Kommunistische WG als Beispiel

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theoretiker
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Re: Kommunistische WG als Beispiel

Beitragvon theoretiker » Fr 20. Jul 2018, 15:59

BlueMonday hat geschrieben:
Böhm-Bawerk hat dazu mal eine schöne Analogie gebracht:

"Das trivialste Beispiel wird in einer so handgreiflichen Sache vielleicht das beste sein. Man spricht über die Wirkung der Geschütze auf Schiffspanzer, und jemand stellt die Behauptung auf, daß der Grad der zerstörenden Wirkung des Schusses einzig und allein von der Größe der verwendeten Pulverladung abhänge. Man stellt ihn zur Rede und weist ihm an der Hand der tatsächlichen Erfahrung unter seiner eigenen schrittweisen Zustimmung nach, daß es für die Schußwirkung nicht bloß auf die Menge des verladenen Pulvers, sondern auch auf dessen Stärke,


und so weiter bla, bla ...
Nur, dass es zur Entdeckung des Wertgesetzes keine anderen Nachweise oder Veränderungen gab. Keine Ergänzungen von Böhm-Bawerk oder den tausenden anderen Zweiflern, die sich versuchten.
Was es gibt, sind einige andere Theorien und Modelle um Wert- und Preisbildung, die schon meist bei den ersten Zeilen zusammenklappen.
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Sanity
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Re: @blue mondayTeil 2 Cockshott/ Cottrell

Beitragvon Sanity » Fr 20. Jul 2018, 20:29

Realist2014 hat geschrieben:(20 Jul 2018, 16:15)

die Marktpreise für "Arbeit" mit geringen Kompetenzanforderungen "schwanken" kaum.

Die bewegen sich um den Mindestlohn. Auch die entsprechenden Tariflöhne

Auch wenn ich nicht weiß, wie deine Bemerkung zur weiteren Aufklärung hier beitragen kann, aber da du dich schon mehrfach abwertend über Menschen mit weniger Bildung geäußert hast, sei hierzu folgendes angemerkt: Mit einem Lager-Mitarbeiter muss ein Arbeitgeber offenbar nicht jährlich neu über Zielvereinbarungen, Bonis und Gehaltsentwicklung verhandeln, wie bei einem Gehaltsampfänger aus den höheren Gehaltsklassen. Der Lagerarbeiter ist vermutlich einfach nur froh, wenn er pünktlich seine Miete und seine Rechnungen zahlen kann und noch etwas zum Essen übrig bleibt. Wirklich dumm für ihn, dass es genügend körperlich leistungsfähige und bildungsschwache Menschen auf dem Arbeitsmarkt gibt, weshalb sein Chef überhaupt keinen Spaß versteht, wenn er bei ihm antritt und mehr Lohn fordert. Leider brauchen wir die Lagerarbeiter und auch andere Tätigkeiten in körperlich anstrengenden Jobs, andernfalls hätte unser "Bildungssystem" sich mehr Mühe und ihm mehr Zeit zum Lernen gegeben, um ihm das notwendige Wissen für höherqualifizierte Jobs anzueignen. Aber Leistung ergibt sich nun mal aus Arbeit in Zeit und diese ist bekanntlich sehr kostbar. Und so werden die Schüler schon früh anhand ihrer Leistungsfähigkeit klassifiziert, nicht anhand ihrer Intelligenz, ihrem Wissen oder ihrer Begabung. Sie müssen ihre Fähigkeiten bei Prüfungen, Klassenarbeiten, Hausaufgaben usw. stets in einem eng begrenzten Zeitfenster abliefern können (Arbeit/Zeit=Leistung), andernfalls gibt es schlechte Zensuren. Und dieses Zeitfenster, sowie die Schwierigkeit der Aufgaben sind bewusst so gewählt, dass die Leistungsunterschiede in Form unterschiedlicher Zensuren abgebildet werden können. Da gab es mal den Fall einer Lehrerin, die ihre Schüler so fit gemacht hat, dass diese beim Leistungstest alle Einsen und Zweien geschrieben haben. Anstatt die Lehrerin dafür zu loben und sie zu fragen, wie sie das geschaft hat, damit alle Lehrer und Schüler davon profitieren können, wurde sie abgemahnt. Sie hätte die Schwierigkeit des Tests so wählen müssen, dass selbst geringe Leistungsunterschiede auf die Noten 1-6 abgebildet werden können. Diejenigen, die in dem Stoffgebiet nur gering schwächer sind, müssen also eine schlechte Zensur erhalten, denn deren Leistung ist nun einmal schwächer. Zensuren sind also Leistungsnachweise und bilden unterschiedliche Kategorien der Leistungsfähigkeit zum Zwecke der besseren Beurteilung auf dem Arbeitsmarkt. Und wer als Schüler nicht genug leistet, wird von höherer Bildung und Qualifikation einfach ausgeschlossen. Was soll ein Arbeitgeber auch mit Menschen anstellen, deren Fähigkeiten sich nicht profitabel einsetzen lassen?!
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Re: @blue mondayTeil 2 Cockshott/ Cottrell

