Saudi-Arabien vs. Katar - ein neuer Brandherd?

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Re: Krieg am Persischen Golf?

Beitragvon Yossarian » Sa 10. Jun 2017, 20:47

King Kong 2006 hat geschrieben:(10 Jun 2017, 21:13)

Der deutsche Spitzenpolitiker Sigmar G. warnt vor einem Krieg am Persischen Golf.



In der Tat wirkt der Umgang der Beteiligten recht rüde. Für nicht Involvierte kam das auch sehr überraschend. Die Mitteilung, das die Türkei Truppen nach Qatar entsendet ist auch nicht ohne. Das Dreieck Türkei, Saudi-Arabien und Iran ist dabei zu betrachten. Und das Wirrwarr aus Washington. Trump lobt das Vorgehen der Saudis (immerhin sind das gute Kunden und ihm hat wohl der Schwerttanz gut gefallen) und der US-Außenminister Tillerson warnt vor der Fortführungen der saudischen Politik. Washington kann man da nicht mehr ernst nehmen. Trump-Effekt.


Spitzenpolitiker.... der sich voll auf der türkisch, iranischen und russischen Linie findet^^
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Re: Krieg am Persischen Golf?

Beitragvon King Kong 2006 » So 11. Jun 2017, 12:31

Yossarian hat geschrieben:(10 Jun 2017, 21:47)

Spitzenpolitiker.... der sich voll auf der türkisch, iranischen und russischen Linie findet^^


Voll auf Linie ist schon relativ. Die Türkei nervt Gabriel mit Incirlik, Asyl für türk. Dissidenten, Demokratieentwicklung in der Türkei uvm. total. Der Iran ist sicher über Gabriel in Israel auch nicht begeistert oder über Haltung von Sanktionen gegenüber dem Iran. Russland hat sicher auch einiges zu kritisieren. Gabriel ist da eher realpolitisch unterwegs. Zumal der US-Außenminister jetzt auch schon warnt. Trump und der saudische König sind da wohl eher auf einer Linie. Auf welcher auch immer.

Wie verwundbar die arabischen Reiche am Persischen Golf sind, sieht man jetzt. Qatar hat Kohle ohne Ende. Riesige Beteiligungen an Weltkonzernen, kann aber nicht einmal die kleine Bevölkerung ernähren.

Iran schickt Flugzeuge mit Lebensmitteln nach Katar

90 Tonnen Obst und Gemüse: Iran hat fünf Flugzeuge mit frischen Nahrungsmitteln in das isolierte Katar geschickt. Zudem sollen bald drei Schiffe mit Lieferungen auslaufen.

http://www.spiegel.de/politik/ausland/k ... 51593.html


Das gilt auch für Saudi-Arabien. Sollte man dieses Land auch nur annähernd einmal so hart anfassen, wie Kuba, Russland oder den Iran, droht der völlige Zusammenbruch. Nur die Kollateralschäden, die immens sein können, führt zur Verhätschelung des Königshauses.
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Re: Saudi-Arabien vs. Katar - ein neuer Brandherd?

Beitragvon Provokateur » Di 13. Jun 2017, 05:46

Hier ein Bericht, den ich nicht so ganz glauben kann:
http://www.stern.de/politik/ausland/alle-gegen-katar---eskaliert-die-krise-am-persischen-golf--7492262.html

Was mir aufstößt:
Ausgelöst hat die Krise um Katar wohl eine Lösegeldzahlung in Milliardenhöhe. 26 Katarer, darunter Mitglieder des Herrscher-Clans der al Thani, waren Ende 2015 während einer Jagd-Safari im Süd-Irak von einer lokalen Schiitenmiliz entführt worden, die mit Teheran kooperiert. Im Rahmen eines komplizierten Deals kamen sie kürzlich frei. Dafür soll Katar insgesamt etwa eine Milliarde US-Dollar Lösegeld gezahlt haben. Bis zu 400.000 US-Dollar davon sollen an hochrangige Hintermänner im iranischen Sicherheitsapparat geflossen sein, außerdem mehr als 100.000 US-Dollar an den al-Kaida-Ableger "Syrische Befreiungsbewegung", der sich früher "al Nusra Front" nannte. Dass Doha solche Summen an Saudi-Arabiens ärgste Widersacher gezahlt hat, soll Riad zu den drakonischen Strafmaßnahmen gegen Katar bewogen haben.


