Geopolitik - Interventionen/Präventionen im Sykes-Picot Raum

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King Kong 2006
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Warnung aus Teheran an Riad

Beitragvon King Kong 2006 » Mi 8. Nov 2017, 14:27

Rohani warnt Saudis vor der "Macht" Irans

"Die Saudis kennen ... die Macht sowie den Status Irans in der Region, sogar die Amerikaner konnten gegen das Land (militärisch) nichts unternehmen", sagte Rohani. Falls die Saudis interne Probleme haben, sollten sie versuchen die zu lösen. Anderen Ländern in der Region absurde Unterstellungen zu machen oder den libanesischen Premierminister zum Rücktritt zu zwingen, werde die internen Probleme nicht lösen, so der Präsident.


Falken im Iran äußerten sich bereits aggressiv zu dem Thema. Rouhanis Stabschef Vaesi ruft zur Ruhe auf.

Rohanis Stabschef Mahmud Waesi forderte alle Fraktionen im Land auf, Ruhe zu bewahren und sich nicht von der neuen Führung in Saudi-Arabien provozieren zu lassen. Diese versuche, ihre politischen Niederlagen in Jemen, Syrien und Katar mit absurden Unterstellungen gegen Iran zu vertuschen, sagte Waesi nach Angaben der Nachrichtenagentur ISNA.

http://www.spiegel.de/politik/ausland/h ... 77024.html


Im Iran werden wohl Erinnerungen an Saddam wach. Damals Mittel der Wahl, um den Iran einzudämmen. D.h. nicht, daß der Kronprinz und Saudi-Arabien sich jetzt ähnlich vor den Karren spannen lassen, bis zur Zertrümmerung. Und weil man das nicht will, wird wohl vermutlich letzten Endes sogar die USA auf Saudi-Arabien einwirken. Die Frage stellt sich schon, haben Trump und der Kronprinz das unter Kontrolle? Wenn die Steine erstmal rollen.

Wichtig ist natürlich die geostrategischen Pläne Russlands, Chinas und Irans zu stören. Aus Sicht der USA und Saudi-Arabiens. Umso instabiler, desto größer die Chance, daß die langfristigen Infrastrukturprojekte ersterer verzögert werden. Aber zum Preis der Kernschmelze in der Region will das wohl keiner mehr. Schon Syrien und Irak und Merkels geniale Flüchtlingspolitik und Wahlergebnisse für Europa sprechen nicht für einen größeren Gau...
Wenn man zuviel weiß, wird es immer schwieriger, einfache Entscheidungen zu treffen.
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Ende des Kalifats?

Beitragvon King Kong 2006 » Do 9. Nov 2017, 13:28

Generalmajor Qassem Soleimani, Oberkommandierender der Abteilung der Auslandsabteilung (Quds) der IRGC (iranische Revolutionsgarde) im September 2017. Er gilt als Chefstratege Irans im Raum Syrien/Irak.

We’ll celebrate fall of Daesh in 2 months: General Soleimani

A senior general with Iran’s Islamic Revolution Guards Corps (IRGC) says the Takfiri Daesh terror group will be uprooted in two months.

The countries fighting Daesh will in two months celebrate its collapse, said Major General Qassem Soleimani, who commands the IRGC’s Quds Force, the IRIB reported on Thursday.

“Iran, Russia, Syria, and Iraq should hold this celebration,” said the general at a ceremony held in memory of an Iranian military adviser martyred in Syria. The commander further slammed the US for its inaction in the face of Daesh terror activities and said Washington “has made no move to eradicate” the terror outfit.

http://www.presstv.com/Detail/2017/09/2 ... q-Syria-US


Zwei Monate später. Die letzten Hochburgen des IS werden in Syrien von den irakischen PMF und der Hezbollah gesichert, so daß Damaskus verkünden kann:

Syria declares end of Isis 'project' as last town held by jihadis falls to army

9 November 2017

http://www.independent.co.uk/news/world ... 45466.html


Isis is facing near total defeat in Iraq and Syria – but it has been beaten and come back before

http://www.independent.co.uk/news/world ... 95246.html


Das ist nicht das Ende der Probleme oder Gruppen wie Al-Qaida oder dem IS. Aber das Kalifat ist fertig. Es existiert nicht mehr.
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Kardux
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Re: Geopolitik - Interventionen/Präventionen im Sykes-Picot Raum

Beitragvon Kardux » Fr 10. Nov 2017, 11:12

King Kong 2006 hat geschrieben:Wir reden aneinander vorbei. Ich spreche nicht davon, daß der Iran global gesehen oder abstrakt das stabilste Land ohne Konflikte und Krisen ist. Welches Land wäre das? Es gilt als das stabilste der Region. Das ist etwas anderes.


Und ich habe Ihnen als Beispiel Syrien und den Irak genannt. Die liegen wohl auch in derselben Region wie der Iran. Natürlich sind beide Staaten künstlich geschaffen und besitzen mitnichten die weitreichende Staatstradition der Iraner. Das gewiss nicht. Das besaßen die Osmanen aber schon und trotzdem wurde das Reich zerteilt. Und wieso? Weil es zu viel wollte und im falschen Moment, falsche Entscheidungen traf. Davon ist der Iran samt seiner alten Staatstradition nicht befreit. So lang ist es nicht her, dass Stalin den Iran teilte - das war ein Jahr nach Ende des 2.Weltkriegs. Dies tat er um sich Vorteile zu verschaffen (am Kaspischen Meer). Und wie konnte er das realisieren? Weil der Iran ein Vielvölkerstaat ist. Völker die eigene nationale Ambitionen haben. So wie die Kurden und Azeris - die beide ihre Republiken ausrufen durften (was nur 11 Monate hielt - aber nicht weil der Iran das militärisch entschieden hätte).