Beitragvon Realist2014 » Fr 20. Jul 2018, 20:34

Sanity hat geschrieben:(20 Jul 2018, 21:29)

Auch wenn ich nicht weiß, wie deine Bemerkung zur weiteren Aufklärung hier beitragen kann, aber da du dich schon mehrfach abwertend über Menschen mit weniger Bildung geäußert hast, ?!



Ich verweise lediglich auch die Marktwirtschaft

Angebot & Nachfrage

das ist alles

völlig wertfrei

wer keine Kompetenzen anzubieten hat ( = Tausch), wofür die Gesellschaft bereit ist, "gut" zu bezahlen ( = Tausch)- der muss eben mit "wenig" zufrieden sein

das ist eine seit Jahrtausenden gelebte Realität

das hat nun auch nichts mit irgendwelchem Eigentum an den PM zu tun


Was soll ein Arbeitgeber auch mit Menschen anstellen, deren Fähigkeiten sich nicht profitabel einsetzen lassen?!


was soll ein Bürger mit einem Handwerker, der sein Handwerk nicht beherrscht?
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Re: Kommunistische WG als Beispiel

Beitragvon theoretiker » Sa 21. Jul 2018, 08:39

franktoast hat geschrieben:Aber wie sieht es mit einer Studenten-WG aus?
Hier gibt es sogar Güter, die pro Kopf geteilt werden. Natürlich nicht bei den Zimmern. Wer ein größeres Zimmer hat, trägt auch mehr zur Miete bei. Das ist schon der erste Punkte? Warum machen das Studenten? Haben die kein Interesse daran, sozial miteinander, mit völliger Hingabe für die Gemeinschaft zu leben?

Nein haben sie nicht, denn eine WG ist gewöhnlich keine Sozialrealität der altruistischen Lebensart, sondern regelmäßig nur ein Zweckverband, um sich einen Mietgegenstand in der Nutzung zu teilen. Der Unbegrenztheit der Nutzungsmöglichkeit bestimmter Teile des Mietgegenstandes (eigene(s) Zimmer), stehen meistens Einschränkungen bei anderen Teilen der Wohnung (Küche, Klo, Bad) entgegen. Hier müssen sich die Mitglieder der Gemeinschaft - ob sie wollen oder nicht - familienähnlicher Selbst-Organisation unterwerfen und eine hohe Toleranzschwelle haben. Deshalb sortieren sich Willige sehr genau und wenn einer hinzukommen soll, wird der gnadenlos gecheckt.
Relevante Verletzung der materiellen Absprachen oder den Gemeinschaftsfrieden erheblich störendes Mitglied führt fast immer in WGs zu unmittelbarer Entfernung des Störsubjekts.
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Re: Kommunistische WG als Beispiel

Beitragvon theoretiker » So 22. Jul 2018, 09:57

franktoast hat geschrieben:Es gibt doch viele Personen, die von der kommunistischen Gesellschaft träumen? Warum leben diese nie (bzw. nur sehr selten) danach und leben es vor, wie es geht und wie es funktioniert?

