26% der Azubis brechen ihre Lehre ab

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frems
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26% der Azubis brechen ihre Lehre ab

Beitragvon frems » Do 5. Apr 2018, 08:57

Das Thema Ausbildung hatten wir ja schon mehrmals, u.a. dass die Zahl der Ausbildungsplätze sinkt (http://politik-forum.eu/viewtopic.php?f ... 8#p3061168), viele Stellen trotzdem unbesetzt bleiben (http://politik-forum.eu/viewtopic.php?f ... 6#p3229296) und dass wir möglicherweise zu viele Studenten in Deutschland haben (http://politik-forum.eu/viewtopic.php?f ... 5#p1769085). Wie man nun lesen konnte, bricht mehr als jeder vierte Azubi seine Ausbildung ab. Und bevor nun die Babyboomer quaken: nein, das heißt nicht, dass die alle an Prüfungen scheitern, überfordert sind und dass ihr schon als Viertklässler früher mehr drauf hattet als die heutigen Azubis. Die (meist) jungen Männer und Frauen kündigen.
Fast 150.000 Lehrlinge sind 2016 frühzeitig aus ihrem Ausbildungsvertrag ausgestiegen - ein neuer Höchststand. Einige Berufsgruppen sind davon besonders betroffen, heißt es in einem Zeitungsbericht. [...]

Besonders betroffene Berufsgruppen sind Köche, Restaurantfachkräfte oder Friseure - in diesen Jobs schmeißt sogar etwa jeder zweite Azubi hin. [...]

Am höchsten sei der Anteil der Abbrecher bei angehenden Sicherheitsfachkräften mit 50,6 Prozent, am niedrigsten mit 4,1 Prozent bei Azubis, die Fachangestellte in der Verwaltung werden wollen, heißt es in dem Bericht weiter.

http://www.spiegel.de/karriere/ausbildu ... 01144.html
Ein Viertel aller Berufsausbildungen wird abgebrochen, in einigen Berufen wie Koch, Friseur, Securityfachmann sogar die Hälfte. Zähne zusammenbeißen, Arschbacken zusammenkneifen, Lehrjahre sind keine Herrenjahre, was man anfängt, bringt man auch zu Ende – die alten Sprüche, mit denen wir früher traktiert wurden, ziehen also offenbar nicht mehr so richtig bei der schlimmen, schlimmen Jugend.

https://www.welt.de/debatte/kommentare/ ... lueck.html

Nun gut, schaut man sich die 70er und 90er an, dann war es stets in dieser Größenordnung von konstant über 20%: http://www.bildungswissenschaftler.de/s ... abbrueche/

Was was hält die werte Userschaft von diesen -- ob nun stagnierenden oder leicht steigenden -- Zahlen? Beunruhigend? Wer ist da gefordert? Verwundert Euch, dass Azubis vor allem in Friseursalons und Securityfirmen kündigen (und vermutlich etwas anderes gefunden haben)? Wie könnte man hier entgegensteuern? Oder einfach laufen lassen und alles ist okay? Und habt Ihr (bzw. Bekannte von Euch) Erfahrungen mit abgebrochenen Lehren? Was waren die Gründe?
Labskaus!

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Milady de Winter
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Re: 26% der Azubis brechen ihre Lehre ab

Beitragvon Milady de Winter » Do 5. Apr 2018, 09:39

Interessantes Thema. Im Beitrag unter Deinem letzten Link aus den frühen 2000ern steht u.a.:

Kretschmer schreibt weiter: „[…] die Gründe für den Abbruch in ganz konkreten Erfahrungen mit der Ausbildung im Betrieb. Denn nur vier Prozent haben es sich offenbar noch schnell anders überlegt und den Vertrag vor Ausbildungsbeginn gekündigt. Der überwiegende Anteil der Ausbildungsverträge wurde im ersten Ausbildungsjahr gelöst, die Hälfte davon bereits in der Probezeit. Offensichtlich ist es auch nicht so, dass die jungen Leute zur späten Einsicht kamen, dass sie den falschen Beruf gewählt hätten oder für das Lehrlingsdasein generell nicht taugten. Denn jeder zweite Befragte begann nach der Vertragslösung erneut eine Berufsausbildung, davon mehr als die Hälfte wieder in dem Beruf, in dem sie ihre Ausbildung begonnen hatte.“ (vgl. changeX, 2003)

Unter Berücksichtigung von Mehrfachnennungen wurden in einer Erhebung des BIBB 2002 über die „Gründe von Vertragslösung bei Ausbildungsverhältnissen“ folgende Gründe für die Lösung festgestellt. Dies sind zu 70 % Betriebliche/Persönliche Gründe und zu 30 % Berufswahl bezogene Gründe. Auch diese Gründe sind nach wie vor die gleichen geblieben. Ebenfalls der Umstand, dass mehr als die Hälfte der Abbrecher nicht das System verlassen, sondern sich anderweitig darin orientierten.