Also sollte man was neue Grenzen und Stabilität angeht den Iran nicht über andere bestehende Staaten im Nahen Osten stellen. Betrachten wir einfach die Lage der Region nach dem 2. Weltkrieg. Da genossen Staaten wie Syrien und der Irak auch über lange Zeiten hinweg "Ruhe und Ordnung". Sprach man aber deshalb von Stabilität? Nein. Weil das Fundament nicht stabil ist. Genausowenig ist dies im Iran der Fall. Nur weil die Baath-Diktaturen in Syrien und im Irak für Ruhe sorgten waren beide Länder mitnichten stabil - das sehen wir eindrucksvoll heute.

Als stabiles Land in der Region fällt mir ehesten noch der Oman (in unmittelbarer Nähe zum Iran) ein, auch wenn dort ein Mann seit Jahrzehnten regiert und es nicht frei von Menschenrechtsverletzungen ist. Es gibt im Inneren keine größeren Konfliktpotentiale und mit seiner Nachbarschaft versucht man klar zu kommen. Das unterscheidet den Oman von vielen Staaten in der Region die Hegemonialmacht spielen wollen. Wer Unruhe nach Aussen trägt und seine inneren Probleme in Gefängnisse trägt bzw. an den Galgen
ist weder nach westlichen Massstäben noch orientalischen stabil.

King Kong 2006 hat geschrieben:Das Mossadegh weg ist, ist tragisch. War aber offenbar im Interesse der USA und Großbritanniens.


Ja, das war es. Es lässt aber nicht die Schlussfolgerung zu, dass die IRI im Interesse des Irans agiert, nur weil sie gegen die USA sind.

King Kong 2006 hat geschrieben:Er hat seine Ziele im Iran nicht erreicht. Er ist anschließend über seine Hybris gestolpert. Heute gibt es keine Bilder mehr von ihm in den Lokalen. Aber von iranischen Personen. Er ist ganz klar am Iran gescheitert. Entmachtet haben die USA ihn. Es gibt tatsächlich Meinungen und Thesen von US-Nachrichtendienstlern, die daraufhinweisen, wie der Iran aktiv die USA mit den notwendigen Informationen gefüttert haben, die sie hören wollten. Seinerzeit wurden dazu Ermittlungen aufgenommen. Wohlweislich wurden die Ergebnisse nicht mehr präsentiert. Es war durchaus im Interesse Irans, daß die USA Saddam, den Erzfeind entsorgen. Bush hat die fehlende Weitsicht bewiesen.


Saddams Ziele im Iran waren utopisch und ein Zeichen seines Größenwahns (den er in Kuwait fortsetzte). Nichtsdestotrotz konnte er über Jahrzehnte die große Mehrheit im Land (die Schiiten) blutig unterdrücken ohne das der Iran etwas dagegen machen konnte. Schon damals rechtfertigte der Diktator diese Taten (was natürlich keine Rechtfertigung ist!) das die Schiiten im Irak das Land den Iranern übergeben. Er sollte damit Recht behalten. Das bedeutet aber nicht, dass er am Iran gescheitert wäre. Ohne den Einmarsch der US-Truppen würden Maliki, Abadi, Jafaari und Konsorten noch heute im Iran sitzen. Noch heute würden in Karbala und Nejef Saddams Bilder hängen. Und die USA hätte mit oder ohne die Hilfe des Irans Saddam entmachtet.

Aber man kann sich natürlich viel einreden, wenn man so sehr von der eigenen Stärke überzeugt ist bzw. geblendet wird. Das erinnert mich dann wiederum an Saddam.

Ich glaube auch nicht das Bush, fehlende Weitsicht bewiesen hat. Saddam war für die Interessen der USA einfach nicht mehr tragbar. Und entgegen vieler Zahlen und Fakten glaube ich einfach nicht daran, dass der Einmarsch in den Irak ein wirtschaftliches Minusgeschäft war. Das irakisch-schiitische Größen die ihr halbes Leben im iranischen Exil waren nach der Entmachtung Saddams sich früher oder später Richtung Tehran orientieren war jedem Politiker in Washington klar. Aber der Profit den sie seit 2003 verzeichnen scheint es ihnen wert gewesen zu sein. Das amerikanische Traumprojekt die irakischen Schiiten zu emanzipieren läuft ja weiter. Die "Annäherung" Abadis mit Riad war einer dieser Versuche. Über lang wird das aber nicht klappen. Aber dann werden die USA Tehran nicht ohne weiteres den ganzen Irak überlassen. Wir haben ja gesehen mit welchen Mitteln eine Gruppe wie der IS bis kurz vor den Toren Baghdads marschieren kann. Vergessen Sie das nicht!

King Kong 2006 hat geschrieben:Was mit dem Irakkrieg funktioniert hat, scheint offenbar auch mit ein paar kleinen Grenzübergängen geklappt zu haben. Du selbst meinst, daß die USA die Peschmerga gezwungen haben sich so zu verhalten.


