Was ist "gute Wirtschaftspolitik"?

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Dampflok94
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Re: Was ist "gute Wirtschaftspolitik"?

Beitragvon Dampflok94 » Do 15. Feb 2018, 09:36

pikant hat geschrieben:(15 Feb 2018, 09:30)

der Staat hat sehr viele befristete Arbeitsvertraege und auch SPD-Laender setzen auf befristete Arbeitsvertraege in den Kommunen - so sieht die Wirklichkeit aus.
Vorbildfunktion sieht jedenfalls anders aus.

Das ist durchaus richtig. Wobei es sich hier meist um sachliche Befristungen handelt. Mit diesem Instrument wird allerdings auch Schindluder betrieben.
Leute kauft mehr Dampflokomotiven!!!
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Re: Was ist "gute Wirtschaftspolitik"?

Beitragvon Maltrino » Do 15. Feb 2018, 12:04

Skull hat geschrieben:(14 Feb 2018, 23:19)

Die aus meiner Sicht beste Antwort zu Deinem Thread gab es zu Beginn:


mfg


Netter Versuch hier ein kompliziertes Thema zu beenden aber das kann ich nicht akzeptieren. "Hinterher" erkennt man also was "gute" Wirtschaftspolitik war? Das würde dann bedeuten, dass wir würfeln können wer an die Macht kommt. Jede politische Diskussion wäre überflüssig. Wenn Deutschland dann die Wahl hat ob Altmeier oder Ich Wirtschaftsminister wird, dann kann Deutschland also nicht vernünftig entscheiden, da man sowieso erst "hinterher" sieht wer die bessere Wirtschaftpolitik macht (wahrscheinlich ich...)? Wenn man es "hinterher" erst sieht wer besser ist, dann kann man also würfeln ob Altmeier oder Ich Wirtschftsminister wird, da man es vorher nicht wissen kann? Wenn das so ist dann sollten wir unser Wahlrecht schnell reformieren. Würfeldemokratie...
Wie ihr seht, habe ich jetzt auch ein Profilbild wo das Portrait eines großen politischen Denkers aus der Vergangenheit abgebildet ist. Damit ist jetzt jede meiner Aussagen wahr und absolut seriös.
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Re: Was ist "gute Wirtschaftspolitik"?

Beitragvon Maltrino » Do 15. Feb 2018, 12:06

KarlRanseier hat geschrieben:(14 Feb 2018, 23:09)

Es hängt von der Zielfunktion ab, was eine "gute" Wirtschaftspolitik ist. Hier verschiedene Sichtweisen:

- CDU/CSU/SPD/FDP/Grüne: den mittelständischen Großkonzernen geht es gut, sie machen große Gewinne. Erreicht wird das in der Regel durch Steuersenkungen für Unternehmer und Spitzenverdiener sowie durch sozialistische Bestandsgarantien, die dafür sorgen, dass Amigos auch bei größter Misswirtschaft keine gravierenden Gewinneinbußen hinzunehmen haben.

- AfD: siehe oben, allerdings nur für mittelständische Großkonzerne mit deutschen Inhabern ohne Migrationshintergrund und keinen Aktionären islamischen Glaubens

- Linke: Dem systemunrelevanten arbeitenden Pöbel geht es wirtschaftlich gut. Erreicht wird das u.a. durch weniger Umverteilung von unten nach oben, die u.a. durch Zinsen, Mieten und Ähnliches automatisch immer passiert.

Am weitesten verbreitet ist die erstgenannte Sichtweise, sie gilt als "alternativlos" und wird auch ständig von den Medien so propagiert. Warum das so ist, ist ein eigenes Thema. Die oberste Vertreterin der Deutschen Bank auf Erden hat sie nicht gleichgeschaltet, das ist nämlich gar nicht nötig. Aber wie geschrieben, eigenes Thema. Dazu muss man wissen, wie etwa die Medien funktionieren...


Danke...
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Re: Was ist "gute Wirtschaftspolitik"?

Beitragvon Maltrino » Do 15. Feb 2018, 12:11

Wähler hat geschrieben:(15 Feb 2018, 06:04)

... Ohne diese Infrastrukturprojekte und Industrieförderung kommt es zu keiner Weiterentwicklung der Volkswirtschaft. Der Wirtschaftsstandort Bayern stünde ohne die Industriepolitik der CSU nicht dort, wo er jetzt ist. Die richtige Mischung von staatlichen Rahmenbedingungen und privatwirtschaftlichen Unternehmungen macht den Wirtschaftserfolg aus.



