Türkische Lira Krise

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Re: Türkische Lira Krise

Beitragvon H2O » Mi 15. Aug 2018, 13:40

unity in diversity hat geschrieben:(15 Aug 2018, 13:37)

Neues zum Thema Verläßlichkeit von Trump:
http://www.spiegel.de/politik/ausland/u ... 23123.html
Aber bevor Erdogan die Seite wechselt, werden die Türken bestimmt in die Demokratie gebombt.


Tut mir leid; ich verstehe dieses Embargo völlig. Dazu muß man den Artikel aber ganz lesen. Die Bundesrepublik ist schon früher darauf gekommen, daß sie kein neues Rüstungsmaterial an diesen unzuverlässigen Partner mehr liefen will. Damit wird auch der technische Austausch auf NATO-Ebene entfallen. Die USA werden nun wohl nach Ost-Syrien zu den Kurden verlegen. Dort hatten sie schon einen großen Flugplatz angelegt, als die Türkei schon einmal herum muckte. Daraus kann sich regional mehr entwickeln, wenn man die Feindbilder der USA und Israels betrachtet.
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Re: Türkische Lira Krise

Beitragvon unity in diversity » Mi 15. Aug 2018, 14:01

Einige "sensible" Industriestandorte, müssen jedenfalls aus der Türkei abgezogen werden, weil die aktuelle Entwicklung das alternativlos macht.
Damit wird das türkische Handelsbilanzdefizit noch bedenklicher und damit die Währung.
Als Urlauberressort kann die Türkei kaum überleben.
Für jedes Problem gibt es zwei Lösungsansätze:
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Re: Türkische Lira Krise

Beitragvon Alter Stubentiger » Mi 15. Aug 2018, 15:28

unity in diversity hat geschrieben:(15 Aug 2018, 15:01)

Einige "sensible" Industriestandorte, müssen jedenfalls aus der Türkei abgezogen werden, weil die aktuelle Entwicklung das alternativlos macht.
Damit wird das türkische Handelsbilanzdefizit noch bedenklicher und damit die Währung.
Als Urlauberressort kann die Türkei kaum überleben.


Erdogan hat die Türkei in die Sackgasse manövriert. Ein Ausgleich mit den Kurden wäre nötig gewesen um der Wirtschaft neue Märkte im Irak, Iran und Syrien zu erschließen. Stattdessen wird überall geschossen. Das ist teuer und hilft keinem. Aber Erdogan denkt wohl dass er so das osmanische Reich auferstehen lassen kann. Aber das kommt so wenig wieder wie das britische Empire oder Ostpreussen.
Niemand hat vor eine Mauer zu errichten (Walter Ulbricht)
...und die Mauer wird noch in 50 oder 100 Jahren stehen (Erich Honecker)
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Re: Türkische Lira Krise

Beitragvon Skull » Mi 15. Aug 2018, 17:06

Alter Stubentiger hat geschrieben:(15 Aug 2018, 16:28)

Erdogan hat die Türkei in die Sackgasse manövriert. Ein Ausgleich mit den Kurden wäre nötig gewesen um der Wirtschaft neue Märkte im Irak, Iran und Syrien zu erschließen. Stattdessen wird überall geschossen. Das ist teuer und hilft keinem. Aber Erdogan denkt wohl dass er so das osmanische Reich auferstehen lassen kann. Aber das kommt so wenig wieder wie das britische Empire oder Ostpreussen.

Ich würde da noch weiter gehen...

Erdogan hat Hunderttausende Menschen "willkürlich" entlassen.
Er hat die Konflikte innerhalb der Türkei geschürrt.
Er hat die Türkei staatspolitisch umgebaut.
Er hat Verfassungsänderungen durchführen lassen.
Er hat die Pressefreiheit stark eingeschränkt.
Er ist einigen NATO-Partnern unfreundlich gekommen.
Er ist die EU regelmässig unfreundlich angegangen.
Er "sucht" andere neue Partner, die anderorts kritisch gesehen werden.

Heisst in der Summe...innenpolitisch ist er mächtiger denn je.

