Anteil Deutschlands an ungesicherten europ. Staatsanleihen erreicht knapp 1 Billionen Euro

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Yossarian
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Anteil Deutschlands an ungesicherten europ. Staatsanleihen erreicht knapp 1 Billionen Euro

Beitragvon Yossarian » Mo 23. Okt 2017, 09:27

Das ohne Parlamentsbeschluss durchgesetze Programm zum Ankauf der Staatsanleihen aus europ. Krisenländern ist kurz davor die Billionen Grenze zu knacken was alleine die dt. Verpflichtungen betrifft.

Der deutsche Target-Saldo ist auf 879 Milliarden Euro geklettert. Damit streben die Forderungen der Bundesbank an das Eurosystem langsam aber sicher auf die Billionen-Marke zu. Umgekehrt haben die Verbindlichkeiten der Italiener an das Eurosystem ebenfalls einen Rekord erreicht: Sie lagen zuletzt bei gut 423 Milliarden Euro. Spanien steht mit 378 Milliarden Euro in der Kreide, Portugal mit 79 Milliarden Euro.

Die Target-Forderungen stellen unbesicherte Kredite der Bundesbank an die Zentralbanken vor allem der südlichen Länder dar.

https://www.welt.de/finanzen/geldanlage ... hland.html

Was hier stattfindet ist die Umschuldung der Staatsanleihen zum Risiko des Steuerzahlers, nichts anderes.
Die Folgen bei einem erneuten Aufflammen der Euro Krise - deren Ursachen nicht behoben sondern lediglich die Risiken auf die Allgemeinheit und insbesondere Deutschland umgelagert wurden- dürften massiv sein.
Wenn ich einen Vogel sehe der wie eine Ente watschelt und wie eine Ente schwimmt und wie eine Ente quakt dann nenne ich ihn eine Ente. Und wenn der Vogel dementiert eine Ente zu sein ist es eine russische Ente.
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Re: Anteil Deutschlands an ungesicherten europ. Staatsanleihen erreicht knapp 1 Billionen Euro

Beitragvon Wähler » Mo 23. Okt 2017, 16:05

Yossarian hat geschrieben:(23 Oct 2017, 10:27)
Das ohne Parlamentsbeschluss durchgesetze Programm zum Ankauf der Staatsanleihen aus europ. Krisenländern ist kurz davor die Billionen Grenze zu knacken was alleine die dt. Verpflichtungen betrifft.
https://www.welt.de/finanzen/geldanlage ... hland.html
Was hier stattfindet ist die Umschuldung der Staatsanleihen zum Risiko des Steuerzahlers, nichts anderes.
Die Folgen bei einem erneuten Aufflammen der Euro Krise - deren Ursachen nicht behoben sondern lediglich die Risiken auf die Allgemeinheit und insbesondere Deutschland umgelagert wurden- dürften massiv sein.

https://www.welt.de/finanzen/geldanlage ... hland.html
Welt 23. Oktober 2017 Ökonomen warnen vor Billionenrisiko für Deutschland
Oftmals werden die Papiere ausländischen Investoren oder Banken abgekauft. Die haben ihr Referenzkonto im Euroraum in der Regel bei der Bundesbank in Frankfurt. Wenn die italienische Notenbank von einer japanischen Versicherung italienische Staatsanleihen kauft, zahlt die Bundesbank das Geld an den Verkäufer. Statt das Geld von der italienischen Notenbank zu erhalten, verbuchen beide Notenbanken eine Target-Forderung oder -Verbindlichkeit.

