Staatenzerfall in Nahost? Die Ära nach Sykes-Picot

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Kardux
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Re: Staatenzerfall in Nahost? Die Ära nach Sykes-Picot

Beitragvon Kardux » Sa 25. Aug 2018, 02:10

King Kong 2006 hat geschrieben:Die USA sind mit Trump wohl endgültig ausgestiegen. Geld gibts auch nicht mehr für Syrien. Vielleicht kann Trump die Saudis noch "gewinnen" das zu bezahlen, was Teheran, Moskau und Ankara sich ausdenken.

Werden die wohl machen. Immerhin braucht der Prinz einen starken Paten im Rücken.


Und doch kontrollieren die USA 26 % Syriens. Mitunter sehr wichtige Gebiete...
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King Kong 2006
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Re: Staatenzerfall in Nahost? Die Ära nach Sykes-Picot

Beitragvon King Kong 2006 » Sa 25. Aug 2018, 09:03

Kardux hat geschrieben:(25 Aug 2018, 03:10)

Und doch kontrollieren die USA 26 % Syriens. Mitunter sehr wichtige Gebiete...


Richtig. Aber bei Kernthemen bzw. bei der weiteren Gestaltung sind die USA in dieser Situation nicht mehr maßgeblich.
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Re: Staatenzerfall in Nahost? Die Ära nach Sykes-Picot

Beitragvon Audi » Sa 25. Aug 2018, 11:04

King Kong 2006 hat geschrieben:(25 Aug 2018, 10:03)

Richtig. Aber bei Kernthemen bzw. bei der weiteren Gestaltung sind die USA in dieser Situation nicht mehr maßgeblich.

Und was will man denn da noch?
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King Kong 2006
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Re: Staatenzerfall in Nahost? Die Ära nach Sykes-Picot

Beitragvon King Kong 2006 » Sa 25. Aug 2018, 12:25

Audi hat geschrieben:(25 Aug 2018, 12:04)

Und was will man denn da noch?


Dasselbe wie Putin. Verhandlungsmasse. Trump wird versuchen mit der Präsenz im Osten zu wuchern.
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Re: Staatenzerfall in Nahost? Die Ära nach Sykes-Picot

Beitragvon Kardux » Mo 27. Aug 2018, 16:25

King Kong 2006 hat geschrieben:(25 Aug 2018, 10:03)

Richtig. Aber bei Kernthemen bzw. bei der weiteren Gestaltung sind die USA in dieser Situation nicht mehr maßgeblich.


Welche Kernthemen meinen Sie genau? Soweit ich informiert bin, haben die USA nicht vor die wichtigen Erdölgebiete Syriens abzugeben. Was dann das pervers zusammengewürfelte Triumvirat (Moskau, Teheran und Ankara) in endlosen Gipfeltreffen gestalten möchte ist mir schleierhaft.

Der Begriff "Gestalten" im Bezug auf die Kriegstreiber in Syrien (damit meine ich nicht nur das Russenlager, sondern auch den Westen und die Golfaraber) ist sowieso mehr als nur unpassend. In Syrien wird nichts gestaltet...
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Re: Staatenzerfall in Nahost? Die Ära nach Sykes-Picot

Beitragvon King Kong 2006 » Mo 27. Aug 2018, 18:01

Kardux hat geschrieben:(27 Aug 2018, 17:25)

Welche Kernthemen meinen Sie genau? Soweit ich informiert bin, haben die USA nicht vor die wichtigen Erdölgebiete Syriens abzugeben. Was dann das pervers zusammengewürfelte Triumvirat (Moskau, Teheran und Ankara) in endlosen Gipfeltreffen gestalten möchte ist mir schleierhaft.

Der Begriff "Gestalten" im Bezug auf die Kriegstreiber in Syrien (damit meine ich nicht nur das Russenlager, sondern auch den Westen und die Golfaraber) ist sowieso mehr als nur unpassend. In Syrien wird nichts gestaltet...


Die UN lädt jedenfalls ein. Irgendwas wird so oder so gestaltet. Ob man (wer auch immer) es mag oder nicht.

