Handelskrieg

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Re: Handelskrieg

Beitragvon DarkLightbringer » Mo 18. Jun 2018, 10:30

zollagent hat geschrieben:(18 Jun 2018, 11:20)

Noch immer kenne ich keine konkreten Kritiken. Ich selber habe ja eine einschlägige Ausbildung und halte aufgrund meines erlernten Lehrstoffs und auch meiner beruflichen Erfahrungen Flassbecks Thesen für weltfremde Thesen aus dem Elfenbeinturm. Daß diese Thesen in der aktuellen Wirtschaftswissenschaftlichen Debatte auch keine Rolle spielen, sondern allenfalls eine Randmeinung darstellen, stützt meine Ansicht.

Gleichwohl hat eine wie auch immer geartete wirtschaftswissenschaftliche Debatte doch nichts damit zu tun, ob jemand an die Äußerungen früherer US-Präsidenten erinnert.

Wenn sich ein umstrittener Physiker an Reagan erinnerte, wäre dabei das Atommodell doch nicht entscheidend.
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Re: Handelskrieg

Beitragvon zollagent » Mo 18. Jun 2018, 10:34

DarkLightbringer hat geschrieben:(18 Jun 2018, 11:30)

Gleichwohl hat eine wie auch immer geartete wirtschaftswissenschaftliche Debatte doch nichts damit zu tun, ob jemand an die Äußerungen früherer US-Präsidenten erinnert.

Wenn sich ein umstrittener Physiker an Reagan erinnerte, wäre dabei das Atommodell doch nicht entscheidend.

Dann versuch doch mal, diese Äußerungen früherer US-Präsidenten zu zitieren. Nur, wenn ich sie kenne, kann ich was damit anfangen.
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Re: Handelskrieg

Beitragvon DarkLightbringer » Mo 18. Jun 2018, 10:35

zollagent hat geschrieben:(18 Jun 2018, 11:20)

Noch immer kenne ich keine konkreten Kritiken. Ich selber habe ja eine einschlägige Ausbildung und halte aufgrund meines erlernten Lehrstoffs und auch meiner beruflichen Erfahrungen Flassbecks Thesen für weltfremde Thesen aus dem Elfenbeinturm. Daß diese Thesen in der aktuellen Wirtschaftswissenschaftlichen Debatte auch keine Rolle spielen, sondern allenfalls eine Randmeinung darstellen, stützt meine Ansicht.

Nun gut, auch die >>FAZ<< hat offenbar eine Erinnerung, anno 2017:
Die Kritik an ihrer Exportstärke kennen die Deutschen mittlerweile gut, auch aus Amerika. Vertreter der im Januar angetretenen Regierung Trump und der Präsident selbst sind - diplomatisch ausgedrückt - etwas „direkter“ in dieser Sache. Erfunden haben sie die Kritik nicht. Auch die Administration seines Vorgängers Barack Obama nicht, die deutlich höflicher dazu „geraten“ hat, die Deutschen sollten in eigenem Interesse dafür sorgen, dass ihr Handelsüberschuss etwas kleiner wird.
http://www.faz.net/aktuell/wirtschaft/t ... 33276.html
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Re: Handelskrieg

Beitragvon zollagent » Mo 18. Jun 2018, 10:37

DarkLightbringer hat geschrieben:(18 Jun 2018, 11:35)

Nun gut, auch die >>FAZ<< hat offenbar eine Erinnerung, anno 2017:
http://www.faz.net/aktuell/wirtschaft/t ... 33276.html

Aha, noch mehr Hörensagen. Die passende Antwort wäre, im eigenen Interesse mehr zu leisten und dabei Angebote zu machen, die letztlich beim Kunden auch ankommen. Wie wäre das?
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Re: Handelskrieg

Beitragvon TheManFromDownUnder » Mo 18. Jun 2018, 10:44

zollagent hat geschrieben:(18 Jun 2018, 10:45)

Ich frage mich, wie solch ein Entgegenkommen aussehen könnte. Es ist ja kein Fehler der Chinesen oder der Europäer, daß die USA ihrerseits nichts oder vielleicht besser, wenig anbieten, was in den jeweiligen Handelspartnerländern auch nachgefragt würde.


So sehe ich das auch. Ein paar Tonnen kalifornische Orangen mehr nach China machen keinerlei Differenz.