Das ist die entscheidende Frage des Threadthemas und wir sollten sie durchdenken.
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Re: Kommunistische WG als Beispiel

Beitragvon franktoast » Mo 23. Jul 2018, 15:33

theoretiker hat geschrieben:(21 Jul 2018, 09:39)

Nein haben sie nicht, denn eine WG ist gewöhnlich keine Sozialrealität der altruistischen Lebensart, sondern regelmäßig nur ein Zweckverband, um sich einen Mietgegenstand in der Nutzung zu teilen. Der Unbegrenztheit der Nutzungsmöglichkeit bestimmter Teile des Mietgegenstandes (eigene(s) Zimmer), stehen meistens Einschränkungen bei anderen Teilen der Wohnung (Küche, Klo, Bad) entgegen. Hier müssen sich die Mitglieder der Gemeinschaft - ob sie wollen oder nicht - familienähnlicher Selbst-Organisation unterwerfen und eine hohe Toleranzschwelle haben. Deshalb sortieren sich Willige sehr genau und wenn einer hinzukommen soll, wird der gnadenlos gecheckt.
Relevante Verletzung der materiellen Absprachen oder den Gemeinschaftsfrieden erheblich störendes Mitglied führt fast immer in WGs zu unmittelbarer Entfernung des Störsubjekts.

Ja, und warum setzen dann Studenten nicht das kommunistische Prinzip um? Darum gehts hier ja. Viele Sozialisten oder Kommunisten meinen meinen ja, die meisten Menschen würden vom kommunistischen Prinzip profitieren. Studenten sind in der Regel relativ links eingestellt und teilen eben ein relativ wichtigen Gut zusammen. Also würde es sich ja da anbieten, dass man zB. das Einkommen teilt.

Du bist kein Linker, also fühlst du dich da nicht angesprochen. Klar. Aber Linke selber reagieren da gar nicht drauf. Es mag eine winzig kleine linke Minderheit geben, die auch nach ihren Prinzipien leben(Respekt und finde ich super!). Integrität. Aber ich vermute, beim Rest stecken nur egoistische, materialistische Motive dahinter, die man in ein sozial-moralisches Gewand packt.
Am liebsten würde ein Sozialist sagen: "Nehmt den Reichen Geld weg und ich bestimme, was damit gemacht wird, weil ich es besser weiß". Da das aber keine Mehrheit findet, versucht man es mit "Nehmt den Reichen das Geld weg, und die Gruppe, zu der ich gehöre, bestimmt, was damit gemacht wird."

Die Ironie ist, dass selbsternannte Sozialisten wahrscheinlich oft weniger nach ihren eigenen geforderten Normen leben als vlt. selbsternannte Kapitalisten wie du oder ich.
Ein freier Mensch muß es ertragen können, daß seine Mitmenschen anders handeln und anders leben, als er es für richtig hält, und muß sich abgewöhnen, sobald ihm etwas nicht gefällt, nach der Polizei zu rufen.
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Re: Kommunistische WG als Beispiel

Beitragvon theoretiker » Mo 23. Jul 2018, 16:50

franktoast hat geschrieben:(23 Jul 2018, 16:33)

Ja, und warum setzen dann Studenten nicht das kommunistische Prinzip um? () Studenten sind in der Regel relativ links eingestellt
Aus dem Umstand, Student zu sein, lassen sich keine politischen Richtungen ablesen.

franktoast hat geschrieben:Am liebsten würde ein Sozialist sagen: "Nehmt den Reichen Geld weg und ich bestimme, was damit gemacht wird
Hier entfremdest Du kommunistische Gedanken. Kommunisten wollen die Grundlage der Ausbeutung beseitigen und verlassen sich darauf, dass dies im Kommunismus ausreicht für die Gestaltung der Gesellschaft nach den Interessen ihrer Subjekte.
Was Du ansprichst ist doch eher der sozialdemokratiosche Ansatz von "Gerechtigkeit" innerhalb eines Ausbeutungssystems.
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Re: Kommunistische WG als Beispiel

Beitragvon Realist2014 » Mo 23. Jul 2018, 20:21

theoretiker hat geschrieben:(23 Jul 2018, 17:50)

n. Kommunisten wollen die Grundlage der Ausbeutung beseitigen s.



