Logik liberaler Positionen bzgl. des Mindestlohns

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Der Neandertaler
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Re: Logik liberaler Positionen bzgl. des Mindestlohns

Beitragvon Der Neandertaler » Di 21. Aug 2018, 19:08

Hallo Realist.
Realist2014 hat geschrieben:

das ist faktisch falsch
Du solltest es ihm erklären! Einfach etwas nur zu verneinen, bzw.: das Gegenteil zu behaupten, macht die Sache ... macht Deine Sichtweise nicht besser.
Alter Stubentiger hat geschrieben:Fest steht nur dass der Niedriglohnsektor vor dem Mindestlohn explodierte.
Das ist insofern falsch, als daß Du Mindestlohn mit Niedriglohn verwechselst und daher von falschen Voraussetzungen ausgehst.

Niedriglohn-Beschäftigungsverhältnisse bestehen immer dann, wenn diese mit weniger als zwei Drittel des Medianbruttoverdienstes abgegolten werden. Das heißt: zu dessen Berechnung werden also alle Löhne ... aller Vollzeitbeschäftigten herangezogen.

Theorie:
    Da sich der Vollzeitbeschäftigtenmarkt verkleinert - weil eventuell vermehrt Teilzeitkräfte eingestellt werden ... wobei dies wohl eher im unteren Lohngruppensegment der Fall ist (Einzelhandel, etc.), und zur Medianbruttoverdienstberechnung nur Löhne aller Vollzeitbeschäftigten berücksichtigt werden, müßte der Grenzwert für den Niedriglohn theoretisch gleichbleiben ... oder vielleicht sogar steigen. Somit müßte sich eventuell der Niedriglohnsektor verkleinern. Denn Löhne von Teilzeitkräften werden bei der Berechnung ja nicht berücksichtigt, aber aufgrund der Lohnsteigerungen, ...
Das Gegenteil ist aber der Fall:
    2009 lag z.B. in Westdeutschland das Median-Brutto-Arbeitsentgelt von sozialversicherungspflichtigen Vollzeitbeschäftigten bei etwa 14,25 Euro/Stunde und die Niedriglohngrenze somit bei 9,50 Euro/Stunde - 2/3 des Gesamt-Brutto-Arbeitsentgelt. Der Median lag 2009 bei 2676 Euro/Monat, die Niedriglohngrenze bei 1784 Euro/Monat. 2010 lag der Niedriglohn (allerdings in gesamt-Deutschland) bei gut zehn Euro pro Stunde bzw. gut 1.900 Euro pro Monat. Einen Niedriglohn erhielten somit (je nach Quelle) 20,2 % bis 22 % der Gruppe.
Der Niedriglohnsektor ist hierzulande in den 2000er Jahren stark expandiert ... bzw.: die Niedriglohnbeschäftigung ist sogar leicht gestiegen: bis 2014 auf etwa (je nach Quelle) 22,7 Prozent - seitdem ist sie lediglich um 0,1 Prozentpunkte auf 22,6 Prozent zurückgegangen.
    Zum Vergleich:
      Im Euroraum insgesamt bekommen nur etwa 16 Prozent der Arbeitnehmer Niedriglohn. Im Euroraum beginnt der Niedriglohn erst unterhalb von 14,10 Euro. In der gesamten EU sieht liegt die Zahl der Beschäftigten unterhalb der Niedriglohnschwelle bei etwa 17,2 Prozent und der Niedriglohn bei 13,20 Euro.
Fazit:
    der Mindestlohn hat keinerlei ... oder allenfalls geringe Auswirkungen auf die Niedriglohnschwelle - kann er auch nicht. Wenn etwa 2010 der Niedriglohn bei gut 10 € pro Stunde lag, aber 2015 ein Mindestlohn von gut 8,50 €/Stunde eingeführt wurde - damit unterhalb des Niedriglohnes, kann jemand der im Niedriglohnsektor gearbeitet hat, trotz Mindestlohn aus diesem nicht herauskommen - dazu hätte der Mindestlohn schon oberhalb der 10 € liegen müssen.
Und da setzt auch meine Kritik am Mindestlohn an! Ich halte den Mindestlohn in erster Linie für ein Placebo - da er nicht oberhalb der Niedriglohngrenze liegt und daher somit auch nicht verhindern kann, daß es etwa weiterhin "Aufstocker" gibt.
"Ich teile Ihre Meinung nicht, ich werde aber bis zu meinem letzten Atemzug kämpfen, daß Sie Ihre Meinung frei äußern können." (Voltaire)
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Re: Logik liberaler Positionen bzgl. des Mindestlohns

