Schon wieder Bürgergeld für die Bauern!

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imp
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Schon wieder Bürgergeld für die Bauern!

Beitragvon imp » Do 23. Aug 2018, 07:57

Hallo liebes Forum.

Sicher habt ihr bemerkt, dass der Sommer warm und trocken war. Viele Nutzpflanzen mögen Wärme nur, wenn es auch feucht genug ist. Dann wachsen sie gut. Zu viel Regen ist auch wieder verkehrt. Nicht nur Nutzpflanzen wachsen heuer sehr schlecht, auch die Grasernte war nicht üppig. in der Folge müssen manche Landwirte ihren Tieren zufüttern und/oder können keine ausreichenden Futterbestände aufbauen. Heuballen und Silage sind absehbar teuer und knapp im Vergleich zu anderen Jahren. Manche Landwirte müssen Viehbestände verkleinern, verkaufen Tiere zu ungünstigen Preisen. Was heute billig beim Schlachter landet, verteuert morgen die Milch- und Fleischpreise.

Jetzt ist es so, dass viele Landwirte in Bundesländern leben, in denen 2018 und 2019 Wahlen anstehen. Die Politiker quer durch die Parteien werten die schlechten Wachstumsfaktoren als "Naturkatastrophe", der man mit mehr oder weniger üppigen Hilfefonds beikommen kann. Da dies nicht unter Subvention sondern unter Katastrophenhilfe läuft, ist es europarechtlich keine Wettbewerbsverzerrung. Vereinzelt haben sich Bauren auch schon beschwert, dass die Hilfen die abzusehenden Einnahmeverringerungen nicht voll ausgleichen werden.

Droht Deutschland zu verhungern? Nein. In normalen Jahren macht ein deutscher Landwirt etwa jeden vierten Euro im Export.
Lebensmittel aus Deutschland sind ein Exportschlager. Jede dritte Tonne Nahrung geht ins Ausland. Jeweils fast zwei Milliarden Euro erlöst der deutsche Landmann mit Exporten nach Schweiz, Kina und USA.

Es droht also keine Hungerkatastrophe. Ich möchte den Blick auf einen wichtigen Aspekt lenken:

Bauern sind nicht nur traktorfahrende Dorfbewohner, sie sind auch Unternehmer. Ein Unternehmer muss mit dem Risiko seines Geschäftes leben. Gute Jahre belohnen ihn, schlechte Jahre sind fest einzupreisen. Welcher Hotelier würde nach dem Staat schreien, wenn ein schlechter Winter ihm kaum Ski-Urlauber bringt? Welcher Eisverkäufer schreit in einem kalten Sommer nach dem Staat?

Welche Gründe machen es notwendig, bei einem weltweiten Überangebot an Nahrung in einem schlechten Sommer gleich das Steuersäckel aufzumachen, in das die Bürger einzahlen müssen?
Zuletzt geändert von Skull am Do 23. Aug 2018, 22:25, insgesamt 2-mal geändert.
Grund: Strangtitel korrigiert
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Dampflok94
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Re: Schon wieder Bürgergeld für die Bauren!

Beitragvon Dampflok94 » Do 23. Aug 2018, 08:12

Mit dem "Nährstand" ist das so eine Sache. Die EU fördert die Landwirtschaft mit Riesensummen. Ist das notwendig? Eine reine Einschätzungsfrage.

Auf dem Weltmarkt kann man genug Lebensmittel kaufen. So wie auch Rohstoffe, Handys oder T-Shirts. Aber Lebensmittel haben eine Sonderstellung. Sie sind existentiell notwendig. Wenn man also am heimischen Markt nicht mehr genug zur Versorgung der eigenen Bevölkerung produziert muß man das Risiko abschätzen, daß ggf. zu einem bestimmten Zeitpunkt der Weltmarkt, warum auch immer, nichts mehr hergibt. Denn dann sähe es mau aus. Hat man eine Unterdeckung an Handys und T-Shirts ist das vielleicht unbequem. Fehlen Nahrungsmittel ist das eine Katastrophe. Und das ist der Grund, warum man die Landwirtschaft nicht streng marktwirtschaftlich behandeln will. Man kann natürlich der Meinung sein ein Szenario der weltweiten Lebensmittelknappheit sei unwahrscheinlich. Wenn man sich in dieser Risikoabschätzung aber irrt...
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Re: Schon wieder Bürgergeld für die Bauren!

