Was kommt nach Assad?

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NMA
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Was kommt nach Assad?

Beitragvon NMA » So 19. Aug 2018, 11:15

Assad ist tod, es lebe Assad?

Dieser Strang lehnt sich schon an den großen "Wie weiter mit Syrien?" an. Aber vielleicht ist hier ja eine Fokussierung auf eine konkrete Nachkriegsordnung möglich und geboten.

Besonders vielleicht dann, wenn ich harsch provoziere und frage, ob es eine erfolgversprechende Alternative zu Assad gibt.

Da sich an vielen unmenschlichen Phänomenen in diesem hochkomplexen Krieg keine Person festmachen lässt, da sich dieser Krieg eigentlich nur mit Assad personalisieren lässt, liegt es auf der Hand, ihn als den schlimmsten Kriegsverbrecher des jungen 21. Jhd. zu bezeichnen. Seine Folterkeller, in welchen er wohl Zigtausende syrische Staatsbürger grausam ermorden und krepieren lässt, ist hierbei nur einer von vielen Aspekten.

Viele sagen verständlicherweise, dass es mit Assad keinen Frieden geben kann, ich auch. Aber eine Alternative gibt es auch nicht. Denn dieses aufgescheuchte Wespennest, in welchen es nur weiteren Mord&Totschlag geben kann, sobald der gemeinsame Feind verschwindet (hypothetisch, da das sowieso kaum erreicht werden wird), wird nicht zur Ruhe gebracht werden können. Alle werden zumindest über jene Leute herfallen (z. B. Minderheiten wie Christen oder Drusen), die jetzt wohl oder übel in Assads Schutzgebieten halbwegs sicher leben können. Minderheiten, für die es schon immer ungemütlich war. Kaum einer liebt ihn, aber die meisten fürchten ihn wohl und fürchten sicher das Ende seines "Schutzes ".

Assad würde ein Machtvakuum hinterlassen, welches kaum auszufüllen ist. Und ich wage zu bezweifeln, dass in einem Land, in welchem nun schon eine hungernde Generation heranwächst, die nichts anderes als Krieg kennt, sich irgendwelche demokratischen Wege gehen lassen, um das Land zu befrieden. Nicht von innen und schon gar nicht von außen.

Braucht es eine autoritäre Lösung, um Syrien wieder zu stabilisieren? Wer ist dann eine bessere Lösung als Assad, der wenigstens einen Teil der Menschen dort hinter sich weiß, wenn auch mehr aus Angst als aus Zustimmung? Assad ist keine Lösung!? Kein Assad aber auch nicht!?

Funktionieren nur territoriale Neuansätze? Wer bringt diese dann zustande?
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Re: Was kommt nach Assad?

Beitragvon Sole.survivor@web.de » So 19. Aug 2018, 11:20

Die Regierung um Assad hat Mitarbeiter und Stellvertreter, sie ist auch mit der restlichen Familie verbandelt.
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Re: Was kommt nach Assad?

Beitragvon DarkLightbringer » So 19. Aug 2018, 11:44

Die Konservierung der Assad-Dynastie ist eine Interimslösung iranischer Interessen. Das bedeutet im Grunde - nach dem Krieg ist vor dem Krieg.
Die Endlösung in Perspektive der Terroristen ist die komplette Vertreibung westlicher Mächte und ihrer Verbündeten und das Konzept des Heiligen Krieges.

Es geht also weniger um eine Begrenzung auf Syrien, sondern eher um den gesamten Nahen Osten. Syrien ist als Aufmarschgebiet gedacht, um die iranische Hegemonie zu festigen und weitere "Syriens" zu schaffen, etwa im Jemen.
Wir als internationale Gemeinschaft stehen damit vor dem Abgrund eines größeren Krieges.

Lösungsansatz: Skalierung der internationalen Anti-Terror-Allianz und Eindämmung der IR Iran.
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Re: Was kommt nach Assad?

