Deutsche bzw Nato-Bodentruppen ggn IS eine sinnvolle Option?

Moderator: Moderatoren Forum 3

Benutzeravatar
frems
Beiträge: 43887
Registriert: Sa 4. Apr 2009, 13:43
Benutzertitel: Hochenergetisch
Wohnort: Hamburg, Europa

Deutsche bzw Nato-Bodentruppen ggn IS eine sinnvolle Option?

Beitragvon frems » Mo 16. Nov 2015, 21:37

Obama hat "boots on the ground" bisher abgelehnt. Die Erfahrungen aus Afghanistan und dem Irak hätten gezeigt, daß dies keine nachhaltigen Lösungen sind und ggf. für mehr Zulauf für den Feind sorgen. Trotzdem scheint der bisherige Weg -- gemäßigte Rebellen und Kurden mit Rüstung und Luftschlägen zu unterstützen -- nicht vielversprechend und dürfte durch die russischen Angriffe auf die Opposition noch unwahrscheinlicher zum Erfolg führen.

Sind westliche Bodentruppen aus Eurer Sicht eine sinnvolle, kontraproduktive oder gar einzig erfolgsversprechende Lösung, um die Region zu befrieden? Oder sollte man ganz andere Wege einschlagen und z.B. sein Verhältnis zu Regionalmächten überdenken?

Bodentruppen? Das ist unausweichlich!

Wie soll man auf den Terror des IS reagieren? Mit dem Einsatz von Bodentruppen? Ein Pro und Contra. Frank Jansen sagt Pro: über die härtestmögliche Maßnahme muss geredet werden. Ein Kommentar.

http://www.tagesspiegel.de/politik/syri ... 96312.html

Bodentruppen? Wir brauchen Maß und Ziel gegen den Terror!

Wie soll man auf den Terror des IS reagieren? Mit dem Einsatz von Bodentruppen? Ein Pro und Contra. Christoph von Marschall sagt Contra: Oberstes Ziel ist, unsere offenen Gesellschaften zu schützen. Ein Kommentar.

http://www.tagesspiegel.de/politik/syri ... 91994.html
Labskaus!

Ob Mailand oder Madrid -- Hauptsache Europa.
Benutzeravatar
UncleSams_Berater
Beiträge: 2018
Registriert: Mi 17. Jul 2013, 23:56
Benutzertitel: Freedom
Wohnort: Frankfurt am Main
Kontaktdaten:

Re: Deutsche bzw Nato-Bodentruppen ggn IS eine sinnvolle Opt

Beitragvon UncleSams_Berater » Mo 16. Nov 2015, 21:42

Ich wäre für den Einsatz von Bodentruppen. Das Problem ist meiner Meinung nicht den IS zu besiegen den mit Bodentruppen wäre das nicht schwer.
Die USA hatten im Irak schon Bodentruppen allerdings hat dann die Politik dort versagt die Sunniten mit einzubinden.

Das heißt die Nationen dort müssen endlich richtige demokratische Strukturen aufbauen.
Natürlich kann der Westen mit Bodentruppen rein und aufräumen aber wenn die dann wieder raus sind muss es stabile politische Verhältnisse geben sonst fängt alles von vorne an.
MAKE POLITIK-FORUM.EU GREAT AGAIN
Benutzeravatar
nichtkorrekt
Beiträge: 6485
Registriert: So 19. Aug 2012, 11:10
Wohnort: Neufünfland

Re: Deutsche bzw Nato-Bodentruppen ggn IS eine sinnvolle Opt

Beitragvon nichtkorrekt » Mo 16. Nov 2015, 21:49

Ich halte es für ein unwägbares Risiko, der IS ist keine reguläre Armee wie Saddams Truppen die man mit Panzern einfach zusammenwalzen könnte, der IS hat Rückhalt im sunnitischen Stammesgebiet, er könnte sich unter die Zivilbevölkerung mischen und sich sogar einfach vorübergehend auflösen, nur um sich dann bei nächstbester Gelegenheit neu zu formieren, ich denke dem IS wird es gelingen sich langfristig zu etablieren ähnlich wie den Taliban, die konnten in Afghanistan letztlich auch nicht besiegt werden. Die größere Gefahr sehe ich ohnehin in einheimischen Jihadisten. Vielleicht sollte man dem IS die Sunnitengebiete überlassen, aber jede weitere Ausdehnung darüber hinaus gnadenlos bekämpfen.

