Wie weiter mit Syrien ?

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Re: Wie weiter mit Syrien ?

Beitragvon Soldmann » Do 13. Apr 2017, 17:31

DarkLightbringer hat geschrieben:Die haben nicht als Juristen gesprochen, sondern als Philosophen. Wozu ist das Völkerrecht da, wenn es keinen Völkermord verhindert ? Wozu ist der UN-Sicherheitsrat da, gem. Charta zuständig für Friedensbrüche, wenn er nicht arbeiten kann?
Das Völkerrecht, das nach heutiger Diktion eher "Staatenrecht" heißen sollte, dient dazu, das Verhältnis der Staaten untereinander zu verrechtlichen und Kriege zwischen Staaten, speziell Großmächten, zu verhindern.

Der Sicherheitsrat arbeitet genau wie vorgesehen. Das Veto-Recht wurde schließlich implementiert, damit Staaten wie USA und Russland überhaupt der UN beitreten. Mit dem Veto-Recht können sie ihre Klientel-Staaten schützen.
Rom wurde auch nicht an einem Tag zerstört.
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Re: Wie weiter mit Syrien ?

Beitragvon Cobra9 » Fr 14. Apr 2017, 08:10

Russland führt mit Verbündeten einen tollen Krieg gegen Terroristen. Ach sowas nicht nur gegen Terroristen und Krankenhäuser muss man ja wohl angreifen

http://m.aerzteblatt.de/news/73963.htm
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Keine Literatur kann in puncto Zynismus das wirkliche Leben übertreffen.
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Re: Wie weiter mit Syrien ?

Beitragvon DarkLightbringer » Sa 15. Apr 2017, 03:49

Soldmann hat geschrieben:(13 Apr 2017, 18:31)

Das Völkerrecht, das nach heutiger Diktion eher "Staatenrecht" heißen sollte, dient dazu, das Verhältnis der Staaten untereinander zu verrechtlichen und Kriege zwischen Staaten, speziell Großmächten, zu verhindern.

Der Sicherheitsrat arbeitet genau wie vorgesehen. Das Veto-Recht wurde schließlich implementiert, damit Staaten wie USA und Russland überhaupt der UN beitreten. Mit dem Veto-Recht können sie ihre Klientel-Staaten schützen.

Das Völkerstrafrecht ist Bestandteil des "Rechts der Völker", es ahndet Aggressionsverbrechen, Genozid und Verbrechen gegen die Humanität. Das Nürnberger Tribunal war dabei ein Meilenstein. In der UN-Charta ist das Gewaltverbot obligatorisch, ausgenommen von der Selbstverteidigung.

Mit dem Assad-Regime hat eine neue Monstrosität die Weltbühne betreten und jene Mächte, die eine genozidäre Kriegsführung abdecken, sabotieren die Friedenspflicht.
Die Weltgemeinschaft hätte also gute Gründe, nach dem "Uniting for Peace"-Mechanismus eine Notstandsresolution zu implementieren. Geschieht dies aber nicht, bleiben alle zivilisierten Nationen aufgefordert, sich ihrer Verantwortung nicht zu entbinden.
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Re: Wie weiter mit Syrien ?

Beitragvon DarkLightbringer » Sa 15. Apr 2017, 03:54

Loki hat geschrieben:(13 Apr 2017, 15:12)

Bevor dieser noch auf die Idee kommt, ihr auf den Schlips oder Rock wg. der begangenen Luftraumverletzungen zu treten ?

Ja dann... dann ist dieser Wunsch der Entamtung des syrischen Präsident natürlich
nachvollziehbar.

Wer zur "Massenvernichtung der Zivilbevölkerung" (Helberg) ansetzt, hat seinen Platz in der Zivilisation verloren.
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Re: Wie weiter mit Syrien ?

Beitragvon DarkLightbringer » Sa 15. Apr 2017, 08:55

Kardux hat geschrieben:(10 Apr 2017, 16:11)

1. Assad muss weg, keine Frage, aber ein syrischer Staat in dem die alawitisch-schiitische Minderheit vom Demokratieverständnis der sunnitischen Mehrheit abhängig ist, wird genauso scheitern wie das heutige Syrien.

Damit räumen Sie ein, dass der Assad-Staat gescheitert ist. Ergo ist es naheliegend, einen Übergang zu ermöglichen. Zu einem Demokratieverständnis gehört sicher nicht die Diskriminierung von Minderheiten.

