Giftgasangriff in Syrien

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Teeernte
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Re: Giftgasangriff in Syrien

Beitragvon Teeernte » Di 11. Apr 2017, 22:38

Bleibtreu hat geschrieben:(11 Apr 2017, 23:17)

Soll Assad so weiter machen duerfen, bis er alle umgebracht hat, die nicht fuer ihn sind? Gehen dir die Syrer derart am Arsch vorbei? :|
PS - Du glaubst allen ernstes, dass der Anschlag auf den BVB-Bus was mit Trump zu tun hat?
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Loki
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Re: Giftgasangriff in Syrien

Beitragvon Loki » Di 11. Apr 2017, 23:02

Bleibtreu hat geschrieben:(11 Apr 2017, 23:17)

Soll Assad so weiter machen duerfen, bis er alle umgebracht hat, die nicht fuer ihn sind? Gehen dir die Syrer derart am Arsch vorbei? :|

Wieso nur er ??
Dort ballern doch alle möglichen in- und ausländischen Fraktionen auf Zivil- und Nichtzivilpersonen. Soll ich mir jetzt meine Lieblinge raussuchen ?
Oder sollte mich nicht lieber die innere Sicherheit hierzulande interessieren ?


Soweit ich mich erinnere, ist es alles andere als unerheblich, ob der Einsatz diverser Kampfmittel innerländisch oder bei internationalen bewaffneten Konflikten stattfindet.
Letztendlich ist es bei der Beurteilung was schlimmer sei egal, ob eine Regierung "ihr Volk" mit herkömmlichen Waffen oder ABC-Waffen zerlegt.
Beide Varianten sind zu verurteilen, geben jedoch m. M. n. Ausländern keinerlei Erlaubnis für bestimmte Einzelaktionen mit Raketenangriffen!
(Und selbst gemeinsame "Prügelstrafen" sind zumeist fragwürdig, sobald sie einer Gewaltanwendung gleichen.)

Das von der Weltengemeinschaft ausgearbeitete Völkerrecht wird es ähnlich umschreiben.


PS - Du glaubst allen ernstes, dass der Anschlag auf den BVB-Bus was mit Trump zu tun hat?

Hier glaubt doch auch fast jede/r, daß ein Nahezu-Bürgerkriegsgewinner noch mal schnell die Weltaufmerksamkeit auf sich zieht ?!

Es ist mehr als logisch, daß nun syrische Schläfer im Flüchtlingspelz "im Westen" aktiv werden oder aktiv werden könnten.
Daran keinesfalls zu denken, wäre naiv.
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King Kong 2006
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Wenn alle Stricken reissen - Godwins Law

Beitragvon King Kong 2006 » Di 11. Apr 2017, 23:32

Sean Spicer - einer der besten Spezialisten aus Trumps Team - analysiert die Lage.

"Nicht einmal Hitler hat Chemiewaffen eingesetzt"

Trumps Sprecher Sean Spicer hat einen historisch falschen Vergleich zwischen Syriens Staatschef Assad und dem NS-Regime gezogen. Für eine Klarstellung benötigte er zwei Anläufe.

Der Sprecher des Weißen Hauses hat dem syrischen Diktator Baschar al-Assad unterstellt, schlimmer als Hitler zu sein. "Nicht einmal Hitler ist so weit gesunken, Chemiewaffen einzusetzen", sagte Sean Spicer auf einer Pressekonferenz in Washington.

Politiker und Historiker wiesen Spicers Aussage kurz nach Bekanntwerden entschieden zurück, auch Rücktrittsforderungen wurden laut.

http://www.spiegel.de/politik/ausland/s ... 42961.html


Die Region war ist und wird es noch etwas sein, sehr wichtig für die industrialisierte Welt. Sie ist Spielball großer Mächte. Aber auch zunehmend im Rahmen der globalisierten Welt verändert auch die Region das Antlitz der sogenannten 1.Welt, z.B. durch Immigration.

