Geopolitik - Interventionen/Präventionen im Sykes-Picot Raum

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SirToby
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Re: USA in Absprache mit der Türkei gegen YPG/PKK?

Beitragvon SirToby » Mo 22. Jan 2018, 18:12

King Kong 2006 hat geschrieben:(22 Jan 2018, 15:58)

.
Was die USA, Türkei, Iran und Russland da in verschiedener Konstellation da miteinander abgesprochen haben ist sicher interessant. Die YPG/PKK hat erstmal ihren Job gemacht. Die Lorbeeren holen sich andere. Mit Sicherheit ist das nicht das Ende. Die YPG/PKK kontrolliert auch im Osten Syriens große Gebiete, weit über kurdisches Siedlungsgebiet heraus. Das wird sich Damaskus wieder zurückholen. Mit Hilfe Iraks, Irans und mit Inaktivität Russlands. Das wird sehr viel aufgeregter werden als Afrin. Denn hier werden die USA vermutlich - aus eigenem Interesse - sturer sein als mit der Türkei.


Davon ist auszugehen: Farin nimmt eine Sonderrolle ein. Die von der YPG dominierten SDF sind ja auch weitestgehend im Kerngebiet Rojava tätig. Ein Angriff aus dieses Gebiet würde zu anderen Reaktionen der USA führen.
Daniel Patrick Moynihan: "Sie haben ein Recht auf ihre eigene Meinung! Sie haben kein Recht auf ihre eigenen Fakten!"
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Re: USA in Absprache mit der Türkei gegen YPG/PKK?

Beitragvon Aristide » Mo 22. Jan 2018, 18:27

SirToby hat geschrieben:(22 Jan 2018, 18:12)

Davon ist auszugehen: Farin nimmt eine Sonderrolle ein. Die von der YPG dominierten SDF sind ja auch weitestgehend im Kerngebiet Rojava tätig. Ein Angriff aus dieses Gebiet würde zu anderen Reaktionen der USA führen.


Oder auch nicht. Warten wir doch ab, was passiert wenn erdogan mit afrin fertig ist und sich manbidj zuwendet!!!
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"Der Westen" und die Kurdenfrage - Das ist nichts persönliches

Beitragvon King Kong 2006 » Di 23. Jan 2018, 21:02

Türkischer Angriff auf Syrien

Der Westen verrät die Kurden

Die Türkei greift in Syrien ausgerechnet jene kurdische Miliz an, die sich dem "Islamischen Staat" entgegenstellt. Dem Westen fallen dazu nur warme Worte ein.


Keine Hilfe, nicht einmal deutliche Worte

Das ist kritikwürdig und beklagenswert. Der Westen aber, der dankbar die kurdischen Milizen gegen den IS hat kämpfen lassen, begeht Verrat an den Kurden. Die waren bereit zu sterben, und tatsächlich sind im Einsatz gegen die Extremisten mindestens 1500 kurdische Kämpfer im Irak und mehr als 3000 in Syrien gefallen. Dafür waren sie dem Westen gut genug. Man hat sie ausgebildet, ausgerüstet und angefeuert. Aber jetzt, da sie von türkischen Panzertruppen angegriffen, von türkischer Artillerie beschossen, von türkischen Kampfjets bombardiert werden, eilt man ihnen nicht zu Hilfe. Nicht einmal ein deutliches Wort in Richtung türkischer Regierung gibt es, geschweige denn diplomatische oder wirtschaftliche Sanktionen, um das militärische Vorgehen zu stoppen. Die Kurden haben ihren Nutzen erfüllt. Nun können sie sehen, wo sie bleiben.

http://www.spiegel.de/politik/ausland/t ... 89385.html


Nun muß man aber fairerweise auch sagen, daß auch die syrische Armee, schiitische Milizen, die Hezbollah, iranischen Einheiten, irakischen Einheiten und auch die Russen kein Lob und keine Ermunterung bekommen haben. Da sind Abertausende gefallen, Berge von Material eingesetzt und Millionen- wenn nicht gar Milliardenbeträge reingepumpt worden um den IS zurückzudrängen. Im Kampf gegen den IS (und auch Al-Qaida, FSA usw.). Das waren und sind die "Dreckfresser" auf dem Boden. Niemand aus dem Westen war dazu auf dem Boden bereit. Kein herausragendes Lob aus "dem Westen". Das hat geostrategische Gründe. Genauso die Kurden sitzen zu lassen. Wie heißt es unter Mafiosis? Das ist nichts persönliches, rein geschäftlich... So, wie die dt. Waffen für die Türkei. Oder die Stille aus Washington und Russland (ok, das ist Osten).