I call BS. Dass Iran mit der sunnitischen AQ bzw. Al Nusra gemeinsame Sache machen soll, halte ich für ausgemachten Quatsch.
Alles was hier verfasst wird, stellt meine persönliche Meinung dar. Ich bin kein Sprecher von irgendwem, speziell nicht meines Arbeitgebers.

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Re: Saudi-Arabien vs. Katar - ein neuer Brandherd?

Beitragvon SpukhafteFernwirkung » Di 13. Jun 2017, 05:58

schokoschendrezki hat geschrieben:(10 Jun 2017, 00:14)

Also, ich hatte damit nur eine sogenannte "Exptertenmeinung" wiedergegeben bzw. weitergereicht.Ich glaube, nein, ich bin
mir sicher, dass die Macht/Geld/Rohstoff/Kriegs-Spekulationen im Nahen OSten für den Duchschnittsbürger nicht wirklich durchschauber isr. Er muss selbst und persönlich und individuell Kriterien für Pressefreiheit bzw,sonstige Sseriösität entwickeln.
ne, diese spontanen allianzen und uralte fehden sind schwer durchschaubar...
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Re: Saudi-Arabien vs. Katar - ein neuer Brandherd?

Beitragvon SpukhafteFernwirkung » Di 13. Jun 2017, 06:02

Anderus hat geschrieben:(10 Jun 2017, 21:19)

So ein Quatsch. Als wenn Katar, dieser Pfutz auf der Landkarte, es auf einen Krieg ankommen lassen würde.
immerhin wird katar von den usa protegiert, denn katar drückt den gaspreis auf dem weltmarkt. die saudis werden niemals gegen den willen der usa katar angreifen, niemals...
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Putsch in der Türkei - Türkei unterstützt jetzt Qatar

Beitragvon King Kong 2006 » Di 13. Jun 2017, 22:26

Ein möglicher weiterer Grund für die Parteinahme der Türkei für Qatar ist aufgetaucht.

UAE allegedly funneled $3B to topple Erdoğan, Turkish government

After President Erdoğan said 'Turkey knew which Gulf countries were happy with the coup attempt on the night of July 15, some eyes are turned to the UAE, which allegedly funneled money to coup plotters before July 15 and still continues spending to topple the president and the democratically elected government in Turkey

https://www.dailysabah.com/politics/201 ... government


Qatar crisis: UAE accused of bankrolling Turkey coup

Journalist close to Turkish state claims UAE spent $3bn on plot, as Turkish president calls Saudi-UAE-Bahrain blockade on Qatar 'inhumane'.

http://www.israelnationalnews.com/News/News.aspx/230961


Ankara hat sich gut mit den Muslimbrüdern und Präsident Mursi in Ägypten verstanden. Sein Sturz soll maßgeblich durch saudisches Geld unterstützt worden sein. Jetzt der Vorwurf, das ein weiterer Putschversuch, hier gegen Erdogan, von den Emiraten finanziell unterstützt worden sein soll. Ist die Unterstützung Qatars jetzt die Retourkutsche Ankaras? Immerhin haben auch Saudis und die Emirate mit Qatar ein Problem. Der Feind meines Feindes ist mein Freund.
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Wie bisher

Beitragvon King Kong 2006 » Do 15. Jun 2017, 06:41

Katar kauft sich wie Saudi-Arabien vom Paten weiterhin Schutz. Ist Qatar nicht ein Terrorunterstützer? Naja, wer ist das bei genauer Betrachtung eigentlich nicht?

