Automatisierung: Werden einfache Tätigkeiten stärker oder weniger stark nachgefragt?

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franktoast
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Re: Automatisierung: Werden einfache Tätigkeiten stärker oder weniger stark nachgefragt?

Beitragvon franktoast » Fr 6. Okt 2017, 09:08

immernoch_ratlos hat geschrieben:(06 Oct 2017, 09:11)

Was mich immer wundert, wie selbst ursprünglich wichtigen und im Ansatz auch richtige Fragen, oft schon nach zwei "Gegenantworten" in sinnlosen Halbsätzen mit wenig, bis Null Nähe zum ursprünglichen Thema versanden :mad: Nun ich verstehe (hoffentlich richtig) unter "Erwerbsfähigen" nicht die Fähigkeit als solches "dazu fähig zu sein einem Erwerb nachzugehen", was ja im "Normalfall" wohl massenhaft vorhanden ist. Menschen die tatsächlich "zu Arbeit nicht fähig sind", dürften eine sehr kleine Minderheit sein.

Die Frage sollte eher lauten wie viele "unproduktive Arbeitsplätze" kann sich eine Gesellschaft noch leisten (diese Arbeitsleistung bezahlen), wenn mit Menschen besetzte "produktive" Arbeitsplätze massiv unter Druck geraten :?: Das könnte ja durchaus mit der vorausgegangenen Frage nach "Erwerbsfähigen" gemeint gewesen sein....

Das Einkommen eines Lehrers - eines Hochschulprofessors - eines Müllwerkers - Arztes - Krankenschwester usw. woraus - aus welchen "Töpfen" werden diese Tätigkeiten bezahlt :?:

Das sie alle auch selbst Steuern zahlen, bedeutet lediglich, ein Teil fremder Produktivität fließt wieder in einen der "Töpfe" zurück.

Die eher bange Frage lautet, wer oder was füllt diese Töpfe :?: Daraus wird dann schnell sichtbar, welche Veränderungen diesen Prozess "stören" :rolleyes:

Sorry, ich kann dir nicht folgen. Der Staat sammelt Steuern ein und tätigt damit sein Ausgaben, also ua. bezahlt er das Gehalt des Hochschulprofessors.

Noch kann diese Frage auf D - schlimmstenfalls auf EU beschränkt werden. Dennoch zeigen millionenfache "Wanderbewegungen" wie es damit in großen Teilen der Welt bestellt ist. Dort ist die Produktivität größtenteils "unterirdisch". In anderen Teilen werden Produkte in Konkurrenz zu unseren Produkten hergestellt. Einzige zuverlässig messbare Veränderung, wäre das effektive Sinken (inflationsbereinigt) der Entlohnung breiter Bereiche, wo überhaupt Produktion von handelbaren Gütern stattfindet. Wird auch hier menschliche Arbeit billiger :?: Was ist der Grund dafür :?:

Also weltweit gemessen wird menschliche Arbeit immer teurer, da sie auch produktiver wird. Ist ja auch klar: Wenn jemand mehr herstellt, verdient er auch mehr und kann mehr konsumieren. Würden die Menschen immer weniger herstellen, könnten sie nicht mehr verdienen und mehr konsumieren.
Die Einkommen (ja auch die Unternehmenseinkommen) weltweit steigen also, genau das, was man erwartet. Was genau ist hier also dein Problem?
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Re: Automatisierung: Werden einfache Tätigkeiten stärker oder weniger stark nachgefragt?

Beitragvon Tom Bombadil » Fr 6. Okt 2017, 09:24

franktoast hat geschrieben:(06 Oct 2017, 08:07)

Du meinst, wenn es absolut nichts mehr gibt, was die Gesellschaft zusätzlich noch haben will?

Warum sollte es nichts mehr zusätzlich (was?) geben?

Sollte es noch einen Wunsch nach zB. mehr Pflegern, Lehrern etc. geben, benötigt man noch Erwerbsfähige.