Aussenpolitisch geniesst er kaum mehr VERTRAUEN.
Eine VERLÄSSLICHKEIT gibt es nicht.
Und DAS zeigt sich somit auch in der Währung.

LIRA...schwach. :D

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Re: Türkische Lira Krise

Beitragvon unity in diversity » Mi 15. Aug 2018, 17:24

Skull hat geschrieben:(15 Aug 2018, 18:06)

Ich würde da noch weiter gehen...

Erdogan hat Hunderttausende Menschen "willkürlich" entlassen.
Er hat die Konflikte innerhalb der Türkei geschürrt.
Er hat die Türkei staatspolitisch umgebaut.
Er hat Verfassungsänderungen durchführen lassen.
Er hat die Pressefreiheit stark eingeschränkt.
Er ist einigen NATO-Partnern unfreundlich gekommen.
Er ist die EU regelmässig unfreundlich angegangen.
Er "sucht" andere neue Partner, die anderorts kritisch gesehen werden.

Heisst in der Summe...innenpolitisch ist er mächtiger denn je.

Aussenpolitisch geniesst er kaum mehr VERTRAUEN.
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Und DAS zeigt sich somit auch in der Währung.

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Korrekt, genau der richtige Mann, zur richtigen Zeit, am richtigen Ort.
So was kann man gebrauchen, wenn man im Sinne von "Amerika first" zur Standortbereinigung schreiten will.
Zum Beispiel F35-Komponenten, was hatte diese Produktion aus Trumps Sicht in der Türkei zu suchen?
Warum soll man sich von den Türken Stahl und Aluminium liefern lassen, kann man das nicht selber?
So tickt Trump.
Der komische Brunson ist nur der Aufhänger, aber als tatsächlicher Grund für die Krise absolut lächerlich.
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Re: Türkische Lira Krise

Beitragvon Alter Stubentiger » Mi 15. Aug 2018, 17:29

Skull hat geschrieben:(15 Aug 2018, 18:06)

Ich würde da noch weiter gehen...

Erdogan hat Hunderttausende Menschen "willkürlich" entlassen.
Er hat die Konflikte innerhalb der Türkei geschürrt.
Er hat die Türkei staatspolitisch umgebaut.
Er hat Verfassungsänderungen durchführen lassen.
Er hat die Pressefreiheit stark eingeschränkt.
Er ist einigen NATO-Partnern unfreundlich gekommen.
Er ist die EU regelmässig unfreundlich angegangen.
Er "sucht" andere neue Partner, die anderorts kritisch gesehen werden.

Heisst in der Summe...innenpolitisch ist er mächtiger denn je.

Aussenpolitisch geniesst er kaum mehr VERTRAUEN.
Eine VERLÄSSLICHKEIT gibt es nicht.
Und DAS zeigt sich somit auch in der Währung.

LIRA...schwach. :D
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Ja. Und durch die Kontrolle der meisten Medien kann er überall verbreiten dass das Ausland schuld ist. Ist wohl der Trend bei den großen Führern. Schuld ist das Ausland, die Lügenpresse, Verräter, NGO`s. Die Diktatoren lieben ihre Opferrolle. Denn dass sie selber Schuld an der miesen Lage sein könnten ist nun ja........allein diese Frage zu stellen würde mir in der Türkei wohl als Beleidigung des Türkentums ausgelegt werden.
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Re: Türkische Lira Krise

Beitragvon H2O » Mi 15. Aug 2018, 20:30

Alter Stubentiger hat geschrieben:(15 Aug 2018, 18:29)

Ja. Und durch die Kontrolle der meisten Medien kann er überall verbreiten dass das Ausland schuld ist. Ist wohl der Trend bei den großen Führern. Schuld ist das Ausland, die Lügenpresse, Verräter, NGO`s. Die Diktatoren lieben ihre Opferrolle. Denn dass sie selber Schuld an der miesen Lage sein könnten ist nun ja........allein diese Frage zu stellen würde mir in der Türkei wohl als Beleidigung des Türkentums ausgelegt werden.