Beitragvon imp » Do 23. Aug 2018, 09:29

Dampflok94 hat geschrieben:(23 Aug 2018, 09:12)

Mit dem "Nährstand" ist das so eine Sache. Die EU fördert die Landwirtschaft mit Riesensummen. Ist das notwendig? Eine reine Einschätzungsfrage.

Auf dem Weltmarkt kann man genug Lebensmittel kaufen. So wie auch Rohstoffe, Handys oder T-Shirts. Aber Lebensmittel haben eine Sonderstellung. Sie sind existentiell notwendig. Wenn man also am heimischen Markt nicht mehr genug zur Versorgung der eigenen Bevölkerung produziert muß man das Risiko abschätzen, daß ggf. zu einem bestimmten Zeitpunkt der Weltmarkt, warum auch immer, nichts mehr hergibt. Denn dann sähe es mau aus. Hat man eine Unterdeckung an Handys und T-Shirts ist das vielleicht unbequem. Fehlen Nahrungsmittel ist das eine Katastrophe. Und das ist der Grund, warum man die Landwirtschaft nicht streng marktwirtschaftlich behandeln will. Man kann natürlich der Meinung sein ein Szenario der weltweiten Lebensmittelknappheit sei unwahrscheinlich. Wenn man sich in dieser Risikoabschätzung aber irrt...

Angesichts der erheblichen Lebensmittelexporte, die nur funktionieren, wenn es nicht jeder Staat gleichtut und überproduziert, sollte man da vielleicht der Verschwendung Einhalt gebieten. Nicht nur von Steuergeld, auch von Bodennutzung samt Folgen.
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Re: Schon wieder Bürgergeld für die Bauren!

Beitragvon Dampflok94 » Do 23. Aug 2018, 09:51

Sole.survivor@web.de hat geschrieben:(23 Aug 2018, 10:29)

Angesichts der erheblichen Lebensmittelexporte, die nur funktionieren, wenn es nicht jeder Staat gleichtut und überproduziert, sollte man da vielleicht der Verschwendung Einhalt gebieten. Nicht nur von Steuergeld, auch von Bodennutzung samt Folgen.

Das sehe ich ähnlich. Und viele andere auch. Hier mal ein Kommentar aus der Süddeutschen
Die existenzielle Bedrohung in diesem Ausmaß macht jedoch deutlich, dass die bisherige Form der Landwirtschaft gerade an Grenzen stößt. Als sicher gilt, dass Wetterextreme künftig noch zunehmen werden. Der Staat wird deshalb nicht auf Dauer einspringen können. Die Landwirtschaft muss die Dürre als letzte Warnung verstehen und sich selber wandeln: mit einer neuen Ackerbaustrategie und einem Abschied von der Massentierhaltung in der heutigen Form.
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Re: Schon wieder Bürgergeld für die Bauren!

Beitragvon Raskolnikof » Do 23. Aug 2018, 11:28

Die international anerkannten Klimaforscher Mojib Latif und Joachim Schellnhuber sind ganz bestimmt keine Phantasten oder Verschwörungstheoretiker. Ihre wissenschaftlichen Erkenntnisse basieren auf langjährige Forschungsergebnisse, die heute bei weltweit fast allen Klimaforschern (Latif sagt 97 Prozent) Anerkennung finden.
Gemeinsam mit den meisten ihrer Kollegen weltweit sind sich Latif und Schellnhuber dahingehend einig, dass der Klimawandel, unabhängig davon, wer oder was nun hauptsächlich dafür verantwortlich ist nicht mehr aufzuhalten ist und extreme Wetterschwankungen, wie wir sie weltweit derzeit erleben in den kommenden Jahren und Jahrzehnten noch extrem zunehmen werden. Während anderswo auf der Welt ganze Landstriche in Wassermassen versinken und andere von Stürmen bisher unbekannten Ausmaßes heimgesucht werden wird Westeuropa zunehmend zu einer Steppenlandschaft mit sehr langen Trockenperioden aber auch mit Starkniederschlägen werden, was unsere gesamte Kulturlandschaft umkrempeln wird.

