ISIS verbreitet Angst und Schrecken

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Re: ISIS verbreitet Angst und Schrecken

Beitragvon H2O » Di 14. Jun 2016, 14:33

garfield336 hat geschrieben:(14 Jun 2016, 15:23)

Dann wohl eine fehlerhafte Information. Amerikaner und Franzosen sind aber definitiv dort am Boden aktiv.


Ich vermute hinter dieser Ente eher eine Stichelei; denn natürlich wünschen sich einige unserer Verbündeten eine deutsche Beteiligung. Auch als Argument "zu Hause". Aber die Bundeswehr fliegt nur im Irak zur Aufklärung herum, und sie bewaffnet und bildet Peshmerga dort aus. Dem hatte der Bundestag zugestimmt!
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garfield336
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Re: ISIS verbreitet Angst und Schrecken

Beitragvon garfield336 » Di 14. Jun 2016, 14:38

H2O hat geschrieben:(14 Jun 2016, 15:33)

Ich vermute hinter dieser Ente eher eine Stichelei; denn natürlich wünschen sich einige unserer Verbündeten eine deutsche Beteiligung. Auch als Argument "zu Hause". Aber die Bundeswehr fliegt nur im Irak zur Aufklärung herum, und sie bewaffnet und bildet Peshmerga dort aus. Dem hatte der Bundestag zugestimmt!


Also gibt es solche Truppen in sehr kleiner Anzahl nur im Irak.


Ich könnte mir vorstellen, dass in Syrien es auch aus Nachrichtendienstlichen Gründen eine Beteiligung sinnvoll wäre. Da sich ja auch deutsche Staatsbürger dort aufhalten.
Aber ohne Mandat natürlich nicht. Dann müssen halt die Verbündeten die Arbeit erledigen.
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Re: ISIS verbreitet Angst und Schrecken

Beitragvon H2O » Di 14. Jun 2016, 15:13

garfield336 hat geschrieben:(14 Jun 2016, 15:38)

Also gibt es solche Truppen in sehr kleiner Anzahl nur im Irak.


Ich könnte mir vorstellen, dass in Syrien es auch aus Nachrichtendienstlichen Gründen eine Beteiligung sinnvoll wäre. Da sich ja auch deutsche Staatsbürger dort aufhalten.
Aber ohne Mandat natürlich nicht. Dann müssen halt die Verbündeten die Arbeit erledigen.


Unsere Verbündeten schaffen das schon ganz ohne deutsche Soldaten. "Germans to the front!" gehört längst vergangenen Zeiten an.

Nachrichtentechnisch bestehen nützliche Kanäle, wie man vor Wochen lesen konnte.
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Re: ISIS verbreitet Angst und Schrecken

Beitragvon garfield336 » Di 14. Jun 2016, 15:15

H2O hat geschrieben:(14 Jun 2016, 16:13)

Unsere Verbündeten schaffen das schon ganz ohne deutsche Soldaten. "Germans to the front!" gehört längst vergangenen Zeiten an.

Nachrichtentechnisch bestehen nützliche Kanäle, wie man vor Wochen lesen konnte.


Naja wirklich an der Front sind auch die ausländischen Truppen da nicht. Sie überlassen der YPG und SDF den Vortritt ^^.
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Re: ISIS verbreitet Angst und Schrecken

Beitragvon Platon » Di 14. Jun 2016, 15:17

garfield336 hat geschrieben:(14 Jun 2016, 15:23)

Dann wohl eine fehlerhafte Information. Amerikaner und Franzosen sind aber definitiv dort am Boden aktiv.

Aber doch immer als Berater. So verrückt den eigenen Kopf zu riskieren ist man für gewöhnlich nicht. Eigene Opfer sind bei solchen Sachen immer zu vermeiden um bestimmte Diskussionen zu Hause zu vermeiden...
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Re: ISIS verbreitet Angst und Schrecken

Beitragvon H2O » Di 14. Jun 2016, 15:33

garfield336 hat geschrieben:(14 Jun 2016, 16:15)

Naja wirklich an der Front sind auch die ausländischen Truppen da nicht. Sie überlassen der YPG und SDF den Vortritt ^^.


