Warum gründet nicht jeder Konzern eine eigene Bank?

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z4ubi
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Re: Warum gründet nicht jeder Konzern eine eigene Bank?

Beitragvon z4ubi » Sa 13. Okt 2018, 14:14

BlueMonday hat geschrieben:(13 Oct 2018, 12:36)

Das wäre so als wenn man glaubt, die Rechner im Internet wären direkt verbunden. Tatsächlich sitzt da ein ganzer Stack drunter. Datenpakete werden zusammengeschnürt, wieder aufgeschnürt, auf unterschiedlichen Ebenen bewegt, zwischen zahlreichen Knoten geroutet usw. Internet kann man jedenfalls nicht verstehen, wenn man sich nur zwei Rechner anschaut.

Und analog, wenn man Banking und Zahlungsverkehr verstehen will, dann sollte man sich auch nicht nur zwei Kundenkonten anschauen. Das ist ja nur die oberste Schicht.


Ja, wenn wir uns über Überweisungsvorgänge unterhalten wollen, können wir uns gern über Geldbewegungen unterhalten.

Es ging aber um das Bezahlen via Buchgeld. Buchgeld als Zahlungsmittel.

Noch mal ein einfaches Beispiel:
Bezahlung via Vorkasse. Der Onlineverkäufer schaut jeden Tag via Onlinebanking nach Zahlungseingängen und dem Kontostand auf seinem Girokonto. Da sieht er dann als Zahlungseingang 10€ vom Käufer und sein Girokontostand hat sich um 10€ erhoht. Für den Verkäufer ist das Produkt jetzt bezahlt.
Und er hat nichts anderes als Buchgeld auf seinem Konto. Auch die 10€ sind Buchgeld.
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Re: Warum gründet nicht jeder Konzern eine eigene Bank?

Beitragvon Letzter_Hippie » Sa 20. Okt 2018, 19:26

franktoast hat geschrieben:(11 Oct 2018, 14:42)

Ich bin deiner Meinung. Begriffsdefinitionen. Die Frage ist ja, was Geld ist. Und was "Quasigeld" ist. Ist ein 50€-Schein das Gleiche wie ein Zettel, auf dem Person X garantiert, einen 50€ Schein jederzeit gegen den Zettel einzutauschen?


Grundsätzlich ja, denn der Geldschein ist auch nur so ein Zettel - gegen die Bundesbank. Deswegen ist da ne Unterschrift drauf, wie bei einem Scheck. (Und z.B. bei der Bank of England steht immer noch explizit drauf "I Promise to Pay the Bearer on Demand") Das ursächliche Problem geht noch weiter zurück und ist sogar in Goethe's Faust, zweiter Teil, thematisiert ;) - der Geldschein ist nur ein Wisch und nix mehr wert, wenn die zuständige Instrumentalität (Regierung, whatever) das so beschliesst (siehe Indien, wo man das vor zwei Jahren gemacht hat).
Dadurch, dass man inzwischen noch viele weitere Ebenen obenauf gepackt hat (Giralgeld, Futures, Handel mit Kreditversicherungen, etc.), die jeweils noch virtuelleren Charakter haben, wird das immer undurchsichtiger, und man behilft sich mit weiteren Abstraktionen, um die Virtualität des ganzen in den Griff zu bekommen.

Das ist im grunde so ähnlich wie der Speicher unserer Computer, wo auch jedes Programm meint, es hätte ihn ganz für sich. Irgendwann crasht das halt, aber um es zu verstehen, müsste man den ganzen Kram aufdröseln, und dazu hat verständlicherweise kaum jemand lust.

Hm, kommt wohl drauf an, wer Person X ist. Ist es dein unzuverlässiger Bruder oder eine riesige Bank, deren Geschäftsmodell davon abhängt, dir das Bargeld zu geben?

So könnte man sagen, dass eine Forderung gegen Geld oft genauso gut wie Geld ist. Ist es damit auch "Geld"?


Ich denke, Geld ist immer virtuell (sofern nicht komplett goldgedeckt o.dgl.), und die Kreditwürdigkeit (soweit überhaupt beurteilbar) ist eine holprige und dürftige Maßzahl für den Grad der Virtualität.

Daher ist es für mich einigermaßen fraglich, ob die Unterscheidung Zentralbankgeld vs. Giralgeld wirklich den Kern trifft. Das eine ist halt weg wenn die Bank pleite ist, das andere ist weg wenn die zuständige Instrumentalität beschließt dass es weg ist. Aber was war es dann wert, bevor es weg war? Das ist ja auch nur ein relativer Kaufwert.
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Re: Warum gründet nicht jeder Konzern eine eigene Bank?