Was Trump immer (oder absichtlich) vergisst ist das amerikanische Firmen im Ausland fertigen und dort liefern und dort Gewinne machen. Die Gewinne gehen zurueck in die USA (sollte man glauben)

Halb China hat I-Phones, Google, Microsoft. Alle Prestige Marken wie Nike sind in der neuen China Mittelklasse hoch begehrt. Mac Donald, KFC, Gloria Jeans, Starbucks, haben mehr Filialen in China als sonst wo. Keine von diesen Firmen unterhaelt wegen des China Erfolges einen Arbeitsplatz in den USA! Aber die Gewinne gehen zurueck. Wenn nicht sollte Trump seine US Unternehmen fragen wohon sie gehen!
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Re: Handelskrieg

Beitragvon DarkLightbringer » Mo 18. Jun 2018, 10:50

zollagent hat geschrieben:(18 Jun 2018, 11:37)

Aha, noch mehr Hörensagen. Die passende Antwort wäre, im eigenen Interesse mehr zu leisten und dabei Angebote zu machen, die letztlich beim Kunden auch ankommen. Wie wäre das?

Berichtet wird, es habe hinter verschlossenen Türen Gespräche mit dem damaligen Finanzminister James Baker gegeben.
Gut, das ist natürlich deutlich höflicher, zumal es dann zu keinen konkreten Maßnahmen kam.

Zölle machen ein Produkt nicht besser, nur teurer.
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Re: Handelskrieg

Beitragvon DarkLightbringer » Mo 18. Jun 2018, 11:16

Hat Trumps Kritik einen wahren Kern?
Ja. Die deutschen Überschüsse werden nicht nur vom US-Präsidenten kritisiert, sondern auch von Organisationen wie dem Internationalen Währungsfonds und der OECD oder europäischen Politikern wie Frankreichs neuem Präsidenten Emmanuel Macron.
Hinter der Kritik steht nicht zuletzt die Sorge, dass große Ungleichgewichte neue Wirtschaftskrisen auslösen könnten.
http://www.spiegel.de/wirtschaft/untern ... 49382.html

Obama war schon netter, ohne Frage, aber man sollte jetzt nicht den Fehler machen, jedwede Realität auszublenden, um im trumpy style Wahlkampf zu machen.
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Re: Handelskrieg

Beitragvon zollagent » Mo 18. Jun 2018, 11:17

DarkLightbringer hat geschrieben:(18 Jun 2018, 11:50)

Berichtet wird, es habe hinter verschlossenen Türen Gespräche mit dem damaligen Finanzminister James Baker gegeben.
Gut, das ist natürlich deutlich höflicher, zumal es dann zu keinen konkreten Maßnahmen kam.

Zölle machen ein Produkt nicht besser, nur teurer.

Ich rede nicht von Zöllen, sondern von Produkten. Welches US-Produkt wird denn durch Zölle unattraktiv für den Verkauf auf dem europäischen Markt? Es gibt schlichtweg Keines. Gekauft wird, was die Kunden haben wollen. Und da haben die USA in erster Linie Nischenprodukte zu bieten, keine Waren, die massenhaft gekauft würden. Jeder Betriebswirtschaftler lernt zunächst, daß man sich am Kunden und seinen Wünschen orientieren muß. Den Kunden aufs Auge zu drücken, was sie eigentlich nicht brauchen, ist etwas, was man derzeit am Telekommunikationsmarkt sieht. In den USA sind die Märkte an den Interessen der Verkäufer orientiert, weniger an den Wünschen der Kunden. Und genau deshalb bleiben ja auch die dicken US-Autos beim Händler stehen und die Kunden kaufen Toyata, BMW, Mercedes, Audi, VW. Auch in der Landwirtschaft ist das ähnlich. Oder warum sonst sollten wohl bei den TTIP-Verhandlung Zutaten und verwendete Stoffe allenfalls maskiert benannt werden?
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Re: Handelskrieg

Beitragvon DarkLightbringer » Mo 18. Jun 2018, 11:40

zollagent hat geschrieben:(18 Jun 2018, 12:17)