Na, dann ist das eben Arbeitsteilung: Peschmerga werden von der Bundeswehr im Waffeneinsatz geschult und im Häuserkampf. Und sie bekommen deutsche Waffen (G36 und Panzerbrechende
Raketen) und Schutzwesten, Helme. Der Einsatz entlastet die Verbündeten im Nord-Irak im Kampf gegen den IS.

Aufklärungsflüge zur Entlastung der Franzosen im Kampf gegen den IS, und Begleitschutz für den französischen Flugzeugträger. Zusätzlich Entlastung der Franzosen in Mali durch Bundeswehreinsatz gegen islamistischen Terror dort.

Damit muß es dann aber auch einmal gut sein!
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Re: ISIS verbreitet Angst und Schrecken

Beitragvon garfield336 » Di 14. Jun 2016, 15:38

Platon hat geschrieben:(14 Jun 2016, 16:17)

Aber doch immer als Berater. So verrückt den eigenen Kopf zu riskieren ist man für gewöhnlich nicht. Eigene Opfer sind bei solchen Sachen immer zu vermeiden um bestimmte Diskussionen zu Hause zu vermeiden...


Das es für ihren eigenen Kopf geht mus man aber in Kauf nehmen. Komplett ungefährlich ist so ein Einsatz nicht.
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Re: ISIS verbreitet Angst und Schrecken

Beitragvon H2O » Di 14. Jun 2016, 15:44

garfield336 hat geschrieben:(14 Jun 2016, 16:38)

Das es für ihren eigenen Kopf geht mus man aber in Kauf nehmen. Komplett ungefährlich ist so ein Einsatz nicht.


Dennoch besteht ein sehr deutlicher Unterschied darin, daß die Menschen vor Ort für ihre ureigenen Angelegenheiten ihre Haut zu Markte tragen, und sie sich nicht nach Art eines Schiedsrichters bei einer Tasse Kaffee über die Qualitäten der fremden Kampftruppen auslassen
können. Diesen dummen Fehler haben die USA mehrfach gemacht... und jetzt endlich etwas dazu gelernt!
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Re: ISIS verbreitet Angst und Schrecken

Beitragvon garfield336 » Di 14. Jun 2016, 15:51

H2O hat geschrieben:(14 Jun 2016, 16:44)

Dennoch besteht ein sehr deutlicher Unterschied darin, daß die Menschen vor Ort für ihre ureigenen Angelegenheiten ihre Haut zu Markte tragen, und sie sich nicht nach Art eines Schiedsrichters bei einer Tasse Kaffee über die Qualitäten der fremden Kampftruppen auslassen
können. Diesen dummen Fehler haben die USA mehrfach gemacht... und jetzt endlich etwas dazu gelernt!


Ich halte die Franzosen sogar für fähiger als die Amis.... die haben jahrzehnte lange Erfahrung mit solchen Einsätzen.

In Westafrika sind die ständig auf solchen Beratermissionen. Die Franzosen lassen immer Sölnder für sie kämpfen. Sie kämpfen nie selbst.
In Syrien haben sie ja auch eine koloniale Vergangenheit. :rolleyes:
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Re: ISIS verbreitet Angst und Schrecken

Beitragvon H2O » Di 14. Jun 2016, 15:56

garfield336 hat geschrieben:(14 Jun 2016, 16:51)

Ich halte die Franzosen sogar für fähiger als die Amis.... die haben jahrzehnte lange Erfahrung mit solchen Einsätzen.