Eine Landeswährung entsteht und wächst doch mit dem wirtschaftlichem und politischem Handeln der Menschen, die in einem Land leben. Von nix kommt nix. Da kann Präsident Erdogan nun seinen ihm noch zugeneigten Landsleuten erzählen, was immer er möchte. Die Landeswährung schöpft daraus bestimmt keine Kraft. Es gab Zeiten, da war die Türkei die Kleiderkammer Europas: Eine riesige Textilindustrie. Was haben die Leute daraus gemacht? Türkische Mode, türkischer Stil?

Fast vermute ich, daß diese Fertigungsstätte ein paar Häuser weiter gezogen ist.

Die Türkei hatte einen wachsenden Anteil am europäischen Reiseverkehr... nicht nur Pauschalurlauber, auch Bildungsreisen in die Provinzen des Landes. Das brachte Beschäftigung und Konsum landestypischer Erzeugnisse. Aber die Türkei mußte dringend zündeln in Syrien und dann noch mit den Kurden im Osten und sie ist zerstritten mit allen Nachbarn ringsum. Da werden nur hartgesottene Abenteurer eine Bildungsreise nach Anatolien wagen.

Eine enge türkisch-deutsche Zusammenarbeit hatte sich auf allen möglichen Gebieten entwickelt; die Türkei als Zulieferer und Montageplatz nach Blaupausen. So etwas geht nicht kurz 'mal eben zu Bruch. Aber in einem Klima der rechtlichen und politischen Ungewißheit wird die Lust sinken, große Summen für Projekte in der Türkei an zu legen. Als Folge dvon schrumpft auch die technische Zusammenarbeit, die zwar türkisches Geld kostet, aber auch türkische Risiken dämpft. Mit dem Verzicht der USA auf F35-Lieferung und Teilefertigung in der Türkei ist eine solche Zusammenarbeit zu Bruch gegangen. Fehlendes Vertrauen als Begründung. Eben einmal umschwenken auf europäische Hersteller... derzeit völlig unvorstellbar. Auf russische Hersteller? Tja, mit dem Verbündeten Assads nun eng zusammenarbeiten. Dann können die Streithähne im Fall eines Konflikts die erbeuteten gegnerischen Waffensysteme ausschlachten für Ersatzteile. Wenig wahrscheinlich!

Selbst machen? Tja, die Risken sind dann aber auch vorhanden... man denke an unser Abenteuer mit A400M. Und das dann auf vielen entscheidenden Gebieten... da hat sich der Präsident wohl doch arg verhoben. Auferstehung des Osmanischen Reichs gegen alle Nachbarn und mit Bürgerkrieg im Inneren... na, das wird aber etwas!

So gesehen wird die Landeswährung aller Voraussicht nach einen anhaltenden Sturzflug hinlegen. Und ich sehe niemanden, der vertrauensvoll Hilfe zur Selbsthilfe leisten wird.

Präsident Erdogan hat das Kunststück vollbracht, durch unsinniges Gepoltere ringsum und lauthals geäußerten Größenwahn ("osmanische Ohrfeigen", "bereit, Krieg zu führen") jahrzehntelang und länger gewachsenes Vertrauen in Bündnissen und Anwartschaften auf EU-Mitgliedschaft in wenigen Jahren aus zu löschen. Erstaunlich und zugleich erschütternd, daß tatsächlich eine Hälfte der Bewohner der Türkei ihm dabei folgt. Die müßten doch bemerken, daß stetig bis dahin hoch angesehene Leute in Gefängnisse geraten oder das Land verlassen... daß da eine grundlegend falsche Politik im Lande verfolgt wird.