Kommunisten wollen ein Menschenrecht, welches auch in den Verfassungen aller Demokratien verankert ist, "beseitigen".

Das RECHT auf EIGENTUM

natürlich AUCH an "Produktionsmitteln"

daher sind Kommunisten logischerweise Verfassungsfeinde

und zwar nicht nur "theoretisch", sondern REAL
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Re: Kommunistische WG als Beispiel

Beitragvon Occham » Di 24. Jul 2018, 02:00

Realist2014 hat geschrieben:(23 Jul 2018, 21:21)

Kommunisten wollen ein Menschenrecht, welches auch in den Verfassungen aller Demokratien verankert ist, "beseitigen".

Das RECHT auf EIGENTUM

natürlich AUCH an "Produktionsmitteln"

daher sind Kommunisten logischerweise Verfassungsfeinde

und zwar nicht nur "theoretisch", sondern REAL

Die Verfassung lässt erstmal jede Geschäftsidee zu, es hat schon was verfassungsfeindliches dass du da Alleinstellungsansprüche erhebst. Ich bin der Meinung das im Konkurrenzkampf die effektivste Geschäftsidee siegen muss, welche das ist bin ich mir auch nicht so sicher und das ist absolut Verfassungskonform und wenn du noch so oft Alleinstellungsansprüche erhebst.
Die beste Lösung eines Problems ist meist die Einfachste.
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Re: Kommunistische WG als Beispiel

Beitragvon BlueMonday » Di 24. Jul 2018, 10:16

franktoast hat geschrieben:(23 Jul 2018, 16:33)

Ja, und warum setzen dann Studenten nicht das kommunistische Prinzip um? .


Weil es schon in dieser kleinen Gruppe massiv an seine Grenzen stößt und das auch die Linkesten im Grunde wissen. Das Ganze funktioniert praktisch erst, wenn alles kosten- und mühelos aus dem Nanoreplikator kommt, grenzenlos Zeit und Energie dafür zur Verfügung steht, wenn also praktisch alle Probleme durch Zielkonflikte(=ökonomische Knappheit der Mittel) gelöst sind.
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Re: Kommunistische WG als Beispiel

Beitragvon franktoast » Di 24. Jul 2018, 13:32

theoretiker hat geschrieben:(23 Jul 2018, 17:50)
Aus dem Umstand, Student zu sein, lassen sich keine politischen Richtungen ablesen.

Ich denke schon. Höchstwahrscheinlich nicht bei den BWL-Studenten oder denen, die eher während er Studienzeit daheim wohnen (diem würde ich eher konservativ einschätzen). Welche Erfahrungen hast du gemacht?

Hier entfremdest Du kommunistische Gedanken. Kommunisten wollen die Grundlage der Ausbeutung beseitigen und verlassen sich darauf, dass dies im Kommunismus ausreicht für die Gestaltung der Gesellschaft nach den Interessen ihrer Subjekte.
Was Du ansprichst ist doch eher der sozialdemokratiosche Ansatz von "Gerechtigkeit" innerhalb eines Ausbeutungssystems.

Man könnte jetzt erstmal eine Debatte führen, wer oder was kommunistisch ist und wer oder was nicht. Hast du Lust drauf? Dann such dir einen, mit dem du das ausdiskutieren kannst.
Was ist denn deine Erklärung dafür, dass Linke oft etwas fordern, was sie selber nicht leben?(obwohl sie es könnten) Das hat meiner Ansicht nach ewtas damit zu tun, dass man nur etwas tun will, wenn es einem selber (oder der Familie) in erster Linie nutzt. Und wenn nicht, tut man es nicht. Und genau von den anderen (va. eher erfolgreichen Schichten) verlangt man das Verhalten, das man selber nicht hat, um eben davon zu profitieren.
Beispiel: Ich finde es nur fair und sozial gerecht, wenn die Krankenkassen alle Brillen komplett bezahlen bzw. eine Augen-OP komplett übernehmen. Die Sehbehinderung ist angeboren und dafür kann keiner was.
PS: Ich bin auf Sehhilfen angewiesen.
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Re: Kommunistische WG als Beispiel

