Kommunistische WG als Beispiel

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franktoast
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Kommunistische WG als Beispiel

Beitragvon franktoast » Di 3. Jul 2018, 14:07

Ich kenne das WG-Leben, wie so Viele hier. Eben ne Studenten-WG.

Oft wird als Beispiel für sozialistisches Miteinander, das funktioniert, die Familie genannt. Immerhin geben die Eltern den Kindern ja auch Geld bzw. Güter ohne eine Gegenleistung dafür zu verlangen. Wobei das nur bedingt richtig ist, denn in der Regel wird vom Kind auch Leistung verlangt, eben entsprechend seiner Fähigkeiten. So muss unser 9-Jähriger Junge auch im Haushalt helfen, sonst wird eben die Nitendo-Wii Zeit gekürzt. Nun, wenn sich ein Arbeitsloser entsprechend seiner Leistungsfähigkeit verweigert, wird ihm auch gekürzt. Ob das nun sooo viel anders ist? Bestimmt. Aber in einer Familie gilt eben auch nicht "Jeder nimmt sich was er will und muss nie was geben, außer wenn er Lust hat".

Nun kennt man sich nirgends so gut wie innerhalb einer Familie. Man weiß, was jemand anders leisten kann und was er leistet. Das Extrem ist eine globale Wirtschaft. Wenn ich im Cafe in einer fremden Stadt bin, kann der Wirt mir nicht den Kaffee verweigern, weil ich trotz meiner Leistungsfähigkeit nichts für andere leiste.

Aber wie sieht es mit einer Studenten-WG aus?
Hier gibt es sogar Güter, die pro Kopf geteilt werden. Natürlich nicht bei den Zimmern. Wer ein größeres Zimmer hat, trägt auch mehr zur Miete bei. Das ist schon der erste Punkte? Warum machen das Studenten? Haben die kein Interesse daran, sozial miteinander, mit völliger Hingabe für die Gemeinschaft zu leben? Von Vielen hier im Forum wird ja postuliert, dass es der menschlichen Natur entspricht, "miteinander" zu leben, wo eben nicht der mehr bezahlen muss, der auch mehr konsumiert.

Beim Strom, Wasser und Gas gibt es jedoch das sozialistische Ideal. Egal wie viel ein WG-Mitgleid verbraucht, jeder bezahlt das Gleiche.
Ich erinnere mich gut:
Im kalten Winter hab ich morgens die Heizung ausgeschalten und betrat abends ein eiskaltes Zimmer. Aber gut, wenigstens Gas gespart. Gut für Geldbeutel, gut für Umwelt? Naja, geteilt durch 5. Mein Zimmernachbar hat nämlich auch gerne mal das ganze Wochenende auf Höchststufe durchgeheizt, ohne überhaupt da zu sein. Auch nach mehrmaliger Diskussion war dessen Motivation relativ gering. Ja, das kostet dann pro Monat vielleicht 100€ mehr, aber davon bezahlt er ja nur 20€ mehr. Den Rest ja die 4 anderen.
Am Ende hab ich dann auch immer voll geheizt. Bin ich ein kapitalisches Untier, weil ich mich da ausgenutzt fühle?

Wie sieht es beim Thema Einkommen aus? Warum legen Studenten nicht einfach hier Einkommen in einen Topf und jeder nimmt sich, was er "braucht". Wenn das für die gesamte Gesellschaft funktionieren soll, warum klappt es nicht mal in einer WG?

Es gibt doch viele Personen, die von der kommunistischen Gesellschaft träumen? Warum leben diese nie (bzw. nur sehr selten) danach und leben es vor, es geht und wie es funktioniert?
Ein freier Mensch muß es ertragen können, daß seine Mitmenschen anders handeln und anders leben, als er es für richtig hält, und muß sich abgewöhnen, sobald ihm etwas nicht gefällt, nach der Polizei zu rufen.
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Re: Kommunistische WG als Beispiel

Beitragvon Tom Bombadil » Di 3. Jul 2018, 14:49

franktoast hat geschrieben:(03 Jul 2018, 15:07)

Warum leben diese nie (bzw. nur sehr selten) danach und leben es vor, es geht und wie es funktioniert?

