Hezbollah (Libanon) - Was ist das?

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Paperbackwriter
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Re: Hezbollah (Libanon) - Was ist das?

Beitragvon Paperbackwriter » So 19. Aug 2018, 20:28

Bleibtreu hat geschrieben:(19 Aug 2018, 21:21)

Die Saudis [die GolfStaaten generell] sind fuer mich ganz sicher keine Freunde, auch wenn ich die Notwendigkeit sehe, dass wir uns aus pragmatischen Gruenden mit ihnen zusammen tun zu muessen. Dieses ZweckBuendnis macht mich auch nicht blind, bekloppt oder stumm dafuer, was das fuer eine Bande ist. Wenn mir jemand aus Naivitaet oder als PropagandaBlase den Kronprinzen & seine Politik als moderat verkaufen will, stellen sich mir alle Haare! :|


Das war ja nur sinngemäß für das Verhalten in Konfliktfällen.
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King Kong 2006
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Re: Hezbollah (Libanon) - Was ist das?

Beitragvon King Kong 2006 » Mo 20. Aug 2018, 12:31

Kardux hat geschrieben:(19 Aug 2018, 21:09)

Ja, man ist nicht naiv. Dafür aber saudumm. Anstatt das sich der Nahe Osten am wirtschaftlich-technologischen Wettbewerb der Amerikaner, Europäer und Ostasiaten beteiligt, hängt man sich an ethno-konfessionellen Konflikten fest. Das dies im Interesse der oben genannten Kulturen ist wissen die Menschen im Nahen Osten ja auch. Und trotzdem folgen die Menschen Gruppen wie der Hizbollah, die zum Fortschritt in der Region nichts beitragen - ganz im Gegenteil...


Man toleriert auch nur schwer "starke Staaten" in der Region. Diese müssen automatisch auch wirtschaftlich-technologisch stark sein. Lässt man sie?

Staaten wie Melkühe (Saudi-Arabien) oder ehemalige Türsteher (Golfpolizist Kaiserlicher Iran) sind akzeptiert. Die Türkei bleibt abzuwarten. Man lockt sie immer noch mit der EU. Ob die USA die Daumenschrauben noch stärker anziehen, wenn Ankara keine Linientreue beweißt, bleibt abzuwarten.

Die Kurden wissen selbst, es wird einem nix geschenkt. Auch der Platz des Hegemons nicht. Es gibt einfach zuviele Interessen aus Übersee. D.h. schwache, abhängige Staaten sind erwünscht. Keine starken. Die sind automatisch "böse". Nicht das der Mosaikteppisch in der Region nicht kompliziert genug wäre. Die vielen Köche dazu, die versuchen alle gegeneinander auszuspielen machen die Sache nicht leichter. Alleine schon die bizarre Sitationen, daß in Staaten wie Syrien, Irak und Bahrain als Beispiele zu nennen, nach der Kolonisation Minderheiten an die Macht gebracht wurden, um größere Abhängigkeiten zu erzeugen spricht Bände.
Wenn man zuviel weiß, wird es immer schwieriger, einfache Entscheidungen zu treffen.
Wissen stellt eine Barriere dar, die einen daran hindert, etwas in Erfahrung zu bringen.
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Re: Hezbollah (Libanon) - Was ist das?

Beitragvon Kardux » Mo 20. Aug 2018, 13:49

King Kong 2006 hat geschrieben:(20 Aug 2018, 13:31)

Man toleriert auch nur schwer "starke Staaten" in der Region. Diese müssen automatisch auch wirtschaftlich-technologisch stark sein. Lässt man sie?

Staaten wie Melkühe (Saudi-Arabien) oder ehemalige Türsteher (Golfpolizist Kaiserlicher Iran) sind akzeptiert. Die Türkei bleibt abzuwarten. Man lockt sie immer noch mit der EU. Ob die USA die Daumenschrauben noch stärker anziehen, wenn Ankara keine Linientreue beweißt, bleibt abzuwarten.

Die Kurden wissen selbst, es wird einem nix geschenkt. Auch der Platz des Hegemons nicht. Es gibt einfach zuviele Interessen aus Übersee. D.h. schwache, abhängige Staaten sind erwünscht. Keine starken. Die sind automatisch "böse". Nicht das der Mosaikteppisch in der Region nicht kompliziert genug wäre. Die vielen Köche dazu, die versuchen alle gegeneinander auszuspielen machen die Sache nicht leichter. Alleine schon die bizarre Sitationen, daß in Staaten wie Syrien, Irak und Bahrain als Beispiele zu nennen, nach der Kolonisation Minderheiten an die Macht gebracht wurden, um größere Abhängigkeiten zu erzeugen spricht Bände.


Das starke und unabhängige Staaten im Nahen Osten nicht erwünscht sind (vom Westen, Russland, China) liegt auf der Hand. Wer möchte sich bitteschön Konkurrenten schaffen?

