Erntehelfer aus Osteuropa bleiben weg - Welche Lösung gibt es?

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unity in diversity
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Re: Erntehelfer aus Osteuropa bleiben weg - Welche Lösung gibt es?

Beitragvon unity in diversity » Mo 9. Jul 2018, 01:40

Realist2014 hat geschrieben:(08 Jul 2018, 19:36)

in welcher "Situation"?

auch die deutschen Spargelbauern stehen in der Marktwirtschaft

dann müssen die halt auf den Feldern ANDERE Produkte anbauen

Aufforsten, bis zur nächsten Ernte dauert es zwar 80 Jahre, aber bis dahin hat sich die Angebot/Nachfrage Situation bestimmt normalisiert und die Natur erholt.
Für jedes Problem gibt es 2 Lösungsansätze:
Den Falschen und den Unsrigen.
Aus den USA.
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Re: Erntehelfer aus Osteuropa bleiben weg - Welche Lösung gibt es?

Beitragvon Ebiker » Mo 9. Jul 2018, 03:37

watisdatdenn? hat geschrieben:(08 Jul 2018, 19:45)

Was ist mit der Alternative Flüchtlinge dafür einzusetzen?



Flüchtlinge wird man dazu nicht mehr brauchen wenn der Marrakesch Plan der EU erst umgesetzt wird
Eines Tages werden Millionen Menschen die südliche Hemisphäre verlassen, um in der nördlichen Hemisphäre einzufallen. Und sie werden sie erobern, indem sie sie mit ihren Kindern bevölkern.
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Re: Erntehelfer aus Osteuropa bleiben weg - Welche Lösung gibt es?

Beitragvon watisdatdenn? » Mo 9. Jul 2018, 06:02

jack000 hat geschrieben:(08 Jul 2018, 19:48)
Flüchtlinge kommen bei Anerkennung in H4 und somit würde für die das gleiche gelten. Zuvor ist Arbeit nicht erlaubt.

Es ist ja keine Arbeit. Es wäre Aufwandsentschädigung für bereits geleistetes Taschengeld und Behausung der Flüchtlinge.

Der Bauer muss dies trotzdem zahlen, das Geld kommt aber dem Staat zu.

Das ist eine günstigere Variante für den Steuerzahler.
Das Modell kann man auch an anderer Stelle fahren..
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Re: Erntehelfer aus Osteuropa bleiben weg - Welche Lösung gibt es?

Beitragvon Senexx » Mo 9. Jul 2018, 06:26

Sie kriegen ihr Geld doch ohne zu arbeiten. Wieso sollten die dann auf dem Feld arbeiten wollen?
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Re: Erntehelfer aus Osteuropa bleiben weg - Welche Lösung gibt es?

Beitragvon Selina » Mo 9. Jul 2018, 06:57

Die Frage, ob nicht Flüchtlinge auf den Feldern arbeiten könnten, impliziert sofort die Annahme, dass das alles keine "richtigen" Flüchtlinge sind. Furchtbar diese Einstellung. Woher wollen einige nur immer so genau wissen, dass das alles "nur" Leute sind, die aus anderen Gründen als Krieg und Krisen hierher kommen? So etwas wird erst im Asylverfahren festgestellt. Und zwar durch Fachleute. Und solange das nicht feststeht, sind es einfach Menschen, die fliehen mussten, die nach unsäglichen Schwierigkeiten hier ankommen, die zunächst medizinische und psychotherapeutische Hilfe brauchen und keine schweren Hilfsjobs in der Landwirtschaft.
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Re: Erntehelfer aus Osteuropa bleiben weg - Welche Lösung gibt es?

Beitragvon Senexx » Mo 9. Jul 2018, 07:25

Zu arbeiten ist eine der wirksamsten Formen von Therapie. Möglichst schnell wieder in ein normales Leben finden. Die Therapieindustrie hat daran natürlich weniger Interesse. Sie braucht Patienten.
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Re: Erntehelfer aus Osteuropa bleiben weg - Welche Lösung gibt es?