Klimaforscher wie Latif und Schellnhuber fordern seit langem, dass unsere Landwirtschaft endlich umdenken muss. Die diesjährige Erntebilanz wird nur der Anfang einer Katastrophe sein. Diese mit Millionen oder gar Milliarden Euro aus Steuergeldern auszugleichen ist der vollkommen falsche Weg. Wer in der Produktion nur noch die Masse vor Augen hat wird zukünftig auch immer größere Verluste infolge der klimatischen Veränderungen hinnehmen müssen.
Wir müssen deshalb nicht zwingend zum Kleinbäuerlichen Betrieb zurückkommen, obwohl der z.Z. ja wieder etwas im Aufwärtstrend ist. Aber wenn ich in einer Doku mitbekomme, wie ein einziger Landwirt für eine Discounterkette täglich 140.000 Eisbergsalatköpfe erntet wird klar, was da ein Ernteverlust von vielleicht 30 Prozent ausmacht.

Ich bin gegen jede Form der finanziellen Unterstützung bzw. Subventionierung von landwirtschaftlichen Betrieben bei Ernteausfällen. Zudem muss ein Kopf Eisbergsalat nicht 69 Cent kosten. Auch ein Hartz IV-Empfänger wird nicht verhungern, wenn er dafür das Doppelte bezahlen müsste.
Stell dir vor die Liebe deines Lebens geht an dir vorbei
und du schaust auf dein Smartphone.
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Re: Schon wieder Bürgergeld für die Bauren!

Beitragvon Maltrino » Do 23. Aug 2018, 19:59

Sole.survivor@web.de hat geschrieben:(23 Aug 2018, 08:57)

...

Bauren sind nicht nur traktorfahrende Dorfbewohner, sie sind auch Unternehmer. (...)

Welche Gründe machen es notwendig, bei einem weltweiten Überangebot an Nahrung in einem schlechten Sommer gleich das Steuersäckel aufzumachen, in das die Bürger einzahlen müssen?


Der Hauptgrund ist: Die Mehrheit der Wähler wählt, aus welchen Gründen auch immer, diese Regierung. Und bei Hartz4 finden es ja (auch hier im Forum) alle ganz toll, dass "gefordert und gefördert" wird, aber hier sieht man halt wozu das auch führt, nämlich, dass die "armen bedürftigen Bauern" gefördert werden. Und deshalb hinkt der Vergleich mit dem "Bürgergeld" leider auch. Ein Bürgergeld oder Grundeinkommen würde JEDER bekommen, und wäre deshalb "marktneutral". Aber da in diesem Falle eben nur die Bauern etwas bekommen, und andere Leute oder Unternehmer nicht, ist es halt nicht Bürgergeld-äquivalent sondern ist voll in der Logik von Hartz4, nach der jemand der nachweisen kann, dass er "bedürftig" ist, Förderung erhält.

Es ist jetzt natürlich leicht über die Bauern herzufallen, mir fehlen da auch die Hintergrundinfos, aber ich hab die gleichen Gefühle wie du. Ich glaube aber ein Grund ist auch: Es ist offenbar ein Unterschied ob ein Unternehmer sich etabliert hat, also "systemrelevant" geworden ist oder nicht. Auf die Idee, dass halt andere Leute Bauern werden, wenn die jetzigen ihre Höfe verkaufen müssen, da kommt ja komischerweise kaum jemand drauf. Ich stell mir das naiverweise so vor: Wenn diesen Bauern jetzt also wirklich die Pleite droht, wenn keine Staatshilfen kommen, dann müssten sie irgendwann halt ihre Höfe, ihre Geräte (und das Land?) verkaufen. Und wenn sich gar keiner findet der das kauft, wenn alle Big Player wider erwarten keinen Bock auf Landwirtschaft haben, und wenn der Bauer in seiner Verzweiflung seinen Kram für 1000 Euro auf den Markt schmeißt, dann kaufe ich halt so einen Hof, hol mir ein paar Leute die wissen wie man in der Einöde etwas aufbaut (in der linken Szene gibts da genug...) und versuche da Pflanzen aus Südamerika anzubauen, die bei Dürre vielleicht etwas besser wachsen. Vielleicht würde ih auch scheitern, vielleicht nicht, aber das wäre dann halt Markt. Stattdessen geschieht nun, dass "Agrarexperten" im Fernsehen sagen "Die Bauern müssten mal...", sie müssten mal andere Pflanzen ausprobieren, Rücklagen bilden... SInd die Bauern denn Staatsbetriebe? Nein, es muss einfach Markt herrschen, damit diejenigen sich durchsetzen die am besten ihr Land beackern und am meisten ernten, trotz Dürre.