Pfleger:
http://www.ndr.de/fernsehen/sendungen/h ... 38026.html
https://www.ipa.fraunhofer.de/de/Kompet ... nhaus.html

Lehrer:
http://www.haz.de/Sonntag/Technik-Apps/ ... ten-Lehrer
https://www.zdf.de/nachrichten/heute-in ... r-100.html

Und das ist ja alles erst der Anfang, die Technik schreitet rapide voran, Sprach- und Gesichtserkennung werden immer besser, neuronale Netze immer schneller und größer. Viele Menschen, die meinen, einen sicheren Job zu haben, werden sich noch verwundert die Augen reiben.

Und warum auch nicht, Kranken- oder Altenpfleger ist ein Knochenjob, keiner will das machen, da kommen Roboter wie gerufen. Auch der Roboterlehrer hat Vorteile, er ist viel belastbarer und völlig resistent gegen Stress, bis der aber einen echten Lehrer komplett ersetzen kann, wird es noch etwas dauern, besonders in den kreativen Fächern.
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Re: Automatisierung: Werden einfache Tätigkeiten stärker oder weniger stark nachgefragt?

Beitragvon franktoast » Fr 6. Okt 2017, 09:49

Tom Bombadil hat geschrieben:(06 Oct 2017, 10:24)

Warum sollte es nichts mehr zusätzlich (was?) geben?

Ich meinte eine Star Trek Zeit, in der es keine materiellen Engpässe mehr gäbe. Also wenn jeder Mensch keinen Wunsch nach mehr Güter hat (zB. aufwändigerer Urlaub, größerer Fernseher etc.). Solange es den Wunsch gibt, gibt es auch für jeden Arbeit (es sei denn, die Arbeitsstelle findet den Arbeitswilligen nicht, warum auch immer zB. Mindestlohn, Umzug nötig oder anderes).

Pfleger:
http://www.ndr.de/fernsehen/sendungen/h ... 38026.html
https://www.ipa.fraunhofer.de/de/Kompet ... nhaus.html

Lehrer:
http://www.haz.de/Sonntag/Technik-Apps/ ... ten-Lehrer
https://www.zdf.de/nachrichten/heute-in ... r-100.html

Und das ist ja alles erst der Anfang, die Technik schreitet rapide voran, Sprach- und Gesichtserkennung werden immer besser, neuronale Netze immer schneller und größer. Viele Menschen, die meinen, einen sicheren Job zu haben, werden sich noch verwundert die Augen reiben.

Und warum auch nicht, Kranken- oder Altenpfleger ist ein Knochenjob, keiner will das machen, da kommen Roboter wie gerufen. Auch der Roboterlehrer hat Vorteile, er ist viel belastbarer und völlig resistent gegen Stress, bis der aber einen echten Lehrer komplett ersetzen kann, wird es noch etwas dauern, besonders in den kreativen Fächern.

Ohne Frage sehe ich diese Entwicklung auch, aber ob es so schnell geht, wie wir uns das alle wünschen, das bezweifle ich. Selbst wenn es mal Roboter gäbe, die annährend gut wäre, fallen die auch nicht vom Himmel. Ich sehe hier aber Roboter eher als Hilfe, um Pflege zu verbessern. Es könnte durchaus sein, dass der Beruf so beliebter wird und noch mehr Pfleger gefragt sind. Ob die Alten mit nem Roboter Schach spielen wollen? Ob sie ihm die geschichten erzählen wollen?

Übrigens gibt es auch schon ziemlich gute Sexroboter. Bedeutet das, dass aus Sicht des Mannes die Frau bald ersetzt wird?
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Re: Automatisierung: Werden einfache Tätigkeiten stärker oder weniger stark nachgefragt?

Beitragvon Tom Bombadil » Fr 6. Okt 2017, 10:05

franktoast hat geschrieben:(06 Oct 2017, 10:49)

Solange es den Wunsch gibt, gibt es auch für jeden Arbeit...

Warum gibt es dann so viel Arbeitslosigkeit auf der Welt?

Ob die Alten mit nem Roboter Schach spielen wollen? Ob sie ihm die geschichten erzählen wollen?

