IS: kreuzritter oder inquisition?

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Nomen Nescio
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IS: kreuzritter oder inquisition?

Beitragvon Nomen Nescio » Mo 16. Nov 2015, 16:30

kann man IS vergleichen mit dem handeln der kreuzritter? oder sogar mit torquemadas inquisition?
objektiv gesehen gilt m.e. für alle drei, daß sie religiöse texte selektiv und dazu noch falsch interpretieren.
das schlimme ist, daß mit religionsfanatiker nicht zu diskutieren fällt.

die frage der problemlösung sollte darum anderswo gesucht werden. ja, ich weiß, es gibt viel ursachen. daran wurde aber kaum was geändert. noch immer werden leute mit einem ausländischen bzw nicht europäisch klingenden namen diskriminiert wenn es arbeitsplätze zu vergeben gibt.
ich würde dann auch mutlos werden. dann braucht es nicht viel anstoß um sich die glaube zuzuwenden, denn die ist jedenfalls nicht diskriminierend. und etwas das man teilt mit schicksalsgenossen.
sowieso wird vergessen, daß in vielen ländern christen gelten als ausbeuter und habsüchtige, arrogante unterdrücker.

aber sowieso muß unterscheidet werden zwischen heutige flüchtlinge und leute die vllt sogar 2. generation sind. die flüchtlinge die jetzt kommen sind keine »«gastarbeiter«, sondern meist FLÜCHTLINGE.
menschen die jetzt rufen »grenze zu« sind nur auf billigen gewinn aus. »aussperren« als devise ist billige propaganda, die sich nicht realisieren läßt. dennoch: die getane botschaft bleibt hängen, denn »der sagte es mal !!«.
wie irreal es ist, zeigt schon kurz nachdenken: sie kommen per auto, müssen wir jetzt das autofahren verbieten?; sie kommen per zug, soll das bahnfahren nicht mehr startfinden?; sie kommen per fuß, müssen wir jetzt den gebrauch von schuhen und pantoffeln untersagen?


ich weiß keine lösung. eines aber weiß ich mit bestimmtheit. so lange nichts getan wird ans problem der flüchtlinge im mitten-osten (aber auch in afrika), werden wir ab und an mit gewalt der extremen rechnen müssen.
oder kann einer eine bessere analyse geben?
Zuletzt geändert von Marmelada am Di 17. Nov 2015, 10:18, insgesamt 1-mal geändert.
Grund: Überschrift ergänzt
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Re: kreuzritter oder inquisition

Beitragvon Pit Potter » Mo 16. Nov 2015, 16:36

Nomen Nescio » Mo 16. Nov 2015, 16:30 hat geschrieben:kann man IS vergleichen mit dem handeln der kreuzritter? oder sogar mit torquemadas inquisition?
objektiv gesehen gilt m.e. für alle drei, daß sie religiöse texte selektiv und dazu noch falsch interpretieren.
das schlimme ist, daß mit religionsfanatiker nicht zu diskutieren fällt.

die frage der problemlösung sollte darum anderswo gesucht werden. ja, ich weiß, es gibt viel ursachen. daran wurde aber kaum was geändert. noch immer werden leute mit einem ausländischen bzw nicht europäisch klingenden namen diskriminiert wenn es arbeitsplätze zu vergeben gibt.
ich würde dann auch mutlos werden. dann braucht es nicht viel anstoß um sich die glaube zuzuwenden, denn die ist jedenfalls nicht diskriminierend. und etwas das man teilt mit schicksalsgenossen.
sowieso wird vergessen, daß in vielen ländern christen gelten als ausbeuter und habsüchtige, arrogante unterdrücker.

aber sowieso muß unterscheidet werden zwischen heutige flüchtlinge und leute die vllt sogar 2. generation sind. die flüchtlinge die jetzt kommen sind keine »«gastarbeiter«, sondern meist FLÜCHTLINGE.
menschen die jetzt rufen »grenze zu« sind nur auf billigen gewinn aus. »aussperren« als devise ist billige propaganda, die sich nicht realisieren läßt. dennoch: die getane botschaft bleibt hängen, denn »der sagte es mal !!«.
wie irreal es ist, zeigt schon kurz nachdenken: sie kommen per auto, müssen wir jetzt das autofahren verbieten?; sie kommen per zug, soll das bahnfahren nicht mehr startfinden?; sie kommen per fuß, müssen wir jetzt den gebrauch von schuhen und pantoffeln untersagen?


ich weiß keine lösung. eines aber weiß ich mit bestimmtheit. so lange nichts getan wird ans problem der flüchtlinge im mitten-osten (aber auch in afrika), werden wir ab und an mit gewalt der extremen rechnen müssen.
oder kann einer eine bessere analyse geben?