Paris und Teheran melden sich kritisch. Wieso und weshalb hat bei beiden wohl verschiedene Gründe.
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Realpolitik at work

Beitragvon King Kong 2006 » Mi 24. Jan 2018, 19:49

NATO-Mitglied Türkei schiesst mit deutschen Waffen auf den vermeintlichen Verbündeten "des Westens", der kurdischen YPG/PKK/PJAK. Natürlich gibt es weiterhin vom NATO-Mitglied Deutschland Rüstung für den NATO-Partner Türkei, um gegen die Kurden vorzugehen. Der NATO-Partner USA derweil sieht sich nicht bemüßigt irgendwie den Verbündeten "des Westens", der kurdischen YPG/PKK/PJAK irgendwie in irgendeiner Form ein bißchen Hilfe zukommen zu lassen.

Erdogan droht mit Ausweitung von Syrien-Offensive

Der türkische Präsident Erdogan will die militärische Operation in Syrien nicht nur auf den Bezirk Afrin beschränken.

http://www.spiegel.de/politik/ausland/r ... 89663.html


Derweil lädt die EU den Iran zu Gesprächen über die Anti-Terrorbekämpfung nach Brüssel ein. Immerhin hat der Iran vermutlich wie kein anderer außerhalb des Iraks und Syriens sich reingekniet gegen den IS, Al-Qaida, FSA u.a. Oder in Afghanistan. Die FSA übrigens hilft dem NATO-Mitglied Türkei beim zusammenschiessen der kurdischen YPG/PKK/PJAK.

A delegation from Tehran is currently visiting the EU parliament. The reason for the visit is a joint seminar – on the agenda: „The fight against terrorism“.

http://www.bild.de/politik/ausland/bild ... .bild.html


Die kurdischen Gruppen, wie die YPG/PKK/PJAK wurden im Gegensatz zum Iran offenbar nicht eingeladen. Die werden gerade von einem NATO-Mitglied (Türkei), durch NATO-Waffen (z.B. dt. Leopard 2) und mit Zustimmung eines NATO-Miglieds (USA - "berechtigte Sicherheitssorgen der Türkei") im Rahmen der Terrorbekämpfung zusammengeschossen. Hm, waren das eigentlich nicht die Guten (aus Sicht "des Westens")?
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Kurden rufen Assad zu Hilfe - Politischer Erdrutsch?

Beitragvon King Kong 2006 » Fr 26. Jan 2018, 09:08

Syrien-Offensive der Türkei

Kurden bitten Assad um Hilfe

Mit der Operation "Olivenzweig" bekämpft die Türkei die kurdische Miliz in Syrien. Die Führung in der angegriffenen Region Afrin fordert jetzt die Regierung von Machthaber Assad zum Handeln auf.


Die von der türkischen Armee attackierten Kurden im nordsyrischen Bezirk Afrin bitten Präsident Baschar al-Assad um Hilfe. "Wir rufen den syrischen Staat auf, seinen Verpflichtungen nachzukommen und die Armee zu entsenden, um die Grenze mit der Türkei gegen Angriffe der türkischen Besatzer zu schützen", hieß es in einer auf der Internetseite der lokalen Verwaltung veröffentlichten Erklärung.

Damaskus stehe in der Pflicht, Afrin zu verteidigen. Afrin sei ein "untrennbarer Teil Syriens", sagte er. "Jeder Angriff auf Afrin ist ein Angriff auf die Souveränität des syrischen Staates."

http://www.spiegel.de/politik/ausland/t ... 89888.html


Darin sind zwei Informationen sehr wichtig. Im letzten Abschnitt fordern "die Kurden" somit die Souveränität Syriens ein. Sie sind ein Bestandteil des Staates Syrien. Mit Assad als Staatsoberhaupt!

Zum anderen wird die Sache kompliziert, weil der Iran damit zum Handeln aufgerufen wird. Assad in Damaskus ist nicht wirklich der Mann, der Ankara irgendwie beeindrucken kann. Teheran hat, um Damaskus zu stabilisieren im wesentlichen dort das militärische Kommando übernommen. Wesentlich umfänglicher als im Irak. Der israelische Botschafter für die UN, Danon, behauptet, daß zur Zeit über 80 000 Soldaten unter dem Kommando Irans in Syrien stehen. So ein Hilfegesuch heißt im Klartext, hinter den Kulissen, daß Teheran mit Ankara die Sache klären muß. Die beiden haben wiederum auf höchster Ebene Absprachen. Entweder ein Schachzug der YPG/PKK/PJAK den Iran und die Türkei da aufeinanderstossen zu lassen oder ein Schachzug Irans. Dieser hat enge Kontakte zur KRG im Irak. Ein Deal könnte lauten, daß man "kurdische Interessen" schützen wird, so wie im Irak gegen den IS, hier in Syrien gegen die FSA, dafür aber die Oberhoheit Syriens, die Integrität anerkennen muß. Auf jedenfall eine Kehrwendung in der Sache!

DANON: IRAN CURRENTLY CONTROLS 82,000 FIGHTERS IN SYRIA

http://www.jpost.com/Middle-East/Iran-N ... ria-539844
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Re: Kurden rufen Assad zu Hilfe - Politischer Erdrutsch?