Die Frage ist, ob das immernoch so ist. Denn es ist ein Unterschied, ob ich merke, dass mir der Beruf einfach nicht liegt oder ob ich ggf. mit manchen "Gegebenheiten" nicht klar komme. Darunter können dann tatsächlich auch Dinge fallen wie Verpflichtungen nachgehen, jeden Tag dort aufschlagen, auch mal was tun, was einem missfällt, weniger Freizeit als vorher haben, nicht die große Kohle verdienen, sich "was sagen lassen müssen", etc. Das sind halt so Dinge, die einem tendenziell überall passieren. Wer damit ein generelles Problem hat, der wird sich überall in der Ausbildung schwer tun.

Es sind ganz sicher auch immer Betriebe dabei, wo das Klima einfach so unterirdisch ist, dass man nur hinschmeißen kann - vor allem, wenn man sich gerade mal am Anfang seiner beruflichen Laufbahn befindet und noch keine Erfahrungen gemacht hat, die einen ggf. abgehärtet haben.

Gerade bei so Berufen wie Koch, Friseur und Security kann ich mir vorstellen, dass sich da viele Azubis was anderes drunter vorgestellt haben. Ist halt nicht so funny wie Tim Mälzer vs. Roland Trettl beim Erlebniskochen, und Haare von der Omma zusammenkehren ist halt nicht so, wie bei den Oscars die Stars stylen. Und wer als Securityfachmann keinen Anzug, einen Audi A8, dicke Waffen und ne süße Schnecke im Kofferraum kriegt, der rafft irgendwann auch, dass sowas eigentlich nur Jason Statham im "Transporter" vorbehalten ist.

Fazit: es wird immer einen Teil geben, der zu wenig Antrieb hat, um sich das von Anfang an anzutun. Bleibt dennoch zu hoffen, dass von irgendwoher der nötige Arschtritt kommt, damit der Großteil doch noch was gebacken kriegt. Und dem Teil, der merkt, dass der gewählte Beruf doch so gar nichts für ihn ist, dem hätte ich vorab zu einem Praktikum geraten. Solche Einblicke sind echt unbezahlbar, und sie öffnen einem sehr schnell die Augen, wenn Theorie und Praxis auf einmal meilenweit auseinanderklaffen.
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Der Neandertaler
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Re: 26% der Azubis brechen ihre Lehre ab

Beitragvon Der Neandertaler » Do 5. Apr 2018, 10:39

Hallo frems.
Vorab: Dein Beitrag erscheint im Forum doppelt. Schon bekannt?
... zum Thema:
frems hat geschrieben:Thema Ausbildung ... bricht mehr als jeder vierte Azubi seine Ausbildung ab.
[...]
Beunruhigend? Wer ist da gefordert? ... entgegensteuern? ... laufen lassen und alles ist okay?
Als Beunruhigend würde ich nur empfinden, wenn sich niemand über das Ganze Gedanken machen würde:
    Warum? und Weshalb?
Es ist durchaus logisch, daß, wie gesagt wurde, teilweise falsche Erwartungvoraussetzungen vorhanden sind. Falsche Vorstellungen als auch falsche und teilweise überbordende Ansprüche seitens der Jugendlichen. Dazu kann auch beigetragen haben, daß etwa TV-Sendungen nicht unbedingt die Realität abbilden.