Beitragvon Sole.survivor@web.de » Di 21. Aug 2018, 19:14

Der Neandertaler hat geschrieben:(21 Aug 2018, 12:59)

Hallo Alter Stubentiger.
Als es um die Frage ging: Mindestlohn JA oder NEIN, war in der Tat dieser Diskurs ideologisch besetzt - diese Frage wurde in erster Linie ideologisch diskutiert und beantwortet. Befürworter (wie Gewerkschaften und sonstige Linke) postulierten, daß jeder von dem leben müsse, was er verdient. Kritiker sahen primär im Mindestlohn wirtschaftlich negative Folgen am Himmel aufziehen.

Das Verschwinden von Friseurläden und Kneipen ist ausgeblieben.
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Re: Logik liberaler Positionen bzgl. des Mindestlohns

Beitragvon Boracay » Di 21. Aug 2018, 19:16

Der Neandertaler hat geschrieben:Und da setzt auch meine Kritik am Mindestlohn an! Ich halte den Mindestlohn in erster Linie für ein Placebo - da er nicht oberhalb der Niedriglohngrenze liegt und daher somit auch nicht verhindern kann, daß es etwa weiterhin "Aufstocker" gibt.

O
Aha - und wie viele Angestellte Aufstocker in Vollzeit die keine Familie zu ernähren haben gibt es denn so?

40h Woche zum Mibdestlohn berechtigt allenfalls in München noch zum Aufstocken, wobei man schon komplett geistig behindert sein muss um in MUC den Mindestlohn zu kassieren. Selbst beim Aldi gibt es für ungelernte schon fast 20€ die Stunde.

Angestellte Aufstocker gibt es nur noch in Teilzeit bzw. mit großer Familie.
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Re: Logik liberaler Positionen bzgl. des Mindestlohns

Beitragvon Realist2014 » Di 21. Aug 2018, 19:18

Der Neandertaler hat geschrieben:(21 Aug 2018, 20:08)

Hallo Realist.Du solltest es ihm erklären! Einfach etwas nur zu verneinen, bzw.: das Gegenteil zu behaupten, macht die Sache ... macht Deine Sichtweise nicht besser.Das ist insofern falsch, als daß Du Mindestlohn mit Niedriglohn verwechselst und daher von falschen Voraussetzungen ausgehst.

Niedriglohn-Beschäftigungsverhältnisse bestehen immer dann, wenn diese mit weniger als zwei Drittel des Medianbruttoverdienstes abgegolten werden. Das heißt: zu dessen Berechnung werden also alle Löhne ... aller Vollzeitbeschäftigten herangezogen.

