Das Auto- Mobilität als Zwang

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Re: Das Auto- Mobilität als Zwang

Beitragvon schokoschendrezki » Fr 24. Aug 2018, 10:49

Realist2014 hat geschrieben:(24 Aug 2018, 11:42)

es gibt keinen "Zwang" zur Mobilität-

Individuelle Mobilität ist eine FORDERUNG der Menschen in D...

DESWEGEN haben wir auch so VIELE Autos in D...

Speziell in einem urbanen Großstadt-Umfeld bedeutet "Individuelle Mobilität" überhaupt nicht zwangsweise Autobesitz. "Mobilität" heißt einfach Beweglichkeit. Und Autobesitz bedeutet in bestimmten Ecken Berlins, dass ich nicht mobil bin sondern eine halbe Stunde vorm S-Bahnhof Karlshorst stehe. Während über mir die Leute bequem und mobil mit der S-Bahn über die Brücke fahren.
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Re: Das Auto- Mobilität als Zwang

Beitragvon zollagent » Fr 24. Aug 2018, 10:50

Betrachter hat geschrieben:(24 Aug 2018, 11:44)

Was wäre das wirtschafliche Wachstum in diesem Lande ohne seine Autoindustrie? Und was ist bei uns Wirtschaft anderes als Profitsteigerung um jeden Preis?

"Um jeden Preis", das halte ich für schlicht eine polemische Übertreibung. Und daß wirtschaftliche Betätigung und Interessenbefriedigung immer auch einhergeht mit dem Willen zum Verdienst, ist nichts Verwerfliches, als was du es offensichtlich ansiehst. Es ist die gleiche Motivation, warum die Jäger und Sammler in der Steinzeit ihre Höhlen verließen und dann wieder mit dem Gefundenen oder Erjagten zurückkehrten. Nämlich, daß man überleben konnte.
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Re: Das Auto- Mobilität als Zwang

Beitragvon zollagent » Fr 24. Aug 2018, 10:52

schokoschendrezki hat geschrieben:(24 Aug 2018, 11:49)

Speziell in einem urbanen Großstadt-Umfeld bedeutet "Individuelle Mobilität" überhaupt nicht zwangsweise Autobesitz. "Mobilität" heißt einfach Beweglichkeit. Und Autobesitz bedeutet in bestimmten Ecken Berlins, dass ich nicht mobil bin sondern eine halbe Stunde vorm S-Bahnhof Karlshorst stehe. Während über mir die Leute bequem und mobil mit der S-Bahn über die Brücke fahren.

Da sind Stadt und Land große Gegensätze. Während meines Studiums in Hannover und Berlin habe ich mein Auto auch stehen lassen und habe die städtischen Verkehrsbetriebe genutzt. Das geht halt nur in Ballungsgebieten.
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Re: Das Auto- Mobilität als Zwang

Beitragvon Realist2014 » Fr 24. Aug 2018, 10:52

schokoschendrezki hat geschrieben:(24 Aug 2018, 11:49)

Speziell in einem urbanen Großstadt-Umfeld bedeutet "Individuelle Mobilität" überhaupt nicht zwangsweise Autobesitz. n.



individuelle, bequeme Mobilität schon...
Laut Aussage der linken Ideologen sind alle ökonomisch erfolgreichen dumm, und die wahre Intelligenz tritt sich in der untersten ökonomischen Etage auf die Füße.....daher muss diese Etage ausgebaut werden
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Re: Das Auto- Mobilität als Zwang

Beitragvon Realist2014 » Fr 24. Aug 2018, 10:54

Betrachter hat geschrieben:(24 Aug 2018, 11:47)

Was ist von einer Freiheit zu halten, die einen großen Teil deines Einkommens frisst, dich abhängig macht von Werkstätten (früher konnte man vieles selbst reparieren- und es lief!) und dich ständig im Stau stecken lässt, dir deine körperliche, natürliche Mobilität nimmt und dich wütend macht über Leute, die dir die besten Parkplätze "wegnehmen"?


lass doch einfach mal DEINE "Verbesserungsvorschläge" lesen...
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Re: Das Auto- Mobilität als Zwang

Beitragvon schokoschendrezki » Fr 24. Aug 2018, 10:56

unity in diversity hat geschrieben:(24 Aug 2018, 11:48)

Der Wandel der Arbeitswelt wird kaum Einfluß auf die Mobilität haben.
Arbeitsmobilität wird durch Freizeitmobilität substituiert.
Was sich ändert?
Die Kundschaft sucht leise und schadstofffreie Fortbewegungsmittel.