Weil sie wissen, dass es nicht funktioniert.
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Re: Kommunistische WG als Beispiel

Beitragvon franktoast » Di 3. Jul 2018, 15:03

Tom Bombadil hat geschrieben:(03 Jul 2018, 15:49)

Weil sie wissen, dass es nicht funktioniert.


In einer WG kennt man sich. Man weiß, was andere leisten können und leisten. Man weiß, wer sich sozial oder asozial verhält. Allerdings hängt man nicht so sehr aneinander wie das zB. bei Mutter und Kind ist. Höchstwahrscheinlich gehen die WG-Mitglieder irgendwann getrennte Wege. So wie das in einer anonymen Wirtschaft auch der Fall ist. Ich habe keine besondere soziale Verbindung zur Kellnerin, dem KFZ-Mechaniker oder dem Postboten. Bei einer WG hat man zumindest für einige Jahre eine verbindung.

Ja klar, es gibt auch Zweck-WGs, bei denen man sich quasi gar nicht begegnet. Aber selbst da ist weit mehr Verbindung als bei den oben genannten Personengruppen.
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Re: Kommunistische WG als Beispiel

Beitragvon franktoast » Di 3. Jul 2018, 15:07

Im Endeffekt kann man auch sagen, dass Familie oder Freundschaft nicht anders funktionieren wie die normale Wirtschaft. Durch das hohe Maß an Kenntnis und längerfristigen Verbindung mit dem Sohn, Vater, Freund, Nachbar ist das Medium Geld oft nicht nötig.
Bei vollkommener Anonymität benötigt man aber einen Weg, um nachweisen zu können "hey, ich hab auch was für andere geleistet, also kannst du jetzt einen Kaffee für mich machen" und "je nach meiner Leistungsfähigkeit leiste ich für andere in etwa so viel wie andere für mich".

Diesen Nachweis nennt man "Geld".
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Re: Kommunistische WG als Beispiel

Beitragvon Occham » Di 3. Jul 2018, 15:15

Tom Bombadil hat geschrieben:(03 Jul 2018, 15:49)

Weil sie wissen, dass es nicht funktioniert.

Ja und nein, wie ein System mit vielen Menschen funktioniert ist eine Mehrheitsentscheidung, weil zumindest die Mehrheit mitmachen muss, damit es so funktioniert, wie Abgesprochen. Scheinbar siegt der Kapitalismus Dank der Gier. Wäre Kommunismus eine Mehrheitsentscheidung, würde es funktionieren, weil alle sich an das abgesprochene halten. Ist es aber nicht, der Kapitalismus hat die Mehrheit und es ist nur realistisch damit auch als solches umzugehen. Also: ja und nein! Überhaupt halte ich es für vernünftig sich über Systeme Gedanken zu machen, die nicht so Ressourcenverschwendend sind, nicht das die Nachwelt im Feudalismus landet, weil sie zur Neige gehen!
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Re: Kommunistische WG als Beispiel

Beitragvon franktoast » Di 3. Jul 2018, 15:19

Occham hat geschrieben:(03 Jul 2018, 16:15)

Ja und nein, wie ein System mit vielen Menschen funktioniert ist eine Mehrheitsentscheidung, weil zumindest die Mehrheit mitmachen muss, damit es so funktioniert, wie Abgesprochen. Scheinbar siegt der Kapitalismus Dank der Gier. Wäre Kommunismus eine Mehrheitsentscheidung, würde es funktionieren, weil alle sich an das abgesprochene halten. Ist es aber nicht, der Kapitalismus hat die Mehrheit und es ist nur realistisch damit auch als solches umzugehen. Also: ja und nein! Überhaupt halte ich es für vernünftig sich über Systeme Gedanken zu machen, die nicht so Ressourcenverschwendend sind, nicht das die Nachwelt im Feudalismus landet, weil sie zur Neige gehen!


