Iran verbietet Import aller Konsumgüter aus den USA

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palulu
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Iran verbietet Import aller Konsumgüter aus den USA

Beitragvon palulu » Sa 7. Nov 2015, 22:47

http://www.tasnimnews.com/en/news/2015/ ... f-us-goods

Was an der Tatsache nichts ändert, dass über Dubai und die Türkei diese Waren dennoch ins Land gelangen. Was will der Iran uns damit wohl sagen? "Ich baue meine Bombe, ob ihr es wollt oder nicht", vielleicht?

Beten und hoffen wir, dass letztere Vermutung zutreffend ist.
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Tom Bombadil
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Re: Iran verbietet Import aller Konsumgüter aus den USA

Beitragvon Tom Bombadil » Sa 7. Nov 2015, 22:52

Der Vollhonk im Weißen Haus ist es doch selber Schuld. Wie kann man sich mit diesen Hardcore-USA-Hassern auf einen Deal einlassen? Es war von vorneherein klar, dass sie den naiven Obama verarschen würden und für mich ist es auch sonnenklar, dass sie Kernwaffen bauen wollen, völlig egal, ob es ein Abkommen gibt oder nicht.
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nichtkorrekt
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Re: Iran verbietet Import aller Konsumgüter aus den USA

Beitragvon nichtkorrekt » Sa 7. Nov 2015, 22:56

palulu » Sa 7. Nov 2015, 22:47 hat geschrieben:http://www.tasnimnews.com/en/news/2015/11/05/908317/iran-officially-bans-import-of-us-goods

Was an der Tatsache nichts ändert, dass über Dubai und die Türkei diese Waren dennoch ins Land gelangen. Was will der Iran uns damit wohl sagen? "Ich baue meine Bombe, ob ihr es wollt oder nicht", vielleicht?

Beten und hoffen wir, dass letztere Vermutung zutreffend ist.


Wieso freut es dich als Türke wenn die Perser die Bombe haben? Seit wann sind Türken und Perser Freunde? Ich hab nichts gegen die Perser, vielleicht bomben sie ja die Salafisten weg.
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Platon
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Re: Iran verbietet Import aller Konsumgüter aus den USA

Beitragvon Platon » Sa 7. Nov 2015, 23:07

Es hat seit dem Abkommen eine ordentliche Welle an Anti-Amerikanischen Maßnahmen von Seiten der Konservativen gegeben. Khamenei hat das ordentlich angeheizt durch seine ständigen Warnungen vor US-Einfluss, nach dem Motto: Jetzt erst recht! Was quasi der Freifahrtschein war. Deren ganzer Unmut bzw. das schlechte Gewissen, dass man sich überhaupt darauf eingelassen hat, mit den USA ein Abkommen zu schließen, kommt da zum Vorschein. Diese Leute sind seit Jahrzehnten, viele ihr ganzes Leben, daran gewöhnt die USA als Todfeind und Ursache allen Bösen zu sehen, es ist klar, dass für sie jede Art von sichtbar größerer Präsenz der USA - sei sie kulturell, ökonomisch, politisch oder sonst etwas - der Alptraum schlechthin ist. Sie sind es gewohnt die Islamische Republik als Projekt zu sehen, dessen Kernanliegen es u.A. ist jede Form britischen und amerikanischen Einfluss aus dem Iran heraus zu halten. Und es ist ja eine klare Ansage von Khamenei und den Konservativen immer gewesen, dass das auch so bleibt, auch wenn man mit den USA aus pragmatischen Gründen ein Abkommen geschlossen hat. Diese Leute haben jetzt aber natürlich Angst, dass man mit diesem Abkommen nun schwach geworden und dem großen Satan sozusagen das Fenster geöffnet hat, nachdem man ihm vorher, in der Geiselnahme in der US-Botschaft in Teheran, die Tür vor der Nase zugeknallt hatte.