Beitragvon Letzter_Hippie » Sa 20. Okt 2018, 19:31

Alter Stubentiger hat geschrieben:(11 Oct 2018, 15:42)
Das ist eine Vorstellung die Viele haben. Ändert aber nichts daran daß was du schreibst zu 100% falsch ist.


Schön dass Du das behauptest - ich bin ganz offen für Kritik und lerne gern dazu. Weniger schön, dass Du keinerlei Argumente, keinerlei Erklärungen, schlichtweg überhaupt nichts in eigenen Worten dazu lieferst.

Die Bundesbank äußert sich in ihrem Monatsbericht


Wenn ich die Meinung der Bundesbank wissen will, kann ich die Bundesbank fragen. (Für mich ist die Bundesbank hier genauso ein Gegenstand der Hinterfragung wie alles andere.)
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Re: Warum gründet nicht jeder Konzern eine eigene Bank?

Beitragvon Alter Stubentiger » Sa 20. Okt 2018, 19:56

Letzter_Hippie hat geschrieben:(20 Oct 2018, 20:31)

Schön dass Du das behauptest - ich bin ganz offen für Kritik und lerne gern dazu. Weniger schön, dass Du keinerlei Argumente, keinerlei Erklärungen, schlichtweg überhaupt nichts in eigenen Worten dazu lieferst.

Wenn ich die Meinung der Bundesbank wissen will, kann ich die Bundesbank fragen. (Für mich ist die Bundesbank hier genauso ein Gegenstand der Hinterfragung wie alles andere.)


Die Bundesbank klärt über die Faktenlage auf. Du aber verbreitest nur eine Internet-Legende.
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Re: Warum gründet nicht jeder Konzern eine eigene Bank?

Beitragvon Letzter_Hippie » Sa 20. Okt 2018, 21:13

Alter Stubentiger hat geschrieben:(20 Oct 2018, 20:56)

Die Bundesbank klärt über die Faktenlage auf.


Das tut der Papst in seinen Enzyklika auch. Und ich verbreite keine Legende, sondern stelle meine eigenen Überlegungen der Kritik. Wenn Du meinst, Goethe sei eine Internet-Legende, dann ist das natürlich Deine Sache.
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Re: Warum gründet nicht jeder Konzern eine eigene Bank?

Beitragvon z4ubi » So 21. Okt 2018, 10:15

Letzter_Hippie hat geschrieben:(20 Oct 2018, 22:13)

Das tut der Papst in seinen Enzyklika auch.


Wenn man Fragen zur katholischen Lehre hat, ist man an der Stelle auch genau richtig.
Und wenn es um den Geldschaffungsprozess geht, kann man doch durchaus mal schauen, was Zentralbanken dazu von sich geben.

Es wurde doch jetzt oft genug ausformuliert, dass Giralgeld hauptsächlich durch Kreditvergabe neu entsteht.
Warum sollte man es nicht durch Erklärungen der Bundesbank untermauern?
Zumal ja noch nicht einmal aufgezeigt wurde, wo die Bundesbank falsch liegen sollte.

Die Bank of England widerspricht hier jedenfalls nicht. Im Gegenteil:

Whenever a bank makes a loan, it
simultaneously creates a matching deposit in the
borrower’s bank account, thereby creating new money.


https://www.bankofengland.co.uk/-/media ... E476E01654
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Re: Warum gründet nicht jeder Konzern eine eigene Bank?

Beitragvon BlueMonday » So 21. Okt 2018, 11:55

Und es wurde auch schon oft genug hier (in diesem Thread und im Forum) erklärt, dass die Geschichte weiter geht und nicht mit dem Einräumen eines Guthabens(Sichteinlage) für den Kreditnehmer endet.

Auch die Bundesbank beschreibt das im hier verlinkten Dokument. Offenbar wird aber nicht weitergelesen, damit die Legende von der "Geldschöpfung aus dem Nichts" nicht zerstört wird.