Also, da kommen wir der Sache doch mal näher, die "Industriepolitik der CSU" der tollen anzugtragenden CSU Politiker mit den tiefen Stimmen ist also, wenn ich dich richtig verstehe, von Infrastrukturprojekten und Industrieförderung geprägt? Also der (Frei-)Staat hat Geld in die Hand genommen, hat Straßen, Bahnhöfe und Internetleitungen (?) gebaut, hat Geld in die Hand genommen und es bestimmten Firmen zur Förderung gegeben? Kurz, die CSU hat linkversifte planwirtschaftlich angehauchte Staats-Industrie-Politik betrieben, die sie den Griechen, den Linken und allen anderen die nicht anzugtragend konservativ daherkommen verbieten will?
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Re: Was ist "gute Wirtschaftspolitik"?

Beitragvon Skull » Do 15. Feb 2018, 12:33

Maltrino hat geschrieben:(15 Feb 2018, 12:04)

Netter Versuch hier ein kompliziertes Thema zu beenden aber das kann ich nicht akzeptieren.

Hier beendet niemand ein/das Thema, noch versucht das jemand.

Deine durchaus berechtigte Fragestellung...wird nur nicht immer,
zu von Dir gewünschten Antworten oder Betrachtungen führen.

Ich würde da zum Beispiel DEINE Vielzahl von Äusserungen zum Thema Wirtschaft
als mangelnde Kompetenz eines Wirtschaftsministers einordnen.
Altmeier als Wirtschaftsminister wäre da schon besser. :D



Auch wenn ich nichts von einem Wirtschaftsminister Altmeier halten würde. :p

mfg
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Re: Was ist "gute Wirtschaftspolitik"?

Beitragvon Just Me » Do 15. Feb 2018, 13:05

Wähler hat geschrieben:(14 Feb 2018, 08:17)
Das sind fünf postive Punkte für die Unternehmen.

*Hust* ... und welcher davon ist "neu"? Derartige Versprechungen gibt es seit gut 20 Jahren in regelmäßigen Abständen, die in "Wahlen" gemessen werden...
zwei Milliarden Euro für den Ausbau der Ganztagsbetreuung in den Grundschulen kommen auch den Unternehmen zugute: Mütter und Väter können dann eher in Vollzeit arbeiten - in Zeiten des Fachkräftemangels sehr im Sinne der Wirtschaft.
Solange das Bildungssystem so stark versagt, dass Unternehmen potenziellen Lehrlingen immer öfter zunächst "fließend Lesen, Schreiben und in den Grundrechenarten Rechnen" beibringen lassen müssen, ist das eher ein Spiel auf Zeit...
Baukindergeld

Noch so ein Plazebo-Globulus. Wer sich wegen der 1.200 Euro jährlich ermutigt fühlt, in Zeiten, in denen man dafür gerade einmal, je nach Lage, 1-5 qm Grund ohne Nebenkosten bekommt, ein Haus zu bauen oder zu kaufen, wählt kraft seiner Rechenschwäche vermutlich wirklich diese Parteien...
Der Abbau des Soli beginnt 2021, in einem ersten Schritt sollen die unteren 90 Prozent der Soli-Zahler von der Sonderabgabe befreit werden.

Überall fehlen Milliarden und Abermilliarden. Der gesamte Investitionsstau, der durch die bisherigen Regierungen verursacht wurde, beträgt über 200 Milliarden Euro. Aber den Leuten 40 Euro pro Monat(!) weniger aus der Tasche zu nehmen, hilft sicherlich. Da kann die Familie schon fast ... naja, ... es reicht jetzt nicht wirklich für Spaßbad, Tierpark, Essen gehen oder auch nur eine Tankfüllung ... aber die Familie kann ja sparen, nicht wahr?!
Außerdem: Gründer sollen in den ersten beiden Jahren von der monatlichen Voranmeldung der Umsatzsteuer befreit werden.

Wow! Das können sie schon seit vielen Jahren. Der einzige Unterschied: Ein - bisher semi-formaler - Antrag fällt jetzt weg. 10 Minuten Zeitersparnis. Und "kost nicht nur nix, sondern dient vorrangig den Finanzämtern", die nun ein Formular weniger bearbeiten müssen, weil sowieso zahllose Gründer davon Gebrauch machen.
Zudem will der Bund den schleppenden Ausbau der Elektromobilität mit einem Förderprogramm und dem Aufbau von mindestens 100 000 Ladesäulen unterstützen.

