Staatenzerfall in Nahost? Die Ära nach Sykes-Picot

Moderator: Moderatoren Forum 3

Benutzeravatar
zollagent
Beiträge: 55045
Registriert: Mo 8. Aug 2011, 11:21

Re: Staatenzerfall in Nahost? Die Ära nach Sykes-Picot

Beitragvon zollagent » Mo 30. Jul 2018, 18:43

King Kong 2006 hat geschrieben:(21 Jun 2018, 22:13)

Kurdische Kräfte müssen sich aus der Region Manbij zurückziehen. Der kurdische Waffenbruder der USA wird von türkischen Einheiten ersetzt. Syrien soll erhalten bleiben.





Moskau, Teheran und Ankara knobeln derweil um das Prozedere einer syrischen Verfassung.

Das sind ja dann auch genau die Richtigen! Für mich so ähnlich, als wenn man die Autobosse über die Prüfungen der Abgasnormen entscheiden lassen würde.
Wer an Absurditäten glaubt, wird Abscheulichkeiten begehen. (Voltaire)
Benutzeravatar
King Kong 2006
Beiträge: 4939
Registriert: Di 3. Jun 2008, 10:41
Benutzertitel: Kongenial

Re: Staatenzerfall in Nahost? Die Ära nach Sykes-Picot

Beitragvon King Kong 2006 » Mo 30. Jul 2018, 20:18

zollagent hat geschrieben:(30 Jul 2018, 19:43)

Das sind ja dann auch genau die Richtigen! Für mich so ähnlich, als wenn man die Autobosse über die Prüfungen der Abgasnormen entscheiden lassen würde.


Natürlich kann das in der Konstellation einseitig sein. Aber irgendwie sind die USA und damit der Westen raus. Der Kraftakt im Irak und Afghanistan hat offenbar Spuren hinterlassen.
Wenn man zuviel weiß, wird es immer schwieriger, einfache Entscheidungen zu treffen.
Wissen stellt eine Barriere dar, die einen daran hindert, etwas in Erfahrung zu bringen.
- Frank Herbert, Die Kinder des Wüstenplaneten
Benutzeravatar
zollagent
Beiträge: 55045
Registriert: Mo 8. Aug 2011, 11:21

Re: Staatenzerfall in Nahost? Die Ära nach Sykes-Picot

Beitragvon zollagent » Mo 30. Jul 2018, 22:32

King Kong 2006 hat geschrieben:(30 Jul 2018, 21:18)

Natürlich kann das in der Konstellation einseitig sein. Aber irgendwie sind die USA und damit der Westen raus. Der Kraftakt im Irak und Afghanistan hat offenbar Spuren hinterlassen.

Was da zusammenkommen wird, wird eine Verfassung für eine weitere Diktatur sein. Und damit auch eine Fortsetzung des Konflikts. Ob der Westen nun "drin" ist, oder nicht, ist hierbei vollkommen irrelevant. Eigentlich bin ich froh darüber, daß "der Westen" sich hier nicht am Verkauf eines ganzen Volkes beteiligt.
Wer an Absurditäten glaubt, wird Abscheulichkeiten begehen. (Voltaire)
Benutzeravatar
King Kong 2006
Beiträge: 4939
Registriert: Di 3. Jun 2008, 10:41
Benutzertitel: Kongenial

Re: Staatenzerfall in Nahost? Die Ära nach Sykes-Picot

Beitragvon King Kong 2006 » Mo 30. Jul 2018, 22:57

zollagent hat geschrieben:(30 Jul 2018, 23:32)

Was da zusammenkommen wird, wird eine Verfassung für eine weitere Diktatur sein. Und damit auch eine Fortsetzung des Konflikts. Ob der Westen nun "drin" ist, oder nicht, ist hierbei vollkommen irrelevant. Eigentlich bin ich froh darüber, daß "der Westen" sich hier nicht am Verkauf eines ganzen Volkes beteiligt.


Kann man so sehen, wobei auch eine größere Partizipation des Westens kein Garant für einen Rechtsstaat wäre. Das ist der Irak nicht geworden. Libyen, oder Afghanistan. Alles Länder mit massiver westlicher Intervention. Syrien würde auch nicht anders laufen. Grundsätzlich gibt und gab es ja auch vom Westen zu totalitären Staaten hervorragende Beziehungen. Saudi-Arabien, der Kaiserliche Iran, China uvm.

