Handelskrieg

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odiug
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Re: Handelskrieg

Beitragvon odiug » Mi 13. Jun 2018, 17:28

DarkLightbringer hat geschrieben:(13 Jun 2018, 17:39)

Es liegt kein Angebot der EU vor. Man möchte null Veränderung, so weit ich weiß.
Das ist auch eine Verhandlungsstrategie, aber keine sehr bewegliche.

Wenn ich einen Mietvertrag ändern will, dann will ich ihn ändern. Das Argument, man habe den bestehenden Mietvertrag doch selbst maßgeblich mitgeformt, ist dann komisch.

Nochmals: es wurde bereits weiter oben im Strang besprochen, aber man wiederholt sich ja gerne: Die Handelsbilanz ist nur ein Teil der Gleichung.
Entscheidend ist die Leistungsbilanz und da hat, nach Wifo Berechnungen, weiter oben schon verlinkt, die USA für 2017 ein Plus von 14 Milliarden mit der EU erzielt.

Was Trump macht, er spaltet die EU und rechnet einfach die einzelnen Staaten nach seinem Gusto sich schön ... bzw schlecht.
Das wäre so, als würde sich die EU über den US Staat New York und seine Dominanz im internationalen Finanzgeschäft beschweren oder wegen Holly Wood und der dort übermächtigen Filmindustrie die USA mit Sanktionen belegen.
Da würde sich Trump auch bedanken und uns den Stinkefinger zeigen.
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Re: Handelskrieg

Beitragvon Alter Stubentiger » Mi 13. Jun 2018, 17:32

zollagent hat geschrieben:(13 Jun 2018, 18:18)

Fairer Handel ist eben der Verkauf des besten Produkts. Wenn ich meine Produkte nicht loswerde, muß ich prüfen, ob es denn auch die Besten sind. ;)

Was auch gerne unterschlagen wird ist dass große US-Firmen ihre Lieferanten mit ihrer Marktmacht dazu gezwungen haben ihre Produktion ins Ausland zu verlagern. Ich nenne mal Wal-Mart weil die ihre Lieferanten mit besonders brutalen Methoden unter Druck setzen. Die werden zu Einzelgesprächen vorgeladen und der Preis wird von Wal-Mart diktiert. Auch eine Sache die Europa nicht lösen kann. Amerika muß die hausgemachten Probleme selber lösen.

http://www.claro.de/magazin/der-wal-mar ... nderer-99/
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Re: Handelskrieg

Beitragvon DarkLightbringer » Mi 13. Jun 2018, 17:45

odiug hat geschrieben:(13 Jun 2018, 18:28)

Nochmals: es wurde bereits weiter oben im Strang besprochen, aber man wiederholt sich ja gerne: Die Handelsbilanz ist nur ein Teil der Gleichung.
Entscheidend ist die Leistungsbilanz und da hat, nach Wifo Berechnungen, weiter oben schon verlinkt, die USA für 2017 ein Plus von 14 Milliarden mit der EU erzielt.

Was Trump macht, er spaltet die EU und rechnet einfach die einzelnen Staaten nach seinem Gusto sich schön ... bzw schlecht.
Das wäre so, als würde sich die EU über den US Staat New York und seine Dominanz im internationalen Finanzgeschäft beschweren oder wegen Holly Wood und der dort übermächtigen Filmindustrie die USA mit Sanktionen belegen.
Da würde sich Trump auch bedanken und uns den Stinkefinger zeigen.

Mag sein. Wenn man anders rechnet bzw. die Handelsbilanz weglässt und die Geografie anders deutet, kommt man freilich zu einem anderen Ergebnis.
So weit mir bekannt, verhandelt man allerdings über gar nichts. Auch nicht darüber, ob man Deutschland als Staat betrachtet, der mit einem Staat wie die USA zu vergleichen sei oder nicht.