2. Das der IS zerschlagen werden muss ist keine Diskussion wert, aber die syrische Opposition bzw. die sogenannten Rebellen bestehen ausschliesslich aus jihadistischen Gruppierungen die zwar nicht mit dem IS gleichzusetzen sind, aber nicht weniger gefährlich sind. Die Rebellengruppen sind geprägt von Ahrar al-Sham und der syrischen Al-Qaida. Müssen die auch zerschlagen werden, oder etwa nicht?

IS, Ahrar al-Sham und Al-Quaida nehmen an den Verhandlungen in Genf gar nicht teil. Ungemäßigte Regime-Vertreter jedoch schon.

3. Der Einfluß des Irans, den ich ebenfalls als große Bedrohung und Störung der politischen Balance im Nahen Osten empfinde, kann nicht gedämmt werden indem man Assad wegräumt. Die Schiiten und Alawiten im Westen Syriens sind eine Realität. Solange der Iran theokratisch geführt wird und sich als Beschützer aller Schiiten sieht, wird der Einfluss Tehrans in diesen Teilen Syriens bestehen bleiben. Man kann diesen Einfluss nur auf zwei Arten unterbinden. Entweder muss man Westsyrien von Schiiten und Alawiten "säubern" (was die Jihadisten auch vorhaben), oder man muss einen Regimewechsel im Iran forcieren. Letzteres ist aus heutiger Sicht schwer realisierbar, Ersteres ein Völkermord.

Man kann Sanktionen erweitern, Schutzzonen im Ostteil Syriens einrichten, SDF und FSA ausrüsten.
4. Es gibt keine gemäßigten Kräfte in Syrien, die Macht besitzen.

Das ist der Grund, weshalb es gilt, die Machtverhältnisse zu ändern.

Ok, dann zitiere ich einfach Ihren Wikipedia-Artikel:
Wie kann man also die Sharia implementieren wollen und gleichzeitig für Frauenrechte oder gar für die Gleichstellung der Frauen sein? Das ist hanebüchen. Ein absoluter Kontrast, der einzig und allein, die Intention dieser Person wiederspiegelt.
Weiters aus dem Artikel zitiert:
Das hört sich für mich zumindest nicht sehr pluralistisch an. Und der Wikipedia-Artikel offenbart dann auch noch etwas Interessantes:
Also auf Arabisch möchte er seine sunnitischen Brüder ansprechen bzw. gibt das wieder was er wirklich denkt, und für die westlichen Medien spielt er den pluralistischen Hoffnungsträger der ganz Syrien friedlich regieren könnte. Er tanzt quasi auf zwei Hochzeiten.
Nun, das er ein glühender Anhänger von Sheikh Qaradawi aus Katar, einem bekennenden Antijudaisten der nicht einmal die palästinensischen Selbstmordattentate verurteilt (welche laut strenger Auffassung des Korans gar nicht erlaubt sind), ist und sonst auch nicht mit antijudaistischer Hetze spart, sollte einen dann nachdenklich machen, bevor man hier von einer moderaten Persönlichkeit spricht oder gar einer Symbolfigur des Friedens.


al- Chatib sympathisiert jedoch mit der Nusra-Front, welche wiederum solche Giftgaseinsätze aber auch weitere Greueltaten verübt haben.
Ja, es scheint so, als ob al-Chatib die moderateste Figur in der sunnitischen Opposition wäre - das ist wahrlich ein Armutszeugnis für das sunnitische Syrien...

Hat Chatib 100 000 getötet, 100 oder einen ? Frühere Äußerungen in religionsphilosophischen Schriften stellen nach internationalen Rechtsvorstellungen nicht mal eine Ordnungswidrigkeit dar.
Die als moderat verstandene Personalie Chatib steht aber ohnehin nicht mehr zur Verfügung.

Die Syrische Nationalkoalition hat erst jüngst wieder die Forderung nach einem „demokratischen, pluralistischen Staat“ erneuert (1).

(1) http://en.etilaf.org/press/syrian-coali ... death.html
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Re: Wie weiter mit Syrien ?

Beitragvon Loki » Sa 15. Apr 2017, 11:18

DarkLightbringer hat geschrieben:(15 Apr 2017, 04:54)

Wer zur "Massenvernichtung der Zivilbevölkerung" (Helberg) ansetzt, hat seinen Platz in der Zivilisation verloren.

Genau aus diesem Grund will (fast) keiner mehr sog. Bodenoffensiven machen ?
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Re: Wie weiter mit Syrien ?

Beitragvon Teeernte » Sa 15. Apr 2017, 11:39

Loki hat geschrieben:(15 Apr 2017, 12:18)

Genau aus diesem Grund will (fast) keiner mehr sog. Bodenoffensiven machen ?