Beitragvon theoretiker » Di 24. Jul 2018, 15:44

franktoast hat geschrieben:Man könnte jetzt erstmal eine Debatte führen, wer oder was kommunistisch ist und wer oder was nicht. Hast du Lust drauf? Dann such dir einen, mit dem du das ausdiskutieren kannst.

Du hast doch den Thread eröffnet. Da wäre es schon sinnvoll, zu wissen, wem genau Du was genau vorwirfst. Jetzt sinds zum Beispiel nur noch "die Linken" die angeblich nicht ihre Utopien vorleben. Das linke Spektrum reicht aber vom versoffenen Kanzel-Träumer Schulz bis che-guevara-Ähnliches.
Ich habe Deinen Beitrag so verstanden, dass Du aus Problemen gemeinschaftlichen Zusammenlebens in Kommunen Schwierigkeiten für größere kommune-artige Strukturen siehst. Eine Ableitung ins Höhere ist aber immer mit Vorsicht anzugehen. Wissenschaft pflegt eher den umgekehrten Weg.
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Re: Kommunistische WG als Beispiel

Beitragvon franktoast » Di 24. Jul 2018, 15:50

theoretiker hat geschrieben:(24 Jul 2018, 16:44)

Du hast doch den Thread eröffnet. Da wäre es schon sinnvoll, zu wissen, wem genau Du was genau vorwirfst. Jetzt sinds zum Beispiel nur noch "die Linken" die angeblich nicht ihre Utopien vorleben. Das linke Spektrum reicht aber vom versoffenen Kanzel-Träumer Schulz bis che-guevara-Ähnliches.
Ich habe Deinen Beitrag so verstanden, dass Du aus Problemen gemeinschaftlichen Zusammenlebens in Kommunen Schwierigkeiten für größere kommune-artige Strukturen siehst. Eine Ableitung ins Höhere ist aber immer mit Vorsicht anzugehen. Wissenschaft pflegt eher den umgekehrten Weg.

Ich will die Menschen ansprechen, die eben sozialismus- oder kommunismusähnliche Systeme fordern. Das Problem dabei ist, dass es schwer ist, solchen Personen einen Namen zu geben, denn sie selber bezeichnen sich anders als ich oder du oder die Wissenschaft oder sonst wer. So haben Manche kein Problem damit, sich als "Sozialist" zu bezeichnen, während andere den Begriff mit dem Realsozialismus verbinden und somit eher meiden. Andere wiederum fanden den Realsozialismus gut usw.

Womöglich hast du da ne pfiffige Lösung, wie man solche Personen nennt, die zB. eine Wirtschaft fordern, wo es keine Preise gibt und sich "jeder einfach nimmt, was er braucht".
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Re: Kommunistische WG als Beispiel

Beitragvon theoretiker » Di 24. Jul 2018, 16:17

franktoast hat geschrieben:Womöglich hast du da ne pfiffige Lösung, wie man solche Personen nennt, die zB. eine Wirtschaft fordern, wo es keine Preise gibt und sich "jeder einfach nimmt, was er braucht".

