Proteste im Iran ab 28.12.2017

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DarkLightbringer
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Re: Proteste im Iran ab 28.12.2017

Beitragvon DarkLightbringer » Di 2. Jan 2018, 19:33

yogi61 hat geschrieben:(02 Jan 2018, 19:26)

Ja, wenn man die Probleme am köcheln halten möchte, dann kann man das machen. Glückwunsch an die Peene Werft

Ist es denn unproblematischer, wenn ir-gestützte Terroristen ungestört ballistische Raketen abfeuern und Truppen verlegen können ?
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zollagent
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Re: Proteste im Iran ab 28.12.2017

Beitragvon zollagent » Di 2. Jan 2018, 19:44

yogi61 hat geschrieben:(02 Jan 2018, 19:23)

Habe extra für Dich nachgesehen, der Kalender ist aktuell und von EDEKA.

EDEKA gab auch vor einem Jahrzehnt schon Kalender raus. :p
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Re: Proteste im Iran ab 28.12.2017

Beitragvon tabernakel » Di 2. Jan 2018, 19:45

yogi61 hat geschrieben:(02 Jan 2018, 18:43)
Aber, aber lieber tabernakel. Ich würde da nicht so pessimistisch in die Zukunft schauen. Die USA werden es auch weithin wie in den letzten siebzig Jahren schaffen ihre Waffen gewinnbringend (für wen auch immer) an den Mann zu bekommen, Konflikte zu schüren und wenn nötig auch irgendwo einen Krieg anzuzetteln und wir, die Europäer die Waffen herstellen werden wie auch in der Vergangenheit ein kleines aber feines Stückchen vom Kuchen abbekommen.
Es gibt da keinen Grund gleich die Aktien abzustossen.

Aktien muss ich nicht abstoßen, hab noch nie welche besessen, und will auch keine - ist mir viel zu anstrengend mir das Börsianergelaber anzuhören. Oder eurozentrische Weltsichten die aus meiner Sicht im letzten Jahrtausend hängen geblieben sind, und völlig ignorieren dass mit China und in nicht allzu ferner Zukunft auch Indien 1-2 neue Supermächte dazugekommen sind bzw. werden und uns Europäer in der Welt abgelöst haben. :)

Gibt's waffentechnisch noch was was die Welt von uns Deutschen will? Ja, ab und an werden wir noch ein paar U-Boote an Israel (mit hohem Subventionsanteil) oder ein paar Panzer an die Saudis los - bei letzteren war die Tinte (diskutierbar zum Glück oder leider, je nach Einstellung dazu) trocken bevor sie gemerkt haben dass Kampfpanzer aus den 70ern ohne abstandsaktive Schutzmaßnahmen heute nur noch wenig mehr sind als große Zielscheiben für Panzerabwehrlenkwaffen. Und ja, die Kurden haben sich genau deshalb wirklich über unsere Milans gefreut, auch wenn die schon hart am Verfallsdatum waren. Ansonsten exportieren wir vor allem militärische Laster, Kommunikationsequipment, Späh- und Überwachungsequipment, Patroullienboote, usw. Oder verschenken Sturmgewehre die wir nicht mehr brauchen weil wir wieder mal den Anschluss an die technische Entwicklung verpasst haben (Railsysteme) an die Kurden.

Aber sonst? Was stellt denn Europa waffentechnisch Deiner Meinung nach aktuell her was die Welt in Atem hält? Stealthjäger bauen die Amis, nicht wir, und die werden auch nur selektiv exportiert. Atom-Uboote und -Raketen bauen Amis, Engländer und Franzosen, nicht wir, und exportiert werden die auch nicht. Kampfpanzer die fit für's 21. Jahrhundert sind kommen aus meiner Sicht im Westen aktuell maximal aus Israel, und die exportieren diese meines Wissens nach nicht. In Syrien und im Irak massakriert sich die Welt dagegen wie schon seit den 70ern vorrangig mit AK-47 Sturmgewehren, T-72 Panzern und auf Lorries montierter Flak - das meiste aus russischer oder chinesischer Produktion. So wie die Minen. Und wie all die Jahre zuvor übrigens auch schon. Oh, und neuerdings mit handygesteuerten Quadkoptern - natürlich aus China, die sind da preiswert zu haben, und da stellt auch keiner unangenehmen Fragen zur Verwendung.

