Deutschlands position zum iranischen Regime

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Tom Bombadil
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Re: Deutschlands position zum iranischen Regime

Beitragvon Tom Bombadil » Sa 11. Aug 2018, 19:10

DarkLightbringer hat geschrieben:(11 Aug 2018, 19:09)

Früher ist früher und heute ist heute. Mossadegh ist nicht das Problem, wir haben heute ein Mullah-Regime, das den Terrorismus finanziert und die Nahost-Region destabilisiert.

Aber die USA sind doch Schuld, dass die Terrormullahs überhaupt erst an die Macht kommen konnten :D Dass man dafür die Historie ganz gehörig verbiegen muss, ist den Antiamerikanern herzlich egal.
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Progressiver
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Re: Deutschlands position zum iranischen Regime

Beitragvon Progressiver » Sa 11. Aug 2018, 20:06

DrSchokoladenEis hat geschrieben:(11 Aug 2018, 17:39)
Du kannst aber bei den Demonstrationen 1967 in Berlin nicht die Hauptschuld der iranischen Führung geben. Demonstranten wurden in Berlin von berliner Polizisten verprügelt. Man wollte die Beziehungen mit dem Iran nicht gefährden - somit steht die Gewalt natürlich mit dem Staatsbesuch in Verbindung aber die Berliner Polizei hatte schon vorher einen sehr gewalttätigen Ruf.


Die Bilder sagen etwas anderes. Und das kannst du auch in der Wikipedia nachlesen: Die Studenten wurden auch von "Jubelpersern" verprügelt.

Natürlich hatte der Shah auch die Menschenrechte verletzt aber der Shah war patriotisch und ihm lag das iranische Volk am herzen. Den heutigen Mullahs geht es nicht um das Volk und auch nicht um die persische/iranische Kultur. Ihnen steht der Islam im mittelpunkt und immer wenn das iranische Volk diese aus dem Mittelpunkt wegschaffen möchte um die untegrabene Kultur zu retten, begegnet ihnen die Flut der Menschenrechtverletzungen.


Der Schah liebte sein Volk so sehr, dass er Teile davon foltern ließ? Finde bitte selbst den Fehler!

Die Mullahs foltern auch. Das stimmt. Aber glaubst du wirklich, sie haben niedrigere Beweggründe? Die Schia ist seit dem Mittelalter ein Teil der iranischen Kultur. Und beispielsweise für einen iranischen Kommunisten in den 1970ern war es im Endeffekt völlig egal, wer ihn zu Tode folterte. Beide Seiten -der Shah versus die Mullahs- schenken sich da nichts!

Zu den Ereignissen nacht 1979 stimme ich dir zu: natürlich besitzt die USA eine hochgradige Teilschuld für die kriegerische Lage im Nahen-Osten. Aber was ist denn im vergleich besser? Begünstigung eines Umsturzes des iranischen Regimes, wobei man sich für das iranische Volk und der Freiheit einsetzt oder ein erneuter Stellvertreterkrieg mit Saudi-Arabien?
Ich denke, dass wir uns anders positionieren müssen damit wenigstens ein laizistisches System entstehen könnte.


Die Saudis werden sich sowieso auf den Iran stürzen, jetzt wo sie so viele Waffen geliefert bekommen. Für sie sind die Schiiten Todfeinde, die es zu vernichten gilt. Und wenn der Iran laizistisch wird -was ja nicht mal Deutschland hinkriegt!-, dann sind die Iraner für sie erst Recht gottlose Ungläubige. Die Saudis sind meiner Beobachtung nach erst dann zufrieden, wenn die Iraner alle Sunniten werden und die Oberhoheit der Saudis anerkennen. Vor diesem Hintergrund halte ich es für einen schweren Fehler, den islamistischen Saudis -die ja auch den IS und andere Gruppierungen unterstützt haben!- jetzt auch noch Waffen zu liefern. Ist es dir denn egal, wenn die neue Flüchtlingswelle sich wieder einmal nach Europa aufmacht?!

Es ist aber auch nicht richtig zu sagen, dass wir nur gegen die Terroristen etwas unternehmen, welche unsere eurpäische Sicherheit gefährden. Wir müssen gegen die Menschen etwas unternehmen, welche die Menschenrechte verletzen unabhängig davon, ob unser eigenes Wohlergehen davon persönlich betroffen ist oder nicht. Denn sonst kommen wir zu meinem Eindruck zurück, dass die westlichen Staaten die Menschenrechte nur intern fördern und extern zur Unterdrückung dieser Werte beitragen, was uns in der Bevölkerung dieser Ländern von den Unterdrückern nicht großartig unterscheidet.
Die Einstellung "solange die Schiitisch-iranischen Selbstmordattentäter ihre eigene Zivilbevölkerung gefährden und uns nicht ist alles in Butter." ist nicht die richtige Einstellung.