:thumbup:

Die genauen Opferzahlen, die der Dreißigjährige Krieg forderte... dass die Verluste auf dem Land etwas höher als in den Städten ausfielen. Insgesamt kann davon ausgegangen werden, dass etwa 40 % der Landbevölkerung, innerhalb der Kriegszeit, ihr Leben ließ. Neben den direkten Gräueltaten des Krieges waren vor allem Hunger und Seuchen für das Massensterben verantwortlich. In den Städten wird der Verlust an Menschen etwas niedriger geschätzt und lag wohl zwischen 20 und 30 %.

Dass im 2. Weltkrieg mindestens 71 Millionen Menschen starben, ist noch immer eine unbegreifliche Zahl....wie sehr Kriege auf dem Rücken der Bevölkerung ausgefochten werden: Der Autor zählt 41 Millionen Gefallene in Europa, darauf entfallen fast 22 Millionen auf Zivilisten. Sie wurden als menschliche Schutzschilder benutzt, ausgebombt, auf offener Straße erschossen, in Arbeits- und Konzentrationslagern vernichtet oder verhungern lassen.

Die ersten Bomben fielen 2003, acht Jahre später zogen sich die amerikanischen Soldaten aus dem Irak zurück. Einer US-Studie zufolge starben während des Irak-Krieges und der anschließenden Besatzung eine halbe Million Iraker. Und das ist eine "niedrige Schätzung".Die meisten Toten können demnach auf direkte Gewalteinwirkung wie Schüsse und Bombenangriffe zurückgeführt werden. Etwa ein Drittel der Opfer sei dagegen an indirekten Folgen gestorben, heißt es in der Untersuchung. Zu den indirekten, aber mit dem Krieg zusammenhängenden Ursachen gehören demnach stressbedingte Krankheiten wie Herzinfarkte und der Zusammenbruch der Infrastruktur für Trinkwasser, Ernährung, Verkehr und Gesundheit.

Rund 1,3 Millionen Tote durch „Krieg gegen den Terror“

„Unter der Maßgabe, dass die Quellen für diese Zahlen sehr heterogen und die statistischen Intervalle für entsprechende Studien sehr breit sind, summieren sich die etwa eine Million Toten aus zehn Jahren Irakkrieg sowie über 220.000 Opfer aus Afghanistan und circa 80.000 aus Pakistan auf insgesamt etwa 1,3 Millionen Todesopfer. Dieses erschreckende Ausmaß muss dringend öffentlich wahrgenommen und diskutiert werden.“


Die HÄLFTE der Toten ist IMMER die Zivilbevölkerung bei jedem.....(noch so "schönen".."chirurgischem"...) Krieg.....

Natürlich >> Bundesregierung weiß von keiner „Statistik ziviler Opfer in Afghanistan“...

Die Gesamtzahl der Todesopfer der Kriege und Kriegshandlungen im Irak, in Afghanistan und in Pakistan wird von der Öffentlichkeit erheblich unterschätzt. Sie liegt bei weit über einer Million Toten. Dies ist das Ergebnis einer Untersuchung, die am 19. März zeitgleich in Berlin, Washington und Ottawa veröffentlicht wurde. Die deutsche, die amerikanische und die kanadische Sektion der Vereinigung „Internationale Ärzte für die Verhütung des Atomkrieges“ (International Physicians for the Prevention of Nuclear War, IPPNW) präsentierten die erschreckenden Ergebnisse an diesem Donnerstag – zwölf Jahre nach Beginn des Irakkrieges – in den Hauptstädten ihres Landes.
(2015) http://www.bundeswehr-journal.de/2015/r ... en-terror/
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Re: Wie weiter mit Syrien ?

Beitragvon DarkLightbringer » Sa 15. Apr 2017, 11:55

Loki hat geschrieben:(15 Apr 2017, 12:18)

Genau aus diesem Grund will (fast) keiner mehr sog. Bodenoffensiven machen ?

Wer will das schon, es ist verlustreicher als der konkurrenzlose Luftkrieg. Die bloße Bombardierung ist indes verlustreich für die Zivilbevölkerung.
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Re: Wie weiter mit Syrien ?

Beitragvon Loki » Sa 15. Apr 2017, 12:15

DarkLightbringer hat geschrieben:(15 Apr 2017, 12:55)
[...] Luftkrieg.

Stand der Technik ist wohl, daß mittlerweile jeder (von Menschen erschaffene) Flugkörper vom Himmel geholt werden kann; effektiv.
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Re: Wie weiter mit Syrien ?

Beitragvon DarkLightbringer » Sa 15. Apr 2017, 12:26

Loki hat geschrieben:(15 Apr 2017, 13:15)

Stand der Technik ist wohl, daß mittlerweile jeder (von Menschen erschaffene) Flugkörper vom Himmel geholt werden kann; effektiv.