Beitragvon Audi » So 19. Aug 2018, 11:54

DarkLightbringer hat geschrieben:(19 Aug 2018, 12:44)

Die Konservierung der Assad-Dynastie ist eine Interimslösung iranischer Interessen. Das bedeutet im Grunde - nach dem Krieg ist vor dem Krieg.
Die Endlösung in Perspektive der Terroristen ist die komplette Vertreibung westlicher Mächte und ihrer Verbündeten und das Konzept des Heiligen Krieges.

Es geht also weniger um eine Begrenzung auf Syrien, sondern eher um den gesamten Nahen Osten. Syrien ist als Aufmarschgebiet gedacht, um die iranische Hegemonie zu festigen und weitere "Syriens" zu schaffen, etwa im Jemen.
Wir als internationale Gemeinschaft stehen damit vor dem Abgrund eines größeren Krieges.

Lösungsansatz: Skalierung der internationalen Anti-Terror-Allianz und Eindämmung der IR Iran.

Vergessen wir nicht, dass die Schergen Erdogans und Saudi, Katar als erstes dort ihre Söldner hatten. Der Iran und Russland haben massiv Partei ergriffen als die IS, Nusra vor Damaskus standen. Und man hat Damaskus erfolgreich verteidigt

Erdogan, Saudis usw müssen gehen. Die Ölfelder müssen der syrischen Regierung gegeben werden damit man das Land aufbauen kann. Politischer übergang in Damaskus
Zuletzt geändert von Audi am So 19. Aug 2018, 11:56, insgesamt 1-mal geändert.
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Re: Was kommt nach Assad?

Beitragvon H2O » So 19. Aug 2018, 11:56

DarkLightbringer hat geschrieben:(19 Aug 2018, 12:44)

Die Konservierung der Assad-Dynastie ist eine Interimslösung iranischer Interessen. Das bedeutet im Grunde - nach dem Krieg ist vor dem Krieg.
Die Endlösung in Perspektive der Terroristen ist die komplette Vertreibung westlicher Mächte und ihrer Verbündeten und das Konzept des Heiligen Krieges.

Es geht also weniger um eine Begrenzung auf Syrien, sondern eher um den gesamten Nahen Osten. Syrien ist als Aufmarschgebiet gedacht, um die iranische Hegemonie zu festigen und weitere "Syriens" zu schaffen, etwa im Jemen.
Wir als internationale Gemeinschaft stehen damit vor dem Abgrund eines größeren Krieges.

Lösungsansatz: Skalierung der internationalen Anti-Terror-Allianz und Eindämmung der IR Iran.


Sehen Sie Rußland in dem Sinne als westliche Macht?
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Re: Was kommt nach Assad?

Beitragvon DarkLightbringer » So 19. Aug 2018, 12:01

H2O hat geschrieben:(19 Aug 2018, 12:56)

Sehen Sie Rußland in dem Sinne als westliche Macht?

Derzeit nicht, im Nahen Osten schon gleich gar nicht. Moskau orientiert sich an der Gewährsmacht Iran.
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Re: Was kommt nach Assad?

Beitragvon King Kong 2006 » So 19. Aug 2018, 12:05

Assad ist nicht Syrien.

Hinter ihm stehen tausende Familien und deren Angehörige. Der Systemkampf gegen diese Struktur führte zum Erstarken des IS. Man darf nicht nur über Assad sprechen. Sondern um die Gesellschaft um ihn herum. Es ist nicht Assad gegen die syrische Bevölkerung. Es sind Bevölkerungsgruppen, die sich in Schnittmengen politisch, ethnisch und religiös z.T. feindlich gegenüberstehen. Assad ist das Aushängeschild der einen Gruppe, YPG der anderen, die IS-Führung der anderen, usw.. Assad mit seiner Gruppierung zu negieren wäre in etwas so, wie die Al-Sauds aus Saudi-Arabien herauszureissen. Es gibt ja nicht nur die Wahabiten dort. Da gehts rund. Wie geschehen in Syrien. Beim Versuch. Es gibt gute Gründe die Al-Sauds loszuwerden. Sie sind nicht der Staat. Aber niemand will dann das Chaos.