Syrien gibt es von der Substanz nicht her. Moralisch kann man es so sehen an dem Aufbau einer neuen/alten Diktatur nicht beteiligt zu sein. Geopolitisch ist das aber schlecht. Weil es dem Westen Einfluß kostet. Es ist keine pro-westliche Diktatur.
Wenn man zuviel weiß, wird es immer schwieriger, einfache Entscheidungen zu treffen.
Wissen stellt eine Barriere dar, die einen daran hindert, etwas in Erfahrung zu bringen.
- Frank Herbert, Die Kinder des Wüstenplaneten
Benutzeravatar
zollagent
Beiträge: 55045
Registriert: Mo 8. Aug 2011, 11:21

Re: Staatenzerfall in Nahost? Die Ära nach Sykes-Picot

Beitragvon zollagent » Di 31. Jul 2018, 09:16

King Kong 2006 hat geschrieben:(30 Jul 2018, 23:57)

Kann man so sehen, wobei auch eine größere Partizipation des Westens kein Garant für einen Rechtsstaat wäre. Das ist der Irak nicht geworden. Libyen, oder Afghanistan. Alles Länder mit massiver westlicher Intervention. Syrien würde auch nicht anders laufen. Grundsätzlich gibt und gab es ja auch vom Westen zu totalitären Staaten hervorragende Beziehungen. Saudi-Arabien, der Kaiserliche Iran, China uvm.

Syrien gibt es von der Substanz nicht her. Moralisch kann man es so sehen an dem Aufbau einer neuen/alten Diktatur nicht beteiligt zu sein. Geopolitisch ist das aber schlecht. Weil es dem Westen Einfluß kostet. Es ist keine pro-westliche Diktatur.

Ich mag diese Aufteilung in "Pro-Westlich" und "Westfeindlich" nicht. Diktaturen sind vor allem auf Selbsterhalt bedacht. Und wechseln auch mal die Fronten. Ich mag GAR KEINE Diktatur.
Wer an Absurditäten glaubt, wird Abscheulichkeiten begehen. (Voltaire)
Benutzeravatar
King Kong 2006
Beiträge: 4939
Registriert: Di 3. Jun 2008, 10:41
Benutzertitel: Kongenial

Re: Staatenzerfall in Nahost? Die Ära nach Sykes-Picot

Beitragvon King Kong 2006 » Mi 1. Aug 2018, 07:28

zollagent hat geschrieben:(31 Jul 2018, 10:16)

Ich mag diese Aufteilung in "Pro-Westlich" und "Westfeindlich" nicht. Diktaturen sind vor allem auf Selbsterhalt bedacht. Und wechseln auch mal die Fronten. Ich mag GAR KEINE Diktatur.


Ich glaube nur, daß die Staaten mit dieser Einstellung nicht operieren.
Wenn man zuviel weiß, wird es immer schwieriger, einfache Entscheidungen zu treffen.
Wissen stellt eine Barriere dar, die einen daran hindert, etwas in Erfahrung zu bringen.
- Frank Herbert, Die Kinder des Wüstenplaneten
Benutzeravatar
zollagent
Beiträge: 55045
Registriert: Mo 8. Aug 2011, 11:21

Re: Staatenzerfall in Nahost? Die Ära nach Sykes-Picot

Beitragvon zollagent » Mi 1. Aug 2018, 07:50

Das nukleare Rennen im Nahen Osten scheint begonnen zu haben.
Wer an Absurditäten glaubt, wird Abscheulichkeiten begehen. (Voltaire)
Benutzeravatar
King Kong 2006
Beiträge: 4939
Registriert: Di 3. Jun 2008, 10:41
Benutzertitel: Kongenial

Re: Staatenzerfall in Nahost? Die Ära nach Sykes-Picot

Beitragvon King Kong 2006 » Mi 1. Aug 2018, 12:26

Daraus ganz interessant:

Erdogan droht Netanjahu

Dazu kommt: Im April verurteilte Erdogan das Vorgehen des israelischen Ministerpräsidenten Benjamin Netanjahu im Gazastreifen scharf, bezeichnete Israel als “Terrorstaat“ und warnte, dass Netanjahu bloß nicht mit dem Nuklearwaffenarsenal seines Landes protzen solle – dieses würde nämlich bei Zeiten “unwirksam gemacht werden”.

In einem Interview mit der BBC einen Monat später wurde der türkische Präsident auf die internationale Kritik am Nuklearprogramm des Iran angesprochen. Dabei verteidigte Erdogan das Recht Teherans auf die Beschaffung von Nuklearwaffen.