Keine Preise heißt, kein Warenaustausch, also kein Markt und keine Warenproduktion. Produzierte Güter werden verteilt. Bis dahin ziemlich unklar. Der Nachsatz jedoch weist auf höchst entwickeltes Bewusstsein hin, denn natürlich kann in einer Gesellschaft niemand mehr entnehmen, als produziert ist.
Im Kleinen haben wir des öfteren solche Realitäten (Klostergemeinschaften z.B.)
Wer solche Vorstellungen fürs Gesamtgesellschaftliche trägt, ist ein Kommunist mit sehr viel Optimismus in die Zukunft.
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Re: Kommunistische WG als Beispiel

Beitragvon Realist2014 » Di 24. Jul 2018, 17:45

Occham hat geschrieben:(24 Jul 2018, 03:00)

Die Verfassung lässt erstmal jede Geschäftsidee zu, es hat schon was verfassungsfeindliches dass du da Alleinstellungsansprüche erhebst. Ich bin der Meinung das im Konkurrenzkampf die effektivste Geschäftsidee siegen muss, welche das ist bin ich mir auch nicht so sicher und das ist absolut Verfassungskonform und wenn du noch so oft Alleinstellungsansprüche erhebst.


Das Recht auf Eigentum ist keine "Geschäftsidee". Sondern ein GRUNDRECHT in unserer Verfassung

Und unsere Verfassung steht auch nicht "im Konkurrenzkampf" mit irgendwelchen kranken, menschenverachtenden Ideologien wie dem
Sozialismus/Kommunismus

Daher HAT unsere Verfassung einen Alleinstellungsanspruch.

da gibt es keine "Alternative".
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Re: Kommunistische WG als Beispiel

Beitragvon franktoast » Mi 25. Jul 2018, 07:07

theoretiker hat geschrieben:(24 Jul 2018, 17:17)

Keine Preise heißt, kein Warenaustausch, also kein Markt und keine Warenproduktion. Produzierte Güter werden verteilt. Bis dahin ziemlich unklar. Der Nachsatz jedoch weist auf höchst entwickeltes Bewusstsein hin, denn natürlich kann in einer Gesellschaft niemand mehr entnehmen, als produziert ist.
Im Kleinen haben wir des öfteren solche Realitäten (Klostergemeinschaften z.B.)
Wer solche Vorstellungen fürs Gesamtgesellschaftliche trägt, ist ein Kommunist mit sehr viel Optimismus in die Zukunft.

Also meiner Ansicht nach ist es schon der Ansatz Vielen, die alternative Systeme zum Kapitalismus vorschlagen, dass es weiterhin Supermärkte etc. gibt und jeder einfach reingeht und nach Gutdünken das mitnimmt, "was er braucht". Und am nächsten Tag geht er arbeiten, ohne materielle Vorteile dadurch zu erlangen. Du weißt ja, man arbeitet ja auch wegen anderen Dingen.
Die träumen von einer Gesellschaft, in der jeder(!!) sein Eigenwohl hinten anstellt. (sonst würde das ja jemand ausnutzen und man müsste ihn zwingen, sich so zu verhalten = repressiv, wo wir wieder beim "Unrechtsstaat" wären)

Das ist natürlich nicht realistisch, aber wie nennt man solche Menschen? Sammelbegriff?
Ein freier Mensch muß es ertragen können, daß seine Mitmenschen anders handeln und anders leben, als er es für richtig hält, und muß sich abgewöhnen, sobald ihm etwas nicht gefällt, nach der Polizei zu rufen.
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Re: Kommunistische WG als Beispiel

Beitragvon theoretiker » Mi 25. Jul 2018, 08:24

@franktoast
Es ist immer ein Problem, wenn Heilsversprechen, Erlösungspredigten oder Paradies-Vorstellungen in Gesellschaftsmodelle der Zukunft gebacken werden. Rote_Galaxie zum Beispiel geht gar nicht inhaltlich auf meinen Hinweis ein, die Begrenztheit der Verteilung auf das Maß des Geschaffenen zu beachten.
Übertreibungen dieser Art können richtig schädlich sein. Wenn einer davon ausgeht, mit sozialistischer Revolution kommt automatisch und sofort das Glück und Wohlstand über einen, dann ist die Ernüchterung schmerzhaft.
Auch in sozialistischer/kommunistischer Gesellschaftsordnung ist Leben/Überleben/Entwicklung ein stetiger Kampf.
Mir passt es zum Beispiel überhaupt nicht, dass die Erfüllung der Grundbedürfnisse im Sozialismus/Kommunismus als gesetzt für jeden aufgefasst wird. Warum sollte eine Gesellschaft Gammler- und Pennerstrategen im doppelten Sinne des Wortes aushalten?