Kann. Aber die Gegner von Assads Luftwaffe verfügen offenbar über keine geeignete Luftabwehr.
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Re: Wie weiter mit Syrien ?

Beitragvon Soldmann » Sa 15. Apr 2017, 12:34

DarkLightbringer hat geschrieben:Das Völkerstrafrecht ist Bestandteil des "Rechts der Völker", es ahndet Aggressionsverbrechen, Genozid und Verbrechen gegen die Humanität. Das Nürnberger Tribunal war dabei ein Meilenstein.
Im Nürnberger Tribunal haben die Siegermächte die (Kriegs-)verbrechen der Verlierer abgeurteilt. Nicht, dass die Nazis es nicht verdient hätten, aber Siegerjustiz verstehe ich nicht als Teil des Völkerrechts.

DarkLightbringer hat geschrieben:Mit dem Assad-Regime hat eine neue Monstrosität die Weltbühne betreten und jene Mächte, die eine genozidäre Kriegsführung abdecken, sabotieren die Friedenspflicht.
Die Weltgemeinschaft hätte also gute Gründe, nach dem "Uniting for Peace"-Mechanismus eine Notstandsresolution zu implementieren. Geschieht dies aber nicht, bleiben alle zivilisierten Nationen aufgefordert, sich ihrer Verantwortung nicht zu entbinden.
Der neue Hitler nach Milosovic, weiß ich doch. Moralisieren hat allerdings nichts mit Recht zu tun.
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Re: Wie weiter mit Syrien ?

Beitragvon DarkLightbringer » Sa 15. Apr 2017, 13:04

Soldmann hat geschrieben:(15 Apr 2017, 13:34)

Im Nürnberger Tribunal haben die Siegermächte die (Kriegs-)verbrechen der Verlierer abgeurteilt. Nicht, dass die Nazis es nicht verdient hätten, aber Siegerjustiz verstehe ich nicht als Teil des Völkerrechts.

Ein internationales Abkommen hat diesen Prozess ermöglicht. Dem Vorwurf der "Siegerjustiz" ist zu entgegnen, dass auch zuvor schon Verstöße gegen die Haager Landkriegsordnung geahndet worden sind. Der Militärgerichtshof selbst wies darauf hin.

Der neue Hitler nach Milosovic, weiß ich doch. Moralisieren hat allerdings nichts mit Recht zu tun.

Doch. Für folgende Anklagepunkte gibt es keine generelle Immunität:
- Verbrechen gegen den Frieden;
- kriminelle Verschwörung;
- Kriegsverbrechen;
- Verbrechen gegen die Humanität.
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Angriff auf Flüchtlingskonvoi

Beitragvon King Kong 2006 » Sa 15. Apr 2017, 23:19

Bei der von Katar und Iran organisierten Evakuierung gab es wiedermal einen schweren Angriff. Auf den Konvoi, der Zivilisten aus den von der Opposition belagerten Ortschaften herausbringen soll, soll es ungefähr 100 Tote gegeben haben.

Weißhelme berichten von mehr als 100 Toten

In den Bussen befanden sich Menschen, die aus von Rebellen belagerten Städten gebracht worden waren. In der ebenfalls von Rebellen kontrollierten Ortschaft Rashidin warteten sie auf ihre Weiterfahrt, als der Sprengsatz explodierte.

http://www.spiegel.de/politik/ausland/s ... 43490.html
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Re: Wie weiter mit Syrien ?

Beitragvon Kardux » So 16. Apr 2017, 00:55

DarkLightbringer hat geschrieben:Damit räumen Sie ein, dass der Assad-Staat gescheitert ist. Ergo ist es naheliegend, einen Übergang zu ermöglichen. Zu einem Demokratieverständnis gehört sicher nicht die Diskriminierung von Minderheiten.


Natürlich ist der Assad-Staat gescheitert. Weshalb ist das jetzt eine Überraschung für Sie? Dieser Staat ist aber nicht deshalb gescheitert weil Assad regiert, sondern wegen seiner ethno-konfessionellen Zusammensetzung und der zentralistischen Regierungsform welche über kurz oder lang zu Diskriminierungen führt. Dieser sogenannte Übergang ist eine Utopie, eine Phantasterei von Menschen, die selber nicht an einen demokratisches Syrien glauben - es jedoch so sehen wollen. Natürlich gehört die Diskriminierung von Minderheiten nicht zu einem Demokratieverständnis, aber genau das wird eintreten, sofern es zu einer Machtübernahme der Sunniten kommt. Denn Syrien war auch schon gescheitert bevor die Assads an die Macht kamen - nur so zur Erinnerung.