Kannst du was zum Thema beitragen? Wenn eine 5er-WG nicht nach dem kommunistischen Prinzip leben, siegt dann auch die Gier? Wenn du nicht in einer kommunistischen Kommune lebst, siegt bei dir auch die Gier?

War es von mir Gier, dass ich es unfair fand, dass mein WG-Kollege extrem viel geheizt hat und ich gespart habe?
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Re: Kommunistische WG als Beispiel

Beitragvon Occham » Di 3. Jul 2018, 15:27

franktoast hat geschrieben:(03 Jul 2018, 16:19)

Kannst du was zum Thema beitragen? Wenn eine 5er-WG nicht nach dem kommunistischen Prinzip leben, siegt dann auch die Gier? Wenn du nicht in einer kommunistischen Kommune lebst, siegt bei dir auch die Gier?

War es von mir Gier, dass ich es unfair fand, dass mein WG-Kollege extrem viel geheizt hat und ich gespart habe?

Ich halte eine WG mit 5 Personen nicht unbedingt für repräsentativ für eine ganze Gesellschaft mit unzähligen vielen Personen wo alle Altersklassen vertreten sind.
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Re: Kommunistische WG als Beispiel

Beitragvon franktoast » Di 3. Jul 2018, 16:45

Occham hat geschrieben:(03 Jul 2018, 16:27)

Ich halte eine WG mit 5 Personen nicht unbedingt für repräsentativ für eine ganze Gesellschaft mit unzähligen vielen Personen wo alle Altersklassen vertreten sind.

Ich weiß. In einer WG dürfte es deutlich einfacher sein, das "antikapitalistische"* Prinzip umzusetzen. Wie gesagt. Man kennt sich. Wenn es also im kleinen Rahmen nicht klappt, wie soll es im großen Rahmen klappen.

Man kann doch nicht sagen, theoretisch müssten Menschen sich so und so verhalten und man setzt es mal gleich sofort weltweit um. Offenbar schaffen es nicht mal die, die so etwas fordern, nach diesen Prinzipien teilweise zu leben.

Lebst du denn nach dem Prinzip? Hast du dich mit Gleichgesinnten* zusammengeschlossen und lebt dein Ideal auf irgendeine Weise? Und nein, mal etwas gemeinnützige Arbeit zu leisten, ist es nicht. Du könntest dich zB. mit anderen zusammenschließen und jeder zahlt zB. 50% des Lohnes auf ein Konto und jeder nimmt sich davon, "was er braucht".

*Ich weiß nicht, wie du das nennst. Ich will dich nicht fälschlicherweise als etwas bezeichnen, was du nicht bist. Bezeichnest du dich als Sozialist? Kommunist? Antikapitalist?
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Re: Kommunistische WG als Beispiel

Beitragvon Rote_Galaxie » Di 3. Jul 2018, 20:32

franktoast hat geschrieben:(03 Jul 2018, 15:07)

Ich kenne das WG-Leben, wie so Viele hier. Eben ne Studenten-WG.

Oft wird als Beispiel für sozialistisches Miteinander, das funktioniert, die Familie genannt. Immerhin geben die Eltern den Kindern ja auch Geld bzw. Güter ohne eine Gegenleistung dafür zu verlangen. Wobei das nur bedingt richtig ist, denn in der Regel wird vom Kind auch Leistung verlangt, eben entsprechend seiner Fähigkeiten. So muss unser 9-Jähriger Junge auch im Haushalt helfen, sonst wird eben die Nitendo-Wii Zeit gekürzt. Nun, wenn sich ein Arbeitsloser entsprechend seiner Leistungsfähigkeit verweigert, wird ihm auch gekürzt. Ob das nun sooo viel anders ist? Bestimmt. Aber in einer Familie gilt eben auch nicht "Jeder nimmt sich was er will und muss nie was geben, außer wenn er Lust hat".