Der Film der da abläuft ist die Gefahr einer extremen Verwestlichung der Gesellschaft und der iranischen Kultur, die die indigene islamische Kultur verdrängen würde. Im Endeffekt genau das gleiche, wenn man hierzulande vor einer Islamisierung warnt. Als Folge dieser Überfremdung wird dann aber auch politische Gefügigkeit und ein Verlust Nationaler Ünabhängigkeit gesehen. Darum gibt es in diesem Denken eine enge Verbindung zwischen kultureller Überfremdung und den politischen Beziehungen zu den USA. Nun gibt es aber im Iran seit jeher eine stark "westlich-orientierte" Schicht und wenn man die dann amerikanische Produkte konsumieren sieht, dann sieht man das als Gefahr der eigenen kulturellen Identität. Im Kontext des Abkommens mit den USA wird das Ganze dann jetzt offenbar zu einer Hysterie, deren Folgen dann grotesk sind. Der türkische KFC wird noch am ersten Öffnungstag wieder geschlossen, obwohl es eigentlich eine Genehmigung gab und jetzt der totale Einfuhrbann US-amerikanischer Produkte. ^^

Es hat sich im Endeffekt überhaupt nichts geändert, nur dass diejenigen die vorher auf Anweisung des Revolutionsführers nur mit Mühe still gehalten haben, werden nun vom Revolutionsführer wieder von der Leine gelassen.

Ich denke es geht auch darum, dass man verhindern will, dass ihre politischen Gegner, d.h. Reformer und nicht allzu Konservative von dem Abkommen profitieren. Weil es stehen ja bald Wahlen zu allen möglichen Gremien an und wer dort antreten und gewählt wird, wird die Machtverhältnisse bei der Wahl des nächsten Revolutionsführers bestimmen, weil es gut möglich ist, dass Khamenei in den nächsten 5-10 Jahren den Löffel abgibt. Den Projekten der Moderatoren soll so ein Dämpfer verpasst werden, bzw. eine klare Warnung an ihre Adresse jetzt ja nicht übermütig zu werden. Auch ist es ja die Privatwirtschaft die vom Handel mit dem Westen am meisten profitiert, die nun wieder Konkurrenzfähig sind auf dem iranischen Markt, während vorher die Sanktionen für die Revolutionsgarden vorher quasi wie Schutzzölle gewirkt haben. Und die Privatwirtschaft unterstützt die Regierung Rohani und seine politischen Verbündeten, das hat also alles auch eine politisch-ökonomischen Hintergrund, d.h. der Kampf um Macht und Einfluss innerhalb des Irans und man versucht sich gegenseitig irgendwie reinzugrätschen. Es ist dann die Aufgabe des Revolutionsführers, dafür zu sorgen, dass das nicht eskaliert und in einen halben Bürgerkrieg mündet und das politische System polarisiert und destabilisiert.

Am Ende wird sich nicht viel ändern. Die Islamische Republik wird sich an das Abkommen halten, weil es davon massiv profitiert und der Revolutionsführer hat es ja abgesegnet, ebenso wie das Parlament, die Regierung sowieso. Sie wird aber weiterhin anti-amerikanisch sein und es wird hin und wieder zu Zwischenfällen kommen, durch irgendwelche Leute die überall Spione der israelisch-amerikanischen Weltverschwörung sehen. Wie vorher ja auch. Möglicherweise wird es auch so sein, dass man amerikanische Firmen größtenteils aus dem Land heraus halten kann, möglicherweise wird sich aber auch da der Pragmatismus am Ende durchsetzen. Andere Länder und ihre Geschäfte und z.B. kulturellen Beziehungen werden denke ich dadurch nicht beeinflusst sein, solange es nicht übertrieben wird und man z.B. anfängt amerikanische Geschäftsleute zu entführen, umzubringen oder mal wieder eine Botschaft zu stürmen. Das würde wohl selbst die potenziellen Besucher und Investoren, die sich auf die Islamische Republik einzulassen bereit sind, doch abschrecken.

http://www.nytimes.com/2015/11/06/opini ... inion&_r=1
http://www.nytimes.com/2015/11/04/world ... -deal.html
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Re: Iran verbietet Import aller Konsumgüter aus den USA

Beitragvon King Kong 2006 » Sa 7. Nov 2015, 23:44

Zum Thema American Way of Life, siehe hier:

viewtopic.php?f=6&t=57829#p3318603

Zum Thema iranische Atombombe, wenn sie nicht in den letzten Jahrzehnten gebaut wurde, dann bauen sie noch heute...

