Thatchers Wirtschaftspolitik

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rain353
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Thatchers Wirtschaftspolitik

Beitragvon rain353 » Mi 6. Dez 2017, 20:38

Ich wollte fragen, was ihr von Thatchers Wirtschaftspolitik gehalten habt und, ob es Gerecht wird ihr denn vorzuwerfen für die Globalisierung verantwortlich zu sein, obwohl eigentlich
doch Reagan das so wie ich das mitbekommen hatte im Sinn hatte(->zentral gelenkte Rüstungswirtschaft).

Thatcher hat ja aus einem halb-sozialistischen Land, in dem die Gewerkschaften übermächtig waren und jeder Zeit in der Lage waren die Regierung zu erpressen bzw. sogar zu nötigen(und sogar indirekt zu stürzen) eines der freisten Länder der Welt gemacht(freie Marktwirtschaft)

Ludwig Erhard träumte doch auch vom freien Menschen und Freiheit für die Wirtschaft.. Er hielt die Rente genauso für ein Betrugssystem(wie sich heute zeigt), konnte sich leider nur nicht durchsetzen(bei der Rentenversicherung..
Beide hatten doch gleiche Vorstellungen, die sie gegen harte Widerstände kompromisslos durchsetzen, nur mit einem Unterschied: In Deutschland nannte man die Privatisierungen: Volkskapitalismus, Volkseigentum, Volksaktien etc....

Was ist eure Meinung dazu?
Zuletzt geändert von rain353 am Mi 6. Dez 2017, 21:12, insgesamt 2-mal geändert.
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franktoast
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Re: Thatchers Wirtschaftspolitik

Beitragvon franktoast » Fr 8. Dez 2017, 12:13

rain353 hat geschrieben:(06 Dec 2017, 20:38)
Ich wollte fragen, was ihr von Thatchers Wirtschaftspolitik gehalten habt und, ob es Gerecht wird ihr denn vorzuwerfen für die Globalisierung verantwortlich zu sein, obwohl eigentlich
doch Reagan das so wie ich das mitbekommen hatte im Sinn hatte(->zentral gelenkte Rüstungswirtschaft).

Was ist eine zentral gelenkte Rüstungswirtschaft? Für die Globalisierung kann wohl schlecht ein Land bzw. ein Regierungschef verantwortlich gemacht werden. Weltweite Arbeitsteilung ist der logische Schritt in einer pluralen Welt, in der insbesonde ärmere Länder profitieren sollen und auch tun. Und gleichzeitig profitieren auch noch die reichen Länder davon, nur eben nicht so stark.
Ein freier Mensch muß es ertragen können, daß seine Mitmenschen anders handeln und anders leben, als er es für richtig hält, und muß sich abgewöhnen, sobald ihm etwas nicht gefällt, nach der Polizei zu rufen.
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Re: Thatchers Wirtschaftspolitik

Beitragvon Orwellhatterecht » So 10. Dez 2017, 16:03

rain353 hat geschrieben:(06 Dec 2017, 20:38)

Ich wollte fragen, was ihr von Thatchers Wirtschaftspolitik gehalten habt und, ob es Gerecht wird ihr denn vorzuwerfen für die Globalisierung verantwortlich zu sein, obwohl eigentlich
doch Reagan das so wie ich das mitbekommen hatte im Sinn hatte(->zentral gelenkte Rüstungswirtschaft).

Thatcher hat ja aus einem halb-sozialistischen Land, in dem die Gewerkschaften übermächtig waren und jeder Zeit in der Lage waren die Regierung zu erpressen bzw. sogar zu nötigen(und sogar indirekt zu stürzen) eines der freisten Länder der Welt gemacht(freie Marktwirtschaft)

Ludwig Erhard träumte doch auch vom freien Menschen und Freiheit für die Wirtschaft.. Er hielt die Rente genauso für ein Betrugssystem(wie sich heute zeigt), konnte sich leider nur nicht durchsetzen(bei der Rentenversicherung..
Beide hatten doch gleiche Vorstellungen, die sie gegen harte Widerstände kompromisslos durchsetzen, nur mit einem Unterschied: In Deutschland nannte man die Privatisierungen: Volkskapitalismus, Volkseigentum, Volksaktien etc....

Was ist eure Meinung dazu?



