Thatchers Wirtschaftspolitik

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Adam Smith
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Re: Thatchers Wirtschaftspolitik

Beitragvon Adam Smith » Di 12. Dez 2017, 22:28

rain353 hat geschrieben:(12 Dec 2017, 22:06)

Also, unter Thatchers Amtszeit gab es am Ende einen ausgeglichenen Haushalt bis Labour mit Blair an die Macht kam(NEUE MITTE; Orientierung AN Thatchers Wirtschaftspolitik nur AUS taktischen nicht aus moralischen bzw. politischen Gründen) => Die Roten(Funktionäre) finden immer ihr Weg zum Geld(meine Meinung)....

Die Staatsverschuldung in Bezug auf das BIP betrug ja auch im Jahr 2007 nur 42%. Der Grundstein für den extremen Anstieg danach wurde aber schon unter Thatcher gelegt.
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Re: Thatchers Wirtschaftspolitik

Beitragvon rain353 » Di 12. Dez 2017, 23:56

Thatcher war eigentlich wie auch Erhard gegen Subventionen!!!
Aber, selbst, wenn sie den Grundstein gelegt hätte, unter den Tories wäre das auch wieder abgebaut worden(Meine Meinung)
Das hier selbst Reform.New Labour besser mit dem Geld umgehen , glaube ich eher nicht, eher andersrum.... , außer natürlich es ist ihr eigenes Geld, dann gehen sie
sehr sparsam damit um......

Der Ronald Reagon hat durch seine massiven Aufrüstungen(Rüstungskeynisnismus) sich doppelt scheinheilig verhalten, da er einerseits freie Marktwirtschaft gepredigt hatte , aber im Rüstungsbereich genau das genaue Gegenteil durchgezogen hat, nur um Sowjetunion dazu zu bringen mit aufzurüsten, damit die sehr schnell Pleite werden.... Dem kannst du zu Recht anklagen und sagen, dass er für die massive Verschuldung verantwortlich ist...

Aber Thatcher hatte Prinzipien, die sie auch durchgesetzt hat und die Wähler wussten auch wofür sie abstimmen... Dann kam ein Blair, der auf moderne Sozialdemokratie machte... Wer sich nach dem Wind dreht, darf sich nicht wundern, wenn dann mal nichts weht :)
Und vor allem der Wähler einen nichts mehr glaubt, weil er nicht mehr weiß wofür er eig. abstimmt... (Geschieht denen Recht).... Tut mir Leid diese Schadenfreude über Blair , Schröder und Co. kann ich mir nicht verkneifen...
Übrigens der Zerfall der Industrie zeichnete sich vor Thatcher ab(schweres Erbe)... Das war Atlee, Wilsons und Co. Erbe(LABOUR)... Verstaatlichung von Industriezweigen ist Unsinn.... Hat noch nie funktioniert
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Re: Thatchers Wirtschaftspolitik

Beitragvon Alter Stubentiger » Mi 13. Dez 2017, 14:36

rain353 hat geschrieben:(12 Dec 2017, 22:12)

Eher hat sie die Reformen zu schnell durchgesetzt, aber es gab doch in Deutschland mal ein Erhard, der hat im Prinzip das gleiche gemacht.. Er hat es nur anders genannt...
(Volkskapitalismus, Volksaktien, Volks,-) => Synonym für Privatisierungen...

Damals wollte er den Gewerkschaften nicht mal ansatzweise entgegenkommen...
Und die Bahn wurde auch in Deutschland privatisiert, was auch richtig war... (du musst wegkommen vom Denken in linearen Zeiten; es verläuft alles in nicht-linearen Zeiten)
Durch Wettbewerb kann Wohlstand für alle produziert werden, desto größer der Kuchen wird... In den Ländern , wo es nur Arme gibt(alle haben gleich viel) habe ich noch nie gesehen, dass es den gut geht...