ABer genug dazu von mir, sehe grad dass das auf Dauer zu sehr am Strangthema vorbei geht ... können wir daher gerne bei Gelegenheit per PN weiter diskutieren.
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Re: Proteste im Iran ab 28.12.2017

Beitragvon Platon » Di 2. Jan 2018, 20:22

Ich habe den Eindruck, dass das Regime mit der Niederschlagung der Proteste wechselhaft Erfolge hat. Es ist an vielen Stellen nicht mehr von der Polizei sondern direkt von den Revolutionsgarden die Rede, die versuchen gegen die Proteste vorzugehen. In einigen Städten gibt es schwere Auseinandersetzungen, woanders gibt es Bilder von mehr oder weniger ungestörten Demos, zumindest für die Dauer des Videos und es wiederholen sich bestimmte Videos aus den letzten Tagen.
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Re: Proteste im Iran ab 28.12.2017

Beitragvon Tom Bombadil » Di 2. Jan 2018, 20:58

Der große Umsturz wird dieses Mal wohl noch ausbleiben, die Uhr läuft aber unweigerlich ab.
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Re: Proteste im Iran ab 28.12.2017

Beitragvon Provokateur » Di 2. Jan 2018, 21:06

Wie wird sich ein dauerhaft destabiliserter Iran auf Syrien auswirken? Immerhin müssten die Iraner jetzt ihre Leute zurückholen, um das eigene Volk zu unterdrücken. Ganz davon ab, dass das vielleicht nicht jeder will - diese Kräfte fehlen in Syrien. Die Hauptlast der Kampagne ist zwar abgearbeitet, aber Assad hat noch einige unbeugsame Konfliktnester.
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Re: Proteste im Iran ab 28.12.2017

Beitragvon King Kong 2006 » Di 2. Jan 2018, 21:08

Das war ein wichtiger innenpolitischer Schuß vor dem Bug. Es ist schwer umzusetzen, daß es ohne große Umbrüche eine Änderung gibt. Aber deshalb halten sich auch alle anderen kleineren und größere Mächte zurück. Einen Vielvölkerstaat wie den Iran mit seiner geografischen Lage, mit atomarer Infrastruktur, viel Militär, den Rohstoffen und Transportwegen, der "über Kopf geht" wünscht sich - auch wenns komisch klingt - fast keiner. Wohl nicht mal Trump. Egal was er schreibt.

Schon in den Neunzigern wurde vielerorts, auch im Iran, das Ende der jetzigen Staatsform prognostiziert. Das ist eben ein langsamer Prozess. Die Sowjetunion gabs 70 Jahre. China, das zwar eine Art Hybrid ist, hat sich auch kommunistisch jahrzehntelang gehalten.
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Re: Proteste im Iran ab 28.12.2017

Beitragvon Tom Bombadil » Di 2. Jan 2018, 21:09

@Provokateur: falls sich die Iraner zurück ziehen müssen und auch das Geld nicht mehr so reichlich sprudelt, werden die Kurden in Syrien und im Irak wieder Raumgewinne machen, in der Türkei und im Iran wird es bei der Unterdrückung bleiben. Hamas und Hezbollah werden es auch merken.
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Re: Proteste im Iran ab 28.12.2017