Frau Thatcher und Herr Reagan haben die Darwinsche Evolutions Theorie auf die Ökonomie übertragen. Dabei haben sie (wissentlich?) übersehen, dass die Theorie Darwins inzwischen längst als überholt und sogar in vielerlei Hinsicht als widerlegt gilt. Auf den Neoliberalismus übertragen bedeutet das, wir reiten ein totes Pferd !

https://www.youtube.com/watch?v=0qSrxCOUrf0
Die Großen hören auf zu herrschen, wenn die Kleinen aufhören zu kriechen!“
(Friedrich Schiller)
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Re: Thatchers Wirtschaftspolitik

Beitragvon jorikke » So 10. Dez 2017, 17:13

Orwellhatterecht hat geschrieben:(10 Dec 2017, 16:03)

Frau Thatcher und Herr Reagan haben die Darwinsche Evolutions Theorie auf die Ökonomie übertragen. Dabei haben sie (wissentlich?) übersehen, dass die Theorie Darwins inzwischen längst als überholt und sogar in vielerlei Hinsicht als widerlegt gilt. Auf den Neoliberalismus übertragen bedeutet das, wir reiten ein totes Pferd !

https://www.youtube.com/watch?v=0qSrxCOUrf0


Ökonomisch gesehen lassen sich mit Darwin allenfalls mit dem "survival of the fittest" Parallelen ziehen.
Die Entstehung der Arten ist ein ganz anderes Gebiet, da kannst du an noch so viel Haaren ziehen, es passt nicht.
Hat Orwell mal einen kleinen Ausflug ins Märchenland der Kreationisten versucht?
Du bist dir auch für nichts zu schade.
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Re: Thatchers Wirtschaftspolitik

Beitragvon BlueMonday » So 10. Dez 2017, 23:48

Klar, Reagan und Thatcher kannten zu ihrer Amtszeit (80er Jahre) die Thesen dieses Kreationisten Lönnig, die er über 20 Jahre später im völligen wissenschaftlichen Abseits verbreitet hat. Ok, der Kreationismus ist weitaus älter, so alt, dass wenn er ein totes Pferd wäre, nun schon seit Jahrtausenden zu Staub zerfallen und in alle Windrichtungen verweht wäre. Solange glaubt man nun schon an "Intelligent Design"..
Das war wohl wieder mal ein Sonntagsgriff in die Googlekiste von unserem "Ohrwell" :)

Nun gut, vielleicht sollte man zur Rettung des Threads mal konkret die wirtschaftpolitischen Maßnahmen Thatchers Schritt für Schritt durchgehen. Das wäre allerdings Aufgabe des Threaderöffners.
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Re: Thatchers Wirtschaftspolitik

Beitragvon Skull » Mo 11. Dez 2017, 00:02

BlueMonday hat geschrieben:(10 Dec 2017, 23:48)

Nun gut, vielleicht sollte man zur Rettung des Threads

mal konkret die wirtschaftpolitischen Maßnahmen Thatchers Schritt für Schritt durchgehen.
Das wäre allerdings Aufgabe des Threaderöffners.

Korrekt. :thumbup:

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Re: Thatchers Wirtschaftspolitik

Beitragvon Dampflok94 » Mo 11. Dez 2017, 18:13

rain353 hat geschrieben:(06 Dec 2017, 20:38)
Thatcher hat ja aus einem halb-sozialistischen Land, in dem die Gewerkschaften übermächtig waren und jeder Zeit in der Lage waren die Regierung zu erpressen bzw. sogar zu nötigen(und sogar indirekt zu stürzen) eines der freisten Länder der Welt gemacht(freie Marktwirtschaft)
...
Was ist eure Meinung dazu?

Das ist schon mal völliger Murks. GB war auch vor Thatcher nicht halb sozialistisch sonder voll kapitlistisch. Frau Thatcher und ihre Partei haben den Gewerkschaftseinfluß massiv gestutzt. Ob das mehr Freiheit bedeutet hat? Natürlich, für einige schon. Die Zulassung von Sklaverei bringt ja auch mehr Freiheit fürdie Sklavenhalter. Es ist aber immer nur eine kleine Gruppe die profitiert.
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Re: Thatchers Wirtschaftspolitik

Beitragvon rain353 » Di 12. Dez 2017, 01:56

Also waren Ludwig Erhard oder Hayek für dich auch Sklavenhalter????

