Geopolitik - Interventionen/Präventionen im Sykes-Picot Raum

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King Kong 2006
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Re: Geopolitik - Interventionen/Präventionen im Sykes-Picot Raum

Beitragvon King Kong 2006 » Do 18. Okt 2018, 21:14

In bestimmten Medien wird das Bild kolportiert, das ein wie auch immer geartetes "westliches Bündnis" aus den USA und Flugzeugen aus arabischen Staaten am Persischen Golf den Irak und Syrien (... mit Assad) irgendwie vor dem IS bewahrt und gerettet hätten. Das ist natürlich eine schlimme Verzerrung der Geschehnisse. Aus der Luft und mit ein paar Ausbildern bewahrt, rettet und reißt man kein Ruder herum.

Von allen Interventionisten hat der Iran den größten und verlustreichsten Einsatz erbracht. Schon aus Eigeninteresse Staaten wie den Irak oder Syrien nicht an den IS zu verlieren. In direkter Nachbarschaft. Die Einsätze waren zudem auf Wunsch Iraks und Syriens.

Scott Ritter, ein ehemaliger Marine und Kenner der Region, ist nicht in Verdacht ein Alternativer oder Liberaler zu sein. Er erwarb sich den Ruf "Darth Vader" zu sein, als er die Aufgabe hatte im Irak nach ABC-Waffen zu suchen. Durch sein robustes, einschüchterndes Auftreten gegenüber irakischen Sicherheitskräften. Er schreibt im American Conservative.

Phase I war für den Iran den völligen Zusammenbruch Iraks (inklusive der KRG: Iran Was First to Supply Iraq’s Kurds With Weapons to Battle the Islamic State https://news.vice.com/en_us/article/nem ... amic-state) und Syriens vor den unerhört schnellen Vorstössen des IS zu verhindern.

“We asked for weapons and Iran was the first country to provide us with weapons and ammunition,” said Kurdish President Massoud Barzani in a press conference. That Iran apparently got weapons to the Kurds more quickly than the U.S. may be because of Tehran’s strategic interests in arresting the march of ISIS.

“Iran knows that if they don’t fight ISIS in Iraq today, they will have to fight them in Iran tomorrow,” said Hiwa Osman, an analyst and writer based in Erbil. The expansionist Sunni militants have clawed their way across Syria and Iraq, coming within 20 miles of the Iranian border.

Indeed, Tehran claimed to have had a direct hand in training Kurdish peshmerga. “When ISIS attacked Iraqi Kurdistan and the Kurdish officials requested help from Iran, The Islamic Republic of Iran not only gave them guidance, but also organized and prepared their forces,” Interior Minister Abdolreza Rahmani Fazl told Iran’s semi-official Mehr news agency.

http://time.com/3196580/iran-kurds-isis-erbil-iraq/


Niemand sonst war da.

Phase II war die Rückeroberung. Dazu wurde die potente irakische PMF eingesetzt, auch in Syrien. Im Falle Syriens kamen die Hebzollah u.a. dazu. Ebenso russische Luftunterstützung. Im Irak war es die PMF, die die den völligen Zusammenbruch aufhielten und - sagen wir mal - die irakischen Streitkräfte "den Rücken stärkten" und liebevoll vorwärts drückten. Gegen den IS. Später operierten sie grenzüberschreitend gegen den IS in Syrien.

Iran Deserves Credit for the Ruin of ISIS

The United States expended considerable effort, both military and political, in a campaign to defeat the terror group in Iraq and, to a lesser extent, Syria.

But there is also no doubt that the bulk of the effort came from Iran, not the United States. Without Iranian involvement, ISIS would still have a formidable presence in both Iraq and Syria.


ISIS was born out of the ashes of the American invasion of Iraq


Von manchen Medien wird gerne die Mär verbreitet das irakische Sicherheitskräfte hinter den Zusammenbruch des IS im Irak stehen würden. Wahr ist, das diese fast selbst zusammenbrachen und der IS fast bis Bagdad vorstossen konnten. Sie brauchten Hilfe. Die kam im Form der PMF.

When ISIS advanced on the Iraqi cities of Ramadi and Fallujah, the American-trained and -equipped Iraqi army was unable to halt its advance. Soon the major city of Mosul fell to ISIS, and its forces pushed down the Tigris River valley to the outskirts of Baghdad.