Ja, die USA haben den Kurden unmissverständlich zu verstehen gegeben, dass sie gegen die Schiiten auf sich alleine gestellt sind. Zumindest unmittelbar vor dem Anrücken der Shia-Jihadisten auf die "umstrittenen" kurdischen Siedlungsgebiete. Was genau geschehen ist weiß ich jedoch nicht. Weil es aus Sicht M.Barzanis keinen Sinn ergibt. Im Alleingang ein Unabhängigkeitsreferendum ausrufen, ohne die Unterstützung der Weltmächte aber auch ohne die Unterstützung der sunnitischen Front (Golfaraber und Türken) ergibt nunmal militärisch gesehen keinen Sinn. Mir scheint es aber so, dass die USA nicht mehr mit M.Barzani zusammenarbeiten wollte. Und so ereilte ihn dasselbe Schicksal wie Maliki. Sie verstehen.

King Kong 2006 hat geschrieben:Ich kann nur vermuten. Ich vermute, daß Saudi-Arabien seinen Wohlfahrtsstaat nicht lange auf dem Niveau durchhalten kann. Dann wird es zu großen Unruhen kommen. Pakistan? Gilt eher als failed state. Syrien, Irak? Die sind auf sehr lange Zeit hilfsbedürftig, keine Hegemonen. Bleibt die Türkei. Die haben massive Kapazitäten. Das Problem ist, daß sie Türken und keine Araber sind und viele in der Region sich mißtrauisch der Osmanischen Reiches erinnern. Der Iran ist auch kein arabisches Land. Und auch viele betrachten den Iran im historischen Kontext mißtrauisch. Aber neben dem Iran und partiell (wegen der Geografie) der Türkei sehe ich da niemanden. Die USA ziehen sich sukzessiv zurück. So handeln wie in den Vierzigern des 20. Jahrhundert, oder bei der Operation Ajax, oder noch unter Bush und seinen Kriegen geht heute nicht. Trump hat einen vorgewarnten evakuierten Flugplatz irgendwo in Syrien mit ein paar Raketen beschiessen lassen (damit offenbar keine Iraner oder Russen dort zu schaden kommen - das hätte Ärger gegeben...). Das geht.

Die USA werden dort nicht verschwinden. Aber sie haben gewaltig an Einfluß verloren. Und Tendenz dazu ist wichtig. Sie ist absteigend. Nicht aufsteigend.


Ich finde nicht das die Tendenz absteigend ist. Betrachten Sie sich nur einmal wieviele Militärstützpunkte die USA gewonnen haben u.a. auch in Syrien. Im Irak konnten sie sich noch stärker festsetzen. Die Kurden sind so abhängig wie noch nie von den USA und werden in Zukunft noch viel mehr vom Kuchen abgeben. Abgeben müssen. Und wie die weitere Entwicklung im Nahen Osten sein wird, ist nicht absehbar. Aber das immer schwächer werdende sunnitische Lager scheint irgendwie nur ein Schachzug zu sein.

- Im Nordirak übernimmt der Iran die Kontrolle über fast alle wichtigen wirtschaftlichen Punkte
- In Beirut tritt der Sunnit Hariri zurück
- Riad wird von Huthi-Rebellen angegriffen

Und die USA + Israel betrachten das alles ohnmächtig. Alles klar...
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Versteht Hariri, was er da vorliest?

Beitragvon King Kong 2006 » Fr 10. Nov 2017, 17:07

Der ehemalige libanesische Regierungschef Hariri ist zurückgetreten. Ganz plötzlich bliebe er in Saudi-Arabien. Offiziell begründet er seinen Rücktritt mit dem wachsenden Einfluß Irans. Es werden aber Zweifel laut, ob er nicht eine Schachfigur ist.

Hariri, bitte melden!

Libanons Regierungschef Saad Hariri ist zurückgetreten und hält sich unter ungeklärten Umständen in Saudi-Arabien auf.


Der Libanon hielt sich in dem Wirbelsturm der Region erstaunlich robust und die Wirtschaft wuchs sogar.

Tatsächlich gab es in den Jahren 2013 und 2014 verheerende Bombenanschläge im Libanon, bei denen insgesamt mehr als hundert Menschen getötet wurden. Sie richteten sich zum einen gegen sunnitische Moscheen in Tripoli, der zweitgrößten Stadt des Landes. Und sie zielten zum anderen auf Einrichtungen in den südlichen Vororten von Beirut, in denen hauptsächlich Schiiten leben. Die Hintermänner der Attentate wurden nie gefasst. Doch offenbar war es das Ziel der Terroristen, Sunniten und Schiiten im Libanon gegeneinander aufzuhetzen und einen neuen Bürgerkrieg loszutreten.

Bislang hat sich der Zedernstaat als erstaunlich robust erwiesen. Die Wirtschaft wächst in diesem Jahr um mehr als zwei Prozent, für 2018 erwarten Analysten knapp drei Prozent Wachstum. In diesem Jahr kamen bislang rund zwei Millionen Touristen ins Land, das ist der höchste Stand seit 2010. Noch am 1. November verkündete Ministerpräsident Saad Hariri Pläne für einen Ausbau des Flughafens Beirut, um fünf Millionen zusätzliche Passagiere pro Jahr abzufertigen.