Ich rede nicht von Zöllen, sondern von Produkten. Welches US-Produkt wird denn durch Zölle unattraktiv für den Verkauf auf dem europäischen Markt? Es gibt schlichtweg Keines. Gekauft wird, was die Kunden haben wollen. Und da haben die USA in erster Linie Nischenprodukte zu bieten, keine Waren, die massenhaft gekauft würden. Jeder Betriebswirtschaftler lernt zunächst, daß man sich am Kunden und seinen Wünschen orientieren muß. Den Kunden aufs Auge zu drücken, was sie eigentlich nicht brauchen, ist etwas, was man derzeit am Telekommunikationsmarkt sieht. In den USA sind die Märkte an den Interessen der Verkäufer orientiert, weniger an den Wünschen der Kunden. Und genau deshalb bleiben ja auch die dicken US-Autos beim Händler stehen und die Kunden kaufen Toyata, BMW, Mercedes, Audi, VW. Auch in der Landwirtschaft ist das ähnlich. Oder warum sonst sollten wohl bei den TTIP-Verhandlung Zutaten und verwendete Stoffe allenfalls maskiert benannt werden?

Es geht aber um die Zölle und nicht um die Vorstellung, deutsche Waren müssten schlechter werden. Die Autos sind gut, das stimmt - für die Handelsüberschüsse gibt es aber noch ganz andere Gründe.

Der Durchschnittszoll der EU liegt bei 5,2 Prozent, die USA verlangen im Vergleich lediglich 3,5 Prozent.

Eine schlichte Steuersenkung hier im Inland würde den Überschuss auch reduzieren - die Leute hätten mehr Geld und könnten sich Äpfel oder Weintrauben aus Florida leisten, die mit 17 bzw. 20 % Zoll belegt sind.
In dem Fall müssten die US-Weintrauben, die statt 1,50 Euro 1,80 Euro kosten, besonders wettbewerbsfähig sein.
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Re: Handelskrieg

Beitragvon zollagent » Mo 18. Jun 2018, 12:05

DarkLightbringer hat geschrieben:(18 Jun 2018, 12:40)

Es geht aber um die Zölle und nicht um die Vorstellung, deutsche Waren müssten schlechter werden. Die Autos sind gut, das stimmt - für die Handelsüberschüsse gibt es aber noch ganz andere Gründe.

Der Durchschnittszoll der EU liegt bei 5,2 Prozent, die USA verlangen im Vergleich lediglich 3,5 Prozent.

Eine schlichte Steuersenkung hier im Inland würde den Überschuss auch reduzieren - die Leute hätten mehr Geld und könnten sich Äpfel oder Weintrauben aus Florida leisten, die mit 17 bzw. 20 % Zoll belegt sind.
In dem Fall müssten die US-Weintrauben, die statt 1,50 Euro 1,80 Euro kosten, besonders wettbewerbsfähig sein.

Welche Gründe gibt es denn für die Handelsüberschüsse? Etwa, daß die US-Hersteller am Bedarf vorbeiproduzieren? Die "Durchschnittszölle" sind einfach nur ablenkender Unfug, weil sie keinen Blick auf die Gründe für die einzelnen Zölle erlauben. Spar dir also solche Pauschalitäten bitte künftig. Das bringt niemanden weiter.

Die Steuersenkung würde denn den potentiellen Nachfragern was bitte bringen? Für jeden Steuerzahler vielleicht 5 €. Und glaubst du im Ernst, es bestünde ein Bedarf an Weintrauben aus Kalifornien oder Florida, wo die Anbaugebiete doch schon fast in Reichweite für einen persönlichen Einkaufsbummel liegen? Damit wirst du die Unterschiede in der Handelsbilanz wohl kaum ausgleichen können. Dieses Marktsegment ist schlicht zu klein. Dazu kommt, daß in den USA Pestizide eingesetzt werden, die bei uns nicht erlaubt sind, wegen ihrer Gesundheitsschädlichkeit. Kredenze solche Wohltaten Herrn Trump, dem schmecken sie bestimmt gut. Deine Einlassungen sind genau das Abbild der Vorstellungen des Herrn Trump, geprägt von Wunschvorstellungen und weit von jeglicher Realität weg. Die Marktsegmente, in denen was zu bewegen wäre, sind weniger die für Endprodukte, sondern eher die für Halbzeuge und Zwischenprodukte. Da ginge was. Aber da haben die USA ja noch weniger zu bieten, als auf dem landwirtschaftlichen Sektor.
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Re: Handelskrieg

Beitragvon DarkLightbringer » Mo 18. Jun 2018, 12:18

zollagent hat geschrieben:(18 Jun 2018, 13:05)

Welche Gründe gibt es denn für die Handelsüberschüsse? Etwa, daß die US-Hersteller am Bedarf vorbeiproduzieren? Die "Durchschnittszölle" sind einfach nur ablenkender Unfug, weil sie keinen Blick auf die Gründe für die einzelnen Zölle erlauben. Spar dir also solche Pauschalitäten bitte künftig. Das bringt niemanden weiter.