Dennoch kommt der Zentralbank als Produzent von Zentralbankguthaben eine wichtige Rolle zu. Denn Bank A muss davon ausgehen, dass Kunde X den Kreditbetrag für Zahlungsvorgänge verwenden wird. Diese führen in der Regel dazu, dass die von Bank A geschaffenen Sichteinlagen (zumindest teilweise) an andere Banken abfließen, bei denen die Zahlungsempfänger ihre Konten unterhalten. Ist dies der Fall, so benötigt Bank A in der Regel Zentralbankguthaben, um den Einlagenabfluss
abzuwickeln, denn ein Großteil der bargeldlosen Zahlungsvorgänge zwischen Banken wird über Zentralbankkonten verrechnet.


11 Da bei Zentralbanken praktisch keine Kredit- und Liquiditätsrisiken bestehen, verwendet ein Großteil der Zahlungsverkehrssysteme, insbesondere zur Abwicklung von Großbetragszahlungen, Zentralbankguthaben für die geldliche Verrechnung. Transferiert Kunde X sein Sichtguthaben nicht bargeldlos, sondern lässt es sich ganz oder teilweise bar auszahlen, um Barzahlungen zu leisten, besteht für Bank A ebenfalls ein Bedarf an Zentralbankguthaben, da Bank A Bargeld von der Zentralbank gegen Verrechnung mit Zentralbankguthaben erhält.


Besitzt eine Bank nicht genügend Zentralbankguthaben, um die Zahlung abzuwickeln, kann sie sich unter bestimmten Bedingungen auch erst in Reaktion auf den Abfluss an Einlagen
und den daraus entstehenden Bedarf an Zentralbankguthaben derartige Guthaben beschaffen; dies kann leihweise über den Interbankenmarkt, das heißt von anderen Banken, oder direkt von der Zentralbank erfolgen.13)

13 In letzterem Fall muss die Bank über für Refinanzierungsgeschäfte anerkannte Sicherheiten (z. B. marktfähige Wertpapiere
oder Kreditforderungen) in ausreichender Höhe verfügen.


usw. usf.
Kurz: es geht um eine Pfandmonetarisierung. Sicherlich wird das mehr und mehr aufgeweicht, aber das ist das Wesentliche und darin findet die "Geldschöpfung" in einem Kreditgeldsystem ihre Grenzen. Sollte sie zumindest, wenn die ganze Chose eine Bedeutung haben und längerfristig funktionieren soll.
Und natürlich geht es Banken auch um längerfristige Kundeneinlagen, also Zentralbankgeldzufluss. Das ist ihre wesentliche Sorge letztlich - solvent und liquide zu bleiben. Denn sie können sich nicht selbst einfach Geld aus dem Nichts schaffen.
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Re: Warum gründet nicht jeder Konzern eine eigene Bank?

Beitragvon z4ubi » So 21. Okt 2018, 15:09

BlueMonday hat geschrieben:(21 Oct 2018, 12:55)

Und es wurde auch schon oft genug hier (in diesem Thread und im Forum) erklärt, dass die Geschichte weiter geht und nicht mit dem Einräumen eines Guthabens(Sichteinlage) für den Kreditnehmer endet.

Auch die Bundesbank beschreibt das im hier verlinkten Dokument...


Genau. Alles richtig. Wobei es bei der Diskussion ja darum geht, dass bei der Kreditvergabe durch Geschäftsbanken neues Giralgeld entsteht und nicht das Geld der Sparer verliehen wird (wie hier behauptet: viewtopic.php?p=4318518#p4318518).

Dass Banken liquide und solvent sein müssen, Vorgaben an Mindestreserven einhalten müssen, refinanzieren müssen usw. ist ja alles richtig und darauf weisen die Zentralbanken ja auch hin.
Aber ein wesentlicher Grund , warum die Zentralbanken neuerdings über Geldschöpfung informieren, ist auch eben der, dass sie damit auf die falschen Annahmen eigehen wollen, Kredite seien nur das Geld der Sparer, das verliehen wird.

Es geht den Zentralbanken schon darum zu zeigen, dass neues Giralgeld entsteht bei Kreditvergaben.
Das bedeutet noch lange nicht, dass Banken nach Lust und Laune mit Geld um sich werfen (wenn wir mal von der Subprimekrise absehen ;) ).
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Re: Warum gründet nicht jeder Konzern eine eigene Bank?

Beitragvon Alter Stubentiger » So 21. Okt 2018, 15:17

Letzter_Hippie hat geschrieben:(20 Oct 2018, 22:13)

Das tut der Papst in seinen Enzyklika auch. Und ich verbreite keine Legende, sondern stelle meine eigenen Überlegungen der Kritik. Wenn Du meinst, Goethe sei eine Internet-Legende, dann ist das natürlich Deine Sache.