Trotz dieser Prognosen lief irgendwas hinter den Kulissen ab.

Hariri begründete diesen Schritt mit dem wachsenden Einfluss Irans und der von Teheran unterstützten Hisbollah im Libanon.


Doch mittlerweile wachsen die Zweifel daran, dass Hariri diese Erklärung aus freien Stücken abgab. Der 47-Jährige war noch nie ein großer Rhetoriker, es fällt ihm seit jeher schwer, im formalen Hocharabisch zu reden. Aber als Hariri vor laufender Kamera seinen Rücktritt erklärte, las er die Begründung vom Blatt ab. Es wirkte, als sehe der Politiker die Zeilen auf seinem Zettel in diesem Moment zum ersten Mal. Seither hat sich Hariri in Saudi-Arabien zwar mehrfach in der Öffentlichkeit gezeigt, aber nicht geredet.

Libanons Präsident Michel Aoun verlangte am Freitag bei einem Gespräch mit dem saudi-arabischen Botschafter in Beirut Klarheit über das Schicksal Hariris. Die Umstände des Rücktrittes seien unakzeptabel, sagte Aoun. Hariri solle umgehend in den Libanon zurückkehren. Ähnlich äußern sich alle Parteien in Beirut - von Hariris eigener Zukunftsbewegung bis hin zur Hisbollah.

http://www.spiegel.de/politik/ausland/l ... 77408.html


Offenbar versucht Saudi-Arabien, mutmaßlich mit den USA im Rücken, dort die Haltung zu übernehmen, die einst Saddam zukam.
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Re: Geopolitik - Interventionen/Präventionen im Sykes-Picot Raum

Beitragvon Kardux » Fr 10. Nov 2017, 20:58

Welch einseitiger Artikel...

Wenn man den Unsinn so liest würde man fast meinen, dass der Einfluss der Hizbollah seit Jahren nicht zugenommen hätte und das Hariris Leben nicht bedroht wäre. Wer hat denn seinen Vater exekutiert werte Spiegel-Redaktion...
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Golfkrieg I reloaded?

Beitragvon King Kong 2006 » Sa 11. Nov 2017, 19:56

Im 1.Golfkrieg oder auch Irak-Iran Krieg wurde Saddam als containment gegen den Iran eingesetzt. Natürlich hatte er auch selber große Ambitionen. Aber auch die USA. Und für die war der Irak unter Saddam Mittel der Wahl.

Saudi-Arabien bringt sich in Stellung. Nachdem Trump klar durch Waffenverkäufe, Haltungen gegenüber dem Iran usw. dem Kronprinzen signalisiert hat, auf wessen Seite man steht. So, wie bei Saddam. Natürlich hat der Kronprinz auch eigene ehrgeizige Ambitionen, durch die Säuberungswellen (Verhaftungen) versucht er sich autoritärer aufzustellen. Aber auch die USA haben Interessen.

Ein heißer Krieg erscheint nicht wahrscheinlich, aber die Ähnlichkeiten sind durchaus da. Zumindest durch Proxies wird bereits heiß gekämpft.

"Saudi-Arabien nimmt strategisch gegen den Iran Stellung"

Wimmen: Also ich denke, da gibt es einen klaren Zusammenhang zwischen dem Versuch, der erfolgreich zu sein scheint, des Kronprinzen in Saudi-Arabien, Mohammed bin Salman, seine Position als alleiniger Machthaber zu konsolidieren und auszubauen. Wie Sie in der Anmoderation ja gesagt haben, es wurden mindestens elf Prinzen, Geschäftsleute verhaftet, es wurden große Geldvermögen erst einmal eingefroren, und das ist die interne Front. Und die externe Front ist, dass der Herr bin Salman gegen Iran mobil macht, und wenn es um Iran geht, dann haben wir hier natürlich im Libanon die Hisbollah, die als Klient, als Verbündeter des Iran aktiv ist und die sich da als Feindbild anbietet.


Der Kronprinz will zeigen, das er ein Macher ist.

Wimmen: Zumindest einen anderen Schauplatz, wo man zeigen kann oder wo der Kronprinz zeigen kann, dass er als Führungspersönlichkeit sozusagen den Ton angibt, dass er strategisch gegen Iran Stellung nimmt und damit dann natürlich sein eigenes Publikum zu Hause hinter sich scharrt. Sie haben Syrien erwähnt als einen Ort, wo die Saudis gescheitert sind, Jemen – wir hatten gerade darüber gesprochen über Jemen – ist ein zweiter Ort. Dieser Krieg im Jemen, der nun schon mehr als zwei Jahre andauert, hat sich für Saudi-Arabien ebenfalls als eine sehr, sehr kostspielige Niederlage oder ein sehr kostspieliges Abenteuer erwiesen, und da ist Mohammed bin Salman ganz klar derjenige, der das auf seine Verantwortung hin vorangetrieben hat. Deswegen liegt es nahe, dass man jetzt einen anderen Schauplatz sucht, wo man meint, vielleicht da mit besseren Aussichten Muskeln zeigen zu können, und Libanon bietet sich an. Man hofft, vielleicht auf den Zug aufzuspringen, den Herr Trump in Bewegung gesetzt hat gegen Iran, die Versuche der Amerikaner, aus dem Nuklearabkommen auszusteigen, all das ist aus saudischer Sicht eine positive Entwicklung, um diese Rückschläge, die Sie erwähnt haben, auch in Syrien zurückzudrehen, um die amerikanische Position, die Herr Obama vertreten hat, die gegenüber Iran ja deutlich pragmatischer war, um das zurückzudrehen und den iranischen Einfluss zurückzuräumen in der Regierung.