Beitragvon Platon » Di 2. Jan 2018, 21:28

Etwas was mir immer mehr auffällt, wer eigentlich nicht demonstriert. Und das ist der Norden von Teheran. Also die Leute die 2009 demonstriert haben, demonstrieren gerade im großen und ganzen nicht. Auch wenn in den Berichten im Ausland dieser Punkt noch nicht so deutlich wird und man stattdessen das Bild mit der Frau ohne Hijab zum großen Symbol erklärt. Auf den Protesten selber sieht man diese Leute aber eigentlich nicht wirklich. Das liegt m.E. zum einen an der hohen Präsenz von SIcherheitskräften in Teheran, schon 2009 waren diese Leute nicht bereit für die Revolution zu sterben, aber auch daran, dass sie die Hauptprofiteure der neoliberalen Politik von Rohani zur Stärkung des Privatsektors der iranischen Wirtschaft sind. Eine Politik die wiederum nicht unerheblich zu den jetzigen Protesten der niederen Schichten beigetragen hat, weil nämlich die staatlichen Leistungen in Form von Subventionen etc. nicht erhöht wurden. Rohani selbst denkt ökonomisch auch sehr stark neoliberal in Form von Wirtschaftswissenschaftlichen Indiktatoren etc., so hat er erst gestern erklärt, dass es Iran eigentlich verhältnismäßig gut gehe und hat dafür dann verschiedene Statistiken angeführt. Vom Teheraner Norden sind es höchstens einige Studenten, die sich als Aktivisten und Vertreter der unteren Schichten verstehen, die sich den Protesten angeschlossen haben. Die berühmten "Rich Kids of Teheran" und ihre Nachbarn in den entsprechenden Vierteln haben sich bisher den Protesten kaum angeschlossen. Und das hat, vermute ich, sehr viel damit zu tun, dass ihre ökonomischen Interessen und sozio-ökonomische Weltsicht denen der Masse der Demonstranten überhaupt nicht entspricht. Es gibt im Iran einen großen Unterschied zwischen oberer und unterer Mittelklasse - die untere "Mittelklasse" lebt von Monatslöhnen von ein paar hundert Euro, wo ich mich immer gefragt habe, wie man da nicht verhungert. Die obere Mittelklasse hat einen gewissen Wohlstand, der ihnen ein Leben auf dem Lebensstandart ähnlich dem im Westen ermöglicht, was sich z.B. in modernen Mittelklasse-Autos etc. ausdrückt, auch wenn sie weltanschaulich mit der Islamischen Republik wenig bis nichts anfangen können. Und ich habe den Eindruck, dass dieser Unterschied in diesen Protesten zum Tragen kommt. Wenn sie sich ihnen aber doch noch anschließen, würde das die Situation vor allem in Teheran noch einmal zugunsten der Proteste verschieben.

Das sind die Frauen, die auf Seiten der Demonstranten stehen. Keine teuren Uhren und farbigen Kopftücher mit viel Schminke sondern abgearbeitete Hände und Wut auf das wenige Geld mit dem sie auskommen müssen:
https://twitter.com/ArminNavabi/status/ ... 7534451712
https://twitter.com/ArminNavabi/status/ ... 7129448452

Das was im Moment demonstriert ist vor allem das Proletariat, dass von Hungerlöhnen lebt, zusammen mit ein paar Studenten und Aktivisten. Die pro-westliche Mitteklasse wartet - bisher - erstmal noch ab.
Zuletzt geändert von Platon am Di 2. Jan 2018, 21:49, insgesamt 1-mal geändert.
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Re: Proteste im Iran ab 28.12.2017

Beitragvon DarkLightbringer » Di 2. Jan 2018, 21:39

Provokateur hat geschrieben:(02 Jan 2018, 21:06)

Wie wird sich ein dauerhaft destabiliserter Iran auf Syrien auswirken? Immerhin müssten die Iraner jetzt ihre Leute zurückholen, um das eigene Volk zu unterdrücken. Ganz davon ab, dass das vielleicht nicht jeder will - diese Kräfte fehlen in Syrien. Die Hauptlast der Kampagne ist zwar abgearbeitet, aber Assad hat noch einige unbeugsame Konfliktnester.