Ludwig Erhard ist ja auch konsequent gegen den Widerstand der Gewerkschaften vorgegangen, als die Gewerkschaften wollten, dass er die Aufhebung der Preisbindung zurücknimmt....

Ich verlange, wenn du ehrlich bist, dass du Erhard auch kritisierst , sonst bist du unglaubwürdig...
Und vor Thatcher waren die Gewerkschaften an der Lage die Regierung unter Druck zu setzen und Vorteile für sich zu erschleichen... Es wurde unter Churchill und Heath versucht sie in eine Sozialpartnerschaft einzubinden(wie in Deutschland), leider vergeblich... Sie wollten ihre Macht nicht abgeben, also sind sie selber Schuld, wenn sie die Chance nicht ergriffen haben...
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Re: Thatchers Wirtschaftspolitik

Beitragvon Dampflok94 » Di 12. Dez 2017, 09:32

rain353 hat geschrieben:(12 Dec 2017, 01:56)
Also waren Ludwig Erhard oder Hayek für dich auch Sklavenhalter????

Nein, wie kommst Du denn auf diese abwegige Idee?
Ludwig Erhard ist ja auch konsequent gegen den Widerstand der Gewerkschaften vorgegangen, als die Gewerkschaften wollten, dass er die Aufhebung der Preisbindung zurücknimmt....

Falls Du glaubst, ich sei der Meinung Gewerkschften hätten die Weisheit mit Löffeln gefressen und lägen immer auf der richtigen Seite, dann irrst Du.
Ich nehme an, damals hatten die Gewerkschaften Befürchtungen, was die Preisentwicklung bei einer Freigabe anbelangt. Nun weiß man hinterher immer wer Recht hatte. Vorher ist das wesentlich schwieriger. ;)
Ich verlange, wenn du ehrlich bist, dass du Erhard auch kritisierst , sonst bist du unglaubwürdig...

Ehrhard ist für so einiges zu kritisieren. Der war auch keine Lichtgestalt.
Und vor Thatcher waren die Gewerkschaften an der Lage die Regierung unter Druck zu setzen und Vorteile für sich zu erschleichen... Es wurde unter Churchill und Heath versucht sie in eine Sozialpartnerschaft einzubinden(wie in Deutschland), leider vergeblich... Sie wollten ihre Macht nicht abgeben, also sind sie selber Schuld, wenn sie die Chance nicht ergriffen haben...

Vorteile erschleichen? Man hat das getan, wofür Gewerkschaften da sind. Möglichst viel für ihre Mitglieder rauszuholen. Dies paßt der Kapitalseite natürlich nicht, was verständlich ist. Nennt sich Interessengegensatz. Deswegen ist eine Sozialpartnerschaft auch nur in gewissem Rahmen möglich. Und es ist schon sehr vielsagend, daß Du nun ausgerechnet zwei konservative Premiers benennst. Und keinen der Labour Party.
Und woran sollten die Gewerkschaften selber schuld sein? Keinen Selbstmord aus Angst vor dem Tode begangen zu haben?
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Re: Thatchers Wirtschaftspolitik

Beitragvon BlueMonday » Di 12. Dez 2017, 12:09

Dampflok94 hat geschrieben:(11 Dec 2017, 18:13)

Das ist schon mal völliger Murks. GB war auch vor Thatcher nicht halb sozialistisch sonder voll kapitlistisch. Frau Thatcher und ihre Partei haben den Gewerkschaftseinfluß massiv gestutzt. Ob das mehr Freiheit bedeutet hat? Natürlich, für einige schon. Die Zulassung von Sklaverei bringt ja auch mehr Freiheit fürdie Sklavenhalter. Es ist aber immer nur eine kleine Gruppe die profitiert.


Was bedeutet denn für dich "voll kapitalistisch"?

Einer der größten Aufreger unter Thatcher war jedenfalls die Einführung der "poll tax", die auf handfesten Widerstand und Proteste stieß - und sicherlich - Steuern haben schon etwas Sklavisches an sich. Mit der ganzen Staatsgewalt werden sie eingetrieben. Menschen verfolgt, die sich widersetzen. Ein Teil der Lebenszeit und Energie werden zwangsweise "umgesteuert". Moderne Sklaverei.

