Takfirismus

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Adam Smith
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Takfirismus

Beitragvon Adam Smith » Mo 26. Jun 2017, 20:06

Es gibt ja einige Menschen die der Meinung sind, dass Frieden herrschen würde, wenn jetzt alle Menschen die gleiche Religion haben. Es gibt nur ein Problem in Bezug auf diesen Glauben. Wenn eine Sache immer wichtiger wird, dann bilden sich innerhalb dieser Sache wiederum Untergruppen. Und schon sind wieder nicht alle gleich. Das zweite Problem ist, dass die Menschen sehr viel radikaler werden. Ein gutes Beispiel wäre hier der Kommunismus. Die meisten Opfer der Kommunisten waren Kommunisten.

Takfīr (arabisch تكفير) bedeutet in der islamischen Rechtswissenschaft und Theologie die Praxis, einen Muslim oder eine Gruppe von Muslimen der Apostasie (Ridda) zu bezichtigen, zum bzw. zu Ungläubigen, also Kāfir (Plural: Kuffar), zu erklären.

Für die Beschuldigten konnten sich aus dem ihnen erklärten Takfīr verschiedene Strafen ergeben, etwa soziale Ausgrenzung (wie bei der Exkommunikation) oder die Todesstrafe. Auch ein militanter Dschihad kann eine Folge des Takfīr sein (Dschihadismus).

Der Takfirismus gilt heute als eines der zentralen und wachsenden Konflikt- und Handlungsfelder einiger Gruppierungen des Salafismus. Als Kettentakfīr bezeichnen einige Salafisten den Umstand, dass eine Person bereits zum Ungläubigen wird, indem sie es wissentlich unterlässt, Ungläubige als Ungläubige zu bezeichnen und den Takfīr auf sie zu sprechen.


https://de.wikipedia.org/wiki/Takf%C4%ABr

Und so schnell kann man im Moment im Islam zum Ungläubigen werden.

Der IS erklärt nun generell ganze Gruppen zu Ungläubigen.

Turkī al-Binʿalī äußerte sich ferner zu der Frage, welche Gruppen nach Ansicht des Islamischen Staats Muslime sind. So vertritt er als Takfirist etwa den extremen sunnitischen Standpunkt, dass Angehörige der schiitischen Glaubensrichtung der Alawiten als der Häresie (bidʿa) verfallene Ungläubige (kuffār) zu töten seien. Ihre Kinder allerdings, die noch keine Schamhaare haben, wären als Sklaven zu nehmen und zum Islam zu bekehren. Turkī al-Binʿalī rechtfertigt auch die Versklavung jesidischer Frauen.

Turkī al-Binʿalī vertritt auch gegenüber Schiiten einen extremen Standpunkt. Auf der Homepage seines ehemaligen Lehrers Abū Muhammad al-Maqdisī schrieb Turkī al-Binʿalī in einer undatierten Fatwa, der ersten Turkī al-Binʿalīs gegen die Schiiten, mit Verweis auf Abū Muhammad al-Maqdisī, dass die heutigen Zwölfer-Schiiten Ungläubige seien. Die wichtigsten Vorwürfe sind, dass die Schiiten den Koran für verfälscht halten, sie den Großteil der Prophetengenossen verfluchen und an die Verborgenheit und Rückkehr des zwölften Imams glauben.

Heute würden die Zwölfer-Schiiten zusammen mit den Alawiten und den Drusen einen Krieg gegen die Sunniten führen. Deshalb hätte Ibn Taimīya bereits richtig geurteilt, als er schrieb, dass diese drei Parteien schlimmer als Juden und Christen seien – jene glaubten nur an einen Gott glauben und seien so zumindest noch dem Monotheismus zuzurechnen.[27]


https://de.wikipedia.org/wiki/Turki_al-Binali

Das ist natürlich ein Problem. Oder sieht das hier jemand anders?
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Adam Smith
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Re: Takfirismus

Beitragvon Adam Smith » Mi 28. Jun 2017, 18:12

stößt der Leser bei allen Wiederkehrern, die Thomson porträtiert, auf eine Gemeinsamkeit: Sie sind vom IS enttäuscht, aber sie sind weiterhin ideologisch linientreu. Sie hängen weiter einer radikalen Auslegung des Islam an.

