Führt "Industrie 4.0" zunehmend zur Deglobalisierung?

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Watchful_Eye
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Führt "Industrie 4.0" zunehmend zur Deglobalisierung?

Beitragvon Watchful_Eye » Do 12. Apr 2018, 15:51

In Zeiten von Trump, EU-Skepsis und dem Aufstieg Chinas als eine eher national orientierte Großmacht hört man das Buzzword "Deglobalisierung" zunehmend häufiger. Und ich frage mich, ob das, was gerade im Bereich der KI passiert, nicht genau damit reinspielt? Sehr viele Fertigungsprozesse, die derzeit noch aufgrund von Lohnunterschieden im Ausland gefertigt werden ("Ausbeutung der dritten Welt"), lassen sich in zunehmendem Ausmaß durch Roboter ersetzen.

Wird der technische Fortschritt des 21. Jahrhunderts langfristig dazu führen, dass die globale wirtschaftliche Vernetztheit wieder zurückgeht? Und wird dies zum Nachteil von Entwicklungsländern sein? Sicherlich nutzen westliche Konzerne die Notlage in armen Ländern aus, aber es ist zu bezweifeln, ob es besser für sie wäre, wenn es diese Arbeitsmöglichkeiten dort erst gar nicht gäbe.

Der von mir derzeit sehr geschätzte und gern zitierte Steven Pinker weist in seinem aktuellen Buch darauf hin, dass die extreme Armut in den vergangenen Jahrzehnten extrem zurückgegangen sei. Wird sich das in Zeiten, wo einfache Arbeit zunehmend ersetzbar ist, so fortsetzen können? Und könnte dieser Trend wiederum Vorteile für Hochtechnologienationen wie Deutschland birgen - im Anbetracht dessen, dass Ideen wieder mehr zählen dürften als billige Arbeitskräfte?

Weil es nicht mehr nur eine nostalgische Geste ist, in Deutschland Fabriken zu betreiben, sondern sehr profitabel, wenn man genug Arbeitskräfte durch Maschinen ersetzt. „Die Firmen, die intensiv Digitalisierungstechnologien einsetzen – Roboter, intelligente Software – kommen öfter zurück. Etwa zehnmal häufiger“, sagt Kinkel.

Roboter und Computer bringen so Arbeit nach Deutschland zurück, die eigentlich schon verloren war.
https://www.brandeins.de/magazine/brand ... ueckkehrer

Manche in der Branchen sehen das Konzept dagegen nur als große PR-Aktion, als Augenwischerei. Denn alle Fabriken und auch das Know-how der Zulieferer sei derzeit in Asien. Eine Rückkehr der Produktion sei doch undenkbar, meint ein Konkurrent. Adidas sieht das anders. "Die Speedfactoy-Story ist viel mehr als nur ein Produkt", schwärmt Paul Gaudio, der weltweite Kreativ-Chef. Das Konzept sei eine neue Philosophie. "Speedfactories aufzubauen, ist keine reine Kostenentscheidung. Wir wollen einfach schneller werden als bisher", meint Adidas-Mann Hill. Bislang dauert alleine der Transport von Sportschuhen per Schiff aus Asien bis zu sechs Wochen. Von der ersten Idee bis zum fertigen Produkt im Geschäft vergehen schon mal 18 Monate - zu lang, sagen sie bei Adidas.

"Die Erwartungshaltung der Kunden ist heute völlig anders, die Loyalität mit Marken verliert an Bedeutung", betont Hill. Und: "Amazon-Kunden sind gewohnt, das Produkt ihrer Wahl sofort zu bekommen. Wir müssen so nah am Kunden sein wie möglich." Individuell gefertigte Produkte, die auch noch qualitativ besser seien, sollen in den Speedfactories künftig in kurzer Zeit möglich sein, seien es Sneakers mit einem eigenen, personalisierten Design oder solche, die speziell auf die Physiognomie des Kunden angepasst sind. Ziel sei es dabei, dass auch solche Modelle irgendwann innerhalb von 24 Stunden beim Kunden sind.
http://www.sueddeutsche.de/wirtschaft/s ... -1.3693882
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H2O
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Re: Führt "Industrie 4.0" zunehmend zur Deglobalisierung?

Beitragvon H2O » Do 12. Apr 2018, 16:18

Auf diesen Gedanken könnte man sicher kommen, wenn materielle Dinge nur noch den Erfindergeist bräuchten, um zu entstehen. Aber sowohl die Maschinen mit ihrer hohen Fähigkeit als auch die Produkte bestehen doch aus Materialien, die wir nicht ohne weiteres im Lande haben. Mindestens im Bereich Rohmaterial brauchen wir auch in fernster Zukunft eine global aufgestellte Wirtschaft.

Die Menschen in den Rohstoffländern könnten ebenfalls mit hochentwickelten Maschinen ihre Rohstoffe veredeln zur unmittelbaren Verwendung für die Herstellung von Endprodukten. Diese Maschinen könnten sie nach Blaupausen selbst herstellen, wenn sie sich nicht zum Stillstand entschlossen haben. Blaupausen gehen in Sekundenbruchteilen um den Erdball.

So, wie vor vielen Jahrzehnten große Industrien am Ort der Rohstoffgewinnung und -veredelung entstanden sind, so könnten diese Industrien in Zukunft an solchen bevorzugten Plätzen wachsen... Textilherstellung, Kunststoffe, Zwischenerzeugnisse...

Aus dieser Sicht sind die Zukunftsaussichten auf dem Erdball doch nicht so gleichmäßig verteilt, wie wir uns das nur auf know-how-Träger bezogen vorstellen. Die Chancen sind nicht gleich verteilt. Wir Deutschen und Europäer werden uns in ganz besonderem Maße anstrengen müssen, mehr als eine Nasenlänge in unseren technisch-wissenschaftlichen Fähigkeiten dem Rest der Welt zu enteilen. Am Aufstieg Japans, Süd-Koreas und nun auch Chinas und Vietnams sehen wir, wie schnell dieser große Vorsprung aufgeholt werden kann.
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Re: Führt "Industrie 4.0" zunehmend zur Deglobalisierung?