Glaubst du ernsthaft, ein Altenpfleger hätte Zeit, mit den Alten Schach zu spielen oder ihren Geschichten zu lauschen? Das ist ein knallhartes Business, da zählt jede Sekunde, die wollen auch Profit machen. Schachcomputer sind auch keine wirklich neue Erfindung.

Übrigens gibt es auch schon ziemlich gute Sexroboter. Bedeutet das, dass aus Sicht des Mannes die Frau bald ersetzt wird?

Ein furchtbares Frauenbild offenbarst du hier. Hast du deine Frau/Freundin nur zum poppen? Was ersetzt werden könnte sind Prostituierte, wäre auch keine so schlechte Entwicklung, besonders für die Frauen, die das nicht wirklich freiwillig tun.
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Re: Automatisierung: Werden einfache Tätigkeiten stärker oder weniger stark nachgefragt?

Beitragvon franktoast » Fr 6. Okt 2017, 10:54

Tom Bombadil hat geschrieben:(06 Oct 2017, 11:05)
Warum gibt es dann so viel Arbeitslosigkeit auf der Welt?

Ich hab doch Beispiele genannt. Was bringt es dir, wenn du nur die Hälfte meines Satzes liest und zitierst?

Glaubst du ernsthaft, ein Altenpfleger hätte Zeit, mit den Alten Schach zu spielen oder ihren Geschichten zu lauschen? Das ist ein knallhartes Business, da zählt jede Sekunde, die wollen auch Profit machen. Schachcomputer sind auch keine wirklich neue Erfindung.

Heute sind Altenpfleger teuer. Da ist nicht genug Geld da, damit Altenpfleger Schach spielen. Jeder Alte hat zB. ein Budget von 1000€, also wären das 50 Stunden Pflege im Monat(bei Lohnkosten von 20€ pro Stunde). Nun kommen die Roboter, die die gleiche Arbeit unterm Strich für 10€ die Stunde schaffen. So, nun hat ein Rentner immer noch ein Budget von 1000€, warum auch nicht. Und nu? Wie nutzt man die restlichen 500€?

Ich meine, dir ist klar, dass Automatisierung auch zu enormen Kosteneinsparungen bzw. Preissenkungen führt, die Marktteilnehmer aber das gleiche Einkommen haben. Das zusätzliche Einkommen will entsprechend ausgegeben werden, aber in was?

Ein furchtbares Frauenbild offenbarst du hier. Hast du deine Frau/Freundin nur zum poppen? Was ersetzt werden könnte sind Prostituierte, wäre auch keine so schlechte Entwicklung, besonders für die Frauen, die das nicht wirklich freiwillig tun.

Ja, kann man leicht missverstehen. Ich meine, was macht eine Frau attraktiv? Sie sieht gut aus. Jeder Roboter kann genauso aussehen. Sie ist klug? Schafft jeder Computer irgendwann. Sie schimpft mit einem? Klar, kann der Roboter auch.
Ich meine, werden Frauen durch Roboter ersetzt? Natürlich denke ich nein, aber ich wäre mal auf deine Antwort gespannt, warum nicht.
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Re: Automatisierung: Werden einfache Tätigkeiten stärker oder weniger stark nachgefragt?

Beitragvon Tom Bombadil » Fr 6. Okt 2017, 12:45

franktoast hat geschrieben:(06 Oct 2017, 11:54)

Ich hab doch Beispiele genannt.

Inwiefern beantworten die meine Frage? Würde deine These stimmen, dürfte es doch keine Arbeitslosigkeit geben oder verstehe ich da etwas falsch, gibt es die von dir genannten Wünsche nicht (mehr)?

Ich meine, dir ist klar, dass Automatisierung auch zu enormen Kosteneinsparungen bzw. Preissenkungen führt...

Warum sollten die Unternehmer freiwillig ihren Profit reduzieren? In der Anfangszeit müssen ja auch noch die AK der Roboter erwirtschaftet werden.