Theorie:
    Da sich der Vollzeitbeschäftigtenmarkt verkleinert - weil eventuell vermehrt Teilzeitkräfte eingestellt werden ... wobei dies wohl eher im unteren Lohngruppensegment der Fall ist (Einzelhandel, etc.), und zur Medianbruttoverdienstberechnung nur Löhne aller Vollzeitbeschäftigten berücksichtigt werden, müßte der Grenzwert für den Niedriglohn theoretisch gleichbleiben ... oder vielleicht sogar steigen. Somit müßte sich eventuell der Niedriglohnsektor verkleinern. Denn Löhne von Teilzeitkräften werden bei der Berechnung ja nicht berücksichtigt, aber aufgrund der Lohnsteigerungen, ...
Das Gegenteil ist aber der Fall:
    2009 lag z.B. in Westdeutschland das Median-Brutto-Arbeitsentgelt von sozialversicherungspflichtigen Vollzeitbeschäftigten bei etwa 14,25 Euro/Stunde und die Niedriglohngrenze somit bei 9,50 Euro/Stunde - 2/3 des Gesamt-Brutto-Arbeitsentgelt. Der Median lag 2009 bei 2676 Euro/Monat, die Niedriglohngrenze bei 1784 Euro/Monat. 2010 lag der Niedriglohn (allerdings in gesamt-Deutschland) bei gut zehn Euro pro Stunde bzw. gut 1.900 Euro pro Monat. Einen Niedriglohn erhielten somit (je nach Quelle) 20,2 % bis 22 % der Gruppe.
Der Niedriglohnsektor ist hierzulande in den 2000er Jahren stark expandiert ... bzw.: die Niedriglohnbeschäftigung ist sogar leicht gestiegen: bis 2014 auf etwa (je nach Quelle) 22,7 Prozent - seitdem ist sie lediglich um 0,1 Prozentpunkte auf 22,6 Prozent zurückgegangen.
    Zum Vergleich:
      Im Euroraum insgesamt bekommen nur etwa 16 Prozent der Arbeitnehmer Niedriglohn. Im Euroraum beginnt der Niedriglohn erst unterhalb von 14,10 Euro. In der gesamten EU sieht liegt die Zahl der Beschäftigten unterhalb der Niedriglohnschwelle bei etwa 17,2 Prozent und der Niedriglohn bei 13,20 Euro.
Fazit:
    der Mindestlohn hat keinerlei ... oder allenfalls geringe Auswirkungen auf die Niedriglohnschwelle - kann er auch nicht. Wenn etwa 2010 der Niedriglohn bei gut 10 € pro Stunde lag, aber 2015 ein Mindestlohn von gut 8,50 €/Stunde eingeführt wurde - damit unterhalb des Niedriglohnes, kann jemand der im Niedriglohnsektor gearbeitet hat, trotz Mindestlohn aus diesem nicht herauskommen - dazu hätte der Mindestlohn schon oberhalb der 10 € liegen müssen.
Und da setzt auch meine Kritik am Mindestlohn an! Ich halte den Mindestlohn in erster Linie für ein Placebo - da er nicht oberhalb der Niedriglohngrenze liegt und daher somit auch nicht verhindern kann, daß es etwa weiterhin "Aufstocker" gibt.



1) Der Anteil der VOLLZEIT-Niedriglöhner beträgt ca. 11%

2) Vollzeit / Mindestlohn ergibt ca 1150 Euro netto. Damit gibt es keine "Auftstocker" mehr- außer in Bedarfsgemeinschaften....
Laut Aussage der linken Ideologen sind alle ökonomisch erfolgreichen dumm, und die wahre Intelligenz tritt sich in der untersten ökonomischen Etage auf die Füße.....daher muss diese Etage ausgebaut werden
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Re: Logik liberaler Positionen bzgl. des Mindestlohns

Beitragvon Der Neandertaler » Di 21. Aug 2018, 19:30

Sole.survivor@web.de hat geschrieben:Das Verschwinden von Friseurläden und Kneipen ist ausgeblieben.
Genau das wollte ich damit ausdrücken! Wir Deutsche neigen dazu alles schwarz oder weiß zu sehen - grau kommt allenfalls in der Medizin als Augenleiden vor. Solange die eventuellen Mehrkosten von jemand bereitwillig gezahlt werden, kann eine (negative) Veränderung lediglich theoretische und negative Auswirkungen haben.
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Re: Logik liberaler Positionen bzgl. des Mindestlohns

Beitragvon Realist2014 » Di 21. Aug 2018, 19:33

Boracay hat geschrieben:(21 Aug 2018, 20:16)
Selbst beim Aldi gibt es für ungelernte schon fast 20€ die Stunde.

A
.


10 Euro sind jetzt schon "fast 20 Euro"?
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Re: Logik liberaler Positionen bzgl. des Mindestlohns

Beitragvon Polibu » Di 21. Aug 2018, 19:36

Boracay hat geschrieben:(21 Aug 2018, 20:16)

O
Aha - und wie viele Angestellte Aufstocker in Vollzeit die keine Familie zu ernähren haben gibt es denn so?

40h Woche zum Mibdestlohn berechtigt allenfalls in München noch zum Aufstocken, wobei man schon komplett geistig behindert sein muss um in MUC den Mindestlohn zu kassieren. Selbst beim Aldi gibt es für ungelernte schon fast 20€ die Stunde.