In Westafrika sind die ständig auf solchen Beratermissionen. Die Franzosen lassen immer Sölnder für sie kämpfen. Sie kämpfen nie selbst.
In Syrien haben sie ja auch eine koloniale Vergangenheit. :rolleyes:


Tja, jetzt haben die Franzosen bei aller postkolonialer Raffinesse die Pest an Bord; ist die syrische Angelegenheit der Franzosen nicht mindestens 70 oder 80 Jahre her?

https://de.wikipedia.org/wiki/V%C3%B6lk ... nd_Libanon
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Re: ISIS verbreitet Angst und Schrecken

Beitragvon Ultra-tifosi » Di 14. Jun 2016, 20:28

garfield336 hat geschrieben:(14 Jun 2016, 15:23)

Dann wohl eine fehlerhafte Information. Amerikaner und Franzosen sind aber definitiv dort am Boden aktiv.


+Briten. Der SAS ist ebenfalls bei Manbji aktiv...
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Re: ISIS verbreitet Angst und Schrecken

Beitragvon UncleSams_Berater » Mi 15. Jun 2016, 11:16

Wie ist der Lage derzeit in Fallujah? Macht die irakische Armee Fortschritte?
USA: Größte Volkswirtschaft der Welt und stärkste Militär der Welt

Russland: Schwache Wirtschaft und ein erbärmliches Militär
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Re: ISIS verbreitet Angst und Schrecken

Beitragvon garfield336 » Mi 15. Jun 2016, 12:34

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Re: ISIS verbreitet Angst und Schrecken

Beitragvon garfield336 » Mi 15. Jun 2016, 12:37

UncleSams_Berater hat geschrieben:(15 Jun 2016, 12:16)

Wie ist der Lage derzeit in Fallujah? Macht die irakische Armee Fortschritte?


Ja machen sie aber es geht sehr langsam voran.

1mm pro Tag :/
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Re: ISIS verbreitet Angst und Schrecken

Beitragvon King Kong 2006 » Mo 20. Jun 2016, 17:35

Massive Anschlagsserie im Iran verhindert? Anschläge gibt es im Iran gerade an seiner Peripherie immer wieder. Allerdings sollen große Anschlagsserien in Teheran geplant gewesen sein.

Iran says 1 of "biggest terrorist" plots against capital thwarted

TEHRAN, Iran -- Iranian intelligence officials have broken up one of the "biggest terrorist" plots ever planned to target Tehran and other provinces in the Islamic Republic, the country's state media reported on Monday.

The reports quote the country's Intelligence Ministry as saying that it has arrested several suspects in the plot to bomb the capital and other provinces, seizing bombs and ammunition during the operation.

The Intelligence Ministry statement, read live on Iranian state television and carried across the country's news agencies, had little detail. The announcement comes as Iran finds itself battling the Islamic State of Iraq and Syria (ISIS) while also supporting Syria's embattled President Bashar Assad in his country's long, bloody civil war.

http://www.cbsnews.com/news/iran-bigges ... ni-shiite/


Bericht über das Potential der Rekrutierung für den IS und Col im Iran.

Trotz 9 Millionen Sunniten sind Rekrutierungsversuche des „Islamischen Staats“ (IS) in Iran kaum erfolgreich

Der Artikel basiert auf einen Vortrag von Shayan Arkian, dem Chefredakteur von IranAnders, den er am 29. April 2015 bei einer internationalen Expertentagung der CSU-nahen "Hanns-Seidel-Stiftung" hielt.

http://irananders.de/nachricht/detail/810.html
Wenn man zuviel weiß, wird es immer schwieriger, einfache Entscheidungen zu treffen.
Wissen stellt eine Barriere dar, die einen daran hindert, etwas in Erfahrung zu bringen.
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Re: ISIS verbreitet Angst und Schrecken

Beitragvon Platon » Mo 20. Jun 2016, 18:46

King Kong 2006 hat geschrieben:(20 Jun 2016, 18:35)

Massive Anschlagsserie im Iran verhindert? Anschläge gibt es im Iran gerade an seiner Peripherie immer wieder. Allerdings sollen große Anschlagsserien in Teheran geplant gewesen sein.

