Warum der Islamische Staat gewinnt.

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Kardux
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Re: Warum der Islamische Staat gewinnt.

Beitragvon Kardux » Do 19. Nov 2015, 19:13

Platon » Do 19. Nov 2015, 12:15 hat geschrieben:Extrem lesenswert, ein Erfahrungsbericht aus dem Islamischen Staat:

http://www.thedailybeast.com/articles/2 ... s-spy.html


Ich zitiere Ihre Quelle:

He also found it remarkable that, for all the many months of the siege of Kobani, ISIS fighters came and went as they pleased across the Syrian-Turkish border. The second-largest army in NATO stationed soldiers, tanks, and armored personnel carriers within spitting distance of one of the most intense war zones of the Syria conflict and did virtually nothing, apart from sometimes firing water cannon at Kurds trying to flee into Turkey.

“I don’t know the relationship between ISIS and Turkey,” Abu Khaled said. “During the Kobani war, shipments of weapons arrived to ISIS from Turkey. Until now, the gravely wounded go to Turkey, shave their beards, cut their hair, and go to the hospital. Somebody showed me pictures in Kobani. You see ISIS guys eating McDonald’s french fries and hamburgers. Where did they get it? In Turkey.”

Abu Khaled has spent plenty of time in southern Turkey and says ISIS sympathizers don’t even try to hide their proselytizing efforts there. In Kilis, a border town, there are two important mosques, he said. “This one [is] for the Islamic State. You go there, everybody says, ‘You want to go to Syria?’ They arrange your travel back and forth. And the other mosque is for Jabhat al-Nusra,” the al Qaeda affiliate in Syria.


:)

Mit solch einem Land führen die westlichen Staaten Gespräche um diese Krise zu bewältigen.



Bedarf es weiterer Erklärungen ?
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Kardux
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Re: Warum der Islamische Staat gewinnt.

Beitragvon Kardux » Do 19. Nov 2015, 21:40

Platon hat geschrieben:Es mag ja sein, dass die USA die Saddam Armee in relativ kurzer Zeit besiegt haben. Allerdings haben die USA es danach jahrelang nicht geschafft den sunnitischen Aufstand nieder zu schlagen. Das gelang auch der allmächtigen US-Armee erst nachdem die Stämme sich zur Zusammenarbeit mit den USA entschlossen hatten. Die USA waren zwar in der Lage mit großem Aufwand an Material und Soldaten, größere Städte wie Ramadi und Fallujah zurück zu erobern, aber den sunnitischen Aufstand konnten auch die US-Armee nur nieder halten, nie wirklich im Alleingang besiegen.

Wenn die USA dort einmarschieren, würde das nur die Zeit zurückdrehen und die USA wieder in die Position versetzen einen großen sunnitischen Aufstand zu bekämpfen. Mit astronomischen Kosten. Und das wie gesagt für ein Gebiet das streng genommen nichtmal besonders bedeutsam ist für US-Interessen. Aus diesem Grund werden sie es auch nicht tun, solange der IS nicht mit aller Gewalt versucht die USA zur Invasion zu zwingen.

Außer natürlich die sunnitischen Stämme wenden sich wieder kollektiv gegen den IS, dann werden Luftangriffe und Spezialeinheiten aber auch ausreichen um dem Spuk ein Ende zu bereiten.