Man könnte aber umformulieren:
Washington wünscht eine faire Handelsbilanz und zwar im Verhältnis von USA zu China, USA zu Mexiko, USA zu Kanada, USA zu Japan und USA zu Deutschland.
Das ist dann das, worüber nicht gesprochen wird. ;)

Ergänzend könnte man über ein spezielleres, geografisches Modell - z. B. USA/Südliche Weststaaten zu Deutschland - ebenfalls nicht sprechen.
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Re: Handelskrieg

Beitragvon odiug » Mi 13. Jun 2018, 17:49

DarkLightbringer hat geschrieben:(13 Jun 2018, 18:45)

Mag sein. Wenn man anders rechnet bzw. die Handelsbilanz weglässt und die Geografie anders deutet, kommt man freilich zu einem anderen Ergebnis.
So weit mir bekannt, verhandelt man allerdings über gar nichts. Auch nicht darüber, ob man Deutschland als Staat betrachtet, der mit einem Staat wie die USA zu vergleichen sei oder nicht.

Man könnte aber umformulieren:
Washington wünscht eine faire Handelsbilanz und zwar im Verhältnis von USA zu China, USA zu Mexiko, USA zu Kanada, USA zu Japan und USA zu Deutschland.
Das ist dann das, worüber nicht gesprochen wird. ;)

Ergänzend könnte man über ein spezielleres, geografisches Modell - z. B. USA/Südliche Weststaaten zu Deutschland - ebenfalls nicht sprechen.

Deutschland kann gar nicht über seinen Außenhandel selbst verhandeln, da dies Sache der EU, bzw EU Kommission ist.
Das weiß man auch in Washington ... zumindest wusste man das bis Trump.
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Re: Handelskrieg

Beitragvon zollagent » Mi 13. Jun 2018, 17:57

DarkLightbringer hat geschrieben:(13 Jun 2018, 18:45)

Mag sein. Wenn man anders rechnet bzw. die Handelsbilanz weglässt und die Geografie anders deutet, kommt man freilich zu einem anderen Ergebnis.
So weit mir bekannt, verhandelt man allerdings über gar nichts. Auch nicht darüber, ob man Deutschland als Staat betrachtet, der mit einem Staat wie die USA zu vergleichen sei oder nicht.

Man könnte aber umformulieren:
Washington wünscht eine faire Handelsbilanz und zwar im Verhältnis von USA zu China, USA zu Mexiko, USA zu Kanada, USA zu Japan und USA zu Deutschland.
Das ist dann das, worüber nicht gesprochen wird. ;)

Ergänzend könnte man über ein spezielleres, geografisches Modell - z. B. USA/Südliche Weststaaten zu Deutschland - ebenfalls nicht sprechen.

Für Divide et Impera braucht es andere Strategen aus einen Trump.
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Re: Handelskrieg

Beitragvon DarkLightbringer » Mi 13. Jun 2018, 18:17

odiug hat geschrieben:(13 Jun 2018, 18:49)

Deutschland kann gar nicht über seinen Außenhandel selbst verhandeln, da dies Sache der EU, bzw EU Kommission ist.
Das weiß man auch in Washington ... zumindest wusste man das bis Trump.

Und die Haltung der EU-Handelskommissarin Malmström ist meinem Kenntnisstand nach die, dass die USA bedingungslos den Status Quo akzeptieren soll, bevor es zu einem Gespräch kommen könne.
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Re: Handelskrieg

Beitragvon odiug » Mi 13. Jun 2018, 18:20

DarkLightbringer hat geschrieben:(13 Jun 2018, 18:45)

Mag sein. Wenn man anders rechnet bzw. die Handelsbilanz weglässt und die Geografie anders deutet, kommt man freilich zu einem anderen Ergebnis.
So weit mir bekannt, verhandelt man allerdings über gar nichts. Auch nicht darüber, ob man Deutschland als Staat betrachtet, der mit einem Staat wie die USA zu vergleichen sei oder nicht.

Man könnte aber umformulieren:
Washington wünscht eine faire Handelsbilanz und zwar im Verhältnis von USA zu China, USA zu Mexiko, USA zu Kanada, USA zu Japan und USA zu Deutschland.
Das ist dann das, worüber nicht gesprochen wird. ;)

Ergänzend könnte man über ein spezielleres, geografisches Modell - z. B. USA/Südliche Weststaaten zu Deutschland - ebenfalls nicht sprechen.