Beitragvon Skull » Mo 9. Jul 2018, 07:52

Guten Morgen,

letzte Warnung. Dieses wird kein Flüchtlingsthread.
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Re: Erntehelfer aus Osteuropa bleiben weg - Welche Lösung gibt es?

Beitragvon Senexx » Mo 9. Jul 2018, 08:03

1. Jack007 hat bei Threaderöfnnung gefragt, welche Lösungsmöglichkeiten es für den Erntehelfermangel gäbe.

2. Er selber hat den Einsatz von Hartz-IV-Empfängern vorgeschlagen.

3. Irgendjemand hat den Einsatz von Flüchtlingen vorgeschlagen.

4. Gegen beides wurden Einwände vorgebracht.

5. Bedeutet das nun, dass man über die Einwände gegen den Einsatz von Flüchtlingen nicht mehr diskutieren darf?
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Re: Erntehelfer aus Osteuropa bleiben weg - Welche Lösung gibt es?

Beitragvon sünnerklaas » Mo 9. Jul 2018, 08:13

jack000 hat geschrieben:(07 Jul 2018, 20:12)

https://www.daserste.de/information/pol ... r-100.html

Eine Entwicklung die abzusehen war. Die Löhne steigen in Osteuropa während sie in Deutschland stagnieren, somit wird es unattraktiver auf den Feldern in Deutschland zu arbeiten.

Natürlich wird das auch die jährliche "Arbeitslose auf die Spargelfelder"-Diskussionen anheizen. Die Osteuropäer haben diese Arbeiten gemacht, weil der Lohn auf dem Feld eines vielfaches z.B. eines Lehrers zu Hause waren => Der finanzielle Anreiz war also gegeben.

Für Hartz4-Empfänger ist es eher unattraktiv diese Arbeit durchzuführen, da diese nun mal hart ist und komplett auf das H4 angerechnet wird.
=> Wäre nicht die einfachste Lösung, dass Jobs in solchen Branchen nicht auf H4 angerechnet werden (=Nur Sozialabgaben + Steuern und der Rest kann einbehalten werden)?


Das Problem ist eher praktischer Natur. Bei den osteuropäischen Erntehelfern handelt es sich in der Regel um Teams, deren Kern zum großen Teil schon seit sehr vielen Jahren jedes Jahr zum selben Betrieb kommen. Landwirte und Helfer sind aufeinander eingespielt, die Helfer sind arbeitserfahren, mit der Erntetechnik vertraut und arbeiten selbständig und liefern hohe Qualität. Neulinge müssen sich das, was sich diese Erntehelfer über viele Jahre hinweg arbeitstechnisch angeeignet haben, erst einmal aneingnen. Das geht eben nicht von heute auf morgen. Um Spargel so zu stechen, dass er sich als hochwertiges Gemüse verkaufen lässt, braucht man Fingerspitzengefühl und Erfahrung. Tatsache ist auch: man kann nicht jedes Jahr mit komplett neuen, völlig unerfahrenen Teams arbeiten. Die Teams können nur sukzessive verjüngt werden. Anders geht es rein praktisch überhaupt nicht.

In diesem Jahr kommt der Umstand hinzu, dass die Erntezeit auf Grund der Witterung gut zwei Wochen früher begonnen hat. Viele Erntehelfer nehmen sich extra Urlaub, um hier auf landwirtschaftlichen Betrieben zu arbeiten. Genau dieser Urlaub liegt in diesem Jahr zur falschen Zeit, weil Urlaubsplanung und tatsächlicher Erntebeginn nicht deckungsgleich sind.