Auch bei den Gesprächspartnerinnen von Jenan Moussa zeigt sich dieses Phänomen. "Man muss verstehen, dass sie alle an die Idee des Islamischen Staates glauben. Sie behaupten jetzt nur, dass der IS nicht der wahre ist." Dass sie es nun bedauern, sich dem IS angeschlossen zu haben, ist dem Eindruck der Journalistin nach lediglich dem geschuldet, dass es mit dem IS abwärts geht. Sie wollen nun ein ihr altes Leben zurück, ihre Landevertretungen sollen ihnen helfen. Die Frage wird sein, wer sie aufnehmen wird.


https://www.heise.de/tp/features/IS-Fra ... ml?seite=2

Auch hier gibt es die Gemeinsamkeit zum Kommunismus. Es ist alles richtig nur die Umsetzung war verkehrt. Und natürlich gibt es dann wiederum Muslime oder Kommunisten die keine richtigen Muslime oder Kommunisten sind.
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Re: Takfirismus

Beitragvon King Kong 2006 » Do 29. Jun 2017, 19:27

Ich habe mal einem Bekannten versucht zu erklären, daß nur die Menge X (Christen, Muslime, Konzerne, Sozialisten, Konservative Bewegungen, Freunde des Fahrrades, Schwulenverband, Vegane Küche usw.) groß genug werden muß, dann ist der Ofen mit dem am gleichen Strang ziehen aus. Dann gibts Streit, Richtungskonflikte bis hin zu Krieg und Mord und Totschlag. Gibts sogar ab zwei Personen in einer Ehe. Sowas kann ab einer gewissen Größe gar nicht mehr funktionieren. Trifft auch Imperien.

Finde den Original Ausspruch von Mohammed so auf die Schnelle nicht, aber selbst er sagte vorraus, daß sich die Ummah einst wohl noch heftiger zerstreiten wird, als die Christen (?).

Das sind wohl gruppendynamische Prozesse. Von daher ist es - hier im Falle des Islams - auch immer so eine Sache von "den Muslimen" zu sprechen. Die gibts nicht.
Wenn man zuviel weiß, wird es immer schwieriger, einfache Entscheidungen zu treffen.
Wissen stellt eine Barriere dar, die einen daran hindert, etwas in Erfahrung zu bringen.
- Frank Herbert, Die Kinder des Wüstenplaneten
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Re: Takfirismus

Beitragvon Umetarek » Do 29. Jun 2017, 19:30

King Kong 2006 hat geschrieben:(29 Jun 2017, 20:27)

Ich habe mal einem Bekannten versucht zu erklären, daß nur die Menge X (Christen, Muslime, Konzerne, Sozialisten, Konservative Bewegungen, Freunde des Fahrrades, Schwulenverband, Vegane Küche usw.) groß genug werden muß, dann ist der Ofen mit dem am gleichen Strang ziehen aus. Dann gibts Streit, Richtungskonflikte bis hin zu Krieg und Mord und Totschlag. Gibts sogar ab zwei Personen in einer Ehe. Sowas kann ab einer gewissen Größe gar nicht mehr funktionieren. Trifft auch Imperien.

Finde den Original Ausspruch von Mohammed so auf die Schnelle nicht, aber selbst er sagte vorraus, daß sich die Ummah einst wohl noch heftiger zerstreiten wird, als die Christen (?).

Das sind wohl gruppendynamische Prozesse. Von daher ist es - hier im Falle des Islams - auch immer so eine Sache von "den Muslimen" zu sprechen. Die gibts nicht.

Danke für diesen Beitrag!
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