So wirklich viele Details gibt man aber auch nicht bekannt. Mal ganz ehrlich, wenn man weiß was man tut und nicht unbedingt die Absicht hat nach Hause zu kommen, sind auch Terroranschläge im Iran möglich. Nur haben sie halt für den IS keinen großen Nutzen, weil sie keinen konfessionellen Bürgerkrieg generieren werden und auch nicht für das Prestige bedeutsam sind wie im Westen. Es sei denn natürlich so ein richtig großer Anschlag mit Hunderten von Toten, mitten in Teheran. Ich glaube es lohnt einfach nur nicht und man ist nicht bereit gute Leute für so eine Aufgabe abzustellen, die das nötige Know-How haben.

Bericht über das Potential der Rekrutierung für den IS und Col im Iran.

Er hatte schon ein paar gute Ideen, aber dieser zwanghafte Versuch nicht versehentlich eine Eulogie auf die IRI zu schreiben ist dem Text anzumerken. Der IS ist im Iran nicht verbreitet:
a) wegen der Internetzensur, das halte ich für völligen Quatsch, weil es problemlos möglich ist sie zu umgehen
b) weil es keine offene salafistische Mission gibt, wie in Deutschland, das mag ja sein, aber: http://www.washingtoninstitute.org/poli ... -salafism; das im Iran keine Missionierung der Schia erlaubt wäre, halte ich jetzt mal für ein Gerücht...
c) die sunnitischen Iraner sind die Gesellschaft integriert und daher nicht wie im Westen als Outsider gefährdet, siehe b)
d) Die Sunna im Iran ist hanafitisch/schafiitisch und die entsprechende religiöse Infrastruktur kooperiert mit der IRI... halte ich für kein Argument, weil die wenigsten Salafisten in Deutschland sind Saudis und damit Hanbaliten, die meisten deutschen Salafisten dürften ursprünglich Hanafiten (Türken) oder Malikiten (Nordafrika) sein und dann von dort zum Salafismus konvertieren oder nicht-muslimische Konvertiten sein. Dieser Abdul Adhim ist irgendwie ein malikitischer Salafist ^^. Daher halte ich das Argument für ziemlichen Quatsch.
e) Opposition zum Regime drückt sich weniger im Salafismus als in einem säkularen Ultra-Nationalismus aus, dass mag stimmen, heißt aber nicht, dass nicht doch ein Segmet sich dem Salafimus zuwendet.
im oben verlinkten Artikel wird das genaue Gegenteil behauptet, die Salafisten breiten sich im Iran über das Internet als Protestbewegung aus.
Under the Islamic Republic -- a regime that legitimizes the exclusive rule of the ayatollahs, makes Islamic law the main basis for legislation, and imposes it on all aspects of daily life -- many youths and other Iranians have turned away from Shiite convictions and embraced atheism, skepticism, Sufism, Sunni Islam, the Bahai faith, evangelical Christianity, Zoroastrianism, Buddhism, and New Age and Latin American mystical trends. Various regime organizations, including the Bureau of Religions and Sects in the Ministry of Intelligence, monitor these religious minorities and work against their proselytization efforts. Even Sufi circles -- which are officially Shiite -- face frequent repression.

In this environment, Salafism has rapidly spread all over the country through the internet, social media, and satellite television. In addition, various underground organizations offer training courses for young volunteers and run exchange programs to introduce Iranian Salafis to Arab Salafis in Saudi Arabia and elsewhere. This is one of the reasons why the regime does not allow Sunnis to build mosques in Tehran or other large cities -- it is deeply concerned about Salafis using them to recruit young Shiites who are frustrated with the Islamic Republic's ideology.

[...]