DarkLightbringer hat geschrieben:IS, Ahrar al-Sham und Al-Quaida nehmen an den Verhandlungen in Genf gar nicht teil. Ungemäßigte Regime-Vertreter jedoch schon.


Dafür nehmen ihre Geldgeber und Paten an solchen Verhandlungen teil.
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Re: Wie weiter mit Syrien ?

Beitragvon Kardux » So 16. Apr 2017, 09:33

DarkLightbringer hat geschrieben:Man kann Sanktionen erweitern, Schutzzonen im Ostteil Syriens einrichten, SDF und FSA ausrüsten.


Den Iran kann man aus westlicher Sicht nicht mit Sanktionen in die Knie zwingen. Das hat der Westen zwar in den 90er Jahren "hervorragend" beim Irak geschafft, aber der Iran ist nunmal nicht der Irak. Und genau weil der Iran sich noch unabhängiger von solchen Sanktionen machen will, greift er nach immer mehr Einflusssphären im Nahen Osten - das kann weder die SDF geschweigedenn die FSA (die in der Form gar nicht mehr existiert) unterbinden. Der Iran ist zu mächtig geworden.

DarkLightbringer hat geschrieben:Das ist der Grund, weshalb es gilt, die Machtverhältnisse zu ändern.


Wer möchte die Machtverhältnisse wie verändern? Auf der einen Hand haben wir regimetreue Alawiten, Schiiten, orientalische Christen und dann wiederum eine Reihe von radikalen Sunnitengruppen. Die Geldgeber und Unterstützer der Sunniten (Golfaraber und Türken) sind jedoch nachweislich nicht an gemäßigten Kräften in Syrien interessiert und bevorzugen Jihadisten - genauso wie der Iran im Kampf in Syrien und dem Irak auch nur an radikalen schiitischen Milizen interessiert ist. In solch einer Konstellation kann es nur Grenzen und Mauern geben, bis die externen Akteure ihr Interesse an der Region verlieren und die Menschen vorort zur Besinnung kommen.

DarkLightbringer hat geschrieben:Hat Chatib 100 000 getötet, 100 oder einen ? Frühere Äußerungen in religionsphilosophischen Schriften stellen nach internationalen Rechtsvorstellungen nicht mal eine Ordnungswidrigkeit dar.
Die als moderat verstandene Personalie Chatib steht aber ohnehin nicht mehr zur Verfügung.


al-Chatib war noch gar nicht in der Position um 100 000 Menschen töten zu lassen. Aber es ist doch die Gesinnung die genau dieses Töten verursacht. Welche Äußerungen soll man denn sonst in Betracht ziehen wenn es darum geht die sogenannte Symbolfigur des Friedens zu beurteilen? Dieser sogenannte Hoffnungsträger sprach sich für Al-Qaida aus und war total antischiitisch eingestellt - genau solch einen sunnitischen Führer befürchtet ja auch die schiitisch-alawitische Minderheit in Syrien. Auf solch einer Basis kann niemals ein geeintes Syrien fortbestehen. Und alleine die Tatsache, dass al-Chatib für das Inkrafttreten der Sharia ist zeigt klar und deutlich wie moderat diese Personalie ist - ob er noch zur Verfügung steht oder nicht ist irrelevant. Seine Nachfolger bzw. anderen "Hoffnungsträger" unterscheiden sich in diesen Punkten nicht grundlegend von ihm.

Also sollten all jene, welche die Sunniten an der Macht in einem zentralistisch-geführten Syrien sehen wollen, den Ball flach halten.

DarkLightbringer hat geschrieben:Die Syrische Nationalkoalition hat erst jüngst wieder die Forderung nach einem „demokratischen, pluralistischen Staat“ erneuert (1).


Als die schiitische Mehrheit im Irak, nach 80 jähriger Unterdrückung, an die Macht kam forderten sie auch einen demokratischen und pluralistischen Staat. Der Irak bekam sogar eine neue demokratische Verfassung und hieß ganz offiziell föderale Republik Irak. Aber wen interessiert das schon, wenn in der Realität Sunniten und Kurden ausgegrenzt werden? Ja, wenn gegen Sunniten sogar ein Feldzug (2011 bis 2013) geführt wird. Die sunnitische Mehrheit in Syrien wird es ihnen gleichtun, so viel steht fest.

Sowohl Syrien als auch der Irak sind failed states. Der Dank gilt den Briten und Franzosen - welche ja noch heute an diesen Grenzen festhalten wollen.
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Re: Wie weiter mit Syrien ?