Ludwig Erhardt hat die soziale Marktwirtschaft eingeführt. Das ist das genaue Gegenteil des Thatcherismus und der Reaganomics. Das Problem ist das wenn man "Neoliberalismus" sagt dieser Begriff heute ganz anders definiert wird als 1950. Man muß dies trennen:

1950: Neoliberalismus = Ordoliberalismus = soziale Marktwirtschaft
1980: Neoliberalismus = Die Thesen von Hayek und Friedmann

Bei Thatcher und Reagan wurden die Gewerkschaften zerstört und Regeln für einen geordnete Wirtschaft wurden abgeschafft. Vor allem bei Finanzgeschäften. Die letztliche Ursache für die Probleme des jetzigen Finanzsystems. Bei Ludwig Erhardt wurde der Staat quasi zum Schiedsrichter zwischen den Marktteilnehmern. Er gab einen Rahmen vor in dem frei agiert werden konnten. Und dies war wirklich erfolgreich.
Niemand hat vor eine Mauer zu errichten (Walter Ulbricht)
...und die Mauer wird noch in 50 oder 100 Jahren stehen (Erich Honecker)
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Re: Thatchers Wirtschaftspolitik

Beitragvon Alter Stubentiger » Mi 13. Dez 2017, 14:45

rain353 hat geschrieben:(12 Dec 2017, 22:06)

Also, unter Thatchers Amtszeit gab es am Ende einen ausgeglichenen Haushalt bis Labour mit Blair an die Macht kam(NEUE MITTE; Orientierung AN Thatchers Wirtschaftspolitik nur AUS taktischen nicht aus moralischen bzw. politischen Gründen) => Die Roten(Funktionäre) finden immer ihr Weg zum Geld(meine Meinung)....

Die Labour Regierung hatte natürlich sehr viel Spielraum wegen dem ausgeglichenen Haushalt(dem der Tory-Regierung zuvor geschuldet war), haben aber dann die Finanzdisziplin verletzt....

Thatcher hat Erfolge gefeiert die aber nur eine Scheinblüte bedeuteten. Wenn man den Sozialstaat zusammenstreicht und das Tafelsilber verhökert hat man einen ausgeglichenen Haushalt. Aber auch verdammt viele Leute die dafür auf der Strecke geblieben sind. Als sie dann nach den ganzen Steuererleichterungen für Reiche und Wirtschaft auch noch eine Kopfsteuer einführen wollte, die vor allem die normalen Briten getroffen hätte, war der Bogen überspannt. Als sie starb feierte die Menge auf der Straße. Hi, ha, the witch is dead.
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Re: Thatchers Wirtschaftspolitik

Beitragvon Alter Stubentiger » Mi 13. Dez 2017, 14:47

rain353 hat geschrieben:(12 Dec 2017, 19:29)

Selbst Sozialisten bzw. linke Sozialdemokraten wie Lafontaine loben Erhard lol......
Ja, aber, wenn sie zu viel Macht haben, holen sie besonders viel raus und das verhindert deren Wachstumspotenzial(NICHT in lineare Zeiten, sondern in nicht-lineare Zeiten denken)
Und der Zerfall des Industriesektor zeichnete sich schon vorher ab, die Krise gab es vorher.... Deswegen haben die ja Thatcher gewählt, auch wenn ihr Ruf , wegen der Abschaffung der gebührenfreien Milch ruiniert war...(Was sie aber durchsetzen musste)

Helmut Schmidt hat mal gesagt, dass Thatcher die einzigste Regierungschef/in(von allen Regierungen) in Westeuropa ist, die was von Wirtschaft versteht..

Edward Heath hatte übrigens das selbe vor, er musste aber den zu starken Gewerkschaften nachgeben...


Ich denke das du gerne mal so ein Zitat von Helmut Schmidt einstellen solltest. Ich denke nämlich nicht daß er dies so gesagt hat.
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Re: Thatchers Wirtschaftspolitik

Beitragvon Dampflok94 » Mi 13. Dez 2017, 16:38

rain353 hat geschrieben:(12 Dec 2017, 19:29)
Selbst Sozialisten bzw. linke Sozialdemokraten wie Lafontaine loben Erhard lol......

Das ist ja auch völlig korrekt. Die soziale Marktwirtschaft ist ja auch eine tolle Sache. Deswegen ist Erhard aber noch lange kein Übermensch ohne fehl und Tadel. Das ist nämlich schlicht niemand. (Außer mir natürlich ;) :D )
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Re: Thatchers Wirtschaftspolitik

Beitragvon Adam Smith » Mi 13. Dez 2017, 18:21

rain353 hat geschrieben:(12 Dec 2017, 19:29)

Helmut Schmidt hat mal gesagt, dass Thatcher die einzigste Regierungschef/in(von allen Regierungen) in Westeuropa ist, die was von Wirtschaft versteht..