Ich meine, werden Frauen durch Roboter ersetzt? Natürlich denke ich nein, aber ich wäre mal auf deine Antwort gespannt, warum nicht

Mir persönlich ist es völlig wurscht, ob jemand für einen Robotor so starke Gefühle entwickelt. Dass menschliche Partner grundsätzlich ersetzt werden glaube ich nicht.
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Re: Automatisierung: Werden einfache Tätigkeiten stärker oder weniger stark nachgefragt?

Beitragvon franktoast » Fr 6. Okt 2017, 14:33

Tom Bombadil hat geschrieben:(06 Oct 2017, 13:45)
Inwiefern beantworten die meine Frage? Würde deine These stimmen, dürfte es doch keine Arbeitslosigkeit geben oder verstehe ich da etwas falsch, gibt es die von dir genannten Wünsche nicht (mehr)?

Das beantwortet meine Frage, weil ich sagte, dass es auch andere Gründe gibt, die zu Arbeitslosigkeit füghren wie zB. der Mindestlohn oder jemand will nicht umziehen oder jemand sucht eben erstmal ein paar Monate, um wieder den passenden Job zu finden.
Wenn der einzige Grund zur Arbeitslosigkeit die Automatisierung wäre, dann müsste die Arbeitslosigkeit weltweit jedes Jahr steigen. Tut sie aber nicht. Und vor 50 Jahren hätte sie gar nicht existieren dürfen, tat sie aber.

Warum sollten die Unternehmer freiwillig ihren Profit reduzieren? In der Anfangszeit müssen ja auch noch die AK der Roboter erwirtschaftet werden.

Weil "die Unternehmer" kein Monolith sind, die gemeinsam gegen den Rest der Welt kämpfen. Wenn es in einer Branche hohe Margen gibt, dann preschen in die Branche so lange neue Unternehmen vor, bis die Marge wieder gering ist. Es sei denn, die Technologie wird zB. durch staatliche Patente geschützt.

Mir persönlich ist es völlig wurscht, ob jemand für einen Robotor so starke Gefühle entwickelt. Dass menschliche Partner grundsätzlich ersetzt werden glaube ich nicht.

Und warum nicht? Ich finde, du siehst das schon etwas eindimensional. Als ob die technologie nur einzig und allein da wäre, um Arbeitsplätze zu vernichten. Schon mal auch daran gedacht, dass durch diese Technologie irgendwann mal niemand mehr zur Schule oder Uni gehen muss und man sich einfach das entsprechende Können runterlädt? Klar ist das noch weit entfernte Zukunftsmusik. Aber wenn ich am Grand Canyon stehe und grad wissen will, aus wie vielen Atomen das Wassermolekül besteht, muss ich das nicht der Schule gelernt haben. Ich zück mein Handy und schau nach. Dass man dieses Wissen über interaktive Kontaktlinsen abrufen kann, halte ich realistischer als dass ein Roboter einen Alten wäscht.
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Re: Automatisierung: Werden einfache Tätigkeiten stärker oder weniger stark nachgefragt?

Beitragvon Realist2014 » Fr 6. Okt 2017, 14:34

Tom Bombadil hat geschrieben:(06 Oct 2017, 13:45)

I


Warum sollten die Unternehmer freiwillig ihren Profit reduzieren? In der Anfangszeit müssen ja auch noch die AK der Roboter erwirtschaftet werden.


.



ich frage mich immer noch, wie die zwei Teilthesen "hoher Profit" und "hohe Arbeitslosigkeit" zusammen passen sollen...

mit welchen Kunden sollen die Unternehmen denn den Profit erwirtschaften?
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Re: Automatisierung: Werden einfache Tätigkeiten stärker oder weniger stark nachgefragt?

Beitragvon Alter Stubentiger » Fr 6. Okt 2017, 19:06

Realist2014 hat geschrieben:(05 Oct 2017, 17:54)

wenn nichts zum Verteilen da ist- haben wir eine Notsituation

dann WIRD gekürzt werden

WOHER willst du es auch nehmen?