UncleSams_Berater » Mo 16. Nov 2015, 21:42 hat geschrieben:Ich wäre für den Einsatz von Bodentruppen. Das Problem ist meiner Meinung nicht den IS zu besiegen den mit Bodentruppen wäre das nicht schwer.
Die USA hatten im Irak schon Bodentruppen allerdings hat dann die Politik dort versagt die Sunniten mit einzubinden.

Das heißt die Nationen dort müssen endlich richtige demokratische Strukturen aufbauen.

Natürlich kann der Westen mit Bodentruppen rein und aufräumen aber wenn die dann wieder raus sind muss es stabile politische Verhältnisse geben sonst fängt alles von vorne an.


Das wird nicht gelingen.
Zuletzt geändert von nichtkorrekt am Mo 16. Nov 2015, 21:50, insgesamt 1-mal geändert.
Benutzeravatar
NMA
Beiträge: 11148
Registriert: Mo 24. Mai 2010, 14:40
Benutzertitel: mit Augenmaß
Wohnort: Franken

Re: Deutsche bzw Nato-Bodentruppen ggn IS eine sinnvolle Opt

Beitragvon NMA » Mo 16. Nov 2015, 21:50

Ich glaube vor allem, dass man aus pragmatischen Gründen das Ziel des Sturzes von Assad überdenken sollte. Nicht weil er noch irgendeine moralische Legitimation hat, sondern weil man da jetzt irgendwie Stabilität braucht, um den IS nicht weiter mit Chaos zu füttern. Klingt übel, aber solange da keine einheitliche Macht entgegenhält kommt man auch nicht weiter bzw. schafft keine Schwächung. Außerdem hinterließe man nur ein desaströses Machtvakuum, in welchen sich wieder neue Orkheere zusammenscharen.

Boots on the ground führt zu gar nichts, aber irgendjemand mss die Drecksarbeit machen.

UncleSams_Berater hat geschrieben:Ich wäre für den Einsatz von Bodentruppen. Das Problem ist meiner Meinung nicht den IS zu besiegen den mit Bodentruppen wäre das nicht schwer.


Ja, das führt dann genauso easy zum Erfolg wie in Irak und Afghanistan.
Zuletzt geändert von NMA am Mo 16. Nov 2015, 21:53, insgesamt 3-mal geändert.
Benutzeravatar
NMA
Beiträge: 11148
Registriert: Mo 24. Mai 2010, 14:40
Benutzertitel: mit Augenmaß
Wohnort: Franken

Re: Deutsche bzw Nato-Bodentruppen ggn IS eine sinnvolle Opt

Beitragvon NMA » Mo 16. Nov 2015, 21:51

Das heißt die Nationen dort müssen endlich richtige demokratische Strukturen aufbauen.


Falken, G.I.s und Marines sind die letzten, die das schaffen.
Benutzeravatar
UncleSams_Berater
Beiträge: 2018
Registriert: Mi 17. Jul 2013, 23:56
Benutzertitel: Freedom
Wohnort: Frankfurt am Main
Kontaktdaten:

Re: Deutsche bzw Nato-Bodentruppen ggn IS eine sinnvolle Opt

Beitragvon UncleSams_Berater » Mo 16. Nov 2015, 21:55

NMA » Mo 16. Nov 2015, 21:50 hat geschrieben:Ich glaube vor allem, dass man aus pragmatischen Gründen das Ziel des Sturzes von Assad überdenken sollte. Nicht weil er noch irgendeine moralische Legitimation hat, sondern weil man da jetzt irgendwie Stabilität braucht, um den IS nicht weiter mit Chaos zu füttern. Klingt übel, aber solange da keine einheitliche Macht entgegenhält kommt man auch nicht weiter bzw. schafft keine Schwächung. Außerdem hinterließe man nur ein desaströses Machtvakuum, in welchen sich wieder neue Orkheere zusammenscharen.