Nun kennt man sich nirgends so gut wie innerhalb einer Familie. Man weiß, was jemand anders leisten kann und was er leistet. Das Extrem ist eine globale Wirtschaft. Wenn ich im Cafe in einer fremden Stadt bin, kann der Wirt mir nicht den Kaffee verweigern, weil ich trotz meiner Leistungsfähigkeit nichts für andere leiste.

Aber wie sieht es mit einer Studenten-WG aus?
Hier gibt es sogar Güter, die pro Kopf geteilt werden. Natürlich nicht bei den Zimmern. Wer ein größeres Zimmer hat, trägt auch mehr zur Miete bei. Das ist schon der erste Punkte? Warum machen das Studenten? Haben die kein Interesse daran, sozial miteinander, mit völliger Hingabe für die Gemeinschaft zu leben? Von Vielen hier im Forum wird ja postuliert, dass es der menschlichen Natur entspricht, "miteinander" zu leben, wo eben nicht der mehr bezahlen muss, der auch mehr konsumiert.

Beim Strom, Wasser und Gas gibt es jedoch das sozialistische Ideal. Egal wie viel ein WG-Mitgleid verbraucht, jeder bezahlt das Gleiche.
Ich erinnere mich gut:
Im kalten Winter hab ich morgens die Heizung ausgeschalten und betrat abends ein eiskaltes Zimmer. Aber gut, wenigstens Gas gespart. Gut für Geldbeutel, gut für Umwelt? Naja, geteilt durch 5. Mein Zimmernachbar hat nämlich auch gerne mal das ganze Wochenende auf Höchststufe durchgeheizt, ohne überhaupt da zu sein. Auch nach mehrmaliger Diskussion war dessen Motivation relativ gering. Ja, das kostet dann pro Monat vielleicht 100€ mehr, aber davon bezahlt er ja nur 20€ mehr. Den Rest ja die 4 anderen.
Am Ende hab ich dann auch immer voll geheizt. Bin ich ein kapitalisches Untier, weil ich mich da ausgenutzt fühle?

Wie sieht es beim Thema Einkommen aus? Warum legen Studenten nicht einfach hier Einkommen in einen Topf und jeder nimmt sich, was er "braucht". Wenn das für die gesamte Gesellschaft funktionieren soll, warum klappt es nicht mal in einer WG?

Es gibt doch viele Personen, die von der kommunistischen Gesellschaft träumen? Warum leben diese nie (bzw. nur sehr selten) danach und leben es vor, es geht und wie es funktioniert?


Gib mal bei Google Autonomes Zentrum ein...
Und wer kontrolliert die Kontrolle?
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Re: Kommunistische WG als Beispiel

Beitragvon BlueMonday » Di 3. Jul 2018, 22:59

franktoast hat geschrieben:(03 Jul 2018, 15:07)

Egal wie viel ein WG-Mitgleid verbraucht, jeder bezahlt das Gleiche.


Kommunstisch wäre es, wenn jeder zahlt oder leistet, wozu er fähig ist, aus einem inneren Bedürfnis heraus ("Jeder nach seinen Fähigkeiten").

Dieser Typ Mensch ist halt sehr selten. So ein Mensch wurde bspw. in Ostrowskis "Wie der Stahl gehärtet wurde" porträtiert (jeder DDR-Schüler erinnert sich mit Grausen): Pawel Kortschagin - eine fiktive Romanfigur freilich nur. Aber so soll er sein, der kommunistische Mensch, völlig selbstlos, für das große Ganze opferbereit, das eigene Schicksal steht immer hintenan. Leistungserbringung bis zur totalen Erschöpfung.

Meine Erfahrung: Am seltensten findet man solche Typen unter den sozialistischen und kommunistischen Proponenten. Die sind kurioserweise am wenigstens für ihre eigene Utopie geeignet. Kaum ein innerer Antrieb, kein Unternehmergeist, tausend Wenn und Abers. Ständig wird aufgerechnet und nachgerechnet, wie ungleich viel der andere doch hat und wie wenig er dieses Mehr verdient. Die größte Angst besteht offenbar darin, "ausgebeutet" und um den "Mehrwert" gebracht zu werden. Am besten lässt man das mit der "Arbeit" ganz sein. Am Ende ist es nur noch das Warten auf "die anderen", auf den Umverteilungsstaat, auf die ganz "große Lösung", den Weltstaat.