Thatcher hat das Steuerniveau letztlich nicht gesenkt, den Staatsanteil nicht gesenkt. Sie hat nur Form und Anteile geändert. Die Pointe einer Kopfsteuer wäre ja, dass sie derart niedrig ausfällt, damit sie auch der Ärmste zahlen kann. Sie müsste also praktisch ein unerhebliches Ausmaß annehmen. Das stand Thatcher natürlich nicht im Sinn. Unterm Strich hat während Thatcher das etatistische Niveau eher noch zugenommen statt abgenommen.

"Thatcherism is all too similar to Reaganism: free-market rhetoric masking statist content. " (Rothbard)
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Re: Thatchers Wirtschaftspolitik

Beitragvon Dampflok94 » Di 12. Dez 2017, 15:20

BlueMonday hat geschrieben:(12 Dec 2017, 12:09)

Was bedeutet denn für dich "voll kapitalistisch"?

Gefällt die voll marktwirtschftlich besser? Natürlich war es keine freie Marktwirtschaft. Die gab es eigentlich noch nie.

GB war jedenfalls nicht halb-sozialistisch. jedenfalls nicht in dem Sinne, in dem ich das verstehe. Nun habe ich vernommen, daß insbesondere in den USA viele europäische Staaten (auch uns) unter sozialistisch einordnen, weil es bei uns z. b. eine Sozialversicherung gibt. Wenn man natürlich den Ansatz wählt, dann wäre da was dran. Aber dann stört es nicht weiter.
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Re: Thatchers Wirtschaftspolitik

Beitragvon Alter Stubentiger » Di 12. Dez 2017, 18:05

Dampflok94 hat geschrieben:(12 Dec 2017, 09:32)

Nein, wie kommst Du denn auf diese abwegige Idee?

Falls Du glaubst, ich sei der Meinung Gewerkschften hätten die Weisheit mit Löffeln gefressen und lägen immer auf der richtigen Seite, dann irrst Du.
Ich nehme an, damals hatten die Gewerkschaften Befürchtungen, was die Preisentwicklung bei einer Freigabe anbelangt. Nun weiß man hinterher immer wer Recht hatte. Vorher ist das wesentlich schwieriger. ;)

Ehrhard ist für so einiges zu kritisieren. Der war auch keine Lichtgestalt.

Vorteile erschleichen? Man hat das getan, wofür Gewerkschaften da sind. Möglichst viel für ihre Mitglieder rauszuholen. Dies paßt der Kapitalseite natürlich nicht, was verständlich ist. Nennt sich Interessengegensatz. Deswegen ist eine Sozialpartnerschaft auch nur in gewissem Rahmen möglich. Und es ist schon sehr vielsagend, daß Du nun ausgerechnet zwei konservative Premiers benennst. Und keinen der Labour Party.
Und woran sollten die Gewerkschaften selber schuld sein? Keinen Selbstmord aus Angst vor dem Tode begangen zu haben?


Man kann Frau Thatcher viel vorwerfen. Aber ein Gewerkschaftsproblem gab es schon. Sie hat die Macht der Gewerkschaften gebrochen ist dabei aber viel zu weit gegangen. Vor als auch nach Thatcher fehlte die Balance zwischen Gewerkschaften und Arbeitgebern.

Der Thatcherismus gilt heute als gescheitert. Viele Privatisierungen (Bahn, Atomkraft) waren eine Katastrophe. Eigentlich haben nur die Banken gewonnen. Und die brechen jetzt auch die Zelte ab nachdem immer sichtbarer wird die chaotisch der Brexit abläuft. Vom Empire bleibt nichts außer der Queen.
Niemand hat vor eine Mauer zu errichten (Walter Ulbricht)
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Re: Thatchers Wirtschaftspolitik

Beitragvon Adam Smith » Di 12. Dez 2017, 18:28

Hier mal ein Quelle für die Zeit vor Thatcher:

Wir waren einer Frau begegnet, die Geschichte geschrieben hatte, auch wenn uns das damals noch nicht in seiner ganzen Breite so deutlich war. Margaret Thatcher hatte bei ihrem Amtsantritt ein Land in desaströsem Zustand übernommen. Großbritannien - das war nach dem Zweiten Weltkrieg ein riesiges Versuchslabor für die Vermischung von Sozialismus und Kapitalismus. Weite Bereiche des Landes waren verstaatlicht worden: das Gesundheitssystem; die Stahlindustrie und der Kohlebergbau, Teile des Einzelhandels, Hotels und sogar Reisebüros. England war zum Synonym für den perfekten Wohlfahrtsstaat geworden, mit allumfassender Fürsorge für die Bürger. Und vor allem: mit Gewerkschaften, deren Macht schier unbegrenzt schien.