Beitragvon Tom Bombadil » Fr 26. Jan 2018, 10:13

King Kong 2006 hat geschrieben:(26 Jan 2018, 09:08)

Im letzten Abschnitt fordern "die Kurden" somit die Souveränität Syriens ein. Sie sind ein Bestandteil des Staates Syrien. Mit Assad als Staatsoberhaupt!

Richtig. Und wenn Assad nicht in der Lage ist, den völkerrechtswidrigen Angriffskrieg der Türkei zu beenden und seine Staatsbürger zu beschützen, dann haben die Kurden alles Recht dieser Welt, sich mit einem eigenen Staat selbständig zu machen. Das kann für Erdogan und Assad ganz schön nach hinten losgehen.
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Re: Geopolitik - Interventionen/Präventionen im Sykes-Picot Raum

Beitragvon H2O » Fr 26. Jan 2018, 10:20

Was in diesem Wahnsinn jetzt noch dringend gebraucht wird, das wäre, daß der IS wieder aus seinen Schlupflöchern kröche und wieder Macht über Leben und Tod von Menschen in Syrien ausübte!
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Re: Kurden rufen Assad zu Hilfe - Politischer Erdrutsch?

Beitragvon King Kong 2006 » Fr 26. Jan 2018, 15:30

Tom Bombadil hat geschrieben:(26 Jan 2018, 10:13)

Richtig. Und wenn Assad nicht in der Lage ist, den völkerrechtswidrigen Angriffskrieg der Türkei zu beenden und seine Staatsbürger zu beschützen, dann haben die Kurden alles Recht dieser Welt, sich mit einem eigenen Staat selbständig zu machen. Das kann für Erdogan und Assad ganz schön nach hinten losgehen.


Theoretisch betrachtet. Praktisch wird sich die Türkei dieser Schlußfolgerung nicht anschliessen. Oder Assad oder Iran. Wie jetzt die Kampfhandlungen zeigen. Weil offenbar Assad in den von den YPG/PKK/PJAK eroberten Gebieten nicht die Autorität darstellt ist es für Ankara ein Rechtsfreier Raum, in dem sich Terroristen aufhalten, die es zu bekämpfen gilt. Wenn jetzt die YPG/PKK/PJAK Assad - zumindest bei Afrin - einlädt, jetzt mit der interessanten Kehrtwendung, daß dies ja Syrien wäre, mit Assad als Staatsoberhaupt, dann wird es jetzt interessant, wenn es sich so verhält, ob und wann die syrischen Armee die Kontrolle dort zurückerlangt. Wenn dies der Fall wäre, könnte es auch ein Präzedenzfall für die restlichen Gebiete in Syrien darstellen, die unter Kontrolle der YPG/PKK/PJAK sind.

Falls Assad dort einmarschiert, könnte es tatsächlich ein Stopp der türkischen Operationen bedeuten. Weniger wegen dem potenten Assad. Denn Assad ist die Galleonsfigur Irans und Russlands. Vermutlich hat man dort auch schon vor der Hezbollah mehr Respekt denn vor der syrischen Armee. Aber was Teheran, Ankara und Moskau miteinander abgemacht haben ist eben nicht bekannt.

Auf jedenfall höre ich jetzt zum ersten Mal von Seiten der YPG/PKK/PJAK, daß Assad das Staatsoberhaupt ist und Syrien als Staat einheitlich ist und zusammengehört. Vermutlich ist der YPG/PKK/PJAK nach dem Wegschauen "des Westens" klar, daß um schlimmeres zu vermeiden man sich jetzt an Teheran (und vermutlich Moskau), pardon an den mächtigen Assad,wenden muß. Könnte natürlich auch ein Plan Irans, der Türkei und Russlands sein somit die Integrität Syriens klarzustellen. "Der Westen" hat es nie anders gesehen. Für "den Westen" war Syrien wie Irak immer unbestreitbar ein bzw. zwei Staaten. Die USA operieren natürlich mit den Hoffnungen der Kurden. Diese selbst waren für die USA nie wirklich von Interessen. Es geht primär um Geopolitik dort, sie sind im Kontext Irans, der Türkei und Russland interessant.

Die Kurden machen wie im Irak-Iran Krieg, wie beim Aufstieg des IS die Erfahrung, daß lokale Mächte die einzigen sind, auf die sie im Ernstfall setzen können.
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Re: Kurden rufen Assad zu Hilfe - Politischer Erdrutsch?

Beitragvon TheTank » Sa 27. Jan 2018, 09:23

King Kong 2006 hat geschrieben:(26 Jan 2018, 15:30)


Die Kurden machen wie im Irak-Iran Krieg, wie beim Aufstieg des IS die Erfahrung, daß lokale Mächte die einzigen sind, auf die sie im Ernstfall setzen können.

Nicht ganz.
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Re: Kurden rufen Assad zu Hilfe - Politischer Erdrutsch?

