Gehen uns die Handwerker aus?

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jack000
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Re: Gehen uns die Handwerker aus?

Beitragvon jack000 » Sa 25. Nov 2017, 23:38

Umetarek hat geschrieben:(25 Nov 2017, 22:57)

Nein, sie sind bei der Ausbildung ganz nett, genau wie bei den Krankenpflegern, danach stagnierts. Höhere Löhne, dann machens auch mehr. Nach ~ 40-45 Jahren Handwerk muß dann aber spätestens Schluß sein, dann ist der Rücken und die Knie durch, eine Rentenachhintenverschiebung ist in diesen Berufen nicht möglich.

So stellt sich aber die Frage, wie man diese Ausbildung attraktiver machen kann. Ich selbst habe ja auch eine Handwerksausbildung (damals bei der Telekom) und wurde ins nichts entlassen ...
=> Inzwischen sind die Perspektiven besser, aber man muss da mal was bezüglich dem Thema "Rente" machen was das Alter betrifft ...
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Dampflok94
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Re: Gehen uns die Handwerker aus?

Beitragvon Dampflok94 » So 26. Nov 2017, 09:03

jack000 hat geschrieben:(25 Nov 2017, 23:38)

So stellt sich aber die Frage, wie man diese Ausbildung attraktiver machen kann. Ich selbst habe ja auch eine Handwerksausbildung (damals bei der Telekom) und wurde ins nichts entlassen ...
=> Inzwischen sind die Perspektiven besser, aber man muss da mal was bezüglich dem Thema "Rente" machen was das Alter betrifft ...

Hier ist natürlich das Problem, daß viele Handwerksbetriebe Kleinbetriebe sind. Da sieht es mit Betriebsrente mau aus. Da ist natürlich was das angeht ein Job in einem großen Konzern attraktiver.
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Re: Gehen uns die Handwerker aus?

Beitragvon Positiv Denkender » So 26. Nov 2017, 11:25

Dampflok94 hat geschrieben:(25 Nov 2017, 20:24)

Es gibt diese Mitarbeiter momentan schlicht nicht. Da hat man vorher was verschlafen. Steigende Löhne müßten eigentlich die Folge sein. Jedenfalls nach den Regeln der Marktwirtschaft (Angebot und Nachfrage und so!) Ob es dazu kommt? Man wird es sehen.

Dann jammern wieder diejenigen die meinen Handwerker wären zu teuer . Das Gejammer auf zu lange Wartezeiten ist doch lediglich Stimmungsmache .
Sobald die Heizung ausfällt ist der Kundendienst innerhalb von 2 Stunden vor Ort .Ich kann nur immer wieder bestätigen , gerade bei Unternehmen die Service für Haustechnik übernommen haben werden die Reparaturen zeitnah ausgeführt .
Ich weiß auch nicht wo das Problem liegen soll wenn man für Handwerksleistungen wie Maler , Gartengestalter , Raumausstatter ,usw,
Termine ausmacht . Für beide Seiten von Vorteil . Wir haben privat diese Situation . Der Installateur bestellt die einzubauenden Teile ,
sobald diese geliefert werden macht er einen Termin aus um diese einzubauen . Das geht innerhalb einer Woche über die Bühne .
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Re: Gehen uns die Handwerker aus?

Beitragvon Cobra9 » So 26. Nov 2017, 11:36

Billie Holiday hat geschrieben:(25 Nov 2017, 18:58)

Sobald der Sturm das Dach freigeweht hat, die Bude kalt bleibt weil der Brenner auf Störung steht oder der Strom wegbleibt, sind Handwerker plötzlich wieder beliebt.


Natürlich weil hier ist ein zu erfüllender Bedarf akut da. Aber welcher junge Mensch möchte eine Ausbildung im Handwerk machen. Handwerker konkurrieren direkt mit der Industrie bei Jugendlichen. Da unterliegen Sie schon mal. Gehalt, Möglichkeiten usw. sind einfach nicht vergleichbar in der Mehrzahl der Fälle.

Dazu Arbeitszeiten usw.
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Re: Gehen uns die Handwerker aus?

