Peschmerga begehen massive Kriegsverbrechen

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tabernakel
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Re: Peschmerga begehen massive Kriegsverbrechen

Beitragvon tabernakel » Mo 19. Feb 2018, 19:43

DarkLightbringer hat geschrieben:(19 Feb 2018, 19:16)Ja, nenne doch mal einen Fall zur Plausibilitätsprüfung.

Hier ist gleich ne ganze NGO die sich mit der Thematik beschäftigt: NGO Monitor - Amnesty International: Failed Methodology, Corruption, and Anti-Israel Bias (2015)
Und hier der Wikipedia-Artikel zum gleichen Thema: Criticism of Amnesty International
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Re: Peschmerga begehen massive Kriegsverbrechen

Beitragvon tabernakel » Mo 19. Feb 2018, 19:57

DarkLightbringer hat geschrieben:(19 Feb 2018, 19:16)
Da sind jetzt aber teils sehr wilde Ideen dabei. Springt da tatsächlich "westliche Presse" herum, wo gerade geschossen wird, im Feld, überall, um jedes Dorf herum und etwaige Täter können auch gar kein Massengrab ausheben, weil Reporter den Erdhub erschweren würden? ;)

Nö. Muss aber auch nicht, den ne Woche drauf könnte westliche Presse (oder die Amis) ohne weiteres zu den Erdhügeln geführt werden. Und wie dem auch sei: Am Ende ersetzt eine NGO keine unabhängige Überprüfung, und was die ergibt werden wir sehen; wenn's denn was zu entdecken gab.

DarkLightbringer hat geschrieben:Ja, nenne doch mal einen Fall zur Plausibilitätsprüfung.

Kann Dir sogar mehr bieten, es gibt ne NGO die sich zur Aufgabe gemacht hat die Arbeit von NGOs kritisch zu überwachen, und die nehmen sich natürlich auch Amnesty zur Brust: NGO Montor zu Amnesty International.
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Re: Peschmerga begehen massive Kriegsverbrechen

Beitragvon DarkLightbringer » Mo 19. Feb 2018, 20:00

tabernakel hat geschrieben:(19 Feb 2018, 19:43)

Hier ist gleich ne ganze NGO die sich mit der Thematik beschäftigt: NGO Monitor - Amnesty International: Failed Methodology, Corruption, and Anti-Israel Bias (2015)
Und hier der Wikipedia-Artikel zum gleichen Thema: Criticism of Amnesty International

Auch auf der deutschsprachigen Wikipedia findet sich eine Sammlung erhobener Kritiken.
Auszug:
Regierungen und nahestehende Kommentatoren, die von Amnesty International in ihren Berichten kritisch beurteilt werden, haben verschiedentlich Kritik an Amnesty geübt. So wurde Amnesty z. B. aus China,[22] Russland und dem Kongo Einseitigkeit gegen nicht-westliche Länder bei seinen Beurteilungen vorgeworfen sowie, dass die Sicherheitsbedürfnisse (z. B. bei der Bekämpfung von Rebellen) nicht genügend beachtet würden. Umgekehrt wurde Amnesty z. B. nach der Kritik an der israelischen Politik im Gazastreifen vom American Jewish Congress angegriffen. Als im Mai 2005 ein Amnesty-Bericht den USA eine Spitzenstellung bei Menschenrechtsverletzungen zuwies (siehe hierzu: Gefangenenlager der Guantanamo Bay Naval Base), bezeichnete ein Pressesprecher des Weißen Hauses dies als lächerlich und behauptete, die Angaben entsprächen nicht den Tatsachen.[23]
https://de.wikipedia.org/wiki/Amnesty_International

Die Bundesregierung nimmt Berichte über Kriegsverbrechen dennoch sehr ernst, wie sie im Fall der Vertreibungen ja betont hat.
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Re: Peschmerga begehen massive Kriegsverbrechen

Beitragvon Alter Stubentiger » Mo 19. Feb 2018, 20:05

tabernakel hat geschrieben:(19 Feb 2018, 19:43)

Hier ist gleich ne ganze NGO die sich mit der Thematik beschäftigt: NGO Monitor - Amnesty International: Failed Methodology, Corruption, and Anti-Israel Bias (2015)
Und hier der Wikipedia-Artikel zum gleichen Thema: Criticism of Amnesty International


Ach daher weht der Wind.
Niemand hat vor eine Mauer zu errichten (Walter Ulbricht)
...und die Mauer wird noch in 50 oder 100 Jahren stehen (Erich Honecker)
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Re: Peschmerga begehen massive Kriegsverbrechen

Beitragvon tabernakel » Mo 19. Feb 2018, 20:10

DarkLightbringer hat geschrieben:(19 Feb 2018, 20:00)Die Bundesregierung nimmt Berichte über Kriegsverbrechen dennoch sehr ernst, wie sie im Fall der Vertreibungen ja betont hat.