Beitragvon DarkLightbringer » So 16. Apr 2017, 12:33

Kardux hat geschrieben:(16 Apr 2017, 01:55)

Natürlich ist der Assad-Staat gescheitert. Weshalb ist das jetzt eine Überraschung für Sie? Dieser Staat ist aber nicht deshalb gescheitert weil Assad regiert, sondern wegen seiner ethno-konfessionellen Zusammensetzung und der zentralistischen Regierungsform welche über kurz oder lang zu Diskriminierungen führt. Dieser sogenannte Übergang ist eine Utopie, eine Phantasterei von Menschen, die selber nicht an einen demokratisches Syrien glauben - es jedoch so sehen wollen. Natürlich gehört die Diskriminierung von Minderheiten nicht zu einem Demokratieverständnis, aber genau das wird eintreten, sofern es zu einer Machtübernahme der Sunniten kommt. Denn Syrien war auch schon gescheitert bevor die Assads an die Macht kamen - nur so zur Erinnerung.

Wenn etwas gescheitert ist, muss zwangsläufig eine Veränderung ins Auge gefasst werden, außer, man will einen dauerhaften Status Quo des Scheiterns. Dieses Scheitern ist jedoch die Quelle für Tyrannei und Terrorismus, weshalb ein solcher Status Quo die Region destabilisiert und eine Bedrohung des Weltfriedens darstellt.

Von ethnozentrischen Überlegungen halte ich wenig, zumal sie ja eher neue Fragen aufwerfen als Aufgeschobenes beantworten zu können. Es muss ja auch um Inhalte gehen, nicht allein um die Frage, welches "Blut" zu welchem Boden gehöre.
Natürlich könnte man Syrien einfach zweiteilen, nach dem Korea-Muster, und sich dann einfach auf den Neuen Kalten Krieg konzentrieren. Die Demarkationslinien wären dann wieder zu verändern, wenn die russisch-iranische Achse zusammen bricht.

Entscheidend bleibt der Kampf zwischen Terror in all seinen Formen und der Freiheit. Die "Kontaktlinien" orientieren sich daran.

Dafür nehmen ihre Geldgeber und Paten an solchen Verhandlungen teil.

Vertreter der militärischen sowie der zivilen Opposition nehmen teil und Regime-Vertreter. Diverse Terroristen sind ausgeschlossen. Die Gespräche kommen allerdings nicht voran.
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Re: Wie weiter mit Syrien ?

Beitragvon Kardux » So 16. Apr 2017, 13:43

DarkLightbringer hat geschrieben:Vertreter der militärischen sowie der zivilen Opposition nehmen teil und Regime-Vertreter. Diverse Terroristen sind ausgeschlossen. Die Gespräche kommen allerdings nicht voran.


Ja, und genau diese "zivile Opposition" ist abhängig von Gruppen wie Ahrar al Sham, Jaysh al Islam oder der Al Qaida. Oder wen genau repräsentiert denn beispielsweise das Hohe Verhandlungskomitee in Syrien? Und weshalb kommen die Gespräche nicht voran? Ist es nicht so das dieser sogenannte Übergangsplan der vom Hohen Verhandlungskomitee ausgearbeitet, sich gar nicht mit den Minderheitenrechten von Kurden und Christen befasst? Und lehnt er nicht auch den Föderalismus ab?

DarkLightbringer hat geschrieben:Wenn etwas gescheitert ist, muss zwangsläufig eine Veränderung ins Auge gefasst werden, außer, man will einen dauerhaften Status Quo des Scheiterns. Dieses Scheitern ist jedoch die Quelle für Tyrannei und Terrorismus, weshalb ein solcher Status Quo die Region destabilisiert und eine Bedrohung des Weltfriedens darstellt.


Natürlich muss etwas verändert werden! Aber nicht im alleinigen Sinne einer Seite. Die Tyrannei und der Terrorismus ist nicht nur auf das Assad-Regime beschränkt. Und nein - ein neuer syrischer Staat, der unter der Sharia geführt wird und Minderheiten unterdrücken wird ist mitnichten ein Gewinn für den Weltfrieden.

DarkLightbringer hat geschrieben:Von ethnozentrischen Überlegungen halte ich wenig, zumal sie ja eher neue Fragen aufwerfen als Aufgeschobenes beantworten zu können. Es muss ja auch um Inhalte gehen, nicht allein um die Frage, welches "Blut" zu welchem Boden gehöre. Natürlich könnte man Syrien einfach zweiteilen, nach dem Korea-Muster, und sich dann einfach auf den Neuen Kalten Krieg konzentrieren. Die Demarkationslinien wären dann wieder zu verändern, wenn die russisch-iranische Achse zusammen bricht.