Beitragvon Quatschki » So 26. Nov 2017, 11:37

Dampflok94 hat geschrieben:(26 Nov 2017, 09:03)

Hier ist natürlich das Problem, daß viele Handwerksbetriebe Kleinbetriebe sind. Da sieht es mit Betriebsrente mau aus. Da ist natürlich was das angeht ein Job in einem großen Konzern attraktiver.

Da gäbe es sicher Modelle.
Ärzte, Apotheker oder Steuerberater sind ja auch Kleinunternehmer.
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Re: Gehen uns die Handwerker aus?

Beitragvon Cobra9 » So 26. Nov 2017, 11:39

SpukhafteFernwirkung hat geschrieben:(25 Nov 2017, 21:02)

was ich darf und was ich mache sind 2 völlig grundverschiedene sachen...- :D



Dir ist klar das Du für die Folgen selbst zuständig bist wenn was passiert und Du kriegst offiziell keinen Gaszähler. Da spielen ohne Meister keine Versorger mit.
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Re: Gehen uns die Handwerker aus?

Beitragvon Dampflok94 » So 26. Nov 2017, 12:00

Quatschki hat geschrieben:(26 Nov 2017, 11:37)

Da gäbe es sicher Modelle.
Ärzte, Apotheker oder Steuerberater sind ja auch Kleinunternehmer.

Und bieten die typischerweise eine Betriebsrente an?
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Re: Gehen uns die Handwerker aus?

Beitragvon Quatschki » So 26. Nov 2017, 12:53

Die haben einen berufsständischen Schutz, der ihnen Planungssicherheit, Einkommenssicherheit und eine solide Altersversorgung garantiert.

Das sind ja die beiden Konzepte: hemmungslose Amerikanisierung, Liberalisierung und Deregulierung auf der einen, soziale Marktwirtschaft auf der anderen Seite. In Deutschland haben manche Branchen ihre sozialen Besitzstände verteidigen können, während andere untergebuttert wurden.
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Re: Gehen uns die Handwerker aus?

Beitragvon immernoch_ratlos » So 26. Nov 2017, 14:10

Jeder - nun ja sehr viele - möchten das ihr Nachwuchs was "Besseres" wird. Da steht ganz vorn der Akademiker, der als Sinnbild und Ziel für ein "erfülltes Leben" gilt. Das hat sehr lange gut funktioniert, bis eben durch ein Überangebot an brotlosen Künsten auch dort nicht jeder mehr den vermeintlichen "Marschhalsstab" im "Tornister" finden konnte :rolleyes:

Doch die Mär zu einem "erfüllten Leben" gehöre quasi naturgesetzlich der Aufstieg über einen gymnasialen Schulweg, ein Studium (meist dessen was gerade "ou vogue" scheint). Dieses Modell der Lebensgestaltung macht alle, die warum auch immer "Handwerker" werden sollen, zu etwas eher anrüchigem. Was zählt es denn gesellschaftlich, wenn einer verschämt gestehen muss, ich bin Metzger, Bäcker oder Installateur der "Gaswasserscheiße- Branche", Verkäufer, Maurer, Zimmermann usw. usf. ?

Da ist "man" / "frau" doch lieber alles andere, was offensichtlich auch gesellschaftlichen Mehrwert an Ansehen bringt. Wohin führt eine Lehre in den genannten Handwerken später - in der Vergangenheit sehr häufig und meist total berufsfremd in die besser zahlende Industrie, um dort irgendwelche stupiden "Bandtätigkeiten" zu verrichten. Einige (vergleichsweise) wenige haben ihren Handwerksmeister gemacht und nochmals Wenige wurden "selbständig" oder führten den elterlichen Betrieb fort.

Nun für mich hat sich das Handwerk durchaus und in jeder Hinsicht "ausgezahlt". Kein Wunder, der Elektroinstallateur, bietet auch ohne vorausgegangenes Studium, auch später noch zahlreiche attraktive "Abzweigungen" - nun ja ein Meisterbrief ist sicher kein Hindernis dabei. Ob nun in der Industrie oder weiter im Handwerk, wer gut ist, sollte eigentlich kein Problem haben sich günstig weiterzuentwickeln.

Leider gibt es auch dort ein "Imageproblem" - überhaupt, wer so "primitiv" gestrickt ist mit "seinen Händen arbeitend" seinen Lebensunterhalt verdienen zu müssen, kommt überall schlechter an, als alle, welche vorgeblich "Kopfarbeit" leisten und da ist eben die Krönung der Akademiker - wenn auch - egal aus welchen Gründen eventuell "brotlos".