Die Kreuzritter sind eher eine Reaktion auf Vereine wie den IS..die haben sich die Suppe schön selbst eingebrockt - und angefangen hat alles an der Straße von Gibraltar.
Zuletzt geändert von Pit Potter am Mo 16. Nov 2015, 16:37, insgesamt 1-mal geändert.
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Re: kreuzritter oder inquisition

Beitragvon Letzter-Mohikaner » Mo 16. Nov 2015, 16:42

Pit Potter » Mo 16. Nov 2015, 17:36 hat geschrieben:

Die Kreuzritter sind eher eine Reaktion auf Vereine wie den IS..die haben sich die Suppe schön selbst eingebrockt - und angefangen hat alles an der Straße von Gibraltar.


Eigentlich schon früher, als sie die vorher christlichen Provinzen Ostroms eroberten, Nordafrika. Und dann haben sie den Krieg nach Europa gebracht. Die Europäer damals haben sie jedoch entschlossen zurückgeworfen.
"Je stärker wir sind, desto unwahrscheinlicher ist der Krieg." Otto von Bismarck

"Wer kämpft, kann verlieren. Wer nicht kämpft, hat schon verloren. " Bertolt Brecht
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Re: kreuzritter oder inquisition

Beitragvon Nomen Nescio » Mo 16. Nov 2015, 17:07

ha, die kreuzritter werden sofort angegriffen. DAS war legitim, auch wenn sie sich bestimmt nicht ritterlich benahmen. wie aber steht es mit der inquisition?
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Re: kreuzritter oder inquisition

Beitragvon Pit Potter » Mo 16. Nov 2015, 17:09

Nomen Nescio » Mo 16. Nov 2015, 17:07 hat geschrieben:ha, die kreuzritter werden sofort angegriffen. DAS war legitim, auch wenn sie sich bestimmt nicht ritterlich benahmen. wie aber steht es mit der inquisition?


Die Inquisition beschäftigt sich nach meiner Information mit Glaubensfragen - viele verbinden die Inquisition mit dem Hexenwahn..jedoch waren die Gründe für solche Exzesse politischer Natur und nicht unbedingt von Rom forciert.

War aber auch eine scheiß Zeit :(

Tomás de Torquemada sagt mir spontan jetzt nichts..
Zuletzt geändert von Pit Potter am Mo 16. Nov 2015, 17:12, insgesamt 1-mal geändert.
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Re: kreuzritter oder inquisition

Beitragvon Nomen Nescio » Mo 16. Nov 2015, 17:23

Pit Potter » Mo 16. Nov 2015, 17:09 hat geschrieben:Die Inquisition beschäftigt sich nach meiner Information mit Glaubensfragen - viele verbinden die Inquisition mit dem Hexenwahn..jedoch waren die Gründe für solche Exzesse politischer Natur und nicht unbedingt von Rom forciert.

War aber auch eine scheiß Zeit :(

Tomás de Torquemada sagt mir spontan jetzt nichts..

die inquisition war durch rom mindestens gestützt und toleriert. ich müßte es nachsuchen, aber denke, daß rom auch der gründer war. das war damals bei den katharen der fall, denn das waren ja »ketzer«.

torquemada ist hws der schlimmste aller führer der inquisition gewesen.


PS: lese mal hier über den papst und die inquisition !!
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Re: kreuzritter oder inquisition

Beitragvon PF-Veteran » Mo 16. Nov 2015, 18:19

Nomen Nescio » Mo 16. Nov 2015, 17:07 hat geschrieben:ha, die kreuzritter werden sofort angegriffen. DAS war legitim, auch wenn sie sich bestimmt nicht ritterlich benahmen. wie aber steht es mit der inquisition?