Und das tut sie zurecht, schließlich liefern wir an die Kurden Waffen. Und sollten sich die Vorwürfe als wahr herauskristallisieren, dann riskieren die Kurden hier durchaus dass die Bundesregierung ihre Außenpolitik anpasst. Nur wissen das eben auch die Kriegsgegner der Kurden, das ist genau das Dilemma welches NGOs zum Angriffsziel macht.
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Re: Peschmerga begehen massive Kriegsverbrechen

Beitragvon Kardux » Sa 24. Feb 2018, 14:35

tabernakel hat geschrieben:(19 Feb 2018, 20:10)

Und das tut sie zurecht, schließlich liefern wir an die Kurden Waffen. Und sollten sich die Vorwürfe als wahr herauskristallisieren, dann riskieren die Kurden hier durchaus dass die Bundesregierung ihre Außenpolitik anpasst. Nur wissen das eben auch die Kriegsgegner der Kurden, das ist genau das Dilemma welches NGOs zum Angriffsziel macht.


Diese Berichte haben in erster Linie ein Ziel: die Einstellung der Hilfe für die Kurden.

Das extralegale Hinrichtungen ein Kriegsverbrechen sind und angeprangert werden müssen, egal von wem sie durchgeführt wurden - ist aus meiner Sicht keine Diskussion wert. Mich interessiert dabei aber eben auch wer da mit dem Finger zeigt und wieso.
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Re: Peschmerga begehen massive Kriegsverbrechen

Beitragvon tabernakel » Sa 24. Feb 2018, 23:27

Kardux hat geschrieben:(24 Feb 2018, 14:35) Das extralegale Hinrichtungen ein Kriegsverbrechen sind und angeprangert werden müssen, egal von wem sie durchgeführt wurden - ist aus meiner Sicht keine Diskussion wert. Mich interessiert dabei aber eben auch wer da mit dem Finger zeigt und wieso.

Nur dass es schon interessiert was genau "extralegale Hinrichtungen" sind, und auch wer festlegt was sie sind und was nicht.

Ansonsten bin ich da durchaus bei Dir, und habe auch bisher das Gefühl die Kurden halten sich an internationales Recht - Einzelfälle vielleicht ausgenommen, aber Schwarze Schafe und Grenzfälle gibt's überall. Alleine schon weil sie im Gegensatz zur Türkei die Presse und die NGOs relativ frei arbeiten lassen, und in westlichen Staaten Unterstützer haben die auf Menschenrechtsverletzungen allergisch reagieren. Und dann kann ich absolut verstehen wenn Kurden die Galle hochkommt wenn ausgerechnet eine totalitäre Türkei bei NGOs ne Plattform zur Diskreditierung des Gegners bekommt, um einen sowieso schon materiell unterlegenen Gegner durch potentielles Anschwärzen einer weiteren Nachschubquelle zu berauben. Während Erdogan Panzer aus hiesiger Produktion in den Konflikt schickt.
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Re: Peschmerga begehen massive Kriegsverbrechen

Beitragvon Kardux » So 25. Feb 2018, 08:08

tabernakel hat geschrieben:Nur dass es schon interessiert was genau "extralegale Hinrichtungen" sind, und auch wer festlegt was sie sind und was nicht.


Der Einwand ist korrekt. Da müsste man aber eine Grundsatzdebatte zur Todesstrafe an sich führen. Wenn man aber nicht jeden Sinn für die Realität verlieren möchte, muss man schon in Betracht ziehen, dass man derzeit leider keine europäischen Massstäbe an den Orient legen kann. Der IS hat mit seinem blutigen Feldzug der Region auch keinen Gefallen getan (um es vorsichtig auszudrücken) - sondern sie weiter radikalisiert.