Wie also, soll man den lieben Kleinen, denen diese keineswegs verborgen geblieben ist, später eine Lehre schmackhaft machen :?:

Was das "Selbermachen" angeht, wer die Wahl hat, kann problemlos auf "Gas" verzichten, wer eine echte Handwerkslehre hatte, musste sich als Elektriker, einige Kenntnisse anderer Gewerke "auf dem Bau" aneignen - das ist durchaus "ausbaufähig". Ein eigenes Haus zu bauen oder eines zu Renovieren und später zu erhalten, ist vergleichsweise "lukrativ", wenn man handwerkliche Grundlagen mit der notwendigen theoretischen Ausbildung kombinieren kann.

Nur, wie sag ich´s meinem Kinde ? Oder wie kann das jeweils betroffene Handwerk, dass Jugendlichen vermitteln, denen bislang alles andere, als ein Handwerk, als das Lebensziel angedient worden ist ? Wer erst 4 ... 5 Jahre später, als meine Generation überhaupt und erstmals mit dem Berufsleben Bekanntschaft macht, andere noch deutlich später nach einem Studium. Ich selbst, habe mir am Ende der "Volksschule" selbst eine Lehrstelle gesucht und dort mit ~14 als "Elektriker" begonnen und das niemals bereut.

Kann mich doch noch gut an den allgemeinen Aufschrei erinnern, als konservative Politiker (nicht nur ) in BW versuchten, ein Leben "jenseits einer akademischen Laufbahn" schmackhaft zu machen. Welchen Sturm der Entrüstung das auslöste. So als wolle man den lieben Kleinen etwas vorenthalten. Das alles hat auch weiterhin zur Unattraktivität dieser "sog. unteren Lebensentwürfe" beigetragen. Allenfalls Berufen, die mit modernen Attributen ausgestattet punkten konnten, hatten und haben noch Zulauf. Da ist der Automechaniker, der in Wahrheit hauptsächlich Teile - und das dann auch nur einer bestimmten Marke zusammenschraubt - jetzt schon wegen der "Blackbox KFZ" - auch schon eher Mechatroniker genannt wird, ein Beispiel für gelungenes "Marketing".

Andere "ehemalige" Handwerke wie z.B. der Bäcker, haben äußerst unangenehme Arbeitszeiten und inzwischen backt doch sowieso jede Verkäuferin das, immer noch "Brot" genannte, industriell vorgefertigte Zeug, gleich selbst zusammen. Metzger, denen ob ihres durchaus blutigen Handwerks, nun auch der irre Veganismus zusätzlich Imageprobleme bereitet, wer möchte das noch freiwillig werden :?:

Oder alle Gewerke, welche meist ihr Berufsleben auf irgendwelchen Baustellen zubringen - unangenehme, witterungsabhängige, schmutzige Arbeitsstätten mit einem Ruch des "Verlierers" (zu was anderem hat es wohl nicht gereicht :? ). Da ist es völlig nebensächlich, welche tatsächlichen Chancen das Handwerk immer noch bietet. Einen dauerhaften und weitgehenden krisenfesten Arbeitsplatz, der sich nur sehr, sehr schlecht nach China oder sonstwohin "outsourcen" lässt. Bis das allerdings in den Köpfen angekommen ist (wenn überhaupt), ist es deutlich zu spät für eine Lehre. Klar, von meinem Standpunkt aus empfehle ich jedem einen der hier 2003 neu sortierten Elektroberufe (PDF) Eine dieser Ausbildungen - ein, zwei Jahre praktischer Erfahrung und weiter bis in ein berufsbegleitendes Studium ist da alles drin.... Die Übergänge Handwerk / Industrie sind später sowieso gleitend.

Wer etwas "unternehmen" möchte, hat bei Eignung jede Menge Möglichkeiten. Auch nicht uninteressant, das "Ausland" hat ebenfalls Verwendung für wirklich gute Handwerker. Der Vorteil einer "dualen Ausbildung" ist unschlagbar.