Es würde die Hisbollah schwächen, zwangsläufig auch Assad und all die anderen Nester im Bogen vom Libanon bis zum Jemen.
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Re: Proteste im Iran ab 28.12.2017

Beitragvon Platon » Di 2. Jan 2018, 22:34

Platon hat geschrieben:(02 Jan 2018, 21:28)

Etwas was mir immer mehr auffällt, wer eigentlich nicht demonstriert. Und das ist der Norden von Teheran. Also die Leute die 2009 demonstriert haben, demonstrieren gerade im großen und ganzen nicht. Auch wenn in den Berichten im Ausland dieser Punkt noch nicht so deutlich wird und man stattdessen das Bild mit der Frau ohne Hijab zum großen Symbol erklärt. Auf den Protesten selber sieht man diese Leute aber eigentlich nicht wirklich. Das liegt m.E. zum einen an der hohen Präsenz von SIcherheitskräften in Teheran, schon 2009 waren diese Leute nicht bereit für die Revolution zu sterben, aber auch daran, dass sie die Hauptprofiteure der neoliberalen Politik von Rohani zur Stärkung des Privatsektors der iranischen Wirtschaft sind. Eine Politik die wiederum nicht unerheblich zu den jetzigen Protesten der niederen Schichten beigetragen hat, weil nämlich die staatlichen Leistungen in Form von Subventionen etc. nicht erhöht wurden. Rohani selbst denkt ökonomisch auch sehr stark neoliberal in Form von Wirtschaftswissenschaftlichen Indiktatoren etc., so hat er erst gestern erklärt, dass es Iran eigentlich verhältnismäßig gut gehe und hat dafür dann verschiedene Statistiken angeführt. Vom Teheraner Norden sind es höchstens einige Studenten, die sich als Aktivisten und Vertreter der unteren Schichten verstehen, die sich den Protesten angeschlossen haben. Die berühmten "Rich Kids of Teheran" und ihre Nachbarn in den entsprechenden Vierteln haben sich bisher den Protesten kaum angeschlossen. Und das hat, vermute ich, sehr viel damit zu tun, dass ihre ökonomischen Interessen und sozio-ökonomische Weltsicht denen der Masse der Demonstranten überhaupt nicht entspricht. Es gibt im Iran einen großen Unterschied zwischen oberer und unterer Mittelklasse - die untere "Mittelklasse" lebt von Monatslöhnen von ein paar hundert Euro, wo ich mich immer gefragt habe, wie man da nicht verhungert. Die obere Mittelklasse hat einen gewissen Wohlstand, der ihnen ein Leben auf dem Lebensstandart ähnlich dem im Westen ermöglicht, was sich z.B. in modernen Mittelklasse-Autos etc. ausdrückt, auch wenn sie weltanschaulich mit der Islamischen Republik wenig bis nichts anfangen können. Und ich habe den Eindruck, dass dieser Unterschied in diesen Protesten zum Tragen kommt. Wenn sie sich ihnen aber doch noch anschließen, würde das die Situation vor allem in Teheran noch einmal zugunsten der Proteste verschieben.

Das sind die Frauen, die auf Seiten der Demonstranten stehen. Keine teuren Uhren und farbigen Kopftücher mit viel Schminke sondern abgearbeitete Hände und Wut auf das wenige Geld mit dem sie auskommen müssen:
https://twitter.com/ArminNavabi/status/ ... 7534451712
https://twitter.com/ArminNavabi/status/ ... 7129448452

Das was im Moment demonstriert ist vor allem das Proletariat, dass von Hungerlöhnen lebt, zusammen mit ein paar Studenten und Aktivisten. Die pro-westliche Mitteklasse wartet - bisher - erstmal noch ab.