Helmut Schmidt war übrigens der deutsche Schuldenkanzler. Unter ihm ist die Staatsverschuldung stark angestiegen.
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Re: Thatchers Wirtschaftspolitik

Beitragvon Dampflok94 » Mi 13. Dez 2017, 19:48

Adam Smith hat geschrieben:(13 Dec 2017, 18:21)

Helmut Schmidt war übrigens der deutsche Schuldenkanzler. Unter ihm ist die Staatsverschuldung stark angestiegen.

Na ein Glück, daß Helmut Kohl damit Schluß gemacht hat. :rolleyes:
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Re: Thatchers Wirtschaftspolitik

Beitragvon Skull » Mi 13. Dez 2017, 20:31

Guten Abend,

drei Beiträge in die Ablage versenkt.
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Re: Thatchers Wirtschaftspolitik

Beitragvon rain353 » Mi 13. Dez 2017, 21:32

Alter Stubentiger hat geschrieben:(13 Dec 2017, 14:36)

Ludwig Erhardt hat die soziale Marktwirtschaft eingeführt. Das ist das genaue Gegenteil des Thatcherismus und der Reaganomics. Das Problem ist das wenn man "Neoliberalismus" sagt dieser Begriff heute ganz anders definiert wird als 1950. Man muß dies trennen:

1950: Neoliberalismus = Ordoliberalismus = soziale Marktwirtschaft
1980: Neoliberalismus = Die Thesen von Hayek und Friedmann

Bei Thatcher und Reagan wurden die Gewerkschaften zerstört und Regeln für einen geordnete Wirtschaft wurden abgeschafft. Vor allem bei Finanzgeschäften. Die letztliche Ursache für die Probleme des jetzigen Finanzsystems. Bei Ludwig Erhardt wurde der Staat quasi zum Schiedsrichter zwischen den Marktteilnehmern. Er gab einen Rahmen vor in dem frei agiert werden konnten. Und dies war wirklich erfolgreich.


Ich muss dich, auch, wenn du teilweise falsch liegst trotzdem loben, dass du was wichtiges gesagt hast die zwei Phasen des Neoliberalismus....

Erst war Erhard aber gegen den Ordoliberalismus, er war sogar eig. ein Marktradikaler(aus heutiger Sicht), hat aber sich von denen vereinnahmen lassen... Aber er war auch sehr von Hayek inspiriert, der Erhard....
Er war übrigens gegen dieses Rentensystem, wie wir es heute haben und hat fleißig privatisiert(hieß nur anders: Volksaktien, Volks-)
Wir waren also sogar einer der ersten Länder, die nach Hayeks Thesen gestaltet wurden(soziale Marktwirtschaft: das soziale ist die Marktwirtschaft selbst)
Dazu war er noch gegen jede Art von Subventionen und Staatsausgaben... Auch eine rein freie Marktwirtschaft ist nicht minder besser als eine geordnete, obwohl es zugegebenerweise in manchen Situation doch eine Rolle spielt... Aber Erhard war Anhänger Hayeks... Wir sind mit Erhard in einer freien Marktwirtschaft gestartet und sind jetzt in dem totalen überregulierten Wohlfahrtstaat , dazu kommt noch der EU Superstaat Brüssel, der sich in Angelegenheiten von Regionen sogar einmischt....(Erhard war für Freihandelszone in Europa, aber gegen Bürokratien war er schon immer; den Wohlfahrtstaat bezeichnete er als das "unsozialste")
Erhard stand auch für einen kompromisslosen Kurs mit den Gewerkschaften(Eigentlich war er sogar ein total "Marktradikaler"(was an sich keine Beleidigung ist, wenn man für freie Marktwirtschaft ist), da sogar die CDU damals einen christlichen Sozialismus anstrebte, also sogar noch heftiger als die Torys vor Thatcher).. Dazu kommt noch, dass in Großbritrannien die Gewerkschaften in der Lage waren den Staat zu erpressen... Mach das als Privatperson, dann landest du im Knast, wenn du das aber als Gewerkschaftler machst, dann wirst du auf Kosten der restlichen Arbeiter belohnt