Alle sind enttäuscht. Die Araber nach Sykes-Picot. Die Schiiten nach Bush, die Iraner nach Operation Ajax, die Sunniten nach den jüngsten Entwicklungen, die Kurden uvm. Man muß kein Radikaler sein, um die Kommentare und Aktionen der Interventionisten als heuchlerisch wahrzunehmen. Nicht die NGO´s und freiwilligen Helfer. Aber die Spicer´s und Co. Giftgas wurde nicht zum ersten Mal dort eingesetzt. Es ist strittig, ob es von den Briten 1920 eingesetzt wurde. Auf jedem Fall von dem West-Allierten Saddam. Und zwar in gewaltigen Mengen über Jahre. Das hat niemanden gejuckt. Nur die "Gutmenschen". Logistik flutete aus dem Westen (USA und Deutschland) trotzdem ununterbrochen zu Saddam. Nur, das war eben opportun. Es diente den Interessen. Jetzt wird es in die andere Richtung instrumentalisiert. Genau wegen diesem Geschachere hat man bei breiten Schichten der Gesellschaften in der Region - als moralisch zeigender Westen - "verloren". Das nehmen viele nicht mehr ernst. Und das gilt wie gesagt nicht nur für den Dorftrottel in irgendeiner Karawanserei oder einem Hardcore Islamisten. Das ist viel breiter gefächert.

So, Spicer aus dem Profi-Top Team Trump meint, Assad ist noch schlimmer als Hitler, der immerhin keine ABC-Waffen als Kriegswaffe eingesetzt hat. Tja, Sean... Wo warst du als die Briten und Saddam auf Hitler gemacht haben. Und kann man einen Hitler, mit einem an Unmenschlichkeit grenzender Entschlossenheit ausgeführter Zerstörung von Gebäuden auf einem Flugplatz Genüge tun? Ok, rethorische Frage.
Wenn man zuviel weiß, wird es immer schwieriger, einfache Entscheidungen zu treffen.
Wissen stellt eine Barriere dar, die einen daran hindert, etwas in Erfahrung zu bringen.
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Re: Giftgasangriff in Syrien

Beitragvon DarkLightbringer » Di 11. Apr 2017, 23:57

H2O hat geschrieben:(11 Apr 2017, 13:40)

Ihnen wird sicher nicht entgangen sein, daß die Bundeswehr schon jetzt überfordert ist; einmal nicht zeitgemäß und zuverlässig ausgerüstet, dann eine unglückliche Personalpolitik mit Menschen, die anderswo wenig Aussichten auf eine dauerhafte Beschäftigung haben. Bevor wir also über ungelegte Eier streiten, soll das zuerst einmal aufgeräumt und aufgerüstet werden, wie das unserer Bevölkerungszahl und Wirtschaftskraft entspricht.

Die Tornado-Aufklärer in Syrien haben mit Giftgas nun wirklich nichts am Hut; die hat die Bundeswehr zur Unterstützung der französischen Einsätze gegen den IS bereit gestellt, neben einer Truppe in Mali... damit die Franzosen dort ihren Einsatz vermindern können. Man sollte nicht alles mit allem vermengen.

Ich finde es auch der Sachlage angemessen, daß nun erst einmal untersucht wird, welchen Hintergrund dieser verbrecherische Giftgasangriff auf Zivilisten hatte, bevor man allseits den Krieg erklärt. Wenn Rußland diese Untersuchung abblockt, dann wird eben die Liste der Dienstleistungen und Waren länger, die nicht mehr mit Rußland gehandelt werden.

Vor allem aber muß unsere Abwehrfähigkeit schleunigst auf einen zeitgemäßen Stand gebracht werden. Nur dicke Backen machen reicht nicht... man muß auch pusten können.

Danach können wir auch deutsche Soldaten aus Würselen oder Passau einmal zur Wahrung deutscher Interessen aufbieten. Vorher auf jeden Fall nicht.