Beitragvon Rote_Galaxie » Do 12. Apr 2018, 16:39

Watchful_Eye hat geschrieben:(12 Apr 2018, 16:51)

In Zeiten von Trump, EU-Skepsis und dem Aufstieg Chinas als eine eher national orientierte Großmacht hört man das Buzzword "Deglobalisierung" zunehmend häufiger. Und ich frage mich, ob das, was gerade im Bereich der KI passiert, nicht genau damit reinspielt? Sehr viele Fertigungsprozesse, die derzeit noch aufgrund von Lohnunterschieden im Ausland gefertigt werden ("Ausbeutung der dritten Welt"), lassen sich in zunehmendem Ausmaß durch Roboter ersetzen.

Wird der technische Fortschritt des 21. Jahrhunderts langfristig dazu führen, dass die globale wirtschaftliche Vernetztheit wieder zurückgeht? Und wird dies zum Nachteil von Entwicklungsländern sein? Sicherlich nutzen westliche Konzerne die Notlage in armen Ländern aus, aber es ist zu bezweifeln, ob es besser für sie wäre, wenn es diese Arbeitsmöglichkeiten dort erst gar nicht gäbe.

Der von mir derzeit sehr geschätzte und gern zitierte Steven Pinker weist in seinem aktuellen Buch darauf hin, dass die extreme Armut in den vergangenen Jahrzehnten extrem zurückgegangen sei. Wird sich das in Zeiten, wo einfache Arbeit zunehmend ersetzbar ist, so fortsetzen können? Und könnte dieser Trend wiederum Vorteile für Hochtechnologienationen wie Deutschland birgen - im Anbetracht dessen, dass Ideen wieder mehr zählen dürften als billige Arbeitskräfte?

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Alles was wir Menschen auf diesem Planeten tun ist Globalisierung selbst die "Deglobalisierung" weil wir alle auf der Erde leben.
Und wer kontrolliert die Kontrolle?
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Re: Führt "Industrie 4.0" zunehmend zur Deglobalisierung?

Beitragvon Teeernte » Do 12. Apr 2018, 17:16

H2O hat geschrieben:(12 Apr 2018, 17:18)

Auf diesen Gedanken könnte man sicher kommen, wenn materielle Dinge nur noch den Erfindergeist bräuchten, um zu entstehen. Aber sowohl die Maschinen mit ihrer hohen Fähigkeit als auch die Produkte bestehen doch aus Materialien, die wir nicht ohne weiteres im Lande haben. Mindestens im Bereich Rohmaterial brauchen wir auch in fernster Zukunft eine global aufgestellte Wirtschaft.

Die Menschen in den Rohstoffländern könnten ebenfalls mit hochentwickelten Maschinen ihre Rohstoffe veredeln zur unmittelbaren Verwendung für die Herstellung von Endprodukten. Diese Maschinen könnten sie nach Blaupausen selbst herstellen, wenn sie sich nicht zum Stillstand entschlossen haben. Blaupausen gehen in Sekundenbruchteilen um den Erdball.

So, wie vor vielen Jahrzehnten große Industrien am Ort der Rohstoffgewinnung und -veredelung entstanden sind, so könnten diese Industrien in Zukunft an solchen bevorzugten Plätzen wachsen... Textilherstellung, Kunststoffe, Zwischenerzeugnisse...

Aus dieser Sicht sind die Zukunftsaussichten auf dem Erdball doch nicht so gleichmäßig verteilt, wie wir uns das nur auf know-how-Träger bezogen vorstellen. Die Chancen sind nicht gleich verteilt. Wir Deutschen und Europäer werden uns in ganz besonderem Maße anstrengen müssen, mehr als eine Nasenlänge in unseren technisch-wissenschaftlichen Fähigkeiten dem Rest der Welt zu enteilen. Am Aufstieg Japans, Süd-Koreas und nun auch Chinas und Vietnams sehen wir, wie schnell dieser große Vorsprung aufgeholt werden kann.


Am Abstieg der WELT bei der Mobilfunk-Technik - .....die Zusammenfassung (fast) aller Ressourcen in Entwicklung und Herstellung in Shenzhen....
Obs zu kalt, zu warm, zu trocken oder zu nass ist:.... Es immer der >>menschgemachte<< Klimawandel. :D
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Re: Führt "Industrie 4.0" zunehmend zur Deglobalisierung?

Beitragvon immernoch_ratlos » Do 12. Apr 2018, 17:56

Diese Frage : Führt "Industrie 4.0" zunehmend zur Deglobalisierung? möchte ich mit einem herzhaften "Jain" beantworten. Alle sind weiter auf global verteilte Rohstoffe angewiesen. Diese zu "erwerben" und dort hin zu transportieren, wo es "wirtschaftlich" ist, irgendetwas zu produzieren, wird uns solange erhalten bleiben, wie dort noch etwas zu holen sein wird.

Gelingt es denen, die rein zufällig auf solchen Vorkommen "sitzen", ihre eigene Produktion aufzubauen, sieht es für alle "Ressourcenhabenichtse" ziemlich düster aus. Schluss mit den so gefeierten "Exportüberschüssen", welche für mich lediglich ein Indikator sind - noch können die das nicht selber und wenn wir sie darin halten können ist das gut so (für uns selbstverständlich).

Es gibt jede Menge treibende Kräfte was das Einführen von "365Tagetechnologie" begünstigt. In D ist es nicht unserer tolle "innovative Kraft" die wir uns zu Gute halten, nein ganz unspektakulär - der Mangel an Fachkräften, wird das Tempo beschleunigen. Was da ersetzbar ist, wird ersetzt. Geht es abwärts mit der Wirtschaft, greift der selbe Mechanismus eben aus diesem Grund - nur diesmal, weil Roboter und Algorithmen billiger als menschliche Arbeitskraft sind.

Das "danach" wieder diese Veränderungen zurückgefahren werden, das zeigt die Erfahrung mit solchen Prozessen, passiert einfach nicht. Ordinäre Arbeitskraft ist weltweit billig wie Dreck. Nur wer etwas besonderes zu bieten hat, wird noch pekuniär wahrgenommen.