Angestellte Aufstocker gibt es nur noch in Teilzeit bzw. mit großer Familie.



Na klar. 20€/h bei Aldi als Ungelernter. :D
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Re: Logik liberaler Positionen bzgl. des Mindestlohns

Beitragvon Skull » Di 21. Aug 2018, 19:36

Guten Abend,
einen Beitrag des Users Boracay...entsorgt.

Ich bin es leid, Hetze und Beleidigungen bei ihm zu editieren.
Beiträge in denen solche Dinge zu finden sind, werden somit komplett entsorgt.
Man dient für Lohn und liebt sich für Geschenke
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Re: Logik liberaler Positionen bzgl. des Mindestlohns

Beitragvon Der Neandertaler » Di 21. Aug 2018, 19:47

Hallo Realist.
Realist2014 hat geschrieben:1) Der Anteil der VOLLZEIT-Niedriglöhner beträgt ca. 11%

2) Vollzeit / Mindestlohn ergibt ca 1150 Euro netto. Damit gibt es keine "Auftstocker" mehr- außer in Bedarfsgemeinschaften....
So realistisch wie Dein Pseudonym suggerieren soll, bist Du wohl doch nicht.
  1. Von "VOLLZEIT-Niedriglöhner" war nämlich nirgends die Rede - wer lesen kann ist leicht im Vorteil.
  2. Wo es die "Auftstocker" gibt ... ob in Bedarfsgemeinschaften oder sonstwo, ... darin habe ich nicht unterschieden.
"Ich teile Ihre Meinung nicht, ich werde aber bis zu meinem letzten Atemzug kämpfen, daß Sie Ihre Meinung frei äußern können." (Voltaire)
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Re: Logik liberaler Positionen bzgl. des Mindestlohns

Beitragvon Realist2014 » Di 21. Aug 2018, 20:03

Der Neandertaler hat geschrieben:(21 Aug 2018, 20:47)

Hallo Realist.So realistisch wie Dein Pseudonym suggerieren soll, bist Du wohl doch nicht.
  1. Von "VOLLZEIT-Niedriglöhner" war nämlich nirgends die Rede - wer lesen kann ist leicht im Vorteil.
  2. Wo es die "Auftstocker" gibt ... ob in Bedarfsgemeinschaften oder sonstwo, ... darin habe ich nicht unterschieden.


ich habe lediglich deine Aussagen "präzisiert" im Hinblick auf Vollzeit arbeitende und den Grund des "Aufstockens" der Niedriglöhner

Ich bin übrigens nicht nur realistisch, sondern auch noch besonders Fakten differenzierend.

Auch bei 15 Euro Mindestlohn wird jemand, der nur Teilzeit arbeitet , immer noch aufstocken können

Ebenso ein Vollzeit arbeitender mit einer Vollzeit Arbeitslosen in einer Bedarfsgemeinschaft...
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Re: Logik liberaler Positionen bzgl. des Mindestlohns

Beitragvon Skull » Di 21. Aug 2018, 20:08

Guten Abend nochmals,

ich möchte auf das Threadthema hinweisen.
Die Logik liberaler Positionen anhand von Beispielen...wie Mindestlohn.

Es geht hier nicht zum x.ten Male um Aufstocker, HartzIV und ähnliches.
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Re: Logik liberaler Positionen bzgl. des Mindestlohns

Beitragvon Sole.survivor@web.de » Di 21. Aug 2018, 20:15

Der Neandertaler hat geschrieben:(21 Aug 2018, 20:30)

Genau das wollte ich damit ausdrücken! Wir Deutsche neigen dazu alles schwarz oder weiß zu sehen - grau kommt allenfalls in der Medizin als Augenleiden vor. Solange die eventuellen Mehrkosten von jemand bereitwillig gezahlt werden, kann eine (negative) Veränderung lediglich theoretische und negative Auswirkungen haben.