Ach ja, wer wirklich als Handwerker tätig ist, hat gewöhnlich auch "Kontakte" - da ist eine Abnahme - Voraussetzung, man ist kein "begnadeter Pfuscher" - keine wirkliche Hürde - auch nicht im Bereich "Gas" oder "Elektro". Wenn ich das wollte, als "Schwarzarbeiter" könnte ich durchaus den "goldenen Boden" pflegen. Mir reicht es schon, alle meine eigenen Belange noch immer "selbstständig" erledigen zu können. Nicht zuletzt, weil etwas, was man selbst herstellt, durchaus befriedigend sein kann...

Schade, dass diese Tugend - einen guten und starken Stamm an Handwerkern zu haben - so sehr von all den anderen, meist auch sehr gefährdeten Berufen überlagert wurde und wird.
"Wenn der Wind der Veränderung weht, bauen die einen Mauern und die anderen Windmühlen." (aus China)
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Re: Gehen uns die Handwerker aus?

Beitragvon BlueMonday » So 26. Nov 2017, 15:55

Wenn die Nachfrage das Angebot längerfristig übersteigt, dann werden -sofern es nicht künstliche Beschränkungen und Preissteuerungen gibt, die Preise für das Nachgefrage steigen. Die Dachdeckerrechnung fällt dann eben deutlich höher aus. Wenn man sich die Kunden aussuchen kann, dann nimmt man den, der mehr zahlt. Was sonst? Durch diese zusätzlichen Mittel kann man wiederum auf dem Arbeitsmarkt besseres Personal einsammeln, die Stellen werden relativ attraktiver. Das sind sicherlich Prozesse, die nicht in 5 Minuten Anpassung an eine neue Situation bringen. Das dauert schon ein paar Monate und Jahre... Dazu muss einiges in den Köpfen passieren, vor allem auch beim Endkunden, der mehr zu zahlen hat. Und das "Prestige" eines Tätigkeitsfeldes wächst nun auch wesentlich mit der Einkommenhöhe. Oder man verschlimmbessert alles wie üblicherweise mit hemmungslosem Interventionismus, wenn man da anfängt, etwas künstlich zu fördern und zu fixieren.
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Re: Gehen uns die Handwerker aus?

Beitragvon Ebiker » So 26. Nov 2017, 18:01

immernoch_ratlos hat geschrieben:(26 Nov 2017, 14:10)

Jeder - nun ja sehr viele - möchten das ihr Nachwuchs was "Besseres" wird. Da steht ganz vorn der Akademiker, der als Sinnbild und Ziel für ein "erfülltes Leben" gilt. Das hat sehr lange gut funktioniert, bis eben durch ein Überangebot an brotlosen Künsten auch dort nicht jeder mehr den vermeintlichen "Marschhalsstab" im "Tornister" finden konnte :rolleyes:



Letztens hab ich was gelesen von ner Geisteswissenschaftlerin in GB die sich beschwerte das der Handwerker 5000 Pfund im Monat verdient während sie kaum über den Monat kommt. Ich hoffe sehr das ähnliches bald in D passiert. Noch mehr studierte Erdbeerpflücker können wir nicht gebrauchen.
Eines Tages werden Millionen Menschen die südliche Hemisphäre verlassen, um in der nördlichen Hemisphäre einzufallen. Und sie werden sie erobern, indem sie sie mit ihren Kindern bevölkern.
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Re: Gehen uns die Handwerker aus?

Beitragvon frems » So 26. Nov 2017, 18:10

Ebiker hat geschrieben:(26 Nov 2017, 18:01)

Letztens hab ich was gelesen von ner Geisteswissenschaftlerin in GB die sich beschwerte das der Handwerker 5000 Pfund im Monat verdient während sie kaum über den Monat kommt. Ich hoffe sehr das ähnliches bald in D passiert. Noch mehr studierte Erdbeerpflücker können wir nicht gebrauchen.

Ist bloß unwahrscheinlich, dass jemand mit Interesse an Geisteswissenschaften eine Handwerkerlehre als Alternative sieht. Da geht's eher darum, ob jemand Elektroniker oder Elektroingenieur wird oder BWL studiert statt eine kaufmännische Lehre zu absolvieren. Studierte Erdbeerpflücker dürfte es so viele wie studierte Taxifahrer geben: so gut wie gar keine.
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Re: Gehen uns die Handwerker aus?