Die EU-Kommision hat ja die Idee die Gewinne der Internetkonzerne angemessen zu besteuern. Das hatte ich ja auch schon angemahnt. Und du hattest abgestritten daß es da nicht mit rechten Dingen zu geht. Was sagst du nun zum Ansinnen der EU? Haben die auch wieder keine Ahnung? Auf jeden Fall wäre da eine legitime Geldquelle.
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Re: Automatisierung: Werden einfache Tätigkeiten stärker oder weniger stark nachgefragt?

Beitragvon Alter Stubentiger » Fr 6. Okt 2017, 19:07

Realist2014 hat geschrieben:(06 Oct 2017, 15:34)

ich frage mich immer noch, wie die zwei Teilthesen "hoher Profit" und "hohe Arbeitslosigkeit" zusammen passen sollen...

mit welchen Kunden sollen die Unternehmen denn den Profit erwirtschaften?


Diese Frage wird sich die Industrie 4.0 durchaus stellen müssen wenn sie so richtig in Fahrt kommt. Wenn nur noch Shareholder verdienen was dann?
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Re: Automatisierung: Werden einfache Tätigkeiten stärker oder weniger stark nachgefragt?

Beitragvon Realist2014 » Fr 6. Okt 2017, 19:22

Alter Stubentiger hat geschrieben:(06 Oct 2017, 20:07)

Diese Frage wird sich die Industrie 4.0 durchaus stellen müssen wenn sie so richtig in Fahrt kommt. Wenn nur noch Shareholder verdienen was dann?



an WAS wollen die denn "verdienen"?

WER kauft die Produkte / Dienstleistungen?

wenn dann "alle arbeitslos" sind?

das ist doch völliger Nonsens
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Re: Automatisierung: Werden einfache Tätigkeiten stärker oder weniger stark nachgefragt?

Beitragvon Realist2014 » Fr 6. Okt 2017, 19:25

Alter Stubentiger hat geschrieben:(06 Oct 2017, 20:06)

Die EU-Kommision hat ja die Idee die Gewinne der Internetkonzerne angemessen zu besteuern. Das hatte ich ja auch schon angemahnt. Und du hattest abgestritten daß es da nicht mit rechten Dingen zu geht. Was sagst du nun zum Ansinnen der EU? Haben die auch wieder keine Ahnung? Auf jeden Fall wäre da eine legitime Geldquelle.


seit wann sind die deutschen DAX-Unternehmen darunter?

und ja, momentan geht es "mit rechten" Dingen zu, weil sich alle Internetkonzerne an gültige Gesetze halten

Wobei ich die Idee der EU für richtig halte

nur müssen da eben Irland und Holland mitspielen...
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Re: Automatisierung: Werden einfache Tätigkeiten stärker oder weniger stark nachgefragt?

Beitragvon Alter Stubentiger » Fr 6. Okt 2017, 19:32

Realist2014 hat geschrieben:(06 Oct 2017, 20:25)

seit wann sind die deutschen DAX-Unternehmen darunter?

und ja, momentan geht es "mit rechten" Dingen zu, weil sich alle Internetkonzerne an gültige Gesetze halten

Wobei ich die Idee der EU für richtig halte

nur müssen da eben Irland und Holland mitspielen...


Ich bewerte die Ausnutzung von Steuerschlupflöchern oder so Dinge wie Karusselgeschäfte nicht als legitim. Nicht alles was Juristen mit viel Fleiß als legal hinstellen ist vertretbar. Man muß es nicht so positiv darstellen wie du es tust. Damit stellst du dich einfach auf die falsche Seite.

Und Irland.....die EU macht ernst. Irland wird verklagt.
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Re: Automatisierung: Werden einfache Tätigkeiten stärker oder weniger stark nachgefragt?

Beitragvon Alter Stubentiger » Fr 6. Okt 2017, 19:35

Realist2014 hat geschrieben:(06 Oct 2017, 20:22)

an WAS wollen die denn "verdienen"?