Genau! Die Milliarden an Gewinnen einstreichende Automobilindustrie bockt einfach 10, 15 Jahre lang. Dann bekommt sie noch mehr Steuergeld geschenkt. Und die Politik verkauft das als "Wirtschaftsförderung zum Vorteil der Verbraucher". Dass die Verbraucher das Geld auch gut und gern in Konsum stecken könnten, also nicht direkt die sowieso schon milliardenschweren Konzerne, sondern vielleicht sogar den Mittelstand, der immerhin noch 70 Prozent der Arbeitsplätze stellt und auf Umsatz angewiesen ist, um überleben(!) zu können, fördern könnte, ... ach, solche Kleinigkeiten werden schnell zur Nebensache, nicht wahr?!

Wähler hat geschrieben:(14 Feb 2018, 08:17)
Zu den unangenehmen Punkten gehört die Einschränkung der sachgrundlosen Befristung,

In der Tat! Es ist für Unternehmen total unangenehm, wenn ihre Konsumenten nicht mehr so viel Sicherheitsrücklagen bilden müssen und das Geld schneller in den Umlauf bringen.
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Re: Was ist "gute Wirtschaftspolitik"?

Beitragvon Wähler » Do 15. Feb 2018, 18:17

Wähler hat geschrieben:(15 Feb 2018, 06:04)
Deine Sichtweise ist meiner Meinung nach zu betriebswirtschaftlich. Ohne diese Infrastrukturprojekte und Industrieförderung kommt es zu keiner Weiterentwicklung der Volkswirtschaft. Der Wirtschaftsstandort Bayern stünde ohne die Industriepolitik der CSU nicht dort, wo er jetzt ist. Die richtige Mischung von staatlichen Rahmenbedingungen und privatwirtschaftlichen Unternehmungen macht den Wirtschaftserfolg aus.

Maltrino hat geschrieben:(15 Feb 2018, 12:11) Kurz, die CSU hat linkversifte planwirtschaftlich angehauchte Staats-Industrie-Politik betrieben, die sie den Griechen, den Linken und allen anderen die nicht anzugtragend konservativ daherkommen verbieten will?

Was willst Du denn mit so einem verdrehten Satz wirklich sagen? Geht das nicht auch ein bißchen präziser? Wer wollte wem was in welcher Form verbieten?
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Re: Was ist "gute Wirtschaftspolitik"?

Beitragvon Tom Bombadil » Do 15. Feb 2018, 19:28

Realist2014 hat geschrieben:(14 Feb 2018, 12:13)

das wäre ja kompletter Nonsens

Volkswirtschaftslehre ist halt nicht jedermanns Sache.
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Re: Was ist "gute Wirtschaftspolitik"?

Beitragvon Tom Bombadil » Do 15. Feb 2018, 19:30

Skull hat geschrieben:(14 Feb 2018, 11:03)

In armen Ländern...

Ich bin von Deutschland bzw. voll entwickelten Nationen ausgegangen. In armen Ländern zeichnet imho eine gute Wirtschaftspolitik aus, dass die Unternehmer gerne Arbeitsplätze schaffen, weil der gesamtwirtschaftliche und rechtliche Rahmen stimmt.
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Re: Was ist "gute Wirtschaftspolitik"?

Beitragvon Maltrino » Do 15. Feb 2018, 21:50

Skull hat geschrieben:(15 Feb 2018, 12:33)

Hier beendet niemand ein/das Thema, noch versucht das jemand.

Deine durchaus berechtigte Fragestellung...wird nur nicht immer,
zu von Dir gewünschten Antworten oder Betrachtungen führen.

Ich würde da zum Beispiel DEINE Vielzahl von Äusserungen zum Thema Wirtschaft
als mangelnde Kompetenz eines Wirtschaftsministers einordnen.
Altmeier als Wirtschaftsminister wäre da schon besser. :D



Auch wenn ich nichts von einem Wirtschaftsminister Altmeier halten würde. :p

mfg


Na aber du hast es gut gefunden als jemand sagte, dass man immer erst hinterher sieht was "gute Wirtschaftspolitik" ist. Und du versuchst jetzt vorher, bevor Altmeier oder Ich Wirtschaftsminister sind, herauszufinden wer bessere Wirtschaftspolitik macht. Das heißt du widersprichst dir selber. Wenn ich Politiker wäre und das Wirtschaftsministerium anstreben würde, dann würde ich das jetzt ganz frech ausnutzen und sagen "Ihr müsst mich zum Wirtschaftsminister machen, und ihr werdet hinterher sehen, dass es gut war".....