Der Papst erklärt Dogmen. Dogmen aber sind kein gesichertes Wissen. Es sind Glaubensgrundsätze.

Die Bundesbank klärt über die gesicherte Faktenlage auf. Darum steht du in etwa da wo auch der Papst steht. Inklusive des Starrsinns.
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Re: Warum gründet nicht jeder Konzern eine eigene Bank?

Beitragvon Alter Stubentiger » So 21. Okt 2018, 15:24

z4ubi hat geschrieben:(21 Oct 2018, 16:09)

Genau. Alles richtig. Wobei es bei der Diskussion ja darum geht, dass bei der Kreditvergabe durch Geschäftsbanken neues Giralgeld entsteht und nicht das Geld der Sparer verliehen wird (wie hier behauptet: viewtopic.php?p=4318518#p4318518).

Dass Banken liquide und solvent sein müssen, Vorgaben an Mindestreserven einhalten müssen, refinanzieren müssen usw. ist ja alles richtig und darauf weisen die Zentralbanken ja auch hin.
Aber ein wesentlicher Grund , warum die Zentralbanken neuerdings über Geldschöpfung informieren, ist auch eben der, dass sie damit auf die falschen Annahmen eigehen wollen, Kredite seien nur das Geld der Sparer, das verliehen wird.

Es geht den Zentralbanken schon darum zu zeigen, dass neues Giralgeld entsteht bei Kreditvergaben.
Das bedeutet noch lange nicht, dass Banken nach Lust und Laune mit Geld um sich werfen (wenn wir mal von der Subprimekrise absehen ;) ).


Allerdings liegt genau da dass Problem beim derzeitigen Bankensystem. Der ausufernde Derivatehandel und die Undurchschaubarkeit dieser Geschäfte birgt die wirklichen Probleme und Risiken für unser Geldsystem. Vor allem weil es nach der Subprimekrise versäumt wurde den Derivatehandel massiv einzuschränken. Und deshalb treiben die Banken es wieder so bunt wie 2008. Beim nächsten Crash, wahrscheinlich durch Italien ausgelöst, wird dies sehr sichtbar werden. Und die Steuerzahler dürfen dann wieder den Retter in der Not spielen.
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Re: Warum gründet nicht jeder Konzern eine eigene Bank?

Beitragvon franktoast » Mo 22. Okt 2018, 09:33

z4ubi hat geschrieben:(21 Oct 2018, 16:09)

Genau. Alles richtig. Wobei es bei der Diskussion ja darum geht, dass bei der Kreditvergabe durch Geschäftsbanken neues Giralgeld entsteht und nicht das Geld der Sparer verliehen wird (wie hier behauptet: viewtopic.php?p=4318518#p4318518).

Dass Banken liquide und solvent sein müssen, Vorgaben an Mindestreserven einhalten müssen, refinanzieren müssen usw. ist ja alles richtig und darauf weisen die Zentralbanken ja auch hin.
Aber ein wesentlicher Grund , warum die Zentralbanken neuerdings über Geldschöpfung informieren, ist auch eben der, dass sie damit auf die falschen Annahmen eigehen wollen, Kredite seien nur das Geld der Sparer, das verliehen wird.

Es geht den Zentralbanken schon darum zu zeigen, dass neues Giralgeld entsteht bei Kreditvergaben.

Es entsteht eine Forderung nach Geld bei Kreditvertragsabschluss. Und zwar nicht einmal, sondern zweimal. Wenn diese Forderung nach Geld als de facto Geld betrachtet wird und du 1000€ Kredit aufnimmst, entstehen 2000€ an neuem Geld. Die Bank eine Forderung von 1000€ gegen dich und du hast eine Forderung von 1000€ gegen die Bank.
Und wenn du dir von den 1000€ bei Amazon einen Fernseher bestellst, entstehen nochmal 1000€ an Forderungen + ein "Giralfernseher". Also schon 3000€ aus dem Nichts.

Dann nimmst du deine Forderung von 1000€ gegen deine Bank und überweist das an Amazon. Schwupp, 1000€ Forderung gegen Amazon ist wieder verschwunden. Geanuso ist deine Forderung von 1000€ gegen deine Bank verschwunden. Aber was noch da ist: Amazons Bank hat eine Forderung von 1000€ gegen deine Bank.

Eigentlich steckt da gar nicht sooo viel Magie dahinter. Wenn Amazons Bank das Geld dann haben will, schickt deine Bank einen Transporter mit den 1000€ in bar los (bildlich gesprochen, kann ja auch digital sein).