Man sollte sich an den Gedanken gewöhnen, daß dieses Thema in der bisherigen Form erledigt ist. Sie sind in Nordkorea gelagert. Oder im Iran. Oder gar nicht da. Und waren es auch nie. Wer im öffentlichen Raum weiß das schon.

Dieses Thema ist insofern nur relevant, als das es instrumentalisiert werden konnte den Iran wirtschaftlich einzudämmen. Containment. Das war der maßgebliche Grund. Da das containment aufgehoben wurde, ist diese Frage, wo die iranischen Nuklearwaffen gelagert werden, oder ob sie in 1 oder 10 oder 1000 Jahren gebaut werden nicht mehr besonders relevant. Sanktionen (wegen der iranischen Bombe) sind bzw. werden wohl aufgehoben. Thema Bombe in vorliegenden Form akzeptiert oder nicht mehr in dieser Form wichtig.
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Re: Iran verbietet Import aller Konsumgüter aus den USA

Beitragvon King Kong 2006 » So 8. Nov 2015, 09:45

Tom Bombadil » Sa 7. Nov 2015, 23:52 hat geschrieben:Der Vollhonk im Weißen Haus ist es doch selber Schuld. Wie kann man sich mit diesen Hardcore-USA-Hassern auf einen Deal einlassen? Es war von vorneherein klar, dass sie den naiven Obama verarschen würden und für mich ist es auch sonnenklar, dass sie Kernwaffen bauen wollen, völlig egal, ob es ein Abkommen gibt oder nicht.


Ich glaube nicht, daß Obama und seine Fachabteilungen "naiv" sind. Das glaube ich ganz und gar nicht.

Wir müssen feststellen, daß Obama in Sachen Iran weitaus effizienter gearbeitet hat, als Bush. Baradai stellte fest, daß während der Bush-Präsidentschaft der Iran sein Atomprogramm substantiell ausgebaut hat. Wie nie zuvor. Weder unter Clinton, noch Bush senior. Bush hat es nicht nur nicht aufgehalten, er hat es sogar beschleunigt. "Schuld" daran war u.a. seine bellizistische und "zero-enrichment" Haltung gegenüber Iran.

Obama, der mehr Befehle zum Töten durch Drohnen erteilt hat als Bush, schaffte es die US-Interessen durch intelligenteren wirtschaftlichen Krieg (Sanktionen) gegenüber dem Iran zu vertreten.

Unter Bush wuchs das iranische Anreicherungsprogramm bis zur Bombenfähigkeit, ohne vertragliche gesicherte Begrenzung am Horizont, unter Obama wird es beschränkt, kontrolliert und teilweise sogar zurückgefahren und neu konfiguriert. Wer ist naiver und effizienter? Am Ende geht es doch um das Ziel.

Man sollte Obama nicht unterschätzen. Zudem hat er keine Wahl. Es war folgerichtig was er tat. Das war das beste, was Obama rausholen konnte. Mehr war nicht drin. Schon gar nicht, in der Situation, die er von Bush übernehmen mußte. Bush hat die Karten in der Region durch seine Interventionen neu gemischt. In der Region und somit gegenüber dem Iran und somit auch gegenüber dem iranischen Atomprogramm.