PS ... wenn man schon rechnet, dann bitte vollständig.
Ansonsten ergibt das Ergebnis keinen Sinn.
Du kannst dir nicht einfach einen Teil der Gleichung herauspicken, weil der dir einzeln betrachtet nicht gefällt.
Du musst schon alles anschauen, um ein vernünftiges Bild zu erhalten.
Und die Handelsbilanz ist eben nur ein Teil der Gleichung.
Willst du das ganze Bild sehen, dann schau dir die Leistungsbilanz an.
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Re: Handelskrieg

Beitragvon DarkLightbringer » Mi 13. Jun 2018, 18:27

zollagent hat geschrieben:(13 Jun 2018, 18:57)

Für Divide et Impera braucht es andere Strategen aus einen Trump.

Außenminister Maas hatte ja schon eine hübsche Antwort darauf - der Atlantik sei breiter geworden, sagte er, und die Antwort auf "America First" müsse "Europa United" lauten.
Gleichzeitig spielte er auf die Unterschiede innerhalb Europas an.

Gut, der Atlantik ist breit, Europa ist eng, aber unübersichtlich.
Auf dieser Basis muss man mal darüber nachdenken, wie man ins Gespräch kommen kann.
So spontan fiele mir da nur folgendes ein: Die atlantischen Beziehungen sind 500 Jahre alt. Der Atlantik war schon mal breiter und der Wind stürmischer.
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Re: Handelskrieg

Beitragvon DarkLightbringer » Mi 13. Jun 2018, 18:35

odiug hat geschrieben:(13 Jun 2018, 19:20)

PS ... wenn man schon rechnet, dann bitte vollständig.
Ansonsten ergibt das Ergebnis keinen Sinn.
Du kannst dir nicht einfach einen Teil der Gleichung herauspicken, weil der dir einzeln betrachtet nicht gefällt.
Du musst schon alles anschauen, um ein vernünftiges Bild zu erhalten.
Und die Handelsbilanz ist eben nur ein Teil der Gleichung.
Willst du das ganze Bild sehen, dann schau dir die Leistungsbilanz an.

Na ja, aber das ist immer schon so gemacht worden, dass man mit Spezialbetrachtungen drumherum redet. Es ist gar nichts neues, dass sich EU-Länder an eigene Beschlüsse nicht halten.
Da kommt dann Rhetorik zum Einsatz.

Das 2-%-Ziel/BIP für Verteidigung ist in Wales damals beschlossen worden, so gut wie niemand hält sich daran. Und was sagt man da?
Die Ausgaben für Entwicklungszusammenarbeit seien im Grunde ja auch irgendwie Verteidigung, man müsse das ganz anders rechnen.
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Re: Handelskrieg

Beitragvon odiug » Mi 13. Jun 2018, 18:47

DarkLightbringer hat geschrieben:(13 Jun 2018, 19:35)

Na ja, aber das ist immer schon so gemacht worden, dass man mit Spezialbetrachtungen drumherum redet. Es ist gar nichts neues, dass sich EU-Länder an eigene Beschlüsse nicht halten.
Da kommt dann Rhetorik zum Einsatz.

Das 2-%-Ziel/BIP für Verteidigung ist in Wales damals beschlossen worden, so gut wie niemand hält sich daran. Und was sagt man da?
Die Ausgaben für Entwicklungszusammenarbeit seien im Grunde ja auch irgendwie Verteidigung, man müsse das ganz anders rechnen.