The story of Iraq’s struggle to form a viable resistance to ISIS in the aftermath of the fall of Mosul is little known, and even less appreciated, by the United States. The formation of so-called “Popular Mobilization Forces,” or PMF—organized at the behest of Iraq’s senior Shia leadership, and trained, equipped, and led by Iran—was the single most important factor behind the halting of ISIS’s drive on Baghdad and its eventual eviction from Iraqi territory.


Western media have paid a disproportionate amount of attention to the actions of a select few American-trained Iraqi security forces, which, with ample support from U.S. airpower and advisors, helped end fighting in and around Mosul. All the while, they’ve ignored that the lion’s share of the fighting was done by the Iranian-directed PMF. This fact was not lost on the Iraqi people, many of whom (though not many of the Sunnis) hold the PMF in the highest regard. This sentiment has propelled many of the senior leadership of the PMF into political prominence in Baghdad.


Syrien.

For Iran, the ISIS phenomenon is not limited to Iraq. It is seen as part and parcel of a concerted effort undertaken by the United States, Saudi Arabia, and the Gulf Arab nations to overthrow Assad in Syria, diminish the power and influence of Hezbollah in Lebanon, and roll back Iranian influence in both Syria and Iraq. ISIS’s geographic presence in Syria, concentrated as it was in the central and northeastern deserts, made it a secondary target compared to the al-Qaeda affiliates operating in and around Aleppo and Damascus.


ISIS in Syria lingers on, despite the fact that U.S. military power could ensure its almost immediate elimination. The reason for the stay of execution is not entirely clear, but it could well be that the U.S. sees ISIS as a useful foil against Iran.


Rather than relying on ISIS as a foil to blunt Iranian influence in Syria and terrorize its citizenry at home, the Trump administration should recognize the positive role that Iran has played in defeating ISIS. It should build upon that recognition to craft a wider regional peace process that both recognizes the realities inherent in Syria today and reduces the tensions that prompt Iran to lean forward in such an aggressive manner. Unfortunately, such thinking seems beyond the capabilities of Mike Pompeo and John Bolton. As such, America will continue to pursue poorly thought out policies with no chance of success without any thought to either cost or consequence.

https://www.theamericanconservative.com ... n-of-isis/


Irgendein Bündnis aus der Luft mit Flugzeugen aus den USA und den Emiraten haben weder den drohenden Zusammenbruch aufgehalten, die waren da noch lange nicht da, noch die Gebiete auf dem Boden anschließend zurückerobert. Das waren die PMF, Peschmerga, Hezbollah, YPG und diverse verbündete schiitische und christliche Milizen. Und "natürlich" die irakische und syrische Armee. Mit Unterstützung Irans, später mit Russlands dazu.
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Re: Geopolitik - Interventionen/Präventionen im Sykes-Picot Raum

Beitragvon King Kong 2006 » So 21. Okt 2018, 08:22

Am Beispiel des zersägten Journalisten in dem saudischen Konsulat in der Türkei wird exemplarisch noch einmal sehr deutlich, was die Interessenslage der ehemaligen bzw. noch vorhandenen Interventionisten aus Übersee sind. Es wird gerne über Menschenrechte u.ä. gesprochen. Dahinter steckt knallharte Interessenspolitik. Saddam wurde hofiert, unterstützt und bekam für seine Handlungen eine Blankovollmacht, solange es den Interessen diente, danach wurde er einfach zum Schurken erklärt. Aktuell hat Saudi-Arabien diesen Posten.

Der mit den zweitmeisten Wähler-Stimmen zum US-Präsidenten gewählte Trump macht das auf seine "primitive" Art nur etwas transparenter als die diplomatisch ausgefeilteren Politiker.

Mörder und Heuchler

Die Khashoggi-Affäre offenbart, wie sehr die US-saudischen Beziehungen von Eigennutz getrieben sind. Menschenrechte interessieren kaum - keiner zeigt das so schamlos wie Donald Trump.


Doch Kronprinz bin Salman sei "eine starke Person". Und: "Er liebt sein Land wirklich."

Es sind die gleichen Worte, mit denen Trump auch schon andere Autokraten gelobt hat - Rodrigo Duterte, Kim Jong Un, Wladimir Putin. "Putin ist ein Killer", hielt ihm ein Journalist mal vor. "Glauben Sie, unser Land ist so unschuldig?", blaffte Trump zurück.


Natürlich nicht, Donald.