CONCLUSION

Many Iranian youths are disappointed in the Shiism professed by the regime and traditional clergy but wish to maintain their Islamic faith, leading them to convert to Salafism. The Muslim Brotherhood and other Salafi trends tend to focus on the unity of god and the desacralization of all human beings and worldly things -- a unique way of secularizing and rationalizing Islam in order to attract young students, especially those who study science. Unlike traditional Sunnis in Iran and Salafis elsewhere in the world, Iranian Salafis tend to question the Islamic Republic's religious legitimacy and purposefully exacerbate Sunni-Shiite tensions. To be sure, they do not share the global Salafist aspiration of taking over political power, knowing that any Islamic government in predominantly Shiite Iran would be a Shiite government. Yet Iranian Salafis are organizationally connected to potent groups in Saudi Arabia and other countries, and most of their ideology and funding comes from outside the Islamic Republic. Given these factors and the increasing resentment among Iran's Arab, Kurdish, and Baluch population, the growth of Salafism is a clear security threat to the regime.

http://www.washingtoninstitute.org/poli ... n-salafism

Am Ende ist es schwer das einzuschätzen ohne in direktem Kontakt mit Salafismus im Iran zu kommen bzw. Texte über einen solchen Kontakt zu haben. Dieser könnte vor allem über das Internet zustande kommen oder halt vor Ort...
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Re: ISIS verbreitet Angst und Schrecken

Beitragvon Kardux » Mo 20. Jun 2016, 19:21

Platon hat geschrieben:Er hatte schon ein paar gute Ideen, aber dieser zwanghafte Versuch nicht versehentlich eine Eulogie auf die IRI zu schreiben ist dem Text anzumerken. Der IS ist im Iran nicht verbreitet:
a) wegen der Internetzensur, das halte ich für völligen Quatsch, weil es problemlos möglich ist sie zu umgehen
b) weil es keine offene salafistische Mission gibt, wie in Deutschland, das mag ja sein, aber: http://www.washingtoninstitute.org/poli ... -salafism; das im Iran keine Missionierung der Schia erlaubt wäre, halte ich jetzt mal für ein Gerücht...
c) die sunnitischen Iraner sind die Gesellschaft integriert und daher nicht wie im Westen als Outsider gefährdet, siehe b)
d) Die Sunna im Iran ist hanafitisch/schafiitisch und die entsprechende religiöse Infrastruktur kooperiert mit der IRI... halte ich für kein Argument, weil die wenigsten Salafisten in Deutschland sind Saudis und damit Hanbaliten, die meisten deutschen Salafisten dürften ursprünglich Hanafiten (Türken) oder Malikiten (Nordafrika) sein und dann von dort zum Salafismus konvertieren oder nicht-muslimische Konvertiten sein. Dieser Abdul Adhim ist irgendwie ein malikitischer Salafist ^^. Daher halte ich das Argument für ziemlichen Quatsch.
e) Opposition zum Regime drückt sich weniger im Salafismus als in einem säkularen Ultra-Nationalismus aus, dass mag stimmen, heißt aber nicht, dass nicht doch ein Segmet sich dem Salafimus zuwendet.
im oben verlinkten Artikel wird das genaue Gegenteil behauptet, die Salafisten breiten sich im Iran über das Internet als Protestbewegung aus.


Der Schreiberling dieses Artikels kennt den eigentlichen Grund, möchte ihn aber nicht zu sehr vertiefen. Der einzige Grund weshalb der IS im Iran unter den dort lebenden Menschen keinen wirklichen Erfolg hat ist der Tatsache "geschuldet" das die absolute Mehrheit der Sunniten im Iran Kurden sind. Die Kurden haben sich nach den beiden Weltkriegen vollkommen vom politischen Islam abgewendet, da er im krassen Widerspruch zu der Nationalbewegung stand und steht (ich kann das anhand von historischen Beispielen weiter erläutern falls Interesse vorhanden ist). In allen vier Teilen Kurdistans gibt es keine einzige wichtige islamische Partei oder Bewegung die viele Anhänger hat oder im Befreiungskampf eine Rolle gespielt hat. Der letzte Kurdenführer im Iran der noch ein wenig gläubig war, war der Präsident der kurdischen Republik Mahabad, Ghazi Mohammed, und selbst er bündelte mit Stalin. Die politischen Führer der Kurden im Iran waren geprägt vom Marxismus (die Komala) oder waren moderate Sozialisten (so wie Ghassemlou, der Parteivorsitzende der PDK-I, der 1989 in Wien ermordet wurde).