Beitragvon SpukhafteFernwirkung » So 26. Nov 2017, 18:39

Cobra9 hat geschrieben:(26 Nov 2017, 11:39)

Dir ist klar das Du für die Folgen selbst zuständig bist wenn was passiert und Du kriegst offiziell keinen Gaszähler. Da spielen ohne Meister keine Versorger mit.
man muss natürlich seine grenzen kennen.
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Re: Gehen uns die Handwerker aus?

Beitragvon Misterfritz » So 26. Nov 2017, 21:53

frems hat geschrieben:(26 Nov 2017, 18:10)

Ist bloß unwahrscheinlich, dass jemand mit Interesse an Geisteswissenschaften eine Handwerkerlehre als Alternative sieht. Da geht's eher darum, ob jemand Elektroniker oder Elektroingenieur wird oder BWL studiert statt eine kaufmännische Lehre zu absolvieren. Studierte Erdbeerpflücker dürfte es so viele wie studierte Taxifahrer geben: so gut wie gar keine.
Es ist eher das Problem, dass wir weniger Geisteswissenschaftler brauchen und mehr Handwerker. Um Erdbeerpflücker geht es am wenigsten, die kommen eh' als Saisonkräfte aus dem Ausland.
Tatsächlich stellt sich die Frage, ob Leute, die zwar Geisteswissenschaften studieren können, überhaupt Handwerk erlernen könnten.
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Re: Gehen uns die Handwerker aus?

Beitragvon frems » So 26. Nov 2017, 22:07

Misterfritz hat geschrieben:(26 Nov 2017, 21:53)

Es ist eher das Problem, dass wir weniger Geisteswissenschaftler brauchen und mehr Handwerker. Um Erdbeerpflücker geht es am wenigsten, die kommen eh' als Saisonkräfte aus dem Ausland.
Tatsächlich stellt sich die Frage, ob Leute, die zwar Geisteswissenschaften studieren können, überhaupt Handwerk erlernen könnten.

Naja, wie willst Du das ändern? Ich glaube auch nicht, dass der typische Student der Geisteswissenschaften ein großes Interesse hat, nach dem Abi ins Handwerk zu gehen und die hier genannten Tätigkeiten (u.a. Klempnern) auszuüben. Viele Geisteswissenschaftler kenne ich nicht, aber alle wussten von Anfang an, dass sich die Wirtschaft nicht um sie reißen wird. Nach einigen Anlaufschwierigkeiten kamen aber alle in soliden Tätigkeitsbereichen unter. Viele Studienplätze gibt's in diesen Fachrichtungen ja eh nicht, sodass man oftmals schon mit einem 1,0er Abi glänzen muss. Und wer das hinkriegt, wird schon irgendwo unterkommen. Alternativ könnte man es wie die Chinesen machen und Schüler unabhängig ihrer Interessen einfach irgendwo zuteilen. Gute Lehr- und Arbeitsergebnisse würde ich mir davon aber nicht erwarten.
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Re: Gehen uns die Handwerker aus?

Beitragvon Misterfritz » So 26. Nov 2017, 22:15

frems hat geschrieben:(26 Nov 2017, 22:07)

Naja, wie willst Du das ändern? Ich glaube auch nicht, dass der typische Student der Geisteswissenschaften ein großes Interesse hat, nach dem Abi ins Handwerk zu gehen und die hier genannten Tätigkeiten (u.a. Klempnern) auszuüben. Viele Geisteswissenschaftler kenne ich nicht, aber alle wussten von Anfang an, dass sich die Wirtschaft nicht um sie reißen wird. Nach einigen Anlaufschwierigkeiten kamen aber alle in soliden Tätigkeitsbereichen unter. Viele Studienplätze gibt's in diesen Fachrichtungen ja eh nicht, sodass man oftmals schon mit einem 1,0er Abi glänzen muss. Und wer das hinkriegt, wird schon irgendwo unterkommen. Alternativ könnte man es wie die Chinesen machen und Schüler unabhängig ihrer Interessen einfach irgendwo zuteilen. Gute Lehr- und Arbeitsergebnisse würde ich mir davon aber nicht erwarten.
Wie kommst Du darauf, dass es da wenige Studienplätze gibt?
Soziologie (absolutes Laberfach), Sozialarbeit und was es da noch gibt, da gibt es keinen NC.
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Re: Gehen uns die Handwerker aus?