Erdogan erklärte: Sollten andere Atommächte sich weigern, ihre eigenen Arsenale ebenfalls aufzugeben, müsse den Iranern ein solches Recht zugestanden werden.


Einen Start sehe ich darin nicht. Israel hat seit Jahrzehnten ein Atomwaffenarsenal. Pakistan auch, wenn man es mal regional dazurechnet. Zumal die Saudis darin ihre Finger haben sollen.

Die Türkei hat die nukleare Teilhabe im Rahmen der NATO-Mitgliedschaft. Es sind keine türkischen Nukes, auch obliegt die Befehlsgewalt nicht Ankara. Das Erdogan die Türkei anders positionieren will, kann natürlich auch die Frage nach türkischen Atomwaffen aufwerfen. Dies ist jedoch aufgrund des NPT verboten. Die Türkei wird aber ähnlich wie Brasilien, Südkorea, Argentinien, Iran, Japan, Deutschland uvm. eine break-out capability im Rahmen der Weiterentwicklung der Kerntechnik erlangen. Gleiches könnte übrigens auch der Weg Ägyptens sein. Das Atomprogramm ist dort alt. Neue Technik ist wohl bereits in Russland bestellt. Gilt auch für Algerien und sein Atomprogramm. Auffällig bereits seit 1983. Wenn sich der Irak mal wieder berappeln sollte, wäre das ein weiterer Kandidat, der wieder Nuklear einsteigen könnte.

Interessant ist, das Erdogan den Iran nennt. Tatsächlich ist es wohl in dem Fall ein Synonym für die Türkei.
Wenn man zuviel weiß, wird es immer schwieriger, einfache Entscheidungen zu treffen.
Wissen stellt eine Barriere dar, die einen daran hindert, etwas in Erfahrung zu bringen.
- Frank Herbert, Die Kinder des Wüstenplaneten
Benutzeravatar
zollagent
Beiträge: 55045
Registriert: Mo 8. Aug 2011, 11:21

Re: Staatenzerfall in Nahost? Die Ära nach Sykes-Picot

Beitragvon zollagent » Mi 1. Aug 2018, 17:29

Wie auch immer, es greifen Staaten nach Kernwaffen, denen man besser nichts geben sollte, was schärfer ist als ein Plastikmesser. Vielleicht werden sie diese Atomkapazitäten nicht gerade gegen Russland oder die NATO einsetzen, aber daß Kernwaffen bei Auseinandersetzungen untereinander fallen würden, ist bei Kandidaten wie Assad, der ja vor Massenvernichtswaffeneinsatz nicht zurückschreckt, wie er schon gezeigt hat oder Erdogan, die Mullahs nicht zu vergessen, sehr wahrscheinlich. Und daß Terroristen dann irgendwann eine solche Bombe bekommen, dürfte auch nicht wirklich weit hergeholt sein.
Wer an Absurditäten glaubt, wird Abscheulichkeiten begehen. (Voltaire)
Benutzeravatar
King Kong 2006
Beiträge: 4939
Registriert: Di 3. Jun 2008, 10:41
Benutzertitel: Kongenial

Re: Staatenzerfall in Nahost? Die Ära nach Sykes-Picot

Beitragvon King Kong 2006 » Mi 1. Aug 2018, 20:59

zollagent hat geschrieben:(01 Aug 2018, 18:29)

Wie auch immer, es greifen Staaten nach Kernwaffen, denen man besser nichts geben sollte, was schärfer ist als ein Plastikmesser. Vielleicht werden sie diese Atomkapazitäten nicht gerade gegen Russland oder die NATO einsetzen, aber daß Kernwaffen bei Auseinandersetzungen untereinander fallen würden, ist bei Kandidaten wie Assad, der ja vor Massenvernichtswaffeneinsatz nicht zurückschreckt, wie er schon gezeigt hat oder Erdogan, die Mullahs nicht zu vergessen, sehr wahrscheinlich. Und daß Terroristen dann irgendwann eine solche Bombe bekommen, dürfte auch nicht wirklich weit hergeholt sein.


Es ist natürlich hypothetisch, aber ein A-Waffeneinsatz ist etwas, davor schrecken sogar Pakistan, Indien, die Sowjetunion/Russland oder Nordkorea zurück.