Die USA haben es vermisst nach der Eroberung des Iraks Fakten zu schaffen. Man hatte keinen wirklichen Plan und beliess es nur auf "Hoffnungen". Man hoffte darauf schiitisch- säkulare Kräfte in Baghdad zu installieren die den Irak zusammenhalten können. Die USA setzten dabei auf die Personalie Iyad Allawi, einen ehemaligen Anhänger der Baath- Partei (jedoch Aussteiger) der gleichzeitig moderater Schiit ist und somit beide Volksgruppen mehr oder weniger repräsentieren konnte. Deshalb wurde er auch als Interimsministerpräsident gewählt. Die USA hatten jedoch die Rechnung ohne den großen Einfluss des Irans gemacht, welche auf schiitisch- geprägte Kreise im Irak bauten und diese unterstützten. Die USA wussten zwar das der Iran einen Einfluss im Südirak hat, aber man hoffte irgendwie auf "irakisches Nationalgefühl". Das hat jedoch nie existiert und wird es auch nicht - der Irak ist nämlich ein künstlicher Staat. Der größte Rückschlag der USA war dann auch der verlorene Machtkampf von Allawi nach den Parlamentswahlen 2010, wo seine Partei (Al Iraqqiya) zwar die Mehrheit erlangte aber Maliki am Ende trotzdem als Ministerpräsident hervorging und somit Allawi eine politische Niederlage zufügte. Die zweite Amtsperiode von Maliki war dann der ausschlaggebende Punkt für den Aufstieg des IS im Irak. Von da an regierte Maliki nämlich mit straffer Hand und wirkte in seinem Handeln sehr aggressiv gegenüber Sunniten und Kurden. Er zeigte sein wahres Gesicht. Spannungen mit den Kurden speziell in der Provinz Diyala wurden immer mehr angeheizt und die schiitischen Rachefeldzüge in der Provinz Anbar gegenüber Sunniten im Jahr 2011 ebneten den Weg des Iraks ins Chaos.

Es war nicht die Aufgabe der USA die Sunnitengebiete militärisch langfristig ruhig zu stellen. Die USA hätten voraus sehen müssen das die Gräben zu tief sind und moderate Kreise unter der schiitischen Mehrheitsbevölkerung früher oder später abgedrängt würden. Der Irak hätte entweder geteilt werden müssen oder man hätte den Irak radikal dezentralisieren sollen. Die Sunniten einfach ihrem Schicksal und der Gutmütigkeit der Schiiten zu überlassen war ein folgenschwerer Fehler. Die Frage die bei mir aufkommt ist, ob dies gewollt war oder nicht. Nun, wir sehen aber das man noch immer nichts daraus gelernt hat.

Die Rede ist immer nur vom IS, aber was kommt danach ? Bis heute hat die USA gar keinen Plan vorgelegt wie es nach diesem Spuk aussehen wird.

Platon hat geschrieben:Es ist für den IS nicht so wichtig, was irgendwelche anderen Leute sagen. Die Salafi-Jihadisten waren mit ihren Interpretationen immer eine Randgruppe. Entscheidend sind für die Gruppe eher die Meinungen der Mitglieder, der Unterstützer und potenziellen Unterstützer des IS.

Entscheidend ist für den IS, dass es diese Meinung in der Tradition gibt und man sich darauf beziehen kann.


Würde man den sunnitischen Stämmen in Syrien und im Irak eine wirkliche Perspektive geben, müsste man sich nicht sehr lange mit dem IS herumschlagen. Der IS hat keine Daseinsberechtigung, das ist eine Gruppe von Terroristen die einfach eine Lücke gefüllt haben und als Proxy für die Interessen gewisser Kreise agieren. Ja, die Interessen gewisser Kreise, aber gewiss nicht für die Interessen der Menschen vorort. Die Mehrheit der sunnitischen Araber in Syrien und im Irak haben keinen Hang zu dieser fanatischen Auslegung des Islams. Und genau deshalb wird der Islamische Staat nicht gewinnen.
Zuletzt geändert von Kardux am Do 19. Nov 2015, 21:42, insgesamt 1-mal geändert.
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Re: Warum der Islamische Staat gewinnt.

Beitragvon Keoma » Fr 20. Nov 2015, 08:19

Platon » Do 19. Nov 2015, 18:20 hat geschrieben:Wie schon bei den Japanern können die Chinesen nicht viel machen. Sie sind militärisch nicht vor Ort und haben daher keine Möglichkeit diesbezüglich aktiv zu werden. Sie haben natürlich ein Interesse daran den IS zu bekämpfen, weil vom IS irgendwann auch Leute nach China zurückkehren und dort "für" die Uighuren Anschläge gegen China verüben werden. Das ist für das Land aber keine Priorität.