Man muss umgedreht auch sagen, wenn der einzelne Friseurladen tatsächlich vom Markt verschwindet, wenn er Mindestlöhne zahlen muss, die Allgemeinheit aber nicht, dann war's vielleicht auch gut so. Liberale Parteien kennen oft ausschließlich "gute Arbeitsplätze".
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Re: Logik liberaler Positionen bzgl. des Mindestlohns

Beitragvon Gruwe » Di 21. Aug 2018, 20:26

Sole.survivor@web.de hat geschrieben:(21 Aug 2018, 21:15)

Man muss umgedreht auch sagen, wenn der einzelne Friseurladen tatsächlich vom Markt verschwindet, wenn er Mindestlöhne zahlen muss, die Allgemeinheit aber nicht, dann war's vielleicht auch gut so. Liberale Parteien kennen oft ausschließlich "gute Arbeitsplätze".


Umgekehrt sind aber auch Angehörige entsprechender Klientel der Meinung, dass ihre Tätigkeit in dem von ihnen gewünschten Betätigungsfeld "gute Löhne" rechtfertigen kann. Das ist eben oft nicht der Fall!
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Re: Logik liberaler Positionen bzgl. des Mindestlohns

Beitragvon Sole.survivor@web.de » Di 21. Aug 2018, 20:30

Gruwe hat geschrieben:(21 Aug 2018, 21:26)

Umgekehrt sind aber auch Angehörige entsprechender Klientel der Meinung, dass ihre Tätigkeit in dem von ihnen gewünschten Betätigungsfeld "gute Löhne" rechtfertigen kann. Das ist eben oft nicht der Fall!

Der Mindestlohn ist definiert als ein Minimum, unter dem es nicht mehr weitergeht. Ein "guter Lohn" ist das im Allgemeinen nicht. Es gibt eine erhebliche Lohnspreizung nicht nur in unserem Land und ich halte es für legitim, dass viele Länder auf der Welt hier irgendwo Grenzen setzen, auch wenn dadurch einzelne Geschäfte verteuert oder unrentierlich werden, also aufhören. Der allgemeine Mindestlohn trifft vor allem fragwürdige Branchen, Dienstleistungen und konkrete Anbieter. Der spezielle Mindestlohn dagegen ist eher ein Ersatz für Tarifverträge, wo keine zustande kommen.
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Re: Logik liberaler Positionen bzgl. des Mindestlohns

Beitragvon Der Neandertaler » Mi 22. Aug 2018, 10:39

Hallo Realist.
Realist2014 hat geschrieben:ich habe lediglich deine Aussagen "präzisiert" im Hinblick auf Vollzeit arbeitende und den Grund des "Aufstockens" der Niedriglöhner

Ich bin übrigens nicht nur realistisch, sondern auch noch besonders Fakten differenzierend.

Auch bei 15 Euro Mindestlohn wird jemand, der nur Teilzeit arbeitet , immer noch aufstocken können

Ebenso ein Vollzeit arbeitender mit einer Vollzeit Arbeitslosen in einer Bedarfsgemeinschaft...
OK! Dann nehme ich meinen Einwand zurück - es kam anders 'rüber.
    Mea culpa!
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Re: Logik liberaler Positionen bzgl. des Mindestlohns

Beitragvon Maltrino » Mi 22. Aug 2018, 13:36

Realist2014 hat geschrieben:(21 Aug 2018, 21:03)

ich habe lediglich deine Aussagen "präzisiert" im Hinblick auf Vollzeit arbeitende und den Grund des "Aufstockens" der Niedriglöhner

Ich bin übrigens nicht nur realistisch, sondern auch noch besonders Fakten differenzierend.

Auch bei 15 Euro Mindestlohn wird jemand, der nur Teilzeit arbeitet , immer noch aufstocken können

Ebenso ein Vollzeit arbeitender mit einer Vollzeit Arbeitslosen in einer Bedarfsgemeinschaft...