Die Inquisition war besser als ihr Ruf.
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Re: kreuzritter oder inquisition

Beitragvon Nomen Nescio » Mo 16. Nov 2015, 20:07

PF-Veteran » Mo 16. Nov 2015, 18:19 hat geschrieben:Die Inquisition war besser als ihr Ruf.

findest du?? wenn menschen wegen ihrer glaube verbrannt werden, kann ich das doch schwer besser nennen als wenn sie z.b. durchs rad hingerichtet werden. oder die garotte bekommen.
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Re: kreuzritter oder inquisition

Beitragvon King Kong 2006 » Mo 16. Nov 2015, 22:41

Die Kreuzritter waren nicht unerheblich sozusagen der Überschuß an kräftigen jungen Männern und Adeligen, die nicht mehr genügend Lehnsgüter oder einen vollen Magen im z.T. sprichwörtlich verpesteten Europa zu erwarten hatten. So, wie es umgekehrt heute über die "gutaussehnden muslimischen jungen Männer" (Philologenverein aus Sachsen-Anhalt) gesagt wird.

"Die Kreuzritter" (es gab ja viele Orden und auch Kreuzfahrer, die nicht in diesen organisiert waren) wurden durch Landerwerb und Ruhmerlangung angezogen. Nicht, daß es auch "Fromme" gegeben hätte. Es ging um Kohle. So ist es auch heute bei dem IS. Mag sein, daß viele psychisch labile und Mißverstandene auch ihr Seelenheil in dieser gelebten Form des Islams suchen, aber ist es nicht so, daß der IS mittlerweil Machtstrukturen hat, die von Menschen besetzt sind, die damit ganz gut leben? Sozusagen eine Firma, bei denen die Nutznießer ein Interesse haben, daß das so weiterläuft. Selbst dem Bodenvolk verspricht es einen Gewinn, wenn es auch erstmal nur Zugriff auf Frauen als Beutegut ist.

Die Kreuzritter bzw. die Tempelritter waren am Ende das, was es versprochen hatte, ein florierendes Unternehmen, daß sie und die seinen selbstversorgte. So gut, daß der frz. König das abschöpfte am Freitag den 13.

Ja, man kann sie vergleichen. Beide Gewinnorientiert. Im Deckmäntelchen der guten Absicht und dem Ausnutzen der Enttäuschten.

Als Inquisitoren kann man den IS durchaus auch vergleichen. Sie läutern durch das Feuer all die verlorenen Schafe, sei es andere Muslime oder die ganz und gar abgekommenen Ungläubigen. Jedenfalls meinen sie das.
Wenn man zuviel weiß, wird es immer schwieriger, einfache Entscheidungen zu treffen.
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Re: kreuzritter oder inquisition

Beitragvon Marmelada » Di 17. Nov 2015, 08:15

Spam entfernt. Zickt euch per PN oder in der Weinstube an.
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harry52
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Re: kreuzritter oder inquisition

Beitragvon harry52 » Di 17. Nov 2015, 09:16

King Kong 2006 » Mo 16. Nov 2015, 22:41 hat geschrieben:Die Kreuzritter waren nicht unerheblich sozusagen der Überschuß an kräftigen jungen Männern und Adeligen, die nicht mehr genügend Lehnsgüter oder einen vollen Magen im z.T. sprichwörtlich verpesteten Europa zu erwarten hatten. So, wie es umgekehrt heute über die "gutaussehnden muslimischen jungen Männer" (Philologenverein aus Sachsen-Anhalt) gesagt wird.

Super Beitrag!

Nur ein kleiner Fehler hat sich eingeschlichen, der deine Grundaussage aber noch besser stützt, wenn man ihn korrigiert.

Der erste Kreuzzug startete 1095, aber die große Pest kam erst 1347 nach Europa, aber genau das stützt deine These. Nach der Pest war nämlich erstmal wieder viel Platz. Viele Bauernhöfe und Geschäfte waren besitzerlos und die jungen Männer (und Frauen) hatten nach der Pest gar keinen Grund in der Ferne Land zu erobern. Die Kreuzzüge waren vorher.