WER kauft die Produkte / Dienstleistungen?

wenn dann "alle arbeitslos" sind?

das ist doch völliger Nonsens


Dann suche Antworten auf diese Fragen. Von dir kommen aber nie Antworten.
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Re: Automatisierung: Werden einfache Tätigkeiten stärker oder weniger stark nachgefragt?

Beitragvon Gruwe » Sa 7. Okt 2017, 08:39

Alter Stubentiger hat geschrieben:(06 Oct 2017, 20:35)

Dann suche Antworten auf diese Fragen. Von dir kommen aber nie Antworten.


Die Antwort auf diese Frage ist doch, dass dies nicht stattfinden wird.

Wenn man unterstellt, dass ein Unternehmen Investitionen tätigt um die Gewinnsituation zu verbessern, genauer gesagt die Investitionen wieder "rausbekommt" nebst einer entsprechenden
Rendite, dann kann ein einzelnes Unternehmen für sich betrachtet erstmal natürlich mittels Automatisierung/Digitalisierung über eine Kostenreduzierungsstrategie dieses Ziel erreichen.
Das kann man allerdings nur solange pauschal derart beantworten, so lange man die Annahme trifft, dass diese Strategie lediglich Auswirkungen auf die Angebotsseite hat, nicht aber auf
die Nachfrageseite.

Da aber nun mal nicht nur ein einzelnes Unternehmen in Deutschland/Welt automatisiert/dígitalisiert sondern so gut wie Alle, bei denen dies möglich ist, ist die Annahme, dass diese Investitionen
auf die Nachfrageseite keinerlei Einfluss haben, nicht weiter haltbar.

Da die Gewinne eines Unternehmens unmittelbar an dessen Wertschöpfung geknüpft sind und die geleistete Wertschöpfung erst dadurch ergibt, dass es eine Nachfrage nach dem Gut gibt von Menschen, die
diesem Gut eine "Wertschätzung" entgegenbringen, werden die Unternehmensgewinne sinken, wenn durch diese Investitionen keine zusätzliche Wertschöpfung geleistet wird.

Betrachtet man das nun für einen ganzen Markt (etwa Deutschland) dann wird irgendwann der Punkt kommen, in dem die Investitionen unrentabel werden, da zwar mit den geringeren Kosten bzw. der
steigenden Produktivität mehr Wertschöpfung geleistet werden könnte, diese aber gesamtwirtschaftlich garnicht mehr nachgefragt wird. Ergo: Weitere Investitionen werden unrentabel und werden entsprechend
nicht mehr durchgeführt.

Eine entsprechend gravierend ansteigende Arbeitslosigkeit kann so also garnicht induziert werden. Eher ist es der Fall, dass (auch wenn die Technologie entsprechend vorhanden wäre bzw. entsprechende Fortschritte macht) die wirtschaftliche Entwicklung garnicht mithalten würde/könnte, da unökonomisch.

Mir konnte bisher noch Niemand erklären, wie dieses "Problem" durchdrungen werden könnte. Hast du denn eine Erklärung für mich?
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Re: Automatisierung: Werden einfache Tätigkeiten stärker oder weniger stark nachgefragt?

Beitragvon Alter Stubentiger » Sa 7. Okt 2017, 14:36

Alles basiert auf Annahmen. Man kann natürlich annehmen das für wegfallende Tätigkeiten auch in Zukunft neue Berufsfelder entstehen. In der Vergangenheit war dies so. Das wäre zwar schön aber eigentlich wäre es besser wenn man jetzt schon mal darüber nachdenkt ob mit der Industrie 4.0 nicht noch mehr Geld aus dem Wirtschaftskreislauf entnommen und an die Kapitalmärkte geleitet wird wo es wiederrum zu einer weiteren Akkumulation des Kapitals führt. Man kann nicht den Kopf in den Sand stecken. Man muß eigentlich heute schon einen Plan B entwickeln. Wenn die Ungleichgewichte bei den Vermögen weiter wachsen und dies dann wahrnehmbare Probleme bei der Nachfrage erzeugt muß man darüber nachdenken wie es weitergeht.