Rohde: Steht denn zu befürchten, dass der Libanon ein zweiter Jemen wird?

Wimmen: Zunächst einmal denke ich … Erst mal, die Antwort ist Nein, ich denke, die Gefahr besteht im Augenblick nicht. Erst mal müssen wir auf die Geografie schauen: Jemen ist, grenzt zum großen Teil an Saudi-Arabien, die Saudis kontrollieren die Gewässer, das ist sozusagen einfach, den Jemen zu isolieren, von der Außenwelt abzuschneiden und zu bombardieren. Viel mehr hat man ja auch nicht erreicht, zumindest nicht im Hochland des Jemen, wo die Hauptstadt ist. Im Libanon haben die Saudis, denke ich, keine militärische Option, da selber aktiv zu werden, das ist einfach geografisch zu weit weg. Man hat keinen Zugang irgendwo, um überhaupt mit Bodentruppen aktiv zu werden. Die saudische Luftwaffe ist im Jemen genug beschäftigt, und ich meine, gegen den Libanon und gegen Hisbollah Krieg zu führen, das haben schon ganz andere versucht, möchte ich mal sagen, also die Israelis natürlich vor allem, und hatten da, wie Sie ja wissen, auch ihre Schwierigkeiten. Also dass die Saudis das selber in die Hand nehmen, ist, denke ich, abwegig.

Rohde: Aber Herr Wimmen, müssen die Leute im Libanon fürchten, dass sie wirtschaftlich von Saudi-Arabien isoliert werden, wie das zum Beispiel auch bei Katar der Fall war?

Wimmen: Das ist eine deutlich größere Befürchtung. Auch da ist die Geografie nicht so auf der Seite der Saudis, wie es in Katar ist. Wenn man auf die Karte guckt, ist Katar natürlich auch von Saudi-Arabien und saudischen Verbündeten umgeben – wesentlich einfacher, das abzuschneiden von der Außenwelt. Das ist im Libanon wiederum nicht so, die Handelsbeziehungen sind auch sehr viel vielfältiger oder die Wirtschaft ist auch sehr viel differenzierter. Nur es gibt einen ganz großen Hebel, das sind die Auslandslibanesen, von denen etwa 350.000 – das sind Zahlen, die ich ernst nehme – im Golf aktiv sind, Saudi-Arabien etwa die Hälfte davon, die andere Hälfte Staaten im Golf, die im Zweifelsfall auf Zuruf auch das machen, was die Saudis wollen. Diese Leute schicken jedes Jahr vier, vielleicht fünf Milliarden Dollar zurück nach Hause sozusagen, und das wiederum sind etwa zehn Prozent des libanesischen Bruttosozialprodukts. Wenn das abgeschnitten wird, wenn diese Transfers erst einmal gestoppt werden durch Maßnahmen der Banken vielleicht, wenn Leute ausgewiesen werden und ihre Aufenthaltsgenehmigung, Arbeitsgenehmigung verlieren in Saudi-Arabien, das tut weh, das ist ganz klar ein ökonomisches Problem. Das wird die Wirtschaft nicht in die Knie zwingen, aber das kostet, das ist schmerzhaft.

http://www.deutschlandfunk.de/drohende- ... _id=400403


Es ist immer eine "spannende Herausforderung" wenn ein neuer Player, hier der Kronprinz, sich Ruhm und Ehre erwerben will. Oder genauer gesagt sich fest etablieren und Karriere machen. Saddam wollte auch ein großer Staatsführer, ein großer arabischer Heerführer sein. Wenn dann solch ein Ehrgeiz von großen überregionalen Playern, wie z.B. der Trump-Administration angefüttert wird, sollte man sehr genau hinschauen, ob nicht Entwicklungen gestartet werden, die am Ende große Verwerfungen ergeben. Als Saddam 1980 den Schatt el-Arab zum Iran hin übertrat, hätte wohl weder er noch andere sich denken können, wo wir heute in der Region aufgrund der Entwicklungen stehen. Inklusive der Flüchtlingsproblematik in Deutschland/EU.
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Der Kronprinz setzt ultimative Waffe ein - USA raten vom Aufenthalt in Saudi-Arabien ab

Beitragvon King Kong 2006 » Fr 24. Nov 2017, 11:02

Nachdem der Kronprinz den libanesischen Premier Hariri ziehen lassen mußte und dieser im Libanon gefeiert wird, nun der nächste Schachzug. Diesmal ist es kein weiterer ausländischer Premier, der eingeladen und zum Bleiben überzeugt wurde, sondern das Ende der Weisheit. Godwins Law.

Saudischer Kronprinz wettert gegen Irans "neuen Hitler"

http://www.spiegel.de/politik/ausland/s ... 80072.html


Wenn einem nichts mehr einfällt, man am Ende der Möglichkeiten und des Lateins ist, dann hilft meist nur noch die Nazikeule. Adolf Hitler, der deutsche Nationalsozialismus. In der falschen Hoffnung das dies so omnipotent ist, daß damit alles gesagt und alles klar ist. Diskussion gewonnen und es gibt jetzt nur noch den totalen Krieg. Ich gehe davon aus, daß auch diese rethorische Maßnahme der Meisterklasse den al-Sauds nicht wirklich weiterhelfen wird.