Milliardendeal

Katar kauft Kampfjets aus den USA

Ungeachtet der Krise am Golf haben die USA und Katar ein riesiges Rüstungsgeschäft abgeschlossen. Die USA verkaufen dem Emirat F-15-Kampfjets im Wert von zwölf Milliarden Dollar.

http://www.spiegel.de/wirtschaft/sozial ... 52212.html


Riad und Doha bezichtigen sich beide und die USA beliefert beide. Business aus usual.
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Re: Saudi-Arabien vs. Katar - ein neuer Brandherd?

Beitragvon Yossarian » Mo 19. Jun 2017, 16:24

#BREAKING: #Saudi navy detained three members of #Iran’s revolutionary guard from boat seized near Marjan oilfield on Friday
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Re: Saudi-Arabien vs. Katar - ein neuer Brandherd?

Beitragvon Platon » Sa 24. Jun 2017, 13:48

Dieser Fordungskatalog der Saudis an Qatar ist natürlich lächerlich. Weil es ist in der Diplomatie üblich, dass wenn man eigentlich kein Ende des Konflikts will, aber dennoch sich aufgrund äußeren Druck darum bemühen muss, dann stellt man Forderungen die so umfassend sind, dass man sich sicher sein kann, dass die Gegenseitige diese nicht erfüllen will. Das Vorgehen der Saudis gegen Qatar zuletzt scheint mir doch sehr stark in diese Richtung zu gehen.
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Re: Saudi-Arabien vs. Katar - ein neuer Brandherd?

Beitragvon Audi » Sa 24. Jun 2017, 13:57

Was will man denn? Krieg gegen Katar , Iran und Türkei?
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Re: Saudi-Arabien vs. Katar - ein neuer Brandherd?

Beitragvon Platon » Sa 24. Jun 2017, 14:45

Audi hat geschrieben:(24 Jun 2017, 14:57)

Was will man denn? Krieg gegen Katar , Iran und Türkei?

http://gulfnews.com/news/gulf/qatar/qat ... -1.2048118

1. diplomatische Beziehungen mit Iran abbrechen und jegliche Kooperation mit Iran einstellen
2. Beziehungen zu Organisationen der Muslimbrüder und zur Hisbollah einstellen (auch zu AQ und IS, was aber albern ist, weil es keine offizielle Beziehungen gibt)
3. al Jazeera schließen
4. andere Nachrichtensender schließen die Qatar finanziert
5. die militärische Präsenz der Türkei in Qatar beenden und auch keine gemeinsamen Militärübungen in Qatar abhalten
6. Das Finanzieren aller Gruppen und Individuen stoppen die von Saudi-Arabien, den Vereinigten Arabischen Emiraten, Ägypten, Bahrain oder den USA als terroristisch eingestuft werden (hier dürfte es wieder um jeweilige Oppositionelle, Hisbollah, Hamas und andere Muslimbrüder gehen)
7. alle terroristischen Personen ausliefern, ihren Besitz einfrieren und Infos über ihren Aufenthaltsort übergeben
8. aufhören sich in innere Angelegenheiten anderer Staaten einzumischen, aufhören die Staatsbürgerschaft Leuten zu gewähren die in Saudi Arabien, den Vereinigten Arabischen Emiraten, Ägypten und Bahrain gesucht werden (hier dürfte es wieder um Oppositionelle aller Art und Hisbollah/Muslimbrüder-Leute gehen)
9. Alle Kontakte mit der pol. Opposition in Saudi-Arabien, den Vereinigten arabischen Emiraten, Ägypten und Bahrain abbrechen und alle Informationen über vorhergehende Kontakte übergeben.
10. Reparationen bezahlen für den Schaden den vorhergehende Politik Qatars in umliegenden Ländern verursacht wurde, die Höhe wird in Zusammenarbeit mit Qatar festgelegt.
11. Sich politisch, ökonomisch, gesellschaftlich und militärisch mit den anderen Golfstaaten und arabischen Staaten vereinen, entsprechend eines 2014 geschlossenen Abkommens.
12. Den Forderungen innerhalb von 10 Tagen zustimmen, andernfalls verfällt diese Liste.
13. Zustimmung für monatliche Prüfungen ob die Forderungen umgesetzt werden im ersten Jahr, danach nur noch 4mal im Jahr für die nächsten 10 Jahre.