Bei Bevölkerungsnullwachstum - wovon die Welt noch mit jährlich ~80 Millionen Plus weit entfernt ist - und katastrophalem Überschuss in der Basis irgendwo zwischen 7 und 8 Milliarden Menschen, kommt diese Entwicklung zu spät. Lange war Bevölkerung ein wertvoller Rohstoff. Inzwischen ist das nur noch eine Belastung. Mit was sollen all die noch total ineffizienten Überschüsse, denen es was Bildung und daraus erwachsende Verwendbarkeit völlig abgeht, so beschäftigt werden, das sie auch nur annähernd zu unseren Vorstellungen wie Mensch zu funktionieren hat, passen ? Wenn selbst wir in den ach so entwickelten Ländern mehr oder weniger offen, gut ein Viertel der "arbeitsfähigen" Bevölkerung mit Mühe gerade noch ohne große politische Umbrüche "mitschleifen können" ? Betrachtet man nur Europa, was da alles schnellstens verdeckt wird, wenn jemand da genauer hinsehen möchte, kann man die durchaus globale Unsicherheit mit Händen greifen.

Das "beste Beispiel" ist doch dieses Forum selbst. Kaum wird das was so sorgfältig gesund gebetet wird, irgendwo in Frage gestellt (was gesund und nützlich wäre ohne ehrliche Anamnese, keine Heilung), tauchen sofort dieselben "Zerberusse" auf und erledigen jeden, der es wagt Kritik zu üben. Weder mit unserer Vorstellung von "Marktwirtschaft" und erst recht nicht mit all den anderen Kopfgeburten wie Mensch funktionieren sollte, inkl. Religion der im allgemeinen nix besseres als ein abschließendes blutiges Armageddon einfällt, können diese Probleme überwunden werden.

In knapp 200 Jahren haben "wir" uns wie die Karnickel vermehrt (sind teilweise noch dabei) und die meisten Ressourcen so aufgebraucht, das selbst Kohle nur noch maximal für 1.000 Jahre (falls der Verbrauch nicht weiter wächst - einfach irre) reicht. Andere Ressourcen sind - jedenfalls alles was "bis mittelschwer" erreichbar war ist längst verfeuert. Der "Brotkorb" wird mit Hilfe gigantischer Energiemengen (noch) künstlich niedrig gehalten. Das Klima - selbst das haben "wir" schon soweit ruiniert, dass einige glauben, wenn sie das leugnen, wird alles wieder gut.

Nein sorry da kommt nix mehr zurück. Der Trend alles in Massen zu produzieren (was teilweise auch wegen der Massen, in Massen benötigt wird) ist mit menschlicher Arbeitskraft nicht machbar. Die menschliche "Energiedichte" ist so ziemlich das Allerletzte auf diesem Planeten.

Was tatsächlich funktionieren könnte, wäre eine minimale Produktion um alle über "Wasser" zu halten (wohl in Zukunft wortwörtlich zu verstehen). Das harmonisiert absolut nicht mit den uns bekannten Wirtschaftssystemen. Da ist nur eines möglich - Wachstum um seiner selbst willen. Es wird letztendlich gleichgültig sein ob die Sportschuhe (das hat man ja schon geschafft) irgendwo im Hinterzimmer von einer Maschine in Einzelfertigung produziert werden oder ob man x-Prozent produziert und ungenutzt wegschmeißt, weil das "wirtschaftlicher sei" in diesem System des reinen Irrsinns.

Was 3D-Drucker die Geheimwaffe der "Vor Ort Produktion" inzwischen bereits kann, ist einfach irre. Im Grund wäre das Paradies für 300 Millionen bis 1 Milliarde Menschen jetzt möglich - dumm nur, es gibt inzwischen 7mal mehr Homo Sapiens, als für uns und alle anderen Tiere auf diesem Planeten gut sein kann. Wären wir individuell dumme Wesen - wie z.B. Ameisen - hätten so die notwendige Schwarmintelligenz - dann hätten wir zwar keine Pyramiden und solch Zeug, aber selbst nach einen mittleren Asteroideneinschlag gäb es uns noch. Bei dem Personal zweifle ich inzwischen in vielerlei Hinsicht das "wir" außer Selbstzerstörung überhaupt irgend etwas hinbekommen. Womöglich sollte ich nicht mehr soviel in diesem Forum lesen. Manches hier kann einem schon sehr dystopische Alpträume vermitteln.

Was Deine Frage angeht, wie soll das funktionieren, "wir" definieren uns weiter durch fleißige Arbeit, wer da nix findet ist entweder selber schuld oder zu faul und erfinden jeden Tag eine neue bessere Maschine und oder Algorithmus, der "uns" die Arbeit abnimmt und wundern uns sogar noch darüber, das die wenigen, welche noch dieser irren Vorstellung nur Arbeit berechtigt zu "menschenwürdigem Leben" folgen können, ständig immer mehr Artgenossen alimentieren müssen - und dabei beileibe nicht nur Kinder - Kranke und Alte Säcke wie mich :rolleyes:

Nein ich habe kein wirklich gutes Gefühl was da wohl passieren wird, wenn niemand endlich auf eine wirklich gute Idee kommt. Ist das nicht weithin sichtbar - nur mal die Landwirtschaft betrachtet - dort arbeiteten einst 60 bis 80% einer um Millionen kleineren Bevölkerung - nun schaffen das 2... 3 % und sind höchst unglücklich dabei - zwischenzeitlich wurden der "Überschuss" für ein paar Jährchen in der Industrie benötigt - wohl bemerkt nur in den sog. "Industriestaaten" Das wurde und wird "im Rest der Welt" gleich ganz übersprungen. Dort werden vergleichsweise hochgebildeten Spezialisten gebraucht, die es so nicht gibt. Der Rest ist völlig überflüssig. So ist das zunehmend auch bei uns. Noch halten unserer "sozialen Dämme".