Die Steuersenkung würde denn den potentiellen Nachfragern was bitte bringen? Für jeden Steuerzahler vielleicht 5 €. Und glaubst du im Ernst, es bestünde ein Bedarf an Weintrauben aus Kalifornien oder Florida, wo die Anbaugebiete doch schon fast in Reichweite für einen persönlichen Einkaufsbummel liegen? Damit wirst du die Unterschiede in der Handelsbilanz wohl kaum ausgleichen können. Dieses Marktsegment ist schlicht zu klein. Dazu kommt, daß in den USA Pestizide eingesetzt werden, die bei uns nicht erlaubt sind, wegen ihrer Gesundheitsschädlichkeit. Kredenze solche Wohltaten Herrn Trump, dem schmecken sie bestimmt gut. Deine Einlassungen sind genau das Abbild der Vorstellungen des Herrn Trump, geprägt von Wunschvorstellungen und weit von jeglicher Realität weg. Die Marktsegmente, in denen was zu bewegen wäre, sind weniger die für Endprodukte, sondern eher die für Halbzeuge und Zwischenprodukte. Da ginge was. Aber da haben die USA ja noch weniger zu bieten, als auf dem landwirtschaftlichen Sektor.

Wozu braucht man dann so hohe Zölle in Einzelfällen und im Durchschnitt höhere Zölle als die USA, wenn deren Produkte doch niemand kaufen will und sie überdies in Kampagnen dämonisiert werden ?

Im Handelsstreit mit den USA greifen die Europäer nicht nur notgedrungen mit Strafzöllen zu den gleichen Mitteln wie US-Präsident Donald Trump.
Auch dessen selektiver Umgang mit Fakten und Zahlen findet Nachahmer.
https://www.handelsblatt.com/politik/de ... 95570.html
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Re: Handelskrieg

Beitragvon zollagent » Mo 18. Jun 2018, 12:21

DarkLightbringer hat geschrieben:(18 Jun 2018, 13:18)

Wozu braucht man dann so hohe Zölle in Einzelfällen und im Durchschnitt höhere Zölle als die USA, wenn deren Produkte doch niemand kaufen will und sie überdies in Kampagnen dämonisiert werden ?

https://www.handelsblatt.com/politik/de ... 95570.html

Deine Frage solltest du beiden Parteien stellen. Nicht mir. Das ganze Gefüge resultiert aus Verhandlungen, also aus einer Einigung. Wenn Herr Trump meint, per Ordre de Mufti alles einfach umwerfen zu können, muß er sich über entsprechende Antworten nicht wundern. Er hat ja selbst gesagt, daß es für ihn Win-Win-Situationen nicht gibt. Nur Sieg oder Niederlage.

Es ist ohnehin bezeichnend, daß du auf denn Vorhalt des Vorbeiproduzierens am Kunden gar nicht eingehst. Und DA liegt der Hase im Pfeffer, nirgendwo sonst.
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Re: Handelskrieg

Beitragvon DarkLightbringer » Mo 18. Jun 2018, 12:34

zollagent hat geschrieben:(18 Jun 2018, 13:21)

Deine Frage solltest du beiden Parteien stellen. Nicht mir. Das ganze Gefüge resultiert aus Verhandlungen, also aus einer Einigung. Wenn Herr Trump meint, per Ordre de Mufti alles einfach umwerfen zu können, muß er sich über entsprechende Antworten nicht wundern. Er hat ja selbst gesagt, daß es für ihn Win-Win-Situationen nicht gibt. Nur Sieg oder Niederlage.

Es ist ohnehin bezeichnend, daß du auf denn Vorhalt des Vorbeiproduzierens am Kunden gar nicht eingehst. Und DA liegt der Hase im Pfeffer, nirgendwo sonst.

Ein "Vorbeiproduzieren" verlangt doch gar niemand. Und es wurde schon gesagt, dass deutsche Fahrzeuge der Premium-Klasse fraglos als hochwertiges Produkt gelten.

Aber wenn nun auf ein Produkt X beispielsweise nur 2,5 % Zoll erhoben würde statt 5 %, dann ist es ein bißchen günstiger - ob das Unternehmen dann "vorbeiproduziert" oder nicht. Das würde ja der Markt von sich aus regeln.