Das ist natürlich lächerlich. Hintergrund ist die außenpolitische Konkurrenz von Saudi Arabien und Qatar, da erstere salafistische Gruppen stützt und den Iran und pro-iranische Gruppen militärisch und politisch so gut bekämpft wie sie können, aus Angst der Iran würde sonst versuchen in Saudi Arabien Kriege und Aufstände anzuzetteln. Ein wichtiges Mittel sind dabei die jihadistischen Gruppen (religiös: streng-salafistisch, politisch: islamistisch-revolutionär/pro-saudisch, AQ und der IS sind ja die Gruppen die es mit dem "pro-saudisch" nicht mehr so haben) Qatar wiederum hatte unter dem vorherigen Scheich Hamad bin Chalifa al Thani versucht außenpolitisch eine unabhängige Politik zu fahren um eben nicht zwischen den beiden Großmächten Iran und Saudi Arabien aufgerieben zu werden. Man hat mit al Jazeera den arabischen Frühling und zahlreiche Aufstandsbewegungen in der arabischen Welt ziemlich offen unterstützt. Wären die Revolten erfolgreich gewesen, wären überall pro-qatarische Leute an die Macht gekommen. Dabei ist typisch, dass man, ebenso wie die Türkei, besonders gut mit Muslimbrüder-nahen Organisationen kann (religiös: orthodox-konservativ, politisch: nationalistisch/gemäßigt-islamistisch) und man ist seit jeher darum bemüht zu allen Mächten in der Region (also auch dem Iran) gute Beziehungen zu haben. Um zum einen als Vermittler aufzutreten und weil man sich mit Iran ein Ölfeld (South-Pars-Gasfeld teilt und daher nicht an einem schlechten Verhältnis mit dem Iran interessiert ist, bei dem man dann gegenseitig irgendwelche Schiffe attackiert oder so was. Die Unterstützung des arabischen Frühlings war so ein wenig ein Ende dieser diplomatischen Haltung mit allen gut zu können und man hat bestimmte Gruppen unterstützt. Nun gab es 2013 allerdings einen Machtwechsel zum neuen Schaich Tamim bin Hamad Al Thani und die ganze Sache ist seitdem ziemlich den Bach runter gegangen.

Eine Woche nach dem Machtwechsel in Qatar hat in Ägypten ein pro-saudischer Diktator al Sissi den Muslimbruderpräsidenten Mursi weggeputscht und mittlerweile seine Macht gefestigt. In Syrien haben auch ab 2012/2013 die salafistischen pro-Saudi-Gruppen immer mehr die syrische Opposition übernommen, dazu hat al Nusra und der IS gemäßigte Truppen in Schwierigkeiten gebracht, zumal auch die westlichen Staaten durch die doch fragwürdigen Absichten der stärksten Gruppen in der syrischen Opposition von einer groß angelegten Förderung der syrischen anti-Assad-Millizen abgesehen haben.

Die Saudis sind in ihrem anti-iranischen Kurs immer weiter eskaliert, vor dem Hintergrund dass auch die Iraner ihre Militärpräsenz in Syrien und Irak immer weiter ausbauen und für ihre Verbündeten in Damaskus und Bagdad immer mehr Gebiete (zurück) erobern. Der Irak ist durch die Stärke der quasi unter direkter Kontrolle der Revolutionsgarden stehenden schiitischen Milizen schon fast zur Kolonie der Iraner oder besser der Revolutionsgarden geworden. Diese Entwicklung hatte auch erst 2014 begonnen als die reguläre irakische Armee unter dem Ansturm des IS kollabierte und plötzlich schiitische Kerngebiete wie Samarra oder die Gebiete südlich von Bagdad vom IS unmittelbar und direkt bedroht wurden. Der wichtigste schiitische Gelehrte im Irak, Sistani veröffentlichte eine Jihad-Fatwa und es wurden von den Revolutionsgarden ausgerüstete und finanzierte Milizen gegründet die jetzt im Irak und in Syrien in großer Zahl kämpfen und dort militärisch sehr wichtig sind. Just in diesen Tagen z.B. beim Versuch die Wüstengebiete in Ost-Syrien zurück zu erobern.