Die Uiguren werden von China mit harter Hand regiert:

http://orf.at/#/stories/2310638/

Interessanter Weise regen sich die muslimischen Glaubensbrüder darüber nicht auf.
Nur über Palästina.
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Re: Warum der Islamische Staat gewinnt.

Beitragvon Marie-Luise » Fr 20. Nov 2015, 11:06

Keoma » Fr 20. Nov 2015, 08:19 hat geschrieben:
Die Uiguren werden von China mit harter Hand regiert:

http://orf.at/#/stories/2310638/

Interessanter Weise regen sich die muslimischen Glaubensbrüder darüber nicht auf.
Nur über Palästina.


Doch, die Türken regen sich darüber auf, weil die Uiguren ein Turkvolk seien, und Turkvölker sind Brüder.

http://www.nzz.ch/international/naher-o ... 1.18588230
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Re: Warum der Islamische Staat gewinnt.

Beitragvon Keoma » Fr 20. Nov 2015, 11:07

Marie-Luise » Fr 20. Nov 2015, 12:06 hat geschrieben:
Doch, die Türken regen sich darüber auf, weil die Uiguren ein Turkvolk seien, und Turkvölker sind Brüder.

http://www.nzz.ch/international/naher-o ... 1.18588230


Ah, das ist mir entgangen.
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Re: Warum der Islamische Staat gewinnt.

Beitragvon JFK » Fr 20. Nov 2015, 12:07

Keoma » Fr 20. Nov 2015, 12:07 hat geschrieben:
Ah, das ist mir entgangen.


Aha, liest du überhaupt deine Artikel selber?

Minderheit der turksprachigen Uiguren
In Xinjiang lebt die Minderheit der turksprachigen Uiguren, sie sich von der Pekinger Zentralregierung unterdrückt sieht. In der westlichen Provinz kommt es immer wieder zu Unruhen. Peking bezeichnet die Aufständischen als Terroriste
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Re: Warum der Islamische Staat gewinnt.

Beitragvon Keoma » Fr 20. Nov 2015, 12:24

JFK » Fr 20. Nov 2015, 13:07 hat geschrieben:
Aha, liest du überhaupt deine Artikel selber?



Fresse.
Mir ist entgangen, dass sich die Türken solidarisch zeigen.
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Re: Warum der Islamische Staat gewinnt.

Beitragvon Marie-Luise » Fr 20. Nov 2015, 12:31

Keoma » Fr 20. Nov 2015, 12:24 hat geschrieben:
Fresse.
Mir ist entgangen, dass sich die Türken solidarisch zeigen.


Uiguren sind mir derart unsympathisch. Allein, wie sie in Deutschland auftrumpfen mit ihrem Verein "Weltkongress der Uiguren", der in München seinen Sitz hat.

>Der Verein wird von chinesischen Behörden (sowohl von der Volksrepublik China als auch von der Republik China auf Taiwan) und internationalen Beobachtern als separatistisch eingestuft. Der Weltkongress fungiert als Dachorganisation mehrerer kleinerer Gruppen, darunter etwa der Uigurische Frauenverein München e. V., aber auch Gruppierungen aus dem Spektrum exiluigurischer Nationalisten. Einigen Mitgliedern wird außerdem von der chinesischen Regierung vorgeworfen, an Planung und Ausführung von Terroranschlägen beteiligt gewesen zu sein.<

https://de.wikipedia.org/wiki/Weltkongress_der_Uiguren
Zuletzt geändert von Marie-Luise am Fr 20. Nov 2015, 12:32, insgesamt 1-mal geändert.
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Re: Warum der Islamische Staat gewinnt.