Das ist keine Rhetorik.
Die USA haben seit den 90gern auf die Service Industrie gesetzt.
Banken, Software und Entertainment.
All das taucht in der Handelsbilanz nicht auf und das lässt Trump auch außen vor ... ist nicht seine Zielgruppe, weil die wählen ihn nicht.
Weder Holly Wood, noch Silicon Vally und auch nicht Wall Street.
Man kann aber internationale Politik nicht nach Wählerschichten auslegen und Handelspolitik auch nicht.
Damit du mal was lernst: https://www.lai.fu-berlin.de/e-learning ... index.html
Und wie bereits oben verlinkt: die Leistungsbilanz der USA mit der EU ist ausgeglichen, ja war 2017 sogar für die USA im Plus.
Und die Verteidigungsausgaben haben mit der Handelspolitik bitte was zu tun :?:
Oder verhängen wir nun Zölle auf Corn Syrup, weil die USA zuviel CO2 in die Luft pustet, weil wir einfach alles in einen Topf schmeißen, wie es uns gerade in den Kram passt :?:
Du kannst aber gerne alles mit allem in einen Topf werfen ... nur muß niemand dieses Spiel mitmachen.
Abgesehen davon: Sicherheitspolitik besteht nicht nur aus bunten Uniformen und vielen Panzern.
Und dann noch was ... in den USA laufen viele Subventionen für die Wirtschaft über den Verteidigungshaushalt.
Müsste man auch mal darüber reden, ob das so in Ordnung ist und das wirklich gemeint war mit dem 2% Ziel der NATO.
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Re: Handelskrieg

Beitragvon DarkLightbringer » Mi 13. Jun 2018, 21:45

odiug hat geschrieben:(13 Jun 2018, 19:47)

Das ist keine Rhetorik.
Die USA haben seit den 90gern auf die Service Industrie gesetzt.
Banken, Software und Entertainment.
All das taucht in der Handelsbilanz nicht auf und das lässt Trump auch außen vor ... ist nicht seine Zielgruppe, weil die wählen ihn nicht.
Weder Holly Wood, noch Silicon Vally und auch nicht Wall Street.
Man kann aber internationale Politik nicht nach Wählerschichten auslegen und Handelspolitik auch nicht.
Damit du mal was lernst: https://www.lai.fu-berlin.de/e-learning ... index.html
Und wie bereits oben verlinkt: die Leistungsbilanz der USA mit der EU ist ausgeglichen, ja war 2017 sogar für die USA im Plus.
Und die Verteidigungsausgaben haben mit der Handelspolitik bitte was zu tun :?:
Oder verhängen wir nun Zölle auf Corn Syrup, weil die USA zuviel CO2 in die Luft pustet, weil wir einfach alles in einen Topf schmeißen, wie es uns gerade in den Kram passt :?:
Du kannst aber gerne alles mit allem in einen Topf werfen ... nur muß niemand dieses Spiel mitmachen.
Abgesehen davon: Sicherheitspolitik besteht nicht nur aus bunten Uniformen und vielen Panzern.
Und dann noch was ... in den USA laufen viele Subventionen für die Wirtschaft über den Verteidigungshaushalt.
Müsste man auch mal darüber reden, ob das so in Ordnung ist und das wirklich gemeint war mit dem 2% Ziel der NATO.

Gut, das mit der Leistungsbilanz ist ein gewisses Argument.

Ein Artikel beschäftigt sich mit dem ganzen etwas neutraler, nach der Einerseits-Andererseits-Methode (siehe Link). Im Video-Einspieler wird allerdings auch gesagt, die EU habe noch gar kein Angebot gemacht und es wird angedeutet, die Chinesen seien da verständiger gewesen.

Die frühere französische Finanz- und Wirtschaftsministerin Christine Lagarde hatte Deutschland 2010 für seine Handelsüberschüsse scharf kritisiert und moniert, die Wirtschaft wachse auf Kosten anderer Länder. Als Lagarde, mittlerweile Direktorin des IWF, ihre Kritik 2017 wiederholte, empfanden das manche in Berlin fast schon als unbotmäßigen Schulterschluss mit Donald Trump.
https://www.welt.de/wirtschaft/article1 ... toert.html
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Re: Handelskrieg