Und, nein, die sunnitischen Iraner (=Kurden und Belutschen) sind nicht in der Gesellschaft integriert, sie werden doppelt diskriminiert, wegen ihrer Ethnie und dem Glauben.

Was meinen Sie eigentlich mit säkularen Ultra-Nationalismus? Versteh ich nicht.
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Re: ISIS verbreitet Angst und Schrecken

Beitragvon Ultra-tifosi » Mo 20. Jun 2016, 19:28

Kardux hat geschrieben:(20 Jun 2016, 20:21)

Der Schreiberling dieses Artikels kennt den eigentlichen Grund, möchte ihn aber nicht zu sehr vertiefen. Der einzige Grund weshalb der IS im Iran unter den dort lebenden Menschen keinen wirklichen Erfolg hat ist der Tatsache "geschuldet" das die absolute Mehrheit der Sunniten im Iran Kurden sind. Die Kurden haben sich nach den beiden Weltkriegen vollkommen vom politischen Islam abgewendet, da er im krassen Widerspruch zu der Nationalbewegung stand und steht (ich kann das anhand von historischen Beispielen weiter erläutern falls Interesse vorhanden ist). In allen vier Teilen Kurdistans gibt es keine einzige wichtige islamische Partei oder Bewegung die viele Anhänger hat oder im Befreiungskampf eine Rolle gespielt hat. Der letzte Kurdenführer im Iran der noch ein wenig gläubig war, war der Präsident der kurdischen Republik Mahabad, Ghazi Mohammed, und selbst er bündelte mit Stalin. Die politischen Führer der Kurden im Iran waren geprägt vom Marxismus (die Komala) oder waren moderate Sozialisten (so wie Ghassemlou, der Parteivorsitzende der PDK-I, der 1989 in Wien ermordet wurde).

Und, nein, die sunnitischen Iraner (=Kurden und Belutschen) sind nicht in der Gesellschaft integriert, sie werden doppelt diskriminiert, wegen ihrer Ethnie und dem Glauben.

Was meinen Sie eigentlich mit säkularen Ultra-Nationalismus? Versteh ich nicht.


ich stehe den Kurden ja wirklich mit viel Sympathie nahe, aber islamistische Bewegungen gibt es unter den Kurden durchaus (vor allem in der Türkei).
Die Hür Dava Partisi hat mehrere zehntausend bis hunderttausend Anhänger, damit ist sie zwar der PKK zahlenmäßig weit unterlegen, deren Sympathisanten in die Millionen geht, aber gerade in der Stadt Batman sind sie sehr stark vertreten....
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Re: ISIS verbreitet Angst und Schrecken

Beitragvon King Kong 2006 » Mo 20. Jun 2016, 19:45

Platon hat geschrieben:(20 Jun 2016, 19:46)

So wirklich viele Details gibt man aber auch nicht bekannt. Mal ganz ehrlich, wenn man weiß was man tut und nicht unbedingt die Absicht hat nach Hause zu kommen, sind auch Terroranschläge im Iran möglich. Nur haben sie halt für den IS keinen großen Nutzen, weil sie keinen konfessionellen Bürgerkrieg generieren werden und auch nicht für das Prestige bedeutsam sind wie im Westen. Es sei denn natürlich so ein richtig großer Anschlag mit Hunderten von Toten, mitten in Teheran. Ich glaube es lohnt einfach nur nicht und man ist nicht bereit gute Leute für so eine Aufgabe abzustellen, die das nötige Know-How haben.