Vor der Pest sah es anders aus. Da gab es tatsächlich die vielen jungen Männer ohne wirtschaftliche Perspektive und genau das ist das Problem im Nahen Osten und auch beispielsweise in Syrien, genauso wie in den Vorstädten von Paris. Ich zitiere Wikipedia:

"Zwischen den 1960er- und 1980er-Jahren hatte Syrien eine der höchsten Bevölkerungswachstumsraten .... Der Höhepunkt war in den 1970er-Jahren mit einer durchschnittlichen Geburtenrate von 7,6 Kindern pro Frau erreicht.[7] In Kombination mit einer im gleichen Zeitraum kontinuierlich sinkenden Sterberate[8] führte das zu einem Bevölkerungszuwachs von 4,5 auf 13,8 Millionen Menschen zwischen 1960 und 1994.[9] ... 2010 lebten etwa 22,5 Millionen Menschen in Syrien.[10]"

In wenigen Jahrzehnten hat sich die Bevölkerung vervierfacht! Und ganz ähnlich sieht es in allen diesen Staaten des arab. Frühling, des Terrors und des Bürgerkriegs aus. Auch übrigens im Gaza Streifen. der ist mit 1,8 millionen Einwohner mittlerweile völlig unfähig, sich selber zu versorgen und extrem überbevölkert. Das ist das Problem und nur Gleichberechtigung der Frau und Industrie ... also westliche werte und Wirtschaft würde die Geburtenraten senken..
Zuletzt geändert von harry52 am Di 17. Nov 2015, 09:19, insgesamt 2-mal geändert.
"Gut gemeint" ist nicht das Gleiche wie "gut gemacht".
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King Kong 2006
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Re: kreuzritter oder inquisition

Beitragvon King Kong 2006 » Di 17. Nov 2015, 16:50

harry52 » Di 17. Nov 2015, 10:16 hat geschrieben:Super Beitrag!

Nur ein kleiner Fehler hat sich eingeschlichen, der deine Grundaussage aber noch besser stützt, wenn man ihn korrigiert.

Der erste Kreuzzug startete 1095, aber die große Pest kam erst 1347 nach Europa, aber genau das stützt deine These. Nach der Pest war nämlich erstmal wieder viel Platz. Viele Bauernhöfe und Geschäfte waren besitzerlos und die jungen Männer (und Frauen) hatten nach der Pest gar keinen Grund in der Ferne Land zu erobern. Die Kreuzzüge waren vorher.

Vor der Pest sah es anders aus. Da gab es tatsächlich die vielen jungen Männer ohne wirtschaftliche Perspektive und genau das ist das Problem im Nahen Osten und auch beispielsweise in Syrien, genauso wie in den Vorstädten von Paris. Ich zitiere Wikipedia:

"Zwischen den 1960er- und 1980er-Jahren hatte Syrien eine der höchsten Bevölkerungswachstumsraten .... Der Höhepunkt war in den 1970er-Jahren mit einer durchschnittlichen Geburtenrate von 7,6 Kindern pro Frau erreicht.[7] In Kombination mit einer im gleichen Zeitraum kontinuierlich sinkenden Sterberate[8] führte das zu einem Bevölkerungszuwachs von 4,5 auf 13,8 Millionen Menschen zwischen 1960 und 1994.[9] ... 2010 lebten etwa 22,5 Millionen Menschen in Syrien.[10]"

In wenigen Jahrzehnten hat sich die Bevölkerung vervierfacht! Und ganz ähnlich sieht es in allen diesen Staaten des arab. Frühling, des Terrors und des Bürgerkriegs aus. Auch übrigens im Gaza Streifen. der ist mit 1,8 millionen Einwohner mittlerweile völlig unfähig, sich selber zu versorgen und extrem überbevölkert. Das ist das Problem und nur Gleichberechtigung der Frau und Industrie ... also westliche werte und Wirtschaft würde die Geburtenraten senken..


Da magst du recht haben. Mir ging es eben primär um eine Darstellung gewisser Umstände.

Die Kreuzzüge seitens des „christlichen Abendlandes“ waren strategisch, religiös und wirtschaftlich motivierte Kriege[1]


Hinter religöser Verbrämung, die dem einen "gerechten" Anstrich geben und viele Menschen in die Netze locken soll, standen meist recht weltlich profane Interessen. Auch alte Rechnungen, wie z.B. gegen Byzanz.