Beitragvon JFK » Fr 20. Nov 2015, 12:34

Keoma » Fr 20. Nov 2015, 13:24 hat geschrieben:
Fresse.
Mir ist entgangen, dass sich die Türken solidarisch zeigen.


Ich halte meine fresse, weil ich schreibe ja mit den Fingern, du muss schon lesen was du verlinkt, sonnst führt die Diskussion zu nichts.
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Re: Warum der Islamische Staat gewinnt.

Beitragvon JFK » Fr 20. Nov 2015, 12:38

Marie-Luise » Fr 20. Nov 2015, 13:31 hat geschrieben:
Uiguren sind mir derart unsympathisch


Das hätte ich jetzt nicht gedach :D :D :D
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Re: Warum der Islamische Staat gewinnt.

Beitragvon Keoma » Fr 20. Nov 2015, 12:39

JFK » Fr 20. Nov 2015, 13:34 hat geschrieben:
Ich halte meine fresse, weil ich schreibe ja mit den Fingern, du muss schon lesen was du verlinkt, sonnst führt die Diskussion zu nichts.


Ich habe gelesen, was ich verlinke, doch manche Teilnehmer sind offensichtlich nicht in der Lage, zu verstehen.
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Re: Warum der Islamische Staat gewinnt.

Beitragvon Platon » Fr 20. Nov 2015, 17:40

Ein Blogbeitrag, welcher argumentiert, dass der IS zu Beginn seiner Herrschaft sehr positiv aufgenommen wird, weil er Stabilität und Sicherheit in ein Gebiet bringt. Er sorgt auch dafür, dass die Grundversorgung der Bevölkerung an Wasser und Nahrung gesichert ist und auch Korruption und Kriminalität bekämpft wird. Dazu kommt, dass die härtesten IS-Gegner vor dessen Kämpfern fliehen, weswegen die Mehrheit der Menschen prinzipiell erstmal kein Problem mit dem IS hat. Das führt dazu, dass die Situation sich für die meisten Bewohner unter IS-Herrschaft zunächst einmal verbessert.

Aber mit der Zeit beginnt sich das Blatt zu wenden, wenn die Körperstrafen der IS-Scharia eingeführt werden, wenn es ein brutales Durchgreifen in Sachen Alkohol und Zigaretten gibt. Wenn die Steuern immer mehr steigen, und Luftangriffe z.B. durch die USA und Frankreich Kollateralschäden verursachen. Es ist eben nicht alles gut, wenn man unter einer Herrschaft lebt, die Krieg gegen den Rest der Welt führt.
Will McCants: The recent ISIS-claimed attacks in Paris, Beirut, and Egypt indicate the organization wants to take the fight to its enemies abroad. One reason might be that all is not well in ISIS-land. The nascent state in Syria and Iraq has lost around 25 percent of its territory and tens of thousands of fighters in the year since America and its allies began to their campaign to defeat it. While the state still endures for now, it's under tremendous pressure because of the costs of ceaseless war.

To explain the troubles ISIS faces at home, we have invited a group of scholars to comment on its governance over the past years and speculate on what they might face in the year ahead. First is Mara Revkin, a J.D./Ph.D. student at Yale who studies governance and lawmaking by insurgent groups such as ISIS.

Mara Revkin: More than a year after Mosul fell to ISIS in June 2014, sources report that civilians there are becoming increasingly critical of ISIS rule. Iraqis have recently described life in Mosul as a “nightmare,” “intolerable,” and “a big prison.” Others say that they have “no future” and are living in “a society where it’s normal for children to watch their elders being murdered.”

