady am Sa 27. Apr 2013, 13:47, insgesamt 6-mal geändert.
Leute, hört auf das, was der kleine grüne Mann euch sagt!

http://m.youtube.com/watch?v=BQ4yd2W50No
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Re: Hat der Mensch eine Meinung?

Beitragvon Max73 » Sa 27. Apr 2013, 15:40

SoleSurvivor » Fr 26. Apr 2013, 07:13 hat geschrieben:Einen vorgeschlagenen Gedanken kann man sich aneignen oder zurückweisen, wie man auch eigene Ideen weiterverfolgen oder verwerfen kann. Diese autonome Geistesleistung ist die Grundlage von Meinungen. Es gibt Meinungen.

Das, was Du eigene Ideen nennst, gibt es nicht.
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Re: Hat der Mensch eine Meinung?

Beitragvon Cerberus » Sa 27. Apr 2013, 15:47

Max73 » Sa 27. Apr 2013, 15:40 hat geschrieben:Das, was Du eigene Ideen nennst, gibt es nicht.
Ganz genau genommen nicht, nein.
Dirk Müller zum Thema Ukraine/Krim: https://www.youtube.com/watch?v=K_YWdaQhRU4
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Re: Hat der Mensch eine Meinung?

Beitragvon Belsazar » So 26. Mai 2013, 09:54

[...]
Zuletzt geändert von Amun Ra am Di 25. Jun 2013, 08:12, insgesamt 1-mal geändert.
Grund: ad personam & wirres Geschreibe
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Re: Hat der Mensch eine Meinung?

Beitragvon Max73 » Mo 27. Mai 2013, 15:23

Officer Barbrady » Sa 27. Apr 2013, 14:33 hat geschrieben:
Sehr richtig. Möchte noch hinzufügen, der Mensch hat gar nicht die Möglichkeit sich mit allen Themen die in betreffen könnten intensiv auseinanderzusetzen, dazu reicht schlicht die Lebenszeit nicht aus, wenn wir daneben noch schlafen und arbeiten müssen.

Das ist auch gar nicht der Punkt.
Bei diesen Themen sollte er sich dann aber ein wenig zurückhalten und sich der Begrenztheit der eigenen Haltung/Meinung bewusst sein.
Manche Leute führen aufgrund solcher Meinungen aber Kriege.
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Re: Hat der Mensch eine Meinung?

Beitragvon Max73 » Sa 3. Aug 2013, 20:44

Cerberus » Sa 27. Apr 2013, 13:45 hat geschrieben:Es ist längst mit etlichen Studien erwiesen, das etwa 9 von 10 Menschen mehr oder weniger blind der Herde, bzw. einem Leader folgen. Bei Tieren, beim Affen z.B., ist es gegenteilig. Bei denen ist es dann etwa jeder 10te, der neues Verhalten eines anderen kopiert, womit deren Entwicklung entsprechend langsamer verläuft.

Das (die Nachahmung, besser: das schnelle Nachäffen von neuem) ist der Erfolgsgarant des Menschen gewesen. So war und ist es immer möglich, dass einer etwas vorteilhaftes ersinnt, oder macht, was die anderen gerne übernehmen. Auf diese Weise wird schnell und viel Wissen konserviert und weitergegeben, auf welches dann erneut von einem einzelnen etwas aufgebaut werden kann, was dann die Massen wieder übernehmen usw.

Bsp. Ein Affe folgt freilich, instinktiv, seiner Gruppe und sucht Zusammenhalt, aber wenn er sich vor ein Problem gestellt sieht, dann sucht dieser (mehrheitlich) immer selbst nach seiner eigenen Logik eine Lösung. Neben ihm könnte einer sein, der vor dem gleichen Problem steht, der dies löst und doch würden die meisten Affen das nicht übernehmen, sondern es weiter nach eigenen Gedanken zu lösen suchen - eben, bei denen übernimmt nur etwa jeder zehnte dann doch das, was ein anderer vorgemacht hat. Erst wenn man es der Masse der Affen immer und immer wieder zeigt, wie ein Problem am schnellsten zu lösen ist, übernimmt es nach und nach die Mehrheit.

Würden Menschen aber vor einem Problem stehen und einen anderen sehen, wie der dieses löst, dann werden sofort 9 von 10 Menschen diese Lösung übernehmen und nur einer wird selbstständig weiter nach einer eigenen Lösung suchen.

Wenn man so will:

A: Der normale Mensch, hat keine eigene Meinung - er ahmt sie nur nach

B: Der Mensch, der eher noch wie ein Affe tickt - er hat eine eigene Meinung

Der A-Mensch, ist der moderne Mensch, der unser Wissen speichert
Der B-Mensch ist der Ur-Mensch, der trotz vorhandenem Wissen von anderen, weiter nach eigenem Wissen sucht - wobei, dann und wann, eben immer wieder auch neue Lösungen vorkommen, die besser sind, als die bisherigen, die nun abermals von den B-Menschen übernommen und "gespeichert" werden können.