Und zum Thema "Kompetenz"... bla bla ;) Ich glaube es gibt ganz viele Intellektuelle und Wirtschaftswissenschaftler die mehr "Kompetenz" in Sachen Wirtschaftspolitik haben als Altmeier. Altmeier ist ein Politiker ein Allrounder der sich da einarbeitet. Es ist ein leichtes ganz viele Leute in Deutschland zu finden die mehr "Kompetenz" als Altmeier in Sachen Wirtschaft haben. Warum wird nun Altmeier "bessere" Wirtschaftspolitik machen als wenn man den Leiter des Weltwirtschaftsinstituts zum Minister ernennen würde? Und warum fährt Vettel schneller Auto als der VW Manager, obwohl der VW Mensch doch viel mehr "Kompetenz" in Sachen Autos hat? Warum ziehst du jetzt Altmeier, kein Wirtschaftsfachmann als Wirtschaftsminister vor und keinen Menschen der WIrtschaftsprofessor ist? Um "Kompetenz" kann es da nicht gehen. Es geht um Politik.

Du sagst du erkennst an meinen Äußerungen VORHER, dass ich (im Gegensatz zu Altmeier) kein guter Wirtschaftsminister wäre. Und das ist eben meine Frage. Woran erkennt man das? Du sagst jetzt "Kompetenz". Das klingt für mich sehr schwammig. Wenn ich Sarah Wagenknecht und Altmeier vergleiche, dann sehe ich, das Wagenknecht ein Buch über Wirtschaftspolitik geschrieben hat, Altmeier nicht. Heißt das nun, das Wagenknecht "mehr Kompetenz" hat und deshalb Wirtschaftsministerin werden muss? Ich sage: Altmeier hat WENIGER Kompetenz als Wagenknecht. Trotzdem kann es gut sein, dass er ein besserer Wirtschaftspolitiker wird. Aber was macht dann den Unterschied? Um diese Frage geht es hier halt. Einfach nach "mehr Kompetenz" zu suchen.... Tja, das erinnert mich an die Piratenpartei 2012. Die haben auch einfach Leute gewählt die "kompetent" wirkten. Das Ergebnis haben wir gesehen.
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Re: Was ist "gute Wirtschaftspolitik"?

Beitragvon Maltrino » Do 15. Feb 2018, 22:00

Wähler hat geschrieben:(15 Feb 2018, 18:17)

Was willst Du denn mit so einem verdrehten Satz wirklich sagen? Geht das nicht auch ein bißchen präziser? Wer wollte wem was in welcher Form verbieten?


Nein, ich kann nicht das was ich in den letzten 10 Jahren gesehen, gelesen und gehört habe in einem Satz oder auch nicht auf einer DinA4 Seite zusammenfassen.

Ich versuchs nochmal so: Es gibt ja Leute, sogenannte "wirtschaftsliberale", die sagen, dass "gute Wirtschaftspolitik" ist wenn "Mehr Markt und weniger Staat" ist. Die angeblich wirtschaftsliberalen wie die FDP koalieren bekanntlich tendentiell gerne mit der CSU. Andere Leute sagen, dass "gute Wirtschaftspolitik" ist wenn "Der Staat den Markt regelt und aktiv eingreift". Solche Leute sind eher im linken Lager zu finden. Nun wird hier aber gesagt, dass die "Industriepolitik der CSU" eben nicht "Mehr Markt und weniger Staat" ist sondern sich durch einen aktiven Staat auszeichnet der Infrastruktur gebaut hat und bestimmte Industriezweige durch staatliches geld gefördert hat und damit in den Markt eingegriffen hat. Was heißt das nun? Dass die CSU eine "gute Wirtschaftspolitik" macht weil sie keine "wirtschaftsliberale Wirtschaftspolitik" macht? So hört es sich zumindest an.
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Re: Was ist "gute Wirtschaftspolitik"?