Funktionierender Kommunismus heißt übrigens nicht, mehr in die Gesellschaft zu leisten, als heraus zu holen. Das Verhältnis wird sich sogar durchschnittlich verbessern, weil die Chance zur Beteiligung allen gegeben werden kann. Betonung liegt auf kann, denn das mathematische Optima steht hier in der Disposition entsprechender gesellschaftlicher Entscheidung. Es ist aber angemessen, hier nicht konkreter zu werden, denn es soll auch in der jeweiligen Entscheidung der Gesellschaft bleiben und keine Vorschrift sein, wie die sich konstituieren, verwalten, strategisch und taktisch beweisen.

Absoluter Gegner bin ich auch von all den Ideal-Vorstellungen des "kommunistischen Menschen". Dass ein Mensch unter gesellschaftlich gerechten Verhältnissen weniger asoziale Ausprägung erfährt, dürfte erwiesen sein, aber alles Sonstige bleibt. Das Individuum mit seinen Widersprüchen zur Gesellschaft, Widersprüche gesellschaftlicher Gruppen untereinander, Irrationales wie Religion, Liebe, Hass.
Vieles wird auch SCHWERER! Freier zu sein, heißt, mehr Verantwortung zu haben. Eigentum zu halten, bedeutet Verpflichtungen.

Ohne jeden Zweifel wird Kommunismus die Gefahr der Selbstzerstörung der Menschheit mindern. Jedoch nicht völlig ausschließen. Auch in dieser Beziehung sollten Illusionen gedeckelt werden.
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Re: Kommunistische WG als Beispiel

Beitragvon BlueMonday » Mi 25. Jul 2018, 10:27

Marx: „In einer höheren Phase der kommunistischen Gesellschaft, nachdem die knechtende Unterordnung der Individuen unter die Teilung der Arbeit, damit auch der Gegensatz geistiger und körperlicher Arbeit verschwunden ist; nachdem die Arbeit nicht nur Mittel zum Leben, sondern selbst das erste Lebensbedürfnis geworden; nachdem mit der allseitigen Entwicklung der Individuen auch ihre Produktivkräfte gewachsen und alle Springquellen des genossenschaftlichen Reichtums voller fließen - erst dann kann der enge bürgerliche Rechtshorizont ganz überschritten werden und die Gesellschaft auf ihre Fahne schreiben: Jeder nach seinen Fähigkeiten, jedem nach seinen Bedürfnissen!“

Mit dem "engen bürgerlichen Rechtshorizont" meint er wohl im Wesentlichen sonderndes Eigentum, Leistungsprinzip, Vertrag usw.

Und die Aufgabe dessen kann man ja nun im kleinen Rahmen ("WG") als Proponent dieser Idee üben und demonstrieren. Passiert aber nicht/selten. Stattdessen "diskutiert" man lieber Jahre in Foren und dreht sich ergebnislos im Kreis.
Allein wenn man vielleicht 10 fleißige selbstlose Menschen zusammen bekäme, könnte man ja schon ein tragfähiges kommunistisches Innenverhältnis schaffen. Arbeit zum 1. Bedürfnis erheben. Und das individuelle Einkommen wird in den gemeinsamen Topf (Kommunismus, communis = gemeinsam) gelegt. Bei Bedarf wird wiederum in den Topf gegriffen, völlig entkoppelt davon, wer wieviel zuvor in den Topf getan hat. Auf dass der Topf nie leer sei!