Aber Marktwirtschaft ist ja nicht gewollt, weder bei Hartz4 noch hier. Und deshalb liegen diese Bauernsubventionen auch voll in der Logik von Hartz4 und co. Markt wird unterbunden, stattdessen fördert der Staat das was er gut findet, was wohl auch Wählerstimmen bringt.
Wie ihr seht, habe ich jetzt auch ein Profilbild wo das Portrait eines großen politischen Denkers aus der Vergangenheit abgebildet ist. Damit ist jetzt jede meiner Aussagen wahr und absolut seriös.
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Re: Schon wieder Bürgergeld für die Bauren!

Beitragvon KarlRanseier » Do 23. Aug 2018, 21:07

Ich verstehe die Aufregung gar nicht. An eine funktionierende Marktwirtschaft glaubt doch nun wirklich kein Mensch mehr, selbst der letzte Betonkopf sollte doch nun endlich begriffen haben, dass die Marktwirtschaft in immer mehr Bereichen eben nicht funktioniert.

Ob Banken, Versicherungen, Energieriesen oder Großkonzerne, alle dürfen sich aus der Staatskasse bedienen, wenn sie Verluste zu beklagen hätten. Es gab sogar schon Stimmen, die forderten, ein "Grundrecht auf Rendite" ins Grundgesetz aufzunehmen. Kein Witz, so weit ist es mit der Dekadenz der Geldsäcke hierzulande schon.

Und die Bauern haben eine recht starke Lobby und ein eigenes Ministerium. Trotzdem sind sie außerordentlich bescheiden geblieben, das muss man ihnen lassen. Im Gegensatz zu den Banken wollen sie nicht mehrere 100 Milliarden Euro sofort haben, sondern sie begnügen sich mit absoluten "PEANUTS".
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Re: Schon wieder Bürgergeld für die Bauren!

Beitragvon Skull » Do 23. Aug 2018, 21:16

Guten Abend,

und schon...den ersten Beitrag wieder in die Ablage verschoben.

Auch warne ich nachdrücklich davor, das Thema Landwirtschaft und Bauern...
...zu den üblichen Multi-Themen umzufunktionieren.

Seid also gewarnt.



Edit...nächster Beitrag in der Ablage.
Edit die nächste...weiterer Beitrag in der Ablage.
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Re: Schon wieder Bürgergeld für die Bauren!

Beitragvon Ein Terraner » Do 23. Aug 2018, 21:27

Bitte den Tippfehler im Titel korrigieren.
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Re: Schon wieder Bürgergeld für die Bauren!

Beitragvon MoOderSo » Do 23. Aug 2018, 21:30

Der Bauer kann seinen Weizen dieses Jahr für 30% mehr die Tonne verkaufen. Da kann der Regenschirmhersteller nur von träumen. Aber der hat sicherheitshalber auch Sonnenschirme im Sortiment.
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Re: Schon wieder Bürgergeld für die Bauren!

Beitragvon Ein Terraner » Do 23. Aug 2018, 22:04

MoOderSo hat geschrieben:(23 Aug 2018, 22:30)

Der Bauer kann seinen Weizen dieses Jahr für 30% mehr die Tonne verkaufen.