Wenn nun (mal wieder) das Gastgewerbe zur oberen Gruppe gehört, in der die meisten Ausbildungsabbrecher vorhanden sind, mag dies einerseits an den falschen Erwartungvoraussetzungen seitens der Jugendlichen liegen. Allerdings hat sich auch der Gast geändert. Er ist wohl zunehmend weniger bereit seine Vorstellungen von Service an den (vorhandenen) Service anzupaßen - dies geschieht eher umgekehrt: er möchte seine Vorstellungen und Ansprüche durchsetzen. Bei alledem muß die Bedienung ... muß die oder der Rezeptionsangetellte immer freundlich bleiben.
    ... auch bei unmöglichen Äußerungen und Vorstellungen.
Falsch wäre es nun, die Anforderungen der Ausbildungsberufe der Realität der Auszubildenden anzupassen. Denn zum größten Teil finden jawohl die Abbrecher doch noch ihren Ausbildungsberuf, der zu ihnen paßt.

Da ja unbesetzte Ausbildungsberufe nicht immer dort vorhanden sind, wo auch die (Wunsch-) Kandidaten zuhauf vorhanden sind, deshalb dürfte es jawohl auch so sein, daß man eine Ausbildung anfängt, die zwar nicht (direkt) seinen Wunschvorstellungen entpricht ... aber eine Ausbildung ist allemal besser als gar keine. Und wenn sich dann doch die Wunsch-Ausbildung ergibt, wird einfach gewechselt.
    somit kommen wir wieder zu den oben genannten (falschen) Erwartungvoraussetzungen.
Fazit:
    die Gründe der (zunehmenden) Zahl der Ausbildungsabbrecher wird wohl vielschichtig sein. Beunruhigend finde ich dies vorerst nicht, allerdings schon be- und nachdenkenswert.
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Provokateur
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Re: 26% der Azubis brechen ihre Lehre ab

Beitragvon Provokateur » Do 5. Apr 2018, 16:17

Es kommt auch darauf an, wie Lehrlinge behandelt werden.

Mein Bruder ist gelernter Koch. Seit bald 11 Jahren ist er als Mannschaftssoldat bei der Bundeswehr. Er hat als Fallschirmjäger angefangen...richtig, verrückte Leute, die aus Flugzeugen fallen und nichts als Tod und Verderben im Gepäck haben.
Wenn er mir sagt, dass er in seiner Grundausbildung bei der verrücktesten und krankesten Truppengattung, die unsere Armee hat, besser behandelt wurde als in seiner Ausbildung zum Koch, dann will das schon etwas bedeuten.

Und es kann einen Hinweis darauf geben, warum so viele Kochazubis abbrechen.
Harry riss sich die Augen aus dem Kopf und warf sie tief in den Wald. Voldemort schaute überrascht zu Harry, der nun nichts mehr sehen konnte.
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Rote_Galaxie
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Re: 26% der Azubis brechen ihre Lehre ab

Beitragvon Rote_Galaxie » Do 5. Apr 2018, 16:28

Ich glaube dass unser Schulsystem reformiert werden muss dieses 19. Jahrhundert Denken muss sich verändern.
In ein zeitgemäßes Lernen.
Und wer kontrolliert die Kontrolle?
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Re: 26% der Azubis brechen ihre Lehre ab

Beitragvon zollagent » Do 5. Apr 2018, 17:00

Was wäre denn "zeitgemäß"? Und wie müßte die Ausbildung verändert werden? Nach meiner Erfahrung brechen im Handwerk viele die Ausbildung ab, weil sie mehr als Hilfskräfte mit kurzer Anlernzeit behandelt werden als ausgebildet werden.
Wer an Absurditäten glaubt, wird Abscheulichkeiten begehen. (Voltaire)
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Re: 26% der Azubis brechen ihre Lehre ab

Beitragvon Tom Bombadil » Do 5. Apr 2018, 17:09

Ich denke, dieses Problem hat vielfältige Gründe. Junge Menschen auszubilden lohnt sich für viele Betriebe nicht, weil es teuer ist, Zeit kostet und eben manchmal (zu oft?) ohne Erfolg bleibt. Und das dann in einer Zeit, in der alles immer schneller gemacht werden muss und bloss nichts kosten darf. Die junge Leute wollen natürlich auch etwas lernen und auch in der Zeit schon ein bisschen was verdienen, das kollidiert mit "immer schneller" und "darf bloß nichts kosten". Viele Chefs und Ausbilder sind auch einfach nur A-Löcher, wer darauf keine Lust hat, den kann ich auch verstehen, ich kenne genügend von diesen Typen. Und natürlich gibt es auch faule, lernresistente und unfähige Azubis, aber immerhin 74% ziehen ihre Ausbildung durch, das finde ich keinen so schlechten Wert. Um die 26% muss sich aber gekümmert werden (falls sie es nicht schon selber getan haben), damit sie eine andere Ausbiuldung oder ein Studium machen.
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Rote_Galaxie
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Re: 26% der Azubis brechen ihre Lehre ab