Saudi Arabia has overreached on Iran, Lebanon

https://www.japantimes.co.jp/opinion/20 ... hfsdq2X_5Y


Teheran hört sich das erstmal an. Washington rät inzwischen vorsichtshalber sich nicht in Saudi-Arabien aufzuhalten.

US citizens told STAY AWAY from Saudi Arabia amid fears of all-out war with Iran

https://www.dailystar.co.uk/news/world- ... Department


Der Iran hat lernen müssen mit ständigen Warnungen vor dem Besuch im Land und Isolation zu leben, Riad kennt das (noch) nicht. Sie sind existentiell darauf angewiesen. Auf fremde Hilfe. Der junge Prinz sollte vorsichtig sein zu suggerieren, das es gesundheitsschädlich wäre sich dort aufzuhalten.
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Teheran erinnert an die gestürzten Diktaturen

Beitragvon King Kong 2006 » Sa 25. Nov 2017, 12:38

Iran reagiert gelassen auf saudischen Hitler-Vergleich

Der Iran hat gelassen auf die Äußerungen des saudischen Kronprinzen Mohammed bin Salman reagiert. Der hatte Irans obersten Führer Ajatollah Ali Chamenei als "neuen Hitler des Nahen Ostens" bezeichnet.

"Seine Äußerungen sind so unangemessen, unreif und zum Teil auch dumm, dass er in der Welt immer mehr an Seriosität und Kredit verliert", erklärte Außenamtssprecher Bahram Ghassemi.

Eine gefährliche und abenteuerliche Politik Saudi-Arabiens im Libanon sorge auch bei den treuen Alliierten des Königreichs für Fragezeichen, so Ghassemi. "Wir raten dem Kronprinzen daher aufzupassen, dass er mit dieser Politik nicht das gleiche Schicksal erlebt wie die anderen gestürzten Diktatoren in der Region", sagte der Sprecher in einer Presseerklärung.

https://www.zvw.de/inhalt.saudi-arabien ... 7bfe9.html


Der Iran befürchtet eher für den Prinzen dieselbe Schnittmenge der Diktaturen hinsichtlich ihres Schicksals.
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Russland bereitet Abzug aus Syrien vor

Beitragvon King Kong 2006 » Do 30. Nov 2017, 16:17

Wie es heißt bereitet Moskau den Abzug seiner Truppen aus Syrien vor. Zwei Stützpunkte bleiben.

Russland bereitet Abzug seiner Truppen aus Syrien vor

Sekretär des Sicherheitsrats: "Vorbereitungen laufen" Moskau

Russland bereitet nach eigenen Angaben den Abzug seiner Truppen aus Syrien vor. "Die Vorbereitungen laufen", zitierte die Nachrichtenagentur RIA am Donnerstag den Sekretär des Russischen Sicherheitsrates, Nikolai Patrutschow. Generalstabschef Waleri Gerassimow hatte vor einer Woche angekündigt, Russland dürfte einen großen Teil seiner Soldaten aus dem Bürgerkriegsland abziehen. Damit könne bis Ende des Jahres begonnen werden. Vermutlich werde Russland jedoch unter anderem mit zwei Stützpunkten im Land präsent bleiben.

derstandard.at/2000068807492/Russland-bereitet-Abzug-seiner-Truppen-aus-Syrien-vor
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China soll angeblich Kommandotruppen nach Syrien verlegen - Zukünftige Präsenz Irans

Beitragvon King Kong 2006 » Do 30. Nov 2017, 17:03

In Syrien sollen sich lt. Damaskus bis zu 5000 uighurische Kämpfer aus China aufhalten.

Syria says up to 5,000 Chinese Uighurs fighting in militant groups

https://www.reuters.com/article/uk-mide ... SKBN1840UP


Peking soll zur Bekämpfung Truppen entsenden.

The Chinese Ministry of Defence intends to send two units known as the "Tigers of Siberia" and the "Night Tigers" from the Special Operations Forces to aid regime troops against militant factions, New Khaleej reported, citing informed sources.


Uighurs themselves complain of discrimination and say their traditional and religious way of life is being eroded by Chinese domestic policy and an influx of settlers from elsewhere in China.

China has said that "East Turkestan terrorist forces" had posed several threats against the government.

Assad has previously praised "crucial cooperation" between Syria and Chinese intelligence against Uighur militants, adding ties with China were "on the rise".

Chinese military personnel have been on the ground in Syria since at least last year, training Syrian forces to use China-made weapons.

https://www.alaraby.co.uk/english/news/ ... s-to-syria


Die Präsenz Irans schwankt nach Berichterstattung stark hin und her. Das geht von 13 Militärbasen bis hin zur jüngsten Aussage (von Liberman), der Iran hätte gar keine regulären Streitkräfte vor Ort. Wohl sehr viele Milizen mit iranischen "Beratern".