Man sollte im Nahen Osten endlich seine Opferrolle abschütteln und anfangen an einem Strang zu ziehen. Die Sektiererei und der Kolonialismus stehen aber im Weg und werden bis auf ewig "Türöffner" für all jene sein, welche den Nahen Osten als "Brennpunkt" sehen wollen. Der Nahe Osten wird niemals zur Ruhe kommen bis er nicht alle territorialen Fragen geklärt hat und die Religion zurückdrängt.
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Re: Hezbollah (Libanon) - Was ist das?

Beitragvon King Kong 2006 » Mo 20. Aug 2018, 13:58

Kardux hat geschrieben:(20 Aug 2018, 14:49)

Das starke und unabhängige Staaten im Nahen Osten nicht erwünscht sind (vom Westen, Russland, China) liegt auf der Hand. Wer möchte sich bitteschön Konkurrenten schaffen?

Man sollte im Nahen Osten endlich seine Opferrolle abschütteln und anfangen an einem Strang zu ziehen. Die Sektiererei und der Kolonialismus stehen aber im Weg und werden bis auf ewig "Türöffner" für all jene sein, welche den Nahen Osten als "Brennpunkt" sehen wollen. Der Nahe Osten wird niemals zur Ruhe kommen bis er nicht alle territorialen Fragen geklärt hat und die Religion zurückdrängt.


Meine persönliche These ist, das sich das vermutlich - leider - sehr brutal ausbrennen wird. Europa 1945 mit seiner Friedensordnung (zunächst durch Blockbildung erzwungen, jetzt anders aufgestellt) ist nach Jahrhunderten brutalster Kriege entstanden. Vertreibungen, Landverluste- und Gewinne. Kriege mit wirschaftlichen, machtpolitischen und religiösen Hintergründen, alles irgendwie vermischt.

Seit dem Aufstieg des Osmanischen Reiches und anschließender westl. Kolonisation wurden vielen Konflikte konserviert, gedeckelt oder erst mal gründlich vorbereitet (siehe Minderheiten an die Macht, desaströse Grenzen usw.). Jetzt ohne Osmanischem Reich und neuen Staatsbildungen wird das nachgeholt, was Europa Jahrhunderte heimgesucht hat und zum heutigen geformt hat. Der Start für eine Neuordnung war quasi erst in der 2. Hälfte des 20. Jahrhunderts. Das wird in Nahost so schnell keine Ruhe geben. Mit Überseestrategen, die ihr eigenes Süppchen kochen wird das auch nicht schneller...
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Re: Hezbollah (Libanon) - Was ist das?

Beitragvon Fuerst_48 » Di 21. Aug 2018, 19:03

Bleibtreu hat geschrieben:(19 Aug 2018, 21:21)

Die Saudis [die GolfStaaten generell] sind fuer mich ganz sicher keine Freunde, auch wenn ich die Notwendigkeit sehe, dass wir uns aus pragmatischen Gruenden mit ihnen zusammen tun zu muessen. Dieses ZweckBuendnis macht mich auch nicht blind, bekloppt oder stumm dafuer, was das fuer eine Bande ist. Wenn mir jemand aus Naivitaet oder als PropagandaBlase den Kronprinzen & seine Politik als moderat verkaufen will, stellen sich mir alle Haare! :|

...ALLE Haare...
(Keine Details !) :D :D :D
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Re: Hezbollah (Libanon) - Was ist das?

Beitragvon Fuerst_48 » Di 21. Aug 2018, 19:05

King Kong 2006 hat geschrieben:(20 Aug 2018, 14:58)

Meine persönliche These ist, das sich das vermutlich - leider - sehr brutal ausbrennen wird. Europa 1945 mit seiner Friedensordnung (zunächst durch Blockbildung erzwungen, jetzt anders aufgestellt) ist nach Jahrhunderten brutalster Kriege entstanden. Vertreibungen, Landverluste- und Gewinne. Kriege mit wirschaftlichen, machtpolitischen und religiösen Hintergründen, alles irgendwie vermischt.

Seit dem Aufstieg des Osmanischen Reiches und anschließender westl. Kolonisation wurden vielen Konflikte konserviert, gedeckelt oder erst mal gründlich vorbereitet (siehe Minderheiten an die Macht, desaströse Grenzen*) usw.). Jetzt ohne Osmanischem Reich und neuen Staatsbildungen wird das nachgeholt, was Europa Jahrhunderte heimgesucht hat und zum heutigen geformt hat. Der Start für eine Neuordnung war quasi erst in der 2. Hälfte des 20. Jahrhunderts. Das wird in Nahost so schnell keine Ruhe geben. Mit Überseestrategen, die ihr eigenes Süppchen kochen wird das auch nicht schneller...

*) desaströse Grenzen...wäre beinahe eine eigenen Strang wert.

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