Beitragvon Rote_Galaxie » Do 5. Apr 2018, 17:54

zollagent hat geschrieben:(05 Apr 2018, 18:00)

Was wäre denn "zeitgemäß"? Und wie müßte die Ausbildung verändert werden? Nach meiner Erfahrung brechen im Handwerk viele die Ausbildung ab, weil sie mehr als Hilfskräfte mit kurzer Anlernzeit behandelt werden als ausgebildet werden.


Man muss das Lernen dem Wissenstand und der Stufe der Psyche anpassen.
Man muss Verstehen vor Auswendig lernen setzen.
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Re: 26% der Azubis brechen ihre Lehre ab

Beitragvon jack000 » Do 5. Apr 2018, 18:41

Rote_Galaxie hat geschrieben:(05 Apr 2018, 17:28)

Ich glaube dass unser Schulsystem reformiert werden muss dieses 19. Jahrhundert Denken muss sich verändern.
In ein zeitgemäßes Lernen.

Das sehe ich genau so! In Der Schule lernt man weitestgehend sowieso fast nur Schrott (Abiturienten, die 13 Jahre Schule hinter sich haben können nicht mal einen Fahrkartenautomaten der Bahn bedienen).

Ebenso sollten Ausbildungszeiten deutlich reduziert werden (Vor allem in technischen Berufen!) und modular möglich sein!
=> Das lernen was wichtig für die aktuelle Zeit ist!

Insgesamt werden durch das aktuelle System zu viele Sesselpupser herangezüchtet (Schule/Ausbildung/Studium) die letztendlich nichts anderes machen als anderen Mitbürgern das Leben schwerer ...
Es wird sogar nicht mehr im PF geleugnet: "Ja die Gewalt gegen Frauen hat bedingt durch Zuwanderung zugenommen, und jetzt?"
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Re: 26% der Azubis brechen ihre Lehre ab

Beitragvon zollagent » Do 5. Apr 2018, 18:47

Rote_Galaxie hat geschrieben:(05 Apr 2018, 18:54)

Man muss das Lernen dem Wissenstand und der Stufe der Psyche anpassen.
Man muss Verstehen vor Auswendig lernen setzen.

Genau Letzteres wird doch an den Gymnasien betrieben. Ich bin einer der Ersten, die in den Genuß der sog. "Mainzer-Studien-Stufe" kamen, in dem 3 Leistungsfächer und 6 Kernfächer gefordert wurden, die man wählen konnte. Ich denke schon, daß ich genau dieses gelernt habe. Übrigens dient Lernen auch dem Ausweiten des Wissensstandes und muß daher nicht angepaßt werden.
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Re: 26% der Azubis brechen ihre Lehre ab

Beitragvon Misterfritz » Do 5. Apr 2018, 19:22

jack000 hat geschrieben:(05 Apr 2018, 19:41)Ebenso sollten Ausbildungszeiten deutlich reduziert werden (Vor allem in technischen Berufen!) und modular möglich sein!
Gerade bei Berufen, in denen viel Praktisches gelernt werden muss, da halte ich eine Verkürzung nicht für sinnvoll.
Man könnte vom reinen Lernen einige Berufsausbildungen kürzen, z.B. Bürokaufleute. Allerdings ist bei denen denen der Schulstoff doch recht umfangreich.

Was wir immer hoffen bei unseren Azubis: Dass wir sie "erwachsen" bekommen, d.h., dass sie kapieren, dass Arbeit zwar auch Spass machen kann, aber eben auch langweilige Routine zu Arbeitsleben dazu gehört, dass man nicht wegen jedem Pickel am Hintern 4 Tage krank macht, dass Mitdenken einem selbst das Leben leichter macht, Konstanz in der Arbeitsleistung, etc., pp. Das ist - meines Erachtens - das Schwierigste. Die jeweilgen Sachen für das Büro (das ist ja in jedem Betrieb anders), kann man meist recht schnell vermitteln (es sei denn, Jemand möchte gerne in die Buchhaltung, habe ich aber nur einmal erlebt und das Interesse des Azubis war schnell vorbei ;) ).
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Re: 26% der Azubis brechen ihre Lehre ab

Beitragvon Milady de Winter » Do 5. Apr 2018, 19:38

Misterfritz hat geschrieben:(05 Apr 2018, 20:22)

Gerade bei Berufen, in denen viel Praktisches gelernt werden muss, da halte ich eine Verkürzung nicht für sinnvoll.
Man könnte vom reinen Lernen einige Berufsausbildungen kürzen, z.B. Bürokaufleute. Allerdings ist bei denen denen der Schulstoff doch recht umfangreich.