Es war ein System, das jede Eigeninitiative strangulierte. Das Land verlor zunehmend an Wettbewerbsfähigkeit, seine Industrie spielte im globalen Geschäft kaum noch eine Rolle, das Pfund war im freien Fall. Und keiner der bis dahin regierenden Politiker besaß die Kraft, umfassende Veränderungen einzuleiten. Bis Margaret Thatcher erst den Parteivorsitz der Tories eroberte und dann, 1979, zur Premierministerin aufstieg.


http://www.spiegel.de/wirtschaft/sozial ... 93229.html

Und hier mal eine andere Quelle:

In ihren elf Jahren als Premierministerin hat Thatcher das einstmals marode Land von Grund auf saniert. Sie hat den Arbeitsmarkt reformiert, die bolschewistisch angehauchten Gewerkschaften in ihre Schranken gewiesen und vielen Bürgern den Weg zum Eigenheim oder doch zur eigenen kleinen Wohnung geebnet.

Sie hat Staatsbetriebe privatisiert, Märkte geöffnet und das ganze Land dabei kräftig durchgelüftet. Dass es in England heute eine breite Mittelklasse statt einer antiquierten Klassengesellschaft gibt, ist auch und gerade ihr Verdienst.


https://www.welt.de/wirtschaft/article1 ... aufen.html
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Re: Thatchers Wirtschaftspolitik

Beitragvon Adam Smith » Di 12. Dez 2017, 18:53

Die Privatisierung der Wasserversorgung der Bahn dürfte ein Fehler gewesen sein.

Ein Blick nach England zeigt: Die Privatisierung der Wasserversorgung nutzt im Zweifelsfall den Anteilseignern mehr als dem Verbraucher.


http://www.theeuropean.de/asit-biswas/7 ... atisierung

Die Erfahrungen im Ausland mit der Privatisierung der Bahn reichen von Katastrophen wie in Großbritannien bis zu kleinen Erfolgsgeschichten wie in Japan.


https://www.stern.de/wirtschaft/news/ba ... 71160.html

Auch der Bankensenktor wurde zu stark liberalisiert.

1. Oktober 2007
Während Großbritanniens Bruttoinlandsprodukt in den vergangenen 20 Jahren um 66 Prozent wuchs, legte die City um 158 Prozent zu. 2006 erwirtschaftete sie sogar schon zwölf Prozent des Bruttosozialprodukts. Wenn also vom britischen Wirtschaftswunder die Rede ist, müsste man eigentlich vom Wunder der City sprechen.


http://www.zeit.de/2007/40/London-Finanzmarkt

Aus dem Grund hat sich auch die Staatsverschuldung extrem erhöht. Und natürlich auch hier wegen Krugman.

https://de.statista.com/statistik/daten ... odukt-bip/

Von 42% in Bezug auf das BIP im Jahr 2007 auf 85% im Jahr 2012. Im Moment beträgt sie 89% in Bezug auf das BIP.
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Re: Thatchers Wirtschaftspolitik

Beitragvon Skull » Di 12. Dez 2017, 19:24

Adam Smith hat geschrieben:(12 Dec 2017, 18:53)

Die Privatisierung der Wasserversorgung der Bahn dürfte ein Fehler gewesen sein.



http://www.theeuropean.de/asit-biswas/7 ... atisierung



https://www.stern.de/wirtschaft/news/ba ... 71160.html

Auch der Bankensenktor wurde zu stark liberalisiert.



http://www.zeit.de/2007/40/London-Finanzmarkt

Aus dem Grund hat sich auch die Staatsverschuldung extrem erhöht. Und natürlich auch hier wegen Krugman.

https://de.statista.com/statistik/daten ... odukt-bip/

Von 42% in Bezug auf das BIP im Jahr 2007 auf 85% im Jahr 2012. Im Moment beträgt sie 89% in Bezug auf das BIP.