Das Experiment im Kleinen scheut man hingegen wie der Teufel das Weihwasser. Auf eigene Kosten noch? Viel zu riskant, viel zu mühselig usw. Allenfalls "besetzt" man fremdes Eigentum und rottet dort ein paar Jahre herum - weit entfernt von jeder Wertschöpfung.
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Re: Kommunistische WG als Beispiel

Beitragvon Occham » Mi 4. Jul 2018, 05:12

franktoast hat geschrieben:(03 Jul 2018, 17:45)

Ich weiß. In einer WG dürfte es deutlich einfacher sein, das "antikapitalistische"* Prinzip umzusetzen. Wie gesagt. Man kennt sich. Wenn es also im kleinen Rahmen nicht klappt, wie soll es im großen Rahmen klappen.

Man kann doch nicht sagen, theoretisch müssten Menschen sich so und so verhalten und man setzt es mal gleich sofort weltweit um. Offenbar schaffen es nicht mal die, die so etwas fordern, nach diesen Prinzipien teilweise zu leben.

Lebst du denn nach dem Prinzip? Hast du dich mit Gleichgesinnten* zusammengeschlossen und lebt dein Ideal auf irgendeine Weise? Und nein, mal etwas gemeinnützige Arbeit zu leisten, ist es nicht. Du könntest dich zB. mit anderen zusammenschließen und jeder zahlt zB. 50% des Lohnes auf ein Konto und jeder nimmt sich davon, "was er braucht".

*Ich weiß nicht, wie du das nennst. Ich will dich nicht fälschlicherweise als etwas bezeichnen, was du nicht bist. Bezeichnest du dich als Sozialist? Kommunist? Antikapitalist?

Jugendliche brauchen Vorbilder, die ihnen vormachen, wie es gewünscht wird.
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Re: Kommunistische WG als Beispiel

Beitragvon Maikel » Mi 4. Jul 2018, 07:25

franktoast hat geschrieben:(03 Jul 2018, 15:07)
Wie sieht es beim Thema Einkommen aus? Warum legen Studenten nicht einfach hier Einkommen in einen Topf und jeder nimmt sich, was er "braucht". Wenn das für die gesamte Gesellschaft funktionieren soll, warum klappt es nicht mal in einer WG?

Es gibt doch viele Personen, die von der kommunistischen Gesellschaft träumen? Warum leben diese nie (bzw. nur sehr selten) danach und leben es vor, es geht und wie es funktioniert?

Erinnert mich an Kibuzze in Israel.

Ich erinnere gehört zu haben, daß dort jemand, der außerhalb des Kibbuz arbeitet, sein komplettes Gehalt abgibt und nur soviel "Taschengeld" bekommt wie alle anderen auch.

In den aktuellen Beschreibungen zu Kibuzzen (z.B. Wikipedia) finde ich davon allerdings nichts.
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Re: Kommunistische WG als Beispiel

Beitragvon franktoast » Mi 4. Jul 2018, 09:23

BlueMonday hat geschrieben:(03 Jul 2018, 23:59)

Kommunstisch wäre es, wenn jeder zahlt oder leistet, wozu er fähig ist, aus einem inneren Bedürfnis heraus ("Jeder nach seinen Fähigkeiten").

Dieser Typ Mensch ist halt sehr selten. So ein Mensch wurde bspw. in Ostrowskis "Wie der Stahl gehärtet wurde" porträtiert (jeder DDR-Schüler erinnert sich mit Grausen): Pawel Kortschagin - eine fiktive Romanfigur freilich nur. Aber so soll er sein, der kommunistische Mensch, völlig selbstlos, für das große Ganze opferbereit, das eigene Schicksal steht immer hintenan. Leistungserbringung bis zur totalen Erschöpfung.