Ja. Das sehe ich auch so. Beziehungsweise das trifft hundertprozentig auch auf mich zu. Wobei statt leise und schadstoffrei in erster Linie stressfrei, uneingezwängt und "nicht mit der Masse" zählt. Es mag für einige irgendwie befremdlich klingen. Aber abgesehen davon, dass ich zum Beispiel Kreuzfahrturlaube auch ganz unabhängig und von ihrer ganzen Art her aus ganz persönlichen Präferenzen heraus niemals machen würde. Die Tatsache, dass Kreuzfahrturlaube gerade in der Popularität stark am Wachsen sind, ist für mich bereits ein Grund, dabei eben nicht mitzumachen. Nicht machen, was alle irgendwie machen ist ein Wert an sich.
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Re: Das Auto- Mobilität als Zwang

Beitragvon Betrachter » Fr 24. Aug 2018, 10:59

Sole.survivor@web.de hat geschrieben:(24 Aug 2018, 11:46)

Das private, selbst gekaufte Fahrzeit wird voraussichtlich an Bedeutung verlieren. Ein immer größerer Teil der Menschen lebt und arbeitet in den großen Städten, lässt sich jeden Scheißdreck anliefern (teilweise auch schon Getränke und Lebensmittel) und hat kaum Anlass, regelmäßig die Peripherie zu besuchen. Das Auto steht also überwiegend herum und kostet Geld, teuer ist es als technisches Spitzenprodukt auch noch. Seine halbe Lebensdauer gehört es faktisch der Bank. Wenn man es dann einmal benutzen will, ist die Fahrt langsam und beschwerlich. Das Auto ist unter den Bedingungen der Großstadt nicht annähernd im Rahmen seiner Leistungsfähigkeit nutzbar. Am Ziel entstehen dann wieder Kosten und Aufwände in Verbindung mit dem Abstellen des Gefährts. Da lobt sich doch, wer kann, die Ubahn oder die Tram, das dichte Busnetz oder dergleichen. Für die Punktverbindung der Großstädte ist das private Kfz auch auf vielen Strecken nicht schneller als Flugzeug und Zug. Wer wenig reist, wird sich gründlich überlegen, das Auto fallweise zu mieten oder dem Privatbesitz sonst auszukommen (Karcheringmodelle).


Nehmen wir an, es geht wirklich dahin: der Privatmensch spart Geld, weil es ihm gelingt, auf ein Auto weitgehend zu verzichten. Wie kompensieren Autoindustrie und Staat als Profiteure die entstandenen Verluste? Investieren die dann viel in den ÖPNV, der so teuer wird, dass man auf das Autogeschäft mehr und mehr verzichten kann? So dass die armen Leute nur noch zu Fuß gehen?
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Re: Das Auto- Mobilität als Zwang

Beitragvon schokoschendrezki » Fr 24. Aug 2018, 11:00

Realist2014 hat geschrieben:(24 Aug 2018, 11:52)

individuelle, bequeme Mobilität schon...

Ja. Für dich vielleicht. Eine völlig unzulässige Verallgemeinerung. Für mich ist Autofahren ein freiwiligger oder auch aus Sachzwängen hinzunehmender Gefängniszellenaufenthalt. Ich akzeptiere ja, dass das andere anders sehen. Aber man soll nicht automatisch voraussetzen, dass das grundsätzlich immer und von allen so gesehen wird.

Was die Autoindustrie produziert und anbietet ist in einer freien Marktwirtschhaft Sache der Autoindustrie, des Angebots und der Nachrfrage.. Fertig. Beim öffentlichen Straßenbau vs. ÖPNV-Ausbau siehts schon wieder ganz anders aus.
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Re: Das Auto- Mobilität als Zwang

Beitragvon Betrachter » Fr 24. Aug 2018, 11:01

schokoschendrezki hat geschrieben:(24 Aug 2018, 11:56)

Ja. Das sehe ich auch so. Beziehungsweise das trifft hundertprozentig auch auf mich zu. Wobei statt leise und schadstoffrei in erster Linie stressfrei, uneingezwängt und "nicht mit der Masse" zählt. Es mag für einige irgendwie befremdlich klingen. Aber abgesehen davon, dass ich zum Beispiel Kreuzfahrturlaube auch ganz unabhängig und von ihrer ganzen Art her aus ganz persönlichen Präferenzen heraus niemals machen würde. Die Tatsache, dass Kreuzfahrturlaube gerade in der Popularität stark am Wachsen sind, ist für mich bereits ein Grund, dabei eben nicht mitzumachen. Nicht machen, was alle irgendwie machen ist ein Wert an sich.