Bush's Iran Plan Is Worse Than Obama's
http://www.bloombergview.com/articles/2 ... an-obama-s


How Bush/Cheney’s War Plans delayed an Iran Deal for a Decade
http://www.juancole.com/2015/09/bushche ... ecade.html
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Re: Iran verbietet Import aller Konsumgüter aus den USA

Beitragvon Tom Bombadil » So 8. Nov 2015, 09:52

Ok, ich kann verstehen, dass du Bush nicht magst und Obama toll findest, weil der die Interessen des Westens schlecht vertritt. Dass Bushs Außenpolitik, gerade im Nahen Osten auch und insbesondere durch den Irakkrieg völlig katastrophal war, ist unbestritten, aber Obama spielt mit dem nuklearen Feuer und ich hoffe inständig, dass wir nicht erleben müssen, dass in Tel Aviv eine Kernwaffe hochgeht.
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Re: Iran verbietet Import aller Konsumgüter aus den USA

Beitragvon King Kong 2006 » So 8. Nov 2015, 10:21

Tom Bombadil » So 8. Nov 2015, 10:52 hat geschrieben:Ok, ich kann verstehen, dass du Bush nicht magst und Obama toll findest, weil der die Interessen des Westens schlecht vertritt. Dass Bushs Außenpolitik, gerade im Nahen Osten auch und insbesondere durch den Irakkrieg völlig katastrophal war, ist unbestritten, aber Obama spielt mit dem nuklearen Feuer und ich hoffe inständig, dass wir nicht erleben müssen, dass in Tel Aviv eine Kernwaffe hochgeht.


Worum geht es?

Ob Obama toller ist als Bush?

Obama ist "ein Killer", wie alle anderen Präsidenten, unterschreibt und befiehlt Tötungen und keinesfalls naiv. Jeder US-Präsident hat geschworen die Interessen der (Supermacht) USA zu schützen und zu vertreten. Das kann man toll finden oder nicht, gerade wenn es auf Kosten anderer geht. Übrigens nicht nur der Staaten in Nahost. Darum geht es aber nicht. Du meinst, er wäre naiv. In dem Kontext , daß der Iran nur eines vor hat, einen Atomkrieg (-> Atomschlag auf Tel Aviv...).

Fakt ist, daß Obama es geschafft hat das iranische Atomprogramm auszubremsen. Und Bush es beschleunigt hat. Was ist daran naiv? Das ist effizienter und das beste, was Obama noch rausholen konnte. In diesen jetzigen Umständen. Was soll denn daran naiv sein? Was hätte denn besser laufen sollen? Kannst du das erläutern? Woran machst du deine Haltung fest?
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Re: Iran verbietet Import aller Konsumgüter aus den USA

Beitragvon Tom Bombadil » So 8. Nov 2015, 10:40

King Kong 2006 » So 8. Nov 2015, 10:21 hat geschrieben:Fakt ist, daß Obama es geschafft hat das iranische Atomprogramm auszubremsen.

Ob das tatsächlich Fakt ist, das bleibt abzuwarten. Worum es mir geht? Um Stabilität. Und Obama gefährdet mit dem Atomdeal die sowieso fragile Stabilität im Nahen und Mittleren Osten. Das wird zur Aufrüstung bei den Feinden des Irans führen, evtl. wird diese Aufrüstung auch nuklear sein. Und nein, auch wenn Saudi-Arabien ein Verbündeter ist, möchte ich trotzdem keine Kernwaffen in deren Händen sehen. Aber wie will man es ihnen dann noch verweigern? Und mit jeder weiteren Nation, die über Kernwaffen verfügt, steigt auch die Gefahr, dass diese Waffen eingesetzt werden. Obama hätte eine rote Linie ziehen müssen und diese mit all seiner Macht durchsetzen müssen. Anstelle dessen macht er einen Deal, wo sich der Iran selber kontrollieren darf. Sorry, das ist naiv und lächerlich.
Zuletzt geändert von Tom Bombadil am So 8. Nov 2015, 10:40, insgesamt 1-mal geändert.
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Re: Iran verbietet Import aller Konsumgüter aus den USA