Dazu haben die Saudis 2015 militärisch im Jemen interveniert gegen eine pro-iranische Gruppe, die Ende 2014 große Teile des Landes erobert hatten, nachdem sie sich mit Anhängerns des 2012 im Zuge des arabischen Frühlings abgesetzten ehemaligen Präsidenten Ali Abdullah Salih zusammen geschlossen hatten. Allerdings blieb die Offensive ohne großen Erfolg, man hat zwar ein paar Gebiete zurück erobert aber bekanntlich sehr klar aufgezeigt bekommen, dass die saudische Armee doch nicht ganz so toll ist, wie sie wohl selber geglaubt haben. Auch zwei Jahre später ist man noch weit davon entfernt die jemenitische Hauptstadt Sanaa zurück zu erobern und die Houthis in ihre Kerngebiete zurück zu drängen. Stattdessen hat man sich militärisch blamiert und eine humanitäre Katastrophe ausgelöst und sieht sich aufgrund des eigenen brutalen Vorgehens internationaler Kritik ausgesetzt.

Diese neue militärisch-aggressive Politik hat auch viel mit einem Machtwechsel in Saudi Arabien zu tun. Salman ibn Abd al-Aziz hat 2015 nach dem Tod von Abdullah ibn Abd al-Aziz die Macht übernommen und vor allem der erst diese Woche zum Kronprinzen ernannte Mohammed bin Salman soll hinter diesem Politikwechsel stehen. Trump hat ihnen nach dem jüngsten Waffendeal über >100 Milliarden Dollar quasi Narrenfreiheit gegeben bzw. es wurde relativ klar, dass er gar nicht weiß worum es dort geht und seither versuchen der US-Außenminister und der Verteidigungsminister zu vermitteln, bisher ohne Erfolg.

Im Moment gibt es einen großen pro-saudischen Block der salopp gesagt aus saudischen Vasallen besteht. Ägypten, Bahrain, die VAE und die Saudis selber auf der einen Seite und Qatar auf der anderen Seite unterstützt vor allem von der Türkei. Diese sind neuerdings militärisch in Qatar präsent (die USA haben auch eine wichtige Basis in Qatar, womit gleich zwei NATO-Staaten vor Ort sind und das Land daher militärisch unangreifbar machen), schicken humanitäre Hilfe und es gibt die Behauptung die VAE hätten den versuchten Putsch in der Türkei finanziert. Auch die Iraner bieten natürlich auch ihre Hilfe an und schicken humanitäre Güter, aber aus qatarischer Sicht ist das im Moment politisch natürlich nur begrenzt hilfreich.

Die Frage ist jetzt natürlich wie das weiter geht. Das hängt m.E. sehr stark von den USA ab. Denn diese müssen Druck auf alle Beteilligten, vor allem die Saudis ausüben um zu einer Einigung zu kommen. Angesichts der innenpolitischen Schwäche der Trump-Regierung, keiner weiß ob Trump nicht doch bis zum Ende seiner Amtszeit noch ein (womöglich erfolgreiches) Absetzungsverfahren gegen sich erlebt, und des Chaos auch innerhalb der Regierung, dass Trump und seine engsten Berater schlichtweg intellektuell nicht in der Lage sind, auf neue Entwicklungen in der Region angemessen zu reagieren, ist das aber fraglich. Die obigen Forderungen sind allesamt lächerlich und Qatar wird darauf sicherlich nicht eingehen. Man würde sich selbst zur saudischen Provinz machen und wie gesagt von einem kriegisch-feindlichen Verhältnis zum Iran hätte man ziemlich unmittelbare Nachteile. Sollte sich andeuten, dass die Blockade auf Jahre hinaus bestehen bleibt, wäre übrigens auch die WM in Qatar 2022 in Gefahr. Sollte diese verlegt werden, wäre das aber noch das beste an der Sache.
Zuletzt geändert von Platon am Sa 24. Jun 2017, 15:18, insgesamt 5-mal geändert.
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Re: Saudi-Arabien vs. Katar - ein neuer Brandherd?