Boots on the ground führt zu gar nichts, aber irgendjemand mss die Drecksarbeit machen.

[quote="Uncle_Sams_Berater]Ich wäre für den Einsatz von Bodentruppen. Das Problem ist meiner Meinung nicht den IS zu besiegen den mit Bodentruppen wäre das nicht schwer.[/quote]

Ja, das führt dann genauso easy zu Erfolg wie in Irak und Afghanistan.[/quote][/quote]


Da hat die Politik versagt und nicht das Militär.
So gerne ihr es auch sehen wollt es ist nicht die Schuld der USA, die lokalen Regierungen dort sind unfähig.

Wenn es um die Vernichtung des IS geht sind Bodentruppen das beste was man machen kann, allerdings sage ich ja das wir dazu erst einen Plan brauchen wie es danach weitergeht.
Die jetzige Strategie kann nur im Irak funktionieren den in Syrien fehlen die Verbündeten
MAKE POLITIK-FORUM.EU GREAT AGAIN
Benutzeravatar
Watchful_Eye
Moderator
Beiträge: 2803
Registriert: Sa 7. Jun 2008, 11:13
Benutzertitel: Free Jazz & Black Metal
Kontaktdaten:

Re: Deutsche bzw Nato-Bodentruppen ggn IS eine sinnvolle Opt

Beitragvon Watchful_Eye » Mo 16. Nov 2015, 22:01

Sehe es genau so wie NMA.

Wir sind NATO-Partner Frankreichs und die Anschläge wurden deshalb in Frankreich ausgeübt, um das Volk einzuschüchtern. Wenn wir es nicht bei Worten belassen, sondern wirklich zeigen wollen, dass wir hinter Frankreich stehen uns nicht einschüchtern lassen, sollten wir hier eingreifen.

Der IS versteht sich selbst, wie er sagt, als eigener Staat und auch leider eine damit vergleichbare militärische Macht. Hunderttausende Menschen hätten ohne ihre Angriffe nicht fliehen müssen, und jetzt wollen sie sogar noch in Europa Krieg führen. Ich sehe nicht, warum wir uns an dieser Stelle nicht zur Wehr setzen sollten.

Assad wäre definitiv die bessere Option, wenn auch natürlich nicht optimal. Aber man muss mal realistisch bleiben.

Mir geht es hier auch um die Symbolwirkung. Luftschläge wären auch schon etwas wert, aber man sollte zumindestens nicht untätig bleiben.
"In a world where I feel so small, I can't stop thinking big." (Rush - Caravan)

Mod im Feedback- und Asienforum.
Benutzeravatar
nichtkorrekt
Beiträge: 6485
Registriert: So 19. Aug 2012, 11:10
Wohnort: Neufünfland

Re: Deutsche bzw Nato-Bodentruppen ggn IS eine sinnvolle Opt

Beitragvon nichtkorrekt » Mo 16. Nov 2015, 22:02

Da hat die Politik versagt und nicht das Militär.
So gerne ihr es auch sehen wollt es ist nicht die Schuld der USA, die lokalen Regierungen dort sind unfähig.

Wenn es um die Vernichtung des IS geht sind Bodentruppen das beste was man machen kann, allerdings sage ich ja das wir dazu erst einen Plan brauchen wie es danach weitergeht.
Die jetzige Strategie kann nur im Irak funktionieren den in Syrien fehlen die Verbündeten



Das Problem ist m.E. die vorherrschende Kultur in diesen Ländern, ob die sich nun Taliban, IS oder Hamas nennen, das ist alles das gleiche. Du kannst diese Länder nicht zivilisieren, allenfalls mit brutaler Gewalt, aber da kann man die Leute den Konflikt auch selbst ausfechten lassen.