Und dann musste er auch nur die hälfte von dem ernten was sonst so angefallen ist, eine Win Win Situation . :thumbup:
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Re: Schon wieder Bürgergeld für die Bauern!

Beitragvon Skull » Do 23. Aug 2018, 22:23

Ein Terraner hat geschrieben:(23 Aug 2018, 22:27)

Bitte den Tippfehler im Titel korrigieren.

Erledigt.
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Re: Schon wieder Bürgergeld für die Bauern!

Beitragvon Ein Terraner » Do 23. Aug 2018, 22:26

Skull hat geschrieben:(23 Aug 2018, 23:23)

Erledigt.

Danke. :)
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Re: Schon wieder Bürgergeld für die Bauern!

Beitragvon Skull » Do 23. Aug 2018, 22:35

Guten Abend,

einen weiteren Beitrag des Users Boracay in die Ablage verfrachtet.

viewtopic.php?p=4279934#p4279934
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Re: Schon wieder Bürgergeld für die Bauern!

Beitragvon rain353 » Fr 24. Aug 2018, 04:13

Sole.survivor@web.de hat geschrieben:(23 Aug 2018, 08:57)

Hallo liebes Forum.

Sicher habt ihr bemerkt, dass der Sommer warm und trocken war. Viele Nutzpflanzen mögen Wärme nur, wenn es auch feucht genug ist. Dann wachsen sie gut. Zu viel Regen ist auch wieder verkehrt. Nicht nur Nutzpflanzen wachsen heuer sehr schlecht, auch die Grasernte war nicht üppig. in der Folge müssen manche Landwirte ihren Tieren zufüttern und/oder können keine ausreichenden Futterbestände aufbauen. Heuballen und Silage sind absehbar teuer und knapp im Vergleich zu anderen Jahren. Manche Landwirte müssen Viehbestände verkleinern, verkaufen Tiere zu ungünstigen Preisen. Was heute billig beim Schlachter landet, verteuert morgen die Milch- und Fleischpreise.

Jetzt ist es so, dass viele Landwirte in Bundesländern leben, in denen 2018 und 2019 Wahlen anstehen. Die Politiker quer durch die Parteien werten die schlechten Wachstumsfaktoren als "Naturkatastrophe", der man mit mehr oder weniger üppigen Hilfefonds beikommen kann. Da dies nicht unter Subvention sondern unter Katastrophenhilfe läuft, ist es europarechtlich keine Wettbewerbsverzerrung. Vereinzelt haben sich Bauren auch schon beschwert, dass die Hilfen die abzusehenden Einnahmeverringerungen nicht voll ausgleichen werden.

Droht Deutschland zu verhungern? Nein. In normalen Jahren macht ein deutscher Landwirt etwa jeden vierten Euro im Export.
Lebensmittel aus Deutschland sind ein Exportschlager. Jede dritte Tonne Nahrung geht ins Ausland. Jeweils fast zwei Milliarden Euro erlöst der deutsche Landmann mit Exporten nach Schweiz, Kina und USA.

Es droht also keine Hungerkatastrophe. Ich möchte den Blick auf einen wichtigen Aspekt lenken:

Bauern sind nicht nur traktorfahrende Dorfbewohner, sie sind auch Unternehmer. Ein Unternehmer muss mit dem Risiko seines Geschäftes leben. Gute Jahre belohnen ihn, schlechte Jahre sind fest einzupreisen. Welcher Hotelier würde nach dem Staat schreien, wenn ein schlechter Winter ihm kaum Ski-Urlauber bringt? Welcher Eisverkäufer schreit in einem kalten Sommer nach dem Staat?

Welche Gründe machen es notwendig, bei einem weltweiten Überangebot an Nahrung in einem schlechten Sommer gleich das Steuersäckel aufzumachen, in das die Bürger einzahlen müssen?


Hat die Landwirtschaftsministerin Klöcker das überhaupt vor?? Sie ist doch da in diesem Punkt hart geblieben(vorerst).
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Re: Schon wieder Bürgergeld für die Bauern!

Beitragvon Kritikaster » Fr 24. Aug 2018, 05:45

Sole.survivor@web.de hat geschrieben:(23 Aug 2018, 08:57)

Jetzt ist es so, dass viele Landwirte in Bundesländern leben, in denen 2018 und 2019 Wahlen anstehen.