Beitragvon King Kong 2006 » So 8. Nov 2015, 12:12

Tom Bombadil » So 8. Nov 2015, 11:40 hat geschrieben:Ob das tatsächlich Fakt ist, das bleibt abzuwarten. Worum es mir geht? Um Stabilität. Und Obama gefährdet mit dem Atomdeal die sowieso fragile Stabilität im Nahen und Mittleren Osten. Das wird zur Aufrüstung bei den Feinden des Irans führen, evtl. wird diese Aufrüstung auch nuklear sein. Und nein, auch wenn Saudi-Arabien ein Verbündeter ist, möchte ich trotzdem keine Kernwaffen in deren Händen sehen. Aber wie will man es ihnen dann noch verweigern? Und mit jeder weiteren Nation, die über Kernwaffen verfügt, steigt auch die Gefahr, dass diese Waffen eingesetzt werden. Obama hätte eine rote Linie ziehen müssen und diese mit all seiner Macht durchsetzen müssen. Anstelle dessen macht er einen Deal, wo sich der Iran selber kontrollieren darf. Sorry, das ist naiv und lächerlich.


Der Iran hat sein Atomprogramm. So oder so. Das kann man wildwuchern lassen, wie im Kontext der Bush-Administration + Kriege drumherum, was alles noch instabiler gemacht hat, wie der Abbruch der Kooperation mit dem Iran in der Region, hin zur direkten Konfrontation, oder man kann was anderes versuchen.

Wir können hier in einem Forum abstrakt und theoretisch diskutieren. "Wir wollen Stabilität". Ja, damit ist es nicht getan. Da mußt du auch etwas tun. Die Realität geht draussen weiter, egal was für Slogans man griffig formuliert.

Saudi-Arabien ist in enger Kooperation mit der Atommacht Pakistan. Nicht seit gestern. Atomwaffenfähige Raketen demonstrierten sie bereits bei Paraden. Glaubst du das gefällt dem Iran? Der nicht einmal ein Atomwaffenprogramm hat? Es passiert trotzdem. Egal ob es ihm gefällt.

Obama hat das beste daraus gemacht. Sonst heißt es wildwuchern und unkontrolliert. Du hast keinen Vorschlag gemacht, wie man es besser machen könnte. Es gibt auch keinen. Er hat das Maximale herausgeholt. Das was die Hardliner in den USA da zu kritisieren haben ist innenpolitisch. Zudem haben sie es noch schlechter gemacht. Sie hatten ihre Chance.

Der Iran ist das einzige große Land in der Region, daß weder Kernwaffen noch eine nukleare Teilhabe daran hat. Die anderen haben sie. Israel, Saudi-Arabien, Pakistan, Türkei, Russland, Indien und die Kernwaffen auf US-Schiffen dort. Es ist lächerlich auf den Iran zu zeigen. Es ist eh egal. Der Drops ist gelutscht.

Mach bitte einen Vorschlag, was Washington besser hätte tun sollen? Abzüglich der Taktik die Bush absolvierte. Die war eine Katastrophe. Ich will es dir sagen, wenn du keine "Atombomben" im Iran haben willst, dann mußt du das Land besetzen. So, wie im Irak 2003. Nichts anderes geht. Auf diese bescheuerte Idee ist nicht mal Bush gekommen.
Zuletzt geändert von King Kong 2006 am So 8. Nov 2015, 12:13, insgesamt 1-mal geändert.
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Re: Iran verbietet Import aller Konsumgüter aus den USA

Beitragvon Tom Bombadil » So 8. Nov 2015, 12:43

Zuallererst mal kam es zum Abbruch der Kooperation nicht durch Bush, sondern der fand 1979 statt.

Der Iran hat kein Kernwaffenprogramm? Da lachen ja die Hühner, das wurde bis zuletzt auch von Nordkorea behauptet. Und am Ende bestätigst du das ja indirekt selber.