Meine Erfahrung: Am seltensten findet man solche Typen unter den sozialistischen und kommunistischen Proponenten. Die sind kurioserweise am wenigstens für ihre eigene Utopie geeignet. Kaum ein innerer Antrieb, kein Unternehmergeist, tausend Wenn und Abers. Ständig wird aufgerechnet und nachgerechnet, wie ungleich viel der andere doch hat und wie wenig er dieses Mehr verdient. Die größte Angst besteht offenbar darin, "ausgebeutet" und um den "Mehrwert" gebracht zu werden. Am besten lässt man das mit der "Arbeit" ganz sein. Am Ende ist es nur noch das Warten auf "die anderen", auf den Umverteilungsstaat, auf die ganz "große Lösung", den Weltstaat.

Das Experiment im Kleinen scheut man hingegen wie der Teufel das Weihwasser. Auf eigene Kosten noch? Viel zu riskant, viel zu mühselig usw. Allenfalls "besetzt" man fremdes Eigentum und rottet dort ein paar Jahre herum - weit entfernt von jeder Wertschöpfung.

Ja eben. Im Endeffekt erhofft man sich vom Kommunismus doch eh nur den eigenen Vorteil. Und sei es, dass andere Menschen dazu gezwungen werden, das eigene Ideal (dass man freiwillig auch gar nicht umsetzt) umzusetzen. Außerdem will man sicherlich ne Statue von sich aufstellen lassen, damit jeder sieht, wie man die Welt zu einem besseren Ort gemacht hat.
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Re: Kommunistische WG als Beispiel

Beitragvon franktoast » Mi 4. Jul 2018, 09:25

Maikel hat geschrieben:(04 Jul 2018, 08:25)

Erinnert mich an Kibuzze in Israel.

Ich erinnere gehört zu haben, daß dort jemand, der außerhalb des Kibbuz arbeitet, sein komplettes Gehalt abgibt und nur soviel "Taschengeld" bekommt wie alle anderen auch.

In den aktuellen Beschreibungen zu Kibuzzen (z.B. Wikipedia) finde ich davon allerdings nichts.

Naja, in einer Familie ist es ja ähnlich. Frau, Mann und Kind werfen ihr Geld in einen Topf und dann entscheiden sie, wie dieses Geld verwendet wird. Wenn man sich kennt, funktioniert eben. Und wie bei Hartz4: Wer nix leistet (obwohl er könnte), wird materiell schlechter gestellt als die anderen Familienmitglieder.
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Re: Kommunistische WG als Beispiel

Beitragvon Tom Bombadil » Mi 4. Jul 2018, 09:34

Rote_Galaxie hat geschrieben:(03 Jul 2018, 21:32)

Gib mal bei Google Autonomes Zentrum ein...

Gute Idee! Sowas findet man da: https://klofuehrer.com/images/toilets/A ... 448242.jpg So in etwa ist auch der Zustand sozialistischer Staaten.
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Re: Kommunistische WG als Beispiel

Beitragvon franktoast » Mi 4. Jul 2018, 09:38

Occham hat geschrieben:(04 Jul 2018, 06:12)

Jugendliche brauchen Vorbilder, die ihnen vormachen, wie es gewünscht wird.

Und bist du so ein Vorbild? Wie lebst du den Sozialismus/Kommunismus vor? Ich meine, ich hindere dich sicherlich nicht daran, dass du mit Gleichgesinnten zB. einen Teil deines Einkommens in einen Topf wirfst oder ihr zB. Heizkosten pro Kopf aufteilt, egal wie hoch der Verbauch ist.
Ich wäre übrigens nicht abgeneigt, da auch mitzumachen. Ich hab ziemlich hohe Heizkosten. Will aber nicht ausschließen, dass ich durch den Kapitalismus gebrainwahsed bin und mich zB. nicht ausnutzen lassen will. Etwas was bei dir höchstwahrscheinlich nicht vorhanden sein wird, dass du dein Eigenwohl hinten anstellst (so wie du es von anderen verlangst/erwartest und gierig bezeichnest, wenn sie es nicht tun)

*deutlichenzwinkermacheweilichweißdassdasnichtstimmt* :)
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Re: Kommunistische WG als Beispiel

Beitragvon franktoast » Mi 4. Jul 2018, 09:40

Rote_Galaxie hat geschrieben:(03 Jul 2018, 21:32)

Gib mal bei Google Autonomes Zentrum ein...