Unterm Strich ist das harte Vorgehen Baghdads am Ende natürlich nur der Nährboden für weitere Konflikte, aber trotzdem ziehe ich persönlich Hinrichtungen die in einem legalen Rahmen durchgeführt werden, solchen vor, die gerade den Kurden vorgeworfen werden.

tabernakel hat geschrieben:Ansonsten bin ich da durchaus bei Dir, und habe auch bisher das Gefühl die Kurden halten sich an internationales Recht - Einzelfälle vielleicht ausgenommen, aber Schwarze Schafe und Grenzfälle gibt's überall. Alleine schon weil sie im Gegensatz zur Türkei die Presse und die NGOs relativ frei arbeiten lassen, und in westlichen Staaten Unterstützer haben die auf Menschenrechtsverletzungen allergisch reagieren. Und dann kann ich absolut verstehen wenn Kurden die Galle hochkommt wenn ausgerechnet eine totalitäre Türkei bei NGOs ne Plattform zur Diskreditierung des Gegners bekommt, um einen sowieso schon materiell unterlegenen Gegner durch potentielles Anschwärzen einer weiteren Nachschubquelle zu berauben. Während Erdogan Panzer aus hiesiger Produktion in den Konflikt schickt.


Zu meiner Freude, haben sich die kurdischen Konfliktparteien zumindest bis jetzt nicht an der Tötung von Zivilisten direkt beteiligt - weder in Syrien noch im Irak. Das ändert nichts daran, dass die Kurden keine Heilsbringer sind und mitnichten ein Paradebeispiel der Demokratie vorort sind. Und doch unterscheidet uns eines wirklich makant vom Rest unserer Nachbarn: wir zeigen die Bereitschaft zur Koexistenz. Auf dieser Basis kann sich die Lage in der Region normalisieren - nur auf dieser!
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Re: Peschmerga begehen massive Kriegsverbrechen

Beitragvon Mahmoud » So 25. Feb 2018, 19:03

Um zum Ausgangsthema zu kommen: Mag schon sein, daß die Peschmerga Kriegsverbrechen begehen. Aber diese Tatsache lockt keine Katze hinterm Ofen hervor.... Weil nämlich in einem Krieg immer Verbrechen begangen werden. Das haben die Amerikaner gemacht, die Deutschen, die Vietnamesen, der IS, die Assad treuen Syrer, jetzt tun es die Türken in Nordsyrien usw.... Jede Seite kann sich die für sie geeignetsten Bösewichte herauspicken und drauflosschimpfen und die Empörungsmaschine anwerfen.
Bei allem Verständnis für den Schutz der Zivilbevölkerung, von Kindern und Krankenhäusern, haben die Genfer Konventionen etwas zutiefst Perverses an sich: Nämlich daß sie den Krieg in ein Regelwerk packen wollen, wie ein Videospiel oder ein Gesellschaftsspiel, und damit die Illusion, daß es etwas wie einen "humanen" Krieg geben könnte...
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Re: Peschmerga begehen massive Kriegsverbrechen

Beitragvon Tom Bombadil » So 25. Feb 2018, 22:29

Es kommt immer drauf an, wer die Kriegsverbrechen begeht und wer das Opfer ist. Im Südsudan passieren im Moment grausame Dinge, interessiert hier kaum jemand, lässt sich politisch und/oder moralisch nicht instrumentalisieren.
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Re: Peschmerga begehen massive Kriegsverbrechen

Beitragvon DarkLightbringer » Mo 26. Feb 2018, 02:25

Mahmoud hat geschrieben:(25 Feb 2018, 19:03)

Um zum Ausgangsthema zu kommen: Mag schon sein, daß die Peschmerga Kriegsverbrechen begehen. Aber diese Tatsache lockt keine Katze hinterm Ofen hervor.... Weil nämlich in einem Krieg immer Verbrechen begangen werden. Das haben die Amerikaner gemacht, die Deutschen, die Vietnamesen, der IS, die Assad treuen Syrer, jetzt tun es die Türken in Nordsyrien usw.... Jede Seite kann sich die für sie geeignetsten Bösewichte herauspicken und drauflosschimpfen und die Empörungsmaschine anwerfen.
Bei allem Verständnis für den Schutz der Zivilbevölkerung, von Kindern und Krankenhäusern, haben die Genfer Konventionen etwas zutiefst Perverses an sich: Nämlich daß sie den Krieg in ein Regelwerk packen wollen, wie ein Videospiel oder ein Gesellschaftsspiel, und damit die Illusion, daß es etwas wie einen "humanen" Krieg geben könnte...