Du behauptest, Obama hätte das Beste daraus gemacht. Das bestreite ich, den Iran sich selber kontrollieren zu lassen ist NICHTS daraus gemacht.

Meine Vorschläge würden hier auch nicht auf fruchtbaren Boden fallen, dazu bin ich viel zu sehr Hardliner. Der bin ich aber nicht unbegründet oder weil ich andere Staaten oder Völker "hassen" würde, sondern weil ich weiß, was Appeasementpolitik anrichtet, siehe Hitler. Und auch Hitler hat zuerst nur ein Buch geschrieben über das, was er alles tun wird, wenn er an der Macht ist. Das hat man lange auch als Größenwahn abgetan. Ähnliches Gezeter ist auch regelmäßig aus Teheran zu vernehmen. Legst du deine Hand dafür ins Feuer, dass nicht doch irgendwann mal eine iranische Kernwaffe irgendwo in Israel hochgeht? Ich würde das nicht tun.

Der Iran hat den Atomwaffensperrvertrag unterzeichnet und der muss durchgesetzt werden. Ich weiß nicht, ob man das Land dafür hätte besetzen müssen, Nuklearanlagen kann man auch anders außer Kraft setzen, Stuxnet war eigentlich ein guter Anfang Obamas. Und man kann auch nicht alles unterirdisch bauen, die Infrastruktur drumherum bleibt trotzdem verwundbar.
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Re: Iran verbietet Import aller Konsumgüter aus den USA

Beitragvon King Kong 2006 » So 8. Nov 2015, 14:55

Tom Bombadil » So 8. Nov 2015, 13:43 hat geschrieben:Zuallererst mal kam es zum Abbruch der Kooperation nicht durch Bush, sondern der fand 1979 statt.

Der Iran hat kein Kernwaffenprogramm? Da lachen ja die Hühner, das wurde bis zuletzt auch von Nordkorea behauptet. Und am Ende bestätigst du das ja indirekt selber.


Wenn der Iran ein Kernwaffenprogramm hat, dann gehe ich von der richtigen Annahme aus, daß die USA und "der Westen" dies als Vorraussetzung für die Aufhebung der Sanktionen ansieht? Oder was haben die da ausgeheckt? Die Sanktionen sollen/werden doch aufgehoben? Trotz Kernwaffenprogramm?

Meine Vorschläge würden hier auch nicht auf fruchtbaren Boden fallen, dazu bin ich viel zu sehr Hardliner. Der bin ich aber nicht unbegründet oder weil ich andere Staaten oder Völker "hassen" würde, sondern weil ich weiß, was Appeasementpolitik anrichtet, siehe Hitler. Und auch Hitler hat zuerst nur ein Buch geschrieben über das, was er alles tun wird, wenn er an der Macht ist. Das hat man lange auch als Größenwahn abgetan. Ähnliches Gezeter ist auch regelmäßig aus Teheran zu vernehmen. Legst du deine Hand dafür ins Feuer, dass nicht doch irgendwann mal eine iranische Kernwaffe irgendwo in Israel hochgeht? Ich würde das nicht tun.


Das ist nicht der springende Punkt.