Die Kreuzzüge wurden nach kurzer Zeit auch zur Verwirklichung rein weltlicher Machtinteressen instrumentalisiert, insbesondere solcher, die gegen das Byzantinische Reich gerichtet waren. Schon bald wurde der Begriff Kreuzzug nicht nur auf Kriege gegen Muslime, sondern auch gegen von der römischen Kirche zu „Ketzern“ deklarierte Menschen (siehe Albigenser) ausgeweitet. Dieser Umstand gab dem Papsttum eine starke politische und militärische Waffe in die Hand.


Oft lagen die Interessen der kriegführenden Parteien und die der kämpfenden Truppen weit auseinander. Die beiderseitigen Machthaber verfolgten unter anderem machtpolitische Interessen. Die Kreuzfahrer selbst glaubten zumeist an einen ehrenvollen, ja heiligen Kampf für Kirche und Gott.

https://de.wikipedia.org/wiki/Kreuzzug


Der Kalif des IS, al-Baghdadi hat sicher auch nicht wie die Päpste im Mittelalter einen schweren inneren Kampf mit sich gerungen und anhand einer theologischen Auseinandersetzung - leider - zur Waffe greifen müssen. Er ist machtbesessen und verfolgt profane Gründe. Er sagte nicht, daß man für ihn sterben soll damit er sich selbst verwirklichen kann, sondern, weil es Allah eben so gefällt. Ähnlich wie bei den Kreuzzügen oder kolonial-imperialistischen Interessen werden diese im heiligen Gewand erhöht und gerechtfertigt. Das führt eher dazu für sich und für die Interessenten eine heilige und somit gerechte Legitimation zu erhalten. Es gibt natürlich sicher viele bei der IS die daran glauben, was sie da tun. Die fängt man eben damit auch ein.
Wenn man zuviel weiß, wird es immer schwieriger, einfache Entscheidungen zu treffen.
Wissen stellt eine Barriere dar, die einen daran hindert, etwas in Erfahrung zu bringen.
- Frank Herbert, Die Kinder des Wüstenplaneten
Dr.Fehlurteil

Re: IS: kreuzritter oder inquisition?

Beitragvon Dr.Fehlurteil » Di 17. Nov 2015, 18:06

Nomen Nescio » Mo 16. Nov 2015, 16:30 hat geschrieben:kann man IS vergleichen mit dem handeln der kreuzritter? oder sogar mit torquemadas inquisition?
objektiv gesehen gilt m.e. für alle drei, daß sie religiöse texte selektiv und dazu noch falsch interpretieren.
das schlimme ist, daß mit religionsfanatiker nicht zu diskutieren fällt.

die frage der problemlösung sollte darum anderswo gesucht werden. ja, ich weiß, es gibt viel ursachen. daran wurde aber kaum was geändert. noch immer werden leute mit einem ausländischen bzw nicht europäisch klingenden namen diskriminiert wenn es arbeitsplätze zu vergeben gibt.
ich würde dann auch mutlos werden. dann braucht es nicht viel anstoß um sich die glaube zuzuwenden, denn die ist jedenfalls nicht diskriminierend. und etwas das man teilt mit schicksalsgenossen.
sowieso wird vergessen, daß in vielen ländern christen gelten als ausbeuter und habsüchtige, arrogante unterdrücker.

aber sowieso muß unterscheidet werden zwischen heutige flüchtlinge und leute die vllt sogar 2. generation sind. die flüchtlinge die jetzt kommen sind keine »«gastarbeiter«, sondern meist FLÜCHTLINGE.
menschen die jetzt rufen »grenze zu« sind nur auf billigen gewinn aus. »aussperren« als devise ist billige propaganda, die sich nicht realisieren läßt. dennoch: die getane botschaft bleibt hängen, denn »der sagte es mal !!«.
wie irreal es ist, zeigt schon kurz nachdenken: sie kommen per auto, müssen wir jetzt das autofahren verbieten?; sie kommen per zug, soll das bahnfahren nicht mehr startfinden?; sie kommen per fuß, müssen wir jetzt den gebrauch von schuhen und pantoffeln untersagen?


ich weiß keine lösung. eines aber weiß ich mit bestimmtheit. so lange nichts getan wird ans problem der flüchtlinge im mitten-osten (aber auch in afrika), werden wir ab und an mit gewalt der extremen rechnen müssen.
oder kann einer eine bessere analyse geben?