Was von diesen Dingen war ... zu Thatchers (Regierungs) Zeiten (1979 - 1990) ?

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Re: Thatchers Wirtschaftspolitik

Beitragvon rain353 » Di 12. Dez 2017, 19:29

Dampflok94 hat geschrieben:(12 Dec 2017, 09:32)

Nein, wie kommst Du denn auf diese abwegige Idee?

Falls Du glaubst, ich sei der Meinung Gewerkschften hätten die Weisheit mit Löffeln gefressen und lägen immer auf der richtigen Seite, dann irrst Du.
Ich nehme an, damals hatten die Gewerkschaften Befürchtungen, was die Preisentwicklung bei einer Freigabe anbelangt. Nun weiß man hinterher immer wer Recht hatte. Vorher ist das wesentlich schwieriger. ;)

Ehrhard ist für so einiges zu kritisieren. Der war auch keine Lichtgestalt.

Vorteile erschleichen? Man hat das getan, wofür Gewerkschaften da sind. Möglichst viel für ihre Mitglieder rauszuholen. Dies paßt der Kapitalseite natürlich nicht, was verständlich ist. Nennt sich Interessengegensatz. Deswegen ist eine Sozialpartnerschaft auch nur in gewissem Rahmen möglich. Und es ist schon sehr vielsagend, daß Du nun ausgerechnet zwei konservative Premiers benennst. Und keinen der Labour Party.
Und woran sollten die Gewerkschaften selber schuld sein? Keinen Selbstmord aus Angst vor dem Tode begangen zu haben?


Selbst Sozialisten bzw. linke Sozialdemokraten wie Lafontaine loben Erhard lol......
Ja, aber, wenn sie zu viel Macht haben, holen sie besonders viel raus und das verhindert deren Wachstumspotenzial(NICHT in lineare Zeiten, sondern in nicht-lineare Zeiten denken)
Und der Zerfall des Industriesektor zeichnete sich schon vorher ab, die Krise gab es vorher.... Deswegen haben die ja Thatcher gewählt, auch wenn ihr Ruf , wegen der Abschaffung der gebührenfreien Milch ruiniert war...(Was sie aber durchsetzen musste)

Helmut Schmidt hat mal gesagt, dass Thatcher die einzigste Regierungschef/in(von allen Regierungen) in Westeuropa ist, die was von Wirtschaft versteht..

Edward Heath hatte übrigens das selbe vor, er musste aber den zu starken Gewerkschaften nachgeben...
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Re: Thatchers Wirtschaftspolitik

Beitragvon rain353 » Di 12. Dez 2017, 19:34

Adam Smith hat geschrieben:(12 Dec 2017, 18:53)

Die Privatisierung der Wasserversorgung der Bahn dürfte ein Fehler gewesen sein.



http://www.theeuropean.de/asit-biswas/7 ... atisierung



https://www.stern.de/wirtschaft/news/ba ... 71160.html

Auch der Bankensenktor wurde zu stark liberalisiert.



http://www.zeit.de/2007/40/London-Finanzmarkt

Aus dem Grund hat sich auch die Staatsverschuldung extrem erhöht. Und natürlich auch hier wegen Krugman.

https://de.statista.com/statistik/daten ... odukt-bip/

Von 42% in Bezug auf das BIP im Jahr 2007 auf 85% im Jahr 2012. Im Moment beträgt sie 89% in Bezug auf das BIP.


Staatsverschuldung wächst dadurch, dass man meint mit Konjunkturprogramme die Wirtschaft zu verbessern... Und durch übermäßiger Zuteilung und Konsum...
Wohlstand kommt bei allen durch Wettbewerb und freien Markt an.... Durch Planwirtschaft nur bei einigen wenigen...

Mich wundert es, dass du Adam Smith heißt, der war eigentlich Befürworter und Erfinder der freien Marktwirtschaft..... Für mich klingt das, was du schreibst nach Keynes.. Bitte nicht persönlich nehmen... Aber Smith war für die angebotsorientierte Wirtschaftspolitik.
https://www.youtube.com/watch?v=EKw-ZdYe7Jk&t=1s
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Re: Thatchers Wirtschaftspolitik

Beitragvon Adam Smith » Di 12. Dez 2017, 19:44

Wie kommst du darauf, dass ich ein Anhänger von Keynes bin und Staatsverschuldung gut finde?
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Re: Thatchers Wirtschaftspolitik

Beitragvon rain353 » Di 12. Dez 2017, 22:06

Adam Smith hat geschrieben:(12 Dec 2017, 19:44)

Wie kommst du darauf, dass ich ein Anhänger von Keynes bin und Staatsverschuldung gut finde?