Bei näherer Betrachtung ist der Vorschlag des neuen polnischen Außeministers garnicht mal so dumm:

http://www.zeit.de/politik/ausland/2015 ... uer-syrien

Es müsse verhindert werden, "dass wir unsere Soldaten in den Kampf nach Syrien schicken, während Hunderttausende Syrer Unter den Linden ihren Kaffee trinken", sagte Waszczykowski mit Blick auf Berlins zentrale Prachtstraße. "Zehntausende junge Männer steigen aus ihren Schlauchbooten mit einem iPad in der Hand aus. Anstatt nach Trinken und Essen zu fragen, erkundigen sie sich danach, wo sie ihre Handys aufladen können."
Zuletzt geändert von nichtkorrekt am Mo 16. Nov 2015, 22:09, insgesamt 3-mal geändert.
Benutzeravatar
UncleSams_Berater
Beiträge: 2018
Registriert: Mi 17. Jul 2013, 23:56
Benutzertitel: Freedom
Wohnort: Frankfurt am Main
Kontaktdaten:

Re: Deutsche bzw Nato-Bodentruppen ggn IS eine sinnvolle Opt

Beitragvon UncleSams_Berater » Mo 16. Nov 2015, 22:13

nichtkorrekt » Mo 16. Nov 2015, 22:02 hat geschrieben:
Das Problem ist m.E. die vorherrschende Kultur in diesen Ländern, ob die sich nun Taliban, IS oder Hamas nennen, das ist alles das gleiche. Du kannst diese Länder nicht zivilisieren, allenfalls mit brutaler Gewalt, aber da kann man die Leute den Konflikt auch selbst ausfechten lassen.


Trotzdem muss dieses Kalifat dass dem Westen mit Vernichtung und Terroranschlägen droht zerstört werden. Wir können denen kein Gebiet überlassen in dem sie einen Staat aufbauen. Solange die da sind wird das einige Muslime hier dazu bringen sich zu radikalisieren und ihre Propaganda wird weiterlaufen.

Außerdem ist es nicht so wie du es beschreibst, da leben nicht nur Sunniten die damit zufrieden sind und die wir dann in Ruhe lassen können.
Da werden Jesiden als Sklaven gehalten und auch Christen bedroht.
Und wir haben Verbündete wie die Kurden da die unsere Hilfe brauchen. Der IS ist eine Bedrohung für die Freie Welt
MAKE POLITIK-FORUM.EU GREAT AGAIN
Benutzeravatar
Quatschki
Beiträge: 8187
Registriert: Mi 4. Jun 2008, 08:14
Wohnort: rechtselbisch

Re: Deutsche bzw Nato-Bodentruppen ggn IS eine sinnvolle Opt

Beitragvon Quatschki » Mo 16. Nov 2015, 22:16

nichtkorrekt » 16. Nov 2015, 23:02 hat geschrieben:
Das Problem ist m.E. die vorherrschende Kultur in diesen Ländern, ob die sich nun Taliban, IS oder Hamas nennen, das ist alles das gleiche. Du kannst diese Länder nicht zivilisieren, allenfalls mit brutaler Gewalt, aber da kann man die Leute den Konflikt auch selbst ausfechten lassen.

Bei näherer Betrachtung ist der Vorschlag des neuen polnischen Außeministers garnicht mal so dumm:

http://www.zeit.de/politik/ausland/2015 ... uer-syrien


Das stimmt natürlich.
Wären diese Kerle aus Stalingrad getürmt, statt aus Homs oder Aleppo, hätte sie der NKWD schon am Ufer der Wolga aussortiert und entweder sofort im Bewährungsbataillion zurück in den Kampf geschickt oder gleich an die Wand gestellt. Nur deshalb können deren Enkel und Urenkel heutzutage den "Tag des Vaterlandsverteidigers" feiern. Von nichts kommt nichts.
Aber ich fürchte, dass der Kampfwert einer solchen aus Flüchtlingen rekrutierten "Fremdenlegion" gegen Null geht.
Zuletzt geändert von Quatschki am Mo 16. Nov 2015, 22:19, insgesamt 1-mal geändert.
Benutzeravatar
UncleSams_Berater
Beiträge: 2018
Registriert: Mi 17. Jul 2013, 23:56
Benutzertitel: Freedom
Wohnort: Frankfurt am Main
Kontaktdaten:

Re: Deutsche bzw Nato-Bodentruppen ggn IS eine sinnvolle Opt

Beitragvon UncleSams_Berater » Mo 16. Nov 2015, 22:19

nichtkorrekt » Mo 16. Nov 2015, 22:02 hat geschrieben:
Das Problem ist m.E. die vorherrschende Kultur in diesen Ländern, ob die sich nun Taliban, IS oder Hamas nennen, das ist alles das gleiche. Du kannst diese Länder nicht zivilisieren, allenfalls mit brutaler Gewalt, aber da kann man die Leute den Konflikt auch selbst ausfechten lassen.

Bei näherer Betrachtung ist der Vorschlag des neuen polnischen Außeministers garnicht mal so dumm:

http://www.zeit.de/politik/ausland/2015 ... uer-syrien



Ich wäre auch dafür dass diese Syrer kämpfen statt westliche Soldaten. Aber will man die mit Gewalt zurück schicken? Für wen sollen die kämpfen? Für Assad? Die meisten von denen fliehen vor Assad.
Und die brauchen auch Waffen und eine militärische Ausbildung. Wer soll das alles machen?

Der IS muss jetzt besiegt werden und da können wir nicht viel Zeit verschwenden
MAKE POLITIK-FORUM.EU GREAT AGAIN
Benutzeravatar
Adam Smith
Beiträge: 24791
Registriert: Mi 18. Jan 2012, 21:57

Re: Deutsche bzw Nato-Bodentruppen ggn IS eine sinnvolle Opt

Beitragvon Adam Smith » Mo 16. Nov 2015, 22:20

nichtkorrekt » Mo 16. Nov 2015, 22:02 hat geschrieben:
Das Problem ist m.E. die vorherrschende Kultur in diesen Ländern, ob die sich nun Taliban, IS oder Hamas nennen, das ist alles das gleiche. Du kannst diese Länder nicht zivilisieren, allenfalls mit brutaler Gewalt, aber da kann man die Leute den Konflikt auch selbst ausfechten lassen.

Bei näherer Betrachtung ist der Vorschlag des neuen polnischen Außeministers garnicht mal so dumm:

http://www.zeit.de/politik/ausland/2015 ... uer-syrien


Die Polen können ja die syrischen Flüchtlinge in den Krieg schicken, die in Polen leben. Wie viele sind das eigentlich? Und sind die nicht vor dem Krieg geflohen?
Benutzeravatar
Platon
Beiträge: 15111
Registriert: Sa 31. Mai 2008, 18:27
Benutzertitel: hält sich im Hintergrund

Re: Deutsche bzw Nato-Bodentruppen ggn IS eine sinnvolle Opt

Beitragvon Platon » Mo 16. Nov 2015, 22:21

Solange man keinen echten Plan hat, welche alternative politische Ordnung zum IS eigentlich in dessen Gebieten etabliert werden soll, erübrigt sich das Thema eigentlich. Weil das Gebiet mit Bodentruppen zu besetzen und praktisch als Kolonialmacht zu regieren ist schlichtweg zu teuer. Am Ende will einfach niemand dafür sterben, die sunnitischen Gebieten zu beherrschen. Die Kurden wären bescheuert, die Amerikaner werden nicht ein weiteres Mal so verrückt sein, die schiitischen Milizen würden einfach alle umbringen, was auf Dauer auch keine Lösung ist, die irakische Armee hat ja bereits 2014 unter Beweis gestellt, dass sie es nicht wollen, als sie anstatt zu kämpfen vor dem IS geflohen sind.