Beitragvon Troh.Klaus » Mi 13. Jun 2018, 22:47

DarkLightbringer hat geschrieben:(13 Jun 2018, 22:45)
Die frühere französische Finanz- und Wirtschaftsministerin Christine Lagarde hatte Deutschland 2010 für seine Handelsüberschüsse scharf kritisiert und moniert, die Wirtschaft wachse auf Kosten anderer Länder. Als Lagarde, mittlerweile Direktorin des IWF, ihre Kritik 2017 wiederholte, empfanden das manche in Berlin fast schon als unbotmäßigen Schulterschluss mit Donald Trump.
Ja, dieser Vorwurf an Deutschland wird immer wieder gerne genommen. Aber, wie lässt sich das denn ändern? Soll die Bundesregierung Exportzölle oder Exportquoten verhängen? Soll sie die deutschen Unternehmen dazu verdonnern, mehr Waren zu importieren, selbst wenn die Verbraucher diese Waren nicht abnehmen wollen? Oder soll auch noch der Verbraucher gezwungen werden, eine bestimmte "Importquote" einzuhalten? Ich fürchte auf diese Weise würde der deutsche Exportüberschuss tatsächlich verschwinden, weil die deutsche Wirtschaft verschwinden würde. Was wohl dem einen oder anderen durchaus zu pass käme.

Aber, so nicht. Deutschland hat deshalb eine hohe positive Handelsbilanz, weil Deutschland eine hoch produktive Wirtschaft hat, weil viele kleine und große Unternehmen ihre Produkte erfolgreich in aller Welt an den Mann bringen, und das durchaus nicht zu subventionierten Dumpingpreisen. Im Übrigen hat Deutschland die mit Abstand höchste Pro-Kopf-Importquote der Top-Handelsnationen. Und das Thema Leistungsbilanz wird gerne ganz verschwiegen.

Was Lagarde und andere, auch Trump, letztlich kritisieren, ist, dass Deutschland wirtschaftlich erfolgreich ist. Nun ja, Neid muss man sich erarbeiten, Spott und Mitleid gibt es gratis.
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Re: Handelskrieg

Beitragvon Ger9374 » Do 14. Jun 2018, 02:22

Die USA unter Präsident Trump versucht mit
primitivsten Rethorischen Keulen von ihren
eigenen Schwächen abzulenken.
Die Wettbewerbsfähigkeit auf den Weltmärkten setzt der US Industrie zu. Qualität und Preise ihrer Produkte sind nicht so wie die Weltmacht es gerne hätte. China und andere aufstrebende Nationen setzen den US Firmen arg zu.Aber ohne florierende Wirtschaft lassen sich kaum die ex orbitanten Militärausgaben mit finanzieren.
Steuern müssen sprudeln.Das Leben auf Pump hat auch für die US Administration einmal eine Grenze erreicht. Der Militär Gigant muss schrumpfen, das muss allen klar werden.
Der Rest ist Show um Trump ein Alibi zu geben Wirtschaftliche Vorteile in bare Münze für die USA zu generieren. Wer einknickt wird gnadenlos über den Tisch gezogen. Trump kennt nur Sieger und Verlierer.
Jede meinung ist wichtig,sofern man eine eigene hat!
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Re: Handelskrieg

Beitragvon zollagent » Do 14. Jun 2018, 05:28

DarkLightbringer hat geschrieben:(13 Jun 2018, 19:17)

Und die Haltung der EU-Handelskommissarin Malmström ist meinem Kenntnisstand nach die, dass die USA bedingungslos den Status Quo akzeptieren soll, bevor es zu einem Gespräch kommen könne.

Was ja auch richtig ist. Verhandlungsergebnisse vorweg nehmen zu wollen, noch bevor es zu irgendwelchen Verhandlungen kam, das kann's nicht sein.
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Re: Handelskrieg

Beitragvon DarkLightbringer » Do 14. Jun 2018, 08:46

Troh.Klaus hat geschrieben:(13 Jun 2018, 23:47)

Ja, dieser Vorwurf an Deutschland wird immer wieder gerne genommen. Aber, wie lässt sich das denn ändern? Soll die Bundesregierung Exportzölle oder Exportquoten verhängen? Soll sie die deutschen Unternehmen dazu verdonnern, mehr Waren zu importieren, selbst wenn die Verbraucher diese Waren nicht abnehmen wollen? Oder soll auch noch der Verbraucher gezwungen werden, eine bestimmte "Importquote" einzuhalten? Ich fürchte auf diese Weise würde der deutsche Exportüberschuss tatsächlich verschwinden, weil die deutsche Wirtschaft verschwinden würde. Was wohl dem einen oder anderen durchaus zu pass käme.