Im Moment hantieren beide Seiten mit "Halbwahrheiten", wie das >>Handelsblatt<< schreibt - jeweils auf Zahlen fußend, die mal so und mal so gedreht werden.
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Re: Handelskrieg

Beitragvon zollagent » Mo 18. Jun 2018, 12:36

DarkLightbringer hat geschrieben:(18 Jun 2018, 13:34)

Ein "Vorbeiproduzieren" verlangt doch gar niemand. Und es wurde schon gesagt, dass deutsche Fahrzeuge der Premium-Klasse fraglos als hochwertiges Produkt gelten.

Aber wenn nun auf ein Produkt X beispielsweise nur 2,5 % Zoll erhoben würde statt 5 %, dann ist es ein bißchen günstiger - ob das Unternehmen dann "vorbeiproduziert" oder nicht. Das würde ja der Markt von sich aus regeln.

Im Moment hantieren beide Seiten mit "Halbwahrheiten", wie das >>Handelsblatt<< schreibt - jeweils auf Zahlen fußend, die mal so und mal so gedreht werden.

Ich habe es nicht verlangt, es wird praktiziert. Und gerade in Trumps Wirtschaft. Genau deshalb importieren die USA doch so viel, weil die eigenen Hersteller schlicht das, was gewünscht wird, nicht produzieren. Der Herr sollte erst mal zu Hause aufräumen, bevor er seine Irrtümer von anderen bezahlen lassen will.
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Re: Handelskrieg

Beitragvon DarkLightbringer » Mo 18. Jun 2018, 12:48

zollagent hat geschrieben:(18 Jun 2018, 13:36)

Ich habe es nicht verlangt, es wird praktiziert. Und gerade in Trumps Wirtschaft. Genau deshalb importieren die USA doch so viel, weil die eigenen Hersteller schlicht das, was gewünscht wird, nicht produzieren. Der Herr sollte erst mal zu Hause aufräumen, bevor er seine Irrtümer von anderen bezahlen lassen will.

Und wenn man von unverkäuflicher Ware den Zoll weg nimmt, wäre sie immer noch unverkäuflich. Es erklärt also nicht die Angst vor dem Abbau von Zöllen.

Den Handelskrieg kann Europa gar nicht gewinnen, sagt Yanis Varoufakis.
Europa hat den Handelskrieg schon verloren, es gibt nichts, was Deutschland oder Europa tun könnten, um ihn zu gewinnen“, sagte er WELT am Rande eines Vortrags am Münchner ifo-Institut.
https://www.welt.de/wirtschaft/article1 ... loren.html

Trump wisse nicht viele Dinge, so Varoufakis, aber manches ziemlich gut.
Das Land mit großem Handelsüberschuss hat immer mehr zu verlieren, weil Europa mehr Güter in die USA exportiert als umgekehrt.

Durch Strafzölle und Gegenmaßnahmen (Kettenreaktion) gibt es etwas zu verlieren, logischerweise, und wer mehr Verlustpotential einsetzt, verliert auch mehr.
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Re: Handelskrieg

Beitragvon zollagent » Mo 18. Jun 2018, 12:54

DarkLightbringer hat geschrieben:(18 Jun 2018, 13:48)

Und wenn man von unverkäuflicher Ware den Zoll weg nimmt, wäre sie immer noch unverkäuflich. Es erklärt also nicht die Angst vor dem Abbau von Zöllen.

Den Handelskrieg kann Europa gar nicht gewinnen, sagt Yanis Varoufakis.
https://www.welt.de/wirtschaft/article1 ... loren.html

Trump wisse nicht viele Dinge, so Varoufakis, aber manches ziemlich gut.
Das Land mit großem Handelsüberschuss hat immer mehr zu verlieren, weil Europa mehr Güter in die USA exportiert als umgekehrt.

Durch Strafzölle und Gegenmaßnahmen (Kettenreaktion) gibt es etwas zu verlieren, logischerweise, und wer mehr Verlustpotential einsetzt, verliert auch mehr.

Varouvakis, Griechenlands Pleitenminister. Deine Zeugen werden immer lustiger. :D :D :D

Was bietet denn Herr Trump für die Zollsenkung?
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Re: Handelskrieg

Beitragvon DarkLightbringer » Mo 18. Jun 2018, 13:05

zollagent hat geschrieben:(18 Jun 2018, 13:54)

Varouvakis, Griechenlands Pleitenminister. Deine Zeugen werden immer lustiger. :D :D :D

Der Herr Zeuge mag lustig sein, das Argument ist dafür ein Trauriges.