Die USA haben in Sachen Assad zur Zeit keine Handhabung. Das ist ein Kernthema. Die Russen verschwinden nicht aus Syrien, Iran auch nicht (Syrien und Iran haben jüngst die Zusammenarbeit bestätigt und kündigen eine massive Vertiefung an). Assad verschwindet auch nicht. Und wenn er mal einen Herzinfarkt bekommt, dann kommen seine nächsten Nachfolger. Aus seinem Umfeld. Denke, das da die Beteiligten sicher schon Vorstellungen haben. Ich sehe da keine signifikante Intervention der USA. Das sie nicht ungerne in den Erdölgebieten sitzen kann man verstehen. Angeblich hat Trump ja angeboten die Präsenz im Osten Syriens in größerer Form dafür aufzugeben, wenn der Iran sich im Südwesten Syrien zurückzieht. Durch die brilliante Politik des TV-Stars gegebenüber Iran, hat man jetzt wohl komplett dichtgemacht. Jedenfalls ist mir kein iranischer Abzug oder us-amerikanischer Abzug bekannt. Man hofft wohl in Teheran (und nicht nur da), daß den USA ähnlich wie im Irak die Puste irgendwann in Syrien ausgeht. Jedenfalls dort massiv vertreten zu sein.

Die Frage wird lauten, wie mit den von der YPG/PKK/PJAK kontrollierten Gebieten die Entwicklung weitergeht. Ich kann mir vorstellen, daß sunnitische Gruppen und Syrien und die Türkei das nicht abgehakt haben. Zumal dieses Gebiet ganz deutlich über kurdisches Gebiet hinausgeht. Wie lange die USA sich dort halten können ist eine entscheidende Frage. Ähnlich wie im Irak, aus dem sie praktisch abgezogen sind.
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Re: Staatenzerfall in Nahost? Die Ära nach Sykes-Picot

Beitragvon Kardux » Fr 31. Aug 2018, 14:32

King Kong 2006 hat geschrieben:Die UN lädt jedenfalls ein. Irgendwas wird so oder so gestaltet. Ob man (wer auch immer) es mag oder nicht.


Ich verstehe den Begriff "Gestalten" als konstruktiv und positiv. Sowas erkenne ich in Syrien nicht, auch nicht an den Verhandlungstischen außerhalb Syriens.

King Kong 2006 hat geschrieben:Die USA haben in Sachen Assad zur Zeit keine Handhabung. Das ist ein Kernthema. Die Russen verschwinden nicht aus Syrien, Iran auch nicht (Syrien und Iran haben jüngst die Zusammenarbeit bestätigt und kündigen eine massive Vertiefung an). Assad verschwindet auch nicht. Und wenn er mal einen Herzinfarkt bekommt, dann kommen seine nächsten Nachfolger. Aus seinem Umfeld. Denke, das da die Beteiligten sicher schon Vorstellungen haben. Ich sehe da keine signifikante Intervention der USA.