Beitragvon Kardux » Sa 27. Jan 2018, 09:38

TheTank hat geschrieben:(27 Jan 2018, 09:23)

Nicht ganz.
Es gibt noch einen weiteren wichtigen Verbündeten.
Und nun: Das Wetter!


Die Gebete der Ditib-Imame wurden anscheinend nicht erhört...
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Re: Kurden rufen Assad zu Hilfe - Politischer Erdrutsch?

Beitragvon Europa2050 » Sa 27. Jan 2018, 11:39

Kardux hat geschrieben:(27 Jan 2018, 09:38)

Die Gebete der Ditib-Imame wurden anscheinend nicht erhört...


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Re: Geopolitik - Interventionen/Präventionen im Sykes-Picot Raum

Beitragvon King Kong 2006 » Mi 31. Jan 2018, 08:29

China und Iran besprechen die Lage in Syrien

Iranian, Chinese Diplomats Discuss Syria in Sochi

TEHRAN (Tasnim) – The representatives of Iran and China at a conference on the settlement of Syria crisis met in Russia’s Sochi on Tuesday for talks on the ongoing conference and ways to help resolve the conflicts in the Arab country.

https://www.tasnimnews.com/en/news/2018 ... a-in-sochi


Die Lage in Syrien scheint derzeit undurchsichtig. Es gibt Berichte wonach türkische Konvois beim Vormarsch von syrischen Einheiten beschossen wurden. Auch ist nicht klar, ob die russischen Angriffe auf Brücken den Vormarsch türkischer und türk. verbündeter Einheiten verlangsamen soll. Gerade in dem Raum um Idlib. Auch soll das Feuer von türkischer Seite auf die Hezbollah eröffnet worden sein. Z.T. wurden diese Meldungen dementiert. Inwieweit diese Bewegungen zwischen den Parteien abgesprochen sind und was ganz klar diametral zu den verschiedenen Interessen der Protagonisten zielt, erscheint im Moment nicht erkennbar.

Eines scheint sicher:

US not able to save Kurdish militants

http://vestnikkavkaza.net/analysis/US-n ... tants.html


New U.S. strategy for Syria could be doomed as American allies fight each other

http://www.chicagotribune.com/news/nati ... story.html


Und Fake News:

'200,000 Jews Will Settle Kurdistan': Turkey Turns to Fake News to Discourage Kurdish Referendum

After Netanyahu endorses Kurdish independence, Turkish pro-government outlets launch media blitz about 'secret' Israel-Kurdish deal to settle Kurdish Jews in new state

https://www.haaretz.com/middle-east-new ... -1.5450830
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Re: Kurden rufen Assad zu Hilfe - Politischer Erdrutsch?

Beitragvon Tom Bombadil » Mi 31. Jan 2018, 10:23

King Kong 2006 hat geschrieben:(26 Jan 2018, 15:30)

Theoretisch betrachtet. Praktisch wird sich die Türkei dieser Schlußfolgerung nicht anschliessen. Oder Assad oder Iran.

Das ist mir schon klar, die Kurden werden auch nach diesem Konflikt keinen eigenen Staat bekommen. Aber da keine Juden involviert sind, bleibt der große Aufschrei aus, die UN träumt weiter selig vor sich hin, eine Resolution gegen die Türkei ist in weiter Ferne.

Auf jedenfall höre ich jetzt zum ersten Mal von Seiten der YPG/PKK/PJAK, daß Assad das Staatsoberhaupt ist und Syrien als Staat einheitlich ist und zusammengehört.

Ich gehöre keiner dieser Gruppierungen an, das ist lediglich meine Auslegung des Völkerrechts.
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Kampf um Erdölgebiete und Geografie

Beitragvon King Kong 2006 » Fr 9. Feb 2018, 09:17

Wie bekannt haben die USA einen "Versuchsballon" von Assad-treuen Truppen auf den Vorstoss in die infrastrukturelle Eröldprovinz Deir Zor abgeblockt. Zunächst. Dabei haben sie die Kolonne zerstört. Warum das nicht im gleichen Maße bei dem IS funktioniert hat, ist eine andere Frage. Oder die Kurden so vor FSA/Al-Qaida Truppen bei Afrin geschützt werden können... Das Geheimnis sind wohl nicht nur Sympathien für oder gegen die Kurden/FSA/Al-Qaida oder das militärische Können. Zumindest die Provinz mit den größten Erdölvorkommen will gesichert sein.

Syria's known oil reserves are mainly in the eastern part of the country in the Deir ez-Zor Governorate near its border with Iraq and along the Euphrates River; a number of smaller fields are located in the center of the country.[5] In 2010, Syria produced around 385,000 barrels (61,200 m3) per day of crude oil.[1][3

https://en.wikipedia.org/wiki/Petroleum ... y_in_Syria


Es war geplant eine Pipelineinfrastruktur zu errichten. Es gibt einen wesentlichen Grund, daß diese noch nicht fertig ist. Der syrische Bürgerkrieg.