These anecdotes do not prove conclusively that public opinion has shifted, but they suggest that local support for ISIS rule in Mosul may have eroded since last June, when some civilians cautiously welcomed improvements in security and essential services that followed ISIS’s takeover of the city. External observers may find it hard to believe that any civilian living in fear of death by decapitation or stoning could regard such a system as legitimate. Yet, Syrians and Iraqis whom I have interviewed say that attitudes toward ISIS governance are often more favorable than outsiders commonly assume, particularly in the early stages of ISIS rule. [...]

http://www.brookings.edu/blogs/markaz/p ... in-mccants

Die Frage ist halt ob das wirklich schlechter ist als die Alternativen und ich denke solange der IS für die Grundbedürfnisse seiner Bevölkerung sorgen kann, es zu keinem Zusammenbruch der humanitären Infrastruktur, wie der Wasserversorgung etc. und keinen z.B. Hungersnöten kommt und man für Stabilität und Sicherheit sorgen kann, wird man keine allzu großen Probleme haben. Allerdings wird es langfristig gar nicht so einfach für den IS sein, das auch wirklich durchzuziehen, wenn man weiterhin überall Krieg führt und jetzt auch noch weltweit Anschläge durchführt. Man hat ja jetzt schon tausende, wenn nicht zehntausende Kämpfer verloren und sicherlich auch massenhaft Geld ausgegeben. Es ist einfach kaum vorstellbar, dass man das wirklich so jahrelang durchhält, irgendwann müssen einem Leute und Geld ausgehen.
Zuletzt geändert von Platon am Fr 20. Nov 2015, 17:43, insgesamt 3-mal geändert.
Marie-Luise

Re: Warum der Islamische Staat gewinnt.

Beitragvon Marie-Luise » Fr 20. Nov 2015, 17:45

Platon » Fr 20. Nov 2015, 17:40 hat geschrieben:Ein Blogbeitrag, welcher argumentiert, dass der IS zu Beginn seiner Herrschaft sehr positiv aufgenommen wird, weil er Stabilität und Sicherheit in ein Gebiet bringt. Er sorgt auch dafür, dass die Grundversorgung der Bevölkerung an Wasser und Nahrung gesichert ist und auch Korruption und Kriminalität bekämpft wird. Dazu kommt, dass die härtesten IS-Gegner vor dessen Kämpfern fliehen, weswegen die Mehrheit der Menschen prinzipiell erstmal kein Problem mit dem IS hat. Das führt dazu, dass die Situation sich für die meisten Bewohner unter IS-Herrschaft zunächst einmal verbessert.

Aber mit der Zeit beginnt sich das Blatt zu wenden, wenn die Körperstrafen der IS-Scharia eingeführt werden, wenn es ein brutales Durchgreifen in Sachen Alkohol und Zigaretten gibt. Wenn die Steuern immer mehr steigen, und Luftangriffe z.B. durch die USA und Frankreich Kollateralschäden verursachen. Es ist eben nicht alles gut, wenn man unter einer Herrschaft lebt, die Krieg gegen den Rest der Welt führt.

http://www.brookings.edu/blogs/markaz/p ... in-mccants

Die Frage ist halt ob das wirklich schlechter ist als die Alternativen und ich denke solange der IS für die Grundbedürfnisse seiner Bevölkerung sorgen kann, es zu keinem Zusammenbruch der humanitären Infrastruktur, wie der Wasserversorgung etc. und keinen z.B. Hungersnöten kommt und man für Stabilität und Sicherheit sorgen kann, wird man keine allzu großen Probleme haben. Allerdings wird es langfristig gar nicht so einfach für den IS sein, das auch wirklich durchzuziehen, wenn man weiterhin überall Krieg führt und jetzt auch noch weltweit Anschläge durchführt. Man hat ja jetzt schon tausende, wenn nicht zehntausende Kämpfer verloren und sicherlich auch massenhaft Geld ausgegeben. Es ist einfach kaum vorstellbar, dass man das wirklich so jahrelang durchhält, irgendwann müssen einem Leute und Geld ausgehen.


Geschichte wiederholt sich: Auch die Nazis haben die Grundbedürfnisse des deutschen Volkes sichergestellt.

Die Autobahnen kamen hinzu.
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Re: Warum der Islamische Staat gewinnt.