Wenn ein Wirtschaftsjournalist nicht sauber zwischen Zentralbankgeldkreislauf und Giralgeldkreislauf unterscheidet, darf man sich wegen Verwirrung und Verunsicherung bei den Lesern und Wählern nicht wundern.
Ich vermute eher, dass die italienische Notenbank die italienische Staatsanleihe an die EZB weiterreicht als Pfand für Zentralbankgeld, welches eine in das Geschäft einbezogene Geschäftsbank als Aktiva braucht, um Giralgeld in Euro oder Yen an den japanischen Verkäufer der Staatsanleihe zu überweisen, oder ihm auf der Passivseite ein Giroguthaben einzuräumen.
Die Target-Salden spiegeln vermutlich eine Verteilung des Zentralbankgeldes der EZB, auch Geldmenge M0 genannt, auf die verschiedenen Nationalbanken im Euro-Raum wider. Auch von den ökonomischen Experten kann das aber keiner verständlich erklären. ;)
Falls der Euro crasht, kann Deutschland zu einer eigenen Währung zurückkehren, die dann sicherlich mehr Vertrauen auf den Devisenmärkten genießt, als andere Rückkehrer zu Nationalwährungen innerhalb des bisherigen Euro-Raumes. Eine Nationalbank kann nämlich faktisch nur Pleite gehen, wenn sie keine Fremddevisen mehr hat.
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Re: Anteil Deutschlands an ungesicherten europ. Staatsanleihen erreicht knapp 1 Billionen Euro

Beitragvon Adam Smith » Mo 23. Okt 2017, 19:24

Das Geld aus dem Kauf der Staatsanleihen wird in Deutschland angelegt. Der einzige Grund für den Kauf ist halt, den Zinssatz für Staatsanleihen niedrig zu halten.

Die Regierung in Athen erwartet für 2017 nach Jahren der Rezession ein Wirtschaftswachstum von fast zwei Prozent und einen Primärüberschuss von 2,2 Prozent des Bruttoinlandsprodukts. Das mit den Gläubigerstaaten ausgehandelte Ziel liegt bei 1,75 Prozent. Beim Primärüberschuss werden die Kosten für Altschulden nicht berücksichtigt. Der Boom im Tourismus trug erheblich zum Wachstum bei.


Beim Primärüberschuss werden die Zinsausgaben nicht berücksichtigt.

http://www.spiegel.de/wirtschaft/sozial ... 73787.html

Ein positiver Primärsaldo wird Primärüberschuss genannt, ein negativer heißt Primärdefizit. Im Fall eines Primärsaldos von Null wächst die Staatsschuld im Umfang der Zinsausgaben; bei einem Primärdefizit wächst sie noch stärker. Um eine gegebene Staatsschuld konstant zu halten oder zu reduzieren, ist ein Primärüberschuss erforderlich, der mindestens den Zinsausgaben entspricht.


https://de.wikipedia.org/wiki/Prim%C3%A4rsaldo

Und das wäre alles nicht erforderlich, wenn die Staatsverschuldung nicht so hoch wäre.
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Re: Anteil Deutschlands an ungesicherten europ. Staatsanleihen erreicht knapp 1 Billionen Euro

Beitragvon Wähler » Di 24. Okt 2017, 06:36

Adam Smith hat geschrieben:(23 Oct 2017, 20:24)
Das Geld aus dem Kauf der Staatsanleihen wird in Deutschland angelegt. Der einzige Grund für den Kauf ist halt, den Zinssatz für Staatsanleihen niedrig zu halten.
Beim Primärüberschuss werden die Zinsausgaben nicht berücksichtigt.
http://www.spiegel.de/wirtschaft/sozial ... 73787.html
https://de.wikipedia.org/wiki/Prim%C3%A4rsaldo
Und das wäre alles nicht erforderlich, wenn die Staatsverschuldung nicht so hoch wäre.

Den Nationalbanken der Südländer geht es in erster Linie um Tilgung und Umschuldung von Staatsanleihen. Die Ankäufe der EZB senken noch den Zinspreis für die Ausgabe neuer nationaler Staatsanleihen, für die im Fall von Griechenland über den ESM gebürgt wird. Allerdings wird Griechenland 2018 mit eigenen neuen Anleihen an die Kapitalmärkte zurückkehren.
Die Targetsalden dienen wohl auch als ein Disziplinierungsinstrument der EZB gegenüber den nationalen Notenbanken, um die Entwicklung der Geldmenge M0 hauptsächlich im Direktorium der EZB steuern zu können.
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Re: Anteil Deutschlands an ungesicherten europ. Staatsanleihen erreicht knapp 1 Billionen Euro