Wie prekär die Lage schon jetzt ist, kann man, so man es sehen will, recht gut an der offenen Feinschaft gegenüber allen Fremden ablesen, die tatsächlich nicht nur eine "gefühlte" Konkurrenz darstellen. Der auf Kante genähte Sozialstaat - der ja "nebenher" eine gigantischen Infrastruktur am Leben erhalten muss, kommt immer schneller an natürliche Grenzen.

Das war´s was mit mit "knappen" 1.031 Wörtern dazu einfallen will...
"Wenn der Wind der Veränderung weht, bauen die einen Mauern und die anderen Windmühlen." (aus China)
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Re: Führt "Industrie 4.0" zunehmend zur Deglobalisierung?

Beitragvon immernoch_ratlos » Sa 14. Apr 2018, 10:06

Nachdem ich meine persönliche Sicht der Welt da draußen (für manche sicher reichlich trüb) erläutern durfte, ist mir dieser Artikel gestern (13.04.2018) in der SZ untergekommen :
"Interview zu Konsumverhalten | "Es gibt heute mehr Sklaven als zur Zeit des Sklavenhandels""
Ohne Zitate - das wäre zu sehr aus dem Zusammenhang gerissen - wer auch längere Texte zu lesen vermag - bitte los...
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Re: Führt "Industrie 4.0" zunehmend zur Deglobalisierung?

Beitragvon unity in diversity » Sa 14. Apr 2018, 10:21

Rote_Galaxie hat geschrieben:(12 Apr 2018, 17:39)

Alles was wir Menschen auf diesem Planeten tun ist Globalisierung selbst die "Deglobalisierung" weil wir alle auf der Erde leben.

Die Deglobalisierung schreitet voran.
Zum Beispiel mit der Frage, womit jene Länder zahlen wollen, deren Finanzwirtschaft nur noch heiße Luft produziert?
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Den Falschen und den Unsrigen."
(Aus den Divided States of America)
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Re: Führt "Industrie 4.0" zunehmend zur Deglobalisierung?

Beitragvon Rote_Galaxie » So 15. Apr 2018, 12:42

unity in diversity hat geschrieben:(14 Apr 2018, 11:21)

Die Deglobalisierung schreitet voran.
Zum Beispiel mit der Frage, womit jene Länder zahlen wollen, deren Finanzwirtschaft nur noch heiße Luft produziert?


Man kann von gewissen Ländern nicht erwarten flüssig zu sein wenn Private Konzerne die Bevölkerung ausbeuten.
Und wer kontrolliert die Kontrolle?
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Re: Führt "Industrie 4.0" zunehmend zur Deglobalisierung?

Beitragvon franktoast » Di 17. Apr 2018, 07:21

Rote_Galaxie hat geschrieben:(15 Apr 2018, 13:42)

Man kann von gewissen Ländern nicht erwarten flüssig zu sein wenn Private Konzerne die Bevölkerung ausbeuten.

Nun, die meisten armen Länder werden durch keine privaten Konzerne ausgebeutet wie zB. Sierra Leone oder Bolivien.

Und wenn es darum geht, ein private Unternehmen zu führen, sind diese Länder auch ganz schlecht.

Wie siehst du das? Es gibt zwei Länder.
Im Einen beuten private Konzerne die Bevölkerung aus -> Coca Cola, H&M etc. zahlen zwar regional überdurchschnittlich gut, aber bei Weitem nicht so viel wie im Heimatland. Ölkonzerne lassen nur etwa die Hälfte ihrer Profite in diesem Land und haben niedrigere Umweltstandards als im Heimatland.
Im Anderen herrschen bürgerkriegsähnliche Konflikte und hohe Korruption. Private Konzerne gibt es allerdings nicht.

In welchem würdest du eher leben wollen?
Ein freier Mensch muß es ertragen können, daß seine Mitmenschen anders handeln und anders leben, als er es für richtig hält, und muß sich abgewöhnen, sobald ihm etwas nicht gefällt, nach der Polizei zu rufen.
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Re: Führt "Industrie 4.0" zunehmend zur Deglobalisierung?

Beitragvon Alpha Centauri » Di 17. Apr 2018, 08:46

immernoch_ratlos hat geschrieben:(14 Apr 2018, 11:06)

Nachdem ich meine persönliche Sicht der Welt da draußen (für manche sicher reichlich trüb) erläutern durfte, ist mir dieser Artikel gestern (13.04.2018) in der SZ untergekommen :
"Interview zu Konsumverhalten | "Es gibt heute mehr Sklaven als zur Zeit des Sklavenhandels""
Ohne Zitate - das wäre zu sehr aus dem Zusammenhang gerissen - wer auch längere Texte zu lesen vermag - bitte los...


Ja natürlich die Sklaverei war ja auch nie wirklich überwunden, und die Näherin un Bangladesh für H&M, Kik Zara und Co. unter erbärmlichsten Bedienungen für ein Lohn der oft hinten uns vorne nicht reicht stets funktionieren muss, ist ja nur die Spitze des Eisberges , Die europäische Aufklärung hat in punkto ökonomisch motivierter Ausbeutung und Versklavung in meinen Augen völlig versagt
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Re: Führt "Industrie 4.0" zunehmend zur Deglobalisierung?

Beitragvon Alpha Centauri » Di 17. Apr 2018, 08:56

immernoch_ratlos hat geschrieben:(12 Apr 2018, 18:56)

Diese Frage : Führt "Industrie 4.0" zunehmend zur Deglobalisierung? möchte ich mit einem herzhaften "Jain" beantworten. Alle sind weiter auf global verteilte Rohstoffe angewiesen. Diese zu "erwerben" und dort hin zu transportieren, wo es "wirtschaftlich" ist, irgendetwas zu produzieren, wird uns solange erhalten bleiben, wie dort noch etwas zu holen sein wird.

Gelingt es denen, die rein zufällig auf solchen Vorkommen "sitzen", ihre eigene Produktion aufzubauen, sieht es für alle "Ressourcenhabenichtse" ziemlich düster aus. Schluss mit den so gefeierten "Exportüberschüssen", welche für mich lediglich ein Indikator sind - noch können die das nicht selber und wenn wir sie darin halten können ist das gut so (für uns selbstverständlich).