Du sagst ja selbst, die Amis hätten nichts zu verkaufen, die Trauben wolle eh niemand, unsere hochwertigen, glanzvollen Autos sind indes voll wettbewerbsfähig. Das unterstützt exakt das Argument des lustigen Griechen, wonach wir weit mehr zu verlieren haben als die Amis.
Es bringt uns nichts, die lächerlichen Trauben mit z. B. 25 % zu bezollen und gleichzeitig unsere Autos schwer verkäuflich machen zu lassen.

Was bietet denn Herr Trump für die Zollsenkung?

Er bot an, die Zölle ebenfalls zu senken.
Abgesehen davon wäre die Vermeidung einer Krise schon etwas wert. Jeder 4. Arbeitsplatz hängt vom Export ab.
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Re: Handelskrieg

Beitragvon zollagent » Mo 18. Jun 2018, 13:09

DarkLightbringer hat geschrieben:(18 Jun 2018, 14:05)

Der Herr Zeuge mag lustig sein, das Argument ist dafür ein Trauriges.

Du sagst ja selbst, die Amis hätten nichts zu verkaufen, die Trauben wolle eh niemand, unsere hochwertigen, glanzvollen Autos sind indes voll wettbewerbsfähig. Das unterstützt exakt das Argument des lustigen Griechen, wonach wir weit mehr zu verlieren haben als die Amis.
Es bringt uns nichts, die lächerlichen Trauben mit z. B. 25 % zu bezollen und gleichzeitig unsere Autos schwer verkäuflich machen zu lassen.


Er bot an, die Zölle ebenfalls zu senken.
Abgesehen davon wäre die Vermeidung einer Krise schon etwas wert. Jeder 4. Arbeitsplatz hängt vom Export ab.

Du vergißt hier die Stimmung in der US-Bevölkerung, die eben die hochwertigen, glanzvollen Autos HABEN WILL. Der Schulhofrüpel greift dich also an der Kehle und bietet dir an, den Griff zu lockern, wenn du ihm dein Essensgeld gibst. Und das ist für dich ein Deal? Für mich nicht.
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Re: Handelskrieg

Beitragvon DarkLightbringer » Mo 18. Jun 2018, 13:33

zollagent hat geschrieben:(18 Jun 2018, 14:09)

Du vergißt hier die Stimmung in der US-Bevölkerung, die eben die hochwertigen, glanzvollen Autos HABEN WILL. Der Schulhofrüpel greift dich also an der Kehle und bietet dir an, den Griff zu lockern, wenn du ihm dein Essensgeld gibst. Und das ist für dich ein Deal? Für mich nicht.

In der Schulhofpsychologie liegt ja schon der Denkfehler, darauf ist der Cowboy am ehesten eingestellt und hat zudem noch mehr Taschengeld.
Das beste wäre, eigeninitiativ zu werden, bis der Kongress nur so hüpft. Dazu müsste man freilich über das Denkmuster Trumps deutlich hinaus gehen.
Wir nehmen diese blöden Trauben, warum denn nicht, aber wir bieten noch viel mehr an und bilden eine eigene Schulgruppe, an deren Dynamik niemand vorbei kommt. Das wäre mein Vorschlag.
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Re: Handelskrieg

Beitragvon zollagent » Mo 18. Jun 2018, 13:55

DarkLightbringer hat geschrieben:(18 Jun 2018, 14:33)

In der Schulhofpsychologie liegt ja schon der Denkfehler, darauf ist der Cowboy am ehesten eingestellt und hat zudem noch mehr Taschengeld.
Das beste wäre, eigeninitiativ zu werden, bis der Kongress nur so hüpft. Dazu müsste man freilich über das Denkmuster Trumps deutlich hinaus gehen.
Wir nehmen diese blöden Trauben, warum denn nicht, aber wir bieten noch viel mehr an und bilden eine eigene Schulgruppe, an deren Dynamik niemand vorbei kommt. Das wäre mein Vorschlag.

Könnte man so machen. Ob er aber mitmacht, wenn er plötzlich nicht mehr Treibender, sondern Mitgenommener ist? Auch da habe ich Zweifel. Wie gesagt, das wäre praktikabel, wenn alle mitmachen.

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