Aber es ist doch so, dass der wirkliche "Neoliberale" Keynes ist... Durch seine massive Staatsverschuldung wird dadurch die Bevölkerung in Zinsknechtschaft und Herrschaft der Banken getrieben....
Deswegen gebe ich dir bei Reagan sogar Recht(Er hat das Rüstungsetat massiv erhöht, damit Sowjetunion auch mit aufrüstet und Pleite macht) => bis heute andauernde Staatsverschuldung
Hier ein Link, in dem es über die vielen Mythen von der eisernen Lady geht: https://www.welt.de/wirtschaft/article1 ... tcher.html
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Re: Thatchers Wirtschaftspolitik

Beitragvon Adam Smith » Mi 13. Dez 2017, 21:37

Erstens geht es Deutschland wirtschaftlich besser als England und zweitens ist hier die Wirtschaft freier als in England.
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Re: Thatchers Wirtschaftspolitik

Beitragvon rain353 » Do 14. Dez 2017, 05:21

Adam Smith hat geschrieben:(13 Dec 2017, 21:37)

Erstens geht es Deutschland wirtschaftlich besser als England und zweitens ist hier die Wirtschaft freier als in England.


Jaja, wir geben soviel für Soziales aus wie kein anderes Land.... Das es Deutschland so gut geht, ist den Reformen von Helmut Kohl geschuldet.....

Großbritranniens Industriesektor war schon vor Thatcher am Zusammenbrechen.... Es wird hier Rosinen gepickt... Die Faulen werden ihr zugeworfen und die guten, da wird gesagt: "Wäre auch ohne ihr gekommen" ... (Rosinen picken nenn ich das)
Die Privatisierungen der Wasserversorger und Bahnen wurde erst nach ihrer Amtszeit in die Wege geleitet... Das heißt, dass sogar teilweise Kohl sie , was das angeht (im Bahnsektor) übertraf(und dem wird immer Reformstau vorgeworfen)

Man kann es nie einen Recht machen, entweder Reformstau oder rücksichtlose "Marktradikale"- NICHT meine Meinung
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Re: Thatchers Wirtschaftspolitik

Beitragvon Adam Smith » Do 14. Dez 2017, 06:28

In Deutschland wurde die Bahn nur teilweise privatisiert. Die Rechtsform wurde geändert. Der Staat ist aber noch der Besitzer. In England wurde die Bahn vollständig privatisiert. Dieses wurde aber teilweise wieder rückgängig gemacht.
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Re: Thatchers Wirtschaftspolitik

Beitragvon BlueMonday » Do 14. Dez 2017, 11:06

Alter Stubentiger hat geschrieben:(13 Dec 2017, 14:36)

Ludwig Erhardt hat die soziale Marktwirtschaft eingeführt. Das ist das genaue Gegenteil des Thatcherismus und der Reaganomics. Das Problem ist das wenn man "Neoliberalismus" sagt dieser Begriff heute ganz anders definiert wird als 1950. Man muß dies trennen:

1950: Neoliberalismus = Ordoliberalismus = soziale Marktwirtschaft
1980: Neoliberalismus = Die Thesen von Hayek und Friedmann

Bei Thatcher und Reagan wurden die Gewerkschaften zerstört und Regeln für einen geordnete Wirtschaft wurden abgeschafft. Vor allem bei Finanzgeschäften. Die letztliche Ursache für die Probleme des jetzigen Finanzsystems. Bei Ludwig Erhardt wurde der Staat quasi zum Schiedsrichter zwischen den Marktteilnehmern. Er gab einen Rahmen vor in dem frei agiert werden konnten. Und dies war wirklich erfolgreich.