Es gibt jede Menge treibende Kräfte was das Einführen von "365Tagetechnologie" begünstigt. In D ist es nicht unserer tolle "innovative Kraft" die wir uns zu Gute halten, nein ganz unspektakulär - der Mangel an Fachkräften, wird das Tempo beschleunigen. Was da ersetzbar ist, wird ersetzt. Geht es abwärts mit der Wirtschaft, greift der selbe Mechanismus eben aus diesem Grund - nur diesmal, weil Roboter und Algorithmen billiger als menschliche Arbeitskraft sind.

Das "danach" wieder diese Veränderungen zurückgefahren werden, das zeigt die Erfahrung mit solchen Prozessen, passiert einfach nicht. Ordinäre Arbeitskraft ist weltweit billig wie Dreck. Nur wer etwas besonderes zu bieten hat, wird noch pekuniär wahrgenommen.

Bei Bevölkerungsnullwachstum - wovon die Welt noch mit jährlich ~80 Millionen Plus weit entfernt ist - und katastrophalem Überschuss in der Basis irgendwo zwischen 7 und 8 Milliarden Menschen, kommt diese Entwicklung zu spät. Lange war Bevölkerung ein wertvoller Rohstoff. Inzwischen ist das nur noch eine Belastung. Mit was sollen all die noch total ineffizienten Überschüsse, denen es was Bildung und daraus erwachsende Verwendbarkeit völlig abgeht, so beschäftigt werden, das sie auch nur annähernd zu unseren Vorstellungen wie Mensch zu funktionieren hat, passen ? Wenn selbst wir in den ach so entwickelten Ländern mehr oder weniger offen, gut ein Viertel der "arbeitsfähigen" Bevölkerung mit Mühe gerade noch ohne große politische Umbrüche "mitschleifen können" ? Betrachtet man nur Europa, was da alles schnellstens verdeckt wird, wenn jemand da genauer hinsehen möchte, kann man die durchaus globale Unsicherheit mit Händen greifen.

Das "beste Beispiel" ist doch dieses Forum selbst. Kaum wird das was so sorgfältig gesund gebetet wird, irgendwo in Frage gestellt (was gesund und nützlich wäre ohne ehrliche Anamnese, keine Heilung), tauchen sofort dieselben "Zerberusse" auf und erledigen jeden, der es wagt Kritik zu üben. Weder mit unserer Vorstellung von "Marktwirtschaft" und erst recht nicht mit all den anderen Kopfgeburten wie Mensch funktionieren sollte, inkl. Religion der im allgemeinen nix besseres als ein abschließendes blutiges Armageddon einfällt, können diese Probleme überwunden werden.

In knapp 200 Jahren haben "wir" uns wie die Karnickel vermehrt (sind teilweise noch dabei) und die meisten Ressourcen so aufgebraucht, das selbst Kohle nur noch maximal für 1.000 Jahre (falls der Verbrauch nicht weiter wächst - einfach irre) reicht. Andere Ressourcen sind - jedenfalls alles was "bis mittelschwer" erreichbar war ist längst verfeuert. Der "Brotkorb" wird mit Hilfe gigantischer Energiemengen (noch) künstlich niedrig gehalten. Das Klima - selbst das haben "wir" schon soweit ruiniert, dass einige glauben, wenn sie das leugnen, wird alles wieder gut.

Nein sorry da kommt nix mehr zurück. Der Trend alles in Massen zu produzieren (was teilweise auch wegen der Massen, in Massen benötigt wird) ist mit menschlicher Arbeitskraft nicht machbar. Die menschliche "Energiedichte" ist so ziemlich das Allerletzte auf diesem Planeten.

Was tatsächlich funktionieren könnte, wäre eine minimale Produktion um alle über "Wasser" zu halten (wohl in Zukunft wortwörtlich zu verstehen). Das harmonisiert absolut nicht mit den uns bekannten Wirtschaftssystemen. Da ist nur eines möglich - Wachstum um seiner selbst willen. Es wird letztendlich gleichgültig sein ob die Sportschuhe (das hat man ja schon geschafft) irgendwo im Hinterzimmer von einer Maschine in Einzelfertigung produziert werden oder ob man x-Prozent produziert und ungenutzt wegschmeißt, weil das "wirtschaftlicher sei" in diesem System des reinen Irrsinns.

Was 3D-Drucker die Geheimwaffe der "Vor Ort Produktion" inzwischen bereits kann, ist einfach irre. Im Grund wäre das Paradies für 300 Millionen bis 1 Milliarde Menschen jetzt möglich - dumm nur, es gibt inzwischen 7mal mehr Homo Sapiens, als für uns und alle anderen Tiere auf diesem Planeten gut sein kann. Wären wir individuell dumme Wesen - wie z.B. Ameisen - hätten so die notwendige Schwarmintelligenz - dann hätten wir zwar keine Pyramiden und solch Zeug, aber selbst nach einen mittleren Asteroideneinschlag gäb es uns noch. Bei dem Personal zweifle ich inzwischen in vielerlei Hinsicht das "wir" außer Selbstzerstörung überhaupt irgend etwas hinbekommen. Womöglich sollte ich nicht mehr soviel in diesem Forum lesen. Manches hier kann einem schon sehr dystopische Alpträume vermitteln.

Was Deine Frage angeht, wie soll das funktionieren, "wir" definieren uns weiter durch fleißige Arbeit, wer da nix findet ist entweder selber schuld oder zu faul und erfinden jeden Tag eine neue bessere Maschine und oder Algorithmus, der "uns" die Arbeit abnimmt und wundern uns sogar noch darüber, das die wenigen, welche noch dieser irren Vorstellung nur Arbeit berechtigt zu "menschenwürdigem Leben" folgen können, ständig immer mehr Artgenossen alimentieren müssen - und dabei beileibe nicht nur Kinder - Kranke und Alte Säcke wie mich :rolleyes:

Nein ich habe kein wirklich gutes Gefühl was da wohl passieren wird, wenn niemand endlich auf eine wirklich gute Idee kommt. Ist das nicht weithin sichtbar - nur mal die Landwirtschaft betrachtet - dort arbeiteten einst 60 bis 80% einer um Millionen kleineren Bevölkerung - nun schaffen das 2... 3 % und sind höchst unglücklich dabei - zwischenzeitlich wurden der "Überschuss" für ein paar Jährchen in der Industrie benötigt - wohl bemerkt nur in den sog. "Industriestaaten" Das wurde und wird "im Rest der Welt" gleich ganz übersprungen. Dort werden vergleichsweise hochgebildeten Spezialisten gebraucht, die es so nicht gibt. Der Rest ist völlig überflüssig. So ist das zunehmend auch bei uns. Noch halten unserer "sozialen Dämme".

