Logik liberaler Positionen bzgl. des Mindestlohns

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Boracay
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Re: Logik liberaler Positionen bzgl. des Mindestlohns

Beitragvon Boracay » Mi 22. Aug 2018, 23:12

Der Neandertaler hat geschrieben:(21 Aug 2018, 20:30)

Genau das wollte ich damit ausdrücken! Wir Deutsche neigen dazu alles schwarz oder weiß zu sehen - grau kommt allenfalls in der Medizin als Augenleiden vor. Solange die eventuellen Mehrkosten von jemand bereitwillig gezahlt werden, kann eine (negative) Veränderung lediglich theoretische und negative Auswirkungen haben.


Gerade in den Jobs die von Mindestlohnkräften erbracht werden, ist niemand wirklich drauf angewiesen.

Statt das Bier in der Kneipe zu trinken trinkt man eben Zuhause (was allerdings primär mit dem Rauchverbot zu tun hat), statt zum Friseur zu gehen schneidet einem eben eine Bekannte Schwarz die Haare (oder die Ehefrau), eine Putze muss sich auch niemand gönnen,.... Das sind alles Dinge auf die kann man verzichten. Mir persönlich ist für eine Putzfrau auch 8,- € zu viel, da mache ich es lieber selbst. Arbeiten würde hier im Süden aber unter 14€ die Stunde keine Sau. Und dann auch nur schwarz.
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Re: Logik liberaler Positionen bzgl. des Mindestlohns

Beitragvon Boracay » Mi 22. Aug 2018, 23:15

Polibu hat geschrieben:(21 Aug 2018, 20:36)

Na klar. 20€/h bei Aldi als Ungelernter. :D


Bei Aldi Süd in München 14,50€ im ersten Jahr (+ Weihnachtsgeld + Urlaubsgeld + Altersvorsorge + Fahrtgeld) und 19,50€ im dritten Jahr. Finden trotzdem keine Leute.
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imp
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Re: Logik liberaler Positionen bzgl. des Mindestlohns

Beitragvon imp » Do 23. Aug 2018, 05:01

Boracay hat geschrieben:(23 Aug 2018, 00:08)

Die sind sogar drastisch gefallen seit Einführung des Mindestlohns.

https://friseur-news.de/media/articles/ ... a01_XL.jpg

Das Kneipensterben war noch viel drastischer, allerdings hat das schon viel früher angefangen.

Anzahl Friseure in Deutschland

2012 144.313
2013 144.635
2014 143.989
2015 145.102
2016 145.297
2017 145.154
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Re: Logik liberaler Positionen bzgl. des Mindestlohns

Beitragvon Skull » Do 23. Aug 2018, 07:34

Sole.survivor@web.de hat geschrieben:(23 Aug 2018, 06:01)

Anzahl Friseure in Deutschland

2012 144.313
2013 144.635
2014 143.989
2015 145.102
2016 145.297
2017 145.154

Tja...wenn man sich eine einzige Statistik raussucht (wo es nur um die Filialien von grösseren Friseuren geht),
diese wahrscheinlich nicht mal lesen lann oder versteht, kann man zu so einem Schluss kommen. :D

Deine Zahlen und deren Entwicklung zeigen dagegen die richtige Entwicklung.

Das Friseurhandwerk schreibt selbst...immer wieder von leicht steigenden
bis vielleicht bald stagnierender Zahl von Friseurunternehmen und Läden.

mfg
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Re: Logik liberaler Positionen bzgl. des Mindestlohns

Beitragvon franktoast » Mo 27. Aug 2018, 12:47

marius84 hat geschrieben:(17 Aug 2018, 18:18)

Innerhalb der letzten Jahre habe ich viele Positionen zum Mindestlohn, aber auch anderen politischen Eingriffen in den Markt, gehört. Die FDP, aber auch andere europäische liberale Parteien, reagieren auf Fragen zu dem Mindestlohn oft nach dem selben Muster. Und zwar gehen Sie oft nicht wirklich auf den Mindestlohn ein (Ideologisch auch schwierig zu vertreten für eine liberale Partei), sondern Sie verweisen oft auf den Weg zu verhindern, dass jemand überhaupt in Gefahr gerät einen niedrigen Lohn zu beziehen. Das ist sicherlich auch sinnvoll, aber generell frage ich mich oft folgendes: Es wird immer Jobs geben, die nicht gut bezahlt werden und es wird immer Menschen geben, die nicht in der Lage sind aus dem Bildungssystem empor zu steigen. Ohne Putzkräfte wären wir in unserer Gesellschaft ziemlich aufgeschmissen, aber die Menschen werden wahrscheinlich immer vergleichsweise relativ wenig verdienen. Aber diese Jobs muss es doch auch geben. Es können schließlich nicht alle Akademiker werden.

Ähnlich verhält es sich bei der Regulation von Mietpreisen. Hier ist oft die Argumentation, dass eine Regulation nur das Symptom, aber nicht die Ursache, nämlich insgesamt zu wenige Wohnungen, ändern würde. Auch das ist natürlich grundsätzlich richtig, aber selbst wenn sofort Gelder für ausreichend neuen bezahlbaren Wohnraum zur Verfügung steht, wird es Jahre dauern bis diese bezugsfertig sind. Was soll also jetzt, in diesem Augenblick, mit den Menschen passieren, die sich die Miete aufgrund explodierender Preise nicht mehr leisten können.

Ich möchte gar nicht so sehr über die Aspekte an sich inhaltlich diskutieren, sondern viel mehr die Argumentationsweise von zum Beispiel Christian Lindner verstehen. Diese Argumentationsweise ist mir zuletzt im ZDF-Sommerinterview mit Christian Lindner aufgefallen und seltsamerweise stellt auch nie ein Journalist eine Rückfrage, wenn Herr Lindner auf Bildung, Bildung, Bildung verweist.


Rein nach der Theorie und Praxis macht ein Mindestlohn auch wenig Sinn. Wenn eine Arbeitskraft nur 7,50€ die Stunde dem Arbeitgeber bringt, dann kann er ihr nicht 9€ bezahlen, sonst zahlt er drauf. Er könnte natürlich die Preise wegen dem Mindestlohn erhöhen, wodurch die Arbeitskraft pro Stunde mehr produziert, aber das macht die Konkurrenz (va. im Ausland) auch nicht. Also bliebe nur, die Arbeitskraft zB. durch eine bessere Maschine oder Fortbildung produktiver zu machen, aber auch da macht es keinen Sinn, erst auf einen Mindestlohn zu warten.
Da der Mindestlohn so niedrig angesetzt ist, hat er eh kaum Wirkung, also könnte man das als Liberaler auch akzeptieren, um zB. Auswüchse von besonders dummen Arbeitnehmern (oder Arbeitgebern) zu verhindern...

Ansonsten hat der Marktpreis ja auch einen Sinn: Du verdienst nur 5€/h mit deiner Tätigkeit? Das bedeutet: Such dir ne andere Tätigkeit bzw. mach ne Fortbildung.
Ein freier Mensch muß es ertragen können, daß seine Mitmenschen anders handeln und anders leben, als er es für richtig hält, und muß sich abgewöhnen, sobald ihm etwas nicht gefällt, nach der Polizei zu rufen.

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