Denk mal an das gewöhnliche, nationale Strafrecht - Verbrechen passieren, werden aber meistens verfolgt. Eine grundsätzliche Straflosigkeit oder Nichtverfolgung von schwersten Verbrechen ist definitiv ein Problem.
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Re: Peschmerga begehen massive Kriegsverbrechen

Beitragvon tabernakel » Mo 26. Feb 2018, 22:42

DarkLightbringer hat geschrieben:(26 Feb 2018, 02:25) Denk mal an das gewöhnliche, nationale Strafrecht - Verbrechen passieren, werden aber meistens verfolgt. Eine grundsätzliche Straflosigkeit oder Nichtverfolgung von schwersten Verbrechen ist definitiv ein Problem.

Ja soweit korrekt. Dummerweise ist das nur einer von mehreren relevanten Aspekten, gibt noch drei weitere wichtige:
- Supermächte haben praktisch Immunität weil es keinen Souverän gibt der sie belangen kann
- In asymmetrischen Konflikten kommen die kleineren Konfliktseiten zu oft zu dem Schluss dass es sie das Völkerrecht eigentlich gar nicht zu interessieren braucht, weil sie bis zur Anzeige sowieso mit hoher Wahrscheinlichkeit tot sind
- Hitler hat nicht auf den Einsatz von Giftgas im Krieg verzichtet weil er fürchtete dass er nach dem Krieg dafür vor nen Richter gezerrt werden könnte, sonst hätte er auch auf den Einsatz von Giftgas und das Morden in den Konzentrationslagern verzichtet. Hitler hat einzig und allein auf den Einsatz von Giftgas im Krieg verzichtet weil er sich sicher war dass dies keinen Vorteil für ihn bringt, da seine Gegner das dann schlicht auch gemacht hätten. Und Assad setzt wie Saddam einzig und allein Giftgas ein weil er sich sicher ist dass er reziprok nicht auf der Empfangsseite stehen wird.

Damit komme ich zu dem Schluss dass das Völkerrecht als Abschreckungsmittel komplett überbewertet ist. Die einzigen die's abschreckt sind westliche Demokratien die keine Supermacht sind, und da sind Übergriffe der eigenen Bevölkerung seit Vietnam sowieso schon schwer vermittelbar. Oder anders formuliert, wenn die eigene Bevölkerung schon in Ohnmacht fällt weil Du in nem Krieg eine größere Anzahl Gegner legal tötest (Versenkung der General Belgrano 1982, Highway of Death 1991) dann brauchst Du Dir über illegale Shortcuts sowieso keinerlei Gedanken machen.

Eine Beobachtung der Russen ist zudem leider korrekt: Was die Zahl der toten Zivilisten, und das Ausmaß der Zerstörung angeht, macht es keinen Unterschied ob Du eine Stadt in monatelangem zermürbendem aber legal geführtem Kleinkrieg einnimmst, ob Du sie überrennst nachdem Du illegal (und hypothetisch) das nichtnukleare Äquivalent einer Atombombe drüber gezündet hast, oder ob Du sie nicht einnimmst und Terroristen wie den IS schlicht machen lässt. Der Zeitfaktor nimmt den Zivilisten praktisch jeden Vorteil den das Völkerrecht ihnen einzuräumen versucht, die einzigen die wirklich profitieren sind die Verteidiger die sich in der Stadt verschanzt haben um sie als Schild einzusetzen.

Und eine bittere Beobachtung der Israelis ist leider auch korrekt: Je mehr Du Dich bemühst einen Konflikt im Einklang mit den Regeln des Völkerrechts zu führen, umso mehr wirst Du mit erfundenen Anschuldigungen und Möchtegern-Verletzungen konfrontiert. Und wenn man schon soweit wie die Israelis geht und Warnkörper auf militärisch genutzte Gebäude abschießt bevor man sie zerstört, dann bringt das Islamisten nur auf die Idee dass es für sie vorteilhafter ist ihre Familien schlicht zu zwingen in den Gebäuden zu bleiben, so a'la "Opfer müssen für die Sache gebracht werden".
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Re: Peschmerga begehen massive Kriegsverbrechen

Beitragvon DarkLightbringer » Di 27. Feb 2018, 08:32

tabernakel hat geschrieben:(26 Feb 2018, 22:42)