Der Verbleib Assads steht seit einigen Jahren nicht mehr zur Diskussion. Nachdem die Russen bereit waren höchstpersönlich in Syrien zu intervenieren, war es allen Assad-Gegnern klar, dass der Diktator nicht mehr zu stürzen ist. Ich widerspreche der Tatsache auch nicht, dass Russland und der Iran Stand heute, als Sieger aus dem Konflikt hervorgegangen sind. Die Realität sieht aber so aus, dass die USA nicht komplett aus dem Spiel heraus sind. Und ob das Triumvirat nun eine irrelevante und ziellose Konferenz zur Zukunft Syriens nach der anderen veranstaltet ist im Bezug auf die Rolle der USA nicht von Bedeutung. Der Angriff auf Idlib zeigt doch ein ums andere mal, dass das Triumvirat wegen der konträren Interessen auf Dauer nichts auf die Beine stellen kann. Die "abgedrängten" USA (wie Sie es hinstellen), lachen doch nur über das Verhältnis der Russen und der Türken. Natürlich hat Putin, Erdo ein paar Knochen hingeworfen (Efrîn u.a.), aber ob sich Letzterer damit zufrieden geben kann ist fraglich. Abgesehen davon hat die Türkei ein viel größeres Problem mit dem Verbleib Assads als die USA. Und ja, die Türkei wird auch einen alawitischen Nachfolger Assads nicht gutheißen. Deshalb hinterfrage ich den von Ihnen verwendeten Begriff - Gestalten. Die Türkei hat von Anfang an versucht das beste aus diesem Konflikt für sich herauszuholen. Ziel war es, Assad zu stürzen, sunnitische Marionetten in Damaskus zu installieren die den Muslimbrüdern nahestehen. Nebenbei sollten Kurden und andere Minderheiten in Syrien aufgerieben werden. Diese Ziele wurden nur teils realisiert. Statt die Kontrolle über ganz Syrien via Marionetten in Damaskus zu erlangen, konnte man sich nun zwei Provinzen in Syrien einverleiben. Man schielt wohl auf mehr. Abwarten. Auf der anderen Seite möchte Russland einen abhängigen Assad auf dem Thron, der am besten die Kontrolle über ganz Syrien wiedererlangt. Der Iran möchte auch einen schwachen Assad, den sie nach Belieben lenken. Ganz Syrien soll ihr Hinterland werden. Wie soll das aber auf Dauer mit der Türkei vereinbar sein? Nicht einmal Russland wird langfristig die Shia-Jihadisten Irans gutheißen können, die sich in ganz Syrien festsetzen.

King Kong 2006 hat geschrieben:Das sie nicht ungerne in den Erdölgebieten sitzen kann man verstehen.


Das ist nett umschrieben. Die Realität sieht so aus, dass die USA einen nicht unwichtigen Teil Syriens kontrollieren, während man aus Teheran immer wieder Märchen (die Sie hier gerne wiederholen) vom Abzug und Niedergang der USA in der Region hört - realitätsfremd ist das.

King Kong 2006 hat geschrieben:Man hofft wohl in Teheran (und nicht nur da), daß den USA ähnlich wie im Irak die Puste irgendwann in Syrien ausgeht. Jedenfalls dort massiv vertreten zu sein...Wie lange die USA sich dort halten können ist eine entscheidende Frage. Ähnlich wie im Irak, aus dem sie praktisch abgezogen sind.


Zwischen Hoffnung und Realität liegen Welten (ich weiß wovon ich spreche). Fakt ist nunmal, dass die USA weder aus Syrien geschweigedenn aus dem Irak abgezogen sind. Im Irak sitzt sogar ihr Mann (Abadi) auf dem Thron. Seit Mai 2018 liefern sich die USA und der Iran einen Kampf um die Kontrolle Baghdads. Nachdem der Wahlausgang keinen der beiden Ländern gepasst hat (Sadr als Wahlsieger), sieht es wohl so aus als ob Abadi erneut PM werden könnte. Der Iran hingegen bevorzugt Amiri oder Maliki. Mir ist natürlich bewusst, dass der Iran über kurz oder lang am längeren Ast sitzt, aber den USA ist (zum Leidwesen der Kurden) noch lange nicht die Puste in Baghdad ausgegangen. In Basra gibt es noch viel zu holen (und damit meine ich nicht die irakische Zivilbevölkerung). Die USA sind weder theoretisch noch praktisch aus dem Irak abgezogen. So schnell werden die USA die Region auch nicht verlassen. Wenn die USA erstmal aus der Region abgezogen sind, wird es schon lange keine IRI mehr geben...beides wäre wünschenswert...

King Kong 2006 hat geschrieben:Die Frage wird lauten, wie mit den von der YPG/PKK/PJAK kontrollierten Gebieten die Entwicklung weitergeht. Ich kann mir vorstellen, daß sunnitische Gruppen und Syrien und die Türkei das nicht abgehakt haben. Zumal dieses Gebiet ganz deutlich über kurdisches Gebiet hinausgeht.