Wie prekär die Lage schon jetzt ist, kann man, so man es sehen will, recht gut an der offenen Feinschaft gegenüber allen Fremden ablesen, die tatsächlich nicht nur eine "gefühlte" Konkurrenz darstellen. Der auf Kante genähte Sozialstaat - der ja "nebenher" eine gigantischen Infrastruktur am Leben erhalten muss, kommt immer schneller an natürliche Grenzen.

Das war´s was mit mit "knappen" 1.031 Wörtern dazu einfallen will...



Toller Beitrag, auf überzeugende Antworten, wo denn die tollen, den jeweiligen individuellen Lebensunterhalt sichernde Arbeitsplätze für die weiterhin wachsende Weltbevölkerung ( vor allem Indien und Afrika) vor dem Hintergrund der Digitalisierung von Arbeit und Ersetzung menschlicher Arbeitskraft durch Roboter und Computerprogramme eigentlich in Zukunft her kommen sollen, warte ich immer noch.
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Re: Führt "Industrie 4.0" zunehmend zur Deglobalisierung?

Beitragvon H2O » Di 17. Apr 2018, 09:03

Alpha Centauri hat geschrieben:(17 Apr 2018, 09:46)

Ja natürlich die Sklaverei war ja auch nie wirklich überwunden, und die Näherin un Bangladesh für H&M, Kik Zara und Co. unter erbärmlichsten Bedienungen für ein Lohn der oft hinten uns vorne nicht reicht stets funktionieren muss, ist ja nur die Spitze des Eisberges , Die europäische Aufklärung hat in punkto ökonomisch motivierter Ausbeutung und Versklavung in meinen Augen völlig versagt


Zum Thema "Führt "Industrie 4.0" zunehmend zur Deglobalisierung?" tragen diese Gedanken nicht so sehr viel bei, meine ich. Auch kann man finden, daß "Aufklärung" und "Sklaverei" sich seinerzeit nicht ausschlossen:
http://www.ubonse.de/fp-content/attachs ... _11_04.pdf

Das wäre dann aber in einem anderen Strang zu besprechen.
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Re: Führt "Industrie 4.0" zunehmend zur Deglobalisierung?

Beitragvon H2O » Di 17. Apr 2018, 09:08

Alpha Centauri hat geschrieben:(17 Apr 2018, 09:56)

Toller Beitrag, auf überzeugende Antworten, wo denn die tollen, den jeweiligen individuellen Lebensunterhalt sichernde Arbeitsplätze für die weiterhin wachsende Weltbevölkerung ( vor allem Indien und Afrika) vor dem Hintergrund der Digitalisierung von Arbeit und Ersetzung menschlicher Arbeitskraft durch Roboter und Computerprogramme eigentlich in Zukunft her kommen sollen, warte ich immer noch.


Solche Gedanken sind mir denn doch zu niederschmetternd. Unser Leben wird sich so umfassend verändern, daß wir derzeit gar keine zuverlässigen Vorhersagen für die Gesellschaft in 50 Jahren machen können. Kann sein, kann auch nicht sein...
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Re: Führt "Industrie 4.0" zunehmend zur Deglobalisierung?

Beitragvon Polibu » Di 17. Apr 2018, 09:09

Industrie 4.0 führt dazu, dass Industrienationen wie Deutschland sich auf dem Weltmarkt gegen die Billiglohnländer durchsetzen können.

Dass das natürlich auch Probleme mit sich bringt, ist nicht von der Hand zu weisen. Sollte man deshalb seinen eigenen Erfolg kastrieren? Nein! Denn sonst werden wir bald abgehängt.

China ist im Übrigen unser schärfster Konkurrent. Die kaufen sich nicht umsonst bei beispielsweise deutschen Roboterherstellern ein (Kuka) .

Afrika und Indien werden abgehängt werden. Ebenso viele arabische Staaten. Selbstverständlich sollte jemand so schnell wie möglich und so gründlich wie möglich eine annehmbare Lösung dafür präsentieren. Der Verzicht auf Automatisierung ist keine Lösung.
Zuletzt geändert von Polibu am Di 17. Apr 2018, 09:19, insgesamt 1-mal geändert.
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Re: Führt "Industrie 4.0" zunehmend zur Deglobalisierung?

Beitragvon relativ » Di 17. Apr 2018, 09:18

Polibu hat geschrieben:(17 Apr 2018, 10:09)

Industrie 4.0 führt dazu, dass Industrienationen wie Deutschland sich auf dem Weltmarkt gegen die Billiglohnländer durchsetzen können.

Dass das natürlich auch Probleme mit sich bringt, ist nicht von der Hand zu weisen. Sollte man deshalb seinen eigenen Erfolg kastrieren? Nein! Denn sonst werden wir bald abgehängt.

China ist im Übrigen unser schärfster Konkurrent. Die kaufen sich nicht umsonst bei beispielsweisen deutschen Roboterherstellern ein (Kuka) .

Afrika und Indien werden abgehängt werden. Ebenso viele arabische Staaten. Selbstverständlich sollte jemand so schnell wie möglich und so gründlich wie möglich eine annehmbare Lösung dafür präsentieren. Der Verzicht auf Automatisierung ist keine Lösung.


Stringente Geburtenkontrolle wäre so eine Lösung, oder bessere globale Verteilung der Produktion,Bildung und der Geldflüsse. Wie wir wissen senkt Wohlstand und Bildung die Geburtenrate.
Das Banale braucht man nicht zu schälen.
Alpha Centauri
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Re: Führt "Industrie 4.0" zunehmend zur Deglobalisierung?