Eine Alternative Ordnung kann eigentlich nur von den sunnitischen Stämmen ausgehen, die weiß der IS aber an sich zu binden und die wurden bereits vor den Kopf gestoßen. Denen wird man dazu einiges versprechen müssen, sich nicht wieder dem IS oder einer ähnlichen Gruppe anzuschließen, wenn er einmal besiegt ist.

Die einzige Lösung die ich sehe, bzw. wie ich mir eine alternative politische Ordnung zum IS vorstellen, ist im Irak eine stark föderalistische neue Ordnung einzuführen, welche den Irak de facto in drei Teile teilt, dann geheim mit den sunnitischen Stämmen zu verhandeln die neue föderalistische Ordnung zu akzeptieren und zu klären wie der sunnitische Teilstaat organisiert ist, dann den IS mit ausländischen Truppen und Stammesmilizen wegpusten und dann eine politische Ordnung einzuführen die de facto eine Art Islamischer Staat light ist, also Sunnitische Dominanz, eine eigene sunnitisch-konservative Rechtsordnung, die sunnitischen Stämme als soziales Rückrad, eigene politische Institutionen wie eine Shura oder ein Parlament, Ministerien usw. usf. Dann wird der IS durch eine ausländische Koalition unter Ausschluss von Ländern wie dem Iran ausgeschaltet und die neue politische Ordnung eingeführt. So eine Art pro-amerikanischer IS, praktisch ein "zweites Saudi Arabien".

Bleibt halt noch die Frage wie man den IS in Syrien besiegt, weil man müsste den IS auch in Syrien besiegen um zu verhindern, dass er sich nicht wieder von Syrien in den Irak ausdehnt und die dortige neue Ordnung zu untergraben. Nur kann man dort aus offensichtlichen Gründen nicht so ohne Weiteres westliche Bodentruppen einsetzen, der IS muss also erst in Syrien von den Kurden, sunnitischen Rebellen und letztlich auch Assad besiegt werden, dann kann man im Irak zuschlagen bzw. beides läuft paralell.


An diesen Überlegungen erkennt man, dass es nicht so einfach ist den IS einfach mit Bodentruppen zu besiegen, weil man erst einmal eine alternative politische Ordnung braucht um nicht wieder einen extrem kostenintensiven Bürgerkrieg führen zu müssen, den man gar nicht gewinnen kann, und ein Einsatz westlicher Bodentruppen in Syrien, würde auch nicht so ohne Weiteres gehen. In jedem Fall nicht ohne das man auch dieses Land teilt und Assad rehabilitiert-
Benutzeravatar
Quatschki
Beiträge: 8187
Registriert: Mi 4. Jun 2008, 08:14
Wohnort: rechtselbisch

Re: Deutsche bzw Nato-Bodentruppen ggn IS eine sinnvolle Opt

Beitragvon Quatschki » Mo 16. Nov 2015, 22:24

UncleSams_Berater » 16. Nov 2015, 23:19 hat geschrieben:Die meisten von denen fliehen vor Assad.

Diese Woche nicht. Diese Woche gilt: "Die sind alle vor dem IS geflohen"
Das mit dem "Die sind alle vor Assads Fassbomben geflohen" wird immer nur gesagt, wenn man Putin für seine Unterstützung Assads kritisieren will.
Aber das ändert sich von Woche zu Woche...
Je nachdem, was das aktuelle Bulletin des Wahrheitsministeriums verkündet...
Zuletzt geändert von Quatschki am Mo 16. Nov 2015, 22:27, insgesamt 2-mal geändert.
Benutzeravatar
Platon
Beiträge: 15111
Registriert: Sa 31. Mai 2008, 18:27
Benutzertitel: hält sich im Hintergrund

Re: Deutsche bzw Nato-Bodentruppen ggn IS eine sinnvolle Opt

Beitragvon Platon » Mo 16. Nov 2015, 22:26

Watchful_Eye » Mo 16. Nov 2015, 23:01 hat geschrieben:[...]Assad wäre definitiv die bessere Option, wenn auch natürlich nicht optimal. Aber man muss mal realistisch bleiben.[...]