Erhard war praktisch noch ein klassisch Liberaler, bei dessen Aussagen heute viele mit den Ohren schlackern würden.
Im Kern: "Ich meine, daß der Markt an sich sozial ist, nicht daß er sozial gemacht werden muß."
Das ist Erhards soziale Marktwirtschaft. Die Rolle des Staate sah er da allenfalls darin, langfristigen Optimismus zu streuen und nicht bei jedem Problem einzugeifen und das Geld anderer Leute auszugeben. Er war praktisch ein Marktradikaler alter Schule, oder eben ein Klassisch-Liberaler. Der klassische Liberalismus war gekennzeichnet von einer großen Staatsskepsis und befürwortete allenfalls einen Minimalstaat (Nachtwächterstaat), also zurückgestutzt auf die Kernaufgaben, im Wesentlichen die Sicherheitsproduktion.

Der Neoliberalismus war dann eine deutliche Abkehr davon, forderte den rahmenden, starken, eingreifenden, absichernden Staat. Das war das "Neo", das Neue. Von Milton Friedman stammen dann auch Forderungen wie die negative Einkommenssteuer ("Bürgergeld") und die zentrale Geldsteuerung (Monetarismus). Deine Darstellung steht also völlig auf dem Kopf. Der sog. Neoliberalismus wurde zunehmend staatsgläubiger, hatte kein wirkliches Vertrauen mehr in den Markt. Mises, einer der führenden Klassisch-Liberalen nannte solche Leute "Sozialisten".

Noch mal ein paar Erhardzitate zum Kopfgeraderücken:

"Ich habe diese Flucht vor der Eigenverantwortung drastisch genug gekennzeichnet, wenn ich sagte, daß, falls diese Sucht weiter um sich greift, wir in eine gesellschaftliche Ordnung schlittern, in der jeder die Hand in der Tasche des anderen hat Das Prinzip heißt dann: Ich sorge für die anderen und die anderen sorgen für mich! Die Blindheit und intellektuelle Fahrlässigkeit, mit der wir dem Versorgungs- und Wohlfahrtsstaat zusteuern, kann nur zu unserem Unheil ausschlagen."

"Eine freiheitliche Wirtschaftsordnung kann auf Dauer nur dann bestehen, wenn und solange auch im sozialen Leben der Nation ein Höchstmaß an Freiheit, an privater Initiative und Selbstvorsorge gewährleistet ist. Wenn dagegen die Bemühungen der Sozialpolitik darauf abzielen, dem Menschen schon von der Geburt an volle Sicherheit gegen alle Widrigkeiten des Lebens zu gewährleisten, d. h. ihn in einer absoluten Weise gegen die Wechselfälle des Lebens abschirmen zu wollen, dann kann man von solchen Menschen einfach nicht mehr verlangen, dass sie das Maß an Kraft, Leistung, Initiative und anderen besten Werten entfalten, das für das Leben und die Zukunft der Nation schicksalhaft ist und darüber hinaus die Voraussetzung einer auf die Initiative der Persönlichkeit begründeten Sozialen Marktwirtschaft bietet."

„Mit der Sozialen Marktwirtschaft haben wir einen Prozess angestoßen, der mehr und mehr in Richtung einer sozialen Verbesserung für unser ganzes Volk wirkt. Kernstück ist die Entfachung des Wettbewerbs. Wir wollen zu einer gerechteren und gleichmäßigeren Verteilung des Volkseinkommens gelangen. Wie? Durch höhere Steuern? Wohin führen sozialistische Konzepte? In völlige Unfreiheit. Es gibt nur eine gerechte Verteilung, und das ist die, die durch die Funktion des Marktes erreicht wird. Der Markt ist der einzig gerechte demokratische Richter, den es in der modernen Wirtschaft gibt.

"Solche 'Wohltat' muß das Volk immer teuer bezahlen, weil kein Staat seinen Bürgern mehr geben kann, als er ihnen vorher abgenommen hat - und das auch noch abzüglich der Kosten einer zwangsläufig immer mehr zum Selbstzweck ausartenden Sozialbürokratie"

"Nichts ist in der Regel unsozialer als der sogenannte Wohlfahrtsstaat, der die menschliche Verantwortung erschlaffen und die individuelle Leistung absinken läßt."