Diesen Wert- sagen wir besser: diese Lebensqualität muss man sich leisten können. Und wer kann das, nicht ständig von Massen umgeben zu sein? Wer kann sich leisten, keinen Stress zu haben?
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Re: Das Auto- Mobilität als Zwang

Beitragvon zollagent » Fr 24. Aug 2018, 11:03

Betrachter hat geschrieben:(24 Aug 2018, 11:59)

Nehmen wir an, es geht wirklich dahin: der Privatmensch spart Geld, weil es ihm gelingt, auf ein Auto weitgehend zu verzichten. Wie kompensieren Autoindustrie und Staat als Profiteure die entstandenen Verluste? Investieren die dann viel in den ÖPNV, der so teuer wird, dass man auf das Autogeschäft mehr und mehr verzichten kann? So dass die armen Leute nur noch zu Fuß gehen?

Kompensiert würde das durch andere Angebote zur Befriedigung anderer Bedürfnisse. Du solltest von deinem Planwirtschaftsdenken abkommen. Das paßt nicht in die Realität unserer derzeitigen Gesellschaft.
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Re: Das Auto- Mobilität als Zwang

Beitragvon Betrachter » Fr 24. Aug 2018, 11:15

zollagent hat geschrieben:(24 Aug 2018, 12:03)

Kompensiert würde das durch andere Angebote zur Befriedigung anderer Bedürfnisse. Du solltest von deinem Planwirtschaftsdenken abkommen. Das paßt nicht in die Realität unserer derzeitigen Gesellschaft.


Planwirtschaft passt tatsächlich nicht zur Marktwirtschaft. Planwirtschaft richtet sich nach Bedürfnissen wie Bequemlichkeit und Gesundheit.
Marktwirtschaft nutzt diese Bedürfnisse, um deren Befriedigung vorzugaukeln und so Profit zu machen. Mit dem Effekt, dass das Leben der meisten unbequemer und ungesünder wird- siehe Auto eben.
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Re: Das Auto- Mobilität als Zwang

Beitragvon Polibu » Fr 24. Aug 2018, 11:32

Betrachter hat geschrieben:(24 Aug 2018, 09:01)

Die Bedeutung des Autos …

Für die Masse der Menschheit, die mit ihrer Zahlungskraft Weltkonzerne wie Volkswagen groß macht, ist das Auto ein ebenso notwendiges wie teures Mittel ihrer Mobilität. Notwendig ist es für sie, um vom Wohnort zur Arbeitsstätte zu gelangen, die Familie zu befördern, den Einkauf zu erledigen und die Fahrt zu Vergnügungs- und Erholungsstätten zu bewerkstelligen; also um die fahrtechnische Organisation ihres Berufs- und Privatlebens Tag für Tag auf die Reihe zu kriegen.

Ziemlich alternativlos ist das in einer kapitalistischen Welt, in der sich Wohn-, Arbeits-, Konsum- und Freizeitstätten gemäß der ‚anarchischen‘ Logik von lauter privatwirtschaftlichen Geldrechnungen verteilen und in der Unternehmer und Grundeigentümer den abhängig Beschäftigten die Schönheiten der Freizügigkeit bescheren. Das macht fortschrittliche Phänomene der „Mobilitätsgesellschaft“ unausweichlich, wie z.B. das Fernhalten eines Wohnorts der arbeitenden Klasse von den horrenden Mietspiegelpreisen einer kapitalistischen Metropole nebst dazugehörigem stundenlangem Berufs- und Pendelverkehr. Teuer ist die Bewegungsfreiheit, die auf Privatrechnung geht und für die es ein Automobil braucht, vor allem durch dessen hohen Anschaffungspreis; darüber hinaus aber natürlich auch noch durch die laufenden Unterhaltskosten für Benzin und Wartung, für Versicherung und Steuern. Folglich ist ein Großteil der erwachsenen Privatmenschen dazu gezwungen, einen nicht unbedeutenden Teil seines Einkommens dauerhaft für die Kosten des Autofahrens zu reservieren.