Meist werden Massenvernichtungswaffen (A-Waffen meine ich damit nicht) gegen Staaten oder Zivilisten eingesetzt, die damit nicht kontern können. Z.B. Saddam gegen seine eigene Bevölkerung oder gegen den Iran. Da fehlte die Abschreckung. Assad besitzt vermutlich viel schlimmere Waffen als das Chlorgas (z.B. Sarin, VX oder im Bio-Bereich Botulin und Anthrax). Er wird sich hüten die z.B. gegen US-Truppen, die Türkei oder Israel einzusetzen. Mir ist nicht bekannt, das er die eingesetzt hat. Zumindest besaß er sie oder hat sie immer noch. Der Iran hat heute sicher die technologlischen Möglichkeiten für massiven B- und C-Waffeneinsatz und die Fähigkeiten zur A-Bombe. Im viel größeren Maßstab als Syrien oder damals Irak. Das gibt einfach die Biotech-Industrie im Iran her. Oder die Atomindustrie. Eingesetzt hat er diese Fähigkeiten wohlweislich nicht. Schon gar nicht gegen Israel oder den USA.

Terroristen könnten vermutlich eher an so etwas wie schmutzige A-Waffen herankommen. Einen Atomsprengkopf müssten sie klauen. Ob sie den überhaupt einsetzen können wäre sehr fraglich. Ohne Codes und Startmechanismen praktisch unbrauchbar. Dennoch ist dies sicher ein Grund, weshalb man z.B. Pakistan schützt und den Iran in Ruhe lässt. Im Kriegsfall könnten viele Dinge außer Kontrolle geraten. Wenn dann im Chaos und möglichen Zusammenbruch der Sicherheitsprotokolle Bestandteile von Hardware und Know-How "verschwinden" und in falsche Hände geraten, hat man sicher ein Problem.

Staaten, die sich technologisch weiterentwickeln werden automatisch in der Lage sein entsprechendes Know-How auch bei Bedarf militärisch zu nutzen. Die wenigsten trauen sich aber diese einzusetzen. IS oder Al-Qaida würde ich das zutrauen. Weniger, weil sie unberechenbar sind, sondern, weil sie aufgrund ihrer Struktur schwerer abzuschrecken sind. Sozusagen in Haftung zu nehmen. Sie bieten kaum Ziele und haben sprichwörtlich wenig zu verlieren.
Wenn man zuviel weiß, wird es immer schwieriger, einfache Entscheidungen zu treffen.
Wissen stellt eine Barriere dar, die einen daran hindert, etwas in Erfahrung zu bringen.
- Frank Herbert, Die Kinder des Wüstenplaneten
Benutzeravatar
King Kong 2006
Beiträge: 4939
Registriert: Di 3. Jun 2008, 10:41
Benutzertitel: Kongenial

Re: Staatenzerfall in Nahost? Die Ära nach Sykes-Picot

Beitragvon King Kong 2006 » Fr 3. Aug 2018, 21:13

Aus der Perspektive Israels ist der Krieg in Syrien "zu Ende". Der Vorkriegsstand wäre wieder hergestellt.

Israel claims the Syrian civil war is effectively over — and President Assad is back in control


"From our perspective, the situation is returning to how it was before the civil war, meaning there is a real address, someone responsible, and central rule," Israeli Defense Minister Avigdor Lieberman told reporters on Thursday.

https://www.cnbc.com/2018/08/02/syria-w ... -over.html


Israel hat nie einen Hehl daraus gemacht, Assad in charge zu bevorzugen. Vom Beginn des Krieges bis heute.

2018:

Liberman: Israel Prefers Assad Rule In Syria

Israeli Defense Minister Avigdor Lieberman revealed on Thursday Israel's situation on the return of Syrian rule to Bashar al-Assad, expressing his government's belief that "the Syrian front will be calmer with the return of the Assad rule."

https://www.qasioun-news.com/en/news/sh ... e_In_Syria


2015:

Israel prefers ‘devil we know’ in Syria: Analysts

Tel Aviv wants a stable regime in Damascus or the breakup of Syria into manageable statelets, say experts


Summing up Israel’s overall Syria policy, Zisser asserted: "Israel wants a stable and quiet border with Syria, which was possible under Assad; In fact, Israel stands to benefit from either a strong or weak regime."