Auch hier gilt: Finde selbst den Fehler! Die Europäer unterstützen Diktatoren und liefern Waffen in Krisengebiete, wenn ihnen danach ist. Und hinterher heulen sie rum, wenn von dort die Flüchtlingswellen nach Europa strömen. Was die Iraner betrifft: Meiner Beobachtung nach sind es vor allem verrückt-fanatische Sunniten, die Selbstmordattentate an der eigenen Bevölkerung begehen. Dies insbesondere in den Ländern des Nahen Ostens. Auch wenn es ein paar todessehnsüchtige Kamikazekämpfer im Westen gibt. Die Schia kennt dagegen zwar das Bild des Märtyrers, der sich für seinen Glauben opfert. Aber paradoxerweise sind die Schiiten nicht so wild darauf, die eigene Bevölkerung mit in den Tod zu reißen.

Vielleicht gibt es aber auch Leute hier, die sich mit der schiitischen Ausprägung des Islam besser auskennen? In der Praxis ist mir jedenfalls nichts bekannt von fanatischen Schiiten, die auf die eigene Bevölkerung losgehen. In diesem Sinne halte ich den Iran für berechenbarer als die todessehnsüchtigen arabischen bzw. sunnitischen Gotteskrieger.

Ein Beispiel in wie weit aber trotzdem nicht-schiitische Personen von dem iranischen Staat betroffen sind bzw. sein könnten erkennt man an Gerichtsurteilen im Iran: Wenn ein iranischer Soldat für die Vergewaltigung einer sunnitischen Frau richterlich freigesprochen wird mit der Hauptbegründung, dass diese keine schiitische Muslimin ist würde ich mir als Christ, als Jude, als Buddhist oder etwa als Atheist große Sorgen machen.


Auch hier will ich doch fragen: Sind denn die Saudis besser? Und meine: Die Iraner sind sicher nicht unsere Freunde. Aber die Saudis, die den IS unterstützen und auch in Europa einen radikalen Islam verbreiten wollen, sollten es auch nicht sein. Genau dies wird aber von den hohen Politikern so gedacht. Doppelstandards halte ich aber für heuchlerisch und verlogen.
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Re: Deutschlands position zum iranischen Regime

Beitragvon DarkLightbringer » Sa 11. Aug 2018, 20:27

Tom Bombadil hat geschrieben:(11 Aug 2018, 20:10)

Aber die USA sind doch Schuld, dass die Terrormullahs überhaupt erst an die Macht kommen konnten :D Dass man dafür die Historie ganz gehörig verbiegen muss, ist den Antiamerikanern herzlich egal.

Sie sind halt so, das ist ein semi-religiöser Dämonenglaube.
Aber um die Rolle, die Mullahs beschönigen zu müssen, beneide ich sie nicht gerade.
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Re: Deutschlands position zum iranischen Regime

Beitragvon DarkLightbringer » So 12. Aug 2018, 00:35

DrSchokoladenEis hat geschrieben:(11 Aug 2018, 20:07)

Es schadet ja nicht zu schauen, wie die Ereignisse der damaligen Regierung mit der entstehung des heutigen Regimes im Iran miteinander vernetzt sind.
Die USA nimmt eine große Rolle in diesem Konflikt ein und daher sollte man mal auch darüber nachdenken wie das Land bisher im Iran agiert hat, wie das unter unseren Wertevorstellungen bewertet werden sollte und in wie weit man die jüngsten Ereignisse mit den früheren unterscheiden sollte.

Dies alles sind ja Faktoren, welche unsere Position zum iranischen Regime bestimmen, sollten wir uns präzise einordnen wollen.

Wir werden ohnehin nichts tun, sondern wie gewöhnlich, die Dinge aus der Etappe betrachten und später die Zensuren verteilen.

Nach einer neusten Meldung gab es regime-kritische Sprechchöre im Fußballstadion. Das Spiel wurde live übertragen, nur der Ton zeitweise leiser gedreht oder ganz abgestellt.

Am Rande des Ligaspiels zwischen Esteghlal Teheran und Tractor Sazi Täbris riefen sie unter anderem Slogans wie "Tod dem Diktator" - gemeint ist der oberste politische und religiöse Führer des Landes, Ajatollah Ali Khamenei.
http://www.spiegel.de/politik/ausland/i ... 22729.html

Im Artikel sind Videos zu sehen.

Wenn das eine CIA-Operation ist, sind sie aber ziemlich gut. ;)
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Re: Deutschlands position zum iranischen Regime

Beitragvon Ger9374 » So 12. Aug 2018, 04:51

Wenn es zu einem Konflikt zwischen Saudi-Arabien und dem Iran kommt sollte man sich die Staaten die daraus vorteile ziehen könnten mal anschauen. Der Ölpreis würde steigen, andere Krisenherde in den hintergrund treten. Militärmaterial im hohen Milliardenbereich würde den Besitzer wechseln.Die am ende stark geschwächten Gegner wären auf jahre mit dem wiederaufbau ihrer Länder beschäftigt. Wieder müssten zig Milliarden in den Wiederaufbau investiert werden. Saudi Arabien würde für die USA und Israel unfreiwillig die drecksarbeit übernehmen.Der Iran ist aber nicht zu unterschätzen, es wäre ein ausbluten was beiden Kontrahenten auf Jahre schadet.
Jede meinung ist wichtig,sofern man eine eigene hat!

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