Nach Assads Tod werden wohl die Führungskräfte aus seiner "Gruppierung" ihn beerben. Denn dieser Teil der syrischen Bevölkerung bleibt ja bestehen.

Zunächst einmal ist der Kampf nicht vorbei. Die Rückeroberung Idlibs steht noch an. 30 000 - 40 000 IS-Kämpfer sollen noch in Syrien/Irak sein. Die Kurden werden sich auch nicht widerstandlos zurückziehen. Auch, wenn Trump sie schon wieder im Kontext der Türkei im Stich lässt. Zum Glück, aus kurdischer Sicht, sind die Beziehungen zwischen Trump und Erdogan gerade recht schlecht. Sonst wäre vermutlich noch mehr dahinsichtlich passiert.
Wenn man zuviel weiß, wird es immer schwieriger, einfache Entscheidungen zu treffen.
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Re: Was kommt nach Assad?

Beitragvon DarkLightbringer » So 19. Aug 2018, 12:09

Audi hat geschrieben:(19 Aug 2018, 12:54)

Vergessen wir nicht, dass die Schergen Erdogans und Saudi, Katar als erstes dort ihre Söldner hatten. Der Iran und Russland haben massiv Partei ergriffen als die IS, Nusra vor Damaskus standen. Und man hat Damaskus erfolgreich verteidigt

Erdogan, Saudis usw müssen gehen. Die Ölfelder müssen der syrischen Regierung gegeben werden damit man das Land aufbauen kann. Politischer übergang in Damaskus

Aus saudischer Sicht bilden just Katar, Iran und die Türkei das "Dreieck des Bösen".

http://www.spiegel.de/politik/ausland/w ... 00255.html
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Re: Was kommt nach Assad?

Beitragvon Audi » So 19. Aug 2018, 12:18

DarkLightbringer hat geschrieben:(19 Aug 2018, 13:09)

Aus saudischer Sicht bilden just Katar, Iran und die Türkei das "Dreieck des Bösen".

http://www.spiegel.de/politik/ausland/w ... 00255.html

Sprach der Saudi :D
Humor haben die Saudi, muss man denen lassen
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Re: Was kommt nach Assad?

Beitragvon DarkLightbringer » So 19. Aug 2018, 12:24

Audi hat geschrieben:(19 Aug 2018, 13:18)

Sprach der Saudi :D
Humor haben die Saudi, muss man denen lassen

Ich sitze im Westen, nicht nur fleischlich, auch inhaltlich. ;)

Und warum Humor ? Die strategische Annäherung zwischen Saudis und Israelis begründet sich tatsächlich und ganz wesentlich in dem Umstand, gemeinsame Feinde zu haben.
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Re: Was kommt nach Assad?

Beitragvon Ebiker » So 19. Aug 2018, 12:31

Sollte vor dem Bürgerkrieg nicht ein Referendum über die Zukunft Syriens stattfinden ? Assad versprach wohl sich an das Ergebnis zu halten, auch wenn es seine Abwahl bedeutet hätte. Die Glaubwürdigkeit sei mal dahingestellt, aber ist so etwas unter internationaler Aufsicht völlig unmöglich ? Ein zweites Irak kann wohl niemand ernstlich wollen.
Eines Tages werden Millionen Menschen die südliche Hemisphäre verlassen, um in der nördlichen Hemisphäre einzufallen. Und sie werden sie erobern, indem sie sie mit ihren Kindern bevölkern.
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Re: Was kommt nach Assad?

Beitragvon Audi » So 19. Aug 2018, 12:33

Ebiker hat geschrieben:(19 Aug 2018, 13:31)

Sollte vor dem Bürgerkrieg nicht ein Referendum über die Zukunft Syriens stattfinden ? Assad versprach wohl sich an das Ergebnis zu halten, auch wenn es seine Abwahl bedeutet hätte. Die Glaubwürdigkeit sei mal dahingestellt, aber ist so etwas unter internationaler Aufsicht völlig unmöglich ? Ein zweites Irak kann wohl niemand ernstlich wollen.