Beitragvon Skull » Do 15. Feb 2018, 22:24

Maltrino hat geschrieben:(15 Feb 2018, 21:50)

Na aber du hast es gut gefunden als jemand sagte, dass man immer erst hinterher sieht was "gute Wirtschaftspolitik" ist.

Vollkommen korrekt. Ich habe ja keine Glaskugel.

Daher kann ich (man) erst HINTERHER bewerten, was gute Wirtschaftspolitik...ist.

Und natürlich kannst Du in Deinem Spielzimmer das Wirtschaftsministerspiel spielen.

Ich dachte nur, es wäre ein ernsthaftes Thema...hier. :?:

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Re: Was ist "gute Wirtschaftspolitik"?

Beitragvon Watchful_Eye » Do 15. Feb 2018, 22:45

Skull hat geschrieben:(15 Feb 2018, 22:24)
Daher kann ich (man) erst HINTERHER bewerten, was gute Wirtschaftspolitik...ist.

Daniel Kahneman (Wirtschafts-"Nobelpreisträger") hat in seinem Buch "Thinking, fast and slow" ("Schnelles Denken, langsames Denken") davor gewarnt, die Qualität von Entscheidungen in komplexen, unübersichtlichen Umgebungen nach dem Ergebnis zu bewerten. Er bezeichnet sie als "Rückschaufehler". In seinem Buch erläutert er, dass Entscheidungen, die nach der vorhandenen Datenlage objektiv die besseren waren, häufig trotzdem zu den schlechteren Ergebnissen führen können und umgekehrt. Daher sei es häufig unfair, beispielsweise Manager eines Unternehmens nach dem Ergebnis zu bewerten.

Es könne beispielsweise dazu führen, dass Menschen (z.B. Aktienbroker), die unter großem Risiko eine gewinnbringende Entscheidung trafen, fälschlicherweise als herausragend kompetent wahrgenommen werden, obwohl es nach der objektiven Risikoabwägung mit den Informationen, die dieser Mensch zu dieser Zeit getroffen hat, trotzdem keine "gute" Entscheidung war. Genau so, wie es im Allgemeinen keine nach rationalen Maßstäben gewinnbringende Entscheidung ist, Lotto zu spielen, obwohl es sich für die Gewinner im Nachhinein natürlich gelohnt hat.
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Re: Was ist "gute Wirtschaftspolitik"?

Beitragvon Skull » Do 15. Feb 2018, 22:46

Watchful_Eye hat geschrieben:(15 Feb 2018, 22:45)

Daniel Kahneman (Wirtschafts-"Nobelpreisträger") hat in seinem Buch "Thinking, fast and slow" ("Schnelles Denken, langsames Denken") davor gewarnt, die Qualität von Entscheidungen in komplexen, unübersichtlichen Umgebungen nach dem Ergebnis zu bewerten. Er bezeichnet sie als "Rückschaufehler". In seinem Buch erläutert er, dass Entscheidungen, die nach der vorhandenen Datenlage objektiv die besseren waren, häufig trotzdem zu den schlechteren Ergebnissen führen können und umgekehrt. Daher sei es häufig unfair, beispielsweise Manager eines Unternehmens nach dem Ergebnis zu bewerten.

Es könne beispielsweise dazu führen, dass Menschen (z.B. Aktienbroker), die unter großem Risiko eine gewinnbringende Entscheidung trafen, fälschlicherweise als herausragend kompetent wahrgenommen werden, obwohl es nach der objektiven Risikoabwägung mit den Informationen, die dieser Mensch zu dieser Zeit getroffen hat, trotzdem keine "gute" Entscheidung war. Genau so, wie es im Allgemeinen keine nach rationalen Maßstäben gewinnbringende Entscheidung ist, Lotto zu spielen, obwohl es sich für die Gewinner im Nachhinein natürlich gelohnt hat.

und ?

Was soll da nun die Botschaft sein ?

Es gibt keine gute Wirtschaftspolitik ?
Das Ergebnis ist egal ?
Lassen wir das Bewerten von Wirtschaftspolitik ?

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Re: Was ist "gute Wirtschaftspolitik"?

Beitragvon Watchful_Eye » Do 15. Feb 2018, 22:53

Skull hat geschrieben:(15 Feb 2018, 22:46)
Es gibt keine gute Wirtschaftspolitik ?
Das Ergebnis ist egal ?
Lassen wir das Bewerten von Wirtschaftspolitik ?