Beitragvon Alpha Centauri » Di 17. Apr 2018, 11:38

relativ hat geschrieben:(17 Apr 2018, 10:18)

Stringente Geburtenkontrolle wäre so eine Lösung, oder bessere globale Verteilung der Produktion,Bildung und der Geldflüsse. Wie wir wissen senkt Wohlstand und Bildung die Geburtenrate.



Diese ungleiche Verteilung von Wohlstand ist aber ein Hauptproblem unserer Zeit .Die Hauptfluchtursache neben Kriegen bzw.Bürgerkriegen, korrupten und instabilen Staaten und Klima ist nun mal dass globale ökonomische Nord- Süd Gefälle,
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H2O
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Re: Führt "Industrie 4.0" zunehmend zur Deglobalisierung?

Beitragvon H2O » Di 17. Apr 2018, 13:36

Polibu hat geschrieben:(17 Apr 2018, 10:09)

Industrie 4.0 führt dazu, dass Industrienationen wie Deutschland sich auf dem Weltmarkt gegen die Billiglohnländer durchsetzen können.

Dass das natürlich auch Probleme mit sich bringt, ist nicht von der Hand zu weisen. Sollte man deshalb seinen eigenen Erfolg kastrieren? Nein! Denn sonst werden wir bald abgehängt.

China ist im Übrigen unser schärfster Konkurrent. Die kaufen sich nicht umsonst bei beispielsweise deutschen Roboterherstellern ein (Kuka) .

Afrika und Indien werden abgehängt werden. Ebenso viele arabische Staaten. Selbstverständlich sollte jemand so schnell wie möglich und so gründlich wie möglich eine annehmbare Lösung dafür präsentieren. Der Verzicht auf Automatisierung ist keine Lösung.


Hier sitzen Sie meiner Meinung nach einer Fehleinschätzung auf. Ich meine nämlich, daß die Herstellung von nachgefragten Gütern am Ort der Rohstoffgewinnung angesiedelt werden wird. Also eigentlich genau da, wo Sie die Abgehängten dieser Erde vermuteten! Diese Veränderung wird auch die Herstellung von Industriemaschinen betreffen, also Ersatzteile für Fertigungsstraßen. Denn auch diese Maschinen enthalten überwiegend Rohstoffe, die eben nicht (mehr) in Deutschland oder Europa abgebaut werden können.
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Re: Führt "Industrie 4.0" zunehmend zur Deglobalisierung?

Beitragvon immernoch_ratlos » Do 19. Apr 2018, 08:11

Noch ein "Zufall" (s. Bargeld) die "Bertelsmann Stiftung" hat es in ihrer aktuell veröffentlichten Studie - mehr als 2.000 deutsche Teilnehmer an der "YouGov-Umfrage" herausgefunden :
WELT hat geschrieben:Die Forscher ließen nicht nur die Empfindungen gegenüber dem Welthandel und den offenen Grenzen in Deutschland messen, sondern in insgesamt zwölf Industrie- und Schwellenländern. Insgesamt wurden mehr als 14.000 Personen zu ihrer Einstellung gegenüber internationalem Austausch von Gütern und Dienstleitungen und der globalisierten Wirtschaft befragt. Hierzulande nahmen mehr als 2000 Personen an der YouGov-Umfrage teil, wodurch die Ergebnisse repräsentativ sind.
Auch die FAZ titelt dazu vielsagend : "Mehr Schutz für die Wirtschaft : Die Deutschen wünschen sich eine Globalisierung mit Sicherheitsgurt"
FAZ hat geschrieben:Mehr als die Hälfte der Menschen in Deutschland fordert einer Studie zufolge einen besseren Schutz der deutschen Wirtschaft vor ausländischen Wettbewerbern. 57 Prozent wünschen sich von der Bundesrepublik mehr Anstrengungen in diesem Bereich, wie eine am Donnerstag veröffentlichte Studie der Bertelsmann-Stiftung zeigt. 52 Prozent glauben zudem nicht, dass die Bundesregierung genug tut, um Bürger vor negativen Folgen der Globalisierung zu schützen.

Generell stehen die Deutschen der Globalisierung aber nicht mehrheitlich ablehnend gegenüber. Laut Befragung sagen nur 31 Prozent, dass sie einen schlechten Einfluss auf die Welt hat, 40 Prozent sehen sie positiv. Ähnliches gilt für den Handel mit anderen Ländern. 70 Prozent bewerten ihn 2018 positiv – mehr als noch im Jahr 2016 (56 Prozent).

„Die Menschen wünschen sich eine Globalisierung mit Sicherheitsgurt“, sagte Aart De Geus, Vorstandsvorsitzender der Bertelsmann-Stiftung, zu den Ergebnissen. Auf dieses Bedürfnis dürften Politik und Wirtschaft aber nicht mit „protektionistischen Irrwegen“ reagieren.
Nun ja UNS geht es ja dank erheblicher Exportüberschüsse auch recht gut. Bloß keine "allzu positive Entwicklung" bei allen, die unserer Produkte kaufen "müssen", meist, weil sie das selbst garnicht oder noch nicht so toll wie "wir" hinbekommen.