Jetzt mal für diesen theoretischen Fall, dass man den IS besiegt und Assad dessen Gebiete übernimmt: Auch Assad würde die Gebiete des IS nicht halten können, insbesondere solange er den Bürgerkrieg gegen die anderen Rebellen führt. Assad ist daher auch keine Alternative zum IS, er ist viel zu schwach bzw. hat keinerlei Legitimation in den Gebieten um die es geht. Er hat sich aus den entsprechenden Gebieten bereits vor Jahren zurückgezogen, weil sie für ihn nicht wichtig sind und seine Leute dort nur umgebracht würden.
Benutzeravatar
UncleSams_Berater
Beiträge: 2018
Registriert: Mi 17. Jul 2013, 23:56
Benutzertitel: Freedom
Wohnort: Frankfurt am Main
Kontaktdaten:

Re: Deutsche bzw Nato-Bodentruppen ggn IS eine sinnvolle Opt

Beitragvon UncleSams_Berater » Mo 16. Nov 2015, 22:27

Quatschki » Mo 16. Nov 2015, 22:24 hat geschrieben:Diese Woche nicht. Diese Woche gilt: "Die sind alle vor dem IS geflohen"
Das mit dem "Die sind alle vor Assads Fassbomben geflohen" wird immer nur gesagt, wenn man Putin für seine Unterstützung Assads kritisieren will.
Aber das ändert sich von Woche zu Woche...


Kann sein, mir ist es auch egal.
Aber dieser Plan wird nie funktionieren, diese Syrer werden nicht zurück gehen. Es war schon ein Fehler soviele hier rein zu lassen.
Man muss den IS mit realistischen Pläne besiegen und nicht mit Wunschträumen
MAKE POLITIK-FORUM.EU GREAT AGAIN
Benutzeravatar
Platon
Beiträge: 15111
Registriert: Sa 31. Mai 2008, 18:27
Benutzertitel: hält sich im Hintergrund

Re: Deutsche bzw Nato-Bodentruppen ggn IS eine sinnvolle Opt

Beitragvon Platon » Mo 16. Nov 2015, 22:29

NMA » Mo 16. Nov 2015, 22:50 hat geschrieben:Ich glaube vor allem, dass man aus pragmatischen Gründen das Ziel des Sturzes von Assad überdenken sollte. Nicht weil er noch irgendeine moralische Legitimation hat, sondern weil man da jetzt irgendwie Stabilität braucht, um den IS nicht weiter mit Chaos zu füttern. Klingt übel, aber solange da keine einheitliche Macht entgegenhält kommt man auch nicht weiter bzw. schafft keine Schwächung. Außerdem hinterließe man nur ein desaströses Machtvakuum, in welchen sich wieder neue Orkheere zusammenscharen.

Die USA verfolgen seit 2013 de facto diese Strategie. Damals haben sie anstatt Assad wegen seines Chemie-Angriffs gegen Rebellen nahe Damaskus zu bombardieren, lieber ein Abkommen mit ihm geschlossen, nach dem er seine Chemiewaffen zerstören möge. Seitdem ist klar, dass die USA de facto keinen Sturz von Assad wollen.
Benutzeravatar
King Kong 2006
Beiträge: 4793
Registriert: Di 3. Jun 2008, 10:41
Benutzertitel: Kongenial

Re: Deutsche bzw Nato-Bodentruppen ggn IS eine sinnvolle Opt

Beitragvon King Kong 2006 » Mo 16. Nov 2015, 22:45

Das wird wohl nicht funktionieren. Aus vielen Gründen.
Wenn man zuviel weiß, wird es immer schwieriger, einfache Entscheidungen zu treffen.
Wissen stellt eine Barriere dar, die einen daran hindert, etwas in Erfahrung zu bringen.
- Frank Herbert, Die Kinder des Wüstenplaneten
Benutzeravatar
H2O
Moderator
Beiträge: 20046
Registriert: So 13. Sep 2015, 12:49