Beitragvon Platon » Sa 21. Nov 2015, 12:27

Interessant sind übrigens auch Berichte über Widerstand innerhalb des IS-Territoriums gegen dessen Herrschaft. Die bekannteste Gruppe ist die in Raqqah (Raqqa Is Being Slaughtered Silently), die eine eigene Website hat und auf Facebook und Twitter vertreten ist, aber auch in Deir az Zor gibt es eine Gruppe namens The White Shroud (Reuters-Bericht) und auch in Mossul soll es hin und wieder Widerstand geben. Was jetzt nicht so verwundert, wenn man die Nähe zu den kurdischen Gebieten und die schiere Größe der Stadt bedenkt.
Underground Guerrilla Force Battles IS In Mosul
Iraqis living under Isis rule in Mosul begin to show resistance

In Syrien hat es dazu, in der Stadt Manbij, östlich von Aleppo, zuletzt kleine Demonstrationen gegen die IS-Herrschaft gegeben. Hintergrund dürften u.A. die neuesten Niederlagen des IS gegen Assad und seine Verbündeten sein, die Angst, dass diese Erfolge zu einer Rückeroberung des Gebietes östlich von Aleppo durch Assad führen. Dazu gibt es Unmut wegen der Durchsetzung der Salafi-Scharia durch den IS. Der IS hat reagiert indem er auf die kleinen Demos das Feuer eröffnet und Checkpoints in und um die Stadt errichtet hat.

[...]
Reports emerged late last week that residents of Manbij had held an unprecedented set of protests against ISIS’ draconian policies in the Aleppo town.

A popular pro-rebel Facebook page reporting on events in Manbij and Syria in general said that several small protest gatherings had taken place in the town last Thursday and posted what it said were pictures of the unusual event.

“In response to the oppressive practices of ISIS against residents of the city of Manbij… tens of citizens came out to criticize the group last Thursday afternoon and called on it to leave the city,” Manbij Mubasher reported on Sunday.

“The city is seeing an unprecedented state of popular unrest.”

Protests reportedly continued in the following days, with a number of activist outlets saying that an angry resident had killed an ISIS judge before turning a firearm on himself and committing suicide before the group could capture him.
[...]
The Erbil-based ARA News—which focuses on northern Syrian developments—also reported on the protests that allegedly rocked Manbij on Wednesday, but said they were sparked by criticisms over the group’s recent military setbacks.

A rural Aleppo media activist told the outlet that the nighttime rally in the town’s Al-Hazzawina quarter was in protest over ISIS’s retreat from outside Kuweires Airbase outside Aleppo following a successful regime offensive earlier November.

“The participants expressed their fear that all of eastern rural Aleppo might be handed over to regime forces, including the towns of Manbij and Al-Bab,” Wael Mohammad claimed.

He also said the residents demonstrated “out of fear of the air strikes that international coalition and regime warplanes planes are carrying out, which could lead to a massacre of civilians.”

“ISIS members responded to the demonstration by opening fire and pursuing the demonstrators. There has been no news of anyone being detained.”

https://now.mmedia.me/lb/en/NewsReports ... -activists

Es gibt also durchaus Widerstand gegen den IS in seinem Gebiet, die Anzahl der Personen dürfte aber in keinem dieser Fälle die Menge von ein paar Dutzend Leute überschreiten, wenn es überhaupt so viele sind. Und es dürfte auch klar sein, dass für die Bewohner dieser Gebiete Assad durchaus nicht das geringere Übel ist, sondern eher das größere, wenn Proteste ausbrechen, weil der IS eventuell nicht mehr in der Lage sein könnte die Bevölkerung vor Assad zu schützen.

Dazu hat der IS bekanntlich einen eigenen Geheimdienstapparat, welcher diese Aktivisten und Guerilla-Kämpfer verfolgt. Von der Gruppe in Raqqa hatte es erst vor ein paar Wochen welche erwischt. Diese Leute agieren also auf dünnem Eis und können jederzeit allesamt getötet werden, wenn etwas schief läuft.