Er hatte schon ein paar gute Ideen, aber dieser zwanghafte Versuch nicht versehentlich eine Eulogie auf die IRI zu schreiben ist dem Text anzumerken. Der IS ist im Iran nicht verbreitet:
a) wegen der Internetzensur, das halte ich für völligen Quatsch, weil es problemlos möglich ist sie zu umgehen
b) weil es keine offene salafistische Mission gibt, wie in Deutschland, das mag ja sein, aber: http://www.washingtoninstitute.org/poli ... -salafism; das im Iran keine Missionierung der Schia erlaubt wäre, halte ich jetzt mal für ein Gerücht...
c) die sunnitischen Iraner sind die Gesellschaft integriert und daher nicht wie im Westen als Outsider gefährdet, siehe b)
d) Die Sunna im Iran ist hanafitisch/schafiitisch und die entsprechende religiöse Infrastruktur kooperiert mit der IRI... halte ich für kein Argument, weil die wenigsten Salafisten in Deutschland sind Saudis und damit Hanbaliten, die meisten deutschen Salafisten dürften ursprünglich Hanafiten (Türken) oder Malikiten (Nordafrika) sein und dann von dort zum Salafismus konvertieren oder nicht-muslimische Konvertiten sein. Dieser Abdul Adhim ist irgendwie ein malikitischer Salafist ^^. Daher halte ich das Argument für ziemlichen Quatsch.
e) Opposition zum Regime drückt sich weniger im Salafismus als in einem säkularen Ultra-Nationalismus aus, dass mag stimmen, heißt aber nicht, dass nicht doch ein Segmet sich dem Salafimus zuwendet.
im oben verlinkten Artikel wird das genaue Gegenteil behauptet, die Salafisten breiten sich im Iran über das Internet als Protestbewegung aus.

http://www.washingtoninstitute.org/poli ... n-salafism

Am Ende ist es schwer das einzuschätzen ohne in direktem Kontakt mit Salafismus im Iran zu kommen bzw. Texte über einen solchen Kontakt zu haben. Dieser könnte vor allem über das Internet zustande kommen oder halt vor Ort...


Wie u.a. in dem verlinkten Bericht erwähnt, sind nicht unerhebliche Teile der sunnitischen Bevölkerung, wenn sie die militante Lösung bevorzugen eher ethnisch ansprechbar. Wenn wir die größten sunntischen Bevölkerungsgruppen nehmen, wie die Kurden und die Belutschen. Erstere sind im individuellen Falle sicher empfänglich, kanalisieren sich aber eher in einer ethnischen/politisch ideologischen Komponente. Z.B. der PJAK, der Schwesterpartei der PKK, obgleich es auch z.B. die Islamische Union Kurdistan gibt. Salafismus in Anlehnung zum IS oder Al-Qaida findet man dort weniger.

Bei den Belutschen sieht es etwas anders aus. Diese Volksgruppe lebt bekanntermaßen im Südwesten Irans und im Südosten Pakistans. Getrennt durch der Staatsgrenze beider Staaten. Das ist eine stammesorientierte Gesellschaft. Eine daraus hervorgegangene Gruppierung ist die Jundallah. Die neben dem Iran auch von den USA als Terrororganisation gelistet wird. Ihr wird die Nähe zur Al-Qaida und seit geraumer Zeit zum IS nachgesagt. Dort ist vermutlich das größte Potential bei der Rekrutierung vorhanden. Natürlich ist auch hier ein Verquickung zwischen organisierter Kriminalität, Stammesmachtpolitik und Proxiekriegsführung gegeben, mutmaßlich in Verbindungen zu Saudi-Arabien, Pakistan, Israel und den USA. Geostrategisch auch deshalb interessant, weil dort mit Indien zusammen ein Zugang zu Zentralasien entsteht. Desto unruhiger die Region, desto schwieriger die Umsetzung. Dasselbe gilt für den pakistanischen Teil auf der anderen Seite.

In beiden Regionen im Westen zur Türkei/Irak und im Osten zu Afghanistan/Pakistan gab es Auseinandersetzungen und Anschlägen. Im Falle der Kurden hatte es weniger einen Hintergrund durch sunnitischen Extremismus, im Osten sieht es etwas anders aus. Inwieweit im Falles der Belutschen die religiöse Komponente auch nur ein Feigenblatt der Machtpolitik vor Ort ist, ist die Frage. Im iranischen Kernland hat es lange keinen Anschlag gegeben. Ob es Sinn macht? Bei einem massiven Anschlag in Teheran kann der IS nur gewinnen. Wie im Falle Europas. Die Infrastruktur wäre meiner Meinung z.B. in Teheran durchaus gegeben. In der Großregion leben 15 Mio. Menschen. Ähnlich wie gesamten Vielvölkerland findet man dort zahlreiche Ethnien, auch Belutschen und Kurden.