Ahaha... Jetzt auf einmal... Du gibts also zu, dass selbst wenn der Mindestlohn in astronomische Höhen steigt, dass es dann immer noch Leute geben wird die zum Beispiel 700 Euro monatlich verdienen und deshalb ein Fall für alle Aufstockerüberlegungen sind und eine Erhöhung des Mindestlohns deshalb eben nicht verhindert, dass es Leute gibt die "zu wenig" verdienen? Ja dann können ja wohl geschätzte 100 Seiten Text und sinnfreie DIskussion im Hartz4 und BGE Thema streichen die nur deshalb entstanden sind weil Leute (wie du?) ständig darauf beharrt haben, dass eine Anhebung des Mindestlohns verhindert, dass es Leute gibt die unter 1000 Euro verdienen und immer irgendwas mit "Vollzeit" in den Raum geworfen haben... Schade um die verplemperte Zeit.


Skull hat geschrieben:(21 Aug 2018, 21:08)

Guten Abend nochmals,

ich möchte auf das Threadthema hinweisen.
Die Logik liberaler Positionen anhand von Beispielen...wie Mindestlohn.

Es geht hier nicht zum x.ten Male um Aufstocker, HartzIV und ähnliches.


Ja, da siehste mal wer in solchen Foren für sowas verantwortlich ist. Ich war es nicht. Und sorry, dass ich jetzt kurz doch mitspiele, siehe oben.
Wie ihr seht, habe ich jetzt auch ein Profilbild wo das Portrait eines großen politischen Denkers aus der Vergangenheit abgebildet ist. Damit ist jetzt jede meiner Aussagen wahr und absolut seriös.
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Re: Logik liberaler Positionen bzgl. des Mindestlohns

Beitragvon Realist2014 » Mi 22. Aug 2018, 14:56

Maltrino hat geschrieben:(22 Aug 2018, 14:36)

Ahaha... Jetzt auf einmal... Du gibts also zu, dass selbst wenn der Mindestlohn in astronomische Höhen steigt, dass es dann immer noch Leute geben wird die zum Beispiel 700 Euro monatlich verdienen .


700 Euro Stundenlohn ist nicht "astronomisch"- ergibt aber bei nur einer Stunde Arbeit im Monat tatsächlich nur 700 Euro.

Nur- was ist jetzt daran "neu"?

die "liberale Position" ist ökonomisches Basisverständnis:

Löhne sind KOSTEN und müssen erwirtschaftet werden.
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Re: Logik liberaler Positionen bzgl. des Mindestlohns

Beitragvon Der Neandertaler » Mi 22. Aug 2018, 16:19

Hallo Maltrino.
Maltrino hat geschrieben:Ahaha... Jetzt auf einmal... Du gibts also zu, dass ...
Ich denke mal, es kommt ihm nicht erst "Jetzt auf einmal".
Es geht nicht um die Frage:
    Mindestlohn JA! oder NEIN!
      ... es geht auch weniger um die Frage, wie hoch er ausfallen soll?
Beides ist letztlich eine politische Entscheidung. Aber diese Entscheidung hat, egal wie sie ausfällt, irgendwelche Folgen. Unabhängig der Höhe des Mindeslohnes bekommen einige Betriebe (mit prekärer Arbeit) Probleme. Probleme, daß sie entweder Arbeitsplätze abbauen müssen (und werden) oder keine weiteren schaffen werden, bishin zur Insolvenz. Unternehmen sind nicht unbedingt gemeinnützige Unternehmen. Daher ist es einem Unternehmen nicht zuzumuten, alle Arbeitsplätze zu erhalten (und bei gleich hohem Gewinn) höhere Kosten inkauf zu nehmen - was ja letztlich ihren Gewinn schmälern würde ... und eventuell sogar das Privatvermögen des Unternehmers benötigen würde.

Der Tenor, wie er hier schon öfters angeklungen ist, daß Unternehmen, die aufgrund der Einführung eines Mindestlohnes Probleme bekommen oder gar schließen müssen, das deren Probleme schon vorher bestanden und durch den Mindestlohn nur zusätzlich verstärkt wurden ... verstärkt aufgezeigt wurden, ist vollkommen richtig.