Zuletzt geändert von Platon am Sa 21. Nov 2015, 12:42, insgesamt 5-mal geändert.
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Re: Warum der Islamische Staat gewinnt.

Beitragvon Marie-Luise » Sa 21. Nov 2015, 17:46

steve1974 » Do 19. Nov 2015, 13:44

Mit anderen Worten,
der IS ist so etwas wie eine Mafia und Scient...y auf schwarz . .
Mit solchen Organisationen hat doch der Westen Erfahrung , oder ?
-


Vorgänger des Islamischen Staates waren die Almohaden, die Verbrecher, die damals das nostalgisch-verklärte Al-Andalus gründeten:

https://de.wikipedia.org/wiki/Almohaden
Zuletzt geändert von Marie-Luise am Sa 21. Nov 2015, 17:46, insgesamt 1-mal geändert.
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Re: Warum der Islamische Staat gewinnt.

Beitragvon DieBananeGrillt » Mi 25. Nov 2015, 18:30

Ein IS-Staat gibt es schon, aber nicht dort wie zur Zeit, sondern in den Köpfen der Islamisten, überall auf der Welt.
Ob dies nun konkret werden kann oder nicht ist eigentlich ziemlich egal.

Die Wikinger früher haben auch schon immer von Walhalla geträumt....
Andrea-Perula

Re: Warum der Islamische Staat gewinnt.

Beitragvon Andrea-Perula » Sa 12. Dez 2015, 20:50

DieBananeGrillt » Mi 25. Nov 2015, 18:30 hat geschrieben:Ein IS-Staat gibt es schon, aber nicht dort wie zur Zeit, sondern in den Köpfen der Islamisten, überall auf der Welt.
Ob dies nun konkret werden kann oder nicht ist eigentlich ziemlich egal.

Die Wikinger früher haben auch schon immer von Walhalla geträumt....



Was heißt früher?

Auch die Germanen gehen in Wallhalla ein!

Mit Mut und Kampfgeist...... aber nix mit Märtyrer und solchen Mist!


Ach ja das der IS gewinnt (wie das Thema lautet) glaube ich nicht. Ich glaube da etwas anderes.

HORMS ist FREI! Juhu! Ein Flecken Land weniger für Terroristen egal welcher Seite!

http://internetz-zeitung.eu/index.php/3 ... 4umen-homs
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Re: Warum der Islamische Staat gewinnt.

Beitragvon Wolverine » Sa 12. Dez 2015, 22:04

schokoschendrezki » So 8. Nov 2015, 07:28 hat geschrieben:Ganz ehrlich: Was soll dieser eher abstrakte "Gedanke der Freiheit" den Bewohnern der Region im Moment bedeuten? Selbst die freieste Gesellschaft dort, die israelische, akzeptiert es, für die Wahrung ihrer Identität in einem eingemauerten Staat zu leben.


Auch wenn es metaphorisch klingen soll, so ist es falsch. Die Israelis haben lediglich eine "Mauer" die zum größten Teil aus Draht besteht, um SMAs abzuhalten, mehr nicht. Sie kontrollieren etwas strenger die Grenzen und die Ein-und Ausreise, aber mehr ist da nicht.
If Israel were to put down its arms there would be no more Israel.
If the Arabs were to put down their arms there would be no more war.
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Re: Warum der Islamische Staat gewinnt.