Ein A-Mensch kommt gut in der Gemeinschaft zurecht und kann als Arbeitskraft überall eingesetzt werden: er hat keine eigene Meinung.

Ein B-Mensch kann kaum Freunde haben. Allenfalls Gegner und Folgende. Er taugt nur zum Führer, oder Tagedieb; Manager oder Penner, sind seine Optionen: er hat nur seine eigene Meinung.

Aus Sicht der guten Natur ist das genial. Die A-Menschen können immer und überall eingesetzt werden, jeder nach seiner Leistungsstärke. Die B-Menschen, von denen entweder unnützes kommt (wenn sie schwach sind), oder geniales, was der Gesellschaft von Nutzen wäre, werden streng aussortiert - eben dadurch, dass die (die in der Logik der Gesellschaft unnütz sind) in der Gosse landen und die, (die in den Augen der Gesellschaft nützlich sind) zu Königen erhoben werden.

Das Problem, aus "menschlicher" Sicht:

Die B-Menschen, die wirklich zur Führung erkoren werden, sind die stärksten von allen, haben aber das Wesen von Tieren. Sie haben keine Freunde - sie denken nicht an die Gemeinschaft (wie z.B. A-Menschen) und unterwerfen sich rigoros alles ihrem Willen, was nur zu unterwerfen ist. Direkt unter sich scharen diese sich nun aber nicht andere B-Menschen, sondern A-Menschen, die ihnen wie die Schafe folgen - welche wie ein Schutzschirm wirken, sodass dem Führer kein anderer B-Mensch zu nahe kommen kann.

Aber das ist jetzt nur meine Meinung. :)

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Re: Hat der Mensch eine Meinung?

Beitragvon Shlabotnik » Mo 5. Aug 2013, 21:00

Max73 » Di 16. Apr 2013, 18:14 hat geschrieben:In den allermeisten Fällen: Nein.

Meinung ist nur höchst selten Folge ausreichender Anstrengungen des Geistes und der Seele.

Es wird nur nach- gedacht, was andere längst vor-gedacht und dem Meinungskonsumenten mundgerecht serviert haben. Der Meinung fehlt dann das "Mein".

Die Rezeptoren des Einzelnen sind unterschiedlich ausgeprägt. Der eine reagiert auf diesen Außenreflex so, der andere auf jenen anders.

Meinungsbildung ist im Regelfall nur Folge pawlowscher Reflexe.

Gerade jene, die das bei sich selbst am meisten, offensten und vehementesten ausschließen, sind dem Mechanismus am deutlichsten verfallen, weil ihnen die Fähigkeit zur bewussten und annähernd objektiven Selbstreflexion fehlt.

Ist diese Fähigkeit vorhanden und dauerhaft geübt worden, dann neigt man eher dazu, diese Muster bei sich selbst zu erkennen, statt primär beim anderen, auf den nur projiziert wird.

Selbstbewusstsein macht demütig.

Dass der Neugeist die Begriffe "Selbstbewusstsein" und "Selbstsicherheit" wie Synonyme gebraucht ist kein Zufall.


Nun ist "Meinung" ja ein recht vielschichtiger Begriff. Es gibt die politische Meinung, daneben gibt es Meinungen zu Themen der Wissenschaft, Meinungen zu religiösen Themen, zu Weltanschauungen, Philosophie usw.

Eine Anekdote fiel mir dazu ein, ich war schon in Grundschulzeiten mathematisch recht interessiert. Als wir das schriftliche Dividieren durchnahmen, war ich krank, und eine Zeitlang im Krankenhaus. Ich bekam einen Lehrer, der mir unter anderem das schriftliche Dividieren beibrachte.

Ich weiß noch, dass ich aber eine Weile auf meinem eigenen "System" beharrte. Letztendlich hatte mein Lehrer freilich "Recht" und mein "System" war freilich nicht sinnvoll. Aber ich hatte mir eine eigene Herangehensweise auch an mathematische Dinge angeeignet (was mir später bis ins Studium half).

Heute befasse ich mich hobbymäßig gerne mit linguistischen Themen (da werden manche meiner Thesen freilich auch abgelehnt, aber was soll's?). Natürlich habe ich partiell auch Meinungen, die wiederum von anderen auch vertreten werden.
Ich suche nicht krampfhaft nach "eigenen" Meinungen da, wo mir die von anderen sinnvoll erscheinen. Aber es gibt sicherlich den einen oder anderen Punkt, wo es mir wichtiger ist, dass es mir selber einleuchtet (egal, wie unsinnig das dem Mainstream auch erscheinen mag).

J.S.
Виден сокол по полёту.
Kavenzmann

Re: Hat der Mensch eine Meinung?

Beitragvon Kavenzmann » Mi 7. Aug 2013, 20:46

Platon » Mittwoch 17. April 2013, 19:07 hat geschrieben:Meinung ist ja nur eine Form des Wissens. Des für wahr und richtig halten.

Nach Sokrates ist die "Meinung" (δὀξα) ein Scheinwissen und somit schlimmer als Nichtwissen!

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