Der Iran hat eine Industrie, hat Technologie. Innerhalb dessen eine Atomindustrie und Nukleartechnologie. Mit dieser Vorraussetzung muß gearbeitet werden. Im Gegensatz zu Bush konnte Obama eine Beschränkung (z.B. bei der Urananreicherung) und eine Modifikation (z.B. der Reaktor IR-40 bei Arak) durchsetzen. Dazu war Bush nicht in der Lage, im Gegenteil. Somit ist Obama effizienter aus Sicht des Westens bzw. der USA. Mehr kann er nicht. Dem Iran Technologie zu verbieten und dies durchzusetzen bedarf es einem Einmarsch. Geschweige denn völlig neuen internationalen Vertragswerken, die ein Verbot Irans für Technologie hergeben. Am besten unter dem Motto "Kolonialismus". Das ist Sittenwidrig. Bestenfalls. Das ist illusorisch. Der Iran besitzt weiterhin Technologie und wird diese erweitern. Davon war und ist auszugehen. Damit muß man arbeiten. Und soweit es geht aus der jeweiligen Sicht des Protagonisten dies beeinflussen. Nicht mit unerreichbaren Slogans. Du darfst nicht theoretisch ein unerreichbares Ziel formulieren und dann den ausführenden Organen vorwerfen sie hätten weder Mut, Willen oder Fähigkeit, wenn dieses unerreichbare Ziel nicht erreicht wird. Du mußt damit arbeiten, was ist. Und da hat Obama mehr erreicht, als es Bush möglich war.

Du behauptest, Obama hätte das Beste daraus gemacht. Das bestreite ich, den Iran sich selber kontrollieren zu lassen ist NICHTS daraus gemacht.

Der Iran hat den Atomwaffensperrvertrag unterzeichnet und der muss durchgesetzt werden. Ich weiß nicht, ob man das Land dafür hätte besetzen müssen, Nuklearanlagen kann man auch anders außer Kraft setzen, Stuxnet war eigentlich ein guter Anfang Obamas. Und man kann auch nicht alles unterirdisch bauen, die Infrastruktur drumherum bleibt trotzdem verwundbar


Zunächst einmal ist die Frage der von dir angesprochenen "Selbstkontrolle" nur im Falle der Militäranlage von Parchin. Parchin ist ein Puzzel, das ist nicht das iranische Atomprogramm. Das ist ein Bruchteil. Das gilt nicht für das iranische Atomprogramm. Parchin ist absoluter Hochsicherheitsbereich. Der Iran ist dort eingeknickt. So etwas gibt es quasi bei keinem anderen Mitgliedsstaat. Ich erinner daran, daß z.B. Brasilien den Inspektoren den Zugang zu ihren Anreicherungsanlagen ebenfalls untersagt hat. Und das war nicht einmal ein Militärbereich. Was hat die Behörde gemacht? Einfach ein anderes Prozedere entwickelt. Von Sanktionen gar ist mir gar nichts bekannt. Der Iran ist kein Einzelfall, wird aber marginialisert, weil er als Gegner der USA gilt und in einer vital-wirtschaftlich bedeutenden Region liegt.

Was die militärische Option gegenüber dem Iran betrifft, so hat sogar Bush davon Abstand genommen. So ein bißchen Krieg gibts mit dem Iran nicht und das hält ihn auch nicht auf. Dann würden die Inspektionen aufhören und die atomare Rüstung im Iran gestartet. Wer damit ein Problem hat muß dann ein paar hundertausend Soldaten losschicken in ein Land, daß so groß wie Westeuropa ist. Es reicht jetzt schon nicht mehr für das kleine Syrien. Das sag(t)en Think Tanks und US-Militärs. Damals wie heute. Wie gesagt, das fiel selbst den Hardcoreberatern von Bush nicht im Traum ein umzusetzen. Und das will was heißen.

Was Stuxnet betrifft, der war in der Tat erfolgreich. Rund ein Viertel der Anlagen soll schrottreif gewesen sein. Allerdings hatte er den Nebeneffekt, daß man im Iran gelernt hat. Auch das sagen Think Tanks. Der Iran hat angeblich eine der leistungsfähigsten Cyberarmeen auf dem Globus. Das ist auch eine Folge davon. Entweder macht man es ganz oder gar nicht. Die Anlagen wurden repariert und durch neuere, leistungsfähigere Systeme ersetzt. Meines Wissens ist seitdem auch so etwas im Falle Irans nicht mehr zu wiederholen gewesen...
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Re: Iran verbietet Import aller Konsumgüter aus den USA

Beitragvon Kardux » So 8. Nov 2015, 17:13

King Kong 2006 hat geschrieben:Man sollte Obama nicht unterschätzen. Zudem hat er keine Wahl. Es war folgerichtig was er tat. Das war das beste, was Obama rausholen konnte. Mehr war nicht drin. Schon gar nicht, in der Situation, die er von Bush übernehmen mußte. Bush hat die Karten in der Region durch seine Interventionen neu gemischt. In der Region und somit gegenüber dem Iran und somit auch gegenüber dem iranischen Atomprogramm.