Als erstes müssen die Türken, USA, und andere Jihadisten raus. Dannach muss eine politische Lösung her und Putin hat dem Westen schon einmmal Assads Abgang angeboten. Was wäre wenn die Mehrheit Assad wählt? Da würden einige STaaten ihr Gesicht verleren
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Re: Was kommt nach Assad?

Beitragvon DarkLightbringer » So 19. Aug 2018, 12:35

Ebiker hat geschrieben:(19 Aug 2018, 13:31)

Sollte vor dem Bürgerkrieg nicht ein Referendum über die Zukunft Syriens stattfinden ? Assad versprach wohl sich an das Ergebnis zu halten, auch wenn es seine Abwahl bedeutet hätte. Die Glaubwürdigkeit sei mal dahingestellt, aber ist so etwas unter internationaler Aufsicht völlig unmöglich ? Ein zweites Irak kann wohl niemand ernstlich wollen.

Assad hat immer den von Westmächten vorgeschlagenen "Übergang" bejaht. Nur eben mit dem Unterschied, dass er sich selbst als das Ergebnis eines Überganges sieht.
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Re: Was kommt nach Assad?

Beitragvon Ebiker » So 19. Aug 2018, 12:36

dann wäre das halt so. Und unter strenger internationaler Kontrolle wären Manipulationsvorwürfe wohl hinfällig.
Eines Tages werden Millionen Menschen die südliche Hemisphäre verlassen, um in der nördlichen Hemisphäre einzufallen. Und sie werden sie erobern, indem sie sie mit ihren Kindern bevölkern.
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Re: Was kommt nach Assad?

Beitragvon Audi » So 19. Aug 2018, 13:02

DarkLightbringer hat geschrieben:(19 Aug 2018, 13:35)

Assad hat immer den von Westmächten vorgeschlagenen "Übergang" bejaht. Nur eben mit dem Unterschied, dass er sich selbst als das Ergebnis eines Überganges sieht.

Nein, er wollte zur Wahl antreten. Wo ist das Problem? Ist man sich nicht sicher wie die Wahl ausgeht?
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Re: Was kommt nach Assad?

Beitragvon DarkLightbringer » So 19. Aug 2018, 13:14

Audi hat geschrieben:(19 Aug 2018, 14:02)

Nein, er wollte zur Wahl antreten. Wo ist das Problem? Ist man sich nicht sicher wie die Wahl ausgeht?

Doch, die Sicherheit des Wahlausgangs ist ja das Problem.
In einer Diktatur wird im allgemeinen der Diktator bestätigt. Die Führer fühlen sich so geliebt und umschmeichelt, in güldener Sänfte, die vom huldigenden Volk zu tragen ist.
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Re: Was kommt nach Assad?

Beitragvon zollagent » So 19. Aug 2018, 13:39

NMA hat geschrieben:(19 Aug 2018, 12:15)

Assad ist tod, es lebe Assad?

Dieser Strang lehnt sich schon an den großen "Wie weiter mit Syrien?" an. Aber vielleicht ist hier ja eine Fokussierung auf eine konkrete Nachkriegsordnung möglich und geboten.

Besonders vielleicht dann, wenn ich harsch provoziere und frage, ob es eine erfolgversprechende Alternative zu Assad gibt.

Da sich an vielen unmenschlichen Phänomenen in diesem hochkomplexen Krieg keine Person festmachen lässt, da sich dieser Krieg eigentlich nur mit Assad personalisieren lässt, liegt es auf der Hand, ihn als den schlimmsten Kriegsverbrecher des jungen 21. Jhd. zu bezeichnen. Seine Folterkeller, in welchen er wohl Zigtausende syrische Staatsbürger grausam ermorden und krepieren lässt, ist hierbei nur einer von vielen Aspekten.