Iran–Iraq–Syria pipeline

A framework agreement was to be signed in early 2013, with costs now estimated at $10bn;[10] construction plans were delayed by the Syrian Civil War.[11]

https://en.wikipedia.org/wiki/Iran–Iraq–Syria_pipeline


The Secret Stupid Saudi-US Deal on Syria. Oil Gas Pipeline War

https://www.globalresearch.ca/the-secre ... ia/5410130


The Oil Factor: The Real Reason Why Russia Is Fighting In Syria

http://www.huffingtonpost.in/dennis-e-a ... 40710.html






Die Hezbollah kündigte ja bereits an, daß man Block 9 im Mittelmeer (für den Libanon) vor Israel verteidigen würde. Israel wiederum kündigte an, daß man nicht tatenlos zusehen würde, wenn Beirut dort drillen würde. Natürlich war das in das übliche Vokabular gebettet ("Terroristen", "Zionisten" usw.). Das Thema aber fossile Energie.

Nun sind die Interventionsten wie Iran/Russland/Irak/Hezbollah - Türkei oder die USA (Carter-Doctrin), Saudi-Arabien oder Israel uvm. natürlich aus einem bunten Blumenstrauß an Gründen dort unterwegs. Sicher auch aus Gründen der Menschlichkeit der Menschen dort gegenüber und um noch Schlimmeres zu verhüten - geschenkt. Aber so richtig bewegt sich jemand dort, wenns um die Kohle geht. Wobei die USA und der Iran z.B. sicher auf humanitäre Einsätze als Grund pochen! Versteht sich.

Iran, Russland, Hezbollah, Irak und natürlich Assad werden nicht lockerlassen. Da ist das letzte Wort nicht gesprochen. Vermutlich wird man wie im Irak versuchen das US-Engagement teuer werden zu lassen. So, daß der Abzug präferiert wird.

Der Kampf um die Ölfelder kann ziemliche Schäden anrichten.

Fight for Deir ez-Zor Oil Fields Will Cause Long-term Environment Damage

http://www.syrianwarreport.com/fight-de ... nt-damage/
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Re: Geopolitik - Interventionen/Präventionen im Sykes-Picot Raum

Beitragvon Kardux » Fr 9. Feb 2018, 10:36

King Kong 2006 hat geschrieben:Wie bekannt haben die USA einen "Versuchsballon" von Assad-treuen Truppen auf den Vorstoss in die infrastrukturelle Eröldprovinz Deir Zor abgeblockt. Zunächst. Dabei haben sie die Kolonne zerstört. Warum das nicht im gleichen Maße bei dem IS funktioniert hat, ist eine andere Frage. Oder die Kurden so vor FSA/Al-Qaida Truppen bei Afrin geschützt werden können... Das Geheimnis sind wohl nicht nur Sympathien für oder gegen die Kurden/FSA/Al-Qaida oder das militärische Können. Zumindest die Provinz mit den größten Erdölvorkommen will gesichert sein.


Vielleicht sollten Leute wie Sie (welche die Macht der USA in der Region unterschätzen bzw. bewusst herunterspielen) noch einmal an den Stand der Dinge erinnert werden? Wenn die USA wirklich Interesse hat und die Rahmenbedingungen stimmen (SDF sichert den Boden) dann kann es Schlag auf Schlag kommen. Genauso hätten die USA auch die Shia-Jihadisten in Kerkûk stoppen können - wenn sie gewollt hätten. Sie setzen aber noch (!), auf Anraten von Brett McGurk, auf ihr Pferd in Baghdad - Abadi. Sein Anbandeln mit der PMF in den Wahlen war aber ein herber Schlag in McGurks Gesicht. Diese Abadi-PMF-Allianz konnte aber noch einmal abgewandt werden - zumindest noch vor den Wahlen. Nein, es geht um keine Sympathien, sondern um Interessen. Aber genau diese kollidieren immer mit den Menschen vorort - speziell wenn es Interessensblöcke gibt - die sich als Hegemonialmacht (Iran) betrachten. Wenn die USA wirklich im Nahen Osten bleiben will (und davon kann man ausgehen), dann kommt man um eine Konfrontation mit dem Iran kaum herum. Abwarten.

King Kong 2006 hat geschrieben:Iran, Russland, Hezbollah, Irak und natürlich Assad werden nicht lockerlassen. Da ist das letzte Wort nicht gesprochen. Vermutlich wird man wie im Irak versuchen das US-Engagement teuer werden zu lassen. So, daß der Abzug präferiert wird. Der Kampf um die Ölfelder kann ziemliche Schäden anrichten.