"A strong regime in Syria ensures a stable border," he explained, "while a weak regime will be unable to respond to Israeli attacks on Hezbollah targets."

https://www.aa.com.tr/en/analysis-news/ ... sts/490981


2013:

Ex-IDF chief: Israel prefers that Assad stay in power

Israel would prefer that Bashar Assad hold onto the presidency in Syria, rather than leave a power vacuum that could be filled by Islamic radicals, according to former IDF chief of staff Dan Halutz.

http://www.timesofisrael.com/ex-idf-chi ... 3ca4ca5a42


Die Gründe sind naheliegend. Assad ist für Israel berechenbar. Ein chaotischer Flickenteppich mit rivalisierenden Milizen ist unkontrollierbar und kaum "steuerbar". Man hätte "am Limes" ständig Horden und Stämme von potentiellen Invasoren, die sich kaum abschrecken lassen. Mit einem König, der mutmaßlich das letzte Wort dort hat, hat man jemanden, den man kennt, den man ansprechen und den man auch bedrohen kann. Man weiß wo er wohnt und man weiß was er hat.
Wenn man zuviel weiß, wird es immer schwieriger, einfache Entscheidungen zu treffen.
Wissen stellt eine Barriere dar, die einen daran hindert, etwas in Erfahrung zu bringen.
- Frank Herbert, Die Kinder des Wüstenplaneten
Benutzeravatar
zollagent
Beiträge: 55045
Registriert: Mo 8. Aug 2011, 11:21

Re: Staatenzerfall in Nahost? Die Ära nach Sykes-Picot

Beitragvon zollagent » Sa 4. Aug 2018, 09:15

King Kong 2006 hat geschrieben:(01 Aug 2018, 21:59)

Es ist natürlich hypothetisch, aber ein A-Waffeneinsatz ist etwas, davor schrecken sogar Pakistan, Indien, die Sowjetunion/Russland oder Nordkorea zurück.

Meist werden Massenvernichtungswaffen (A-Waffen meine ich damit nicht) gegen Staaten oder Zivilisten eingesetzt, die damit nicht kontern können. Z.B. Saddam gegen seine eigene Bevölkerung oder gegen den Iran. Da fehlte die Abschreckung. Assad besitzt vermutlich viel schlimmere Waffen als das Chlorgas (z.B. Sarin, VX oder im Bio-Bereich Botulin und Anthrax). Er wird sich hüten die z.B. gegen US-Truppen, die Türkei oder Israel einzusetzen. Mir ist nicht bekannt, das er die eingesetzt hat. Zumindest besaß er sie oder hat sie immer noch. Der Iran hat heute sicher die technologlischen Möglichkeiten für massiven B- und C-Waffeneinsatz und die Fähigkeiten zur A-Bombe. Im viel größeren Maßstab als Syrien oder damals Irak. Das gibt einfach die Biotech-Industrie im Iran her. Oder die Atomindustrie. Eingesetzt hat er diese Fähigkeiten wohlweislich nicht. Schon gar nicht gegen Israel oder den USA.

Terroristen könnten vermutlich eher an so etwas wie schmutzige A-Waffen herankommen. Einen Atomsprengkopf müssten sie klauen. Ob sie den überhaupt einsetzen können wäre sehr fraglich. Ohne Codes und Startmechanismen praktisch unbrauchbar. Dennoch ist dies sicher ein Grund, weshalb man z.B. Pakistan schützt und den Iran in Ruhe lässt. Im Kriegsfall könnten viele Dinge außer Kontrolle geraten. Wenn dann im Chaos und möglichen Zusammenbruch der Sicherheitsprotokolle Bestandteile von Hardware und Know-How "verschwinden" und in falsche Hände geraten, hat man sicher ein Problem.

Staaten, die sich technologisch weiterentwickeln werden automatisch in der Lage sein entsprechendes Know-How auch bei Bedarf militärisch zu nutzen. Die wenigsten trauen sich aber diese einzusetzen. IS oder Al-Qaida würde ich das zutrauen. Weniger, weil sie unberechenbar sind, sondern, weil sie aufgrund ihrer Struktur schwerer abzuschrecken sind. Sozusagen in Haftung zu nehmen. Sie bieten kaum Ziele und haben sprichwörtlich wenig zu verlieren.

Diktatoren handeln eben unberechenbar, wie auch Assad, als er zu verlieren drohte, gezeigt hat, mit seinem Giftgaseinsatz. Da irgendwelches "nicht trauen" anzunehmen, halte ich für falsch.
Wer an Absurditäten glaubt, wird Abscheulichkeiten begehen. (Voltaire)
Benutzeravatar
King Kong 2006
Beiträge: 4939
Registriert: Di 3. Jun 2008, 10:41
Benutzertitel: Kongenial

Re: Staatenzerfall in Nahost? Die Ära nach Sykes-Picot

Beitragvon King Kong 2006 » Sa 4. Aug 2018, 09:31

zollagent hat geschrieben:(04 Aug 2018, 10:15)

Diktatoren handeln eben unberechenbar, wie auch Assad, als er zu verlieren drohte, gezeigt hat, mit seinem Giftgaseinsatz. Da irgendwelches "nicht trauen" anzunehmen, halte ich für falsch.