Klar gibt es sowas. Wie lebt es sich da? Hast du da manchmal das Gefühl, auszunutzt zu werden, oder ist dir Eigenwohl egal?
Ein freier Mensch muß es ertragen können, daß seine Mitmenschen anders handeln und anders leben, als er es für richtig hält, und muß sich abgewöhnen, sobald ihm etwas nicht gefällt, nach der Polizei zu rufen.
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Re: Kommunistische WG als Beispiel

Beitragvon franktoast » Mi 4. Jul 2018, 09:41

Tom Bombadil hat geschrieben:(04 Jul 2018, 10:34)

Gute Idee! Sowas findet man da: https://klofuehrer.com/images/toilets/A ... 448242.jpg So in etwa ist auch der Zustand sozialistischer Staaten.

Kann nicht sein, denn antikapitalistische Menschen würden sich drum streiten, die Drecksarbeit zu machen. Wusstest du das gar nicht?
Ein freier Mensch muß es ertragen können, daß seine Mitmenschen anders handeln und anders leben, als er es für richtig hält, und muß sich abgewöhnen, sobald ihm etwas nicht gefällt, nach der Polizei zu rufen.
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Re: Kommunistische WG als Beispiel

Beitragvon Rote_Galaxie » Mi 4. Jul 2018, 23:01

Tom Bombadil hat geschrieben:(04 Jul 2018, 10:34)

Gute Idee! Sowas findet man da: https://klofuehrer.com/images/toilets/A ... 448242.jpg So in etwa ist auch der Zustand sozialistischer Staaten.


Wirklich nett dass sowas nicht gelöscht wird.
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Re: Kommunistische WG als Beispiel

Beitragvon theoretiker » Sa 14. Jul 2018, 12:43

Schönen Guten Tag!

Ich denke, dass es innerhalb einer auf Übervorteilung angelegten Klassengesellschaft wie dem Kapitalismus gemeinschaftsorientierte Kommunen sehr schwer haben. Der Idealismus zum fairen Miteinander steht ja im Widerspruch zu allem, was außerhalb der Kommune passiert. Dieser Widerspruch muss jeden Tag aufs Neue geklärt werden für den Einzelnen im Sinne der Kommune. Um so abgeschirmter, um so besser.
Am leichtesten ist es noch, wenn die Gemeinschaft in klosterähnlichen Verhältnissen keinerlei materielle Vorrechte für Einzelne bietet, wenn zugleich alle gleichverpflichtet an den notwendigen Arbeiten zur Existenz der Gemeinschaft beteiligt sind (und das meint nicht Wertersatz der Arbeiten sondern tatsächliche Mitwirkung). Außerdem an immateriellen Dingen keinerlei Vorteile entstehen, maximal also organisatorische Macht.

In der hochzivilisierten kapitalistischen Welt lassen sich solche Strukturen kaum realisieren. Allein die Arbeitsteilung in der Gesellschaft spricht dagegen. Was aber sichtbar überall erfolgreich möglich ist, sind zum Beispiel Genossenschaften, in denen inneres Leistungsprinzip und damit Ungleichheit möglich ist, ohne, dass es eine Ungerechtigkeit wäre. Neben ordentlicher Konstitution ist hierbei "einfach nur" ein gemeinschaftliches Eigentum notwendig, was gemeinsam verwaltet, geschützt und akkumuliert wird. Die genossenschaftliche Konstellation ist im Kapitalismus möglich, zu Hunderttausenden in der Welt vorhanden, meistens erfolgreich.
Genossenschaften sind zwar nicht der vollendete Kommunismus, aber die logische Konsequenz zu seiner Annäherung.

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