https://de.gegenstandpunkt.com/artikel/ ... volkswagen


Und? Ich habe kein Problem damit. Stört mich nicht im geringsten. Wir fahren sogar zwei Autos.
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Re: Das Auto- Mobilität als Zwang

Beitragvon Sole.survivor@web.de » Fr 24. Aug 2018, 11:33

Betrachter hat geschrieben:(24 Aug 2018, 11:59)

Nehmen wir an, es geht wirklich dahin: der Privatmensch spart Geld, weil es ihm gelingt, auf ein Auto weitgehend zu verzichten. Wie kompensieren Autoindustrie und Staat als Profiteure die entstandenen Verluste?

Prüf dein Argument nochmal. Du behauptest, dass dem deutschen Staat und der Autoindustrie wichtige Einnahmen entgehen, wenn die Großstädter in Deutschland weniger SUVs kaufen. BMW stellt jährlich 2,5 Millionen Fahrzeuge her, VW fast 11 Millionen. Nur jeder zehnte BMW wird in Deutschland verkauft. Bei den anderen deutschen Herstellern ist es ähnlich. Dem staatlichen Steueraufkommen tut es keinen Abbruch, wenn in den deutschen Großstädten weniger Privatfahrzeuge herumstehen.
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Re: Das Auto- Mobilität als Zwang

Beitragvon zollagent » Fr 24. Aug 2018, 11:34

Betrachter hat geschrieben:(24 Aug 2018, 12:15)

Planwirtschaft passt tatsächlich nicht zur Marktwirtschaft. Planwirtschaft richtet sich nach Bedürfnissen wie Bequemlichkeit und Gesundheit.
Marktwirtschaft nutzt diese Bedürfnisse, um deren Befriedigung vorzugaukeln und so Profit zu machen. Mit dem Effekt, dass das Leben der meisten unbequemer und ungesünder wird- siehe Auto eben.

Also ist Marktwirtschaft für dich Schauspielerei. Tja, das ist das Problem der Propheten, die den Menschen Bedürfnisse einreden wollen, die sie gar nicht haben und dazu "Lösungen" anbieten wollen, die niemand will. :D :D :D
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Re: Das Auto- Mobilität als Zwang

Beitragvon MäckIntaier » Fr 24. Aug 2018, 11:43

schokoschendrezki hat geschrieben:(24 Aug 2018, 11:56)

Ja. Das sehe ich auch so. Beziehungsweise das trifft hundertprozentig auch auf mich zu. Wobei statt leise und schadstoffrei in erster Linie stressfrei, uneingezwängt und "nicht mit der Masse" zählt. Es mag für einige irgendwie befremdlich klingen. Aber abgesehen davon, dass ich zum Beispiel Kreuzfahrturlaube auch ganz unabhängig und von ihrer ganzen Art her aus ganz persönlichen Präferenzen heraus niemals machen würde. Die Tatsache, dass Kreuzfahrturlaube gerade in der Popularität stark am Wachsen sind, ist für mich bereits ein Grund, dabei eben nicht mitzumachen. Nicht machen, was alle irgendwie machen ist ein Wert an sich.


Es soll auch zweifelhafte Werte an sich geben, und das wäre einer, weil man sich damit völlig an den anderen orientiert und an sie ausliefert, stärker noch als wenn man mitschwimmt.