Für mich ein Indikator "unserer" gegenwärtigen Überlegenheit (ob sie "robust" ist wird sich zeigen) - unsere direkten Nachbarn UND Konkurrenten "euphemistisch Partner :p " genannt, sehen das in etwa so :
WELT hat geschrieben:In anderen Industriestaaten ist dieses Bedürfnis freilich noch stärker ausgeprägt. In Großbritannien verlangen 59 Prozent der Befragten, dass die heimische Wirtschaft besser vor ausländischen Konkurrenten geschützt werden müsse, in den USA sind es 61 Prozent und in Frankreich, dem wichtigsten Partner Deutschlands in der Europäischen Union, sogar hohe 75 Prozent. :(

Frankreichs schmerzhafter Anpassungsprozess
Überhaupt scheinen globalisierungskritische Ideologien in Frankreich geradezu beheimatet zu sein. Besonders ausgeprägt sind zum Beispiel die Bedenken der Franzosen, was die Qualität von Produkten anbelangt, die durch offene Grenzen ins Land strömen. Möglicherweise spielt dabei auch die Agrartradition Frankreichs eine Rolle, die schon seit Jahrhunderten auf landwirtschaftliche Erzeugnisse hoher und höchster Güte setzt.
Vergleicht man dieses sicher nicht nur europäische "Schutzbedürfnis" (man weiß ja irgendwie schon was "wir" da anderwärts anrichten) ist der Abstand wie ein "Platzhalter" für die eigenen Bemühungen, unsere Waren nach "draußen" zu verkaufen : 75% F, 61% USA, 59% UK und D 52% - zu den Franzosen sind Deutsche immerhin 23% weniger ängstlich.... wer hätte das gedacht, bei all der sonstigen "German Angst" :thumbup:
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Re: Führt "Industrie 4.0" zunehmend zur Deglobalisierung?

Beitragvon MRP » So 22. Apr 2018, 03:39

Ich dachte an Deglobalisierung im Handel und Produktionsstopp. Das Boot Erde ist m.E. stark über laden.
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Re: Führt "Industrie 4.0" zunehmend zur Deglobalisierung?

Beitragvon Undercover04 » So 22. Apr 2018, 15:27

"Führt "Industrie 4.0" zunehmend zur Deglobalisierung?"

Nun erstmal suggeriert diese Frage, es gäbe eine "zunehmende Deglobalisierung. Unabhängig von der URsache dieser Deglobalisierung - ist das denn überhaupt der Fall? Wie genau läuft eine sogenannte "Deglobalisierung" eigentlich ab?
Nun, offensichtlich ist "Deglobalisierung" das Gegenteil zu "Globalisierung". Demzufolge müssten gewisse Gesichtspunkte, die eine Globalisierung anzeigen, bei einer Deglobalisierung umgekehrt auftreten oder negiert werden.
Was sind denn nun aber solche Gesichtspunkte?
Auf der Seite der Bundeszentrale für politische Bildung gibt es eine interessante Sammlung von Zahlen und Fakten: https://www.bpb.de/nachschlagen/zahlen-und-fakten/globalisierung/. Hier wird, wenig überraschend, "Vernetzung" als ein wichtiges Element der Globalisierung genannt. Folgt man den Links kommt man zu weiteren interessanten Statistiken: So ist da zuerst der Tourismus zwischen den Ländern. Tourismus ist ein guter Indikator für Globalisierung, da im Zuge einer Globalisierung andere Länder interessanter werden, da man mehr über sie erfährt. Darum möchte man sie auch gern kennenlernen - klingt simpel, ist aber kaum zu wiederlegen.
Jedenfalls: Laut dieser Seite stieg der Tourismusverkehr zwischen 1950 und 2015 von 25,3 Millionen auf 1,18 Milliarden Personenankünfte - mehr als 70 (!) mal so viel. Einen solchen Anstieg in der Branche hat es zuvor nie gegeben - und die Zahl wächst immer weiter. Laut statista.com wurde der Rekord auch 2016 erneut gebrochen. Ebenfalls interessant ist der Vergleich zwischen entwickelten und weniger entwickelten Nationen:
Von den 1,18 Milliarden Personen-Ankünften des Jahres 2015 entfielen 54,7 Prozent auf die ökonomisch entwickelten Staaten und 45,3 Prozent auf die ökonomisch sich entwickelnden Staaten. 1990 lagen die entsprechenden Werte noch bei 68,0 bzw. 32,0 Prozent.

An diesen Zahlen ist erkennbar, dass auch die "ökonomisch sich entwickelnden Staaten" (ich denke mal, hiermit sind auch wortwörtlich alle Länder, die nicht zur "1st world" gehören gemeint) für Touristen interessanter werden. Das heißt, dass sie von der Globalisierung zumindest in diesem Bereich profitiert haben.
Doch weg vom Tourismus: Eine weitere interessante Kategorie ist die der Sprache. Eben durch die Entwicklung des Internets und der sog. "4. Industriellen Revolution " hat Englisch einen unangefochtenen Status als Weltsprache erhalten. 1,75 Milliarden Menschen sprechen laut bpb.de relativ solides Englisch - eine unvorstellbar hohe Zahl. Auch die Tatsache, dass in nahezu jedem Bildungssystem die Wichtigkeit der englischen Sprache weiter hervorgehoben wird, spricht ebenfalls dafür, dass die Globalisierung ihren Zenit noch nicht überschritten hat - würde ein Land tatsächlich bewusst auf "Deglobalisierung" hinarbeiten, würde es der englischen Sprache deutlich weniger Bedeutung zumessen zugunsten direkter Nachbarn (z.B. in Deutschland wäre dann Polnisch/Tschechisch/Dänisch wichtiger als Englisch)

Dies sind nur zwei Beispiele, die mit Wirtschaft direkt noch nichts zu tun haben. Doch was will ich damit sagen?

Ich bin der Meinung, dass die Globalisierung nach wie vor in vollem Gange ist. Die Amerikanisierung der Welt schreitet weiter fort. Und auch die Vernetzung der Welt untereinander wird immer stärker. Junge Menschen aus Entwicklungsländern bekommen immer mehr mit, welche Chancen sie haben und was sie aus sich machen können.

Das sind alles nur Gedankenanstöße, die Ausgangsfrage kann ich nicht zufriedenstellend beantworten. Allerdings habe ich noch einen beeindruckenden Link, der klar zeigt, wie explosionsartig die Vernetzung auch in jüngster Vergangenheit stattfand: https://www.bpb.de/nachschlagen/zahlen- ... munikation
Meiner Meinung nach ist also nicht abzusehen, dass das Phänomen Globalisierung aufgrund der "Industrie 4.0" den Rückzug antreten wird. Dennoch wird der Kampf um Arbeitsplätze erbitterter, die Ungerechtigkeit größer und die Ausbeutung unmenschlicher. Das allerdings sind alles Probleme der freien Marktwirtschaft und des Kapitalismus. Es hätte /hat sie auch ohne Globalisierung gegeben.

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