Hier sieht es jemand genauso wie ich.
http://www.deutschlandfunkkultur.de/unr ... _id=407346
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Re: Proteste im Iran ab 28.12.2017

Beitragvon Tom Bombadil » Di 2. Jan 2018, 22:41

Den Menschen muss es schon sehr schlecht gehen, die Wut muss sehr groß sein, dass sie sich so in Lebensgefahr begeben.
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Re: Proteste im Iran ab 28.12.2017

Beitragvon Platon » Di 2. Jan 2018, 22:42

Tom Bombadil hat geschrieben:(02 Jan 2018, 22:41)

Den Menschen muss es schon sehr schlecht gehen, die Wut muss sehr groß sein, dass sie sich so in Lebensgefahr begeben.

300-400 Euro Monatsgehalt. Die Sanktionen fallen, es passiert nichts. Und dann steigen die Lebensmittelpreise. :)
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Re: Proteste im Iran ab 28.12.2017

Beitragvon Senexx » Mi 3. Jan 2018, 00:19

Tom Bombadil hat geschrieben:(02 Jan 2018, 20:58)

Der große Umsturz wird dieses Mal wohl noch ausbleiben, die Uhr läuft aber unweigerlich ab.
Wann? In 50, 100 Jahren?
Hinweis aus gegebenen Anlass: Ich verwende niemals "copy paste". Jede Zeile ist selbst verfasst.
Zusatzhinweis: Trollbeiträge und ad-personam und Spam werden von mir ignoriert.
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Re: Proteste im Iran ab 28.12.2017

Beitragvon Nero » Mi 3. Jan 2018, 01:59

zollagent hat geschrieben:(30 Dec 2017, 19:24)

Deine Erwartungshaltung hast du deutlich mit deinem schönen Satz klargestellt. Du willst "Deine Wahrheit" hören, nichts Anderes.


"DEINE" (seine) Wahrheit hast du hinzugefügt.
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Re: Proteste im Iran ab 28.12.2017

Beitragvon Platon » Mi 3. Jan 2018, 03:20

Platon hat geschrieben:(02 Jan 2018, 21:28)
[...]Auf den Protesten selber sieht man diese Leute aber eigentlich nicht wirklich. Das liegt m.E. zum einen an der hohen Präsenz von SIcherheitskräften in Teheran, schon 2009 waren diese Leute nicht bereit für die Revolution zu sterben, aber auch daran, dass sie die Hauptprofiteure der neoliberalen Politik von Rohani zur Stärkung des Privatsektors der iranischen Wirtschaft sind. Eine Politik die wiederum nicht unerheblich zu den jetzigen Protesten der niederen Schichten beigetragen hat, weil nämlich die staatlichen Leistungen in Form von Subventionen etc. nicht erhöht wurden. Rohani selbst denkt ökonomisch auch sehr stark neoliberal in Form von Wirtschaftswissenschaftlichen Indiktatoren etc., so hat er erst gestern erklärt, dass es Iran eigentlich verhältnismäßig gut gehe und hat dafür dann verschiedene Statistiken angeführt. Vom Teheraner Norden sind es höchstens einige Studenten, die sich als Aktivisten und Vertreter der unteren Schichten verstehen, die sich den Protesten angeschlossen haben. Die berühmten "Rich Kids of Teheran" und ihre Nachbarn in den entsprechenden Vierteln haben sich bisher den Protesten kaum angeschlossen. Und das hat, vermute ich, sehr viel damit zu tun, dass ihre ökonomischen Interessen und sozio-ökonomische Weltsicht denen der Masse der Demonstranten überhaupt nicht entspricht. [...]


Siehe hierzu eine Analyse des von Rohani angestrebten Staatsbudgets:
[...]To put the cuts in perspective, and to get a sense of what the budget is doing for more important things on the minds of protesters — jobs — let’s review the numbers. The short answer is little. In keeping his right-of-the-center economic ideology, Rouhani is putting his faith in the ability of the private sector, domestic and foreign, to invest and expand employment while the government tries its best to stay out of the way. So the story of jobs and growth is not so much in the budget numbers; it is better told by the policies that will be enacted to improve Iran’s business climate. [...]