Was wir immer hoffen bei unseren Azubis: Dass wir sie "erwachsen" bekommen, d.h., dass sie kapieren, dass Arbeit zwar auch Spass machen kann, aber eben auch langweilige Routine zu Arbeitsleben dazu gehört, dass man nicht wegen jedem Pickel am Hintern 4 Tage krank macht, dass Mitdenken einem selbst das Leben leichter macht, Konstanz in der Arbeitsleistung, etc., pp. Das ist - meines Erachtens - das Schwierigste. Die jeweilgen Sachen für das Büro (das ist ja in jedem Betrieb anders), kann man meist recht schnell vermitteln (es sei denn, Jemand möchte gerne in die Buchhaltung, habe ich aber nur einmal erlebt und das Interesse des Azubis war schnell vorbei ;) ).

Viele der Eigenschaften, die Du nennst, stecken aber entweder weitestgehend schon drin oder man kriegt sie nie vollends auf die Kette. Ich seh das ja auch ständig - egal, auf welchem Wissens- oder Erfahrungsstand die Leute sind: diejenigen, die von Haus aus Interesse, Proaktivität, Commitment, Leidenschaft und Ehrgeiz mitbringen, die kriegst du i.a. immer dahin, wo du sie haben willst. Vor allem da, wo es eben nicht um den klassischen 9 to 5 Job geht. Wem diese Eigenschaften abgehen, den kannst du im Grunde abschreiben.
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Re: 26% der Azubis brechen ihre Lehre ab

Beitragvon Misterfritz » Do 5. Apr 2018, 19:41

Milady de Winter hat geschrieben:(05 Apr 2018, 20:38)

Viele der Eigenschaften, die Du nennst, stecken aber entweder weitestgehend schon drin oder man kriegt sie nie vollends auf die Kette. Ich seh das ja auch ständig - egal, auf welchem Wissens- oder Erfahrungsstand die Leute sind: diejenigen, die von Haus aus Interesse, Proaktivität, Commitment, Leidenschaft und Ehrgeiz mitbringen, die kriegst du i.a. immer dahin, wo du sie haben willst. Vor allem da, wo es eben nicht um den klassischen 9 to 5 Job geht. Wem diese Eigenschaften abgehen, den kannst du im Grunde abschreiben.
Das ist richtig. Dennoch versuchen wir alle Azubis "durchzukriegen", was nicht immer gelingt.
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Re: 26% der Azubis brechen ihre Lehre ab

Beitragvon Milady de Winter » Do 5. Apr 2018, 19:51

Misterfritz hat geschrieben:(05 Apr 2018, 20:41)

Das ist richtig. Dennoch versuchen wir alle Azubis "durchzukriegen", was nicht immer gelingt.

Das ist auch lobenswert in meinen Augen, denn bei manchen tut sich der eine oder andere Knoten noch auf. Nur bei einigen ist Hopfen und Malz verloren. Und wenn man das erkennt, dann sollte eigentlich Schicht sein. Das beziehe ich übrigens auf Mitarbeiter im allgemeinen, nicht speziell nur auf Auszubildende.
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Re: 26% der Azubis brechen ihre Lehre ab

Beitragvon Misterfritz » Do 5. Apr 2018, 20:04

Milady de Winter hat geschrieben:(05 Apr 2018, 20:51)

Das ist auch lobenswert in meinen Augen, denn bei manchen tut sich der eine oder andere Knoten noch auf. Nur bei einigen ist Hopfen und Malz verloren. Und wenn man das erkennt, dann sollte eigentlich Schicht sein. Das beziehe ich übrigens auf Mitarbeiter im allgemeinen, nicht speziell nur auf Auszubildende.
Auch das ist richtig, aber Azubis sind doch etwas schwieriger loszuwerden.
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Re: 26% der Azubis brechen ihre Lehre ab

Beitragvon Rote_Galaxie » Do 5. Apr 2018, 20:10

zollagent hat geschrieben:(05 Apr 2018, 19:47)

Genau Letzteres wird doch an den Gymnasien betrieben. Ich bin einer der Ersten, die in den Genuß der sog. "Mainzer-Studien-Stufe" kamen, in dem 3 Leistungsfächer und 6 Kernfächer gefordert wurden, die man wählen konnte. Ich denke schon, daß ich genau dieses gelernt habe. Übrigens dient Lernen auch dem Ausweiten des Wissensstandes und muß daher nicht angepaßt werden.