Beitragvon Adam Smith » Di 24. Okt 2017, 07:13

Es geht darum, dass die Südstaaten günstige Kredite erhalten. Die Zentralbank kann hier auf diese Weise den Zinssatz sehr gut steuern wie auch das Beispiel Japan zeigt. Nur sollen 2/3 aller Bitcoins bereits in Japan gehandelt werden. Das könnte ein Indiz sein, dass die Zentralbank die Geldmenge eben nicht richtig steuern kann, wenn die Staatsverschuldung zu hoch ist.
Auch soll es bis zum Jahr 2020 den J-Coin in Japan geben. Eine eigenständige Kryptowährung mit der die Japaner dann kleine Beträge bezahlen sollen.
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Re: Anteil Deutschlands an ungesicherten europ. Staatsanleihen erreicht knapp 1 Billionen Euro

Beitragvon Wähler » Sa 11. Nov 2017, 10:25

http://www.sueddeutsche.de/wirtschaft/g ... -1.3743705
SZ 10. November 2017 Geldpolitik - Warum die Inflation verschwindet
Roger Bootle, der 1999 das private Wirtschaftsforschungsinstitut Capital Economics gegründet hat, erkannte den Trend früh. Vor zehn Jahren schon verkündete er "Das Ende der Inflation". Im gleichnamigen Buch fasst er auf populäre Weise zusammen, was bis heute plausibel erscheint: Die Globalisierung, so die These, hat der Inflation den Garaus gemacht. Lohn- und Preissteigerungen lassen sich im oft brutalen internationalen Wettbewerb immer seltener durchsetzen. Auch andere Wissenschaftler sehen im Aufstieg der Entwicklungsländer die wahrscheinlichste Erklärung für das Verschwinden der Inflation. Die stete Gefahr, dass noch mehr Arbeitsplätze ins Ausland verlagert werden, trägt dazu bei, die Löhne niedrig zu halten, während die Flut billiger Waren aus Asien und Osteuropa die Preise in den Industrieländern drückt.

Damit wären die Währungshüter die schwierige Aufgabe los, zwei Prozent Teuerung anzustreben, und sie könnten aus ihrer ultralockeren Geldpolitik aussteigen, die vor allem die Preise von Anleihen und Aktien nach oben treibt und die Gefahr von Spekulationsblasen birgt. Dieser Logik zufolge sollte die Geldpolitik lieber früher als später normalisiert werden, um die nächste Finanzkrise zu verhindern.

Vermögenspreisinflation ist auch ein Inflationsphänomen, das man nicht unterschätzen sollte, wenn es um private Altersvorsorge geht.
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Re: Anteil Deutschlands an ungesicherten europ. Staatsanleihen erreicht knapp 1 Billionen Euro

Beitragvon imp » Mo 27. Nov 2017, 17:32

Adam Smith hat geschrieben:(24 Oct 2017, 08:13)

Es geht darum, dass die Südstaaten günstige Kredite erhalten. Die Zentralbank kann hier auf diese Weise den Zinssatz sehr gut steuern wie auch das Beispiel Japan zeigt. Nur sollen 2/3 aller Bitcoins bereits in Japan gehandelt werden. Das könnte ein Indiz sein, dass die Zentralbank die Geldmenge eben nicht richtig steuern kann, wenn die Staatsverschuldung zu hoch ist.
Auch soll es bis zum Jahr 2020 den J-Coin in Japan geben. Eine eigenständige Kryptowährung mit der die Japaner dann kleine Beträge bezahlen sollen.

Ähnliches spielt die Zentralbank in Belarus derzeit durch.
Solange die günstigen Kredite sinnvoll angelegt sind, ist das Ganze nicht nur ein rechnerischer Gewinn für die EU sondern auch ein Gewinn auf dem Konto der einlegenden Staaten.
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Re: Anteil Deutschlands an ungesicherten europ. Staatsanleihen erreicht knapp 1 Billionen Euro

Beitragvon Dieter Winter » Mi 13. Dez 2017, 14:29

Yossarian hat geschrieben:(23 Oct 2017, 10:27)

Was hier stattfindet ist die Umschuldung der Staatsanleihen zum Risiko des Steuerzahlers, nichts anderes.



Natürlich - das ist schließlich auch Sinn der Übung. :D
Never approach a bull from the front, a horse from the rear, or an idiot from any direction.

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