Dschihadisten-Droge

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Adam Smith
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Dschihadisten-Droge

Beitragvon Adam Smith » Do 9. Nov 2017, 18:33

Es gibt immer wieder Artikel in denen steht, dass die syrische Armee Drogen in eingenommenen Orten gefunden hat. Bei der Droge handelt es sich um Captagon bzw. Fenetyllin. Diese Droge war ursprünglich ein Arzneimittel.

Fenetyllin wurde 1961 auf den deutschen Arzneimarkt gebracht und 25 Jahre lang als Alternative zu Amphetamin benutzt.

In Deutschland ist Fenetyllin nicht als Fertigarzneimittel erhältlich. Das bis 2003 in Deutschland zugelassene Arzneimittel Captagon ließ sich jedoch bis 2010 über internationale Apotheken aus dem Ausland (Belgien) importieren. Fenetyllin ist gemäß BtMG Anlage III ein verkehrs- und verschreibungsfähiges Betäubungsmittel, das jedoch mangels eines zugelassenen Fertigpräparats praktisch nicht verfügbar ist. Rechtlich steht es damit dem Amphetamin gleich.


https://de.wikipedia.org/wiki/Fenetyllin

Diese Droge nehmen vor allem Menschen in Syrien und Saudi-Arabien zu sich.

22.02.1982

Auf diesen Markt stieß nun Kleinunternehmer Yastas vor. Bei Reisen in die alte Heimat und andere arabische Länder hatte er entdeckt, daß "für Fenetyllin dort große Nachfrage ist, vielleicht weil ständige Hitze so müde macht oder S.220 weil der Koran Alkohol verbietet". 1978 begann er, mit Genehmigung der Opiumstelle des Bundesgesundheitsamtes, Fenetyllin-Tabletten herzustellen. Interessiert war er nur am Export in den Orient: "Geschäft dort reicht mir."


1978 begann er, mit Genehmigung der Opiumstelle des Bundesgesundheitsamtes, Fenetyllin-Tabletten herzustellen


http://www.spiegel.de/spiegel/print/d-14346681.html

1978 war irgendwie noch eine andere Zeit.

Nun behauptet dieser Artikel, dass viele IS-Kämpfer oder andere Kämpfer in Syrien diese Droge zu sich nehmen.

In einer Dokumentation, die der arabische Kanal der britischen "BBC" im September ausstrahlte, berichtete ein Libanese: "Du kannst nicht schlafen. Du kannst nicht mal die Augen schließen, vergiss es!" Ein anderer Mann fügte hinzu: "Ich hatte keine Angst mehr, nachdem ich Captagon nahm." Laut einem Syrer, der ehemals gegen Assads Truppen gekämpft hatte, wurde seiner gesamten 350-Mann-Brigade das Mittel ohne ihr Wissen verabreicht.


https://www.welt.de/politik/ausland/art ... Droge.html

Diese Artikel wirft nun die Frage auf, ob Captagon schuld ist an der Grausamkeit der IS-Kämpfer.

Gefühle wie Hunger, Schmerz und Furcht dämpft die Droge genauso wie das Risikobewusstsein. Deswegen kursiert Captagon inzwischen unter dem Namen „Dschihadisten-Droge“ und erklärt die Grausamkeit der IS-Taten. Frühere wissenschaftliche Untersuchungen kamen allerdings zu dem Ergebnis, dass es sich oft um gefälschtes Captagon handelt, das statt Fenetyllin Koffein und andere aufputschende Substanzen enthält.
Die Droge schaltet die Schutzmechanismen des Körpers aus: Die Konsumenten belasten sich übermäßig, sie vergessen sogar zu essen, es fehlen ihnen Vitamine, gleichzeitig verbrauchen sie viel Energie. Das alles zehrt am Körper. Es kommt zum Zusammenbruch.

Langfristig verändert das Aufputschmittel die Persönlichkeit der Menschen. Außerdem drohen Hirnschäden und Psychosen. Letztlich kann unter anderem der erhöhte Blutdruck zum Herzinfarkt und sogar zum Tod führen.


http://www.focus.de/gesundheit/ratgeber ... 14865.html

Da stellt sich die Frage, ob das sein kann. Aber nicht nur in Syrien nehmen IS-Kämpfer diese Droge zu sich, sondern überall.

Große Mengen Aufputschmittel, die offenbar für die Terrormiliz Islamischer Staat bestimmt waren, haben Fahnder der griechischen Polizei und der US-Drogenbehörde DEA (Drug Enforcement Agency) in einem Hafen in Piräus beschlagnahmt. Das berichten mehrere griechische Medien übereinstimmend. Demnach waren auf einem Containerschiff rund 26 Millionen Pillen des Aufputschmittels Captagon im Wert von rund 13 Millionen Euro versteckt.

Den Berichten zufolge war das Schiff unterwegs von Indien nach Libyen.


http://www.n-tv.de/politik/Dschihadiste ... 56491.html
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King Kong 2006
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Re: Dschihadisten-Droge

Beitragvon King Kong 2006 » Do 9. Nov 2017, 19:25

Die Abgabe von Medikamenten an Soldaten hat Tradition. Beruhigend oder fürs Durchhaltevermögen, z.B. für Kampfpiloten. Oder aufputschend. Auch Heinrich Böll hat als Wehrmachtssoldat Chrystel-Meth (Pervitin) geschluckt. Da lässt es sich leichter kämpfen.



Nun ja, für die einen ein Arzneimittel, für die anderen eine Droge.

How Drugs Have Been Used in Basically Every War Ever to Make Soldiers Better at Killing

In his new book Shooting Up, the Polish historian Lukasz Kamienski traces the history of drugs in warfare, from the Viking berserkers to the Mumbai attacks.

https://www.vice.com/sv/article/kwxdby/ ... hooting-up
Wenn man zuviel weiß, wird es immer schwieriger, einfache Entscheidungen zu treffen.
Wissen stellt eine Barriere dar, die einen daran hindert, etwas in Erfahrung zu bringen.
- Frank Herbert, Die Kinder des Wüstenplaneten

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