Es ist nicht von der Hand zu weisen, daß in Europa, allen voran in GB, Frankreich, aber auch Deutschland weitaus offener missioniert werden kann. Von daher ist die Zensur im Iran, das gilt auch für Veranstaltungen und öffentlichem Auftreten auf jedenfall in der Wirkung anders einzuordnen als in Europa.
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Re: ISIS verbreitet Angst und Schrecken

Beitragvon SirToby » Mo 20. Jun 2016, 22:03

King Kong 2006 hat geschrieben:(20 Jun 2016, 20:45)

Wie u.a. in dem verlinkten Bericht erwähnt, sind nicht unerhebliche Teile der sunnitischen Bevölkerung, wenn sie die militante Lösung bevorzugen eher ethnisch ansprechbar. Wenn wir die größten sunntischen Bevölkerungsgruppen nehmen, wie die Kurden und die Belutschen. Erstere sind im individuellen Falle sicher empfänglich, kanalisieren sich aber eher in einer ethnischen/politisch ideologischen Komponente. Z.B. der PJAK, der Schwesterpartei der PKK, obgleich es auch z.B. die Islamische Union Kurdistan gibt. Salafismus in Anlehnung zum IS oder Al-Qaida findet man dort weniger.

Bei den Belutschen sieht es etwas anders aus. Diese Volksgruppe lebt bekanntermaßen im Südwesten Irans und im Südosten Pakistans. Getrennt durch der Staatsgrenze beider Staaten. Das ist eine stammesorientierte Gesellschaft. Eine daraus hervorgegangene Gruppierung ist die Jundallah. Die neben dem Iran auch von den USA als Terrororganisation gelistet wird. Ihr wird die Nähe zur Al-Qaida und seit geraumer Zeit zum IS nachgesagt. Dort ist vermutlich das größte Potential bei der Rekrutierung vorhanden. Natürlich ist auch hier ein Verquickung zwischen organisierter Kriminalität, Stammesmachtpolitik und Proxiekriegsführung gegeben, mutmaßlich in Verbindungen zu Saudi-Arabien, Pakistan, Israel und den USA. Geostrategisch auch deshalb interessant, weil dort mit Indien zusammen ein Zugang zu Zentralasien entsteht. Desto unruhiger die Region, desto schwieriger die Umsetzung. Dasselbe gilt für den pakistanischen Teil auf der anderen Seite.

In beiden Regionen im Westen zur Türkei/Irak und im Osten zu Afghanistan/Pakistan gab es Auseinandersetzungen und Anschlägen. Im Falle der Kurden hatte es weniger einen Hintergrund durch sunnitischen Extremismus, im Osten sieht es etwas anders aus. Inwieweit im Falles der Belutschen die religiöse Komponente auch nur ein Feigenblatt der Machtpolitik vor Ort ist, ist die Frage. Im iranischen Kernland hat es lange keinen Anschlag gegeben. Ob es Sinn macht? Bei einem massiven Anschlag in Teheran kann der IS nur gewinnen. Wie im Falle Europas. Die Infrastruktur wäre meiner Meinung z.B. in Teheran durchaus gegeben. In der Großregion leben 15 Mio. Menschen. Ähnlich wie gesamten Vielvölkerland findet man dort zahlreiche Ethnien, auch Belutschen und Kurden.

Es ist nicht von der Hand zu weisen, daß in Europa, allen voran in GB, Frankreich, aber auch Deutschland weitaus offener missioniert werden kann. Von daher ist die Zensur im Iran, das gilt auch für Veranstaltungen und öffentlichem Auftreten auf jedenfall in der Wirkung anders einzuordnen als in Europa.


Das soll aber schon heißen, im Südosten Irans und Südwesten Pakistans, oder? ;)
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