Hallo.
Ich denke schon, das ein Vergleich mit den Kreuzrittern einen Vergleich stand hält.
Ich kenne eine Lösung.
Leider ist sie nicht praktisch umzusetzen.
Niemand stellt z.B. die Frage, warum gerade islamisch geprägte Staaten in Gewalt versinken.
Die Menschen die flüchten, kommen aus korrupten, religiös extremistisch geprägten Staaten, die durch unterschiedliche Clans geführt werden , die nur an Machtstrukturen interessiert sind.
Der weltweite Islam ist leider noch nicht soweit, Frieden, Toleranz und Demokratie zu leben.
Der Hinweis , das nur ein gewisser Teil dieser Religion , aggressiv ihren Glauben lebt, ist falsch.
Richtig definiert, ist jede Religion ein hoch gewaltbereites Gewaltpotential.
In den USA gibt es christlich geprägte Bundesstaaten, die die Lehre der Evolution in den Schulen verbieten.
Selbst der Buddhismus verlässt den Pfad der Lehre Buddhas.
In Myanmar werden Christen verfolgt ,geschlagen und getötet.
Christen jagen Muslime, Muslime jagen Christen , Buddhisten jagen Christen, Christen jagen Buddhisten.
Deutschland kann die Welt nicht retten.
Selbst die Welt kann die Welt nicht retten.
Der religiöse Extremismus ist im Vormarsch.
Global so brutal, das wir mit dem religiösen Extremismus leben müssen.
Was kann Deutschland tun ?
Erstmal den Status des Bananenstaates aufgeben.
Warum beobachtet der Bundesverfassungschutz Hassprediger und gewaltbereite Extremisten nur ?
Und damit meine ich linke, rechte und religiöse Extremisten.
Nicht beobachten, sondern verhaften.
Die konsequente Entfernung aller bekannten Extremisten aus unserer Gesellschaft.
Deutsche Extremisten inhaftieren, deutschen Extremisten mit Migrationshintergrund die Staatsbürgerschaft aberkennen und ausweisen.
Nicht Deutsche Extremisten ausweisen.
Unsere Politiker leiden unter massiven Aktionismus und Realitätsfremdheit.
Wenn in Dortmund 2000 Menschen ehrenamtlich für Flüchtlinge arbeiten ist das gut.
In Dortmund leben aber ca. 575000 Menschen.
Das sind ca. 1,15 %.
Wie kann man aus diesen Zahlen eine " Willkommenskultur " ableiten ?
Kann man auf jede Revierstadt projekzieren.
Es ist natürlich im Verhalten jedes Menschens, Angst vor Fremden zu haben.
Das befiehlt uns unser Instinkt, unser Lebenserhaltungstrieb.
Polen, Slovakei, Ungarn..ect.
Lieber Herr Gabriel. Lebt in diesen Ländern auch nur Pack ?
Sie beschimpften Deutsche, die Angst vor Überfremdung haben, als " Pack ".
In diesen Ländern lebt nach ihrer Definition nur Pack.
Auf die Frage " IS: Kreuzritter oder inquisition?, gibt es nur eine Antwort.
Das ist " Pack ".
Kleine Anektote am Rand:
Meine lieben Schwiegereltern haben mir Weihnachten vor 4 Jahren eine Lederjacke ( ca. 350 Euro ) geschenkt. Habe ich nie getragen. Meine Frau riet mir zum Roten Kreuz zu gehen. Bin aber direkt zu unserem Flüchtlingsheim gelatscht. Habe einem Typen mit T-Shirt meine Jacke geschenkt und im 10 Euro gegeben.
Hat sich richtig lieb bedankt.
Habe Ihm gesagt, das es ein absolutes Privileg ist, in Deutschland zu sein.
Und das er das nie vergessen soll.
Weis bis heute nicht, ob er mich verstanden hat.
Quasi egal.
Gruß Ich
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Re: IS: kreuzritter oder inquisition?

Beitragvon Nomen Nescio » Di 17. Nov 2015, 18:13

Dr.Fehlurteil » Di 17. Nov 2015, 18:06 hat geschrieben:Auf die Frage " IS: Kreuzritter oder inquisition?, gibt es nur eine Antwort.
Das ist " Pack ".

aus heutiger sicht (sowas ist immer ziemlich leicht) hast du vollkommen recht.
nathan über mich: »er ist der unlinkste Nicht-Rechte den ich je kennengelernt habe. Ein Phänomen!«
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Re: IS: kreuzritter oder inquisition?