Die Tornados in Syrien sind gewiss nicht überfordert, sie machen im Prinzip nur Fotos und sind auf Wunsch von Verbündeten mit einer Mission präsent, die oberhalb der Wahrnehmungsschwelle liegt.

Die Vergeltung für die Giftgasangriffe ist für viele ein Symbol der Hoffnung. Die Hoffnung auf einen Kurswechsel der Zivilisation, auf ein Stopp der "Massenvernichtung der Zivilbevölkerung" (Kristin Helberg im TV unter Verweis auf die UN-Berichte).

Es wäre das Gebot der Stunde, einen Bund zu schmieden, der gegen Tyrannei und Terroismus aller Art und Form vorzugehen bereit ist.
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Re: Giftgasangriff in Syrien

Beitragvon H2O » Mi 12. Apr 2017, 09:08

DarkLightbringer hat geschrieben:(12 Apr 2017, 00:57)

Die Tornados in Syrien sind gewiss nicht überfordert, sie machen im Prinzip nur Fotos und sind auf Wunsch von Verbündeten mit einer Mission präsent, die oberhalb der Wahrnehmungsschwelle liegt.

Die Vergeltung für die Giftgasangriffe ist für viele ein Symbol der Hoffnung. Die Hoffnung auf einen Kurswechsel der Zivilisation, auf ein Stopp der "Massenvernichtung der Zivilbevölkerung" (Kristin Helberg im TV unter Verweis auf die UN-Berichte).

Es wäre das Gebot der Stunde, einen Bund zu schmieden, der gegen Tyrannei und Terroismus aller Art und Form vorzugehen bereit ist.


Was verführt Sie dazu, die Rolle der Bundeswehr bei der Bekämpfung von IS-Nestern so gering zu schätzen? Sind die inzwischen geschulten und gut ausgerüsteten Kurden und Jesiden nicht erfolgreich genug? Treffen die Bomben der französischen Luftwaffe die übermittelten Ziele nicht?

Der Bund gegen Tyrannei und Terrorismus ist 1945 gegründet worden. Daß er nicht so recht funktioniert, das ist wieder eine andere Sache. Vernünftiger wäre wohl eine Einigung, den IS und AlKaida-Ableger gemeinsam zu bekämpfen und nach Erledigung dieser Aufgabe wieder eigene Wege zu gehen. Ewig gleiche Interessen kann man ganz einfach nicht voraussetzen: Siehe UNO und Weltsicherheitsrat.
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Re: Giftgasangriff in Syrien

Beitragvon relativ » Mi 12. Apr 2017, 09:20

H2O hat geschrieben:(12 Apr 2017, 10:08)

Was verführt Sie dazu, die Rolle der Bundeswehr bei der Bekämpfung von IS-Nestern so gering zu schätzen? Sind die inzwischen geschulten und gut ausgerüsteten Kurden und Jesiden nicht erfolgreich genug? Treffen die Bomben der französischen Luftwaffe die übermittelten Ziele nicht?

Der Bund gegen Tyrannei und Terrorismus ist 1945 gegründet worden. Daß er nicht so recht funktioniert, das ist wieder eine andere Sache. Vernünftiger wäre wohl eine Einigung, den IS und AlKaida-Ableger gemeinsam zu bekämpfen und nach Erledigung dieser Aufgabe wieder eigene Wege zu gehen. Ewig gleiche Interessen kann man ganz einfach nicht voraussetzen: Siehe UNO und Weltsicherheitsrat.