Daher ist die Vorstellung, man könne erst durch das Ergebnis verstehen, was gute Wirtschaftspolitik ist, sehr anfällig für Fehlschlüsse. Nur weil einmal etwas in einem bestimmten Kontext funktioniert hat, bedeutet das nicht, dass es auch in einem anderen Kontext funktionieren muss. Besser ist es, nach einem tieferem Verständnis zu streben, selbst wenn zum Teil auch Entscheidungen belohnt werden, die im Allgemeinen nicht empfehlenswert sind.
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Re: Was ist "gute Wirtschaftspolitik"?

Beitragvon Adam Smith » Do 15. Feb 2018, 22:56

Watchful_Eye hat geschrieben:(15 Feb 2018, 22:53)

Daher ist die Vorstellung, man könne erst durch das Ergebnis verstehen, was gute Wirtschaftspolitik ist, sehr anfällig für Fehlschlüsse. Nur weil einmal etwas in einem bestimmten Kontext funktioniert hat, bedeutet das nicht, dass es auch in einem anderen Kontext funktionieren muss. Besser ist es, nach einem tieferem Verständnis zu streben, selbst wenn zum Teil auch Entscheidungen belohnt werden, die im Allgemeinen nicht empfehlenswert sind.

Die Praxis entscheidet aber immer, ob die Theorie vorteilhaft ist oder nicht vorteilhaft ist.
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Re: Was ist "gute Wirtschaftspolitik"?

Beitragvon Skull » Do 15. Feb 2018, 23:04

Watchful_Eye hat geschrieben:(15 Feb 2018, 22:53)

Daher ist die Vorstellung, man könne erst durch das Ergebnis verstehen, was gute Wirtschaftspolitik ist, sehr anfällig für Fehlschlüsse. Nur weil einmal etwas in einem bestimmten Kontext funktioniert hat, bedeutet das nicht, dass es auch in einem anderen Kontext funktionieren muss. Besser ist es, nach einem tieferem Verständnis zu streben, selbst wenn zum Teil auch Entscheidungen belohnt werden, die im Allgemeinen nicht empfehlenswert sind.

Ich verstehe Dein Problem nicht. :D

Den obigen Text halte ich ja für nachvollziehbar und widerspricht auch nicht meiner "Denke".

Trotzdem kann ich erst hinterher bewerten, was gut oder schlecht war.
Und dieses auch noch unterschiedlich, je nach individueller Bewertungslage.

Und welche Schlüsse man daraus für die Zukunft,
vergleichbare oder nicht vergleichbaren Situationen trifft,
steht doch auf einem ganz anderen Blatt.

Natürlich sind solche Dinge komplex, komplexer und nicht einfach zu sehen.

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Re: Was ist "gute Wirtschaftspolitik"?

Beitragvon Maltrino » Do 15. Feb 2018, 23:18

Skull hat geschrieben:(15 Feb 2018, 22:24)

Vollkommen korrekt. Ich habe ja keine Glaskugel.

Daher kann ich (man) erst HINTERHER bewerten, was gute Wirtschaftspolitik...ist.

Und natürlich kannst Du in Deinem Spielzimmer das Wirtschaftsministerspiel spielen.

Ich dachte nur, es wäre ein ernsthaftes Thema...hier. :?:

mfg


Wenn du erst HINTERHER siehst welche Partei gute Wirtschaftspolitik macht, dann heißt das du wählst deine Partei wegen einer Ahnung, einer Vermutung, wegen einem Bauchgefühl?
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Re: Was ist "gute Wirtschaftspolitik"?

Beitragvon Maltrino » Do 15. Feb 2018, 23:33

Watchful_Eye hat geschrieben:(15 Feb 2018, 22:53)

Daher ist die Vorstellung, man könne erst durch das Ergebnis verstehen, was gute Wirtschaftspolitik ist, sehr anfällig für Fehlschlüsse. Nur weil einmal etwas in einem bestimmten Kontext funktioniert hat, bedeutet das nicht, dass es auch in einem anderen Kontext funktionieren muss. Besser ist es, nach einem tieferem Verständnis zu streben, selbst wenn zum Teil auch Entscheidungen belohnt werden, die im Allgemeinen nicht empfehlenswert sind.