Beitragvon Adam Smith » Di 17. Nov 2015, 18:21

Dr.Fehlurteil » Di 17. Nov 2015, 18:06 hat geschrieben:Wenn in Dortmund 2000 Menschen ehrenamtlich für Flüchtlinge arbeiten ist das gut.
In Dortmund leben aber ca. 575000 Menschen.
Das sind ca. 1,15 %.
Wie kann man aus diesen Zahlen eine " Willkommenskultur " ableiten ?


Und jetzt fehlen noch die Angaben zur Anzahl der Flüchtlinge in Dortmund und schon kann man sich zu dem Thema mal Gedanken machen.
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Re: IS: kreuzritter oder inquisition?

Beitragvon Platon » Di 17. Nov 2015, 18:43

Also in der islamischen Geschichte ist es doch häufiger mal vorgekommen, dass heterodoxe religiöse Gruppen vor allem durch Bündnisse mit Stämmen Territorien erobert und Herrschaften errichtet haben. Dabei spielten gerne auch apokalyptische Tendenzen eine Rolle, wie man sie beim IS ja auch hat.

Vor allem die schiitischen Reichsbildungen (Fatimiden, Qarmaten, Safawiden) lassen sich da anführen oder auch die Almohaden etc. oder wenn Sufi-Orden irgendwo das Kommando übernommen haben, wie die Sanussiya in Libyen. Man kann denke ich den IS auch als moderne Variante einer solchen religiösen Reichsgründung verstehen.
Dr.Fehlurteil

Re: IS: kreuzritter oder inquisition?

Beitragvon Dr.Fehlurteil » Mi 18. Nov 2015, 16:59

Adam Smith » Di 17. Nov 2015, 18:21 hat geschrieben:
Und jetzt fehlen noch die Angaben zur Anzahl der Flüchtlinge in Dortmund und schon kann man sich zu dem Thema mal Gedanken machen.


Nein. Sie fehlen natürlich nicht. Du kennst sie nur nicht.
2014 hat Dortmund 68000 Flüchtlinge aufgenommen. 2015 haben die Zahlen dramatisch zugenommen.
Jeder 5.Klässler könnte jetzt mit Hilfe des Dreisatzes ausrechnen, wie ausgeprägt unsere Willkommenskultur ist.
Eine Willkommenskultur existiert praktisch in Deutschland nicht.
Sie ist staatlich, medial verordnet.
Und das funktioniert leider nicht.
Wir haben eine zunehmende Radikalisierung auf dem rechten Flügel.
Wir verzeichnen eine Zunahme linker Extremisten.
Was glaubt Ihr, wer der IS ist.
Es sind Syrer,Irakis, Afghanen, Pakistanis..ect.
Diese instabilen, stark religiös, extremistisch struktrurierten Staaten , kennen keine Demokratie.
Wollen diese auch nicht.
Und Deutschland nimmt jetzt Flüchtlinge aus diesen Staaten auf.
Jetzt vollzieht sich ein wunderbarer Wandel.
Menschen,aus totalitären Staaten, religiös orientiert, in denen sich Clans untereinander bekämpfen, werden hier zu Demokraten.
Natürlich ist es falsch, jeden Flüchtling unter Generalverdacht zu stellen.
Deutschland muß Menschen helfen, die Hilfe brauchen.
Aber Deutschland importiert damit auch religiösen Terror.
Wenn nur 1 % offen für die Lehren des IS ist, hätten wir zukünftig ca. 10000 gewaltbereite Extremisten in unserem Land.
Bei 0,1 % wären es nur 1000.
Ein beruhigendes Gefühl.
Ein anderer Aspekt.
In sozialen Netzwerken existiert mittlerweile unter jungen Muslimen eine Verschwörungstheorie.
Es wird diskutiert, das Frankreich die Pariser Anschläge selbst inszeniert hat, um einen Grund zu definieren um Syrien zu bombadieren.
Deutsche Muslime konsumieren häufig den TV Sender Al Jazeera Arabic.
Dieser Sender hat keine Probleme damit, die Opfer eines westlichen Bombenangriffs zu zeigen.
Kinder ohne Köpfe, zerschmettert oder ohne Hände oder Beine.
Und jetzt, nach Korea, Vietnam, Afghanistan ,Irak sind wir wieder der Meinung, wir könnten Idealismus mit Waffen bekämpfen.
Jeder Bombenangriff in Syrien wird noch mehr IS Kämpfer hervor bringen.
Der IS hat in der arabisch,muslimisch geprägten Welt genug Unterstützung,um sich gegebenen Falls in andere Staaten zurück ziehen zu können.Genau wie die Taliban.
Die ziehen sich zurück ( Pakistan ) und greifen wieder an,wenn der Westen abzieht.
Ein doofes, brutales Spiel, in dem Europa , Russland und auch die USA, immer wieder die Deppen sein werden.
Aber wir sind halt Deppen.
Und mit Deppen kann man gut spielen.
Und das ist das eigentliche Programm des IS.
Aber wir schaffen das. :D
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King Kong 2006
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Re: IS: kreuzritter oder inquisition?