Beitragvon Audi » Sa 24. Jun 2017, 15:02

Naja die Türkei und der Iran wird Katar unterstützen. Sollte für Moskau was raus Springen sind die bestimmt ebenfalls dabei
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Re: Saudi-Arabien vs. Katar - ein neuer Brandherd?

Beitragvon Wasteland » Sa 24. Jun 2017, 16:06

Yossarian hat geschrieben:(05 Jun 2017, 10:36)

Unwahrscheinlich und vorgeschoben.

Der Grund dürfte eher bei Al Jazeera zu suchen sein welches dort seinen Sitz hat.

Und islamistischen Terror unstertützen sie alle.


Saudi Arabien sogar noch mehr. Qatar (und damit auch Al-Jazeera) unterstützt die Muslimbrüder die eine starke Bedrohung für das Königshaus in Saudi-Arabien und für die Diktatur in Ägypten sind. Daher unterstützt Ägypten ja Saudi-Arabien dabei. Das ist auch der Grund warum die Türkei Qatar unterstützt, da die AKP den Muslimbrüdern ideologisch nahe steht. Ein Machtkampf innerhalb der islamsichen Welt.
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Re: Saudi-Arabien vs. Katar - ein neuer Brandherd?

Beitragvon Yossarian » Sa 24. Jun 2017, 17:19

Wasteland hat geschrieben:(24 Jun 2017, 17:06)

Saudi Arabien sogar noch mehr. Qatar (und damit auch Al-Jazeera) unterstützt die Muslimbrüder die eine starke Bedrohung für das Königshaus in Saudi-Arabien und für die Diktatur in Ägypten sind. Daher unterstützt Ägypten ja Saudi-Arabien dabei. Das ist auch der Grund warum die Türkei Qatar unterstützt, da die AKP den Muslimbrüdern ideologisch nahe steht. Ein Machtkampf innerhalb der islamsichen Welt.


In der Tat, und mit vollkommen offenem Ausgang. Zu einem ausgewachsenen militärischen Konflikt wird es aber nicht kommen, dafür sorgen die USA denke ich die daran kein Interesse haben. Russland ist allerdings ne Wildcard die für Überraschungen sorgen kann, glaube der saudische König ist gerade oder wird bald in Moskau erwartet.

Persönliche Einschätzung:
Am Ende wird Qatar ein paar Zugeständnisse machen und das wars.

Edit: Naja, ganz sicher dass die USA den Saudis keinen Blankoscheck ausstellen bin ich aber auch nicht.
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Ankara und Teheran sprechen Katar Mut zu

Beitragvon King Kong 2006 » So 25. Jun 2017, 21:42

Rohani und Erdogan springen Katar zur Seite

Mitten in der Krise bekommt Katar Unterstützung aus der Region: Irans Präsident Rohani will die Beziehungen zu dem "Bruderstaat" vertiefen. Auch der türkische Präsident Erdogan pflichtet dem Emirat bei.


Aus dem Iran gibts jeden Tag Früchte und Gemüse. Die ersten türkischen Panzer sind inzwischen auch auf einem Stützpunkt in Katar angekommen.

In der Katar-Krise hat sich Iran mit Nachdruck auf die Seite des Golfemirats gestellt. Teherans Politik ziele darauf ab, die Beziehungen zu Katar "immer weiter zu entwickeln", sagte der iranische Präsident Hassan Rohani nach einem Telefonat mit dem Emir von Katar, Scheich Tamim bin Hamad al-Thani.