Es wird wohl immer so sein, dass Landwirte in Bundesländern leben, in denen aktuell Wahlen anstehen.
Sole.survivor@web.de hat geschrieben:Bauern sind nicht nur traktorfahrende Dorfbewohner, sie sind auch Unternehmer. Ein Unternehmer muss mit dem Risiko seines Geschäftes leben. Gute Jahre belohnen ihn, schlechte Jahre sind fest einzupreisen. Welcher Hotelier würde nach dem Staat schreien, wenn ein schlechter Winter ihm kaum Ski-Urlauber bringt? Welcher Eisverkäufer schreit in einem kalten Sommer nach dem Staat?

Ich mag mich irren, aber dem Ausfall nach deutschen Richtlinien produzierter Grundnahrungsmittel könnten manche (Entscheidungsträger), aus womöglich nicht für jeden nachvollziehbaren Überlegungen, einen gesamtgesellschaftlich höheren Stellenwert einräumen als Speiseeis oder Freizeitvergnügen.
Sole.survivor@web.de hat geschrieben:Welche Gründe machen es notwendig, bei einem weltweiten Überangebot an Nahrung in einem schlechten Sommer gleich das Steuersäckel aufzumachen, in das die Bürger einzahlen müssen?

Das ist, wie schon genannt wurde, eine Frage der Abwägung.

Ich schließe mich durchaus denjenigen an, die hier für eigenverantwortliches Handeln der Landwirte eintreten. Es darf wirklich nicht so sein, dass dem Steuerzahler in die Tasche gegriffen wird, wenn es zu viel oder zu wenig regnet, zu heiß oder zu kalt ist. Zu bedenken ist aber, dass meines Wissens nicht jeder Boden für jede Frucht gleich gut geeignet ist. Der in der aktuellen Diskussion vorgebrachten Forderung nach Diversifikation und damit Risikostreuung wird also vermutlich nicht jeder Betrieb in hinreichendem Maße nachkommen können.

Man muss sich also entscheiden, ob man immer größere und damit marktbestimmendere landwirtschaftliche Konzentration in Großunternehmen will - auf Kosten der Existenz kleiner und mittlerer Betriebe.
Der am höchsten entwickelte Sinn ist der Unsinn. (Peter E. Schumacher)
Wo der Sinn aufhört, beginnt der Wahnsinn. (Erhard Horst Bellermann)
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Re: Schon wieder Bürgergeld für die Bauern!

Beitragvon imp » Fr 24. Aug 2018, 07:01

Kritikaster hat geschrieben:(24 Aug 2018, 06:45)

Es wird wohl immer so sein, dass Landwirte in Bundesländern leben, in denen aktuell Wahlen anstehen.

Es gibt relativ wenige Landwirte in Berlin, Hamburg und Bremen&Bremerhaven. Ansonsten gibt es praktisch überall Landwirte.

Ich mag mich irren, aber dem Ausfall nach deutschen Richtlinien produzierter Grundnahrungsmittel könnten manche (Entscheidungsträger), aus womöglich nicht für jeden nachvollziehbaren Überlegungen, einen gesamtgesellschaftlich höheren Stellenwert einräumen als Speiseeis oder Freizeitvergnügen.

Das Reinheitsgebot ist von der Sache nicht betroffen. Zu bedenken:
a) Die meisten Richtlinien für Nahrungsmittel gelten EU-weit und auch für Importe (ein großes Problem etwa für die Ukraine)
b) Kartoffeln aus Ägypten und anderen Mittelmeerländern, stets präsent im Supermarkt, sind nur bedingt betroffen. Die freuen sich über Exportchancen.
c) Auch bei schlechter Ernte sind wir weit entfernt von einer Unterversorgung.

Der in der aktuellen Diskussion vorgebrachten Forderung nach Diversifikation und damit Risikostreuung wird also vermutlich nicht jeder Betrieb in hinreichendem Maße nachkommen können.