Wenn alle identisch behandelt werden trägt dies zu Deindividualisierung bei.
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Re: 26% der Azubis brechen ihre Lehre ab

Beitragvon zollagent » Do 5. Apr 2018, 20:13

Rote_Galaxie hat geschrieben:(05 Apr 2018, 21:10)

Wenn alle identisch behandelt werden trägt dies zu Deindividualisierung bei.

Das muß man umgekehrt sehen: Wer einen bestimmten Abschluß haben will, der muß einen Mindeststandard an Wissen erfüllen. Anders herum werdenm die gleichen Abschlüsse vergeben für unterschiedliche Wissenslevel.
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Re: 26% der Azubis brechen ihre Lehre ab

Beitragvon Rote_Galaxie » Do 5. Apr 2018, 20:32

zollagent hat geschrieben:(05 Apr 2018, 21:13)

Das muß man umgekehrt sehen: Wer einen bestimmten Abschluß haben will, der muß einen Mindeststandard an Wissen erfüllen. Anders herum werdenm die gleichen Abschlüsse vergeben für unterschiedliche Wissenslevel.


Man kann von einem Fisch nicht verlangen auf einen Baum zu klettern. Schüler und Studenten brauchen Wissen und Abschlüsse aber der Weg dahin ist im derzeitigen Schulsystem völliger Quatsch.
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Re: 26% der Azubis brechen ihre Lehre ab

Beitragvon Gilmoregirl » Do 5. Apr 2018, 20:36

Ja, woran liegt es?

Zum einen denke ich, dass den jungen Menschen zu wenig abverlangt wurde. Sie wachsen auf mit der Prämisse: was du nicht möchtest, musst du nicht tun! Sie bringen Begonnenes nicht mehr zu Ende, niemand motiviert sie, weiter zu machen, um zum Ziel zu kommen, um Erfolg zu haben.
Im Fernsehen gibts nur Superstars und Superköche, Models und in den Soaps sind sie Barbesitzer, Ärzte oder Designer. Der Handwerker ist der Loser, der belächelt wird. (Aber wie meinte Mario Barth neulich: die Studierten haben den BER geplant, Stuttgart 21 oder die Elbphilharmonie...aber die Handwerker bringen sie zum Laufen). Die jungen Leute wollen gern viel Geld für wenig aber nicht für schmutzige Arbeit bekommen. Sie haben nicht auf Vater gehört und Mutter hat sie weiter weichgespült. Zähne zusammenbeißen; Augen zu und durch! Wer lernt das heutzutage noch? Und dann sollen sie machen, was fremde Leute ihnen sagen???

Die andere Seite ist, dass gerade in Handwerksbetrieben kaum zeit für die jungen Leute ist oder dass da selten ein Lehrmeister arbeitet, der eben nur für die Azubis da ist. Sie fahren mit auf Baustelle, sind Handlanger und müssen mit den Augen klauen. Wenn sie schlau sind, tun sie das und sperren ihre Ohren auch noch auf, nutzen ihren Mund zum Fragen.

Und es gibt eben auch Betriebe, da ist das Klima einfach nur übel. Und wenn die eigene Vorstellung über einen Job nicht mit der Realität übereinstimmt oder man merkt, das liegt mir nicht, ist es besser rechtzeitig aufzuhören als wertvolle Zeit zu verschwenden.
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Re: 26% der Azubis brechen ihre Lehre ab

Beitragvon Teeernte » Do 5. Apr 2018, 20:38

Weicheier ! Kein bischen Härte. ...keinen Biss. Sobald eine Hürde kommt ....kneifen. Verwöhnte Göhren.
Obs zu kalt, zu warm, zu trocken oder zu nass ist:.... Es immer der >>menschgemachte<< Klimawandel. :D

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