Karte der iranischen MEK über Stützpunkte Irans in Syrien. Stand 2016
http://i.dailymail.co.uk/i/pix/2016/08/ ... 485252.jpg

DEFENSE MINISTER: THERE ARE NO IRANIAN MILITARY FORCES IN SYRIA
http://www.jpost.com/Arab-Israeli-Confl ... ria-515429


Was davon alternative Fakten sind und was dehnbar Interpretierbar weiß wohl selbst keiner genau. Die Haltung Israels dazu, daß es dort keine signifikante Präsenz Irans gibt, kann u.a. auch damit zu tun haben, daß ansonsten Israel in Zugzwang gerät. Man hat klar gemacht, daß man eine iranische Präsenz in Syrien nicht tolerieren wird. Wenn dort aber Basen sind, dann sieht das nicht gut aus für die Glaubwürdigkeit Israels und der damit zusammenhängenden Abschreckungsfähigkeit. Man müsste bei einer signifikanten Präsenz glaubhaft angreifen.
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Türkei - YPG/PKK

Beitragvon King Kong 2006 » Mi 10. Jan 2018, 08:36

Erdoğan kündigt Einsatz von Armee in syrischen Kurdenregionen an

Der türkische Präsident will den Nordwesten Syriens von einer "Terrorgruppe" befreien und meint damit die Kurden

Damaskus/Ankara – Der türkische Präsident Tayyip Erdoğan hat einen Militäreinsatz in den kurdisch kontrollierten Regionen Afrin und Manbij in Syrien angekündigt. "Jetzt ist es so weit, das Projekt der separatistischen Terrororganisation, einen Syrien-Terrorkorridor zu errichten, vollkommen zunichtezumachen", sagte Erdoğan am Dienstag vor Mitgliedern seiner AK-Partei.

Mit der "separatistischen Terrororganisation" meint Erdoğan die verbotene kurdische Arbeiterpartei PKK, deren syrischer Ableger YPG die Regionen Afrin und Manbij kontrolliert. Die türkische Armee werde ihren im August 2016 begonnenen Einsatz in Nordsyrien auf die Regionen Afrin und Manbij ausweiten "und danach Sicherheit und Ruhe entlang der gesamten Grenze bringen", sagte Erdoğan.

derstandard.at/2000071764168/Erdogan-kuendigte-Militaereinsatz-in-kurdischen-Regionen-in-Syrien-an


Ist das die Phase II? Die militärischen Operationen gegen die von der Opposition (FSA, Al-Qaida, IS usw.) gehaltenen Gebiete um Idlib und jetzt die türkischen Interventionen gegen die von der YPG/PKK eroberten Gebiete in Syrien?

Teheran, Moskau und Ankara sind ja seit einiger Zeit im Austausch miteinander. Nicht nur mit Damaskus und Bagdad (4+1). Die 1, also die Hezbollah sieht die Kämpfe in Syrien in 1-2 Jahren für beendet.
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Kuddelmuddel und Drunter und Drüber - Russland, Iran & Türkei

Beitragvon King Kong 2006 » Do 11. Jan 2018, 20:27

Die FSA und Al-Qaida haben praktisch eine gemeinsame Kommandozentrale gebildet.

Syrische Rebellen starteten Offensive in Idlib

"Freie Syrische Armee" und Al-Kaida-nahe Tahrir al-Sham melden Geländegewinne – gemeinsame Kommandozentrale eingerichtet

derstandard.at/2000071980781/Syrische-Rebellen-starteten-Offensive-in-Idlib


Gleichzeitig ist ein Schwarm bewaffneter Drohnen über eine russische Militärbasis hergefallen.

Drone attack on Russian bases in Syria came from Turkish-backed rebels – MoD

https://www.rt.com/news/415454-drone-at ... ia-turkey/


Moskau vermutet dahinter die Türkei. Die wiederum hatte sich kritisch über den Vormarsch der Assad-Truppen geäußert.

Turkey warns Iran, Russia as Syria tensions mount

Read more at https://www.channelnewsasia.com/news/wo ... nt-9849582
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Türkische Offensive angekündigt

Beitragvon King Kong 2006 » So 14. Jan 2018, 21:36

Erdogan kündigt offenbar eine Offensive in das von der YPG gehaltenen Gebiet um Afrin an.

Angriff auf Kurden-Miliz

Erdogan kündigt Militäroperation in Syrien an

Die syrische Kurden-Miliz YPG wurde von den USA aufgerüstet - jetzt will die Türkei sie zerschlagen. Präsident Erdogan sagt, er werde in wenigen Tagen "unsere südliche Grenze vom Terror säubern".

http://www.spiegel.de/politik/ausland/t ... 87825.html


Vermutlich dient das zwei Zwecken. Einmal soll die YPG/PKK zurückgedrängt werden, ich gehe davon aus, daß irgendwann auch syrische Operationen im Osten gegen die YPG beginnen werden und zum anderen will man wohl noch schnell irgendwie Boden gut machen, bevor Assad (4+1) noch mehr Boden gegen die Restrebellen in diesem Teil Syriens gut machen.
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Re: Geopolitik - Interventionen/Präventionen im Sykes-Picot Raum

Beitragvon Kardux » Mo 15. Jan 2018, 08:53

Verständlich, dass Erdogan seinen IS rächen möchte. Nachdem dieser den gesamten Norden Syriens an die YPG und säkulare Araberverbände abtreten musste.

Die Frage die sich stellt ist, was geschieht mit der Region nachdem die Türken es erobern und ihre Halsabschneiderverbände nachrücken? Aus meiner Sicht ergibt sich so eine Situation wie 2013 und 2014...
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"Terror Army"?