Ja, da stimme ich Ihnen zu. Der Iran, weiß nämlich um die militärische Stärke der USA, aber auch um die Kosten diese Streitmacht in einer Region zu versorgen. Russland verpulvert aber auch Unmengen an Geld - nur zur Erinnerung. Aus meiner Sicht haben die USA sowieso nur zwei Wege:
1. Man profitiert temporär vom Chaos in der Region und pumpt so viel ab, wie es geht
2. Man kreiert eine Neuordnung, baut langfristig militärische Stützpunkte auf und setzt auf verlässliche Partner (solche die keine andere Alternative als die USA haben).

Mal sehen, wohin die Reise der USA geht...
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Re: Geopolitik - Interventionen/Präventionen im Sykes-Picot Raum

Beitragvon Tom Bombadil » Fr 9. Feb 2018, 10:45

Die USA haben in der Region nur einen wirklichen Partner und das ist Israel. Man könnte einen zweiten Partner mit den Kurden haben, aber wenn man die nicht unterstützt, dann wird das nix. Die USA müssten die kurd. Gebiete in Syrien und im Irak vereinen, zu einer Keimzelle des Staates Kurdistan, die Frage ist, ob sie Erdogan so sehr vor den Kopf stoßen wollen. Ich denke nicht.
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Re: Geopolitik - Interventionen/Präventionen im Sykes-Picot Raum

Beitragvon Kardux » Fr 9. Feb 2018, 11:02

Tom Bombadil hat geschrieben:(09 Feb 2018, 10:45)

Die USA haben in der Region nur einen wirklichen Partner und das ist Israel. Man könnte einen zweiten Partner mit den Kurden haben, aber wenn man die nicht unterstützt, dann wird das nix. Die USA müssten die kurd. Gebiete in Syrien und im Irak vereinen, zu einer Keimzelle des Staates Kurdistan, die Frage ist, ob sie Erdogan so sehr vor den Kopf stoßen wollen. Ich denke nicht.


Natürlich ist Israel der engste Partner der USA in der Region - keine Frage. Aber Israel liegt auch nicht in diesem sogenannten schiitischen Halbmond, den es zu zerschlagen gilt. Dies kann nur mithilfe von Kurden und sunnitischen Arabern geschehen. Letztere müssten jedoch anfangen sich von der Türkei und den Golfarabern zu emanzipieren. Anders wird man den schiitischen Halbmond nicht aufhalten können.
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Re: Geopolitik - Interventionen/Präventionen im Sykes-Picot Raum

Beitragvon Ger9374 » Fr 9. Feb 2018, 12:16

Die USA haben sich seit Jahrzehnten die Israelis als Partner im Nahen Osten auserwählt.Eine nicht immer leichte Braut aber besser als die instabilen Nachbarstaaten. Innenpolitisch ist das wohl auch in den USA so gewünscht.

Als ehrlichen neutralen Makler sehe ich die USA schon lange nicht mehr.So haben die Araber nur
noch die Russen im Weltsicherheitsrat, als Schützenhilfe. Gelegentlich GB und China.
Jede meinung ist wichtig,sofern man eine eigene hat!
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Re: Geopolitik - Interventionen/Präventionen im Sykes-Picot Raum

Beitragvon King Kong 2006 » Fr 9. Feb 2018, 15:22

Kardux hat geschrieben:(09 Feb 2018, 10:36)

Vielleicht sollten Leute wie Sie (welche die Macht der USA in der Region unterschätzen bzw. bewusst herunterspielen) noch einmal an den Stand der Dinge erinnert werden? Wenn die USA wirklich Interesse hat und die Rahmenbedingungen stimmen (SDF sichert den Boden) dann kann es Schlag auf Schlag kommen. Genauso hätten die USA auch die Shia-Jihadisten in Kerkûk stoppen können - wenn sie gewollt hätten. Sie setzen aber noch (!), auf Anraten von Brett McGurk, auf ihr Pferd in Baghdad - Abadi. Sein Anbandeln mit der PMF in den Wahlen war aber ein herber Schlag in McGurks Gesicht. Diese Abadi-PMF-Allianz konnte aber noch einmal abgewandt werden - zumindest noch vor den Wahlen. Nein, es geht um keine Sympathien, sondern um Interessen. Aber genau diese kollidieren immer mit den Menschen vorort - speziell wenn es Interessensblöcke gibt - die sich als Hegemonialmacht (Iran) betrachten. Wenn die USA wirklich im Nahen Osten bleiben will (und davon kann man ausgehen), dann kommt man um eine Konfrontation mit dem Iran kaum herum. Abwarten.



Ja, da stimme ich Ihnen zu. Der Iran, weiß nämlich um die militärische Stärke der USA, aber auch um die Kosten diese Streitmacht in einer Region zu versorgen. Russland verpulvert aber auch Unmengen an Geld - nur zur Erinnerung. Aus meiner Sicht haben die USA sowieso nur zwei Wege:
1. Man profitiert temporär vom Chaos in der Region und pumpt so viel ab, wie es geht
2. Man kreiert eine Neuordnung, baut langfristig militärische Stützpunkte auf und setzt auf verlässliche Partner (solche die keine andere Alternative als die USA haben).