Nun wenn dies alles so einfach wäre. Um den Terror zu bekämpfen muss man ja mehere Dinge auf einmal tun.
1. Mann muss die Zufriedenheit der Bevölkerung steigern, Stichworte: Armutsbekämpfung, Bildung, ect.
2. Direkte Bekämpfung der Terrormilizen, so denn möglich da ausreichend sichtbar...meist nicht der Fall
3. der wichtigste Punkt die Bekämpfung der gesamten Logistik des Terrors und da hab ich so meine Zweifel, ob es gelingen kann da alle unter einem Hut zu bekommen, denn es könnte diesbezüglich ein Böses erwachen geben. Sowohl was direkte als auch indirekte Hilfe für den Terror angeht.
4. Häufig habe ich auch den Verdacht, daß es einigen Mächten gar nicht so unrecht ist, immer so ein zwei Bösewichte im Kleiderschrank zu horten, um sie bei Gelegenheit zum Verkloppen rauszuholen.
Zuletzt geändert von relativ am Mi 12. Apr 2017, 10:06, insgesamt 1-mal geändert.
Das Banale braucht man nicht zu schälen.
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Re: Giftgasangriff in Syrien

Beitragvon DarkLightbringer » Mi 12. Apr 2017, 09:48

H2O hat geschrieben:(12 Apr 2017, 10:08)

Was verführt Sie dazu, die Rolle der Bundeswehr bei der Bekämpfung von IS-Nestern so gering zu schätzen? Sind die inzwischen geschulten und gut ausgerüsteten Kurden und Jesiden nicht erfolgreich genug? Treffen die Bomben der französischen Luftwaffe die übermittelten Ziele nicht?

Sicherlich leisten die Bundeswehr-Missionen ihren Beitrag. Es könnte aber mehr sein.

Der Bund gegen Tyrannei und Terrorismus ist 1945 gegründet worden. Daß er nicht so recht funktioniert, das ist wieder eine andere Sache. Vernünftiger wäre wohl eine Einigung, den IS und AlKaida-Ableger gemeinsam zu bekämpfen und nach Erledigung dieser Aufgabe wieder eigene Wege zu gehen. Ewig gleiche Interessen kann man ganz einfach nicht voraussetzen: Siehe UNO und Weltsicherheitsrat.

Der Weltsicherheitsrat ist nicht arbeitsfähig. Theoretisch denkbar wäre jedoch eine Notstandsresolution der Generalversammlung gemäß dem "Uniting for Peace"-Mechanismus von 1950.

Für Syrien müssen drei Prioritäten ins Auge gefaßt werden - die Verringerung des iranischen Einflusses, die Absetzung Assads und der Kampf gegen den IS.

Die "Massenvernichtung der Zivilbevölkerung" (Helberg) kann nur gestoppt werden, wenn jede Form des Terrorismus und der Barbarei bekämpft wird.
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Re: Giftgasangriff in Syrien

Beitragvon Moses » Mi 12. Apr 2017, 09:58

DarkLightbringer hat geschrieben:(12 Apr 2017, 10:48)

Für Syrien müssen drei Prioritäten ins Auge gefaßt werden - die Verringerung des iranischen Einflusses, die Absetzung Assads und der Kampf gegen den IS.

Die "Massenvernichtung der Zivilbevölkerung" (Helberg) kann nur gestoppt werden, wenn jede Form des Terrorismus und der Barbarei bekämpft wird.


So weit geh ich mit, nur fehlt hier noch eine wichtige Priorität -

wie soll es weiter gehen und hier auch die Frage mit wem?
Der Herr gebe mir die Gelassenheit, Dinge hinzunehmen, die ich nicht ändern kann, den Mut, Dinge zu ändern, die ich nicht hinnehmen kann, und die Weisheit, das eine vom anderen zu unterscheiden.
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Re: Giftgasangriff in Syrien

Beitragvon H2O » Mi 12. Apr 2017, 09:59

relativ hat geschrieben:(12 Apr 2017, 10:20)

Nun wenn dies alles so einfach wäre. Um den Terror zu bekämpfen muss man ja mehere Dinge auf einmal tun.
1. Mann muss die Zufriedenheit der Bevölkerung steigern, Stichworte: Armutsbekämpfung, Bildung, ect.
2. Direkte Bekämpfung der Terrormilizen, so denn möglich da ausreichend sichtbar...meist nicht der Fall
3. der wichtigste Punkt die Bekämpfung der gesamten Logistik des Terrors und da hab ich so meine Zweifel, ob es gelingen kann da alle unter einem Hut zu bekommen, denn es könnte diesbezüglich ein Böses erwachen geben. Sowohl was direkte als auch indirekte Hilfe für den Terror angeht.
4. Häufig habe ich auch den Verdacht, daß es einigen Mächten gar nicht so unrecht ist, immer so ein zwei Bösewichte im Kleiderschranck zu horten, um sie bei Gelegenheit zum Verkloppen rauszuholen.