Aber, so nicht. Deutschland hat deshalb eine hohe positive Handelsbilanz, weil Deutschland eine hoch produktive Wirtschaft hat, weil viele kleine und große Unternehmen ihre Produkte erfolgreich in aller Welt an den Mann bringen, und das durchaus nicht zu subventionierten Dumpingpreisen. Im Übrigen hat Deutschland die mit Abstand höchste Pro-Kopf-Importquote der Top-Handelsnationen. Und das Thema Leistungsbilanz wird gerne ganz verschwiegen.

Was Lagarde und andere, auch Trump, letztlich kritisieren, ist, dass Deutschland wirtschaftlich erfolgreich ist. Nun ja, Neid muss man sich erarbeiten, Spott und Mitleid gibt es gratis.

Einzelne Zölle wie z. B. 12 % auf Äpfel gehen in aller Regel auf den Einfluß einer Lobby zurück und im Durchschnitt erhebt die EU mehr Zölle als die USA.
Richtig ist, dass nicht alle Qualitäten gleich sind - US-Stahl soll eher dürftig sein. Richtig ist aber auch, dass chinesische Subventionen marktverzerrend sind und geringere Zölle dem Verbraucher zugute kommen.

Was man tun könnte? Man könnte ganz einfach über die Zölle reden, wie es anscheinend die Chinesen auch gemacht haben. Warum z. B. nicht sagen, nun ja, 12 % auf Äpfel müssen nicht sein, 10 % oder 8 % täten es auch ?
Zum andern sind unsere Löhne zu gering im Durchschnitt. Auch da ließe sich etwas machen.
Eine Weltwirtschaftskrise anzusteuern ist jedenfalls dusslig, davon hat niemand etwas. Am allerwenigsten die Arbeitnehmer und Familien.
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Re: Handelskrieg

Beitragvon DarkLightbringer » Do 14. Jun 2018, 08:49

zollagent hat geschrieben:(14 Jun 2018, 06:28)

Was ja auch richtig ist. Verhandlungsergebnisse vorweg nehmen zu wollen, noch bevor es zu irgendwelchen Verhandlungen kam, das kann's nicht sein.

Dann hoffen wir mal, dass die Pokerfreunde rechtzeitig ins Gespräch kommen und sich nicht verzocken.
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Re: Handelskrieg

Beitragvon Skull » Do 14. Jun 2018, 09:57

DarkLightbringer hat geschrieben:(14 Jun 2018, 09:46)

Einzelne Zölle wie z. B. 12 % auf Äpfel gehen in aller Regel auf den Einfluß einer Lobby zurück und im Durchschnitt erhebt die EU mehr Zölle als die USA.
Richtig ist, dass nicht alle Qualitäten gleich sind - US-Stahl soll eher dürftig sein. Richtig ist aber auch, dass chinesische Subventionen marktverzerrend sind und geringere Zölle dem Verbraucher zugute kommen.

Was man tun könnte? Man könnte ganz einfach über die Zölle reden, wie es anscheinend die Chinesen auch gemacht haben. Warum z. B. nicht sagen, nun ja, 12 % auf Äpfel müssen nicht sein, 10 % oder 8 % täten es auch ?
Zum andern sind unsere Löhne zu gering im Durchschnitt. Auch da ließe sich etwas machen.

Ob die Löhne in Deutschland (speziell in den starken Branchen, den Exportbranchen)
zu gering sind, mag ich da mal bezweifeln.
Noch weniger ist es Aufgabe des Staates in der (Brutto) Lohnentwicklung einzugreifen.


Auch sollte man sich mal überlegen, warum es Zölle in welcher Höhe (hüben wie drüben) gibt.
Da macht es auch keinerlei Sinn, durchschnittliche Zölle zu betrachten und zu vergleichen.

Die individuelle Höhe ist i.d.R. darin begründet, heimische Branchen zu schützen,
oder sich gegen subventionierte Produkte und Dumpingpreise anderer zu wehren.

Und genau DA muss man Zoll gegen Zoll vergleichen. Da kann man nicht einfach sagen,
die anderen erheben, x Prozent und wir "nur" oder eben "sogar" y Prozent.