Was mich immer wieder wundert ist die Tatsache, welches Bild manche von der Landwirtschaft und von der Funktionsweise von Unternehmen haben. Per staatlichem Befehl vorzuschreiben, wer wen wann einzustellen habe und wer wo zu arbeiten habe, ist letztendlich nichts weiter als Form staatlichen Dirigismus. Nicht jeder ist für jede Arbeit geeignet - und falsche Leute am falschen Platz können fatale Folgen für einen Unternehmer oder einen Landwirt haben.
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Re: Erntehelfer aus Osteuropa bleiben weg - Welche Lösung gibt es?

Beitragvon Europa2050 » Mo 9. Jul 2018, 08:19

sünnerklaas hat geschrieben:(09 Jul 2018, 09:13)

Das Problem ist eher praktischer Natur. Bei den osteuropäischen Erntehelfern handelt es sich in der Regel um Teams, deren Kern zum großen Teil schon seit sehr vielen Jahren jedes Jahr zum selben Betrieb kommen. Landwirte und Helfer sind aufeinander eingespielt, die Helfer sind arbeitserfahren, mit der Erntetechnik vertraut und arbeiten selbständig und liefern hohe Qualität. Neulinge müssen sich das, was sich diese Erntehelfer über viele Jahre hinweg arbeitstechnisch angeeignet haben, erst einmal aneingnen. Das geht eben nicht von heute auf morgen. Um Spargel so zu stechen, dass er sich als hochwertiges Gemüse verkaufen lässt, braucht man Fingerspitzengefühl und Erfahrung. Tatsache ist auch: man kann nicht jedes Jahr mit komplett neuen, völlig unerfahrenen Teams arbeiten. Die Teams können nur sukzessive verjüngt werden. Anders geht es rein praktisch überhaupt nicht.

In diesem Jahr kommt der Umstand hinzu, dass die Erntezeit auf Grund der Witterung gut zwei Wochen früher begonnen hat. Viele Erntehelfer nehmen sich extra Urlaub, um hier auf landwirtschaftlichen Betrieben zu arbeiten. Genau dieser Urlaub liegt in diesem Jahr zur falschen Zeit, weil Urlaubsplanung und tatsächlicher Erntebeginn nicht deckungsgleich sind.

Was mich immer wieder wundert ist die Tatsache, welches Bild manche von der Landwirtschaft und von der Funktionsweise von Unternehmen haben. Per staatlichem Befehl vorzuschreiben, wer wen wann einzustellen habe und wer wo zu arbeiten habe, ist letztendlich nichts weiter als Form staatlichen Dirigismus. Nicht jeder ist für jede Arbeit geeignet - und falsche Leute am falschen Platz können fatale Folgen für einen Unternehmer oder einen Landwirt haben.


Dann kennt die Marktwirtschaft eigendlich nur eine Lösung: Die Entlohnung so weit erhöhen, bis auch unter den von dir genannten Rahmenbedingungen genügend Fachkräfte bereit sind, sie zu tun.
Nationalismus lehrt Dich,
stolz auf Dinge zu sein, die Du nie getan hast und
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Re: Erntehelfer aus Osteuropa bleiben weg - Welche Lösung gibt es?

Beitragvon sünnerklaas » Mo 9. Jul 2018, 08:20

watisdatdenn? hat geschrieben:(09 Jul 2018, 07:02)

Es ist ja keine Arbeit. Es wäre Aufwandsentschädigung für bereits geleistetes Taschengeld und Behausung der Flüchtlinge.

Der Bauer muss dies trotzdem zahlen, das Geld kommt aber dem Staat zu.

Das ist eine günstigere Variante für den Steuerzahler.
Das Modell kann man auch an anderer Stelle fahren..


Da wird sich der Bauer aber bedanken, wenn man ihn zwingt, Leute zu beschäftigen, die ihm wiederum quasi per Befehl zum Arbeiten geschickt werden.
Hinzu kommt, dass die Beschäftigung von Langzeitarbeitslosen bei gering bezahlten Saisonarbeiten oft umfangreiche und sehr komplexe bürokratische Berechnungsverfahren auslöst, die wiederum mit Berichtspflichten für den Landwirt verbunden sind. Die meisten Landwirte sind auf ihren Höfen Einzelkämpfer, die nicht jeden Monat ein Gehalt aufs Konto überwiesen bekommen. Die Zeit für zusätzlichen weiteren bürokratischen Kram fehlt.
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Re: Erntehelfer aus Osteuropa bleiben weg - Welche Lösung gibt es?