Also, unter Thatchers Amtszeit gab es am Ende einen ausgeglichenen Haushalt bis Labour mit Blair an die Macht kam(NEUE MITTE; Orientierung AN Thatchers Wirtschaftspolitik nur AUS taktischen nicht aus moralischen bzw. politischen Gründen) => Die Roten(Funktionäre) finden immer ihr Weg zum Geld(meine Meinung)....

Die Labour Regierung hatte natürlich sehr viel Spielraum wegen dem ausgeglichenen Haushalt(dem der Tory-Regierung zuvor geschuldet war), haben aber dann die Finanzdisziplin verletzt....

Übrigens Helmut Kohl dem ja oft das Gegenteil vorgeworfen wird(als es bei Thatcher der Fall war), also Reformstau und keine klare Linie, hat in seiner letzten Legislaturperiode teilweise wichtige Reformen durchsetzen können Umwandlung der Deutsche Bahn in Aktiengesellschaft.... (wie ich ja zuvor geschrieben habe)

Adam Smith hat sich ja dafür eingesetzt, dass der Staat sich nicht in die Wirtschaft einmischt... ,in einer Zeit wo der Staat viel vorgeschrieben hat..(gegen den Feudalismus)
"Für ihn galt: Ursprung des Wohlstands ist die menschliche Arbeit. Die Steigerung der produktiven Kräfte der Arbeit und damit nationaler Wohlstand waren für SMITH Voraussetzungen für eine „zivilisierte“ Gesellschaft." Quelle: https://www.lernhelfer.de/schuelerlexik ... adam-smith

Bei Siemens z.B. ist ja auch nicht der Grund dafür, dass es keine Beschränkungen oder Eingriffe des Staates gibt... Das Gegenteil ist doch der Fall: Man hat eine verfehlte Klimapolitik durchgesetzt und auch eine zu schnelle... und jetzt lohnt es sich für Siemens nicht mehr in den Standort Deutschland zu produzieren bzw. zu investieren... Mit Eingriffe vom Staat vernichtet man den freien Wettbewerb und damit auch verbunden den Wohlstand.. (nicht-lineare Zeiten)
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Re: Thatchers Wirtschaftspolitik

Beitragvon rain353 » Di 12. Dez 2017, 22:12

Alter Stubentiger hat geschrieben:(12 Dec 2017, 18:05)

Man kann Frau Thatcher viel vorwerfen. Aber ein Gewerkschaftsproblem gab es schon. Sie hat die Macht der Gewerkschaften gebrochen ist dabei aber viel zu weit gegangen. Vor als auch nach Thatcher fehlte die Balance zwischen Gewerkschaften und Arbeitgebern.

Der Thatcherismus gilt heute als gescheitert. Viele Privatisierungen (Bahn, Atomkraft) waren eine Katastrophe. Eigentlich haben nur die Banken gewonnen. Und die brechen jetzt auch die Zelte ab nachdem immer sichtbarer wird die chaotisch der Brexit abläuft. Vom Empire bleibt nichts außer der Queen.



Eher hat sie die Reformen zu schnell durchgesetzt, aber es gab doch in Deutschland mal ein Erhard, der hat im Prinzip das gleiche gemacht.. Er hat es nur anders genannt...
(Volkskapitalismus, Volksaktien, Volks,-) => Synonym für Privatisierungen...

Damals wollte er den Gewerkschaften nicht mal ansatzweise entgegenkommen...
Und die Bahn wurde auch in Deutschland privatisiert, was auch richtig war... (du musst wegkommen vom Denken in linearen Zeiten; es verläuft alles in nicht-linearen Zeiten)
Durch Wettbewerb kann Wohlstand für alle produziert werden, desto größer der Kuchen wird... In den Ländern , wo es nur Arme gibt(alle haben gleich viel) habe ich noch nie gesehen, dass es den gut geht...

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