Vieles ist in Syrien, im Irak und im ganzen Nahen Osten nicht abgehakt. Davon können gerade wir Kurden ein Lied singen - speziell wenn es um Gebiete geht, die über die eigenen Siedlungsgebiete hinausgehen. Türken, Perser und sunnitische Araber sind die Letzten die diesbezüglich den Finger auf Andere zeigen sollten. Es war auch nicht die Idee der PKK Raqqa und andere nicht-kurdische Gebiete zu erobern/befreien. Wer sonst hätte es aber tun sollen? Etwa der Terrorpate Türkei?

Das die PKK in Nordsyrien/Westkurdistan von den USA fallengelassen werden kann, ist ein sehr realistisches Szenario. Das mag zwar stimmen. Aber das setzt nicht voraus, dass die USA abziehen werden - im Gegenteil.
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Re: Staatenzerfall in Nahost? Die Ära nach Sykes-Picot

Beitragvon King Kong 2006 » Fr 31. Aug 2018, 16:40

Kardux hat geschrieben:(31 Aug 2018, 15:32)

Ich verstehe den Begriff "Gestalten" als konstruktiv und positiv. Sowas erkenne ich in Syrien nicht, auch nicht an den Verhandlungstischen außerhalb Syriens.



Der Verbleib Assads steht seit einigen Jahren nicht mehr zur Diskussion. Nachdem die Russen bereit waren höchstpersönlich in Syrien zu intervenieren, war es allen Assad-Gegnern klar, dass der Diktator nicht mehr zu stürzen ist. Ich widerspreche der Tatsache auch nicht, dass Russland und der Iran Stand heute, als Sieger aus dem Konflikt hervorgegangen sind. Die Realität sieht aber so aus, dass die USA nicht komplett aus dem Spiel heraus sind. Und ob das Triumvirat nun eine irrelevante und ziellose Konferenz zur Zukunft Syriens nach der anderen veranstaltet ist im Bezug auf die Rolle der USA nicht von Bedeutung. Der Angriff auf Idlib zeigt doch ein ums andere mal, dass das Triumvirat wegen der konträren Interessen auf Dauer nichts auf die Beine stellen kann. Die "abgedrängten" USA (wie Sie es hinstellen), lachen doch nur über das Verhältnis der Russen und der Türken. Natürlich hat Putin, Erdo ein paar Knochen hingeworfen (Efrîn u.a.), aber ob sich Letzterer damit zufrieden geben kann ist fraglich. Abgesehen davon hat die Türkei ein viel größeres Problem mit dem Verbleib Assads als die USA. Und ja, die Türkei wird auch einen alawitischen Nachfolger Assads nicht gutheißen. Deshalb hinterfrage ich den von Ihnen verwendeten Begriff - Gestalten. Die Türkei hat von Anfang an versucht das beste aus diesem Konflikt für sich herauszuholen. Ziel war es, Assad zu stürzen, sunnitische Marionetten in Damaskus zu installieren die den Muslimbrüdern nahestehen. Nebenbei sollten Kurden und andere Minderheiten in Syrien aufgerieben werden. Diese Ziele wurden nur teils realisiert. Statt die Kontrolle über ganz Syrien via Marionetten in Damaskus zu erlangen, konnte man sich nun zwei Provinzen in Syrien einverleiben. Man schielt wohl auf mehr. Abwarten. Auf der anderen Seite möchte Russland einen abhängigen Assad auf dem Thron, der am besten die Kontrolle über ganz Syrien wiedererlangt. Der Iran möchte auch einen schwachen Assad, den sie nach Belieben lenken. Ganz Syrien soll ihr Hinterland werden. Wie soll das aber auf Dauer mit der Türkei vereinbar sein? Nicht einmal Russland wird langfristig die Shia-Jihadisten Irans gutheißen können, die sich in ganz Syrien festsetzen.



Das ist nett umschrieben. Die Realität sieht so aus, dass die USA einen nicht unwichtigen Teil Syriens kontrollieren, während man aus Teheran immer wieder Märchen (die Sie hier gerne wiederholen) vom Abzug und Niedergang der USA in der Region hört - realitätsfremd ist das.