Diese Beziehungen werden hier nun aber mehr denn je seziert - dank Trump. Plötzlich diskutiert man über Riads Rolle in Trumps Nahost- und Iran-Strategie. Über Amerikas Rolle bei der humanitären Schande des Kriegs im Jemen. Über Milliarden-Dollar-Waffengeschäfte. Über Öl-Abhängigkeiten. Und über die privaten Saudi-Connections Trumps und seines Schwiegersohns Jared Kushner, dem eine besondere Beziehung mit bin Salman nachgesagt wird - und der jetzt hinter den Kulissen angeblich dafür plädiert, doch einfach zu warten, bis Gras über die Sache wächst.

Nichts daran überrascht. Die Allianz zwischen Riad und Washington war immer schon wertefrei - lange vor Trump und selbst als herauskam, dass die meisten der 9/11-Attentäter saudische Staatsbürger gewesen waren.


Menschenrechte interessierten dabei selten. Nur war die Heuchelei früher diskreter.

Der Tod Khashoggis ist jetzt aber wohl selbst für die Heuchler inakzeptabel - doch Trumps zögerliches Manövrieren hat einen Ausweg aus dieser Sackgasse blockiert.

http://www.spiegel.de/politik/ausland/j ... 34309.html


Es gab tatsächlich einige lichte Momente, z.B. die ehemalige US-Außenministerin Albright räumte ein, das die heutigen Verhältnisse in der Region ganz wesentlich auf US-Interventionspolitik zurückzuführen sind. Auch das massive verbiegen demokratischer Entwicklungen im Iran. Der ehemalige britische Premier Cameron ist da auch reflektiert.

Bei einem Pakistan-Besuch entschuldigte sich Premierminister David Cameron für Fehler während der Kolonialzeit. Britannien, so sagte er, sei schuld an vielen Problemen, welche die Welt noch heute plagten.

https://www.sueddeutsche.de/politik/bri ... -1.1082881


Deshalb ist es für viele der Hohn schlichterdings, wenn wohlfeile Pressesprecher und Propagandisten immer etwas über "Menschenrechte", Sicherheitsinteressen u.ä. sprechen um damit nur die bisherigen verheerenden Interventionen weiterführen. Die Länder dort, die Menschen sind ihnen völlig egal. Sykes-Picot und Co. und der bestimmte Blick darauf lassen grüssen.
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Re: Geopolitik - Interventionen/Präventionen im Sykes-Picot Raum

Beitragvon King Kong 2006 » Mo 22. Okt 2018, 16:03

Interventionen, jetzt durch das ehemalige osmanische Reich und den USA. Gegenüber Saudi-Arabien.

Riad und der Fall Khashoggi

Das Ende der Legende

Bislang schien MbS, 33 Jahre alt, mit seinem ruchlosen Politikstil ungestraft davonzukommen. Er konnte einen zerstörerischen Krieg im Jemen führen, den libanesischen Premier Saad Hariri kidnappen, eine Blockade gegen Katar verhängen und Widersacher in Saudi-Arabien reihenweise wegsperren, ohne dass irgendetwas davon für ihn oder sein Regime Folgen gehabt hätte.


Der Krieg der Saudis im Jemen hat abertausenden Tod und Millionen Hunger beschert. Die UN spricht von saudischen Kriegsverbrechen. Massive Verfolgungen in Saudi-Arabien selbst. Die weltweite Förderung von Extremismus durch Schulen und Koranschulen. Auch diverser Gruppen im Irak und Syrien. Hm, nix passiert. Jetzt wird ein Journalist lebendig zersägt und alle flippen aus. Sehr heuchlerisch, aber Realpolitik.

Nun aber könnte die Investorenkonferenz in Riad, die am Dienstag beginnt, eine einsame Veranstaltung werden. Etliche Teilnehmer, darunter IWF-Direktorin Christine Lagarde, die Finanzminister Frankreichs, Großbritanniens und der USA, sowie die Chefs der Großbanken HSBC, Standard Chartered und Crédit Suisse, haben abgesagt. Sie wollen sich nicht Seite an Seite zeigen mit einem Diktator, der womöglich für den Mord an dem Journalisten Jamal Khashoggi im saudi-arabischen Konsulat in Istanbul verantwortlich ist.