Das ist richtig. Wie nicht jeder Friseur den Mindestlohn durch höhere Preise auffangen konnte, gibt es auch Agrarbetriebe, die sich geänderten Anforderungen nicht so gut stellen können. Die müssen eben schauen, wie sie mit ihrem bisherigen Weg weiterkönnen.

Man muss sich also entscheiden, ob man immer größere und damit marktbestimmendere landwirtschaftliche Konzentration in Großunternehmen will - auf Kosten der Existenz kleiner und mittlerer Betriebe.

Ich denke, dass dies die eigentliche Motivation ist. Dabei darf man sich aber keine Illusionen machen. Was gestern noch als mittlerer Betrieb galt, ist heute schon ein kleiner Nebenerwerb. Das sehen wir vor allem bei den Viehbeständen. Auch die sogenannte kleinteilige Landwirtschaft hat heute ein anderes Gesicht als vor 30 Jahren, vor 60 Jahren. Daneben gibt es, etwa im deutschen Osten, größere Betriebe, teils in Form von Genossenschaften oder Kapitalgesellschaften. Diese stellen mit großer Effizienz eine breite Palette an Produkten bereit und sind somit eher in der Lage, die Krise einzelner Produktgruppen auszuhalten. Teilweise sind ihnen auch verarbeitende Betriebe angeschlossen. Die Agrargenossenschaft Bucha etwa betreibt Landwirtschaft auf 1750 Hektar, daran angeschlossen eine Verarbeitungskette mit Geflügelhof, Tankstelle, Verkaufsläden, Verkaufsmobile, einen Cateringservice und eine Kfz-Werkstatt. Sie ist ein vielseitiger Arbeitgeber und doch in ihrer Region verwurzelt. Man sollte hier nicht ideologisch in gute Landwirtschaft und böse Landwirtschaft teilen. Die Gefahr geht in vielen Ländern eher von einer Aushöhlung der Betriebe aus:
- Wartung von neuen Landmaschinen mit komplexer Software nur durch den Hersteller, sonst Garantieverlust.
- Saatgut und Dünger werden als Komplexsystem angeboten, das permanent nachgekauft werden muss - Eine Verwendung der Ernte zur Wiederaussaat ist in vielen Fällen unmöglich
- In einigen Ländern ist es üblich, dass die Bauern nur die Ställe selbst besitzen, in denen sich die Großbetriebe mit ihren Tierbeständen einmieten
- Faktisch gehört sowieso alles der Bank als Sicherheit für hohe Kredite

Ich habe nichts gegen kleine und mittlere Betriebe, jedoch darf man da nicht mit unrealistischen Vorstellungen herangehen. Dazu gehört die Frage, wer oder was mit etwaigen Hilfsgeldern geschützt werden soll.
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Re: Schon wieder Bürgergeld für die Bauern!

Beitragvon Milady de Winter » Fr 24. Aug 2018, 07:53

Ich ziehe mit heimischen Mitteln und Produkten erzeugte Lebensmittel sowie Obst und Gemüse stets importierten vor. Das beziehe ich primär auf die Produkte und Sorten, die es hierzulande auch gibt, also nicht auf Dinge wie Mangos oder Bananen. Das geht stellenweise so weit, dass ich auch lieber mal auf Lauchzwiebeln und Äpfel verzichte, wenn diese aus Ägypten oder Chile stammen.

Ich stecke nicht tief genug in der Thematik um mir ein valides Urteil zur Situation rund um die Subventionen machen zu können. Ich empfinde es nur als zweischneidiges Schwert. Auf der einen Seite sind hierzulande Lebensmittel billiger als in den meisten anderen Ländern um uns herum (bzw. auch USA), und in meinen Augen wird damit viel zu lax umgegangen, wenn man sieht, wie das Konsum- und Wegwerfverhalten sich hierzulande entwickelt hat. Auf der anderen Seite ticke ich eben nicht so, dass es mir quasi sch...egal ist, woher meine Lauchzwiebeln oder meine Milchprodukte kommen, Hauptsache ich krieg sie, wann ich sie will - und am besten billig. Diese Haltung ist mir persönlich zutiefst zuwider.