Beitragvon frems » So 26. Nov 2017, 22:44

Misterfritz hat geschrieben:(26 Nov 2017, 22:15)

Wie kommst Du darauf, dass es da wenige Studienplätze gibt?
Soziologie (absolutes Laberfach), Sozialarbeit und was es da noch gibt, da gibt es keinen NC.

Das sind auch keine Geistes-, sondern Sozialwissenschaften. In den Geisteswissenschaften sind etwas über 10% der Studenten (0,3 von 2,9 Mio.) immatrikuliert, wovon aber ein Großteil auf Lehramtsstudenten für Deutsch, Fremdsprachen, Musik oder Geschichte entfällt. Und ich denke schon, dass man Lehrer in diesen Bereichen weiterhin braucht. Der Philosophiestudent, der in seinem Elfenbeinturm für viele Jahre haust, ist ein Exot, mit dem die wenigsten Studenten jemals in Berührung kommen. Aber auch er wird kaum Taxi fahren. Davon abgesehen: Soziologie und Soziale Arbeit sind sicherlich keine Laberfächer und NC-freie Studiengänge kann man auch lange suchen.
Zuletzt geändert von frems am Mo 27. Nov 2017, 01:48, insgesamt 1-mal geändert.
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Re: Gehen uns die Handwerker aus?

Beitragvon Maltrino » So 26. Nov 2017, 23:45

Ich hab neulich auch jemanden gesucht, der fehlerhafte Stellen an Plastikteilen abschleift, eine handwerkliche Aufgabe für die ich 20 Euro für 2 Stunden gezahlt hätte! Der Handwerker hätte also 20 Euro verdient! Echtes Geld! Was glaubt ihr wie schwierig das ist, da jemanden zu finden? Echt schlimm dieser Fachkräftemangel! Alle wollen sie Informatiker werden aber niemand mehr für ein paar Euro handwerklich und ehrlich arbeiten! Deutschland soll mich endlich mit Fachkräften versorgen! Hopp Hopp!
Wie ihr seht, habe ich jetzt auch ein Profilbild wo das Portrait eines großen politischen Denkers aus der Vergangenheit abgebildet ist. Damit ist jetzt jede meiner Aussagen wahr und absolut seriös.
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Re: Gehen uns die Handwerker aus?

Beitragvon Woppadaq » Mo 27. Nov 2017, 00:02

Maltrino hat geschrieben:(26 Nov 2017, 23:45)

Ich hab neulich auch jemanden gesucht, der fehlerhafte Stellen an Plastikteilen abschleift, eine handwerkliche Aufgabe für die ich 20 Euro für 2 Stunden gezahlt hätte! Der Handwerker hätte also 20 Euro verdient! Echtes Geld! Was glaubt ihr wie schwierig das ist, da jemanden zu finden? Echt schlimm dieser Fachkräftemangel! Alle wollen sie Informatiker werden aber niemand mehr für ein paar Euro handwerklich und ehrlich arbeiten! Deutschland soll mich endlich mit Fachkräften versorgen! Hopp Hopp!


Für 10 Euro die Stunde macht kein Handwerker in Deutschland mehr was. Und das hat sehr viel damit zu tun, dass es nur 10 Euro sind.
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Re: Gehen uns die Handwerker aus?

Beitragvon Gruwe » Mo 27. Nov 2017, 01:43

Ebiker hat geschrieben:(26 Nov 2017, 18:01)

Letztens hab ich was gelesen von ner Geisteswissenschaftlerin in GB die sich beschwerte das der Handwerker 5000 Pfund im Monat verdient während sie kaum über den Monat kommt. Ich hoffe sehr das ähnliches bald in D passiert. Noch mehr studierte Erdbeerpflücker können wir nicht gebrauchen.


Mensch Kinners...

Lasst doch jeden in diesem Land werden was er für richtig, interessant oder sonstwas für sich hält.

Ich finde diese steigende Intoleranz viel schlimmer...insbesondere wenn es langsam auch in die Richtung geht, dass man irgendwelche schlechten Entwicklungen bestimmter Berufe erhofft. Einfach widerwärtig... :rolleyes:

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