Iran stehe "an der Seite des Volkes und der Regierung von Katar", sagte Rohani. Der iranische Luftraum ebenso wie die Seegebiete des Landes stünden Katar "jederzeit offen", das Golfemirat sei "ein Bruderstaat".

Der Iran kündigte inzwischen an, jeden Tag rund 1100 Tonnen Früchte und Gemüse nach Katar zu liefern.


Rückhalt bekam Katar auch vom türkischen Präsidenten Recep Tayyip Erdogan. Eine Liste mit 13 Forderungen, die die Gegner Katars als Bedingung für ein Ende der Isolierung des Emirats formuliert hatten, verstoße gegen internationales Recht, sagte Erdogan laut der amtlichen türkischen Nachrichtenagentur Anadolu.


Auf der anderen Seite stehen Saudi-Arabien, Bahrain, die Emirate und Ägypten.

Katars Gegner fordern laut Medienberichten unter anderem die Schließung des Nachrichtensenders Al Jazeera, eine Distanzierung Katars von Iran und die Schließung eines türkischen Militärstützpunktes in dem Golfemirat. Katar wies die Forderungen zurück.

http://www.spiegel.de/politik/ausland/i ... 54295.html


Mit der Türkei und dem Iran an der Seite ist es für Riad, Kairo und Co. sicher nicht einfach gegen Katar vorzugehen. Die USA liefern beiden Seiten Waffen.
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Re: Saudi-Arabien vs. Katar - ein neuer Brandherd?

Beitragvon schokoschendrezki » Mo 26. Jun 2017, 05:33

Yossarian hat geschrieben:(24 Jun 2017, 18:19)

In der Tat, und mit vollkommen offenem Ausgang. Zu einem ausgewachsenen militärischen Konflikt wird es aber nicht kommen, dafür sorgen die USA denke ich die daran kein Interesse haben. Russland ist allerdings ne Wildcard die für Überraschungen sorgen kann, glaube der saudische König ist gerade oder wird bald in Moskau erwartet.


Anfang Juni hieß es, die Verstimmung basiere auf einer durch russische Hacker platzierten Fehlmeldung in katarischen Medien. Zu der Zeit äußerte sich auch der katarische Außenminister dahingend, dass "alles auf Fehlmeldungen" basiere. Es wurde auch am Anfang dieses Threads darauf hingewiesen. Was ist daraus geworden?
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Re: Saudi-Arabien vs. Katar - ein neuer Brandherd?

Beitragvon Audi » Mo 26. Jun 2017, 13:26

schokoschendrezki hat geschrieben:(26 Jun 2017, 06:33)

Anfang Juni hieß es, die Verstimmung basiere auf einer durch russische Hacker platzierten Fehlmeldung in katarischen Medien. Zu der Zeit äußerte sich auch der katarische Außenminister dahingend, dass "alles auf Fehlmeldungen" basiere. Es wurde auch am Anfang dieses Threads darauf hingewiesen. Was ist daraus geworden?

Nichts, die Medien spekulierten über russische Hacker. Egal wer hackt, es waren immer Russen :rolleyes: Nur ist es eben nicht haltbar und entpuppt sich als fakenews . Wundert mich nicht wieso da nichts mehr kommt
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Re: Saudi-Arabien vs. Katar - ein neuer Brandherd?

Beitragvon Yossarian » Mo 26. Jun 2017, 13:29

Muss ich Audi mal beipflichten, halte ich auch für Desinformation.
Qatar hats verkackt und versucht es mit einem Hack zu rechtfertigen.
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Re: Saudi-Arabien vs. Katar - ein neuer Brandherd?