Syrien hat niemals ABC-Waffen gegen Israel oder die USA eingesetzt. Israel weiß das im Falle der Assad-Familie und aktuell zu schätzen, er ist berechenbar und wird von Israel favorisiert. Wer alles Chlorgas eingesetzt hat, ist ohnehin unklar. Mit Assad kann man umgehen, mit den Terrorgruppen wie dem IS oder Al-Qaida würde sich Israel sehr viel unsicherer fühlen.

Die Geschichte hat (bis auf den 1. Weltkrieg in Europa und den US-Massenvernichtungseinsatz im WWII) gezeigt, daß man stets dann ABC-Waffen einsetzt, gegen Zivilbevölkerung oder Staaten, die sich nicht dahinsichtlich wehren können. Wie in Syrien, Irak oder gegen den Iran in den 80s.
Wenn man zuviel weiß, wird es immer schwieriger, einfache Entscheidungen zu treffen.
Wissen stellt eine Barriere dar, die einen daran hindert, etwas in Erfahrung zu bringen.
- Frank Herbert, Die Kinder des Wüstenplaneten
Benutzeravatar
zollagent
Beiträge: 55045
Registriert: Mo 8. Aug 2011, 11:21

Re: Staatenzerfall in Nahost? Die Ära nach Sykes-Picot

Beitragvon zollagent » Sa 4. Aug 2018, 10:00

King Kong 2006 hat geschrieben:(04 Aug 2018, 10:31)

Syrien hat niemals ABC-Waffen gegen Israel oder die USA eingesetzt. Israel weiß das im Falle der Assad-Familie und aktuell zu schätzen, er ist berechenbar und wird von Israel favorisiert. Wer alles Chlorgas eingesetzt hat, ist ohnehin unklar. Mit Assad kann man umgehen, mit den Terrorgruppen wie dem IS oder Al-Qaida würde sich Israel sehr viel unsicherer fühlen.

Die Geschichte hat (bis auf den 1. Weltkrieg in Europa und den US-Massenvernichtungseinsatz im WWII) gezeigt, daß man stets dann ABC-Waffen einsetzt, gegen Zivilbevölkerung oder Staaten, die sich nicht dahinsichtlich wehren können. Wie in Syrien, Irak oder gegen den Iran in den 80s.

Nochmal, wenn ihm das Wasser bis zum Hals steht, wird ziemlich jeder Diktator die verbrannte Erde-Taktik anwenden. Israel oder auch die USA haben auch nie den Versuch unternommen, ihn abzusetzen. Jedenfalls nicht militärisch. Und ehrlich, glaubst du im Ernst das Märchen vom Giftgaseinsatz durch Rebellen? Und dann noch gegen die eigenen Leute? Mit Waffensystemen, die nur und ausschließlich eine Division der Assad-Armee hat, die noch dazu von Assads Bruder geführt wurde? Mir scheint, die WILLST dich in dieser Sache belügen lassen.
Wer an Absurditäten glaubt, wird Abscheulichkeiten begehen. (Voltaire)
Benutzeravatar
King Kong 2006
Beiträge: 4939
Registriert: Di 3. Jun 2008, 10:41
Benutzertitel: Kongenial

Re: Staatenzerfall in Nahost? Die Ära nach Sykes-Picot

Beitragvon King Kong 2006 » Mi 8. Aug 2018, 09:23

zollagent hat geschrieben:(04 Aug 2018, 11:00)

Nochmal, wenn ihm das Wasser bis zum Hals steht, wird ziemlich jeder Diktator die verbrannte Erde-Taktik anwenden. Israel oder auch die USA haben auch nie den Versuch unternommen, ihn abzusetzen. Jedenfalls nicht militärisch. Und ehrlich, glaubst du im Ernst das Märchen vom Giftgaseinsatz durch Rebellen? Und dann noch gegen die eigenen Leute? Mit Waffensystemen, die nur und ausschließlich eine Division der Assad-Armee hat, die noch dazu von Assads Bruder geführt wurde? Mir scheint, die WILLST dich in dieser Sache belügen lassen.