Beitragvon King Kong 2006 » Mi 18. Nov 2015, 19:02

Gibt es eine innerislamische Debatte über eine Eingruppierung von "Extremisten", konkret Anhänger des IS?

Innerislamische Schuldsuche

Terroristen als Nachfahren der radikalen "Khawarej"

Wien – König Abdullah II. von Jordanien verwendet in seinem im STANDARD publizierten Gastkommentar für die Terroristen des "Islamischen Staates" (IS) das arabische Wort "Khawarej": die, wie er schreibt, "Gesetzlosen des Islam, die nichts als Hass und Angst verbreiten". Er verweist mit diesem Begriff auf eine innermuslimische Debatte über die Natur der jihadistischen Extremisten, die diese in ihrer Tradition außerhalb des Islam ansiedelt. Sie waren die ersten Radikalen. Das Narrativ scheint sich in der islamischen Welt durchzusetzen, dass die heutigen Terroristen ihre Erben sind. Damit sollen natürlich auch der Mainstream-Islam und die sunnitisch-salafistische Tradition entlastet werden.

http://derstandard.at/2000025906663/Inn ... chuldsuche


Zumindest spricht der jordanische König davon. Mehr ist mir zu dem Thema auch nicht bekannt.
Wenn man zuviel weiß, wird es immer schwieriger, einfache Entscheidungen zu treffen.
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- Frank Herbert, Die Kinder des Wüstenplaneten
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Re: IS: kreuzritter oder inquisition?

Beitragvon Nomen Nescio » Mi 18. Nov 2015, 23:37

Platon » Di 17. Nov 2015, 18:43 hat geschrieben:Also in der islamischen Geschichte ist es doch häufiger mal vorgekommen, dass heterodoxe religiöse Gruppen vor allem durch Bündnisse mit Stämmen Territorien erobert und Herrschaften errichtet haben. Dabei spielten gerne auch apokalyptische Tendenzen eine Rolle, wie man sie beim IS ja auch hat.

Vor allem die schiitischen Reichsbildungen (Fatimiden, Qarmaten, Safawiden) lassen sich da anführen oder auch die Almohaden etc. oder wenn Sufi-Orden irgendwo das Kommando übernommen haben, wie die Sanussiya in Libyen. Man kann denke ich den IS auch als moderne Variante einer solchen religiösen Reichsgründung verstehen.

vergiß auch nicht die assasinen. von ihnen kommt das französische wort »assasin« her. nomen est omen. :rolleyes:
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Re: IS: kreuzritter oder inquisition?

Beitragvon Platon » Mi 18. Nov 2015, 23:44

Nomen Nescio » Do 19. Nov 2015, 00:37 hat geschrieben:vergiß auch nicht die assasinen. von ihnen kommt das französische wort »assasin« her. nomen est omen. :rolleyes:

Da die Herrschaft dieser Gruppe in erster Linie auf ihre Burgen und deren Umgebung beschränkt blieb und sie nie ein echtes Reich gegründet und große Territorien und Städte beherrscht haben, passen sie nicht wirklich in die genannte Reihe. Die Assassinen waren zumeist eine kleine Sekte die mit der großen Masse um sie herum gar nicht so viel zu tun hatten.

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