Solchen Darstellungen weise ich Ihren ersten Satz zu: "Nun wenn dies alles so einfach wäre" :)
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Re: Giftgasangriff in Syrien

Beitragvon H2O » Mi 12. Apr 2017, 10:20

DarkLightbringer hat geschrieben:(12 Apr 2017, 10:48)

Sicherlich leisten die Bundeswehr-Missionen ihren Beitrag. Es könnte aber mehr sein.
Dagegen ist zunächst nichts ein zu wenden. Ich halte es allerdings für vernünftig, solche Einsätze mit Blick auf vorhandene Fähigkeiten zu begrenzen. Mehr ist eben nicht drin!

Wie oft muß ich wiederholen, daß unsere Abwehrfähigkeit in Umfang und Ausrüstung endlich an die Kopfzahl unserer Mitbürger und an unsere wirtschaftliche Leistungsfähigkeit angepaßt werden muß? Da besteht ein erschreckendes Mißverhältnis, das uns möglicherweise Kopf und Kragen kosten kann. Mich wundert diese unfaßbar träge Vorgehensweise, während die Bedrohungslage sich ungebremst weiter entwickelt und verschärft.


Der Weltsicherheitsrat ist nicht arbeitsfähig. Theoretisch denkbar wäre jedoch eine Notstandsresolution der Generalversammlung gemäß dem "Uniting for Peace"-Mechanismus von 1950.

Für Syrien müssen drei Prioritäten ins Auge gefaßt werden - die Verringerung des iranischen Einflusses, die Absetzung Assads und der Kampf gegen den IS.

Die "Massenvernichtung der Zivilbevölkerung" (Helberg) kann nur gestoppt werden, wenn jede Form des Terrorismus und der Barbarei bekämpft wird.

Die Vollversammlung der UNO ist doch genau so zersplittert wie der Weltsicherheitsrat. Eine Abstimmung dort kann keine Abhilfe sein... gegen die Interessen von Weltmächten schon gar nicht.

Iran kann seinen Einfluß nur deshalb wirksam entfalten, weil Rußland Iran und sein Geschöpf Hisbollah im Nahen Osten als vorläufig Verbündeten sieht. Im Irak ist Iran in Verbindung mit schiitischen Milizen verbündete Kriegspartei gegen den IS. Wer sonst prügelt den IS denn in Häuserkämpfen aus Mossul heraus?

Auf diesem Fleckchen Erde bleibt also sehr viel zu wünschen und zu hoffen; möglich ist aber nur sehr wenig.
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Re: Giftgasangriff in Syrien

Beitragvon DarkLightbringer » Mi 12. Apr 2017, 11:22

Moses hat geschrieben:(12 Apr 2017, 10:58)

So weit geh ich mit, nur fehlt hier noch eine wichtige Priorität -

wie soll es weiter gehen und hier auch die Frage mit wem?

Vorbemerkung:
Die gezielte Massenvernichtung von Zivilbevölkerung durch Giftgas oder andere bestialische Mittel stellt auch völkerrechtlich ein schweres Verbrechen dar, ebenso wie die genozidäre Kriegsführung. Zum andern ist eine Gefährdung des Weltfriedens erkennbar.

WER

Die Zivilisation, das sind die friedliebenden Mitgliedsstaaten der Vereinten Nationen, die sich ihrer Verantwortung nicht entbinden können oder wollen, im besonderen Maße die P5-Staaten im Sicherheitsrat - USA, Großbritannien, Frankreich - und weitere Staaten, die sich nicht entbinden wollen.