Also, verbrannte Erde ist etwas völlig anderes als ABC-Waffen gegen einen überlegenen Gegner einsetzen! Wer bei seinem Rückzug Brücken sprengt oder wichtige Maschinenanlagen abschraubt und mit sich ins Hinterland verlagert ist etwas völlig anderes als Massenvernichtungswaffen gegen seine Bevölkerung oder gegen den überlegenen Gegner einzusetzen.

Selbst Hitler hat Giftgas nur gegen Schwächere eingesetzt, der hat sich schwer gehütet so etwas gegen die Sowjetunion, GB oder die USA einzusetzen. Wohlweislich nicht... Auch beschränkte sich die Sowjetunion darauf beim Rückzug alles abzumontieren und sprengen was ging. Sie setzten keine ABC-Waffen gegen die vorrückenden Deutschen ein. Wohlweislich. Andersherum gegen 1945 genauso die dt. Streitkräfte gegen die vorrückenden Sowjets und Westmächte. Kein "Diktator" oder kein "Rechtsstaat" setzt so etwas gegen Gegner ein, die dagegenhalten können oder sogar noch stärker sind. Auch nachweislich kein Assad gegen z.B. Israel oder US-Truppen. Das macht ihn berechenbar. Gerade für Israel. Siehe die Zitate. Von Anfang an.

Chlorgas ist vom IS bereits schon vor Syrien im Irak eingesetzt worden. In beiden Fällen gilt es als erwiesen. VX und Co. (was auch zum Arsenal Syriens gehört(e)) ist zu komplex. Es ist kein Wunder, das es immer wieder Chlorgas ist.

OK, Springerverlag, wenn Israel Assad "für OK" bewertet, werden die sicher nicht dagegen schreiben, aber nur als Beispiel:

DER IS HAT GELERNT, WIE MAN EFFEKTIV CHLOR ALS WAFFE EINSETZT

https://www.welt.de/politik/ausland/art ... affen.html


UN-BERICHT FÜR 2014 UND 2015

ISIS setzte Senfgas in Syrien ein

https://www.bild.de/politik/ausland/isi ... .bild.html



ISIS SETZTE MEHR ALS 50 MAL CHEMIE-WAFFEN IN SYRIEN UND DEM IRAK EIN

https://www.bild.de/politik/ausland/isi ... .bild.html


Die Opposition hat definitiv eine Substanz wie Chlorgas, wie auch offenbar von der syrischen Armee getan, eingesetzt. In dem Falle Chlorgas als Waffe. Angeblich sogar Senfgas.

Both ISIL and Syrian Government responsible for use of chemical weapons, UN Security Council told

https://news.un.org/en/story/2017/11/57 ... n-security


Vielleicht will mich ja der Springerverlag und die UN belügen, dennoch sei es ihnen gegönnt hier zitiert zu werden. Vielleicht ist es für DICH einfach nur schwer zu verstehen, daß auch Israel einfach zu realpolitisch handeln kann? Assad ist das Mittel der Wahl, nicht die Opposition. Weil der Mann berechenbar ist. Das sage nicht ich, das sagen Verantwortungsträger in Israel.
Wenn man zuviel weiß, wird es immer schwieriger, einfache Entscheidungen zu treffen.
Wissen stellt eine Barriere dar, die einen daran hindert, etwas in Erfahrung zu bringen.
- Frank Herbert, Die Kinder des Wüstenplaneten
Benutzeravatar
zollagent
Beiträge: 55045
Registriert: Mo 8. Aug 2011, 11:21

Re: Staatenzerfall in Nahost? Die Ära nach Sykes-Picot

Beitragvon zollagent » Mi 8. Aug 2018, 11:49

Es bleibt dabei, Assads Truppen haben Giftgas eingesetzt. Das darf als nachgewiesen gelten, nach den Erkenntnissen die die internationalen Experten trotz der Hindernisse, die ihnen die Assad-Administration in den Weg gelegt hat, gewonnen haben.

Ob man einen Kriegsverbrecher für "berechenbar" hält oder nicht, das ist für das internationale Recht völlig irrelevant.
Wer an Absurditäten glaubt, wird Abscheulichkeiten begehen. (Voltaire)
Audi
Beiträge: 3786
Registriert: Di 22. Mär 2016, 11:57

Re: Staatenzerfall in Nahost? Die Ära nach Sykes-Picot

Beitragvon Audi » Mi 8. Aug 2018, 12:21

zollagent hat geschrieben:(08 Aug 2018, 12:49)

Es bleibt dabei, Assads Truppen haben Giftgas eingesetzt. Das darf als nachgewiesen gelten, nach den Erkenntnissen die die internationalen Experten trotz der Hindernisse, die ihnen die Assad-Administration in den Weg gelegt hat, gewonnen haben.