Endlich mal jemand mit Verstand hier unterwegs. :thumbup:

Sowas erinnert mich übrigens immer an ein lustiges Erlebnis in meiner Schulzeit. Damals durften wir zum aller ersten Male in den neuen kleinen Computerraum der kleinen Schule wo ein paar Computer (COMPUTER!!!!) standen. Darauf war ein Programm was eine Art Umweltpolitiksimulator war. Nun wurden Teams aus je zwei Schülern gebildet die jeweils an einem Computer die Umwelt retten sollten indem sie die richtigen "Maßnahmen" in diesem Programm trafen. Natürlich kapierte so schnell keiner was das jetzt alles soll und so tippte jedes Team irgendwas in den Rechner. Am Ende der Stunde sah sich der Lehrer die Ergebnisse an. Natürlich hatte kein Team die "Umwelt" gerettet aber blöderweise hatte ein Team zufälligerweise die Umwelt in diesem Computerprogramm weniger geschädigt als alle anderen. Der Lehrer lobte dieses Team. Niemand wusste warum. Sie hatten einfach Glück gehabt!

ich glaube sowas ähnliches passiert auch bei Sportwetten. In den Statistiken der Wettanbieter sind die höchsten Tagesgewinner immer irgendwelche Typen die 10 Euro auf irgendein total absurdes und unwahrscheinliches Ergebnis gesetzt haben und 90.000 Euro an einem Tag gewannen. Wenn man sich nur dieses konkrete Ergebnis ansieht, dann erscheint es so als ob dieser Typ der beste "Wetter" ist...
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Re: Was ist "gute Wirtschaftspolitik"?

Beitragvon Maltrino » Do 15. Feb 2018, 23:43

Skull hat geschrieben:(15 Feb 2018, 23:04)

Ich verstehe Dein Problem nicht. :D

Den obigen Text halte ich ja für nachvollziehbar und widerspricht auch nicht meiner "Denke".

Trotzdem kann ich erst hinterher bewerten, was gut oder schlecht war.
Und dieses auch noch unterschiedlich, je nach individueller Bewertungslage.

Und welche Schlüsse man daraus für die Zukunft,
vergleichbare oder nicht vergleichbaren Situationen trifft,
steht doch auf einem ganz anderen Blatt.

Natürlich sind solche Dinge komplex, komplexer und nicht einfach zu sehen.

mfg


ich ziehe schonmal jetzt die Schlussfolgerung aus der Diskussion die ihr beiden jetzt führen werdet:

Das Problem ist, dass Wirtschaftspolitik nicht simulierbar ist. Es gibt Berufe da funktioniert dieses "Hinterher" Denken. Zum Beispiel in der Pilotenausbildung. Es gibt Flugsimulatoren. Dort kann man nacheinander verschiedene Kandidaten reinsetzten und exakt das selbe Programm ablaufen lassen.Man sieht dann HINTERHER welcher Kandidat am besten abgeschnitten hat und wenn die Simulation realitätsnah war, dann kann man ihm den Job geben. Auch bei vielen Sportarten funktioniert das. 100 Meter Lauf zum Beispiel. Man muss "vorher" nicht groß nachdenken wer denn wohl der beste Kandidat für die 100 Meter Staffel ist. Man kann einfach die Kandidaten testweise 100 Meter laufen lassen und sieht dann HINTERHER wer der beste ist. Und beim 100 Meter Lauf ist die Gefahr, dass das Ergebnis zweifelhaft ist relativ gering. Im Gegensatz zur Börse kann man beim 100 Meter Lauf durch besonders riskante Entscheidungen nicht viel gewinnen.

Wirtschaftpolitik ist also nicht simulierbar. Man kann nur einmal in der Geschichter der Menschheit die Wirtschaft in Bayern im Jahr 2000 ablaufen lassen. Und wenn die CSU nun an der Macht ist und die Wirtschaft brummt, dann wird jeder sagen "Die Entscheidungen der CSU waren für den Wirtschaftsaufschwung verantwortlich". Aber niemand weiß ob das Ergebnis anders oder besser gewesen wäre wenn die SPD, die GRÜNEN oder ICH dort an der Regierung gewesen wären. Es ist in der Politik, besonders in der Wirtschaftspolitik also unmöglich, dass man die CSU, die SPD, die GRÜNEN, die FDP und MICH an die selbe Aufgabe setzt und dann HINTERHER guckt welche Politik am besten war. Es gibt keine Wirtschaftspolitiksimulation.
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