Zwischen Hoffnung und Realität liegen Welten (ich weiß wovon ich spreche). Fakt ist nunmal, dass die USA weder aus Syrien geschweigedenn aus dem Irak abgezogen sind. Im Irak sitzt sogar ihr Mann (Abadi) auf dem Thron. Seit Mai 2018 liefern sich die USA und der Iran einen Kampf um die Kontrolle Baghdads. Nachdem der Wahlausgang keinen der beiden Ländern gepasst hat (Sadr als Wahlsieger), sieht es wohl so aus als ob Abadi erneut PM werden könnte. Der Iran hingegen bevorzugt Amiri oder Maliki. Mir ist natürlich bewusst, dass der Iran über kurz oder lang am längeren Ast sitzt, aber den USA ist (zum Leidwesen der Kurden) noch lange nicht die Puste in Baghdad ausgegangen. In Basra gibt es noch viel zu holen (und damit meine ich nicht die irakische Zivilbevölkerung). Die USA sind weder theoretisch noch praktisch aus dem Irak abgezogen. So schnell werden die USA die Region auch nicht verlassen. Wenn die USA erstmal aus der Region abgezogen sind, wird es schon lange keine IRI mehr geben...beides wäre wünschenswert...



Vieles ist in Syrien, im Irak und im ganzen Nahen Osten nicht abgehakt. Davon können gerade wir Kurden ein Lied singen - speziell wenn es um Gebiete geht, die über die eigenen Siedlungsgebiete hinausgehen. Türken, Perser und sunnitische Araber sind die Letzten die diesbezüglich den Finger auf Andere zeigen sollten. Es war auch nicht die Idee der PKK Raqqa und andere nicht-kurdische Gebiete zu erobern/befreien. Wer sonst hätte es aber tun sollen? Etwa der Terrorpate Türkei?

Das die PKK in Nordsyrien/Westkurdistan von den USA fallengelassen werden kann, ist ein sehr realistisches Szenario. Das mag zwar stimmen. Aber das setzt nicht voraus, dass die USA abziehen werden - im Gegenteil.


Ich sehe eben die Tendenz. Man muß "die Präsenz" auch daran festmachen, wie groß die Interventionsmöglichkeiten - hier der USA - sind. Und von der massiven Truppenstationierung im Irak seinerzeit, bis hin zum heutigen Tag, ist das klar sichtbar. Das hat nichts mit der offiziellen Haltung Irans zu tun. Ganz im Gegenteil. Teheran wird nicht müde die ständige Präsenz der USA in der Region zu betonen! Die Gefährlichkeit. Ähnlich wie mit dem Iran argumentiert wird, sprich, die US-Präsenz und Waffenverkäufe begründet werden, so argumentiert Teheran mit der Präsenz der USA und ihren Möglichkeiten, deren Interventionen. Ich sehe das schon etwas anders. Anders als beide...

Seit dem Kalten Krieg haben die USA erheblichen Einfluß verloren. Das beklagte der Rechtsaußen John Bolten damit, das er es bedauert, daß die USA nicht mehr in der Lage sind Regierungen zu stürzen (siehe Operation Ajax). Das war mal. Ob die USA real und praktisch so etwas wie den Irak-Krieg wiederholen können, zur Interessendurchsetzung, ist erheblich zu bezweifeln. Schon im Falle Syriens sieht man, das sie dazu nicht mehr Willens sind.

Mit "Niedergang", was ich als Wort gar nicht benutze, ist wohl vielmehr gemeint, daß die USA nicht mehr Willens oder in der Lage sind so zu operieren wie vor Jahrzehnten. Das sind Tendenzen. Gilt auch für die koreanische Halbinsel. Die USA können wie in den 50s noch einmal versuchen da mit Truppen einzumarschieren. Gegen "NK" und China seinerzeit. Das war schon in den 50s sehr grenzwertig. Das ist nicht besser geworden. Das ist gar nicht mehr wiederholbar! Das sind Tendenzen und kein "Niedergang".
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Re: Staatenzerfall in Nahost? Die Ära nach Sykes-Picot

Beitragvon King Kong 2006 » Mi 12. Sep 2018, 18:34

In dem "Sykes-Picot Raum", hier Syrien und Irak hat es durch die Not zu Bündnissen geführt.