Das türkische Abenteuer wird nicht gut enden können. Die Währung Lira wird aus dem internationalen Devisenhandel verschwinden... oder zu Phantasiepreisen gehandelt, wie das zum politischen Ende Jugoslawiens zu erleben war.
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Re: Türkische Lira Krise

Beitragvon unity in diversity » Do 16. Aug 2018, 02:51

Merkel bleibt nichts weiter übrig, als mit Diktator Erdogan gut zu können:
http://www.spiegel.de/politik/deutschla ... 23358.html
Sonst wird Erdogan, nach Obama, der Nächste, der die Migrationswaffe gegen Europa einsetzt:
https://www.sueddeutsche.de/politik/aus ... -1.2890196
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Re: Türkische Lira Krise

Beitragvon rain353 » Do 16. Aug 2018, 04:08

unity in diversity hat geschrieben:(16 Aug 2018, 03:51)

Merkel bleibt nichts weiter übrig, als mit Diktator Erdogan gut zu können:
http://www.spiegel.de/politik/deutschla ... 23358.html
Sonst wird Erdogan, nach Obama, der Nächste, der die Migrationswaffe gegen Europa einsetzt:
https://www.sueddeutsche.de/politik/aus ... -1.2890196


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Re: Türkische Lira Krise

Beitragvon Orbiter1 » Do 16. Aug 2018, 06:59

unity in diversity hat geschrieben:(16 Aug 2018, 03:51)

Merkel bleibt nichts weiter übrig, als mit Diktator Erdogan gut zu können:
http://www.spiegel.de/politik/deutschla ... 23358.html
Nö, Merkel und die EU könnten sich die Chance auch entgehen lassen einen Erdogan, der auf Hilfe von außen angewiesen ist, Zugeständnisse abzutrotzen. Sie könnten den wirtschaftlichen Niedergang der Türkei auch beschleunigen und ihren Beitrag dazu leisten dass die Türkei aus der NATO austritt und in Zukunft mit Russland gemeinsame Sache macht. Was ist dadurch gewonnen? Ein paar hunderttausend oder Mio Türken die dann nach Europa fliehen wollen? Ist es das was du willst?
Sonst wird Erdogan, nach Obama, der Nächste, der die Migrationswaffe gegen Europa einsetzt:
https://www.sueddeutsche.de/politik/aus ... -1.2890196
Erdogan hat sich beim Türkei-Deal bisher absolut vertragstreu gehalten. Wenn er ihn als Migrationswaffe nutzen wollte hätte er es längst getan.
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Re: Türkische Lira Krise

Beitragvon Sole.survivor@web.de » Do 16. Aug 2018, 11:19

unity in diversity hat geschrieben:(16 Aug 2018, 03:51)

Merkel bleibt nichts weiter übrig, als mit Diktator Erdogan gut zu können:
http://www.spiegel.de/politik/deutschla ... 23358.html
Sonst wird Erdogan, nach Obama, der Nächste, der die Migrationswaffe gegen Europa einsetzt:
https://www.sueddeutsche.de/politik/aus ... -1.2890196

Migrationswaffe - was für ein wirrer Gedanke.
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Re: Türkische Lira Krise

Beitragvon Alter Stubentiger » Do 16. Aug 2018, 14:49

H2O hat geschrieben:(15 Aug 2018, 21:30)

Eine Landeswährung entsteht und wächst doch mit dem wirtschaftlichem und politischem Handeln der Menschen, die in einem Land leben. Von nix kommt nix. Da kann Präsident Erdogan nun seinen ihm noch zugeneigten Landsleuten erzählen, was immer er möchte. Die Landeswährung schöpft daraus bestimmt keine Kraft. Es gab Zeiten, da war die Türkei die Kleiderkammer Europas: Eine riesige Textilindustrie. Was haben die Leute daraus gemacht? Türkische Mode, türkischer Stil?

Fast vermute ich, daß diese Fertigungsstätte ein paar Häuser weiter gezogen ist.

Die Türkei hatte einen wachsenden Anteil am europäischen Reiseverkehr... nicht nur Pauschalurlauber, auch Bildungsreisen in die Provinzen des Landes. Das brachte Beschäftigung und Konsum landestypischer Erzeugnisse. Aber die Türkei mußte dringend zündeln in Syrien und dann noch mit den Kurden im Osten und sie ist zerstritten mit allen Nachbarn ringsum. Da werden nur hartgesottene Abenteurer eine Bildungsreise nach Anatolien wagen.