Saudi-Arabiens Regime behauptet, Jamal Khashoggi sei bei einer "Schlägerei" gestorben - und will die Debatte damit beenden. Dabei fängt sie erst an: Aus der Türkei werden neue Enthüllungen erwartet.


Der Fall Khashoggi könnte nun ein Wendepunkt sein. Erste Staaten erwägen Sanktionen gegen Saudi-Arabien. "Der Westen und vor allem Europa dürfen nicht wegsehen aus Angst vor diplomatischen oder wirtschaftlichen Drohungen", sagt der frühere deutsche Außenminister Sigmar Gabriel im SPIEGEL. Selbst US-Präsident Donald Trump, der enge politische und geschäftliche Beziehungen zum Königshaus unterhält, hat seinen Ton gegenüber MbS am Wochenende verschärft.


Beobachter vermuten, Erdogan wolle von Saudi-Arabien Zugeständnisse bei Machtfragen in der Region erzwingen, etwa im Katar-Konflikt. Denkbar ist auch, dass Ankara von Riad Hilfsgelder für die angeschlagene türkische Wirtschaft einfordern wird. "Wir können Mohammed bin Salman einen Ausweg aus der Affäre bieten, oder ihn durch Enthüllungen noch weiter unter Druck setzen", sagt ein türkischer Regierungspolitiker dem SPIEGEL. "Die Frage ist, was ist dem Prinzen sein Ruf wert?"

http://www.spiegel.de/politik/ausland/s ... 34473.html


Die Frage stellt sich Businessman Donald T. auch. Was ist weiterer Schutz für so eine Regime, dem Regime wert...? :cool:

Selbst wenn Prince MBS und seine 7000 Prinzen Erdogan und Trump bezahlen können, den einen, mit machtpolitischen Entgegenkommen, den anderen um weiteren Schutz beim Bomben, Verfolgen und Zersägen zu erhalten, ist vermutlich nicht mehr so dieses Blankocheckverhalten möglich. Irgendwann wurde auch Saddam Hussein lästig. Das Haus al-Saud muß jetzt aufpassen.
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Re: Geopolitik - Interventionen/Präventionen im Sykes-Picot Raum

Beitragvon zollagent » Mi 24. Okt 2018, 14:37

So lange der Konflikt mit dem Iran besteht, ist Saudi-Arabien "sicher".
Wer an Absurditäten glaubt, wird Abscheulichkeiten begehen. (Voltaire)
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Re: Geopolitik - Interventionen/Präventionen im Sykes-Picot Raum

Beitragvon King Kong 2006 » Do 25. Okt 2018, 21:06

zollagent hat geschrieben:(24 Oct 2018, 15:37)

So lange der Konflikt mit dem Iran besteht, ist Saudi-Arabien "sicher".


Na, dann können manche nur darauf weiter hoffen.
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Re: Geopolitik - Interventionen/Präventionen im Sykes-Picot Raum

Beitragvon King Kong 2006 » Sa 24. Nov 2018, 12:58

Die USA versuchen die kurdische Dominanz der SDF zu brechen. Immerhin haben sie ihren Job ja erledigt. Mehr arabische Truppen sollen Abhilfe schaffen. Aus dem Ausland. Nicht eingeladen.

Monitor: Large Arab Force Deployed to E. Syria

“The presence of an Arab force would be very significant,” Jonathan Spyer, executive director of the Middle East Center for Reporting and Analysis (MECRA), told VOA. “SDF is widely perceived — largely accurately — as dominated by the Kurds. Troops from an Arab state would significantly alter this perception.”

https://www.voanews.com/a/monitor-large ... 70618.html


Die Türkei würde ein weiteres Abwenden der USA von den Kurden begrüssen.

Turkey: U.S. Must Break From Syrian Kurds After PKK Reward Offer

https://www.haaretz.com/middle-east-new ... -1.6633848
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Re: Geopolitik - Interventionen/Präventionen im Sykes-Picot Raum

Beitragvon King Kong 2006 » Do 13. Dez 2018, 20:54

Die Türkei und die USA.

Legt sich Erdogan in Syrien mit den USA an?

Der türkische Präsident hat angekündigt, auch das Gebiet um Mandbidsch in Nordsyrien zu erobern. Dort sind die Kurden stationiert – und Amerikaner. Doch offenbar will es Erdogan auf einen Konflikt mit dem Nato-Partner ankommen lassen.


Die Beißhemmung scheint zu sinken?