Syrische Christen melden Islamistenangriff in Maharda

Raketen gegen Kleinstadt an der Frontlinie: neun Zivilisten getötet


Die südlich der Frontlinie zwischen der syrischen Armee und den islamistischen Milizen liegende Kleinstadt Maharda wurde vor wenigen Tagen Ziel eines Raketenangriffs der in Idlib verschanzten Islamisten, berichtete die Stiftung Pro Oriente am Dienstag laut Kathpress.

Dabei wurden in der ausschließlich von griechisch-orthodoxen Christen und einer evangelisch-presbyterianischen Minderheit bewohnten Stadt neun Menschen getötet; darunter drei Kinder, deren Mutter und Großmutter. Mehr als 20 Personen wurden verletzt.

Niemand habe mit einem Angriff gerechnet. Beim kirchlichen Begräbnis seien tausende Menschen aus der Stadt und der Umgebung anwesend gewesen, so Pro Oriente. Weit über Maharda hinaus herrsche Verbitterung, dass der Westen bzw. die USA im Besonderen auf diesen Angriff in keiner Weise reagiert hätten. Die Menschen fühlten sich verraten.


Russen bombardieren Angreifer

"Wenn das Blut von Christen fließt, kümmert das niemanden", so die weitverbreitete Einstellung. Russische Flugzeuge bombardierten hingegen jenen Ort im Islamistengebiet, von dem aus der Angriff erfolgt sein soll.


Maharda hat auch eine hohe religiöse Bedeutung, weil nach der Tradition die Gottesmutter Maria einige Zeit in einem Haus verbrachte, das heute eine kleine Kirche neben dem Hauptplatz ist. Wie in Russland während des Zweiten Weltkriegs würden derzeit auch in Maharda Marien-Ikonen in allen vier Himmelsrichtungen ausgelegt, um das Städtchen vor den Feinden zu schützen, berichtete Pro Oriente.

derstandard.at/2000087157333/Syrische-Christen-melden-Islamisten-Angriff-in-Maharda


Es gibt mehrere unterschiedliche Schnittmengen in der Region. Im Kampf gegen den IS (aber auch Al-Qaida, FSA usw.) besonders deshalb in Syrien, aber auch in Teilen Iraks, haben sich die Minderheiten, also keine Sunniten, in verschiedenen Bündnissen bzw. Interessengruppen in der Verteidigung zusammengeschlossen. D.h. Alawiten, verschiedene christliche Konfessionen, schiitische Turkmenen, Kurden u.a. Sie haben z.T. auch gegensätzliche Interessen und Haltungen. Was sie aber verbindet, auch gerade christliche Milizen an der Seite der syrischen Armee ist der Kampf gegen die Opposition. Die Zusammenarbeit christlicher Einheiten und Politiker mit der libanesischen Hezbollah sind bekannt.

Im Falle des russischen Angriffs auf Stellungen der Opposition, die das christliche Dorf in Syrien angegriffen haben oder im Falle Irans, das z.B. die Entsetzung des turkmenischen Dorfes Amrili im Irak anführte (es drohte ein Massaker) sind Beispiele, wie sehr die Minderheiten in der Region auf Hilfe angewiesen sind.

The Siege of Amirli was a siege of the predominantly Shi'ite Turkmen town of Amirli in Iraq by the Islamic State of Iraq and the Levant (ISIS) during the 2014 Iraq conflict. The town was besieged by ISIS forces from June 2014, lacking access to food, electricity, and water. Most the residents are Shia Turkmen, who have organized local self-defense militias to fight against ISIS.[13] On August 31, the Iraqi military reportedly broke the siege and entered the town.[14][15] It has been described as "Iraq's Biggest Victory Against ISIS", as of September 2014.[9]

Iran had reportedly played a "military planning" role in breaking Siege of Amirli.[3]

https://en.wikipedia.org/wiki/Siege_of_Amirli
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