Das meinte Erhgard mit seiner "sozialen Marktwirtschaft". Sozial(=gesellschaftsbildend) ist da im Wesentlichen der freie Tausch von Leistung und Gegenleistung.
But who would build the roads?
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Re: Thatchers Wirtschaftspolitik

Beitragvon rain353 » Do 14. Dez 2017, 11:14

Adam Smith hat geschrieben:(14 Dec 2017, 06:28)

In Deutschland wurde die Bahn nur teilweise privatisiert. Die Rechtsform wurde geändert. Der Staat ist aber noch der Besitzer. In England wurde die Bahn vollständig privatisiert. Dieses wurde aber teilweise wieder rückgängig gemacht.


Ja, aber die wurde nicht von Thatcher privatisiert, also hat sie da weniger als Kohl privatisiert....
Und die Post ist auch noch im Besitz des Staats soweit ich weiß....

Kohl wird ja Reformstau vorgeworfen, Thatcher genau das Gegenteil... WAS NUN???? Entscheide dich... Oder doch eine ganz andere Wirtschaftspolitik ala Keynes?
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Re: Thatchers Wirtschaftspolitik

Beitragvon rain353 » Do 14. Dez 2017, 11:19

BlueMonday hat geschrieben:(14 Dec 2017, 11:06)

Erhard war praktisch noch ein klassisch Liberaler, bei dessen Aussagen heute viele mit den Ohren schlackern würden.
Im Kern: "Ich meine, daß der Markt an sich sozial ist, nicht daß er sozial gemacht werden muß."
Das ist Erhards soziale Marktwirtschaft. Die Rolle des Staate sah er da allenfalls darin, langfristigen Optimismus zu streuen und nicht bei jedem Problem einzugeifen und das Geld anderer Leute auszugeben. Er war praktisch ein Marktradikaler alter Schule, oder eben ein Klassisch-Liberaler. Der klassische Liberalismus war gekennzeichnet von einer großen Staatsskepsis und befürwortete allenfalls einen Minimalstaat (Nachtwächterstaat), also zurückgestutzt auf die Kernaufgaben, im Wesentlichen die Sicherheitsproduktion.

Der Neoliberalismus war dann eine deutliche Abkehr davon, forderte den rahmenden, starken, eingreifenden, absichernden Staat. Das war das "Neo", das Neue. Von Milton Friedman stammen dann auch Forderungen wie die negative Einkommenssteuer ("Bürgergeld") und die zentrale Geldsteuerung (Monetarismus). Deine Darstellung steht also völlig auf dem Kopf. Der sog. Neoliberalismus wurde zunehmend staatsgläubiger, hatte kein wirkliches Vertrauen mehr in den Markt. Mises, einer der führenden Klassisch-Liberalen nannte solche Leute "Sozialisten".

Noch mal ein paar Erhardzitate zum Kopfgeraderücken:

"Ich habe diese Flucht vor der Eigenverantwortung drastisch genug gekennzeichnet, wenn ich sagte, daß, falls diese Sucht weiter um sich greift, wir in eine gesellschaftliche Ordnung schlittern, in der jeder die Hand in der Tasche des anderen hat Das Prinzip heißt dann: Ich sorge für die anderen und die anderen sorgen für mich! Die Blindheit und intellektuelle Fahrlässigkeit, mit der wir dem Versorgungs- und Wohlfahrtsstaat zusteuern, kann nur zu unserem Unheil ausschlagen."

"Eine freiheitliche Wirtschaftsordnung kann auf Dauer nur dann bestehen, wenn und solange auch im sozialen Leben der Nation ein Höchstmaß an Freiheit, an privater Initiative und Selbstvorsorge gewährleistet ist. Wenn dagegen die Bemühungen der Sozialpolitik darauf abzielen, dem Menschen schon von der Geburt an volle Sicherheit gegen alle Widrigkeiten des Lebens zu gewährleisten, d. h. ihn in einer absoluten Weise gegen die Wechselfälle des Lebens abschirmen zu wollen, dann kann man von solchen Menschen einfach nicht mehr verlangen, dass sie das Maß an Kraft, Leistung, Initiative und anderen besten Werten entfalten, das für das Leben und die Zukunft der Nation schicksalhaft ist und darüber hinaus die Voraussetzung einer auf die Initiative der Persönlichkeit begründeten Sozialen Marktwirtschaft bietet."