Die Hypothese, dass Planwirtschaft Mobilität anders lösen könnte, ist doch eine ziemlich unbegründete. Das Auto wird noch für ein paar Jahrzehnte in jeder Volkswirtschaft bleiben, sofen man nicht wie in Nordkorea organisiert. Dass es in Metropolen oft zum Immobilitätsmittel wird, ist dabei eine andere Geschichte. Es hat seinen Wert als Statussymbol verloren, aber auch der Hipster wird bei Familiengründung wieder automobil.
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Re: Das Auto- Mobilität als Zwang

Beitragvon Betrachter » Fr 24. Aug 2018, 12:11

Sole.survivor@web.de hat geschrieben:(24 Aug 2018, 12:33)

Prüf dein Argument nochmal. Du behauptest, dass dem deutschen Staat und der Autoindustrie wichtige Einnahmen entgehen, wenn die Großstädter in Deutschland weniger SUVs kaufen. BMW stellt jährlich 2,5 Millionen Fahrzeuge her, VW fast 11 Millionen. Nur jeder zehnte BMW wird in Deutschland verkauft. Bei den anderen deutschen Herstellern ist es ähnlich. Dem staatlichen Steueraufkommen tut es keinen Abbruch, wenn in den deutschen Großstädten weniger Privatfahrzeuge herumstehen.


Ist dem Staat das nationale(!) Wachstum kein Anliegen?
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Re: Das Auto- Mobilität als Zwang

Beitragvon zollagent » Fr 24. Aug 2018, 12:12

Betrachter hat geschrieben:(24 Aug 2018, 13:11)

Ist dem Staat das nationale(!) Wachstum kein Anliegen?

Das muß nicht unbedingt auf den automobilen Sektor beschränkt sein.
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Re: Das Auto- Mobilität als Zwang

Beitragvon Sole.survivor@web.de » Fr 24. Aug 2018, 12:15

Betrachter hat geschrieben:(24 Aug 2018, 13:11)

Ist dem Staat das nationale(!) Wachstum kein Anliegen?

Prinzipiell schon. Das Wirtschaftswachstum lässt sich mit Exporten erzielen. Du hast scheinbar auch das Zusammenspiel aus "Auto einsparen" und hoher Miete in nachgefragten Städten noch nicht sehr weit ausgeleuchtet. Was an Kfz-Geschäft gespart wird, kommt aus der Immobilienbranche nach. Zudem mindert man das prinzipiell unlösbare Problem mit der öffentlichen Infrastruktur für eine "Autostadt", was ja auch ein großer Kostenblock ist.
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Re: Das Auto- Mobilität als Zwang

Beitragvon schokoschendrezki » Fr 24. Aug 2018, 12:29

MäckIntaier hat geschrieben:(24 Aug 2018, 12:43)
Es soll auch zweifelhafte Werte an sich geben, und das wäre einer, weil man sich damit völlig an den anderen orientiert und an sie ausliefert, stärker noch als wenn man mitschwimmt.

Ja, natürlich. "Nicht immer und überall mitschwimmen wollen" ist zweifellos notwendig aber nicht hinreichend.
Die Hypothese, dass Planwirtschaft Mobilität anders lösen könnte, ist doch eine ziemlich unbegründete. Das Auto wird noch für ein paar Jahrzehnte in jeder Volkswirtschaft bleiben, sofen man nicht wie in Nordkorea organisiert. Dass es in Metropolen oft zum Immobilitätsmittel wird, ist dabei eine andere Geschichte. Es hat seinen Wert als Statussymbol verloren, aber auch der Hipster wird bei Familiengründung wieder automobil.

Wir sollten dabei nicht aus dem Auge verlieren, dass das Verkehrschaos oder besser gesagt die Mobilitätsblockade in europäischen Metropolen wie Berlin, Paris oder London nur ein sehr schwacher Abglanz von dem ist, was sich in Megacities wie Jakarta oder Mumbai abspielt. Eine zeitweilig nahezu völlige Immobilität als Folge von Autopräferenz. Und dagegen halten. Das Auto selbst ist einfach ein Produkt. Städteplanung dagegen ist ein Politikum.
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Re: Das Auto- Mobilität als Zwang

Beitragvon schokoschendrezki » Fr 24. Aug 2018, 12:32

Betrachter hat geschrieben:(24 Aug 2018, 12:01)

Diesen Wert- sagen wir besser: diese Lebensqualität muss man sich leisten können. Und wer kann das, nicht ständig von Massen umgeben zu sein? Wer kann sich leisten, keinen Stress zu haben?

Na Moment. Im öffentlichen Nahverkehr ist man keineswegs nicht "von Massen umgeben". Man reiht sich nur nicht ameisensklavenarbeitermäßig in eine lange Kette von Blechkistengefängniszelleninsassen ein. Jeder Schüler, jede Studentin kann sich diese Freiheit der Gefängnislosigkeit leisten.
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