Das tut aber keiner. Und wenn es schief geht gibt es Hunger und Bürgerkriege in Europa und Amerika. Die jetzigen Wahlerforlge der Lautsprecher und Populisten sind nur ein milder Vorgeschmack.
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Re: Automatisierung: Werden einfache Tätigkeiten stärker oder weniger stark nachgefragt?

Beitragvon 3x schwarzer Kater » Sa 7. Okt 2017, 14:46

Alter Stubentiger hat geschrieben:(06 Oct 2017, 20:06)

Die EU-Kommision hat ja die Idee die Gewinne der Internetkonzerne angemessen zu besteuern.


Diese unausgegorene Schwachsinn wird so nicht kommen.
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Re: Automatisierung: Werden einfache Tätigkeiten stärker oder weniger stark nachgefragt?

Beitragvon Alter Stubentiger » Sa 7. Okt 2017, 14:51

3x schwarzer Kater hat geschrieben:(07 Oct 2017, 15:46)

Diese unausgegorene Schwachsinn wird so nicht kommen.


Er muß kommen. Die jetzige Situation ist in der Industrie 4.0 unhaltbar. Internetkonzerne dürfen nicht weniger belastet werden als klassische Geschäftsleute.
Du bist doch für freien Markt. Da müßen die Rahmenbedingungen für alle Marktteilnehmer gleich sein.
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Re: Automatisierung: Werden einfache Tätigkeiten stärker oder weniger stark nachgefragt?

Beitragvon 3x schwarzer Kater » Sa 7. Okt 2017, 15:06

Alter Stubentiger hat geschrieben:(07 Oct 2017, 15:51)

Er muß kommen. Die jetzige Situation ist in der Industrie 4.0 unhaltbar. Internetkonzerne dürfen nicht weniger belastet werden als klassische Geschäftsleute.
Du bist doch für freien Markt. Da müßen die Rahmenbedingungen für alle Marktteilnehmer gleich sein.


Das wird so nicht kommen, vergiss es. Das wird dir jeder bestätigen, der ein bisschen Ahnung von internationaler Besteuerung hat. Zu komplex sind die Themen, zudem müsste man alle OECD-Richtlinien zur internationalen Besteuerung, die man die letzten 15 Jahre mühsam in nationales Recht umgesetzt hat über den Haufen werfen und alle Doppelbesteuerungsabkommen, die ja immer nur bilateral sind, kündigen und neu machen. Dann viel Spaß. Um Ende des Tages wird man feststellen, dass es nicht nur Internetunternehmen betrifft, sondern auch andere Unternehmen. Ich möchte nur Mal anmerken, dass auch das deutsche mittelständische Maschinenbauunternehmen mit einer Exportquote von 60%, wohl etwa 60% seines Gewinnes im Ausland erwirtschaftet ohne dort auch nur 1 Cent an Steuern zu zahlen.

Und ja ich bin für gleiche Rahmenbedingungen und daher auch der Meinung, dass die Besteuerung von Unternehmen nicht mehr zeitgemäß ist und man mittelfristig darüber nachdenken sollte, das auch bleiben zu lassen.
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Re: Automatisierung: Werden einfache Tätigkeiten stärker oder weniger stark nachgefragt?

Beitragvon Orwellhatterecht » Sa 7. Okt 2017, 15:23

3x schwarzer Kater hat geschrieben:(07 Oct 2017, 15:46)

Diese unausgegorene Schwachsinn wird so nicht kommen.




Unausgewogener Schwachsinn und gewaltige Wettbewerbs Verzerrung ist es, dass Konzerne wie Amazon, Apple, Google, Subway Ikea, etc.kaum Steuern in der Bundesrepublik zahlen, gerne aber sowohl Infra Struktur inclusive Subventionen für sich reklamieren, getreu der Devise: "Gewinne privat, Verluste dem Staat."!
Die Großen hören auf zu herrschen, wenn die Kleinen aufhören zu kriechen!“
(Friedrich Schiller)

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