WIE

So ähnlich, wie es die Vereinten Nationen auch tun würden, wenn ihr Nukleus nicht arbeitsunfähig wäre - beginnend mit Vermittlungsbemühungen, ergänzend mit Sanktionen und Strafverfolgungsmaßnahmen, fortschreitend mit robusten Mitteln wie Luftschlag oder sonstigen militärischen Operationen.

Am Boden sind verbündete Kräfte auszubilden, auszurüsten und von Geheimoperationen zu geleiten, die beispielsweise Sabotage-Akte ausführen können.
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Re: Giftgasangriff in Syrien

Beitragvon DarkLightbringer » Mi 12. Apr 2017, 11:40

H2O hat geschrieben:(12 Apr 2017, 11:20)

Dagegen ist zunächst nichts ein zu wenden. Ich halte es allerdings für vernünftig, solche Einsätze mit Blick auf vorhandene Fähigkeiten zu begrenzen. Mehr ist eben nicht drin!

Es ist gewiss mehr drin als ein paar Luftaufnahmen über Syrien zu machen.
Das schmälert den unermüdlichen Stationierungsauftrag von 130 Soldaten in Litauen ja nicht, es ist nur etwas anderes - die Präsenz in der Etappe sichert Stabilität, Präsenz an der Kontaktlinie hat eine Stabilisierung indes erst zu erwirken.

Wie oft muß ich wiederholen, daß unsere Abwehrfähigkeit in Umfang und Ausrüstung endlich an die Kopfzahl unserer Mitbürger und an unsere wirtschaftliche Leistungsfähigkeit angepaßt werden muß? Da besteht ein erschreckendes Mißverhältnis, das uns möglicherweise Kopf und Kragen kosten kann. Mich wundert diese unfaßbar träge Vorgehensweise, während die Bedrohungslage sich ungebremst weiter entwickelt und verschärft.

So sei wiederholt, dass eine militärische Bedrohungslage in Passau oder Köln kaum gegeben ist, die ungebremste und verschärfte Destabilisierung findet in den Nachbarschaftsregionen statt.

Die Vollversammlung der UNO ist doch genau so zersplittert wie der Weltsicherheitsrat. Eine Abstimmung dort kann keine Abhilfe sein... gegen die Interessen von Weltmächten schon gar nicht.

Davon ist kaum auszugehen, dass der Terrorismus oder der real existierende IS Iran eine mehrheitliche Unterstützung in der Vollversammlung finden würde. Selbst der Krim-Überfall fand keine Zustimmung.

Iran kann seinen Einfluß nur deshalb wirksam entfalten, weil Rußland Iran und sein Geschöpf Hisbollah im Nahen Osten als vorläufig Verbündeten sieht. Im Irak ist Iran in Verbindung mit schiitischen Milizen verbündete Kriegspartei gegen den IS. Wer sonst prügelt den IS denn in Häuserkämpfen aus Mossul heraus?
Auf diesem Fleckchen Erde bleibt also sehr viel zu wünschen und zu hoffen; möglich ist aber nur sehr wenig.

Der iranische Einfluss ist auch im Irak ein Problem. In Mossul sind die us-geführten Koalitionsstreitkräfte aktiv.
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Re: Giftgasangriff in Syrien

Beitragvon Moses » Mi 12. Apr 2017, 11:49

DarkLightbringer hat geschrieben:(12 Apr 2017, 12:22)

Vorbemerkung:
Die gezielte Massenvernichtung von Zivilbevölkerung durch Giftgas oder andere bestialische Mittel stellt auch völkerrechtlich ein schweres Verbrechen dar, ebenso wie die genozidäre Kriegsführung. Zum andern ist eine Gefährdung des Weltfriedens erkennbar.