Mehr war nicht drin ? Die USA hätten, wenn sie wirklich alles auf eine Karte gesetzt hätten, auch den Iran angreifen können bzw. die Mullahs entmachten können. Es ist kein Geheimnis das die Mullahs im inneren des Irans viele Feinde haben, sowohl Perser als auch separatistische Völker. Es wäre nicht wirklich schwer gewesen für die USA den Iran zu teilen und ihm somit jeglicher Kraft zu entziehen. Die Frage war eigentlich nur wie die anderen Supermächte dies aufgenommen hätten. Aber zu behaupten das die USA bezüglich des Irans keine anderen Optionen hätte ist schon grundlegend falsch.
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Re: Iran verbietet Import aller Konsumgüter aus den USA

Beitragvon King Kong 2006 » So 8. Nov 2015, 20:35

Kardux » So 8. Nov 2015, 18:13 hat geschrieben:
Mehr war nicht drin ? Die USA hätten, wenn sie wirklich alles auf eine Karte gesetzt hätten, auch den Iran angreifen können bzw. die Mullahs entmachten können. Es ist kein Geheimnis das die Mullahs im inneren des Irans viele Feinde haben, sowohl Perser als auch separatistische Völker. Es wäre nicht wirklich schwer gewesen für die USA den Iran zu teilen und ihm somit jeglicher Kraft zu entziehen. Die Frage war eigentlich nur wie die anderen Supermächte dies aufgenommen hätten. Aber zu behaupten das die USA bezüglich des Irans keine anderen Optionen hätte ist schon grundlegend falsch.


Es ist richtig, daß "viele" im Iran mit der jetzigen Regierungsform nicht zufrieden sind. Aber dann zu schlußfolgern, daß die USA deshalb einen full scale war anfangen könnten, bei dem sich alles in Wohlgefallen aufgelöst hätte ist eine gewagte These. Im Golfkrieg gegen den Irak zog sich die iranische Bevölkerung gegen den Aggressor zusammen.

Weder die Hardliner um Bush, noch die Berater um Obama, egal ob Fachausschüsse, Politiker oder Militärs zogen die Möglichkeit ernsthaft in Betracht das umzusetzen. Dazu gibt es Zitate und offene Briefe. Das markante Auftreten von Oppositionspolitikern ist eine andere Sache. Die können viel reden, was man nicht alles machen könnte und wer alles keine Ahnung hat, wenn sie nicht in der Verantwortung stehen. Es wurde auch von keiner der letzten 4-5 Administrationen die im Weissen Haus saßen umgesetzt. Dazu gab und gibt es gute Gründe.

Einen Krieg mit dem Iran ist keine kluge Entscheidung. Ökonomisch, militärisch, politisch, für die USA, für die iranische Bevölkerung und auch für die gesamte Region. Das wurde zumindest von allen Administrationen gleich gesehen. Das was sie unterscheidet ist wie mit dem Iran umgegangen wurde. Und die jetzige Administration hat im Vergleich zur vorherigen einfach mehr erreicht. Unter Bush wuchsen die Anreicherungsanlagen und die Möglichkeit zur Gewinnung von Plutonium. Jetzt ist es nicht nur gestoppt, sondern wird reglementiert. Man kann natürlich sagen, daß das nicht reicht. Aber wir sind ja nicht in der Realität bei "Wünsch dir was". Da kann man nicht einfach schnippen und dann gehen Träume in Erfüllung. Weder Bush noch Obama konnten hexen.
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