„Mit der Sozialen Marktwirtschaft haben wir einen Prozess angestoßen, der mehr und mehr in Richtung einer sozialen Verbesserung für unser ganzes Volk wirkt. Kernstück ist die Entfachung des Wettbewerbs. Wir wollen zu einer gerechteren und gleichmäßigeren Verteilung des Volkseinkommens gelangen. Wie? Durch höhere Steuern? Wohin führen sozialistische Konzepte? In völlige Unfreiheit. Es gibt nur eine gerechte Verteilung, und das ist die, die durch die Funktion des Marktes erreicht wird. Der Markt ist der einzig gerechte demokratische Richter, den es in der modernen Wirtschaft gibt.

"Solche 'Wohltat' muß das Volk immer teuer bezahlen, weil kein Staat seinen Bürgern mehr geben kann, als er ihnen vorher abgenommen hat - und das auch noch abzüglich der Kosten einer zwangsläufig immer mehr zum Selbstzweck ausartenden Sozialbürokratie"

"Nichts ist in der Regel unsozialer als der sogenannte Wohlfahrtsstaat, der die menschliche Verantwortung erschlaffen und die individuelle Leistung absinken läßt."

Das meinte Erhgard mit seiner "sozialen Marktwirtschaft". Sozial(=gesellschaftsbildend) ist da im Wesentlichen der freie Tausch von Leistung und Gegenleistung.


Jein... Du hast aber natürlich (anscheinend) als einzigster begriffen, dass Neoliberale, die Keynianer sind(Staat greift ein in die Wirtschaft,HOHE Steuern)

Thatcher wird aber genau das Gegenteil vorgeworfen.. Weißt du eigentlich , wie übermächtig die Gewerkschaften in Großbritannien waren? Die waren gar nicht legitimiert, konnten aber der Regierung mächtig Feuer untern Hintern machen....

Ich weiß nur, dass Hayek auch Liberaler ist... Mit Friedman bin ich leider schlecht vertraut.
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Re: Thatchers Wirtschaftspolitik

Beitragvon Adam Smith » Do 14. Dez 2017, 11:25

rain353 hat geschrieben:(14 Dec 2017, 11:19)

Jein... Du hast aber natürlich (anscheinend) als einzigster begriffen, dass Neoliberale, die Keynianer sind(Staat greift ein in die Wirtschaft,HOHE Steuern)

Thatcher wird aber genau das Gegenteil vorgeworfen.. Weißt du eigentlich , wie übermächtig die Gewerkschaften in Großbritannien waren? Die waren gar nicht legitimiert, konnten aber der Regierung mächtig Feuer untern Hintern machen....

Ich weiß nur, dass Hayek auch Liberaler ist... Mit Friedman bin ich leider schlecht vertraut.

Friedman hat Chile mit seinen Chicago Boys komplett umgekrempelt. Noch stärker als Thatcher mit England. Und hier entstand dann auch die Begriffsveränderung des Neoliberalen. Friedman sah sich selber als klassischen Liberalen.
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Re: Thatchers Wirtschaftspolitik

Beitragvon rain353 » Do 14. Dez 2017, 11:31

War er das, soweit ich gerade mich erkundigt habe, ist er eig. einer der sich auf "Freiheit" beruft
Ich weiß nur, dass Thatcher wie Erhard sehr von Hayek inspiriert wurde

Neoliberal ist ein relativer Begriff : Für alles was nach dem klassen Liberalismus ala Hayek ; Mises kam.... = > mehr Staat, mehr Schulden, wenig Freiheiten, Zinsknechtschaft... haste das Video von Charles Krüge gesehen?
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Re: Thatchers Wirtschaftspolitik

Beitragvon rain353 » Do 14. Dez 2017, 11:48

Der Außenminister , der zum Sturz Thatchers beigetragen hat, hat so denke ich bestimmt eine neoliberale keynsianische Sichtweise....(Vermutung)

Gab es nicht mal einen Österreicher, der Keynes Theorien mit Kriegs/-Planwirtschaft verband?
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Re: Thatchers Wirtschaftspolitik

Beitragvon Skull » Do 14. Dez 2017, 11:55

Guten Tag,

zwei Beiträge in die Ablage verschoben.
Man dient für Lohn und liebt sich für Geschenke

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