Was aber natürlich Tatsache ist: Wenn deine Bank von wo anders her genauso 1000€ bekommt, kann man das ganze "clearen".
Beispiel:
1. Rudi schuldet Heinz 100€
2. Heinz schuldet Sepp 50€
3. Sepp schuldet Rudi 50€
Nun brauchen die eben nicht einen Hunderter und zwei 50er, um die Schuld zu tilgen. Es genügt, wenn Rudi dem Heinz 50€ gibt und alle sind zufrieden. Das machen Banken natürlich auch.
Ein freier Mensch muß es ertragen können, daß seine Mitmenschen anders handeln und anders leben, als er es für richtig hält, und muß sich abgewöhnen, sobald ihm etwas nicht gefällt, nach der Polizei zu rufen.
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Re: Warum gründet nicht jeder Konzern eine eigene Bank?

Beitragvon Skull » Mo 22. Okt 2018, 11:27

Guten Tag,

die letzten drei Beiträge...in die Ablage verschoben.
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Re: Warum gründet nicht jeder Konzern eine eigene Bank?

Beitragvon z4ubi » Mo 22. Okt 2018, 12:21

franktoast hat geschrieben:(22 Oct 2018, 10:33)

Es entsteht eine Forderung nach Geld bei Kreditvertragsabschluss. Und zwar nicht einmal, sondern zweimal. Wenn diese Forderung nach Geld als de facto Geld betrachtet wird...


Da von Amazon die 1000€ Forderungen als Zahlungsmittel akzeptiert werden, macht es durchaus Sinn hier von Geld bzw Giralgeld zu sprechen.

franktoast hat geschrieben:
Dann nimmst du deine Forderung von 1000€ gegen deine Bank und überweist das an Amazon. Schwupp, 1000€ Forderung gegen Amazon ist wie Aber was noch da ist: Amazons Bank hat eine Forderung von 1000€ gegen deine Bank.

Eigentlich steckt da gar nicht sooo viel Magie dahinter...


Ja, am Ende habe ich 1000€ Schulden bei meiner Bank und Amazon hat 1000€ mehr auf seinem Konto. (1000€ Giralgeld, die ursprünglich neu entstanden sind durch die Kreditvergabe an mich)
Zuletzt geändert von z4ubi am Mo 22. Okt 2018, 12:36, insgesamt 1-mal geändert.
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Re: Warum gründet nicht jeder Konzern eine eigene Bank?

Beitragvon Skull » Mo 22. Okt 2018, 12:26

z4ubi hat geschrieben:(22 Oct 2018, 13:21)

Da die 1000€ Forderungen von Amazon als Zahlungsmittel akzeptiert werden,
macht es durchaus Sinn hier von Geld bzw Giralgeld zu sprechen.

Nö. Datt macht keinen Sinn.

Es ist ja gerade eine Forderung -> zur Lieferung eines Fernsehers. Gegen Bezahlung.

Das hat erst einmal...nichts mit Eurer vermeintlichen "dritten Geldauflähung" zu tun.

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Re: Warum gründet nicht jeder Konzern eine eigene Bank?

Beitragvon z4ubi » Mo 22. Okt 2018, 12:37

@skull
Habe das Posting editiert. Hoffe so ist es verständlicher, um welche Forderungen es geht und von wem sie als Zahlungsmittel akzeptiert werden ;)
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Re: Warum gründet nicht jeder Konzern eine eigene Bank?

Beitragvon zollagent » Mo 22. Okt 2018, 12:43

Was ich mich bei solchen Strängen immer wieder frage, was für einen Sinn hat es denn, immer wieder mal die Behauptung aufzustellen, daß unser Geld in Wahrheit gar kein Geld, sondern einfach nur heiße Luft ist. Worauf soll diese These hinführen, welche Konklusion ist daraus zu ziehen? Die Fakten sprechen doch dagegen, unser Geld ist durchaus real und es wird seinen Hauptfunktionen Wertaufbewahrungsmittel, Tauschmittel und Wertmesser gerecht. Solche Diskussionen um des Kaisers Bart führen nun genau zu was?
Wer an Absurditäten glaubt, wird Abscheulichkeiten begehen. (Voltaire)
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Re: Warum gründet nicht jeder Konzern eine eigene Bank?

Beitragvon Skull » Mo 22. Okt 2018, 12:45

zollagent hat geschrieben:(22 Oct 2018, 13:43)

Solche Diskussionen um des Kaisers Bart führen nun genau zu was?