Ob man einen Kriegsverbrecher für "berechenbar" hält oder nicht, das ist für das internationale Recht völlig irrelevant.

Proben von Rebellen übergeben? :D
Benutzeravatar
zollagent
Beiträge: 55045
Registriert: Mo 8. Aug 2011, 11:21

Re: Staatenzerfall in Nahost? Die Ära nach Sykes-Picot

Beitragvon zollagent » Mi 8. Aug 2018, 12:25

Audi hat geschrieben:(08 Aug 2018, 13:21)

Proben von Rebellen übergeben? :D

Nein, dort, wo die Experten geprüft haben, war von Assads Truppen erobertes Gebiet. Sonst hätten die ja die Nachforschungen nicht durch vorgeschobene Verwaltungsmaßnahmen verzögern können. Tut mir ja leid für dich, aber Despoten verteidigen hat nun mal ein G'schmäckle der Zustimmung für Verbrechen.
Wer an Absurditäten glaubt, wird Abscheulichkeiten begehen. (Voltaire)
Benutzeravatar
King Kong 2006
Beiträge: 4939
Registriert: Di 3. Jun 2008, 10:41
Benutzertitel: Kongenial

Re: Staatenzerfall in Nahost? Die Ära nach Sykes-Picot

Beitragvon King Kong 2006 » Mi 8. Aug 2018, 21:09

zollagent hat geschrieben:(08 Aug 2018, 12:49)

Es bleibt dabei, Assads Truppen haben Giftgas eingesetzt. Das darf als nachgewiesen gelten, nach den Erkenntnissen die die internationalen Experten trotz der Hindernisse, die ihnen die Assad-Administration in den Weg gelegt hat, gewonnen haben.

Ob man einen Kriegsverbrecher für "berechenbar" hält oder nicht, das ist für das internationale Recht völlig irrelevant.


Das war jetzt dabei auch nicht der springende Punkt. Lt. UN wurde von syrischer Armeeführung und von den Rebellen Chlorgas eingesetzt. Aus israelischer Sicht bevorzugt man Assad. Das ist für mich aus israelischer Sicht nachvollziehbar. Genauso nachvollziehbar ist, ihn als einen Diktator zu bezeichnen unter dessen Ägide Menschenrechtsverletzungen begangen werden. Das ist in diesem Fall kein Widerspruch. Man hat auch Saddam bevorzugt, als es gegen Iran ging. Kein Widerspruch zu seiner Person und seinem Handeln. Moralisch ein Widerspruch, das hat aber in den internationalen Beziehungen wohl sekundären Rang.
Wenn man zuviel weiß, wird es immer schwieriger, einfache Entscheidungen zu treffen.
Wissen stellt eine Barriere dar, die einen daran hindert, etwas in Erfahrung zu bringen.
- Frank Herbert, Die Kinder des Wüstenplaneten
Benutzeravatar
King Kong 2006
Beiträge: 4939
Registriert: Di 3. Jun 2008, 10:41
Benutzertitel: Kongenial

Re: Staatenzerfall in Nahost? Die Ära nach Sykes-Picot

Beitragvon King Kong 2006 » Fr 24. Aug 2018, 15:43

Die UN lädt den Iran, Russland und die Türkei ein die Zukunft Syriens zu gestalten. Es geht um das Verfassungsgebende Kommittee.

U.N. invites Iran, Russia, Turkey to talks on Syria next month

http://www.euronews.com/2018/08/24/un-i ... next-month


Die USA sind mit Trump wohl endgültig ausgestiegen. Geld gibts auch nicht mehr für Syrien. Vielleicht kann Trump die Saudis noch "gewinnen" das zu bezahlen, was Teheran, Moskau und Ankara sich ausdenken. ;)

Werden die wohl machen. Immerhin braucht der Prinz einen starken Paten im Rücken.
Wenn man zuviel weiß, wird es immer schwieriger, einfache Entscheidungen zu treffen.
Wissen stellt eine Barriere dar, die einen daran hindert, etwas in Erfahrung zu bringen.
- Frank Herbert, Die Kinder des Wüstenplaneten

Zurück zu „36. Arabische Welt“

Wer ist online?

Mitglieder in diesem Forum: 0 Mitglieder und 17 Gäste