Jeden Zoll EINZELN vergleichen. Und DANN kann man erst bewerten, wer da wie "willkürlich" agiert.

mfg
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Re: Handelskrieg

Beitragvon DarkLightbringer » Do 14. Jun 2018, 10:10

Skull hat geschrieben:(14 Jun 2018, 10:57)

Ob die Löhne in Deutschland (speziell in den starken Branchen, den Exportbranchen)
zu gering sind, mag ich da mal bezweifeln.
Noch weniger ist es Aufgabe des Staates in der (Brutto) Lohnentwicklung einzugreifen.


Auch sollte man sich mal überlegen, warum es Zölle in welcher Höhe (hüben wie drüben) gibt.
Da macht es auch keinerlei Sinn, durchschnittliche Zölle zu betrachten und zu vergleichen.

Die individuelle Höhe ist i.d.R. darin begründet, heimische Branchen zu schützen,
oder sich gegen subventionierte Produkte und Dumpingpreise anderer zu wehren.

Und genau DA muss man Zoll gegen Zoll vergleichen. Da kann man nicht einfach sagen,
die anderen erheben, x Prozent und wir "nur" oder eben "sogar" y Prozent.

Jeden Zoll EINZELN vergleichen. Und DANN kann man erst bewerten, wer da wie "willkürlich" agiert.

mfg

Sicher, darüber könnte man doch sprechen.
Im allgemeinen gibt es Lobby-Interessen, die sich vor Konkurrenz schützen wollen - was sich idealisiert auch als Heimatschutz interpretieren ließe.
Klappt aber auch nicht immer - unsere Textilbranche hatte keinerlei Chance gegen chinesisches Dumping.
China ist überhaupt ein Problem, aufgrund seiner gigantischen Wirtschaftsmacht, da kann ein heimischer Mittelständler noch so sehr Lobbyarbeit betreiben.
President Macron schlug mal Schutzmechanismen vor, die aus seiner Sicht gar nicht gegen den Freihandel gerichtet seien, sondern dafür. Er unterscheidet einfach - ganz dumm ist er ja nicht - zwischen fairem Freihandel und unfairem Freihandel.
Und Macron ist nicht Trump, er darf das also so sagen.

Und die Lohnentwicklung nicht beeinflussen zu können ist m. E. zuvörderst eine Ausrede. Der Gesetzgeber hat schon ein paar wichtige Instrumente in der Hand, wenn er denn will.

Warum also nicht ein bißchen etwas tun, zum Vorteil der heimischen Verbraucher.
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Re: Handelskrieg

Beitragvon Skull » Do 14. Jun 2018, 10:14

DarkLightbringer hat geschrieben:(14 Jun 2018, 11:10)

Und die Lohnentwicklung nicht beeinflussen zu können ist m. E. zuvörderst eine Ausrede.
Der Gesetzgeber hat schon ein paar wichtige Instrumente in der Hand, wenn er denn will.

Warum also nicht ein bißchen etwas tun, zum Vorteil der heimischen Verbraucher.

Auch wenn es nur ein Nebenthema ist.

Welche gesetzliche Handhabe und auch tatsächliche Aufgabe ... hat der STAAT,
die Bruttolöhne (der Exportbranchen) in Deutschland zu beeinflussen ? :?:

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Re: Handelskrieg

Beitragvon DarkLightbringer » Do 14. Jun 2018, 10:23

Skull hat geschrieben:(14 Jun 2018, 11:14)

Auch wenn es nur ein Nebenthema ist.

Welche gesetzliche Handhabe und auch tatsächliche Aufgabe ... hat der STAAT,
die Bruttolöhne (der Exportbranchen) in Deutschland zu beeinflussen ? :?:

mfg

Im Diskurs ist die Einführung des Mindestlohns genannt worden. Das ist eine Maßnahme, vielleicht zu wenig.
Der Staat, sprich Gesetzgeber, kann Arten der Besteuerung festlegen zum Beispiel.
Im Grunde gäbe es da sehr viele Möglichkeiten, je nachdem, wie ambitioniert oder visionär man da sein möchte.
Sehr weitgehend war etwa Roosevelt mit seinem "New Deal" - da wurde teils mit blauen Zertifikaten gearbeitet, die nur "anständige" Unternehmen bekamen.
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