Beitragvon sünnerklaas » Mo 9. Jul 2018, 08:24

Europa2050 hat geschrieben:(09 Jul 2018, 09:19)

Dann kennt die Marktwirtschaft eigendlich nur eine Lösung: Die Entlohnung so weit erhöhen, bis auch unter den von dir genannten Rahmenbedingungen genügend Fachkräfte bereit sind, sie zu tun.


Da gibt es ein weiteres Problem: die Preise werden vom Handel diktiert. Der Verbraucher greift an den Theken des Einzelhandels zum großen Teil zum günstigsten Produkt. Das Geld wird nicht mit der Produktion durch den Landwirt verdient, sondern im Groß- und Einzelhandel.
Was jeder machen kann: seine Nahrungsmittel nach Möglichkeit beim bäuerlichen Direktvermarkter kaufen. Dann kann man sicher gehen, dass das Geld auch dort ankommt, wo es ankommen soll: beim Landwirt.
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Re: Erntehelfer aus Osteuropa bleiben weg - Welche Lösung gibt es?

Beitragvon Winzer » Mo 9. Jul 2018, 14:15

aaaalso ... ich bin in der Landwirtschaft, dem Weinbau, tätig ... ganz so einfach ist das Thema Erntehelfer nicht.

Zu Polen ... Ja, viele der polnischen Arbeitnehmer bleiben heute zuhause wegen besserer Arbeitsbedingungen dort, viele wanderten aber auch ab nach England, weil sie dort unbefristet arbeiten durften im Gegensatz zu Deutschland, weil man damals die Konkurrenz im Billiglohnsektor fürchtete und die polnischen AN daher nur befristet beschäftigt werden durften.
Heute kommen die meisten Saisonarbeitskräfte aus Rumänien.
Der Spargel wäre auch nur ein 'Wohlstandsproblem', SaisonAK sind in vielen Sparten der Landwirtschaft im Einsatz, Radieschen, Frühlngszwiebeln, alle Salate, Erdbeeren, alles Obst und Gemüse, quasi alles was nicht mit dem Mähdrescher Rübenroder oder Kartoffelernter raus kommt und für den Verzehr vorgesehen ist wird von Saisonkräften geerntet.

Zur Qualifikation der Leute ... ja, da sind mitunter Ärzte oder Lehrer mit auf dem Acker, bei der weit überwiegenden Mehrheit der Leute kann man aber schon froh sein wenn sie ihren Namen schreiben können, aber für die Jobs reichts dann schon, die Einarbeitungszeit zum Radieschen rupfen ist sehr kurz.

Es gab mal vor Jahren eine Aktion, da sollten per Quote deutsche Arbeitslose aufs Feld, es war ein Desaster. Beschäftigungen von mehr als 2 Tagen waren eine absolute Ausnahme. Wenn der Arbeitnehmer überhaupt erschien kam praktisch immer am Folgetag der gelbe Schein. Zum Einen war das Problem die Motivation, die Leut hatten schlicht keinen Bock, zum Anderen kamen sehr viele auch physisch schnell an ihre Grenzen. Auf dem Acker in gebückter Haltung bei Regen und 10° 10h arbeiten braucht Training, die ersten 1-2 Wochen gibts Muskelkater, aber das legt sich dann wenn man solange durchhält.