Beitragvon Audi » Di 27. Jun 2017, 12:40

Iran und Türkei stellen sich hinter Katar

Indes rief US-Außenminister Tillerson in der diplomatischem Krise mit den Saudis zum Dialog auf.
In der diplomatischen Krise um Katar haben sich der Iran und die Türkei klar auf die Seite des Emirats gestellt. Teherans Politik ziele darauf ab, die Beziehungen zu Katar "immer weiter zu entwickeln", sagte der iranische Präsident Hassan Rouhani am Sonntag nach einem Telefonat mit dem Emir von Katar, Scheich Tamim bin Hamad al-Thani.
Teheran stehe "an der Seite des Volkes und der Regierung von Katar", versicherte Rouhani. Der iranische Luftraum ebenso wie seine Seegebiete und sein Territorium stünden Katar "jederzeit offen", das Golf-Emirat sei "ein Bruderstaat".
Blockade durch arabische Staaten
Saudi-Arabien, Ägypten, Bahrain und die Vereinigten Arabischen Emirate hatten am 5. Juni ihre diplomatischen Beziehungen zu Katar abgebrochen und eine Verkehrs- und Handelsblockade gegen den gasreichen Wüstenstaat am Persischen Golf verhängt. Der Iran kündigte inzwischen an, jeden Tag über den Golf rund 1.100 Tonnen Früchte und Gemüse nach Katar zu liefern.
Die Gegner Katars fordern laut Medienberichten unter anderem die Schließung des Nachrichtensenders Al-Jazeera, eine Distanzierung Katars vom Iran und die Schließung eines türkischen Militärstützpunktes in dem Emirat. Saudi-Arabien und seine Verbündeten begründeten ihre ultimativen Forderungen mit dem Vorwurf, das Emirat unterstütze radikale Gruppen wie die ägyptische Muslimbruderschaft, die palästinensische Hamas, die Dschihadistenmiliz "Islamischer Staat" (IS) und Al-Kaida.
Unterstützung aus der Türkei
Rückhalt erhielt Katar auch vom türkischen Präsidenten Recep Tayyip Erdogan. Eine Liste mit 13 Forderungen, die die Gegner Katars als Bedingung für ein Ende der Isolierung des Emirats formuliert hatten, verstoße gegen internationales Recht, sagte Erdogan am Sonntag laut amtlicher Nachrichtenagentur Anadolu.

http://www.msn.com/de-de/nachrichten/po ... ?li=AA5a8i

Katar dürfte jetzt erstmal militärisch abgesichert sein. Vor allem stehen dort die USA mit einer großen Basis. Absurd dieses Theater

Die Araber haben eh die größten Probleme militätische Operation zu führen. Siehe jemen
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Re: Saudi-Arabien vs. Katar - ein neuer Brandherd?

Beitragvon Alpha Centauri » Di 27. Jun 2017, 22:49

Yossarian hat geschrieben:(05 Jun 2017, 11:34)

Naja... Georgische und russische Truppen waren auch zusammen auf UN-Missionen als Putin Georgien überfallen hat.

Die USA würden sicher nicht intervenieren, die US Beziehungen zu Katar sind nicht die Besten. Aber sehr unwahrscheinlich ist es auf jeden Fall.

Ja klar Katar warbin letzer Zeit zu Autonom.in seiner außenpolitischen Handlungsweise sie verstanden sich für den Geschmack Riads ( und wohl auch Washingtons) zu gut mit dem schiitischen Iran das Übelnder Welt den Erzfeind alles Guten ( also den sunnitischen Wahabismus) auf Erden. Der Iran hat mit Iran ein.Bein in.der Tür der arabisch geprägten Staaten am persischen Golf dass musste Riad missfallen, außerdem tobt nicht Unweit im Jemen ein Stellvertreter Krieg zwischen Riad und Teheran Sunniten und Schiiten un Macht und Einfluss im Jemen. Der alt Glaubensstreit bzw Gegebsatz Sunniten uns Schiiten.befeuerte nur noch mehr und liefert ein willkommenen Vorwand für die geopolitisch Planspiele und Machtgelüste der beiden unversöhnlichen Gegenspieler am persischen Golf.

Im Hintergrund derweil mischt natürlich auch der ordnende doch meist Chaos stiftende ( je nach Schaden -und Nutzenkalkulation) Weltpolizist " Uncle Sam" kräftig mit.

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