WER

Die Zivilisation, das sind die friedliebenden Mitgliedsstaaten der Vereinten Nationen, die sich ihrer Verantwortung nicht entbinden können oder wollen, im besonderen Maße die P5-Staaten im Sicherheitsrat - USA, Großbritannien, Frankreich - und weitere Staaten, die sich nicht entbinden wollen.

WIE

So ähnlich, wie es die Vereinten Nationen auch tun würden, wenn ihr Nukleus nicht arbeitsunfähig wäre - beginnend mit Vermittlungsbemühungen, ergänzend mit Sanktionen und Strafverfolgungsmaßnahmen, fortschreitend mit robusten Mitteln wie Luftschlag oder sonstigen militärischen Operationen.

Am Boden sind verbündete Kräfte auszubilden, auszurüsten und von Geheimoperationen zu geleiten, die beispielsweise Sabotage-Akte ausführen können.

Das Wer bezog sich eher darauf, wer Assad folgen soll
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Re: Giftgasangriff in Syrien

Beitragvon H2O » Mi 12. Apr 2017, 12:32

DarkLightbringer hat geschrieben:(12 Apr 2017, 12:40)

Es ist gewiss mehr drin als ein paar Luftaufnahmen über Syrien zu machen.

Da geschieht ja auch durch Ausbildung im Häuserkampf und Bewaffnung der bedrohten Jesiden und Kurden in Irak. Die Liste der Einsatzorte der Bundeswehr ist lang; die Bundeswehr kann derzeit nicht mehr leisten. Es ist vernünftig, eine "mission impossible" gar nicht erst zu beginnen.
Das schmälert den unermüdlichen Stationierungsauftrag von 130 Soldaten in Litauen ja nicht, es ist nur etwas anderes - die Präsenz in der Etappe sichert Stabilität, Präsenz an der Kontaktlinie hat eine Stabilisierung indes erst zu erwirken.

Die Bundeswehr hat dort derzeit 300 Mann im Einsatz, und sie will auf 450 erhöhen. 6 Leoparden, 20 Marder und 200 Radfahrzeuge sind vor Ort.
http://www.spiegel.de/politik/ausland/b ... 35689.html
Warum stellen Sie systematisch den deutschen Beitrag zu klein dar? Es ist doch leicht, an aktuelle Zahlen heran zu kommen.
So sei wiederholt, dass eine militärische Bedrohungslage in Passau oder Köln kaum gegeben ist, die ungebremste und verschärfte Destabilisierung findet in den Nachbarschaftsregionen statt.

Ich meine, daß deutsche Soldaten in Deutschland untergebracht und ausgebildet werden. Auch wenn die Bedrohungen in Europa, Afrika oder Asien wachsen. Also bitte: Zuerst einmal Anzahl, Ausbildung und Ausrüstung der Bundeswehr auch in Köln oder Passau auf Stand bringen, ehe wir tapsige Anfänger anderenorts in Rauch und Flammen aufgehen lassen.
Davon ist kaum auszugehen, dass der Terrorismus oder der real existierende IS Iran eine mehrheitliche Unterstützung in der Vollversammlung finden würde. Selbst der Krim-Überfall fand keine Zustimmung.

Da fällt mir ein Stein vom Herzen; ich dachte schon, daß die Krim und "Neurussland" russisch besetzt sind. Die UNO entscheidet also, wer sich dort aufhält.
Der iranische Einfluss ist auch im Irak ein Problem. In Mossul sind die us-geführten Koalitionsstreitkräfte aktiv.