Sieh es mal anders herum:
    Die Politik kann nicht einfach hergehen und Unternehmen mit prekärer Arbeit und ebensolchen Löhnen verbieten - das wäre ein Eingriff in unternehmerische Freiheiten. Politik kann aber sehrwohl über die Einführung eines Mindestlohnes Einfluß auf dieser Art Firmen und deren Bestehen nehmen - dies ist vollkommen legal.
Da ich die offizielle Erlaubnis habe "Ausflüge" zu unternehmen, tue ich das mal kurz - nur ganz kurz ... versprochen:
    Mindestlohn und Aufstocker
Die Höhe des Mindestlohnes unterliegt einer politischen Entscheidung und ist klar definiert - OK?!? Aufstocken, also die Höhe dessen, ab der ein Mensch trotz Arbeit aufstocken muß, orientiert sich inetwa an der Armutsgrenze ... am Lebensstandart ... an den üblichen (finanziellen) Mitteln der Gesellschaft - sie müssen irgendwie reichen, damit ein Mensch noch irgendwie (über)leben kann. Die Armutsgrenze variiert durch unterschiedliche Lebenserhaltungskosten von Ort zu Ort - errechnet sich aber immer am Median-Mittel des Einkommenswerts der Bevölkerung. Steigt also nun der Mindestlohn und aufgrund dessen werden gleichzeitig einige Betriebe (mit prekärer Arbeit) Probleme bekommen - so daß sie letztlich so gar schließen müssen ... aber immer Arbeitsplätz wegfallen, und steigt daher der Lohn der noch verbliebenen Arbeiter, steigt also folglich auch das Median-Mittel des Einkommenswerts der Bevölkerung und somit auch die Armutsgrenze. Steigt aber die Armutsgrenze, werden Leute, die Alleinverdiener sind aber eine Familie zu ernähren haben, trotz Vollverdienst und trotz Mindestlohn immer noch aufstocken müssen.

Ab wann ... und wenn überhaupt, ab welcher Höhe des Mindestlohnes, eine Aufstockung nicht mehr nötig sein wird, ... ich glaub, das hat bis dato noch niemand berechnet - es wäre auch müßig.
    Ausflug Ende!
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Re: Logik liberaler Positionen bzgl. des Mindestlohns

Beitragvon Maltrino » Mi 22. Aug 2018, 21:40

Der Neandertaler hat geschrieben:...

Ab wann ... und wenn überhaupt, ab welcher Höhe des Mindestlohnes, eine Aufstockung nicht mehr nötig sein wird, ... ich glaub, das hat bis dato noch niemand berechnet - es wäre auch müßig.
    Ausflug Ende!


Ich kanns dir berechnen. Wenn ein Hartz4 Empfänger ungefähr 900 Euro bekommt (Wohngeld, Regelsatz..), dann müsste der Mindestlohn 900 Euro pro Stunde sein und gesetzlich festgelegt sein, dass jeder Mindestlohnempfänger mindestens eine Stunde Arbeit bezahlt bekommt. Dann würde jeder der nach Mindestlohn arbeitet mehr bekommen als ein Hartz4 Empfänger. Da dies aber illusorisch ist ist es sicher "müßig" darüber zu diskutieren. Fakt ist nur, dass auch hier im Forum immer wieder davon fabuliert wird, dass eine Erhöhung des Mindestlohns dafür sorgt, dass man sich über Aufstockung keine Gedanken mehr machen muss. Und dass das Unsinn ist, da es eben sowas wie Teilzeit gibt, habt ihr jetzt ja "zugegeben", aber ja, aber irgendwie muss jetzt trotzdem wieder mir widersprochen werden, weil es halt so üblich ist, und deshalb, wie gesagt, hunderte Seiten im Hartz4 und BGE Thema für die Katz.
Wie ihr seht, habe ich jetzt auch ein Profilbild wo das Portrait eines großen politischen Denkers aus der Vergangenheit abgebildet ist. Damit ist jetzt jede meiner Aussagen wahr und absolut seriös.
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Re: Logik liberaler Positionen bzgl. des Mindestlohns

Beitragvon Boracay » Mi 22. Aug 2018, 23:08

Sole.survivor@web.de hat geschrieben:(21 Aug 2018, 20:14)

Das Verschwinden von Friseurläden und Kneipen ist ausgeblieben.


Die sind sogar drastisch gefallen seit Einführung des Mindestlohns.

https://friseur-news.de/media/articles/ ... a01_XL.jpg

Das Kneipensterben war noch viel drastischer, allerdings hat das schon viel früher angefangen.

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