https://djavadsalehi.com/2017/12/31/rou ... ssion=true

Rohani will gute Bedingungen für Investitionen schaffen, die die Wirtschaft ankurbeln und vor allem der Mittelklasse nützt, die ihn gewählt hat aber auch Sozialleistungen kürzen für Leute die vor allem Achmadinejad (seine Politik und "persönliches Charisma" zielt nicht unwesentlich auf genau diese Leute, die jetzt protestieren) dereinst für sich gewinnen wollte. Aber es gibt trotz dem Ende der Sanktionen kaum Investitionen, die den Ärmsten zu Gute kommen, deren Sozialleistungen aber stagnieren und durch die Inflation real immer weniger wert sind. Da ein nicht geringer Teil der Menschen bereits vorher in Armut gelebt hat, gibt es mit so einer Politik natürlich Brotunruhen und Proteste...
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Was genau ist die Sorge?

Beitragvon King Kong 2006 » Mi 3. Jan 2018, 08:33

Das könnte die mäßige Begeisterung für die Demonstranten und die Sorge um die Lage im Iran erklären.

Iran protests could spell trouble for Middle East at large


The prospect of major bloodshed at the hands of the state looms large — and if that happens, the ensuing domino effect could create yet another volatile and explosive situation in an already stormy and dangerous region.

http://www.abc.net.au/news/2018-01-03/i ... ge/9300800
Wenn man zuviel weiß, wird es immer schwieriger, einfache Entscheidungen zu treffen.
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Re: Proteste im Iran ab 28.12.2017

Beitragvon Platon » Mi 3. Jan 2018, 12:19

Ein NYT-Artikel über die Ursache der Proteste. Eben jenes Budget von Präsident Rohani.
[...]
While the protests that swept Iran in 2009 were led by the urban middle class, these protests have been largely driven by disaffected young people in rural areas, towns and small cities who have seized an opening to vent their frustrations with a political elite they say has hijacked the economy to serve its own interests.

Unemployment for young people — half the population — runs at 40 percent, analysts believe. Meanwhile, Iran has spent billions of dollars abroad in recent years to extend its influence in Iraq, Syria and Lebanon.

The initial catalyst for the anger appears to have been the leak by President Rouhani last month of a proposed government budget. For the first time, secret parts of the budget, including details of the country’s religious institutes, were exposed.

Iranians discovered that billions of dollars were going to hard-line organizations, the military, the Islamic Revolutionary Guards Corps, and religious foundations that enrich the clerical elite. At the same time, the budget proposed to end cash subsidies for millions of citizens, increase fuel prices and privatize public schools.[...]

https://www.nytimes.com/2018/01/02/worl ... menei.html
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Re: Proteste im Iran ab 28.12.2017

Beitragvon DarkLightbringer » Mi 3. Jan 2018, 12:52

Haley wies die Behauptungen Khameneis zurück, ausländische Kräfte würden die Demonstranten steuern. "Die Demonstrationen sind komplett spontan. Sie finden in nahezu jeder Stadt in Iran statt", sagte Haley. Es sei ein Bild eines "lang unterdrückten Volkes, das sich gegen seine Diktatoren aufbäumt".
http://www.spiegel.de/politik/ausland/p ... 85953.html

Dieses Aufbäumen ist ein Signal der Hoffnung.
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Re: Proteste im Iran ab 28.12.2017

Beitragvon GreenStorm » Mi 3. Jan 2018, 14:32

DarkLightbringer hat geschrieben:(03 Jan 2018, 12:52)

http://www.spiegel.de/politik/ausland/p ... 85953.html

Dieses Aufbäumen ist ein Signal der Hoffnung.


Ist vorallendingen ein Zeichen, dass Trumps Kalkül mit dem nicht-Treffen von Entscheidungen die EU-Wirtschaft zu hemmen, die wirtschaftlichen Folgen im Iran weiterhin zu verschlimmern und damit das Land weiterhin zu destabilisieren. Also wenn es denn Kalkül war, und nicht ein Versehen. Man weiß bei dem ja nie...

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