Nun, was den Anbau alternativer Produkte angeht, ich würde ja für Cannabis votieren, da wäre n ordentlicher Hektarertrag machbar, ansonsten muss man halt sehen was welcher Boden und welches Klima zulässt für den Anbau, das ist nicht ganz so trivial einfach auf ne andere Kultur zu wechseln.
Zu den Kosten ist halt das Problem, das wir in D zunehmend Standortnachteile haben durch Auflagen und zunehmender Regulierungswut ... Beispiel DüngeVO. Für meinen Betrieb bedeutete dies dieses Jahr Mehrkosten von ~ 5000 EUR für spezielle Bodenanalysen, die schlussendlich nur den Zweck erfüllen da zu sein wenn der Kontrolleur kommt. Beispiel Bewässerung von Gemüse, damit jeden Tag frisches Gemüse im Regal liegt werden die Gemüsebauern geknebelt immer just in time die Ware parat zu haben, das führt dazu das mit der Bewässerung das Wachstum gesteuert wird, die Pumpen laufen in D mit Diesel inklusive Mineralölsteuer, im Ausland meist mit Heizöl und so eine Pumpe frisst am Tag im Schnitt 200l Treibstoff.

Klar kann man Landwirtschaft outsourcen, für uns Landwirte wäre das das geringste Problem. Arbeit gäbe es für uns dennoch, z.B. Landschaftspfleger oder Gartenservice, kein Ding. Viele Betriebe laufen heute sowieso aus, weil die nächste Generation sich das nicht antun will ... (wenns nach mir geht kommts bei meinem Laden genau so, ich wünsch mir für meine Kinder was Anderes)
Nur, will sich die Gesellschaft, wollt Ihr Euch wirklich so abhängig machen?

Mal davon abgesehen, das Ihr Euch Eure Forderungen bezüglich der Qualitäten / Produktionsvorgaben dann übers Bett hängen könnt vonwegen z.B. Gentechnik Herbizide Rückstände etc..
Zuletzt geändert von Winzer am Mo 9. Jul 2018, 14:24, insgesamt 3-mal geändert.
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Re: Erntehelfer aus Osteuropa bleiben weg - Welche Lösung gibt es?

Beitragvon Winzer » Mo 9. Jul 2018, 14:16

sünnerklaas hat geschrieben:(09 Jul 2018, 09:24)

Da gibt es ein weiteres Problem: die Preise werden vom Handel diktiert. Der Verbraucher greift an den Theken des Einzelhandels zum großen Teil zum günstigsten Produkt. Das Geld wird nicht mit der Produktion durch den Landwirt verdient, sondern im Groß- und Einzelhandel.
Was jeder machen kann: seine Nahrungsmittel nach Möglichkeit beim bäuerlichen Direktvermarkter kaufen. Dann kann man sicher gehen, dass das Geld auch dort ankommt, wo es ankommen soll: beim Landwirt.


:thumbup: exakt. Der Handel bzw. eine Hand voll große Händler (meist mit 4 Buchstaben) gibt den Preis vor, entweder man kann damit produzieren oder ist weg.
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Re: Erntehelfer aus Osteuropa bleiben weg - Welche Lösung gibt es?

Beitragvon 3x schwarzer Kater » Mo 9. Jul 2018, 14:27

Winzer hat geschrieben:(09 Jul 2018, 15:16)

:thumbup: exakt. Der Handel bzw. eine Hand voll große Händler (meist mit 4 Buchstaben) gibt den Preis vor, entweder man kann damit produzieren oder ist weg.


Du vermarktest also direkt? Wieviel bekommt nun so ein Spargelstecher bei dir pro Stunde und was kostet der Spargel dann?
„Es wurde schon alles gesagt, nur noch nicht von jedem.“ (Karl Valentin)
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Re: Erntehelfer aus Osteuropa bleiben weg - Welche Lösung gibt es?

Beitragvon Winzer » Mo 9. Jul 2018, 15:02

3x schwarzer Kater hat geschrieben:(09 Jul 2018, 15:27)

Du vermarktest also direkt? Wieviel bekommt nun so ein Spargelstecher bei dir pro Stunde und was kostet der Spargel dann?