Ja soweit korrekt. Dummerweise ist das nur einer von mehreren relevanten Aspekten, gibt noch drei weitere wichtige:
- Supermächte haben praktisch Immunität weil es keinen Souverän gibt der sie belangen kann
- In asymmetrischen Konflikten kommen die kleineren Konfliktseiten zu oft zu dem Schluss dass es sie das Völkerrecht eigentlich gar nicht zu interessieren braucht, weil sie bis zur Anzeige sowieso mit hoher Wahrscheinlichkeit tot sind
- Hitler hat nicht auf den Einsatz von Giftgas im Krieg verzichtet weil er fürchtete dass er nach dem Krieg dafür vor nen Richter gezerrt werden könnte, sonst hätte er auch auf den Einsatz von Giftgas und das Morden in den Konzentrationslagern verzichtet. Hitler hat einzig und allein auf den Einsatz von Giftgas im Krieg verzichtet weil er sich sicher war dass dies keinen Vorteil für ihn bringt, da seine Gegner das dann schlicht auch gemacht hätten. Und Assad setzt wie Saddam einzig und allein Giftgas ein weil er sich sicher ist dass er reziprok nicht auf der Empfangsseite stehen wird.

Damit komme ich zu dem Schluss dass das Völkerrecht als Abschreckungsmittel komplett überbewertet ist. Die einzigen die's abschreckt sind westliche Demokratien die keine Supermacht sind, und da sind Übergriffe der eigenen Bevölkerung seit Vietnam sowieso schon schwer vermittelbar. Oder anders formuliert, wenn die eigene Bevölkerung schon in Ohnmacht fällt weil Du in nem Krieg eine größere Anzahl Gegner legal tötest (Versenkung der General Belgrano 1982, Highway of Death 1991) dann brauchst Du Dir über illegale Shortcuts sowieso keinerlei Gedanken machen.

Eine Beobachtung der Russen ist zudem leider korrekt: Was die Zahl der toten Zivilisten, und das Ausmaß der Zerstörung angeht, macht es keinen Unterschied ob Du eine Stadt in monatelangem zermürbendem aber legal geführtem Kleinkrieg einnimmst, ob Du sie überrennst nachdem Du illegal (und hypothetisch) das nichtnukleare Äquivalent einer Atombombe drüber gezündet hast, oder ob Du sie nicht einnimmst und Terroristen wie den IS schlicht machen lässt. Der Zeitfaktor nimmt den Zivilisten praktisch jeden Vorteil den das Völkerrecht ihnen einzuräumen versucht, die einzigen die wirklich profitieren sind die Verteidiger die sich in der Stadt verschanzt haben um sie als Schild einzusetzen.

Und eine bittere Beobachtung der Israelis ist leider auch korrekt: Je mehr Du Dich bemühst einen Konflikt im Einklang mit den Regeln des Völkerrechts zu führen, umso mehr wirst Du mit erfundenen Anschuldigungen und Möchtegern-Verletzungen konfrontiert. Und wenn man schon soweit wie die Israelis geht und Warnkörper auf militärisch genutzte Gebäude abschießt bevor man sie zerstört, dann bringt das Islamisten nur auf die Idee dass es für sie vorteilhafter ist ihre Familien schlicht zu zwingen in den Gebäuden zu bleiben, so a'la "Opfer müssen für die Sache gebracht werden".

Sicher, das humanitäre Völkerrecht ist nicht in jedem Fall galant umsetzbar und niemand sagt, dass es keiner weiteren Entwicklung bedürfe. Dennoch war das Nürnberger Tribunal ein Meilenstein und sehr viel später dann auch das Den Haager Strafgericht. Die Generalprävention sollte man auch nicht unterschätzen - heute werden Massaker eher diskutiert als etwa noch vor 100 Jahren. Entsprechend spielt auch die öffentliche Meinung eine Rolle und es hat ja auch seinen Grund, weshalb beispielsweise die Israelische Armee einen anderen Ruf hat als der IS.
Militärische Operationen sind das eine, das gezielte und bewußte Abschlachten von Wehrlosen das andere. Beispiel Ruanda 1994. Oder mal andersherum formuliert - nicht jedes Verbrechen lässt sich als militärische Operation darstellen.