Und wenn ich mir dann noch die letzte Komponente der Verschwendung meiner Steuergelder für diverse andere "Vergnügen" ansehe, komme ich zu dem Schluss, dass ich mein Geld lieber in heimische Betriebe investiert sehe, als damit ggf. zweifelhaft erwirtschaftete Produkte aus Drittländern zu subventionieren. Aber das setzt eben auch eine vernünftige und verantwortungsvolle (Land-)Wirtschaft voraus. Und tendenziell ist an der Schraube auch noch zu drehen.
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Re: Schon wieder Bürgergeld für die Bauern!

Beitragvon imp » Fr 24. Aug 2018, 08:26

Milady de Winter hat geschrieben:(24 Aug 2018, 08:53)

Ich ziehe mit heimischen Mitteln und Produkten erzeugte Lebensmittel sowie Obst und Gemüse stets importierten vor. Das beziehe ich primär auf die Produkte und Sorten, die es hierzulande auch gibt, also nicht auf Dinge wie Mangos oder Bananen. Das geht stellenweise so weit, dass ich auch lieber mal auf Lauchzwiebeln und Äpfel verzichte, wenn diese aus Ägypten oder Chile stammen.

Ich esse auch gern Äpfel und Birnen, die nicht erst um die halbe Welt reisen mussten. Jahreszeittypisches Gemüse hat ein gewisses Übergewicht, mit zweckmäßigen Ausnahmen. Wenn ich aber Kartoffeln brauche und heimische sind gerade nicht zu haben, dann nehme ich auch die aus Ägypten.
Unser deutsches Geflügel reist zu großen Teilen in die halbe Welt, allerdings tot und gefroren. Meine Versorgung nimmt nicht Schaden, wenn man davon ein Stück weit abkäme. Deutscher Schweinebauch und Schweinefüße sind in Fernost sehr gefragt. Im Falle der Füße sehe ich das sogar positiv, die essen viele hier einfach nicht. Wäre doch schade drum. Es gibt leider nicht genug hippe Gerichte mit Innereien oder Schweinebauch, Füßen oder Ohren. Man kann die Leute ja schlecht zum aufessen zwingen.

Auf der anderen Seite ticke ich eben nicht so, dass es mir quasi sch...egal ist, woher meine Lauchzwiebeln oder meine Milchprodukte kommen, Hauptsache ich krieg sie, wann ich sie will - und am besten billig. Diese Haltung ist mir persönlich zutiefst zuwider.

Ich denke, die Deutschen würden auch mehr für Fleisch und Gemüse zahlen, wenn sie müssten. Eine Knappheit besteht nicht. Das Dogma, dass Transportkosten nicht preisbestimmend sein dürfen, hat auf Kosten der Allgemeinheit eine Verkehrsinfrastruktur hinterlassen, die für den einzelnen Händler "kostenlos" nutzbar ist, um Waren durch die halbe Welt zu schieben, von der Zwiebel bis zur Rinderhälfte. Wie etabliert man tragende Preise? Meiner Meinung nach ist ein schleichender Entzug der Droge Subvention, EU-weit und national, nötig. Für das Nicht-EU-Ausland müssen Qualitätsstandard (und Prüfungen!) und Zölle ruinöse oder schlechte Ware draußen halten.
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Re: Schon wieder Bürgergeld für die Bauern!

Beitragvon Misterfritz » Sa 25. Aug 2018, 08:12

Es wird für Landwirte entscheidend sein, dass ein Umdenken einsetzt - gerade bei Futterpflanzen. Da wird grossflächig Mais angebaut, der bei solchen Wetterlagen kaum eine Chance hat. Maispflanzen sind Flachwurzler, mit Trockenheit kommen sie schlecht zurecht. Würde hingegen z.B. Lupine gepflanzt, wären trockene Sommer, so es im Winter genügend regnet, kein Problem. Diese bilden bis zu 2 Meter lange Wurzeln und holen sich ihren Wasserbedarf aus der Tiefe.
Auch grossflächige Monokulturen, wie sie im Nordosten Deutschlands bestehen, sind häufiger von Ernteausfällen bei extremen Wetterlagen bedroht.

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