Sie halten wenig von ethnozentrischen Überlegungen? Worauf beruht dann die Stabilität Europas? Welches "Blut" zu welchem Boden gehört ist derzeit die nackte Realität im Nahen Osten. Ihre Lösungsvorschläge haben nichts mit der Realität zu tun bzw. sind nur ein Austausch der jetzigen Probleme. Heute alawitisches Regime, morgen sunnitisches Regime. Wo soll darin der Unterschied sein? Nur, das die Unterdrückung der politisch Ausgegrenzten (in dem Fall dann alle Nicht-Sunniten bzw. Nicht-Arabern) dann eine neues Level erreichen würde, weil die Sunniten die absolute Mehrheit darstellen.

Zu Korea: Die Teilung Koreas hat mit ethnozentrischen Überlegungen nichts zu tun.
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Re: Wie weiter mit Syrien ?

Beitragvon King Kong 2006 » So 16. Apr 2017, 15:29

Es geht bei den Überlegungen eigentlich immer nur um pro- USA oder weniger pro- USA. Dementsprechend wird interveniert oder Regime mal als Alliierter oder als Superschurke skizziert, siehe Saddam. Die Gegner auf nationalstaatlicher Ebene erhoffen sich als Alternative eine gefällige, hilflose Truppe in Damaskus. Demokratisch oder nicht. Wichtig "gut ansprechbar". ;)

Das impliziert auch Ungerechtigkeit. Man braucht sich dort nur die Geschichte der Interventionen anschauen.
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Re: Wie weiter mit Syrien ?

Beitragvon DarkLightbringer » Mo 17. Apr 2017, 11:08

Kardux hat geschrieben:(16 Apr 2017, 10:33)

Den Iran kann man aus westlicher Sicht nicht mit Sanktionen in die Knie zwingen. Das hat der Westen zwar in den 90er Jahren "hervorragend" beim Irak geschafft, aber der Iran ist nunmal nicht der Irak. Und genau weil der Iran sich noch unabhängiger von solchen Sanktionen machen will, greift er nach immer mehr Einflusssphären im Nahen Osten - das kann weder die SDF geschweigedenn die FSA (die in der Form gar nicht mehr existiert) unterbinden. Der Iran ist zu mächtig geworden.

Es muss drei Prioritäten in der Region geben - die Absetzung Assads, das Zurückdrängen des real existierenden IS Iran und die Zerschlagung des IS in seiner Gestalt als operationsfähige Terror-Organisation.

Wer möchte die Machtverhältnisse wie verändern? Auf der einen Hand haben wir regimetreue Alawiten, Schiiten, orientalische Christen und dann wiederum eine Reihe von radikalen Sunnitengruppen. Die Geldgeber und Unterstützer der Sunniten (Golfaraber und Türken) sind jedoch nachweislich nicht an gemäßigten Kräften in Syrien interessiert und bevorzugen Jihadisten - genauso wie der Iran im Kampf in Syrien und dem Irak auch nur an radikalen schiitischen Milizen interessiert ist. In solch einer Konstellation kann es nur Grenzen und Mauern geben, bis die externen Akteure ihr Interesse an der Region verlieren und die Menschen vorort zur Besinnung kommen.

Die Opposition, das syrische Volk und die zivilisierten Nationen.
Terrorismus ist keine Option und das ist völlig unabhängig von der konfessionellen Frage. Wenn man so will, haben Assads Anhänger eine eigene Religion - es sollen schon Leute gefoltert worden sein, bis sie sagen "Es gibt keinen Gott außer Assad". Ähnliche Vorfälle weisen genau in diese Richtung.
Wenn Sie unter "Grenzen und Mauern" vorläufige Schutzzonen verstehen wollen, wären wir uns da fast einig.

al-Chatib war noch gar nicht in der Position um 100 000 Menschen töten zu lassen. Aber es ist doch die Gesinnung die genau dieses Töten verursacht. Welche Äußerungen soll man denn sonst in Betracht ziehen wenn es darum geht die sogenannte Symbolfigur des Friedens zu beurteilen? Dieser sogenannte Hoffnungsträger sprach sich für Al-Qaida aus und war total antischiitisch eingestellt - genau solch einen sunnitischen Führer befürchtet ja auch die schiitisch-alawitische Minderheit in Syrien. Auf solch einer Basis kann niemals ein geeintes Syrien fortbestehen. Und alleine die Tatsache, dass al-Chatib für das Inkrafttreten der Sharia ist zeigt klar und deutlich wie moderat diese Personalie ist - ob er noch zur Verfügung steht oder nicht ist irrelevant. Seine Nachfolger bzw. anderen "Hoffnungsträger" unterscheiden sich in diesen Punkten nicht grundlegend von ihm.
Also sollten all jene, welche die Sunniten an der Macht in einem zentralistisch-geführten Syrien sehen wollen, den Ball flach halten.
Als die schiitische Mehrheit im Irak, nach 80 jähriger Unterdrückung, an die Macht kam forderten sie auch einen demokratischen und pluralistischen Staat. Der Irak bekam sogar eine neue demokratische Verfassung und hieß ganz offiziell föderale Republik Irak. Aber wen interessiert das schon, wenn in der Realität Sunniten und Kurden ausgegrenzt werden? Ja, wenn gegen Sunniten sogar ein Feldzug (2011 bis 2013) geführt wird. Die sunnitische Mehrheit in Syrien wird es ihnen gleichtun, so viel steht fest.