Meiner Meinung...nach...zu ... nix. :D

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Re: Warum gründet nicht jeder Konzern eine eigene Bank?

Beitragvon z4ubi » Mo 22. Okt 2018, 12:58

Naja, ich bin absolut ein Fürsprecher unseres Geldsystems.

Dennoch ist es auch einfach nur eine Art von Allgemeinbildung eingermaßen zu verstehen wie Geld
funktioniert.
Vielleicht eröffnet es einem im Idealfall ganz neue volkswirtschaftliche Perspektiven. ;)
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Re: Warum gründet nicht jeder Konzern eine eigene Bank?

Beitragvon BlueMonday » Mo 22. Okt 2018, 13:07

z4ubi hat geschrieben:(21 Oct 2018, 16:09)

Genau. Alles richtig. Wobei es bei der Diskussion ja darum geht, dass bei der Kreditvergabe durch Geschäftsbanken neues Giralgeld entsteht und nicht das Geld der Sparer verliehen wird (wie hier behauptet: viewtopic.php?p=4318518#p4318518).


In diesem Thread geht es um die Frage, warum größere Unternehmen nicht eine Banklizenz erwerben, um dann einfach "Geld aus dem Nichts" zu schaffen.

Wie gesagt, natürlich geht es auch um längerfristige Einlagen ("Sparer"). Die fließen dann ja irgendwann als Zentralbankgeld von außen zu. Als Bareinzahlung, als Überweisung von einer anderen Bank. Der Kreditnehmer hingegen verwendet sein Guthaben in der Regel auf kurze Sicht.
Letztlich hängt das Potential zur Kreditvergabe vom Zentralbankgeldbestand der Bank ab, dazu kommt, was an belastbaren Eigentumstiteln(Sicherheiten) vorhanden ist (liegen im "Pfandpool" bei der Zentralbank), also vom Refinanzerungspotential der betreffenden Geschäftsbank... Aktivseite. Und darüber hinaus geht es dann auch noch um um Fristigkeiten, "Fristenkongruenz". So gesehen ist das eher ein mühseliges Geschäft. Nichts mit Zauberhut.

"Die Bank verleiht Sparergeld"-Sicht ist sicherlich nicht korrekt, aber weniger falsch als diese "Geld aus dem Nichts"-Zauberhutvorstellung. Die korrekte Darstellung liegt irgendwo dazwischen.
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Re: Warum gründet nicht jeder Konzern eine eigene Bank?

Beitragvon franktoast » Mo 22. Okt 2018, 13:16

z4ubi hat geschrieben:(22 Oct 2018, 13:21)
Da von Amazon die 1000€ Forderungen als Zahlungsmittel akzeptiert werden, macht es durchaus Sinn hier von Geld bzw Giralgeld zu sprechen.

Klar, ist eben Definitionssache, welche Forderung gegen Geld man als "Geld" definierend und welche nicht. Fakt ist aber, dass bei Kreditverrtagsabschluss über 1000€ 2000€ an Forderungen entstehen. Für deine Bank ist es dann fast egal, ob du nun die 1000€ in bar abhebst oder zu einer anderen Bank überweist. Deine Bank muss auf alle Fälle liefern...

Ja, am Ende habe ich 1000€ Schulden bei meiner Bank und Amazon hat 1000€ mehr auf seinem Konto. (1000€ Giralgeld, die ursprünglich neu entstanden sind durch die Kreditvergabe an mich)

Jep und deine Bank musste 1000€ an Zentralbankgeld an Amazons Konto überweisen, das sie nun mal nicht aus der Luft erschaffen kann. Deiner Bank muss schon - von wo auch immer- die gleiche Menge an Zentralbankgeld zufließen, sonst wird das nix.

Die Banklizenz ist nun mal alles andere als eine Lizenz zum Geld bzw. Gewinn drucken und ohne entsprechende Zuflüsse von Zentralbankgeld, kann eine Bank auch keine Kredite vergeben. Die Mindestreserve der Zentralbank spielt in der Praxis keine Rolle und ist nur eine theoeretische, aber nie erreichbare Barriere. Betriebswirtschaft dagegen schon.
Ein freier Mensch muß es ertragen können, daß seine Mitmenschen anders handeln und anders leben, als er es für richtig hält, und muß sich abgewöhnen, sobald ihm etwas nicht gefällt, nach der Polizei zu rufen.

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