Beitragvon King Kong 2006 » Mi 17. Jan 2018, 17:23

Ankara, Teheran und Moskau sprechen sich gegen eine kurdisch dominierte Armee aus. Syrien auch. Teheran hält wie Ankara, Damaskus und Moskau eine kurdische Armee für einen Auslöser von weiteren Kriegshandlungen. Ankara marschiert vermutlich u.a. auch deswegen mit Truppen hin und her.

Das sind für die Türkei, Iran und Syrien sicherlich rote Linien, da dies eine Signalwirkung sein kann. Für Moskau ist das eine us-dominierte Angelegenheit.

Turkey, Russia, Syria, and Iran all bash 'terror army' of US-backed kurds

LONDON (Reuters) - Iran said on Tuesday a new U.S.-backed, 30,000-strong force inside Syria would "fan the flames of war", echoing the vehement response of Syria, Turkey and Russia to the plan.

http://www.businessinsider.com/turkey-r ... 018-1?IR=T
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US-Manpads für YPG/PKK?

Beitragvon King Kong 2006 » Do 18. Jan 2018, 17:27

Lt. dem Mossad-nahen Debka und dem Kreml-nahen Sputnik sollen kurdischen Kämpfer transportable Flugabwehrwaffen von den USA bekommen.

US anti-air missiles for Kurds to meet Turkish, Syrian threats

The Turkish president did not directly attack the US or the Trump administration, only tangentially. In his speech to parliament, he reproved NATO, saying, “You are duty-bound to strike a certain pose against anyone that harasses one of your partners.” He also sent Turkish chief of staff Gen. Hulusi Akar to Brussels, where he plans to call on Gen. Joseph Dunford, chairman of the US Chiefs of Staff, and deliver Ankara’s final warning before going to war on the Kurds of northern Syria.

https://www.debka.com/us-anti-air-missi ... n-threats/


The United States has provided the Kurdish People's Protection Units (YPG) operating in Syria man-portable air defense systems (MANPADS) within the framework of the secret agreement, media reported.

https://sputniknews.com/military/201801 ... urds-deal/


Übliche Verdächtige wie Damaskus, Teheran und Moskau beiseitelassend, wie seht es mit dem NATO-Partner Türkei in dieser Frage aus? Wenn uns Israel (Mossad) und Russland (Sputnik) nicht mit Fake-News hereinlegen wollen! Trump sollte denen dann mal Preise verleihen...
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Re: Geopolitik - Interventionen/Präventionen im Sykes-Picot Raum

Beitragvon Dieter Winter » Fr 19. Jan 2018, 14:32

Offenbar greift die Türkei die kurdischen Verbündeten der USA in Syrien an.

http://www.spiegel.de/politik/ausland/s ... 88724.html

Ob die Amis den Kurden da wohl militärisch helfen werden?

Und die EU wegen der Grenzverletzung die TR mit Sanktionen belegen?
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Re: Geopolitik - Interventionen/Präventionen im Sykes-Picot Raum

Beitragvon King Kong 2006 » Fr 19. Jan 2018, 16:17

Angeblich ziehen sich russische Beobachter aus der Region Afrin zurück.

Russia has started moving military observers away from an area in northwestern Syria where Turkey is planning an offensive against Kurdish fighters, a Turkish official told Al Jazeera.

http://www.aljazeera.com/news/2018/01/r ... 08957.html


Offenbar gibt es mit Moskau und Teheran Absprachen.

“We are meeting the Russians and Iran on the use of air space,” the top Turkish diplomat added.

http://www.presstv.com/Detail/2018/01/1 ... ign-Russia


Von Washington kommt bisher nichts offizielles.
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Re: Geopolitik - Interventionen/Präventionen im Sykes-Picot Raum

Beitragvon Kardux » Fr 19. Jan 2018, 17:10

Dieter Winter hat geschrieben:(19 Jan 2018, 14:32)

Offenbar greift die Türkei die kurdischen Verbündeten der USA in Syrien an.

http://www.spiegel.de/politik/ausland/s ... 88724.html

Ob die Amis den Kurden da wohl militärisch helfen werden?

Und die EU wegen der Grenzverletzung die TR mit Sanktionen belegen?


Die Kurden werden wie immer das Bauernopfer sein - sofern die Türken sich grünes Licht von den Russen verschafft haben. Denn ohne Lufthoheit wird es bestimmt sehr grossen Widerstand auf kurdischer Seite geben.

Wie man es dreht und wendet - der Nahe Osten ist derzeit sowieso ein Sauhaufen. Man dreht sich stets im Kreis. Es sind keine Tendenzen von Einsicht, Respekt, Versöhnung oder allumfassenden wirtschaftlichen Interessen zu erkennen.
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Re: Geopolitik - Interventionen/Präventionen im Sykes-Picot Raum

Beitragvon Kardux » Sa 20. Jan 2018, 08:31

Über Twitter kursieren Gerüchte, dass der Angriff der türkischen Armee und seiner sunnitischen Halsabschneider-Milizen heute Nacht bzw. in den frühen Sonntags-Morgenstunden beginnen soll.

Damit wird der letzte Fleck Syriens, der seit Beginn des Syrien-Konflikts mehr oder weniger unberührt war, zum Kriegsschauplatz.
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