Bin im Weinbau (siehe Nickname), eine Saisonkraft hat bei mir rund 11,- EUR Brutto / Stunde.
PS: + frei Wohnen, 2 Mann eigene Wohnung, Parterre 70qm FbH erbaut 2014 2 Schlafzimmer, Wohnzimmer Bad Küche eigener Zugang kleiner Garten u. Hof.

Ich vermarkte Wein, Sekt, Secco, Traubensaft direkt, verkaufe aber auch Großgebinde an Handel.

Großhandelspreise sind kein Geheimnis, z.B. hier:
https://www.weinkommission.com/konventi ... reise.html

Das ist Rohware ohne Füllung Ausstattung Marketing Distribution etc. Wobei die Preise dieses Jahr relativ hoch sind wegen kleiner 17er Ernte.
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Re: Erntehelfer aus Osteuropa bleiben weg - Welche Lösung gibt es?

Beitragvon Boracay » Mo 9. Jul 2018, 15:32

Winzer hat geschrieben:(09 Jul 2018, 16:02)

Bin im Weinbau (siehe Nickname), eine Saisonkraft hat bei mir rund 11,- EUR Brutto / Stunde.


Und wie hoch sind die Abzüge? Bei den meisten Landwirten wird für die SV ja nur ein sehr kleiner Betrag angegeben, da die Leute diese Abzüge nicht akzeptieren, vor allem die Rentenversicherung bringt ihnen ja nix.

Bei den meisten Landwirten ist Brutto fast Netto, bzw. werden SV Abgaben oft aus eigener Tasche bezahlt.

Zur Wohnsituation: Ja, die Zeiten in denen man den Saisonarbeitern im Heulager ein Bett einrichten konnte sind vorbei. Unterkünfte mit Bad/Küche usw. sind die Regel und werden auch kontrolliert.
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Re: Erntehelfer aus Osteuropa bleiben weg - Welche Lösung gibt es?

Beitragvon Skull » Mo 9. Jul 2018, 16:10

Boracay hat geschrieben:(09 Jul 2018, 16:32)

Bei den meisten Landwirten ist Brutto fast Netto, bzw. werden SV Abgaben oft aus eigener Tasche bezahlt.

Kannst Du diesen Satz mal (logisch) erklären ?

mfg
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Re: Erntehelfer aus Osteuropa bleiben weg - Welche Lösung gibt es?

Beitragvon Boracay » Mo 9. Jul 2018, 16:35

Skull hat geschrieben:(09 Jul 2018, 17:10)

Kannst Du diesen Satz mal (logisch) erklären ?

mfg


Die Saisonarbeiter akzeptieren diese Abgaben nicht. Daher gehen die Bauern hin und melden viel niedrigere Einkünfte als wirklich an die SV. Die Saisonarbeiter erhalten dann Brutto=Netto. Also Schwarzarbeit. Da kommen in 6 Wochen ca. 5k€ Netto zusammen wenn die Wetterlage und die Ernte 6 Wochen Arbeit a 6 Tage pro Woche a 14 Stunden erlauben.
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Re: Erntehelfer aus Osteuropa bleiben weg - Welche Lösung gibt es?

Beitragvon Milady de Winter » Mo 9. Jul 2018, 16:40

Boracay hat geschrieben:(09 Jul 2018, 17:35)

Die Saisonarbeiter akzeptieren diese Abgaben nicht. Daher gehen die Bauern hin und melden viel niedrigere Einkünfte als wirklich an die SV. Die Saisonarbeiter erhalten dann Brutto=Netto. Also Schwarzarbeit. Da kommen in 6 Wochen ca. 5k€ Netto zusammen wenn die Wetterlage und die Ernte 6 Wochen Arbeit a 6 Tage pro Woche a 14 Stunden erlauben.

Ich bin nicht vom Fach, aber ich kann mir beim besten Willen nicht vorstellen, dass das ein normaler Mensch schafft.
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