Eine enge türkisch-deutsche Zusammenarbeit hatte sich auf allen möglichen Gebieten entwickelt; die Türkei als Zulieferer und Montageplatz nach Blaupausen. So etwas geht nicht kurz 'mal eben zu Bruch. Aber in einem Klima der rechtlichen und politischen Ungewißheit wird die Lust sinken, große Summen für Projekte in der Türkei an zu legen. Als Folge dvon schrumpft auch die technische Zusammenarbeit, die zwar türkisches Geld kostet, aber auch türkische Risiken dämpft. Mit dem Verzicht der USA auf F35-Lieferung und Teilefertigung in der Türkei ist eine solche Zusammenarbeit zu Bruch gegangen. Fehlendes Vertrauen als Begründung. Eben einmal umschwenken auf europäische Hersteller... derzeit völlig unvorstellbar. Auf russische Hersteller? Tja, mit dem Verbündeten Assads nun eng zusammenarbeiten. Dann können die Streithähne im Fall eines Konflikts die erbeuteten gegnerischen Waffensysteme ausschlachten für Ersatzteile. Wenig wahrscheinlich!

Selbst machen? Tja, die Risken sind dann aber auch vorhanden... man denke an unser Abenteuer mit A400M. Und das dann auf vielen entscheidenden Gebieten... da hat sich der Präsident wohl doch arg verhoben. Auferstehung des Osmanischen Reichs gegen alle Nachbarn und mit Bürgerkrieg im Inneren... na, das wird aber etwas!

So gesehen wird die Landeswährung aller Voraussicht nach einen anhaltenden Sturzflug hinlegen. Und ich sehe niemanden, der vertrauensvoll Hilfe zur Selbsthilfe leisten wird.

Präsident Erdogan hat das Kunststück vollbracht, durch unsinniges Gepoltere ringsum und lauthals geäußerten Größenwahn ("osmanische Ohrfeigen", "bereit, Krieg zu führen") jahrzehntelang und länger gewachsenes Vertrauen in Bündnissen und Anwartschaften auf EU-Mitgliedschaft in wenigen Jahren aus zu löschen. Erstaunlich und zugleich erschütternd, daß tatsächlich eine Hälfte der Bewohner der Türkei ihm dabei folgt. Die müßten doch bemerken, daß stetig bis dahin hoch angesehene Leute in Gefängnisse geraten oder das Land verlassen... daß da eine grundlegend falsche Politik im Lande verfolgt wird.

Das türkische Abenteuer wird nicht gut enden können. Die Währung Lira wird aus dem internationalen Devisenhandel verschwinden... oder zu Phantasiepreisen gehandelt, wie das zum politischen Ende Jugoslawiens zu erleben war.

Die Leute folgen ihm bis heute weil er über viele Jahre alles richtig gemacht hat und auch keiner realisiert hat dass viele Modernisierungsprojekte mit Schulden finanziert wurden. Ich denke Erdogan wußte ganz genau dass der Tag nah ist wo die Rechnung zu bezahlen ist. Darum hat er alles daran gesetzt die alleinige Macht zu erringen. Aber dass wird nicht genügen. Es gibt nichts mehr zu verteilen. Mal sehen wie es weiter geht. Wie bei Maduro in Venezuela? Das wird dann auch für uns ein Riesenproblem. Dann haben wir die nächste Flüchtlingswelle.
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Re: Türkische Lira Krise

Beitragvon Sole.survivor@web.de » Do 16. Aug 2018, 15:23

H2O hat geschrieben:(15 Aug 2018, 21:30)
So gesehen wird die Landeswährung aller Voraussicht nach einen anhaltenden Sturzflug hinlegen. Und ich sehe niemanden, der vertrauensvoll Hilfe zur Selbsthilfe leisten wird.

Quator und Kina stehen bereit.
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Re: Türkische Lira Krise

Beitragvon Europa2050 » Do 16. Aug 2018, 15:35

Sole.survivor@web.de hat geschrieben:(16 Aug 2018, 16:23)

Quator und Kina stehen bereit.