Beitragvon jack000 » Mo 28. Dez 2015, 16:49

Der Islamische Staat wird immer kleiner:
Die Terrormiliz Islamischer Staat muss seit Monaten Rückschläge hinnehmen. Der jüngste Tiefschlag ist der Verlust der irakischen Stadt Ramadi an die irakischen Streitkräfte. Am Montag hisste die irakische Armee die Flagge des Landes über einem Regierungskomplex im Zentrum der Stadt. "Ramadi ist befreit", sagte ein Militärsprecher am Montag im Fernsehen.
Jetzt meldete die russische Nachrichtenagentur Tass, dass der ISIS-Anführer Abu Omar al-Shishani von US-Spezialeinheiten im Nordirak überführt worden sein. Shishani ist eines der bekanntesten Gesichter der Dschihadisten und wird oft als dessen Militärchef bezeichnet. Er kommandiert unter ISIS-Chef Abu Bakr al-Baghdadi Truppen in Syrien und im Irak. Bestätigt hat das Pentagon diese Nachricht allerdings bisher nicht. Über Twitter wird die Festnahme auch dementiert.

Auch die Grenzen des selbsternannten Kalifats verschieben sich offenbar zu Ungunsten des Islamischen Staates. Zwar hätten die Terrormilizen in diesem Jahr weitere Orte erobert, mussten aber andere aufgeben. Statt ihrem selbsterklärten Ziel näherzukommen, die Welt zu erobern, haben sie seit Januar 2015 etwa 14 Prozent Fläche an ihre Gegner verloren, berichtet die "Süddeutsche Zeitung" unter Berufung aus IHS Jane's Conflict Monitor.

Noch 2014 waren die IS-Kämpfer bei ihren Vorstößen auf wenig Widerstand gestoßen. Doch inzwischen habe sich das Blatt gewendet. Nach monatelangen Kämpfen ist es den kurdischen "Volksverteidigungseinheiten" (YPG) mit Unterstützung durch US-Luftangriffe Anfang des Jahres gelungen, die Grenzstadt Kobane sowie weitere große Gebiete zurückzuerobern.

Im Frühjahr 2015 konnten irakische Regierungstruppen sowie sunnitische und schiitische Milizen die wichtige Stadt Tikrit zurückerobern, die der IS 2014 eingenommen hatte.
Ein weiterer wichtiger Erfolg war im November die Eroberung der irakischen Stadt Sindschar am gleichnamigen Gebirge durch Kämpfer der kurdischen Arbeiterpartei PKK sowie kurdische Peschmerga und jesidische Milizen. Auch dort waren Kampfjets der Anti-IS-Allianz unter US-Führung im Einsatz. Und erst am Sonntag gelang es irakischen Truppen, nach tagelangen Kämpfen die Provinzhauptstadt Ramadi vom IS zurückzuerobern. Soldaten hätten mit dem Regierungsgebäude die Kontrolle über den letzten Rückzugsort des IS in der Stadt übernommen, erklärte Armeesprecher Sabah al-Numani am Sonntag. Damit sei der IS in Ramadi besiegt.

http://www.n24.de/n24/Nachrichten/Polit ... einer.html

Spätestens Ende 2016 wird der IS (zumindest in seiner jetzigen Form) Geschichte sein ...
Zuletzt geändert von jack000 am Mo 28. Dez 2015, 16:50, insgesamt 1-mal geändert.
Ein Zeichen von Intelligenz ist der stetige Zweifel - Idioten sind sich immer todsicher, egal was sie tun ...

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Re: Warum der Islamische Staat gewinnt.

Beitragvon Adam Smith » Mo 28. Dez 2015, 21:35

jack000 » Mo 28. Dez 2015, 16:49 hat geschrieben:Der Islamische Staat wird immer kleiner:

http://www.n24.de/n24/Nachrichten/Polit ... einer.html

Spätestens Ende 2016 wird der IS (zumindest in seiner jetzigen Form) Geschichte sein ...


Die irakische Regierung könnte den Islamischen Staat vermutlich 2016 im Irak besiegen.

Nur wenige Stunden später erklärte Regierungschef Haider al-Abadi: 2016 werde man die Dschihadisten aus dem gesamten Land vertreiben.


http://www.spiegel.de/politik/ausland/i ... 69777.html

Die syrische Regierung wird das vermutlich nicht schaffen. Auf jeden Fall befindet sich der IS erst einmal in der Defensive.

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