Kann es wirklich zu einem Konflikt zweier Nato-Partner in Syrien kommen? Durchaus – solange man darunter begrenzte Zusammenstöße versteht. In Nordsyrien verfolgen die USA und die Türkei gegensätzliche Interessen, und die Hemmschwelle, die bisher einen Konflikt verhinderte – der Respekt der Türken vor der Macht der Amerikaner –, wird immer niedriger.


Der sukzessive Rückzug der USA begann im Grunde genommen schon unter Bush, nach einem katastrophalen Einstieg mit dem Irak-Krieg. Hoher Einsatz im Poker und die Chipsäulen rattern nun herunter. Am Ende bleiben die Staaten vor Ort. Wie zu früheren Zeiten.

USA nur ein mittelfristiger Machtfaktor

Insgesamt aber geht die türkische Führung von einer langfristigen Schwächung amerikanischen Machtpotenzials in der Region aus. Auch Russland, so stark es im Augenblick auch erscheinen mag im Syrien-Konflikt, wird nicht unbedingt als langfristiger Faktor gesehen. Eher schon der Iran, ohne den das syrische Assad-Regime längst zusammengebrochen wäre.

Bereits das Persische Reich war über Jahrhunderte hinweg der große Gegenspieler der Osmanen um die Macht im Nahen Osten, lange bevor Russland oder die USA überhaupt auf der Bühne erschienen.

https://www.welt.de/politik/ausland/art ... SA-an.html


Saudi-Arabien mit seiner Unterstützung salafistischer Gruppen in den Kriegen der Region scheint zwar ein erheblicher Störfaktor für die Türkei und dem Iran zu sein, ist aber im Grunde vernachlässigbar. Im Jemen ist das Hause al-Saud Schachmatt gesetzt. Im Irak und Syrien sind die Gruppen weitesgehend in blutigen Auseinandersetzungen am Boden niedergekämpft worden. Die USA sind natürlich weiterhin eine Macht. Aber es ist auch immer die Tendenz zu betrachten. Und zwischen hundertausenden US-Boys und Girls und Bergen von US-Militärwaffen vor Ort seit dem Irak-Krieg und der Situation jetzt sind deutliche Unterschiede zu erkennen. Der Aktionismus Saudi-Arabiens in der Region mit dem Ehrgeiz des Sägeprinzen MBS an der Spitze ist eine Folge davon. Vom Rückzug der USA. Das ist ein "um sich schlagen" in den Wellen der Region.

Einige kleinere Akteure werden wohl darauf hoffen, das am Ende türkische und iranische Sicherheitsinteressen kollidieren. Es kommt darauf an, wie sich Ankara und Teheran arrangieren können. Konfliktpotential war und ist da. Dennoch bleibt wie gesagt zu erwähnen, das die türkisch-iranische Grenze die am längsten unveränderte Grenze der Region seit Jahrhunderten, vermutlich weltweit darstellt. Ein Zeichen dafür, das Konflikte zwar existieren, aber die beiden Staaten sich der Folgen massiver Auseinandersetzung Gewahr sind und eisern vermieden werden. Zum Interesse beider Staaten und sicher auch der Region.

Zunächst will die Türkei die Durchsetzung ihrer Interessen im Rahmen ihres neues Selbstverständnisses gegenüber der USA testen?

Iranian President’s Chief of Staff in Turkey for Talks

The Iranian president’s chief of staff, Mahmoud Vaezi, travelled to Turkey on Thursday for political and economic talks.

Heading a high-ranking political and economic delegation, Vaezi is going to hold meetings with top Turkish authorities in the trip.

He is also expected to make arrangements for a visit by Turkish President Recep Tayyip Erdogan to Iran.

Iran and Turkey have ramped up efforts in recent years to boost bilateral trade, setting a $30-billion annual trade target and signing several agreements to enhance cooperation in various areas.

https://www.tasnimnews.com/en/news/2018 ... -for-talks
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Re: Geopolitik - Interventionen/Präventionen im Sykes-Picot Raum

Beitragvon Audi » Do 13. Dez 2018, 23:57

Ich tippe auf einen Rückzug der USA. In Afrin hat man es bestens gesehen. Egal wer oder was in Ankara das Sagen hat, NATO Partner haben bestimmte Rechte welche man anderen nicht gewährt . Bevor man die Türkei opfert, opfert man die Kurden. Erdoag ist ja nicht bescheuert

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