2016 ist über die Unterschiede von Mossul und Aleppo berichtet worden: http://www.spiegel.de/video/aleppo-und- ... 15335.html

Und wenn man denn sagen würde, nichts spiele eine Rolle, wie wollte man dann überhaupt dem IS etwas vorhalten ? Die Kritik am IS ist ja nicht nur rein philosophischer Natur.
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Re: Peschmerga begehen massive Kriegsverbrechen

Beitragvon tabernakel » Di 27. Feb 2018, 11:45

DarkLightbringer hat geschrieben:(27 Feb 2018, 08:32) Die Generalprävention sollte man auch nicht unterschätzen - heute werden Massaker eher diskutiert als etwa noch vor 100 Jahren. Entsprechend spielt auch die öffentliche Meinung eine Rolle und es hat ja auch seinen Grund, weshalb beispielsweise die Israelische Armee einen anderen Ruf hat als der IS.

Lies noch mal Deine eigenen Worte. Im Endeffekt sagst Du selbst dass das Völkerrecht nur in Staaten interessiert die Meinungs- und Pressefreiheit haben, also funktioniert auch nur dort die "Generalprävention". Alle anderen interessiert's nur dazu sich selbst nen möglichst großen Vorteil zu verschaffen. Nochmal, der einzige Grund warum Giftgas wieder eingesetzt wird, ist dass sowohl Saddam als auch Assad nicht befürchten mussten dass sie selbst unter Giftgasattacken kommen - nicht wegen dem Völkerrecht. Als Assad heftige Gegenmaßnahmen befürchten musste hat er den Großteil seiner Vorräte zerstört - nicht wegen dem Völkerrecht. Und der einzige Grund warum es bis heute keinen Atomkrieg gab ist dass jeder der sie einsetzt sofort befürchten muss dass seine eigenen Städte verdampft werden - nicht wegen dem Völkerrecht.

Deine "Generalprävention" funktioniert also zurzeit super, sie erlaubt Diktatoren praktische jede Barbarei weil sie vielen ihrer Gegner die Hände auf dem Rücken zusammen bindet und damit der Abschreckung raubt. Genau darauf hat ein Duterte gesetzt, der hatte keine Lust mehr ständig für jede Kleinigkeit angeprangert zu werden während seine Gegner in den Drogenkartellen das Völkerrecht sowieso noch nie interessiert hat. Genau diese Asymmetrie macht aus der "Generalprävention" eine "Generalperversion", und wir züchten uns damit aktuell ne komplett neue Riege von Diktatoren fürs 21. Jahrhundert heran. Und wir müssen uns denke ich durchaus überlegen was man am Völkerrecht präzisieren kann damit sich dieser Trend wieder ändert. Nur dass ich da wenig Hoffnung habe, Putin und Xi finden die aktuelle Situation nämlich super.

Und nein, für die Verfolgung des IS braucht man nun wirklich kein Völkerrecht, der Irak verurteilt und richtet die Schergen grad reihenweise wegen Mitgliedschaft in einer terroristischen Vereinigung hin. Also wegen richtigem Terrorismus, nicht dem was die Türkei da aktuell für hält. Da bleibt schlicht keiner für den ICC übrig.
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Re: Peschmerga begehen massive Kriegsverbrechen

Beitragvon Jekyll » Do 1. Mär 2018, 10:21

Kardux hat geschrieben:(25 Feb 2018, 08:08)

Zu meiner Freude, haben sich die kurdischen Konfliktparteien zumindest bis jetzt nicht an der Tötung von Zivilisten direkt beteiligt - weder in Syrien noch im Irak. Das ändert nichts daran, dass die Kurden keine Heilsbringer sind und mitnichten ein Paradebeispiel der Demokratie vorort sind. Und doch unterscheidet uns eines wirklich makant vom Rest unserer Nachbarn: wir zeigen die Bereitschaft zur Koexistenz. Auf dieser Basis kann sich die Lage in der Region normalisieren - nur auf dieser!
Diese "Bereitschaft zur Koexistenz" sieht in der Realität aber etwas anders aus:

Seit zwei Jahren reise ich für Amnesty regelmäßig in den Irak, um Menschenrechtsverletzungen zu dokumentieren. Auf meiner jüngsten Recherchereise habe ich dokumentiert, dass die Peschmerga und andere kurdische Kämpfer im Nordirak arabische Dörfer zerstört haben, die sie vom "Islamischen Staat" zurückerobert hatten. Tausende Häuser haben die kurdischen Kämpfer geplündert, angezündet, in die Luft gesprengt oder mit Planierraupen zerstört. Bewohner wurden vertrieben. Zudem haben sie geflohene arabische Zivilisten daran gehindert, in ihre Heimatorte zurückzukehren. Die Bundesregierung will mit mir über diese Recherchen sprechen. Schließlich werden die Peschmerga von Deutschland unterstützt.
https://www.amnesty.de/journal/2016/april/ja-das-sind-kriegsverbrechen
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Re: Peschmerga begehen massive Kriegsverbrechen

Beitragvon DarkLightbringer » Do 1. Mär 2018, 10:58

Es gibt nun neuere Vorwürfe seitens Amnesty, die sich zum einen auf die türkische Armee beziehen, zum anderen - und in geringerem Maße - auf die YPG.
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Re: Peschmerga begehen massive Kriegsverbrechen

Beitragvon Kardux » Do 1. Mär 2018, 16:53

Jekyll hat geschrieben:(01 Mar 2018, 10:21)

Diese "Bereitschaft zur Koexistenz" sieht in der Realität aber etwas anders aus:

https://www.amnesty.de/journal/2016/april/ja-das-sind-kriegsverbrechen


Ihr Troll-Verhalten ändert nichts an der Tatsache, dass die Kurden im Irak und in Syrien, anders als ihre Nachbarn, keine Zivilisten töten.

Denn eine Bereitschaft zur Koexistenz setzt immer voraus, dass man die Gegenseite nicht töten will.

Das kann man derzeit von der faschistischen Türkei nicht behaupten.
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Re: Peschmerga begehen massive Kriegsverbrechen

Beitragvon DarkLightbringer » Do 1. Mär 2018, 18:23

Kardux hat geschrieben:(01 Mar 2018, 16:53)

Ihr Troll-Verhalten ändert nichts an der Tatsache, dass die Kurden im Irak und in Syrien, anders als ihre Nachbarn, keine Zivilisten töten.

Denn eine Bereitschaft zur Koexistenz setzt immer voraus, dass man die Gegenseite nicht töten will.

Das kann man derzeit von der faschistischen Türkei nicht behaupten.

Nun ja, das ist aber bestenfalls eine "optimierte Ansicht". Tatsächlich sollen Zivilisten beim ungezielten Beschuss durch die YPG umgekommen sein, unter Verstoß gegen internationales Recht.

http://www.zeit.de/politik/ausland/2018 ... en-amnesty
https://www.zvw.de/inhalt.syrien-amnest ... 8a743.html
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Re: Peschmerga begehen massive Kriegsverbrechen

Beitragvon Nomen Nescio » Do 1. Mär 2018, 19:17

Kardux hat geschrieben:(01 Mar 2018, 16:53)

Ihr Troll-Verhalten ändert nichts an der Tatsache, dass die Kurden im Irak und in Syrien, anders als ihre Nachbarn, keine Zivilisten töten.

Denn eine Bereitschaft zur Koexistenz setzt immer voraus, dass man die Gegenseite nicht töten will.

Das kann man derzeit von der faschistischen Türkei nicht behaupten.

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Re: Peschmerga begehen massive Kriegsverbrechen

Beitragvon Jekyll » Fr 2. Mär 2018, 01:43

Kardux hat geschrieben:(01 Mar 2018, 16:53)

Ihr Troll-Verhalten ändert nichts an der Tatsache, dass die Kurden im Irak und in Syrien, anders als ihre Nachbarn, keine Zivilisten töten.
Sie sind nicht mehr ganz auf dem Laufenden. Ihre prokurdischen Märchen sind längst von der Realität eingeholt worden.

Denn eine Bereitschaft zur Koexistenz setzt immer voraus, dass man die Gegenseite nicht töten will.
Demnach hätten die YPG-Kurden keinerlei Interesse für eine Koexistenz mit der Gegenseite. Aber war das nicht schon immer so gewesen? Immerhin hat deren Mutterorganisation, die PKK nämlich, schon immer auch Zivilisten getötet. Weswegen sie ja auch als terroristisch eingestuft wird.
Aber man muss ja nicht gleich mit Mord und Totschlag kommen, wie die kurdischen Peschmerger es so eindrucksvoll gezeigt haben. Vertreibungen tun es auch, um seinen Unwillen für eine Koexistenz zum Ausdruck zu bringen.
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