Mal sehen, wohin die Reise der USA geht...


Ich unterschätze die Macht der USA nicht. Aber auch sie können nicht zaubern. Sonst sähe es auf der koreanischen Halbinsel, Kuba, Vietnam oder im Irak, Syrien und Iran anders aus. Sie können Kolonnen zerschiessen. Damals in Korea oder jetzt in Syrien, aber d.h. nicht, daß sie Kriege gewinnen können. Und es muß sich letztendlich lohnen. Nur, um pro forma einen Sieg zu erringen und nur reinzubuttern, nur um etwas verkünden zu können, ist nicht gutes Business. Das muß sich schon lohnen. Und einen Kolonne, die sich auf ein Erdölgebiet zubewegt, eine nicht pro-US Kolonne, die zerschiesst man. Kolonnen, die sich auf Kurden bewegen, naja...Die schauen aus der Wäsche, wie einst die Schiiten im Irak, als Kolonnen auf sie zufuhren.

Langfristig wird sich die USA in diesen Gebieten in Syrien, ähnlich wie im Irak, nicht dort halten können. Ob es gelingt dort Satelliten aufzubauen und das diese sich halten können, wenn die USA weg sind, bleibt abzuwarten. Erwartungsgemäß schwierig. Wie z.B. Nadschibullah in Afghanistan. Als die Sowjets weg waren, wurde es für ihn und Genossen haarig.

Was das "zerschlagen" des schiitischen Halbmondes betrifft, macht es soviel Sinn, wie das "zerschlagen" eines sunnitischen Halbmondes. Der Iran ist nunmal mehrheitlich schiitlisch, der Irak, Bahrain, Aserbaidschan, große Anteile im Libanon, Syrien, Jemen usw. Dann müsste man ja diese Staaten zerschlagen. Oder diese Konfession. Oder diese Menschen. Sehr unrealistisch. Die USA sind nicht (mehr) in der Lage oder Willens so etwas irgendwie zu bewerkstelligen. Haben sie überhaupt diesen Auftrag? Von wem? Und Sunniten/Salafisten/Wahabiten wie die Saudis, FSA, Al-Qaida, Taliban und die anderen arabischen Demokratien und Gruppen sind dann etwas besseres? Es ist doch eher so, daß man (ausländischer Interventionisten) starke Staaten und Blöcke sehr suspekt gegenübersteht. Weil sie schwer in der weltwirtschaftlich bedeutenden Region zu manipulieren und bequatschen sind. Ist es nicht der Irak, ist es der Iran, ist es nicht der Iran, wird es Saudi-Arabien. Es geht um Machtpolitik.

Der sogenannte schiitische Halbmond ist deshalb ein undankbarer Gegner, weil er nicht primär eine Ideologie ist, die oberflächlich dort von Denkern revolutionär neuartig eingeführt wurde. Das ist etwas signifikantes, kulturell tief eingebettetes. Das zu zerschlagen ist nicht der Kampf gegen eine Ideologie, sondern gegen Kulturen und Gesellschaften/Menschen. Auf diesen Kampf werden sich z.B. die USA nicht einlassen. Das ist ein Faß ohne Boden.
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Re: Geopolitik - Interventionen/Präventionen im Sykes-Picot Raum

Beitragvon Kardux » Mo 12. Feb 2018, 20:36

King Kong 2006 hat geschrieben:Ich unterschätze die Macht der USA nicht. Aber auch sie können nicht zaubern. Sonst sähe es auf der koreanischen Halbinsel, Kuba, Vietnam oder im Irak, Syrien und Iran anders aus. Sie können Kolonnen zerschiessen. Damals in Korea oder jetzt in Syrien, aber d.h. nicht, daß sie Kriege gewinnen können. Und es muß sich letztendlich lohnen. Nur, um pro forma einen Sieg zu erringen und nur reinzubuttern, nur um etwas verkünden zu können, ist nicht gutes Business. Das muß sich schon lohnen. Und einen Kolonne, die sich auf ein Erdölgebiet zubewegt, eine nicht pro-US Kolonne, die zerschiesst man. Kolonnen, die sich auf Kurden bewegen, naja...Die schauen aus der Wäsche, wie einst die Schiiten im Irak, als Kolonnen auf sie zufuhren.


Natürlich können die USA nicht zaubern, aber so machtlos wie Sie mitunter von Ihnen dargestellt werden, sind sie nunmal nicht. Natürlich muss sich jede Truppenbewegung der USA lohnen, dasselbe gilt auch für Russland. Der Iran agiert in der Hinsicht anders. Man verpulvert viel Geld für Auslandseinsätze und lässt große Teile seiner eigenen Bevölkerung verhungern. Der schiitische Halbmond verfolgt nicht nur ökonomische Ziele sondern viel mehr ideologische.