Viele sagen verständlicherweise, dass es mit Assad keinen Frieden geben kann, ich auch. Aber eine Alternative gibt es auch nicht. Denn dieses aufgescheuchte Wespennest, in welchen es nur weiteren Mord&Totschlag geben kann, sobald der gemeinsame Feind verschwindet (hypothetisch, da das sowieso kaum erreicht werden wird), wird nicht zur Ruhe gebracht werden können. Alle werden zumindest über jene Leute herfallen (z. B. Minderheiten wie Christen oder Drusen), die jetzt wohl oder übel in Assads Schutzgebieten halbwegs sicher leben können. Minderheiten, für die es schon immer ungemütlich war. Kaum einer liebt ihn, aber die meisten fürchten ihn wohl und fürchten sicher das Ende seines "Schutzes ".

Assad würde ein Machtvakuum hinterlassen, welches kaum auszufüllen ist. Und ich wage zu bezweifeln, dass in einem Land, in welchem nun schon eine hungernde Generation heranwächst, die nichts anderes als Krieg kennt, sich irgendwelche demokratischen Wege gehen lassen, um das Land zu befrieden. Nicht von innen und schon gar nicht von außen.

Braucht es eine autoritäre Lösung, um Syrien wieder zu stabilisieren? Wer ist dann eine bessere Lösung als Assad, der wenigstens einen Teil der Menschen dort hinter sich weiß, wenn auch mehr aus Angst als aus Zustimmung? Assad ist keine Lösung!? Kein Assad aber auch nicht!?

Funktionieren nur territoriale Neuansätze? Wer bringt diese dann zustande?

Syrien als Ganzes wird sicher nicht ohne eine Neueinrichtung einer Gewaltherrschaft zum "Funktionieren" zu bringen sein. Ich sehe eine mögliche Lösung in einer Aufteilung, die den Wohnregionen der einzelnen Parteien in etwa entspricht. Damit das nicht endet wie der Zerfall Jugoslawiens, müßte das von Außen geregelt werden. Nur, wer wäre hier "der ehrliche Makler"? Es gibt schlichtweg Keinen. Jeder Beteiligte hat Interessen, die er den Interessen der Syrer auf jeden Fall vorziehen wird. Das Ganze ist eh nur theoretisch, weil ein Herr Assad seinen Machtanspruch nicht aufgeben wird und weil Russland ihn dabei aus Eigeninteresse unterstützen wird.
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Re: Was kommt nach Assad?

Beitragvon zollagent » So 19. Aug 2018, 13:40

Audi hat geschrieben:(19 Aug 2018, 12:54)

Vergessen wir nicht, dass die Schergen Erdogans und Saudi, Katar als erstes dort ihre Söldner hatten. Der Iran und Russland haben massiv Partei ergriffen als die IS, Nusra vor Damaskus standen. Und man hat Damaskus erfolgreich verteidigt

Erdogan, Saudis usw müssen gehen. Die Ölfelder müssen der syrischen Regierung gegeben werden damit man das Land aufbauen kann. Politischer übergang in Damaskus

Politischer Übergang zurück in die Despotie? Was bitte würde ein Assad denn "aufbauen"?
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Re: Was kommt nach Assad?

Beitragvon DarkLightbringer » So 19. Aug 2018, 13:47

Was war denn vor den Aufständen ? Ah, Assad.
>>We’ll always have Paris<<
[Humphrey Bogart als Rick Blaine in >Casablanca<, 1942]
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Re: Was kommt nach Assad?

Beitragvon Audi » So 19. Aug 2018, 13:59

zollagent hat geschrieben:(19 Aug 2018, 14:40)

Politischer Übergang zurück in die Despotie? Was bitte würde ein Assad denn "aufbauen"?

Wahlen unter UN Aufsicht. Das Ergebnis ist zu akzeptieren egal ob despotie blühende Demokratie oder sonst was

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