Re: Deutsche bzw Nato-Bodentruppen ggn IS eine sinnvolle Opt

Beitragvon H2O » Mo 16. Nov 2015, 23:12

frems » 2015-11-16, 22:37 hat geschrieben:Obama hat "boots on the ground" bisher abgelehnt. Die Erfahrungen aus Afghanistan und dem Irak hätten gezeigt, daß dies keine nachhaltigen Lösungen sind und ggf. für mehr Zulauf für den Feind sorgen. Trotzdem scheint der bisherige Weg -- gemäßigte Rebellen und Kurden mit Rüstung und Luftschlägen zu unterstützen -- nicht vielversprechend und dürfte durch die russischen Angriffe auf die Opposition noch unwahrscheinlicher zum Erfolg führen.

Sind westliche Bodentruppen aus Eurer Sicht eine sinnvolle, kontraproduktive oder gar einzig erfolgsversprechende Lösung, um die Region zu befrieden? Oder sollte man ganz andere Wege einschlagen und z.B. sein Verhältnis zu Regionalmächten überdenken?


http://www.tagesspiegel.de/politik/syri ... 96312.html


http://www.tagesspiegel.de/politik/syri ... 91994.html


Nur draufschlagen, das kann doch keinen Frieden
schaffen!

Diese Sache muß man vermutlich vom denk-
baren Endzustand her überlegen, weil "erkämpfte
Zwischenlösungen" gleich den Keim neuer
Konflikte enthalten. Die gegebene Lage vor Ort
ist völlig verfahren!

Ohne den Weltsicherheitsrat (WSR) kann dort gar
nichts begonnen werden. Das hat die fran-
zösische Regierung erkannt. Im WSR muß über-
legt werden, wie der Endzustand der Region
aussehen soll.

Regionen mit vor allem entwaffneten Religionsgruppen
und Clans, mit einer gemeinsamen Polizei und Armee,
die zunächst von Schutzmächten ausgerüstet und
ausgebildet werden müssen.

Ein föderales und laizistisches System, in dem
Religionsfreiheit herrscht, in dem Platz für
Christen, Maroniten, Drusen, Kurden, Jesiden,
Sunniten und Schiiten ist, mit einer strengen Proporz-
regelung in Verwaltung, Polizei, Armee und Regierung.
Mit einer solchen Regelung hatte der Libanon viele
Jahre gut leben können. Vielleicht auch anwendbar
auf Irak und Syrien.

Libanon, Syrien und Irak muß als gemeinsames
Konfliktgebiet verstanden werden, das vernünftiger
gegliedert werden muß als nach dem Untergang
des Osmanischen Reichs.

Die Entwaffnung der Kampfparteien muß von Truppen
der USA, der EU (NATO), Rußlands, der Türkei und Irans
zügig erzwungen werden. Der IS und andere militante
Gruppen von Islamisten müssen vor ein Gericht
zur Bestrafung von Kriegsverbrechen gestellt werden.

Dieser gefährlichste Akt kann aber nur Erfolg versprechen,
wenn über den her zu stellenden Endzustand Einigkeit
im WSR erzielt wurde!
Benutzeravatar
Billabong
Beiträge: 715
Registriert: Do 2. Apr 2015, 20:44

Re: Deutsche bzw Nato-Bodentruppen ggn IS eine sinnvolle Opt

Beitragvon Billabong » Di 17. Nov 2015, 00:09

Der Einsatz von Bodentruppen würde wieder zu einem Guerillakrieg führen. Und den kann man nicht gewinnen.

Zurück zu „36. Arabische Welt“

Wer ist online?

Mitglieder in diesem Forum: 0 Mitglieder und 3 Gäste