Die Lira ist angezählt, die Türken selbst glauben nicht mehr dran, jeder halbherzige Rettungsversuch wird die Taschen der Währungsspekulanten füllen. Mit dem Erkennen solcher finanzwirtschaftlichen Harakiri-Rettungsaktionen und deren Konterkarrierung ist schon Soros reich geworden.

Aber die Politiker werden ja nicht schlauer. Bevor man Fehler korrigiert, ruiniert man das Staatsvermögen.
Nationalismus lehrt Dich,
stolz auf Dinge zu sein, die Du nie getan hast und
Leute zu hassen, denen Du nie begegnet bist.
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Re: Türkische Lira Krise

Beitragvon Sole.survivor@web.de » Do 16. Aug 2018, 15:50

Europa2050 hat geschrieben:(16 Aug 2018, 16:35)

Die Lira ist angezählt, die Türken selbst glauben nicht mehr dran, jeder halbherzige Rettungsversuch wird die Taschen der Währungsspekulanten füllen. Mit dem Erkennen solcher finanzwirtschaftlichen Harakiri-Rettungsaktionen und deren Konterkarrierung ist schon Soros reich geworden.

Die werden schon sinnvoll vorgehen. Ziel der Aktion ist die Wirtschaft, nicht die Währung - die folgt als abhängige Größe.
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Re: Türkische Lira Krise

Beitragvon zollagent » Do 16. Aug 2018, 16:45

Sole.survivor@web.de hat geschrieben:(16 Aug 2018, 16:23)

Quator und Kina stehen bereit.

Wer ist Quator, wer ist Kina? :?:
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Re: Türkische Lira Krise

Beitragvon H2O » Do 16. Aug 2018, 18:34

Sole.survivor@web.de hat geschrieben:(16 Aug 2018, 16:23)

Quator und Kina stehen bereit.


Ja, wenn uns mit diesen Helfern in der Not keine besonders herzlichen Gefühle verbinden, dann wäre dieser Wechsel doch sehr zu begrüßen. So wie derzeit macht eine Gemeinschaft mit diesen Politikern keine Freude.
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Re: Türkische Lira Krise

Beitragvon H2O » Do 16. Aug 2018, 18:40

Alter Stubentiger hat geschrieben:(16 Aug 2018, 15:49)

Die Leute folgen ihm bis heute weil er über viele Jahre alles richtig gemacht hat und auch keiner realisiert hat dass viele Modernisierungsprojekte mit Schulden finanziert wurden. Ich denke Erdogan wußte ganz genau dass der Tag nah ist wo die Rechnung zu bezahlen ist. Darum hat er alles daran gesetzt die alleinige Macht zu erringen. Aber dass wird nicht genügen. Es gibt nichts mehr zu verteilen. Mal sehen wie es weiter geht. Wie bei Maduro in Venezuela? Das wird dann auch für uns ein Riesenproblem. Dann haben wir die nächste Flüchtlingswelle.


Wenn bei der Gelegenheit die Türken zu uns kämen, die ich kennen gelernt habe... dann herzlich willkommen! Denn Präsident Erdogan hat sich mit den geistigen Eliten angelegt, die immer alles besser wissen als er. So dumm kann nur ein Mensch sein, der diesen Leuten das Wasser nicht reichen kann.
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Re: Türkische Lira Krise

Beitragvon Sole.survivor@web.de » Do 16. Aug 2018, 21:34

H2O hat geschrieben:(16 Aug 2018, 19:34)

Ja, wenn uns mit diesen Helfern in der Not keine besonders herzlichen Gefühle verbinden, dann wäre dieser Wechsel doch sehr zu begrüßen. So wie derzeit macht eine Gemeinschaft mit diesen Politikern keine Freude.

Mit Kina wollens alle.
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Re: Türkische Lira Krise

Beitragvon H2O » Fr 17. Aug 2018, 05:19

Sole.survivor@web.de hat geschrieben:(16 Aug 2018, 22:34)

Mit Kina wollens alle.


Besonders gern die Uiguren im Westen des Landes. Da liegt Zoff schon vor einer Zusammenarbeit in der Luft. Als Kinese fände ich die EU netter als diesen wetterwendischen Ballerkopp am Bosporus!

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