Ja, für den Anfang schon eine ganz schön verworrene Ausgangslage! Das kann nur unsere Bundeswehr aufräumen... :eek:
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Re: Giftgasangriff in Syrien

Beitragvon Soldmann » Mi 12. Apr 2017, 23:54

Platon hat geschrieben:Ein Rücktritt Assads würde es der Opposition erheblich erleichtern einem Frieden zuzustimmen, nachdem die Beseitigung des Baath-Staates von seinen ausländischen Verbündeten verhindert wurde.
Das ist aber doch reine Spekulation. Genauso gut könnte man annehmen, ein Rücktritt Assads würde die "Opposition", also Islamisten, IS und Kurden, ermutigen, eine militärische Lösung anzustreben. Warum sollte ein Nachfolger Assads einem Frieden zustimmen, wo doch die syr. Armee auf dem Vormarsch ist?
Rom wurde auch nicht an einem Tag zerstört.
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Re: Giftgasangriff in Syrien

Beitragvon Bielefeld09 » Do 13. Apr 2017, 00:06

Soldmann hat geschrieben:(13 Apr 2017, 00:54)

Das ist aber doch reine Spekulation. Genauso gut könnte man annehmen, ein Rücktritt Assads würde die "Opposition", also Islamisten, IS und Kurden, ermutigen, eine militärische Lösung anzustreben. Warum sollte ein Nachfolger Assads einem Frieden zustimmen, wo doch die syr. Armee auf dem Vormarsch ist?

Entschuldige der Nachfrage:
Du findest da durch?
Nein. Such dir andere.
Auch wenn es mal falsch rüberkommt, es ist nie persönlich gemeint. Sorry :( :(
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Re: Giftgasangriff in Syrien

Beitragvon Bielefeld09 » Do 13. Apr 2017, 00:12

Bielefeld09 hat geschrieben:(13 Apr 2017, 01:06)

.
Zuletzt geändert von Bielefeld09 am Do 13. Apr 2017, 12:09, insgesamt 2-mal geändert.
Auch wenn es mal falsch rüberkommt, es ist nie persönlich gemeint. Sorry :( :(
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Re: Giftgasangriff in Syrien

Beitragvon harry52 » Do 13. Apr 2017, 06:37

Loki hat geschrieben:Dort ballern doch alle möglichen in- und ausländischen Fraktionen auf Zivil- und Nichtzivilpersonen. Soll ich mir jetzt meine Lieblinge raussuchen ?

Nein. Es ballern nicht alle.
Es gibt ca. 23 millionen Syrern und davon haben vermutlich 20 milionen noch nie geballert. Das nur mal zu den Inländern, aber auch bei den Ausländern gibt es ganz unterschiedliche "Fraktionen" mit ganz unterschiedlich Ansichten und Handlungsweisen.

Und ja, du solltest dir die die Mühe machen, dir deine Lieblinge rauszusuchen.
Du kannst nicht einfach alle über einen Kamm scheren und es ist wichtig auch für unsere Sicherheit, darüber nachzudenken, wen wir unterstützen und wie. Bei den nächsten Wahlen in Deutschland entscheidest du auch mit, was geschieht. Wenn du wirklich meinst, dass alle gleich sind, dann kannst du auch gerne, die primitiven Populisten links und rechts wählen, die sich ebenfalls alles viel zu einfach machen.
"Gut gemeint" ist nicht das Gleiche wie "gut gemacht".
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Re: Giftgasangriff in Syrien

Beitragvon DarkLightbringer » Do 13. Apr 2017, 08:24

Moses hat geschrieben:(12 Apr 2017, 12:49)

Das Wer bezog sich eher darauf, wer Assad folgen soll

Eine Übergangsregierung. In Genf verhandelt der HNC für die Opposition. Daran sollten jedoch keine Terroristen und Kriegsverbrecher beteiligt werden. IS, Ahrar Al Scham, Fatah Al Scham und PYD sind auch nicht vertreten - auf Regime-Seite gibt es kaum Gemäßigte und Unbelastete, ließen sich aber wohl in der 2. Reihe finden.
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Re: Giftgasangriff in Syrien

Beitragvon relativ » Do 13. Apr 2017, 08:35

H2O hat geschrieben:(12 Apr 2017, 10:59)

Solchen Darstellungen weise ich Ihren ersten Satz zu: "Nun wenn dies alles so einfach wäre" :)

Genau dies sollten ja die Darstellungen aufzeigen. :D
Das Banale braucht man nicht zu schälen.

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