Und schon hat man seinen Kommunismus im Kleinformat. Und franktoast fragt sich eben, wieso das so selten gemacht wird. Vielleicht weil unsere Möchtegernkommunisten "bürgerlicher" ticken und denken als mancher Nichtkommunist. Arbeit als 1. Lebensbedürfnis? Da muss man wohl auch länger suchen ehe man so ein Exemplar findet, gerade unter unseren Möchtegernkommunisten.
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Re: Kommunistische WG als Beispiel

Beitragvon Occham » Mi 25. Jul 2018, 10:33

Realist2014 hat geschrieben:(24 Jul 2018, 18:45)

Das Recht auf Eigentum ist keine "Geschäftsidee". Sondern ein GRUNDRECHT in unserer Verfassung

Und unsere Verfassung steht auch nicht "im Konkurrenzkampf" mit irgendwelchen kranken, menschenverachtenden Ideologien wie dem
Sozialismus/Kommunismus

Daher HAT unsere Verfassung einen Alleinstellungsanspruch.

da gibt es keine "Alternative".

wenn du eine firma hast, konkurrierst du mit anderen firmen und damit mit anderen geschäftsideen. da brauchst du gar nichts zu verdrehen :D und welches system siegt hat die geschichte gezeigt, dass es das effektivste ist. in einer "Haufengesellschaft" wo das chaos durch viele Menschen entsteht, hat man das ganze bisher so gehandhabt, dass es das effektivste ist, das chaos zu beherrschen. mit geld, gesetze und regeln und da war der kapitalismus am effektivsten, der sozialismus und der kommunismus wussten die haufengesellschaft nicht zu beherrschen, das kann man als gut betrachten und gleichermaßen als schlecht. die letzte aktualisierung der "Beherrschung" ist die Gewaltenteilung. das chaos hat in der geschichte aber immer einen weg gefunden, um chaos anzurichten, es wäre nur eine frage der zeit. ich hatte die möglichkeit das choas zu studieren, deswegen weiß ich, das es eine wegweißer braucht, einen zaunpfahl, um auf dieser erkenntnis den rest aufzubauen. dann bin ich mir auch ziemlich sicher, das auf einer glücklichen gesellschaft ziemlich viele systeme greifen würde. aber mit der Erkenntnis peitsch ich dich jetzt auch schon ununterbrochen aus... wenns spaß macht :D
Die beste Lösung eines Problems ist meist die Einfachste.
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Re: Kommunistische WG als Beispiel

Beitragvon Realist2014 » Mi 25. Jul 2018, 16:17

Occham hat geschrieben:(25 Jul 2018, 11:33)

wenn du eine firma hast, konkurrierst du mit anderen firmen und damit mit anderen geschäftsideen. da brauchst du gar nichts zu verdrehen :D und welches system siegt hat die geschichte gezeigt, dass es das effektivste ist. in einer "Haufengesellschaft" wo das chaos durch viele Menschen entsteht, hat man das ganze bisher so gehandhabt, dass es das effektivste ist, das chaos zu beherrschen. mit geld, gesetze und regeln und da war der kapitalismus am effektivsten, der sozialismus und der kommunismus wussten die haufengesellschaft nicht zu beherrschen, das kann man als gut betrachten und gleichermaßen als schlecht. die letzte aktualisierung der "Beherrschung" ist die Gewaltenteilung. das chaos hat in der geschichte aber immer einen weg gefunden, um chaos anzurichten, es wäre nur eine frage der zeit. ich hatte die möglichkeit das choas zu studieren, deswegen weiß ich, das es eine wegweißer braucht, einen zaunpfahl, um auf dieser erkenntnis den rest aufzubauen. dann bin ich mir auch ziemlich sicher, das auf einer glücklichen gesellschaft ziemlich viele systeme greifen würde. aber mit der Erkenntnis peitsch ich dich jetzt auch schon ununterbrochen aus... wenns spaß macht :D


wie nennt sich der Studiengang zum "Chaos"?
Und an welcher Hochschule kann man den studieren?

Ansonsten weichst du nach wie vor aus....

Hier im WiFo geht es um die REALEN Möglichkeiten auf Basis der deutschen Verfassung ( bzw. derer der demokratischen Staaten)

da ist das Recht auf Eigentum, AUCH den Produktionsmitteln, GESETZT.

Somit kannst du gerne mal deine "Vorschläge" auf Basis dieser Grundlage machen.

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