Ihr Beispiel mit den Kolonnen, die sich auf die Kurden im Irak zubewegt haben, ist nicht wirklich richtig. Denn bis heute versuchen die USA noch die Schiiten im Irak für sich zu gewinnen. Wenn sie nach den kommenden Wahlen die harte Realität erleben werden, wird sich auch im Nordirak noch einiges "bewegen" - I promise.

King Kong 2006 hat geschrieben:Langfristig wird sich die USA in diesen Gebieten in Syrien, ähnlich wie im Irak, nicht dort halten können. Ob es gelingt dort Satelliten aufzubauen und das diese sich halten können, wenn die USA weg sind, bleibt abzuwarten. Erwartungsgemäß schwierig. Wie z.B. Nadschibullah in Afghanistan. Als die Sowjets weg waren, wurde es für ihn und Genossen haarig.


Da, ich sage es doch. Sie unterschätzen die USA. Wenn die USA ein Interesse in Syrien und im Irak sehen (und das gibt es ganz offensichtlich noch), werden sie von nichts und niemanden dort vertrieben werden. Ihr Beispiel mit den kommunistischen Afghanen ist wieder so unpassend. Natürlich hatten die keine Basis in Afghanistan. Wenn die USA aber im Irak, Kurden und sunnitische Araber aufrüstet ist das eine ganz andere Geschichte.

King Kong 2006 hat geschrieben:Was das "zerschlagen" des schiitischen Halbmondes betrifft, macht es soviel Sinn, wie das "zerschlagen" eines sunnitischen Halbmondes. Der Iran ist nunmal mehrheitlich schiitlisch, der Irak, Bahrain, Aserbaidschan, große Anteile im Libanon, Syrien, Jemen usw. Dann müsste man ja diese Staaten zerschlagen. Oder diese Konfession.


1. Im Libanon, in Syrien und im Jemen sind nicht große Anteile der Bevölkerung schiitisch, trotzdem haben/wollen sie die ganze Macht für sich.
2. Im Nordirak, der ein wichtiger Bestandteil dieses Bogens ist leben gar keine Schiiten.

Wenn ein sunnitischer Halbmond versucht Gebiete die mehrheitlich von Schiiten besiedelt sind zu okkupieren gilt es auch diesen zu zerschlagen - keine Frage. Deshalb benötigt auch der Nahe Osten eine Neuordnung und keine Staaten die von Lynchjustiz getrieben werden, je nachdem wer wieder als Sieger hervorging.

King Kong 2006 hat geschrieben:Und Sunniten/Salafisten/Wahabiten wie die Saudis, FSA, Al-Qaida, Taliban und die anderen arabischen Demokratien und Gruppen sind dann etwas besseres? Es ist doch eher so, daß man (ausländischer Interventionisten) starke Staaten und Blöcke sehr suspekt gegenübersteht. Weil sie schwer in der weltwirtschaftlich bedeutenden Region zu manipulieren und bequatschen sind. Ist es nicht der Irak, ist es der Iran, ist es nicht der Iran, wird es Saudi-Arabien. Es geht um Machtpolitik.


Nein, die Wahabiten, FSA, usw. also all jene die in Syrien die Ausrottung von Minderheiten (Schiiten/Alawiten) zum Ziel hatten sind mitnichten besser als die IRI. Aber genau dieser Kampf der großen Blöcke im Nahen Osten ist für den Westen und Russland am Ende des Tages förderlich. Deshalb hilft nur eine Neuordnung.

King Kong 2006 hat geschrieben:Der sogenannte schiitische Halbmond ist deshalb ein undankbarer Gegner, weil er nicht primär eine Ideologie ist, die oberflächlich dort von Denkern revolutionär neuartig eingeführt wurde. Das ist etwas signifikantes, kulturell tief eingebettetes. Das zu zerschlagen ist nicht der Kampf gegen eine Ideologie, sondern gegen Kulturen und Gesellschaften/Menschen. Auf diesen Kampf werden sich z.B. die USA nicht einlassen. Das ist ein Faß ohne Boden.


Sie scheinen ja ein eingefleischter Khomeinist zu sein - der schiitischer Halbmond ist mehr als eine Ideologie...

Wenn der Iran in Zukunft wieder von ziviliserten säkularen Köpfen regiert wird, werden wir sehen wie schnell sich dieses Faß schliessen wird. Als Kenner des Irans müssten Sie doch wissen, dass große Teile der Bevölkerung nicht hinter der IRI stehen...

Ohne die Mullahs in Teheran könnte sich Israel entspannen, die Hizbollah würde sich auflösen, Hashd al-Shabi im Irak und Syrien ebenso, der Libanon könnte sich wieder anständig regieren lassen, usw. Das soll natürlich nicht bedeuten, dass ich den Schiiten im Nahen Osten wieder eine marginale Rolle zurück wünsche. Aber eine Minderheit kann nicht erwarten ganze Staaten bzw. fast eine ganze Region zu beherrschen.
Make Kurdistan Free Again...

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