Selbst wenn jemand von der Opposition mal eine Ordnungswidrigkeit begangen hätte, zum Beispiel falsch geparkt, so wäre er immer noch weit gemäßigter als Assad. Und selbst wenn man Assad durch eine Ziege ersetzen würde, wäre es keine sonderlich große Kunst, auf eine weitere halbe Million Kriegsopfer verzichten zu können.

Sowohl Syrien als auch der Irak sind failed states. Der Dank gilt den Briten und Franzosen - welche ja noch heute an diesen Grenzen festhalten wollen.

Die Destabilisierung in der Region ist ein Problem, in der Tat. Deshalb sollte etwas unternommen werden. Wenn Sie die Grenzen in der Region ändern wollen, müssen Sie das mit den betroffenen Ländern oder in der UNO beraten. Mein Standpunkt ist der, dass jede gewaltsame Veränderung von Staatsgrenzen der Selbstbestimmung widerspricht.
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Re: Wie weiter mit Syrien ?

Beitragvon DarkLightbringer » Mo 17. Apr 2017, 11:24

Kardux hat geschrieben:(16 Apr 2017, 14:43)

Ja, und genau diese "zivile Opposition" ist abhängig von Gruppen wie Ahrar al Sham, Jaysh al Islam oder der Al Qaida. Oder wen genau repräsentiert denn beispielsweise das Hohe Verhandlungskomitee in Syrien? Und weshalb kommen die Gespräche nicht voran? Ist es nicht so das dieser sogenannte Übergangsplan der vom Hohen Verhandlungskomitee ausgearbeitet, sich gar nicht mit den Minderheitenrechten von Kurden und Christen befasst? Und lehnt er nicht auch den Föderalismus ab?

Wenn man die Gespräche in Genf abbrechen würde, gäbe es dennoch Telefone. Das Regime setzt auf Krieg statt auf Politik. Das Ausspielen von Minderheiten gegen Mehrheiten lehnt die Opposition aus guten Gründen ab und das Thema Föderalismus ist ohne Waffenstillstand eher nachrangig.

Natürlich muss etwas verändert werden! Aber nicht im alleinigen Sinne einer Seite. Die Tyrannei und der Terrorismus ist nicht nur auf das Assad-Regime beschränkt. Und nein - ein neuer syrischer Staat, der unter der Sharia geführt wird und Minderheiten unterdrücken wird ist mitnichten ein Gewinn für den Weltfrieden.

Wie gesagt, Terrorismus ist in all seinen Formen keine Option, auch nicht in Gestalt eines blutrünstigen Regimes.

Sie halten wenig von ethnozentrischen Überlegungen? Worauf beruht dann die Stabilität Europas? Welches "Blut" zu welchem Boden gehört ist derzeit die nackte Realität im Nahen Osten. Ihre Lösungsvorschläge haben nichts mit der Realität zu tun bzw. sind nur ein Austausch der jetzigen Probleme. Heute alawitisches Regime, morgen sunnitisches Regime. Wo soll darin der Unterschied sein? Nur, das die Unterdrückung der politisch Ausgegrenzten (in dem Fall dann alle Nicht-Sunniten bzw. Nicht-Arabern) dann eine neues Level erreichen würde, weil die Sunniten die absolute Mehrheit darstellen.

Die Stabilität Europas beruht auf dem Wert der Demokratie - Gleichheit, Freiheit, Humanität - und der atlantischen Sicherheitsarchitektur. In Europa wird schon lange nicht mehr nach katholischen oder protestantischen Regierungen unterschieden.
Die Konzentration auf Ethnien, Konfessionen, Clans oder Verwandtschaftsverhältnisse führt an der Sache vorbei.

Zu Korea: Die Teilung Koreas hat mit ethnozentrischen Überlegungen nichts zu tun.

Genau. Es hat etwas mit Sicherheit zu tun.
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